Ist Kapitalismus das Problem oder die Lösung?

Bild: freesvg.org

Ein Streitgespräch zwischen dem glühenden Kapitalisten Rainer Zitelmann und dem linken Gesellschaftswissenschaftler Ingar Solty – Teil 1

 

Ist es heutzutage noch möglich, dass zwei Akteure, die eine vollständig unterschiedliche politische Auffassung vertreten, miteinander konstruktiv diskutieren? Ja, das ist es. Der Historiker und Autor Rainer Zitelmann, der vor allem als leidenschaftlicher Kapitalist bekannt geworden ist, diskutiert mit dem linken Gesellschaftswissenschaftler Ingar Solty über den Kapitalismus. Ein Streitgespräch in zwei Teilen, das per Email geführt wurde und einiges an Reibung verspricht.  

 

 

Herr Zitelmann, Herr Solty, die Welt steht vor ziemlich großen Problem.
Sie beiden könnten, was Ihre politische Grundeinstellung angeht, wohl kaum weiter voneinander entfernt sein. Auf der einen Seite ein glühender Kapitalist, auf der anderen Seite ein linker Gesellschaftswissenschaftler, der den Kapitalismus als Wirtschaftssystem überwinden und durch ein sozialistisches ersetzt sehen will. 
Was sind aktuell die großen Problem, Herr Zitelmann?

Rainer Zitelmann: Große Probleme gibt es jede Menge, und fast alle sind von der Politik verschuldet. In Deutschland etwa die Energieproblematik, verschuldet durch den Ausstieg aus der Kernenergie, die verfehlte Energiepolitik und eine Politik, die uns von Russland abhängig gemacht hat. Ein anderes Problem ist die Inflation, die mehrere Ursache hat – eine davon ist die verfehlte Politik der Zentralbanken mit Nullzinsen und Anleihekäufen. Ich sehe, anders als viele Linke, nicht überall Marktversagen, sondern Staats- und Politikversagen.

Aus meiner Sicht entwickeln sich Deutschland und Europa immer mehr in Richtung Planwirtschaft. Beispiel ist die Energiepolitik oder auch die Automobilindustrie: nicht mehr Unternehmen und Verbraucher bestimmen, welche Autos produziert werden, sondern Politiker und Beamte in Brüssel. China produziert und fördert sogar weiter moderne Verbrennermotoren, wir verbieten sie.

Und Sie, Herr Solty, teilen Sie die Sicht von Herrn Zitelmann? Wo sehen Sie die großen Problem derzeit?

Ingar Solty: Eine gewisse Tendenz zum Staatsinterventionismus ist aktuell nicht von der Hand zu weisen. Wenn man diese kritisiert (ich tue es auch, wenngleich aus anderen Gründen), muss man aber meines Erachtens auch die strukturellen Ursachen dafür benennen.

Die wären?

Ingar Solty: Der globale Kapitalismus befindet sich schon seit Längerem in einer tiefen Überakkumulationskrise. Weil Herr Zitelmann die Autoindustrie erwähnt: Allein hier haben wir es mit globalen Überkapazitäten von etwa 30 Prozent und entsprechend verringerter Kapazitätenauslastung zu tun. Es gibt ganz allgemein immer mehr angehäuftes Kapital, das keine profitablen Anlagemöglichkeiten mehr findet. Die Politik der letzten drei, vier Jahrzehnte hat versucht, diesen an sich unlösbaren Problemen auf verschiedenen Wegen Herr zu werden, nämlich in genau dem Geist, dem Herr Zitelmann hier das Wort redet, die nationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und damit der Konkurrenz Marktanteile abzuluchsen.

Und das kritisieren Sie, Herr Solty?

Ingar Solty: Ja, denn das Ergebnis war: Lohnzurückhaltung für die Beschäftigten, die die Werte unserer Welt schaffen, und Subventionen für die Kapitalunternehmen, damit sie die Produktion nicht verlagern. Damit erhöhten sich die Profitraten wieder, während gleichzeitig die Lohnquote sank und die Vermögensungleichheit weiter wuchs – bis auf die heutigen Rekordhöchststände seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er.

Das Problem ist aber: Wenn alle Staaten der Erde genau eine solche „beggar-thy-neighbor“-Politik verfolgen und die Vermögensungleichheit überall wächst, dann reproduziert sich das Problem lediglich auf höherer Stufenleiter. Also mit noch mehr durch die globalen Kapitalbesitzer privat angeeigneten Profiten, die keine Anlagesphären finden. Folglich mussten sich die prokapitalistischen Politiker Neues einfallen lassen und haben angefangen, mit den Mitteln, über die sie verfügen, die überakkumulierende kapitalistische Wirtschaft am Laufen zu halten. Dazu gehörte – in der Tat, aber als eine Folge der Strukturprobleme des Kapitalismus! – die Politik der niedrigen Zinsen. Und dazu gehörte die Suche nach neuen Anlagesphären für das Entwertung fürchtende Kapital. Die neoliberale Politik fing nämlich jetzt an, Bereiche des gesellschaftlichen Lebens inwertzusetzen.

Wie meinen Sie das?

Ingar Solty: Bereiche der Daseinsvorsorge usw., die bisher öffentlich und nichtwarenförmig waren, wurden nun zunehmend im Namen der „Effizienz“ der Profitmaximierung und Logik des Marktes unterworfen: Gesundheit, Rente, Bildung, Mobilität, Telekommunikation usw. Auch in der Wohnungsbaupolitik zog sich der Staat zurück und hier hat sich in den letzten Jahren das überschüssige Kapital ja besonders spekulativ draufgestürzt.

Die uns in den 1990er Jahren und 2000er Jahren von den Marktgläubigen jedoch versprochenen Wohltaten haben sich nicht eingestellt. Gemäß der neoliberalen Orthodoxie – zu verstehen als ideologischer Ausdruck des Klasseninteresses der besitzenden Klassen – sollte diese Form der Durchsetzung von Marktprinzipien zu einem stabilen ökonomisch-gesellschaftlichen Gleichgewicht, Wohlstand und Demokratie führen.

Und was war tatsächlich der Fall?

Ingar Solty: Das Gegenteil von dem Versprochenen. Nicht nur hat diese Vermarktlichung und Finanzialisierung immer größere Wirtschafts- und Finanzkrisen mit verheerenden Folgen produziert, so wie die globale Finanz- und Eurokrise nach 2007, die bis heute fortschwelt. Die marktorientierte Politik hat auch die Gesellschaften innerlich zerrissen und polarisiert.

Und diese Polarisierung von wenigen Gewinnern und vielen Verlierern sieht man auch geografisch: Zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden, zwischen der Nord-Eurozone und der Süd-Eurozone, zwischen funktionierenden urbanen Wirtschaftsballungsräumen wie Rhein-Main, Stuttgart und München einerseits und verödenden Landstrichen zwischen Pirmasens und Pasewalk andererseits, und zwischen Innenstadtbereichen der Reichen mit bester Infrastruktur einerseits und andererseits Stadtrandbezirken, wo die Menschen leben, die diese Städte tagtäglich am Laufen halten: die U-Bahnen fahren, den Müll entsorgen, die Büros und Wohnungen putzen, in den Restaurants kochen und kellnern, die Post und Pakete ausliefern, die Haare frisieren usw.

Die globale und nationale Klassenapartheid ist also, wenn man so will, in der Tat eine Form von Politikversagen. Aber es war eine Politik des Marktes, die hier versagt hat.

Herr Zitelmann, was sagen Sie zu den Ausführungen von Herrn Solty?

 Rainer Zitelmann: Ich möchte meine Antwort etwas kürzer halten und vor allem auf einen zentrale Behauptung von Herrn Solty eingehen: „Die uns in den 1990er Jahren und 2000er Jahren von den Marktgläubigen jedoch versprochenen Wohltaten haben sich nicht eingestellt.“ Das Gegenteil ist richtig!

 Das ist ein fundamentaler Widerspruch von Ihnen. Bitte erklären Sie uns, wie Sie das meinen.  

Rainer Zitelmann: Bevor der Kapitalismus entstand, lebten die meisten Menschen auf der Welt in extremer Armut – 1820 betrug die Quote noch 90 Prozent. Heute ist sie unter 10 Prozent gesunken. Das Bemerkenswerte: In den letzten Jahrzehnten, wo Sie die negative Entwicklung sehen, hat sich der Rückgang der Armut Dank der weltweiten Durchsetzung des Kapitalismus so stark beschleunigt wie in keiner Phase der Menschheitsgeschichte zuvor. 1981 lag die Quote noch bei 42,7 Prozent, im Jahr 2000 war sie bereits auf 27,8 Prozent gesunken und 2021 lag sie unter 10 Prozent.

Diese Haupttendenz, die über Jahrzehnte anhält, ist entscheidend. Zwar ist die Armut – entgegen den ursprünglichen Erwartungen der Weltbank, die diese Daten erhebt – zuletzt wieder gestiegen. Aber das hat vor allem mit der Covid-Pandemie und dem Ukraine-Krieg zu tun, die in Ländern mit ohnehin großer Armut zu einer erneuten Verschlechterung der Situation geführt hat. Hat man die längere Tendenz im Blick, dann sind auch andere Entwicklungen erfreulich. Die Kinderarbeit nahm in den letzten Jahrzehnten deutlich ab. Im Jahr 2000 arbeiteten weltweit 246 Millionen Kinder, 20 Jahre später, im Jahr 2020, waren es nur noch 160 Millionen. Und dies, obwohl die Weltbevölkerung im gleichen Zeitraum von 6,1 auf 7,8 Milliarden Menschen zunahm.

