Mossad-Chef: Der Iran wird niemals Atomwaffen bekommen

Iron Dome. Bild: IDF

Mit den erneuten Gesprächen über das Atomabkommen mit Iran, steigert sich die Sorge in Israel. Gedroht wird mit Angriffen auf die iranischen Atomanlagen und es kursieren Berichte von wundersamen Sabotage-Aktionen des Mossad.

Russland und Weißrussland sowie die Ukraine und Polen mit Unterstützung der USA, von Nato und der EU sind neben dem Konflikt mit China nicht die einzigen militärischen Hotspots. Es gibt auch noch das alte Thema des iranischen Atomwaffenprogramms und der Drohung Israels, wie schon im Irak und Syrien geschehen, dieses durch Bombardierung zu vernichten, während gerade die durch Donald Trump beendeten Gespräche über das Atomabkommen mit dem Iran wieder aufgenommen wurden. Auch die neue israelische Regierung lehnt es, propagiert die iranische Bedrohung und kokettiert wieder einmal mit einem militärischen Angriff.

Die Verhandlungen über die Wiederaufnahme des Atomabkommens mit dem Iran (JCPOA) in Wien mit den Vertragspartnern Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Russland und China (P4+1) waren am Freitag für mehrere Tage zu Beratungen unterbrochen worden, nachdem der Iran zwei Dokumente mit Forderungen nach Beendigung der Sanktionen und Bedingungen für den Atomdeal vorgelegt hatte. Überdies geht es für Iran um die finanzielle Verifizierung des Abkommens, da das alte Umgehungen durch Verhängen neuer Sanktionen ermöglicht hatte. Die Iraner sagten, sie hätten es nicht eilig, alles liege nun in den Händen des amerikanischen Präsidenten Joe Biden. Die Amerikaner nehmen noch nicht direkt teil.

Eine Ausweitung des Abkommens etwa auf Raketensysteme oder regionale Aktivitäten wird strikt abgelehnt. Die Amerikaner, die seit Monaten drängen, weil sich das Fenster für ein Abkommen schließe, fordern eine Reduzierung der Zentrifugen und der Menge des angereicherten Urans, bieten aber nur das Ende der Sanktionen, die das Atomprogramm betreffen. Andere Sanktionen beziehen sich auf Raketentechnik, Terrorismus, Unterstützung der Huthis im Jemen, Angriffe auf Ölanlagen oder Menschenrechtsverletzungen. Iran fordert die Beendigung aller Sanktionen, die nach dem Abschluss JCPOA verhängt wurden, die im Abkommen bereits genannten natürlich auch.

Angespannte Lage

Ein Angriff auf den Iran hat allerdings eine andere Dimension als die Bombardierung der irakischen und syrischen Ziele. Der Iran ist hochgerüstet und er hat im Libanon die mit Raketen, Drohnen und unterirdischen Stellungen vorbereiteten Hisbollah und mittlerweile in Syrien Milizen, die Israel angreifen könnten.

Wie angespannt die Situation ist, zeigt ein Vorfall in Natanz, wo sich die Urananreicherungsanlage befindet, in der nach dem Ausstieg von Trump aus dem Atomabkommen die Produktion nicht nur von zu 20 Prozent angereichertem Uran, sondern auch zu 60 Prozent hochgefahren wurde. Waffenfähig ist zu 90 Prozent angereichertes Uran. Am Samstagabend wurde von einer großen Explosion berichtet. Es kamen Vermutungen auf, dass es sich wieder um einen Anschlag auf die Atomanlage handeln könnte, möglicherweise hat ein Raketenabwehrsystem eine Drohne abgeschossen wurde spekuliert.

Schon Anfang des Jahres hatte es einen Cyberangriff gegeben, den Iran auf Israel zurückführte, im Juni gab es einen Anschlag auf ein Gebäude in Karaj, in dem vermutlich die Zentrifugen für Natanz hergestellt werden. Iran führte den Sabotageakt ebenfalls auf Israel zurück und erklärte, es sei kein nennenswerter Schaden entstanden.

Jetzt streitet Iran ab, dass es einen Angriff gegeben habe, es habe sich um eine Übung gehandelt, um die Reaktionsfähigkeit des Raketenabwehrsystems zu.  Der Abschuss der Rakete sei in der Wüste in einer sicheren Entfernung von 20 km von der Atomanlage erfolgt.

