Mit HIMARS-Raketen wurde angeblich die strategisch wichtige Antonovsky-Brücke über den Dnjepr beschädigt

Einschusslöcher auf der Brücke von HIMARS-Raketen (?).

Russland spielt den Angriff herunter, die Ukraine sieht einen Erfolg in der geplanten Offensive und feiert die „Wunderwaffe“. Zu erwarten ist eine weitere Eskalation des Kriegs.

 

 

Ukrainische Truppen greifen u.a. mit HIMARS-Raketen die strategisch wichtige Antonovsky-Brücke über den Dnjepr im von Russland besetzten Oblast Cherson zwischen den Städten Cherson mit den Städten Oleschky und Hola Prystan an. Die mehr als 1300 Meter lange Brücke ist eine wichtige Verbindung zu den westlich des Flusses gelegenen Gebieten und dient als Versorgungs- und Nachschubweg für die russischen Truppen. Würde die Brücke völlig zerstört sein, würde es viel umständlicher sein, den Fluss zu überqueren. Zudem wurde eine Eisenbahnbrücke beschädigt.

In der Ukraine wird gejubelt. Präsidentenberater Podolyak schreibt: „Man kann die Antonovsky-Brücke als Mittel der russischen Luftabwehr bezeichnen, die alle ukrainischen Raketen abfängt, aber man kann der Realität nicht entkommen – die Besatzer sollten lernen, wie man über den Dnipro schwimmt. Oder sie sollten Cherson verlassen, solange es noch möglich ist. Eine dritte Warnung wird es vielleicht nicht geben.“ Auch Präsidentenberater Anton Gerashchenko, ebenfalls zuständig wie der Präsident selbst für Propaganda: „HIMARS hat einer der beiden Brücken, die von den Angreifern für einen massiven Truppentransfer genutzt werden, einen weiteren schweren Schlag versetzt. Hoffen wir, dass die Antonovsky-Brücke dieses Mal der Wucht des HIMARS-Raketenangriffs nicht standhalten wird.“

Es wird offenbar von Kiew versucht zu demonstrieren, dass die ukrainischen Truppen – sofern sie dies tatsächlich ohne „Berater“ vor Ort machten – schnell erfolgreich die amerikanischen schweren Waffen einsetzen können, von denen sie mindestens weitere 100 fordern. Das soll die Effizienz der „Wunderwaffen“, mit denen bereits einige russische Waffenlager hinter der Front zerstört wurden, und überhaupt der Waffenlieferungen belegen. Inwieweit die Nadelstiche die russischen Truppen schwächen und den Nachschub zugunsten der angekündigten ukrainischen Offensive erschweren werden, muss abgewartet werden. Vermutlich wird dies und der vermehrte Beschuss der ukrainischen Truppen von Wohngebieten im Donbass und in Cherson dazu führen, dass der Krieg weiter eskaliert, da Russland vermehrt zivile Infrastruktur zerstören und ebenfalls die Nachschubwege der ukrainischen Armee über den Dnjepr in den Donbass und über die Eisenbahn verstärkt mit Raketen angreifen könnte.

Plakate in Cherson, die HIMARS feiern.

Die vorhergehenden Angriffe mit HIMARS-Raketen am 19. sowie am 20. Juli verursachten nur geringere Schäden, wie auf einem Video von Patrick Lancaster zu sehen ist, Fahrzeuge konnten weiter über die Brücke fahren und den kleinen Einschlaglöcher problemlos ausweichen.

Angeblich sollte mit dem erneuten Angriff gestern Nacht die Brücke nicht zerstört werden, so Natalya Humenyuk vom ukrainischen Kommando Süd, sondern sie nur für das russische Militär unbrauchbar werden. Die Brücke sei eines der Hauptangriffsziele der angekündigten Großoffensive. Der britische Militärgeheimdienst meinte am 23. Juli, wenn die Dnjepr-Brücken zerstört würden und die russischen Truppen in Cherson abgeschnitten wären, würde das einen „bedeutenden militärischen und politischen Rückschritt“ darstellen.