Dass diese Entwicklung dem Kapitalismus zu verdanken ist, sieht man am Beispiel Chinas: Noch 1981 betrug der Prozentsatz der Chinesen, die in extremer Armut lebten, 88 Prozent. Dann führte Deng Xiaoping das Privateigentum und viele Elemente der Marktwirtschaft ein. Das Ergebnis: Heute leben weniger als 1 Prozent der Chinesen in extremer Armut.

Also: die von den „Marktgläubigen“ versprochenen Wohltaten, d.h. ein weltweiter Rückgang von Hunger und Armut und Steigerung des Wohlstandes, sind, anders als Sie sagen, in einem Maße eingetreten, wie es kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Was ist wichtiger: Die Beseitigung von Armut oder die Reduzierung von Ungleichheit?

Ingar Solty: Dass der Kapitalismus historisch die Produktivkräfte entfaltet hat, steht außer Frage. Davon ging schon Karl Marx aus.

Sie geben also Herrn Zitelmann recht?

Ingar Solty: Nein. entscheidend ist zum einen nicht die extreme Armut, sondern die Relation zum Gesamtwohlstand einer (Welt-)Gesellschaft und welche Teilhabe er ermöglicht oder für die ermöglichen müsste, die diesen Wohlstand als Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter historisch geschaffen haben und tagtäglich für die Kapitalbesitzer schaffen.

Wie meinen Sie das?

Ingar Solty: Wir könnten zum Beispiel beim Stand der heutigen Produktivkräfte für diese globale Klasse alle nur erdenklichen sozialen Rechte verwirklichen: wie das Recht auf eine Arbeit, von der man leben kann, auf eine gerechte Verteilung von Arbeit und frei verfügbare Zeit, auf bezahlbaren Wohnraum, auf Gesundheit, auf gesellschaftliche Teilhabe usw.

Und stattdessen…

Ingar Solty: ….fliegen Milliardäre privat ins Weltall, gondeln in Yachten so groß wie zwei Fußballfelder um die Welt oder schaffen sich Infrastrukturen, um ihre Gehirne in die Cloud hochzuladen und sich so unsterblich zu machen, während Hunderte Millionen Menschen an heilbaren Krankheiten sterben oder unsere öffentliche Infrastruktur zerfällt.

Rainer Zitelmann: Die Vorstellung Menschen seien arm, weil andere reich sind, ist der grundlegende Irrtum aller Nullsummengläubigen. Die meisten Reichen sind als Unternehmer reich geworden, weil sie Produkte geschaffen haben, die von vielen Menschen geschätzt werden. Und das Geld, das Leute wie Jeff Bezos oder Elon Musk für privaten Luxus ausgeben, ist nur ein winziger Prozent- bzw. Promillesatz ihres Gesamtvermögens, das überwiegend in Aktien ihrer Unternehmen gebunden ist. Kein Mensch auf der Welt ist deshalb arm, weil manche Unternehmer durch Produkte wie Tesla, Amazon, Facebook oder Google superreich sind.

Ingar Solty: Hier besteht ein grundsätzlicher werttheoretischer Dissens zwischen Ihnen und mir. Jeff Bezos bspw. schafft keine Werte. Er hat im Zuge der Digitalisierung als Plattform und mit der körperlichen Lager- und Lieferarbeit von Millionen ausgebeuteter Arbeiterinnen und Arbeiter eine (quasi-)natürliche Monopolstellung erzielt, die für ihn dieses gigantische und obszöne Vermögen geschaffen haben. Auch Elon Musks Kapitalvermögen beruht auf der Auspressung von Mehrwert aus der „seine“ Autos produzierenden Arbeiter in Form von Profit. Man kann das Kapitalvermögen der Wenigen nicht ohne die Ausbeutung der Vielen denken.

Jedenfalls sah auch Karl Marx in der Entwicklung der Produktivkräfte die „historische Mission“ des Kapitalismus. Er verstellte sich aber darüber hinaus nicht den Blick für den Umschlag der Produktiv- in Destruktivkräfte: wie etwa den Blick für die stete Enteignung der Kleineigentümer. Die Freihandelspolitik allein hat seit 1980 Hunderte Millionen Klein- und Subsistenzbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika proletarisiert. Die Zahl der global eigentumslosen Lohnarbeiter, die keinen Zugang mehr zu Produktionsmitteln besitzt und in der ständigen Unsicherheit eines marktabhängigen Lebens lebt, hat sich nach Angaben der UN-Behörde International Labour Organization fast verdoppelt.

Marx behielt ferner im Blick, dass der Kapitalismus als System auf ständiges Wachstum angewiesen ist.  Er ist aus diesem Grund auch nicht ohne systematischen Raubbau an menschlicher Arbeit und Natur zu denken.Zudem ist der Kapitalismus, wie Thomas Piketty gezeigt hat, ein System, das naturwüchsig die Einkommen aus harter und gefährlicher Arbeit zugunsten von – ich sage das ganz bewusst – leistungslosen Einkommen aus in der Regel ererbtem Kapital umverteilt. Und schließlich ist der Kapitalismus ein System, das in seiner Geschichte immer tiefere Krisen produziert und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen der von ihm entwickelten Produktivkräfte.

Allein in diesem letzten Sinne ist die laufende Klimakatastrophe ja nichts Anderes als das größte Marktversagen in der Geschichte der Menschheit: Zwei Millionen Jahre gibt es menschliches Leben auf dem Planeten Erde; der Kapitalismus brauchte nicht einmal 250 Jahre, um menschliches Lebens hier grundsätzlich in Frage zu stellen und uns schon kurzfristig mit der Barbarei der möglicherweise erzwungenen Umsiedlung von 2-3 Milliarden Menschen zu konfrontieren.

Zum einen, Herr Zitelmann, frage ich mich also, ob Sie diese Destruktivkräfte nicht sehen? Zum anderen wundere ich mich auch über Ihre eingangs formulierte Kritik am Staatsinterventionismus im Rahmen des Kapitalismus. Denn es ist ja eine historische Tatsache, dass die größten Wachstumsraten und die größte soziale Kohäsion der Gesellschaften im kapitalistischen Westen eben nicht in der neoliberalen Ära seit Ende der 1970er Jahre verzeichnet wurden, sondern im „Goldenen Zeitalter des Kapitalismus“ nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Dieses war aber ja extrem staatsinterventionistisch, insofern als im „Westen“ der US-amerikanische New Deal der 1930er Jahre internationalisiert wurde – mit extremer Abschöpfung der Kapitalvermögen durch den Staat (94% auf alle Einkommen über 200.000 Euro/Jahr in den USA), mit einer massiven wirtschaftlichen Staatstätigkeit und Staatseigentum von Post, Telekommunikation, Bahn, Luftfahrt, Gesundheit etc., mit dem Auf- und Ausbau eines generösen Sozialstaats, mit einer auf Vollbeschäftigung und entsprechende Gewerkschaftsmacht und damit auch relativen Vermögensangleichung ausgelegten Geldpolitik usw. usf.

Rainer Zitelmann: Sie sagen: „Entscheidend ist aber m.E. zum einen nicht die extreme Armut, sondern die Relation zum Gesamtwohlstand einer (Welt-)Gesellschaft und welche Teilhabe er ermöglicht.“ Das ist der Kern: Es geht um die Frage: Was ist wichtiger: Die Beseitigung von Armut oder die Reduzierung von Ungleichheit? Wenn Sie Letzteres nehmen, dann müssten sich jetzt über eine Milliarde Chinesen nach der Zeit Maos zurücksehnen, da waren sie nämlich gleicher. Der Gini-Index ist heute größer in China als zu Maos Zeiten. Und das ist das Absurde an der Argumentation der Kapitalismuskritiker: Sie interessieren sich nicht für die Beseitigung von Armut, sondern nur für das Thema der sogenannten „relativen Armut“.

Piketty beklagt, in den Jahren 1990 bis 2010 sei die Schere zwischen Arm und Reich mit Blick auf Einkommen und Vermögen auseinandergegangen. Tatsache ist jedoch, dass gerade in diesen Jahrzehnten Hunderte Millionen Menschen weltweit – dank der Ausbreitung des Kapitalismus – aus der bitteren Armut entronnen sind, besonders in China, aber auch in Indien, Vietnam, Polen und vielen anderen Ländern.

Ist es für diese Hunderten Millionen Menschen entscheidend, dass sie nicht mehr hungern und der Armut entronnen sind oder dass sich – möglicherweise – im gleichen Zeitraum das Vermögen von Multimillionären und Milliardären noch stärker vermehrt hat als ihr Lebensstandard? Dass in den vergangenen Jahrzehnten in China die Zahl der Millionäre und Milliardäre stark gestiegen ist (es gibt in Peking mehr Milliardäre als in New York) und sich für Hunderte Millionen der Lebensstandard so sehr verbessert hat, sind nur zwei Seiten einer Medaille und die Folgen des gleichen Prozesses, nämlich der Entwicklung vom Sozialismus zum Kapitalismus, von der Plan- zur Marktwirtschaft.

