Moshe Zuckermann: „Israel ist nicht in der Lage, jetzt den moralischen Zeigefinger zu heben“

Amerikanische Haubitzen für die Ukraine – Israel schickt keine Waffen. Bild: DoD

Der Philosoph Moshe Zuckermann aus Tel Aviv erklärt, warum Israel sich nicht gegen Russland stellt und keine Waffen liefert.

Der ukrainische Präsident Selenskij hatte in seiner Rede vor der Knesset die Lage der Ukraine mit dem Holocaust verglichen: „Das kam sehr schlecht an. In Israel versteht man den Holocaust als eine Art Errungenschaft der politischen Kultur Israels. Niemand darf in irgendeiner Weise etwas mit dem Holocaust vergleichen.“ Zwar fanden in der Ukraine in 1920er Jahren schlimme Pogrome statt, aber Zuckermann sagt, dass Israel im Prinzip mit dem Rechtsextremismus keine Probleme hat, wenn es den eigenen Interessen nützt.

Israel hat, so Zuckermann,  kaum Probleme damit, dass Stepan Bandera, der mit den Nazis kollaboriert hat, Nationalheld der Ukraine ist: „Wenn es um eine historische Aufrechnung wie beispielsweise im Fall der Ukraine geht, dann ist immer die Frage, ob Israel reale, gegenwärtige, konkrete Interessen hat mit irgendwelchen historischen Aufrechnungen vereinbaren kann. Israel hat noch nie ein Land deshalb boykottiert, weil es rechtsradikal oder faschistisch ist.“

Zuckermann ist auch skeptisch, was die moralische Entrüstung gegenüber Russland betrifft: „Die Moralität, die jetzt mehr oder weniger hochgespült wird, hat im Grunde genommen zwei Gesichter. Diejenigen, die sich heute groß für die Ukraine ins Zeug werfen, in Deutschland beispielsweise, doch keinen Finger krümmen, wenn es um die Palästinenser hier geht. Das heißt, die Moral ist immer das, was man grade verkraften kann. “

Das Gespräch wurde am 26. April geführt.

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Ein Kommentar

  1. Wieder mal ein sehr interessantes Interview von k&k.
    Ich fand es trotzdem bemerkenwert, dass kolportiert wurde, Naftali Bennett habe Selenskyj dazu geraten, Putins Forderungen zu akzeptieren, auch wenn es anschliessend dementiert wurde.
    Es wäre das einzige Mal, dass jemand (wenn auch heuchlerisch) diesen einzig vernünftigen Ratschlag gegeben hätte, zu einem Zeitpunkt, als man die Eskalation vielleicht noch hätte eindämmen können.
    Im Übrigen soll ja auch der Selenskyj-Finanzier Kolomoiski, der neben anderen Freiwilligenkampfverbänden das rechtsradikale Asow-Bataillon in der Anfangsphase unterstützt hatte, sich nach Israel abgesetzt haben. Ob er dort die Pro-Ukraine-Demos unterstützt?

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