Nach einem Video sind dieses Mal die Schäden größer. Die Brücke wurden denn auch nach Kirill Stremousov, dem  stellvertretenden Leiter der pro-russischen Übergangsregierung der Region Cherson, für den Verkehr gesperrt, nach Tass wurde der Verkehr eingeschränkt, LKWs sollen nicht mehr zugelassen sein. Dienstagnacht hatte er noch gesagt, die Brücke sei nicht beschädigt worden. Versucht wird von russischer Seite, die Schäden herunterzuspielen, während die Ukraine sie als schwerwiegend darstellt. Betont wird von russischer Seite, dass die ukrainischen Truppen 10 HIMARS-Raketen abgefeuert hätten, einige seien abgefangen worden, die übrigen hätten weitere Löcher in der Brücke hinterlassen. Es müssen natürlich auch Erfolge gegen die amerikanische „Wunderwaffe“ gemeldet werden. So sei am 24. Juli ein Munitionsdepot in der Nähe der Siedlung Lyubimovka in der Region Dnipropetrowsk bombardiert und dabei mehr als 100 HIMARS-Raketen zerstört worden. Nachprüfen lässt sich das wie so vieles vom Kriegsgeschehen nicht. Überdies hätten die Luftverteidigungskräfte inzwischen gelernt, so berichtet Ria Novosti, wie man Raketen des amerikanischen Mehrfachraketensystems HIMARS abschießt. Das war offensichtlich nicht ausreichend.

Nach Stremousov wird der Verkehr über den Fluss zunächst mit Fähren organisiert werden, eine Reparatur der Schäden soll möglichst schnell geschehen. Eine erste Fährüberfahrt wurde bereits eröffnet. Beschädigt wurde angeblich nur zivile Infrastruktur, was den Bewohnern Unannehmlichkeiten verursache. Der Angriff habe aber keinen Einfluss auf die Situation in der Region Cherson und die Front. Das gehört zur Propaganda. Sorge scheint zu bestehen. Es werden angeblich nun die Truppen in Cherson verstärkt, wo die Besatzer im September einen Volksentscheid über den Anschluss an Russland durchführen wollen. Es sollen zwar Flüchtlinge nach Cherson zurückkehren, aber wie repräsentativ die verbliebene Bevölkerung ist, bleibt auf jeden Fall ebenso fragwürdig wie das geplante Referendum.

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11 Kommentare

  1. Strategisch ist die Brücke in der Tat von untergeordneter Bedeutung. Alle militärischen Transporte können über Pontonübergänge durchgeführt werden, was wohl bereits der Fall ist. Da sind Himars-Raketen absolut impotent, da sie immer höchstens ein Segment beschädigen, und das eher oberflächlich, und davon gibt es hunderte. Das Pontonsegment kostet dabei im Bereich maximal einiger tausend, die Rakete gut 150- bis 200.000 Dollar. Ein Weg, russische Militärlogistik zu stören, ist das nicht, Es belästigt die Zivilbevölkerung, und das ist wohl Absicht. Denn die lebt unter der russischen Verwaltung besser als in der Ukraine.

    Das Risiko besteht in einer Eskalation. Bisher haben die russischen Truppen die Dnieprbrücken nicht angegriffen, von einigen wenigen Angriffen auf eine Brücke in Nikolajew abgesehen, die auf Militärtransporte zielten, und so ausgelegt waren, dass sie die Struktur nicht antasteten, anders als bei der Dniestrbrücke bei Satoka. Übrigens brauchte auch die 4 Kalibr-Schläge, um für einige Wochen ausser Betrieb zu sein. Und die Kalibr haben gut zehnmal soviel Sprengkraft wie die Mehrfachraketenwerfergeschosse der Himars.

    Die ukrainische Offensive halte ich für eine NATO-Kopfgeburt, die nur in einer Katastrophe enden kann.

    1. „Das Risiko besteht in einer Eskalation.“
      Könnte diese Eskalation so aussehen, daß das nächste Angriffsziel der Staudamm des Kachowka-Stausees sein würde? Diese Zerstörung hätte enorme zivile Opfer, die Überflutung der Stadt Cherson und vieler Gebiete weiter unten am Dnjepr zur Folge.

      https://mapcarta.com/de/13760166/Karte

      Vielleicht meinen sie ja das mit dem „Angriff auf Cherson“?