Wenn man argumentiert, die Zahl der Armen in den entwickelten westlichen Industrieländern sei gestiegen, dann liegt das oft einfach daran, dass Armut in den zugrunde liegenden Studien relativ gemessen wird. Arm ist beispielsweise im offiziellen Armuts- und Reichtumsbericht der deutschen Bundesregierung, wer weniger als 60 Prozent des sogenannten Medianeinkommens verdient. Wie fragwürdig diese Definition ist, lässt sich leicht an einem Gedankenexperiment veranschaulichen.

Nämlich?

Rainer Zitelmann:  Angenommen, bei gleichem Geldwert stiegen alle Einkommen um das Zehnfache. Untere Einkommensbezieher, die beispielsweise bisher 1000 Euro im Monat hatten, bekämen nunmehr 10.000 Euro. Keiner müsste sich mehr sorgen. Das Leben wäre schön. Jedoch – nach der herrschenden Armutsdefinition gemäß der 60-Prozent-Formel hätte sich nichts geändert. Immer noch gäbe es genau so viele „Arme“ wie zuvor, obwohl deren Einkommen jetzt zehnmal höher ist als zuvor.

Stimmt die Trickle-down-These?

Herr Solty, was entgegen Sie?

Ingar Solty: Selbstverständlich muss sich Armut am Gesamtwohlstand einer Gesellschaft und dem gesellschaftlich geschaffenen Zivilisationsstand bemessen. Schließlich sind es die lohnabhängigen Klassen, die diesen Wohlstand schaffen und entsprechend daran teilhaben und auch mitbestimmen können sollten, wie dieser Wohlstand verwendet wird. Ich finde es zynisch, wenn Menschen mit mittleren und höheren Arbeitseinkommen, wie Sie und ich, sie genießen können, die Existenz von arbeitenden und erwerblosen Armen wegzureden versuchen, bloß weil Armut in den kapitalistischen Kernstaaten seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr bedeutet zu verhungern, sondern nur noch bedeutet, auf Frühstück und Abendessen zu verzichten, damit das Geld am Ende des Monats reicht. Um von Kino- und Restaurantbesuchen, Urlaubsreisen und dergleichen gar nicht zu sprechen. Es ist menschenunwürdig, wie auch die Twitter-Diskussion #Ichbinarmutsbetroffen gezeigt hat. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Aber vielleicht diskutieren wir theoretischer: Wenn Sie nun behaupten, dass Vermögensungleichheit nicht das Problem sei, sondern dass es um Wachstum geht und die Milliardäre die Armen quasi nachziehen, dann vertreten Sie, Herr Zitelmann, hier ja die „trickle-down“-Theorie der Reaganomics der 1980er Jahre.

Was ist darunter zu verstehen?

Ingar Solty: Diese Theorie behauptete, die Entfesselung der Marktkräfte – also die Liberalisierung des Handels, die Privatisierung von öffentlichem Eigentum, die Deregulierung von Arbeits-, Finanz- und anderen Märkten – würde den Wohlstand allgemein heben. Das heißt, am Ende des Tages also würde auch die Arbeiterklasse – durchaus kontraintuitiv – von Steuersenkungen für Superreiche und Konzerne sowie der systematischen Schwächung von Gewerkschaften profitieren.

Das hört sich doch gut an.

Ingar Solty: Das Ganze ist nun keine bloße Theorie, sondern wurde ab den späten 1970er Jahren von den USA und Großbritannien ausgehend in fast allen Ländern der Erde ausprobiert. Man kann also sich die empirischen Entwicklungen anschauen. Dann fällt einem auf, dass es in den 1960er Jahren in den USA und in Großbritannien möglich war, von einem einzigen (männlichen) Lohnarbeitseinkommen bei geringerer Produktivität als heute und mit geringerer Wochenstundenzahl als heute eine mehrköpfige Familie zu ernähren und arbeitsplatznahes Wohneigentum zu erwerben.

Und die Realität, heute?

Ingar Solty:  Dieses Leben ist heute auch in Deutschland für die Mehrheit der jungen Lohnarbeiter, selbst für die hochgebildeten „professionals“, ohne Erbschaften undenkbar geworden. Vor dem Hintergrund der monetaristischen Wende in der Geldpolitik (Volcker-Schock 1979) und der systematischen Schwächung der Gewerkschaften wurden die Einkommen aus Kapital massiv zu Lasten der Einkommen aus Arbeit gesteigert und auf dem Wohnungsmarkt heute werden durch die Suche des Kapitals nach profitablen Anlagesphären auch systematisch tarifpolitisch errungene Arbeitseinkommen auf dem Wege des Mietenwahnsinns gleich wieder enteignet. Würden Sie also bestreiten, dass „Trickle-Down“-Economics widerlegt ist?

Rainer Zitelmann: Ich denke, dass der Liberalisierungsschub der 80er- und 90er-Jahre weltweit zu mehr Wohlstand und weniger Armut geführt hat. Das habe ich vorhin an einigen Zahlen ganz gut belegt. Für mich sind das nicht nur Zahlen, sondern ich reise ja sehr viel in die Länder, von denen ich spreche. Man muss nur einmal Vietnam heute vergleichen mit Vietnam vor Beginn der marktwirtschaftlichen Reformen in den 80er Jahren.

Aber ich will mich keineswegs davor drücken, auch über die Situation in Deutschland zu sprechen, sehr gerne auch Berlin, wo ich lebe. Sie sprechen vom Mietenwahnsinn und ich sehe den Wahnsinn auch in der Wohnungspolitik, aber in ganz anderer Weise. Denn die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist dort besonders schlimm, wo Linke regieren.

In Berlin regiert die Linke, der Sie nahe stehen, zusammen mit SPD und Grünen und es ist fast unmöglich, eine Wohnung zu mieten zu einem vernünftigen Preis. Ich habe Bekannte, die verzweifelt eine Wohnung suchen und eine ist jetzt sogar nach München gezogen, weil sie dort eher eine Wohnung gefunden hat als in Berlin. Eigentlich kaum zu glauben, weil München stets für besonders hohe Mieten und Wohnungsknappheit bekannt war und ist. In Berlin hat man seit Jahren Investoren als Feinde bekämpft und mit allen möglichen Mitteln – Mietendeckel, Enteignungs-Drohung usw. – versucht, Investoren das Leben schwer zu machen. Das Ergebnis sieht man.

Noch größer war die Wohnungsnot nur, als die Linke noch SED hieß. Da gab es all das, was Sie sich wünschen, also Mietenstopp, Staatswohnungen usw. Und das Ergebnis? Nach der Wiedervereinigung Deutschlands waren die Wohnungen in Ostdeutschland und Berlin in einem katastrophalen Zustand. 1989, als die DDR am Ende war, wurden 65 Prozent aller Wohnungen – die 3,2 Millionen Nachkriegsbauten eingerechnet – noch mit Kohleöfen beheizt. 24 Prozent hatten keine eigene Toilette und 18 Prozent kein Bad. Die Ausstattung mit Fahrstühlen, Balkonen und modernen Küchen war noch geringer. 40 Prozent der Mehrfamilienhäuser galten als schwer geschädigt, 11 Prozent sogar als gänzlich unbewohnbar. Ja, die Mieten waren niedrig – aber zu welchem Preis für die Menschen, wenn Sie sich diese Zahlen vergegenwärtigen?!

Angesichts dieser katastrophalen Bilanz von linker Politik, egal ob heute in Berlin oder zur Zeit der DDR, ist es schwer zu verstehen, dass dem bösen Kapitalismus der „Mietenwahnsinn“ angehängt wird. Wahnsinn ist aus meiner Sicht die irrationale Staatsgläubigkeit von Linken, die glauben, auf allen Gebieten des menschlichen Lebens sei der Staat der Heilsbringer.

 

 

Lesetipp: Rainer Zitelmann: Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung. FinanzBuch Verlag. 288 S., 24,99 Euro.

Rainer Zitelmann: Die 10 Irrtümer der Antikapitalisten: Zur Kritik der Kapitalismuskritik. FinanzBuch Verlag. 464 S. 25 Euro.

Ingar Solty, Enno Stahl (Hrsg): Literatur im politischen Kampf: Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Revolution und Reaktion (lfb texte). ‎ Verbrecher; 1. Edition (30. Juni 2021). 200 S., 22 Euro.

Frank Deppe, David Salomon, Ingar Solty: Imperialismus, Papyrossa Verlag, 134 S., 9,90 Euro

 

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46 Kommentare

  1. Der eine Diskutant versteht anscheinend nichts von Kapitalismus, obwohl (oder vielleicht gerade deswegen) er sich als Fan von diesem outet. Und der Linke denkt auch noch in Marx’schen Ausbeutungsmodellen und nicht an Ausbeutung aufgrund von economies-of-scale-Strukturen.
    Weder Vietnam noch China sind klassische kapitalistische Staaten.
    Wie sieht es im Mutterland des Kapitalismus und dessen Ableger(n) aus?