Permanente Warnungen der israelischen Regierung

Dass es Israel ernst ist, lässt sich daraus ableiten, dass Mossad-Chef David Barnea als Gesandter von Regierungschef Naftali Bennett am Sonntag nach Washington geflogen ist, um die Lage zu besprechen. Im Laufe der Woche wird auch Verteidigungsminister Benny Gantz die Reise nach Washington antreten. Offenbar soll verhindert werden, dass ein Übergangsvertrag geschlossen wird, was aber der Iran auch ablehnt. Zudem will die israelische Regierung weitere harte Sanktionen und wird klarmachen, dass Israel sich selbst dann, wenn ein Atomabkommen wieder zustande kommt, daran nicht gebunden sieht. Barnea hatte am vergangenen Donnerstag versprochen, dass der Iran keine Atomwaffen bekommen wird – „nicht in den kommenden Jahr, sondern überhaupt nicht“.

Bennett erklärte am Sonntag, Iran dürfe nicht erlaubt werden, Uran anzureichern. Der Iran könne nicht verhandeln und gleichzeitig weiter Uran anreichern. Es müsse hart gegen den Iran vorgegangen werden, der auch gezwungen werden müsste, sich militärisch in Nachbarstaaten Israels zu engagieren. Gemeint sind damit Syrien, wo iranische Milizen für Assad kämpfen und Israel immer wieder vermeintliche iranische Stellungen und Waffenlager bombardiert, aber auch die Hisbollah im Libanon, die über ein großes Arsenal iranischer Raketen verfügen.

Der israelische Präsident Isaac Herzog warnte am Sonntag, dass Israel sich selbst verteidigen werden, es zu keinem Atomabkommen kommen sollte. Israel würde eine Lösung akzeptieren, mit der die „nukleare Gefahr“ beendet wäre. Wenn das nicht der Fall ist, lägen alle Optionen auf dem Tisch.

Israel rüstet auf

Ob ein möglicher Angriff auf die iranischen Anlagen bereits vorbereitet und geübt wird, ist nicht klar. Israel will jedenfalls neue bunkerbrechende GBU-72-Bomben kaufen, die von F-15-Kampfflugzeugen eingesetzt werden können. Während der Militäroperation  „Guardian of the Walls“ in Gaza hatte die israelische Luftwaffe im Mai zur Zerstörung des Tunnelsystems die älteren GBU-28-Bomben abgeworfen und die Daten der US-Luftwaffe übermittelt, um die bunkerbrechenden Waffen genauer zu machen. Daran kann man auch mal wieder sehen, dass militärische Konflikte eben auch waffentechnische Gründe haben.

Zuvor hatte das Repräsentantenhaus im September eine Milliarde US-Dollar für den Kauf von Tamir-Abfangraketen für Israels Iron Dome gebilligt. Während des Konflikts mit Hamas im Gazestreifen wurden die Vorräte verbraucht, nachdem die Hamas Tausende von Raketen nach Israel abgefeuert hatten. Doch im Senat blieb das Gesetz erst einmal hängen, nachdem Bernie Sanders und Rand Paul ihre Zustimmung verweigerten.

Im Mai war allerdings schon der Kauf von Joint Direct Attack Munitions (JDAMs) im Wert von 735 Millionen US-Dollar gebilligt worden, um das ebenfalls im Gazakrieg geleerte Arsenal mit Präzisionsbomben aufzufüllen.

Und die neue israelische Regierung hat im Oktober 1,5 Milliarden US-Dollar für einen möglichen Angriff auf den Iran bereitgestellt. Vermutlich sollen damit u.a. die neuen bunkerbrechenden Bomben gekauft werden (Israel rüstet für einen Angriff auf iranische Atomanlagen auf).

Eigentlich ist ein Militärschlag zu riskant

Natürlich werden seit langem Szenarien durchgespielt und Angriffspläne ausgearbeitet, die aber im Gegensatz zu Syrien und dem Irak, wo ein paar Kampfflugzeuge reichten, um jeweils ein Ziel anzugreifen, mit einem hochgerüsteten Land mit starken russischen und eigenen Flug- und Raketenabwehrsystemen rechnen müssen. Dazu müssten zahlreiche, meist unterirdische, mit Stahlbeton befestigte Ziele zerstört werden. Gleichzeitig muss mit massiven Drohnen- und Raketenangriffen auf Israel gerechnet werden, auch die Hisbollah oder Milizen in Syrien könnten angreifen. Das israelische Militär geht davon aus, dass die Hisbollah 2000 Raketen am Tag nach ganz Israel abfeuern kann. Irans Mittelstreckenraketen können Israel überall treffen.