  2. Der gestrige Eintrag (1) von mir , dass die S-400 alle HIMARS abfangen können, war wohl zu optimistisch.

    Gestern Nacht wurde die Brücke doch massiv beschädigt.
    Sehr anschauliches Video, das die Zerstörung über die gesamte Breite eines Hohlkastenträgers auf der Antonowsky-Brücke zeigt ==>
    https://t.me/grey_zone/14454
    Die vier mittleren Spannweiten der Brücke haben eine segmentale Hohlkastenkonstruktion (2). Die Brücke wird von vorgespannten Stahldrähten in der Schalenstruktur getragen. Die Raketen haben sowohl die obere als auch die untere Ebene der Fahrbahn durchdrungen. Sobald die Drähte in der unteren Ebene des Decks reißen, wird die Brücke einstürzen.
    Die beiden längsten Spannweiten sind 128 Meter lang. Zwei weitere Einschläge dieser Art an der gleichen Stelle und die Spannweite wird zusammenbrechen.
    Die vorherigen Einschläge betrafen das Ende der Brücke. Sie hatte eine andere Struktur mit vorgefertigten Betonbalken. Diese Struktur ist viel widerstandsfähiger gegen HIMARS.

    Ich denke, die Brücke ist derzeit für schwere Lastwagen / Panzer unbrauchbar, selbst wenn sie „geflickt“ wird, und es ist unwahrscheinlich, dass sie während des Krieges repariert wird. Wahrscheinlich wird sie noch einmal mit dem gleichen Zielmuster in der Breite getroffen werden. Wahrscheinlich wird stattdessen eine Kombination aus Fähre und Pontonbrücken zum Einsatz kommen, aber die Be- und Entlademöglichkeiten für die Fähre stellen eine erhebliche Einschränkung dar, und die Pontonbrücken sind anfällig für die gleiche Art von Feuer, die gegen die Hauptbrücke eingesetzt wird. Anderseits sind die Pontonsegmente kostengünstig und schnell austauschbar. Und ebenfalls kann man mehrere Pontonbrücken schaffen, so dass die militärische Versorgung und Sicherheit der Regien Cherson von den Russen wohl aufrecht erhalten wird.

    (1) https://overton-magazin.de/krass-konkret/mit-himars-raketen-wurde-angeblich-die-strategisch-wichtige-antonovsky-bruecke-ueber-den-dnjepr-beschaedigt/
    (2) https://en.wikipedia.org/wiki/Segmental_bridge

    1. Ich habe mich nochmal erkundigt, weil mir die Behauptung „Sobald die Drähte in der unteren Ebene des Decks reißen, wird die Brücke einstürzen“ doch etwas gewagt erschien. Die Tragstruktur von 128m besteht nicht aus einem Segment, sondern aus mehreren, die beim Bau der Brücke sukzessive hinzugefügt werden, von beiden Pfeilern aus. Ein solches Segment dürfte bei der Breite der Brücke ca. 20-30m lang sein. Mit den Nachbarsegmenten ist es über Dehnungsfugen und Gelenke/Verschraubungen verbunden, wenn ich das richtig verstanden habe.

      Sobald alle Segmente zwischen 2 Pfeilern verbunden sind, trägt sich die Konstruktion selbst. Nebenbei gesagt, kann die Konstruktion bei Sturm etc. durchaus um mehrere 10cm bis vielleicht 1m in verschiedenen Richtungen schwanken, Stahlbeton ist ziemlich elastisch.

      Wenn ein Segment, warum auch immer, versagt, stürzt nicht die gesamte Brücke ein, auch nicht die gesamte Schalenkonstruktion zwischen 2 Pfeilern. Bis zur Fertigstellung werden/wurden die Segmente auf beiden Seiten durch Kräne etc. unter Spannung gehalten, ohne das würden sie sich zu stark nach unten neigen, und die Scherkräfte könnten zu Schäden führen. Wenn man ähnlich die Segmente beider Seiten mit Kränen, Stahlseilen etc. stabilisiert, kann man sogar ein komplettes Segment herausnehmen und austauschen. Im konkreten Fall wird man eher die defekten Teile neu armieren und ausgiessen und auch neu spannen, wo erforderlich. Dafür reicht es, auf einem unbeschädigten Segment (oder 2 benachbarten) Kräne aufzustellen wie hier: ( ha-te-te-pe-ess://t.me/boris_rozhin/59035 ).

      Angenommen, die Brücke würde zerstört: Das ist im 2. Weltkrieg oft vorgekommen. Die angloamerikanischen Luftstreitkräfte hatten zwar keine HIMARS, aber, viel wirkungsvoller, die Mosquitobomber, die 1.8 Tonnen Bomben im Sturzangriff punktgenau plazieren konnten. Das haben sie auch getan. Architektonisch sehr bedauerlich, wurden dabei zig sehr schöne Ziegelstein- und Spannbrücken vernichtet, vor allem über Rhein, Ruhr und Emscher. Aber ein grosser Teil wurde in kurzer Zeit als Stahlfachwerkkonstruktion wiederhergestellt, plumper, aber sehr schwer zu zerstören.