    1. Eine weltfremde Auseinandersetzung: Die Trickle-down-These stammt von Adam Smith aus dem 18. Jh. und hat zu nicht weniger als einer Erderhitzung geführt, die den Hunger, den sie in den Kolonialstaaten China, Indivien usf. verursacht hat und heute in anderen Ländern verursacht, vollends in den Schatten stellt: Entlang der Frage, welche katastrophalen Folgen des Wirtschaftens für Gewinn und des Zwanges zur Arbeit für andere ist uns lieber? Kollaps wg. Überhitzung oder Hunger wg. Verlust der eigenen Subsistenz? Zitelmann ist ein bekannter Falschfahrer, dem die Autobahnen zur profitablen Naturzerstörung nicht reichen, sondern auch noch viele Unfälle verursachen muss, damit sich das Kapitalprofitsystem wirklich lohnt. Aber auch Solty, dem ich in vielem zustimme, träumt merkwürdig von der Heilkraft, d.h. revolutionären Potenz des Staates, die es leider noch nie gegeben hat: Die Funktionalität des Staates für das Überleben des Kapitalismus ist unbestritten – nur nicht bei den Liberalen in der Nachfolge von A. Smith. Aber man sollte daraus nicht ein Machtpotential ableiten, das ein für alle Menschen besseres Gesellschaftssystem ermöglichen könnte: Der Staat, d.h. die höheren Einrichtungen materieller und geistiger Art waren immer, nunmehr bereits seit mind. 6000 Jahren, Werkzeuge in den Händen zunächst potenter Anführer, dann von mächtigen Anführern, ob diese nun schon da waren, um andere Länder zu erobern oder erst durch eine äußere Gewalt, wie in der DDR durch das System entstanden sind – für die Bevölkerung blieb es nahezu das gleiche: sie hatte nichts zu sagen.
      Bemerkenswert ist, dass Zitelmann wie Solty den Ernst der Lage völlig verkennen, nämlich dass die Menschen zu ihrem physischen Eigenschutz gezwungen sein werden, dieser Art von Almosenkapitalismus und Staatssozialismus endgültig die rote Karte zu zeigen. Weder Liberalismus noch Sozialismus haben aufgrund ihrer hartnäckigen Naturferne und Ferne zur notwendigen Reproduktion nicht nur von Arbeitskräften, sondern vor allem der natürlichen Lebensgrundlagen einen Ansatz zur Bewältigung der heutigen Krisen in der Welt: Erderhitzung, Artensterben, nukleare Weltkriesgefahr. Ich befürchte, dass der zweite Teil, in dieser Hinsicht, ebenso überflüssig sein wird, wie der erste.

  2. Solange die Menschen sich in solch klassischen Blasen gehalten werden, solange wird sich der Hamster im Rade drehen.
    Aber nichtsdestotrotz ein fettes Dankeschön an diese Portal!
    Ja, ich freue mich auf den zweiten Teil…

  3. „Rainer Zitelmann: Die Vorstellung Menschen seien arm, weil andere reich sind, ist der grundlegende Irrtum aller Nullsummengläubigen.“

    Nullsummengläubige?
    Hat der Herr Dr. Dr. schon mal was von der „Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ gehört oder gelesen?

  4. Jetzt lebe ich seit über 15 Jahren im Süd Osten von Asien, dieser Staat bzw. die Arbeitgeber bieten offene Stellen an, z. B. Direktor, Manager etc. für ein offizielles staatliches / rechtliches Grundeinkommen. Derjenige der solch einen Posten begleiten möchte, muss zig% vom staatlich zugesicherten Einkommen verzichten um diese Stelle zu erhalten!…
    Die Frage nach diversen Systeme ist eigentlich irrelevant, denn die Welt ist komplett Kapital orientiert. Hier existieren n.m.M. überhaupt keine Nuancen mehr um zu verhandeln. Das bedeutet das das Kapital durchweg ihre Interessen einseitig durchsetzen kann, weil das Kapital weltweit etabliert ist und somit die Politik zum Zuschauer degradiert ist. Die Aufgabe der Politik ist, sog. Mehrheiten zu generieren für den Fortbestand der Simulation.
    Wer daran zweifelt sollte sich an seine Eltern, Großeltern und und und erinnern…

    1. Da hast du sehr recht
      „. . . so über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall ausbauen, überall Verbindungen herstellen… Die uralten nationalen Indusaien sind vernichtet worden und werden noch tagtäglich vernichtet… An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander… Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterten Kommunikationen, alle… Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt… Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie, sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen … Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.“ (MEW 4, Berlin 1959, S. 465 f)

      1. Deshalb wird ja gegenwärtig zu Recht von manchen das Wort „Zeitenwende“ ins Spiel gebracht. Keine menschliche Gesellschaft ist von Ewigkeit. Der Kapitalismus als Epoche ist offensichtlich am Ende. Was kommt, wenn er in sich zusammenbrochen ist oder man ihm einen Tritt verpasst, das ist nicht absehbar. Natürlich kann man auf irgend etwas hoffen, oder sich mit aller Kraft für etwas Neues oder Anderes einsetzen. Etwas derartiges kann ich aber nicht erkennen. Angesichts der regierungsamtlich erzwungenen Vereinzelung der Menschen ist es sehr schwer geworden, eine handlungsfähige Alternative zu entwickeln oder zu organisieren.
        Hinzu kommt: Es ist mehr als ungewiss, welche Folgen die vom Kapitalismus erzeugte Veränderung des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur haben wird, für dessen Überlebensfähigkeit in einer sich verändernden und veränderten Umwelt.

  5. Wie gesagt, Geldwirtschaft und Kapitalakkumulation kennzeichnen die Moderne. Und damit ist ein gewaltiger „Technischer Fortschritt“ verknüpft, der in der Menschheitsgeschichte vergleichbar ist mit der neolithischen Revolution, dem Übergang zur produzierenden Wirtschaft.
    Jeder Mensch reproduziert sich nach dem Prinzip der ökonomischen Rationalität, das, evolutionär gesehen, ein Lebensprinzip darstellt, denn es gilt für alle Lebewesen, die sich mit der Umwelt austauschen.. Eine funktionierende Ökonomie muss also dieses „menschliche“ Verhalten berücksichtigen. Nicht nur in der Geldwirtschaft richtet sich dabei das Interesse auf die subjektive Äquivalenz, dem Einsatz (z.B. von Arbeit oder auch Geld) und dem dadurch gewonnenen Nutzen. In der Makroperspektive zeigen sich dann die Vor- und Nachteile dieser sich weitgehend „natürlich“ ergebenden Ordnung.

    1. Hallo Ulrich,
      ich denke, die Kapitalakkumulation war auch vor der moderne schon.
      Evolutionär ist doch der Wandel, entweder der Mensch passt sich an oder verschwindet.
      „Ein Mann, der in eine schon besetzte Welt hinein geboren wird, hat, wenn ihn seine Eltern nicht ernähren können, was er an sich wohl berechtigt erwarten dürfte, und wenn die Gesellschaft seine Arbeit nicht braucht, keinerlei Anspruch auf die geringste Menge Nahrungsmittel, er hat in der Tat kein Recht, dort zu sein, wo er ist. Am großen Gabentisch der Natur ist für ihn kein Platz. Sie befiehlt ihm zu gehen, und sie zögert nicht, ihre eigenen Befehle auszuführen.“ (Thomas Robert Malthus)

      1. Das ist die Malthussche Ideologie von überflüssigen Menschen, die die ideologische Grundlage für die Vernichtungspolitik der Kolonialisten wie auch später der Nazis bot, die glühende Malthusianer waren.

        Der Schwachsinn der „Überbevölkerungs“-Ideologie wird doch offenbar, wenn man überlegt, dass Malthus sie zu einer Zeit als „Wissenschaft“ predigte, als es auf der Welt 890 Millionen Menschen gab, davon in England, wo er Millionen „überflüssige Arme“ ausmachte, 8,91 Millionen. Seine „Erkenntnis“ war, dass auf Grund des „Bevölkerungsgesetzes“ das schon zu viele waren.

        Keine Theorie ist gründlicher falsifiziert worden, dennoch klammern sich die Apologeten der „Überbevölkerung“, vom Nazi bis zum Grünen (soweit es da heute noch Unterschiede gibt) an diese „Wissenschaft“.

        Wohlgemerkt geht es nicht um die Trivialität, dass die Menschheit nicht unbegrenzt anwachsen kann, oder dass finite Ressourcen nicht beliebig vermehrbar sind. Das weiss und wusste man schon ohne Vernichtungsideologen.

      2. Natürlich gab es schon vor der Geldwirtschaft Akkumulation, sonst würde es z.B. keine Pyramiden geben.
        Malthus sah noch nicht die Erfolge der industriellen Revolution. Durch diese konnte die Menschheit weiter wachsen.

        1. Sorry, Malthus war mitten in der industriellen Revolution. Er war voller Hass und Verachtung für die schmutzigen Armen und wollte die verrecken sehen. Das ist die Grundlage seines „Bevölkerungsgesetzes“.