Die Huthis (oder der Iran) haben bereits 2019 gezeigt, wie sich mit tief fliegenden Drohnen und Präzisionsraketen Flug- und Raketenabwehrsysteme überwinden und Ziele über Hunderte von Kilometern hinweg angreifen lassen. Dabei wurden Ölanlagen des saudischen Konzerns getroffen. Allerdings können so keine schweren bunkerbrechenden Bomben über 2000 km von Israel nach Iran transportiert werden. Israel verfügt zudem über Mittelstreckenraketen des Typs Jericho, die den erreichen können, aber auch keine bunkerbrechenden Sprengköpfe transportieren können, wohl aber taktische Atomsprengköpfe. Zwar wird seit den 2000er Jahren auch in den USA der Einsatz von taktischen Atomwaffen gegen befestigte unterirdische Ziele erwogen. Aber Israel wird Atomwaffen nur als allerletztes Mittel einsetzen.

Zwar haben sich die Beziehungen Israels mit Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten verbessert, aber kaum denkbar, dass Angriffe auf den Iran von dort aus gestartet werden können, auch die Benutzung des jordanischen, saudischen und/oder irakischen Luftraums dürfte schwierig sein.

Ohne direkte Unterstützung der USA würde ein israelischer Angriff wohl nicht möglich sein oder ein Kamikaze-Unternehmen werden. Die seit Jahren aufgebaute Drohkulisse ist mithin kaum oder nur mit gewaltigen Risiken umsetzbar und dürfte eher dazu dienen, die USA und andere Staaten hinter Israel und gegen den Iran Position beziehen zu lassen. Angeblich will Israel die USA dazu nötigen, einen Militärschlag gegen den Iran zu führen, wenn die Verhandlungen über das Abkommen scheitern.

James-Bond-Geschichten über Mossads Aktionen gegen das iranische Atomwaffenprogramm

Viel eher wird Israel weiter auf Sabotageakte setzen. Und wenn die Geschichten von Jewish Chronicle stimmen sollten, dann kann der Mossad immer noch dem Atomprogramm erheblichen Schaden zufügen, auch wenn er nicht alle Anlagen zerstören kann.

Mossad soll zehn iranische Atomwissenschaftler rekrutiert haben, die glaubten, sie würden für Dissidentengruppen arbeiten. Im April sollen sie 90 Prozent der  Zentrifugen in der Wiederaufbereitungsanlage in Natanz mit Sprengstoff zerstört haben, der mit Drohnen und in Lebensmittellieferungen in die Anlage gebracht worden sein soll. Es soll einen riesigen Krater verursacht haben, Natanz soll für 9 Monate ausgeschaltet worden sein. 2019 soll bereits Sprengstoff in Baumaterialien in die Anlage gebracht und im Juli 2020 gezündet worden sein, was die Stromversorgung unterbrochen hat. Der letzte Sabotageanschlag soll dann im Juni 2021 in Karaj stattgefunden haben. Eine große Quadcopter-Drohne wurde angeblich in Teile zerlegt in den Iran geschmuggelt und dort wieder zusammen gebaut. Ein israelisch-iranisches Team habe dann die Drohne zu dem Gebäude gesteuert, in dem Zentrifugen hergestellt werden sollen, und es von der Drohne aus mit Raketen beschossen und teilweise zerstört. Dann sei die Drohne wieder zurückgeflogen worden, um sie erneut benutzen zu können.

Richtig überzeugen die angeblichen Heldentaten des Mossad nicht. Das erinnert an den Mordanschlag des Mossad auf den Atomphysiker Mohsen Fachrisadeh im November 2020, der das iranische AMAR-Atomprogramm aufgebaut hat. Es gibt verschiedene Versionen, u.a. hieß es, sein Wagen sei gestoppt und er dann von einer ferngesteuerten Waffe erschossen worden.

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