      Das würde sich hier auch anbieten, wenn die Brücke in der ursprünglichen Konstruktion nicht zu verteidigen wäre. Das erscheint mir aber zweifelhaft.

  3. Die Wunderwaffe ‚Geldhahn‘ kommt sicherlich auch bald zum Zuge und dann versuche ich mir vorzustellen, wie manche „Visagen Grimassen ziehen“.

  4. Nur mal so etwas nebenbei zum schmunzeln…. Die neueste Brücke in Los Angeles, ein 588 Millionen Dollar teures architektonisches Wunderwerk, wurde am 10. Juli mit großem Tamtam eröffnet. Seitdem wurde sie aufgrund von Chaos und Kollisionen bereits mehrere Male voll geschlossen .
    Illegale Autorennen zogen massenweise Publikum an und sonstige absurde Social-Media-Stunts sind ebenfalls im Überfluss vorhanden – in einem Fall saß ein Mann auf einem Friseurstuhl, um sich die Haare schneiden zu lassen, mitten auf eine der Fahrbahn Gassen…u.a. Ablenkung der Aufmerksamkeit verursacht dauernde Auffahrunfälle usw.
    Ein Kommentator sagte über das Design der Brücke: „Wenn Sie ein Klettergerüst aus Beton zur Verfügung stellen, dann werden die Leute es so benutzen.“

    1. Was hat das mit dem Artikel zu tun? Auch ist mir nicht wirklich „zum schmunzeln“….
      Grundsätzlich bin natürlich auch ich in der Lage, hier wahllos irgendwelche bezugsfreie Themen zu kommunizieren. Wie wäre es mit Kochrezepten? Kaiserschmarrn Rezept (Steirische Spezialität)? Wer will das hier veröffentlicht haben?
      So, nun warte ich auf eine weitere Eckart’sche Entgleisung / Beleidigung……
      Schönen Tag!

      1. „Jeder Tag, an dem du nicht mindestens einmal lächelst, ist ein verlorener Tag“. – Sagen die klugen Leute.
        Man kann dazu auch in den Keller gehen, wenn einem das peinlich ist – vielleicht hast du sogar einen- Nutze ihn.

  5. Ob eine Brücke weniger wichtig, wichtig oder sehr wichtig ist, geschenkt.
    Die russische Armee kommt nach und nach immer stärker unter Druck, denn sie muss gewinnen, die Ukraine darf nur nicht verlieren.
    Möglicherweise sind die Aggressionen keine Frage des Systems sondern der Generation. Dazu hat der Altkanzler Schmitt einmal folgendes gesagt:
    Was mir Sorgen macht ist, dass überall in den wichtigen Staaten der Welt eine Generation die politische Führung stellt, die selber nicht weiß was Krieg ist und die relativ leicht sich überreden lassen zu militärischer Intervention, ob in Bosnien im Kosovo oder im Irak oder in Afghanistan oder sonst wo. Es ist leicht in ein fremdes Land einzumarschieren, anständig wieder rauszukommen ist zehnmal schwieriger und in Wirklichkeit haben alle diese Interventionen dem Frieden in der Welt viel weniger genutzt als die Urheber sicher versprochen.

  6. „Das Bundesverteidigungsministerium in Berlin teilte mit, die ersten sechs Biber Brückenlegepanzer würden ab Herbst zur Verfügung gestellt. Zehn weitere sollten im kommenden Jahr folgen. In der Erklärung heißt es, das werde es den ukrainischen Truppen ermöglichen, im Kampf Flüsse oder Hindernisse zu überqueren.
    Die Spezialpanzer können nicht schießen. Mit ihnen lässt sich innerhalb weniger Minuten eine 22 Meter lange Brücken bauen. Dies könnte der Ukraine von Nutzen sein, da die russischen Truppen zielgerichtet die Infrastruktur des Landes zerstören.“

    https://www.deutschlandfunk.de/deutschland-will-der-ukraine-16-spezialpanzer-zum-brueckenbau-zur-verfuegung-stellen-100.html

    Die meinen das im Ernst! Alle Kabarettisten bitte nach Hause gehen und ins Kopfkissen weinen; die Realität kann das einfach besser.

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