  6. Interessant, so eine Diskussion. Ich denke, dass beide alle Seiten kennen. Unausgesprochen, aber doch damit kokettiert, dass der Kapitalismus Waren produziert hat, die die Menschen wollten. Das gilt es zu beweisen. Nicht weil Menschen es kaufen ist ein Indiz dafür, dass es das ist, was sie brauchen.
    „Es ist nie zu vergessen, daß es sich bei der kapitalistischen Produktion nicht direkt um den Gebrauchswert, sondern um den Tauschwert handelt und speziell um Vermehrung des Surpluswerts. Dies ist das treibende Motiv der kapitalistischen Produktion, und es ist eine schöne Auffassung, die, um die Widersprüche der kapitalistischen Produktion wegzuräsonieren, von der Basis derselben abstrahiert und sie zu einer Produktion macht, die auf unmittelbare Konsumtion der Produzenten gerichtet ist.“ (Marx, Karl; MEW, Bd. 26.2, S. 495)
    Über den Teil kann trefflich gestritten werden, klärt allerdings nichts. Ich folge auch Luck nicht, wenn er sagt, dass ein Diskutant den Kapitalismus nicht kenne, weil er China nicht berücksichtige. Na sicher ist China ein kapitalistisches System, es ist lediglich anders organisiert als in den guten Mutterländern.
    Aber da liegt auch das wirklich interessante, wie wird sich das, was Sozialismus sein soll entwickeln? Nach Marx entwickelt sich die neue Gesellschaft schon in der alten. Dem kann zugestimmt werden.
    Sozialismus mittels Revolution zu schaffen, habe ich mir abgeschminkt. Wer soll das organisieren? Der Müllhaufen Die Linke?
    Das was angeführt wurde zu der Privatisierung der Daseinsvorsorge, um Verwertungsraum zu schaffen, der durch die Schwarze Null eingeschränkt wurde. Das ist genau falsch herum. Wenn lustig zugeschaut wird, wie die Pharmakonzerne enorme Profite machen, dann sollte doch der Gedanke wachsen, dass der Staat, der für die Millionen, die als Geschenke an die Firmen geflossen sind, Aktien und einen Sitz im Aufsichtsrat gefordert gehörten.
    Auch stellt sich die Frage, weshalb es immer noch keine Zulassung für die Medikamente gibt. Wie sind Schäden versichert?
    Ich könnte mir vorstellen, dass der Staat keine Gelder für öffentlichen Wohnungsbau wie mit der Gießkanne vergibt. Es könnte ausgeschrieben werden. Welche Gemeinde stellt Bauland und Infrastruktur, Mehrfamilien Häuser höhere Zuschüsse. Mieter verwalten die Wohnungen, kein Verkauf an externe möglich, die Mieteinnahmen müssen wieder in Wohnkomplexe investiert werden.
    Das wäre (als Beispiel) ein bisschen soziales im Kapitalismus. Ginge sicher auch mit dem Umweltschutz und Energieversorgung. Die Universitäten warten nur auf solche Möglichkeiten, in dem Bereich aktiv zu werden.
    Auf alle Fälle wäre es gut, wenn so etwas breit diskutiert wird. Auseinandersetzung damit ist unabdingbar, denn kapitalistische Krisen wird es weiterhin geben, das Gesetz von „tendenziellem Fall der Profitrate“ auch.

    1. Ich habe nicht gesagt, dass er den Kapitalismus nicht kenne, weil er China nicht berücksichtige.
      Auf China und Vietnam hat er sich ja bezogen, dass Kapitalismus Armut reduziere. Das war auch in der Sowjetunion und sogar unter Stalin der Fall, obwohl dieser stark auf Ausrüstungsinvestitionen setzte, einem verheerenden Krieg ausgesetzt war und auch noch mit den Folgen des Bürgerkrieges zu kämpfen hatte.
      Für Libertäre war ja schon die soziale Form der Marktwirtschaft Sozialismus. Und Planwirtschaft gibt es sowohl in der sozialistischen wie der kapitalistischen Version. Wenn jemand dies als Argument verwendet, zeigt er, dass er nichts drauf hat. Und das war nicht der einzige Punkt, warum ich ihm die Kompetenz abspreche, von Kapitalismus etwas (mehr) zu verstehen. Er versteht etwas von Gewinninteresse und Profitsucht und wie man dies im Wettbewerb fördert. Das hat aber mit dem Verstehen von Kapitalismus soviel zu tun wie der Export von Getreide aus der Sowjetunion bei gleichzeitigem Verhungern von Menschen, welche nominell Besitzer der Produktionsmittel sind, und einer angeblich an den menschlichen Bedürfnissen orientierten Wirtschaftsform des Sozialismus. Vom philosophischen Kernanliegen von Marx trennt selbst dies noch Welten.

    2. Welche Bedeutung hat ein tendenzieller Fall der Profitrate, welcher nur die Vernutzung von Arbeitskraft als Profit-Quelle kennt, angesichts eines breit angelegten Diskontierungswesens künftiger (vermuteter) Gewinne (auch über die Börse – fiktives Kapital), eines Zentralbankwesens, dass in der Lage ist, Aktiva zu kreditieren und damit Zahlungsmittel bereit zu stellen, und profunde Konstellationen mezzanine Finanzierungsformen?

  7. Das Geld gleicht dem Seewasser. Je mehr davon getrunken wird, desto durstiger wird man.
    Die Kunst des Lebens ist aber leicht zu lehren – man darf nur nicht zu viel begehren.
    Das ganze Klassenkampfpalaver ist doch Bullshit.
    Wahrer Reichtum ist grundsätzlich die eigene Gesundheit. – Wenn man zu viel in sich hinein stopft – ob an Geld oder Essen, wird man wohl kaum je glücklich und zufrieden leben können.

        1. Wenn „Seewasser“ ein Analogon zu „Geld“ und damit „Profit/Rendite“ ist, dann hat ein sich an diesem ausschließlich orientierender Homo oeconomicus sehr wohl was mit dem „Ocean“ zu tun, wobei ein Ozean ein beschränktes Fassungsvermögen hat im Vergleich mit der infiniten Profitgier eines hoec.(homo oeconomicus). Dieser wird zwar viel, aber nie zuviel, sondern immer zu wenig Profit rausschlagen.
          Das ist das automatische Subjekt kapitalistischer Interaktion.

          1. In der Kürze liegt die Würze. Jedenfalls brachte es Arthur Schopenhauer in einer Zeile unter.
            Das ist eben Denkfähigkeit auf Premiumniveau.

            1. Schopenhauer war aber auch im Kupon-Schneiden geübt und „verdingte“ sich so seinen Lebensunterhalt, weshalb er seine Zeit der Philosophie widmen konnte. (Vorbild Voltaire?)
              Im Gegenssatz zu Hegel blieb seine Denkschärfe aber weitgehend unbeachtet.

    1. Marx ist noch zu seiner Lebenszeit von den Theoremen „tendenzieller Fall der Profitrate“ und „Verelendung der Massen“ abgerückt.

      1. „Marx ist noch zu seiner Lebenszeit von den Theoremen „tendenzieller Fall der Profitrate“ und „Verelendung der Massen“ abgerückt.“

        Und wie hat er das begründet und seine Epigonen übersehen, Ulrich?

  8. Gibt es grundsätzlich noch so etwas wie eine Bestimmung des Menschen? Oder ist der Mensch gänzlich den Bedingungen seiner Umwelt im weitesten Sinne unterworfen – der Natur, der natürlichen Auslese, den ökonomischen Gesetzen, Survival of the Fittest etc.? Die Bestimmung des Menschen: Das Christentum hat versagt, verfiel tendenziell einem passiven Erlösungsglauben – wir stehen gänzlich in Gottes Gnaden und können und dürfen nur hoffen. Aber das im Menschen wurzelnde, nicht zu bändigende Freiheitsmoment, welches sich im Laufe der Geschichte herauszukristallisieren begann und insbesondere in der christlichen Welt zum Tragen kam, aber auch von dieser unterdrückt, zurückgehalten wurde, suchte sich dennoch seinen Weg. Der Mensch im ausgehenden Mittelalter geriet immer mehr in einen Selbstwiderspruch und brach aus. Über die noch weitgehend religiös gebundene Renaissance befreite sich der Mensch, fühlte sich schließlich nur noch formal an die Tradition des Christlichen gebunden und erschuf die Welt des Kapitalismus, die Welt des originären Materialismus. Kapitalismus ist Materialismus in seiner ursprünglichen Form, in Reinkultur – völlig auf die Welt der Dinge gerichtet, sind diese auch geistiger Art. Es ist die Welt der Objektivierung, der allgemeinen, tyrannischen, skrupellosen Versachlichung, in dessen Sog der historische Sozialismus geriet und schließlich unterlag, unterliegen musste, weil er sich verstieg, den Materialismus menschlich wenden zu können, was sich als eine Illusion herausstellte.
    Kann diese grundsätzlich allgemein-kapitalistische oder aber auch sozialistisch gewendete Versachlichung die Bestimmung des Menschen sein? Selbst wenn auf diese Weise sämtliche soziale und darüber hinaus ökologische Probleme gelöst werden könnten (für den Kapitalismus trifft dies nicht zu und wurde von Marx quasi abschließend widerlegt), was bleibt dann in dieser Welt vom Menschen noch übrig, abgesehen von seiner faktisch physischen Existenz? Seelisch und geistig nur noch ein Wrack, ein Schatten seiner selbst, eigentlich kein Mensch mehr, selbst nur noch ein Ding oder irgendetwas, nicht mal mehr ein Tier, unendlich schlimmer als jedes Tier, ein menschlich verkümmertes Nichts, ein Homo oeconomicus ohne menschliches Antlitz, ein Funktionswesen ohne jeglichen Eigenwert.
    „Ist Kapitalismus das Problem oder die Lösung?“ – Der gegenwärtige, global agierende Kapitalismus ist das primäre Hauptsymptom einer völlig verirrten und der Dekadenz, der Sucht, des Individualismus etc. verfallenen Menschheit. Kant fragte: Was ist der Mensch? Diese Frage muss wieder christlich gewendet werden: Worin besteht die wahre Bestimmung des Menschen? Und die Antwort zielt auf unser geistiges Herz, welches bestimmend die Welt schöpferisch und in gemeinschaftlicher Weise verwandeln soll, vor allem auch als Herr über alles Ökonomische. Wir müssen primär unsere knechtische Abhängigkeit vom ökonomischen Materialismus beenden, ansonsten werden wir auf die eine oder andere Weise verlieren, zugrunde gehen.

    1. Die Frage nach seiner Bestimmung sollte sich jeder stellen, auch Nichtchristen. Andere Religionen haben auch beizutragen und letztlich muss man sich keiner Religion anschließen, um sich diese Frage zu stellen: „Warum bin ich hier?“ Um in einem System zu funktionieren? Um möglichst viel an mich zu raffen? Um das Leben gut zu leben? Gibt es weitere Ziele oder Aufgaben? Jedenfalls um niemandes Herr oder Knecht zu sein und niemandem zu schaden.

  9. „Ein anderes Problem ist die Inflation, die mehrere Ursache hat – eine davon ist die verfehlte Politik der Zentralbanken mit Nullzinsen und Anleihekäufen.“ [Zitelmann] Das sagt sich leicht dahin – als hätten die Zentralbanken eine Wahl gehabt. 2008 war die Überproduktionskrise endgültig explodiert. Man stand vor der Alternative einer ‚Sincerisación‘ – ein Begriff im Spanischen, der sich nur schwer übersetzen lässt, etwa ‚Annäherung an die Realität‘ -, also den Crash und damit eine tiefe System- und Wirtschaftskrise durch Ablassen der Luft aus den Schuldenbergen zuzulassen, oder gleichsam ein neues Pumpsystem zu installieren, um die Luftzufuhr massiv zu steigern. Wesentlich die von Zitelmann als Fehler genannten Nullzinsen und Aufblähung der Zentralbankbilanzen. Dies rettete die Konjunktur und führte auch nicht unmittelbar zu Inflation, weil die zusätzlichen Luft-Billionen fast ausschliesslich im Finanzsektor verblieben. (Insofern nicht, war die inflationäre Wirkung massiv, etwa bei den Aktienkursen, den Immobilienpreisen und auch jenen für alle unvermehrbaren Güter wie Kunstwerke z. B.) Durch die im Zusammenhang mit der Pandemie ergriffenen Massnahmen gerieten aber grosse zusätzliche Geldmengen in den allgemeinen Kreislauf, was die allgemeine Inflation in Gang setzte. Nun ist Ende Gelände, denn es bleibt nur die Wahl zwischen Skylla, weiterhin Geld hineinpumpen, wodurch die Inflation weiter angeheizt wird und der dadurch schliesslich ausgelöste Konsumrückgang die Krise auslöst, und Charybdis, die Schleusen zu schliessen, die Zinsen ruckartig anzuheben – mit den vorhersehbaren Auswirkungen.

    In der Tat hat der neoliberale Boom viele Menschen aus der Armut hinausgehoben, doch man muss schon blind sein, um nicht zu bemerken, dass das nicht in nachhaltiger Weise geschah. Der Zwang zu stetiger ‚Rationalisierung‘ – eigentlich ein Newspeak-Begriff – führt zu einer immer leistungsfähigeren Wirtschaft, die viel weniger Arbeitskräfte benötigt, als zur Verfügung stehen, damit aber inhärent die Kaufkraft begrenzend. Auch Bullshit-Jobs und staatliche Transferleistungen lösen das laufend zunehmende Problem natürlich nicht, das wären nicht gewisse historische Kontingenzen gewesen, sich bereits in den Neunzigern in einer epochalen Krise geäussert hätte. Der neue Player China und in Deutschland die Übernahme der DDR, also 17 Millionen zusätzlichen Konsumenten z. B. zögerte sie hinaus. Irgendwann aber gibts keine neuen Märkte mehr, in die man die Überschüsse hin exportieren könnte.

    Das Zurückfallen ins Elend geschieht schneller, als das daraus Herauskommen davor. Zumal das durch den Klimasand bereits schwer geschädigte Weltgetriebe immer schlechter funktioniert, den Aufwand, um schon nur die Nulllinie zu erreichen stetig erhöht. Kapitalismusverteidiger leben in einer Fantasiewelt, in der es keine physischen Grenzen gibt und in der alles unendlich weiterwachsen kann wie die Geldmenge. Dieser physikalische Unsinn führt in regelmässigen längeren Abständen zu Systemzusammenbrüchen, auf die die Vormächte mit stark erhöhter Kriegsbereitschaft reagieren. Das letzte Mal dauerte es an die 40 Jahre, um schliesslich Reset-Bedingungen zu erzeugen. Dieses Mal wird diese Zeitspanne aufgrund der von heutigen Waffen erreichten Zerstörungskraft und eben der ökologischen Katastrophe gegen unendlich gehen. Ja, sollte es zum Einsatz der Überwaffen kommen, ist es sogar wahrscheinlich, dass sich die Menschheit weitgehend ausrottet.

    1. Pnyx sagt:
      „Der Zwang zu stetiger ‚Rationalisierung‘ – eigentlich ein Newspeak-Begriff – führt zu einer immer leistungsfähigeren Wirtschaft, die viel weniger Arbeitskräfte benötigt, als zur Verfügung stehen, damit aber inhärent die Kaufkraft begrenzend.“

      Das möchte ich gerne aufgreifen, denn dieser Mechanismus ist ein guter Beleg für das, was man „die innere Schranke des Kapitalismus“ nennt.

      Es ist ja tatsächlich so, dass dieser Zwang zur immer weiter fortschreitenden „Rationalisierung“ (ein schwurbeliger Begriff dafür, dass man die menschliche Arbeitskraft zu ersetzen versucht) besteht und stetig praktiziert wird. In letzter Konsequenz bedeutet das, dass irgendwann nur noch wenige Menschen lohnbeziehend beschäftigt werden können. Und wer kauft dann die hergestellten Waren?
      Pnyx schreibt zutreffend, dass die Schaffung von Bullshit-Jobs und staatlichen Transferleistungen das Problem allenfalls verschieben, nicht aber lösen können. Irgendwann funktioniert der Warenabsatz einfach nicht mehr. Dieses Problem ist dem Kapitalismus systemimmanent und nur zu lösen durch die Überwindung des Kapitalismus.

      Auf Dauer hilft da auch nicht das soziale in der „Sozialen Marktwirtschaft“, wie wir doch hierzulande selbst seit Jahrzehnten erleben, weil auch bei uns dieser soziale Bereich langsam aber sicher Stück für Stück abgebaut wird (Beispiele: Lehrermangel, Pflegekraftmangel, Rentenaltererhöhung, vergammelnde Infrastruktur, „Tafeln“ usw.). Auch bei uns verdient die Marktwirtschaft das Attribut „sozial“ immer weniger, und das ist durchaus „alternativlos“, solange man nicht das System insgesamt in Frage stellt.

      Die innere Schranke des Kapitalismus eben: Er entwickelt und modernisiert und „rationalisiert“ sich so lange weiter, bis er nicht mehr funktionieren KANN. Dieser Prozess findet laufend und unaufhaltsam statt.

      Zu fragen ist allenfalls, ob dieses Wirtschaftssystem an dieser inneren Schranke zu Grunde geht oder vorher schon an seiner äußeren Schranke: der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen. Was das angeht, stehen wir ja ebenfalls vor einer Schranke. Es werden zwar immer noch irgendwelche Rohstoffe entdeckt, die man aus der Erdkruste kratzen kann, aber irgendwann sind die auch mal erschöpft. So wie es aussieht wird uns aber vorher schon die Ressource „lebenstaugliches Klima“ ausgehen. Wenn’s nicht mehr regnet, gibt es auch nix mehr zu ernten und weder Aktien noch Geldscheine oder Münzen sind für den menschlichen Verzehr geeignet.

      Auch dieses Problem kann der Kapitalismus nicht lösen. Der will, nein: MUSS produzieren, immer mehr und auf diese Weise kann man nun einmal Ressourcen nicht schonen oder gar ungenutzt lassen.

      Nach meiner Wahrnehmung stehen wir gerade vor beiden „Schranken“ gleichermaßen. Über welche davon wir zuerst stolpern will ich gar nicht wissen. Noch hoffe ich, dass ich alt genug bin, damit ich den Zusammenbruch nicht mehr erlebe. Allerdings geht die Entwicklung immer schneller und ich bin zwar schon älter, aber noch ziemlich gesund …

      Leider stimmt der Spruch, den ich mal gelesen habe: „Jeder kann sich den Untergang der Welt vorstellen (Erderwärmung, Atomkrieg …), aber niemand kann sich den Untergang des Kapitalismus vorstellen.“

      Da hatte ich mal Hoffnung auf Fridays for Future gesetzt, da waren einige Akteure mal kurz nahe dran an der Erkenntnis. Aber inzwischen sind die auch „verstaatlicht“, will sagen, auf die herrschende Ideologie eingeschworen.

      Die herrschende Ideologie ist die Ideologie der Herrschenden, diese Binse wird uns doch heutzutage so deutlich wie nie. In diesem Sinne ein großes Dankeschön an das hier veröffentlichte Streitgespräch zwischen Zitelmann und Solty. Nur leider ist ein solcher Dialog – mitsamt Kommentarbereich – in irgend einem massenkompatiblen Medium dieser Tage nicht mehr denkbar.

      Es sieht nicht wirklich gut aus.

  10. Die Konsumgüter-Inflation kann insoweit hingenommen werden, soweit es eine importierte Inflation ist.
    Sobald eine solche Inflation aber auf einem fehlenden Wettbewerb beruht, müsste ein Ordnungsmodell greifen, was aber nicht vorhanden ist, weil man immer noch auf dem Denkschema der schwäbischen Hausfrau aufbaut, die nie bewiesene Quantitätsgleichung immer noch im volkswirtschaftlichen Tabernakel ruht und Keynes Arbeit als deficit spending interpretiert wird.

    Kapitalismus ist immer noch das, was Adenauer den Sozialisten unterschob: Experimentismus (mit veralteten und angeststaubten Mitteln).
    Dabei waren die Great Depression und der New Deal noch in unmittelbarer historischer Reichweite.

  11. Karl Marx hat keine Lösung, dran ist der Sozialismus gescheitert. Beschäftigt man sich mit Silvio Gesell dann kommt man der Lösung auf die Spur. Sie liegt in der Abwesenheit von Monopolen und im System Geld. Knapp dreihundert Jahre hat es in Deutschland ein umlaufgesteuertes Vollgeld gegeben, sehr erfolgreich. Da brauchen Staaten auch keine Schulden zu haben, die Geldmenge sind und die Zinseszinsen arbeiten nicht an der Umverteilung von Arm zu Reich, kein Zwangswachstum ist nötig weil es keine Deflation oder Inflation mehr geben kann. http://freigeldpraktiker.de/weltenaufgang/blog/article/nur-zwei-buecher

    1. winfried sagt:
      „Karl Marx hat keine Lösung, dran ist der Sozialismus gescheitert.“

      Karl Marx hat beschrieben, was ist, und er hat die darin liegenden Probleme analysiert. Der Gründlichkeit halber gleich so gut, dass seine Analysen auch heute noch weitgehend Bestand haben.
      Für die Lösungen sind die Leute zuständig, die immerhin seine Problembeschreibungen begriffen haben.

      Gesell hat auch versucht zu beschreiben was ist, dabei aber den Grundmechanismus der kapitalistischen Wirtschaftsweise nicht verstanden. Alleine am Geld herumzudoktern löst die Probleme nicht, auch wenn sein Gedanke, das Geld ausschließlich als Tauschmittel zu verwenden, auf den ersten Blick schlüssig aussieht. Das Problem des Mehrwerts und die Problematik zwischen Tauschwert und Gebrauchswert hat er meiner Meinung nach gar nicht erst gesehen.

      Übrigens: Die Geschichte der Menschheit ist ungefähr zwei Millionen Jahre alt. „Geld“ in dem Sinn, wie wir es heute verstehen, gibt es erst seit ungefähr 27 Jahrhunderten. Das sind 0,14 % der Menschheitsgeschichte.
      Davor haben unsere Vorfahren sich doch auch schon ganz prächtig entwickelt, oder?

    2. Der real existierende Sozialismus soll also an einer fehlenden Lösung von Marx gescheitert sein?
      Der real existierende Sozialismus wollte von der Wirtschaftskraft her den Kapitalismus überflügeln und bediente sich dabei eines Klassenkampf-Fetischismus‘.
      Dass ein nach der Arbeitswerttheorie wirtschaftender „Betrieb“ auf dem Papier ergebnismäßig per se schwächer sein muss, als ein mit allen kapitalistischen Wassern gewaschener (fiktives Kapital etc.) sollte dabei erkannt werden.
      Aber Marx hat ja propagiert, dass sich Ökonomie an menschlichen Bedürfnissen orientieren soll und nicht an Profitinteressen, welche nachfrageabhängig sich nach der Kaufkraft richten. Ein Verhungernder ohne money ist für einen Kapitalisten kein lohnendes Objekt. Etwas subtiler geht es zwar auch, aber das Grundproblem besteht weiterhin, wenn auch in geringerer Schärfe.
      Und das liberalistische Moment einer negativen Einkommensteuer, welche die Existenz real und nicht nur in einer Scheinwirklichkeit sichert, ist bisher auch noch nicht wirklich nachhaltig versucht worden, wenn man von bestimmten Experimenten wie der Sozialen Marktwirtschaft absieht.

      Marx bestimmt man entweder philosophisch oder man scheitert (beim Verstehen).
      Es gibt keinen konsequenter Vertreter einer Freiheit für Alle als ihn.
      Die gewöhnlichen Vertreter mit der Freiheitsfahne streben nur eine partikulare und privilegierende an, wobei
      als Werkzeug oft die Unfreiheit der Unterdückten dient.

      Inwiefern Silvio Gestell und das Modell einer Freiwirtschaft von Ökonomie wirklich was verstanden hat, ist mir nicht
      bekannt, deren Propagierung aber sehr wohl. Wer Vollgeld-Fetischisten für voll nimmt, hat jedenfalls die Differenz zwischen Hayek und Friedman in einem wichtigen Punkt nicht verstanden, sofern er jemals davon gehört haben sollte.

  12. Das, was uns heute als Kapitalismus verkauft wird ist genausowenig Kapitalismus, wie das was in der Sowietunion als Sozialismus bezeichnet wurde Sozialismus war. Es ist keine Frage des Systems wer mit Geld umgehen kann und wer nicht. China ist kommunistisch und sehr erfolgreich. Groß-Britannien ist kapitalistisch und nicht sehr erfolgreich.
    Es geht nie um die Systemfrage, es geht immer um die MACHTFRAGE!

  13. Rainer Zitelmann kritisiert immer wieder die Eingriffe des Staates, dabei vergisst er, wie oft das Kapital nach Staat geschrien hat.
    + die Bankenrettung – was wäre passiert, die Staaten hätten nur das Privatvermögen aller bis zu einem Wert von 50ooo Euro gerettet und bei Firmen für maximal zwei Monate Lohn und Sozialabgaben (alles fiktive Zahlenwerte)
    + die Staatenrettung war übrigens auch nur eine Bankenrettung – was wäre passiert, wenn Griechenland und Co so eine „Privatinsolvenz“ wie jeder hier in Deutschland machen kann, gemacht hätte. Die Banken hätten wohl um die 70% verloren und wären damit insulvent
    + Internet, Hartwear, Softwear und Co – wer hat die Grundlagenforschung finanziert und es zum laufen gebracht, wie hätte sich Google, Facebook und Co entwickelt, ohne die Zuschüsse aus Staatsgeldern
    + welche Bereiche der Wirtschaft in der EU wird nicht mit Geldern unterstützt (andere nennen dies subventioniert)? Keine neue Firma innerhalb der EU entssteht nicht ohne Fördergelder! Wieviel Euros hat Musk abgegriffen, das er das Mammutprojekt gegen aller Umweltbedenken in Grünhaide hinstellt?
    + warum wird das Geld der Monopole nicht dort versteuert, wo es erzielt wird? Wieso gibt es diese Steuervermeidungsgesetze?
    + Atomkraft – mit Staatsgeld aufgebaut und mit Staatsgeld wird es abgerissen, weil die Rücklagen der von den AG´s extra dafür gegründeten GmbH´s nicht ausreichen wird ( wurden die Gewinne zwischen durch auch verstaatlicht?)
    + Lufthansa, Airbus, Werften usw. – wie oft wurden die mit Staatsgeldern gerettet oder über Wasser gehalten
    + Corona – Impfstoffe wurden mit viel Staatsgeld entwickelt, einen Rabatt auf das Produkt bekam die EU, BRD nicht
    + Corona – Krankenhäuser – wieviel Geld schluckten diese „Gesundheitsfirmen“ durch Buchungstrix, Falschmeldungen? Wieviel Stellen für Pfleger wurden neu geschaffen? Hat sich die Arbeitssituation der Pflegekräfte verbessert, so dass viele den Beruf ergreifen wollen?
    + Corona – Krankenhausschließungen oder Bettenabbau wurden mit viel Geld vom Staat gefördert (bis heute – trotz Angst vor einer Triage???)

    Ich höre jetzt mit der Liste auf. Je größer die Monopole/ Konzerne um so größer ist die Summe der empfangenen/ geschenkten Staatsknete. Wenn Rainer Zitelmann ruft kein Staat, dann sofort alles Geld zurück an die Bürger.
    Warum stellt man so einem Mann nicht so eine einfache Frage? Muss da erst ein Prolet kommen?

    Hier herrscht doch schon lange das Prinzip: “ Gewinne privatisieren – Verluste verstaatlichen!“. Das ist ein Konzernsozialismus par excellence!

    1. Auf ein hochaktuelles Beispiel für Konzernsozialismus hat mich Röper gerade aufmerksam gemacht:

      „Dass die Gasumlage, die das Ministerium von Kinderbuchautor Habeck ausgearbeitet hat, eine Katastrophe ist, mit der alle Verbraucher in Deutschland den Energiekonzernen und Stromversorgern Milliarden schenken werden, habe ich bereits ausgeführt. Da ich hier nicht alles wiederholen kann, lesen Sie die Details bitte hier nach.

      Die Gasumlage
      Kurz zusammengefasst macht die Gasumlage folgendes: Sie spült den Konzernen Milliarden in die Taschen, offiziell, um sie vor einer möglichen Pleite zu retten. Diese Milliarden zahlen die Verbraucher über die Gasumlage. Wenn einige Konzerne wirklich von der Pleite bedroht wären, gäbe es eine viel einfachere Methode, Stromversorgung und Heizung sicherzustellen, als den Konzernen Geld zu schenken.

      Wenn ein Energiekonzern pleite gehen sollte, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder seine Aktionäre schießen Geld zu und retten den Konzern vor der Pleite, oder der Staat übernimmt die Aktien, wird Eigentümer des Konzerns und stellt so sicher, dass der Konzern auch weiterhin Energie liefert. Der Nachteil daran ist aber, dass in beiden Fällen die Aktionäre in die Röhre gucken, denn entweder müssen sie Geld zuschießen, oder sie verlieren ihre Aktien. Das nennt man „Tragen des unternehmerischen Risikos“ und es sollte ganz normal sein.

      Aber das will man natürlich nicht, denn die Reichsten der Reichen müssen im westlichen Wirtschaftssystem geschützt werden. Also hat Habecks Ministerium die Gasumlage erfunden, bei der alle Menschen Deutschland zusammenlegen und die Verluste der Energiekonzerne kompensieren, damit die Eigentümer der Gaskonzerne ungeschoren davonkommen. Die Gewinne haben sie eingesteckt, die Verluste erstatten ihnen die Menschen in Deutschland.“

      https://www.anti-spiegel.ru/2022/gasumlage-habeck-gesteht-die-eigene-inkompetenz-oeffentlich-ein/

      1. Nach Recherchen von Business Insider entstand die Gasumlage auf Druck der Ratingagenturen, die Unipers Kreditwürdigkeit herabstufen wollten. An der entsprechenden Verordnung schrieben die Konzerne mit….An den rechtlichen Details der Verordnung tüftelten aber nicht nur die Beamten aus Wirtschafts- und Finanzministerium sowie Vertreter Unipers, sondern sogar die Bosse zweier großer Energiekonzerne persönlich. Die Begründung: Nur die Umlage würde sicherstellen, dass alle Gaskunden gleichermaßen einen Beitrag leisten.

        Quelle:
        www. businessinsider . de/politik/deutschland/dramatische-tage-bei-uniper-rettung-energiekonzerne-schrieben-an-verordnung-mit-so-entstand-die-umstrittene-gasumlage/

        Ja Mengel, deine Anfrage an den Herrn Rainer Zitelmann ist berechtigt. Es findet in den letzten Jahren eine riesige Umverteilung von Staat nach reich und von arm zu reich statt, ohne das eine Gegenleistung dafür erbracht würde. Firmen Pleite gehen lassen und dann übernehemen!

        1. Interessanter Link auf den Businessinsider! Übrigens hat unser Herr Minister gegen Wirtschaft und Klimaschutz in irgend einem der zahlreichen Interviews, die er halt so gibt, gesagt, dass sie in seinem Ministerium nicht gewusst hätten, wie sehr die Energieunternehmen miteinander verflochten seien und deshalb das Problem nicht sehen konnten, dass sie mit ihrer Gasumlage auch hochprofitablen Unternehmen Geld hinterherschmeißen.

          Aha. Zu seinem Ministerium gehört unter anderem die Netzagentur. Die wussten da wohl auch nichts von dieser Verflechtung?

          Jetzt geht er her und macht einen auf moralische Empörung. Es sei ja wohl unanständig, dass auch solche Unternehmen die Subventionen abgreifen wollten. Dass die Geschäftsleitungen von Kapitalgesellschaften kraft Gesetz gehalten sind, jede legale Maßnahme zu ergreifen, mit der sie einen Vorteil für ihr Unternehmen erzielen können, weiß er dann wohl auch nicht. Sonst hätte er durchaus den Schluss ziehen können, dass er seine Gesetze eben so gestalten muss, dass unerwünschte Nebeneffekte nicht auftreten können. Und dass man sich nicht ausgerechnet von Unternehmensbossen seine Gesetze diktieren lassen sollte, könnte ihm dann auch aufgegangen sein, dem Herrn Dr. phil.

          Oskar schreibt:
          „Firmen Pleite gehen lassen und dann übernehmen!“

          Ja. Klingt nicht nur logisch, sondern ist es auch. Wenn die Eigentümer Russen sind (Gazprom Germania) dann gelingt das sogar beinahe, wenn auch mit einigen Pirouetten. Im Fall von Uniper sind die Mehrheitseigentümer aber Finnen. da gelten andere Maßstäbe, die gehören nämlich zu den Guten. Da kann man halt nix machen, wenn die sich verzockt haben, können die nix dafür und man muss die Aktionäre retten. Es sind gute Aktionäre.

          Um auf das Thema des Streitgesprächs zu kommen: Mit einem „echten“ Kapitalismus im Sinne der reinen Lehre hat das nichts zu tun. Den aber will auch Herr Zitelmann nicht. Was uns hier als sogenannte „Freie Marktwirtschaft“ verkauft(*) werden soll war nie etwas anderes als „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“. DIESE Art des „Sozialismus“ war schon immer dem System inhärent. In den längst vergangenen Boomjahren nach WKII war das kein Thema, inzwischen wird es von Monat zu Monat deutlicher sichtbar.

          (*) „Verkaufen“ ist der falsche Ausdruck. Diese Ideologie wird uns schließlich kostenlos überlassen, ja sogar aufgedrängt. Also eher „geschenkt“ als „verkauft“. Danke, aber danke nein.

          1. Alles passiert, in Griechenland. Als Schäuble die griechischen Flugplätze kaufte, hat er noch EU Subventionen bekommen.
            Wenn von Verstaatlichung geredet wird, hat das nichts mit Sozialismus zu tun. Der bestehende Staat ist der bürgerliche Staat, der soll aber weg, weil sein höchstes Gut ist das Privateigentum an Produktionsmittel.
            Übrigens ist es im jetzigen Wirtschaftssystem üblich, dass fast 2 % jedes Jahr Pleite gehen. Alleine die Konkurrenz sorgt schon dafür. Aber die sitzen fest im Sattel. Ich arbeite am Rechner mit Linux Mint kostenfrei. 60000 Programme kostenfrei. Industriell das am meisten gebrauchte Programm. Open-Source-Programme werden auch bei Windows benutzt, LibreOffice oder Firefox.
            Wer die Programme benutzt und bei sich einbaut, oder sie ändert, muss jeden anderen der Programme zur Verfügung stellen. Wie viel nutzen Linux? 3 % der Computernutzer. Es herrscht Angst, dass eventuell gedacht werden müsste da zahlen Mensch lieber Microsoft ihr Geld für nix.
            Beim tendenziellen Fall der Profitrate ist die Krux, dass es weniger menschliche Arbeitskraft braucht, aber die Produktionsmaschinen immer teurer werden, somit für die gleiche Profitrate immer mehr Kapital vorgeschossen werden muss.
            Friedrich Engels in einem Interview des französischen „Le Figaro“ vom 13. Mai 1893:
            „Und was ist Ihr, der deutschen Sozialisten, Endziel?“ Herr Engels sah mich einige Augenblicke an
            und sagte dann:
            „Aber wir haben kein Endziel. Wir sind Evolutionisten, wir haben nicht die Absicht, der Menschheit
            endgültige Gesetze zu diktieren. Vorgefaßte Meinungen in bezug auf die Organisation der
            zukünftigen Gesellschaft im einzelnen? Davon werden Sie bei uns keine Spur finden. Wir sind
            schon zufrieden, wenn wir die Produktionsmittel in die Hände der ganzen Gesellschaft gebracht
            haben, und wir wissen wohl, daß das bei der gegenwärtigen monarchistischen und föderativen
            Regierung ein Ding der Unmöglichkeit ist.

  14. „Solche Bürger sind nicht besorgt, sondern bescheuert“

    Was Blome hier betreibt ist in meinen Augen Volksverhetzung, stachelt er doch gegen Teile der deutschen Bevölkerung auf. Die wenig subtile Aufforderung an die Exekutive des deutschen Staates, die friedliche bürgerliche Protestbewegung zu verfolgen hat faschistoide Züge. Man bedenke, dass schon mehrere Menschen bei diesen Protesten, im Zusammenhang mit Polizeimaßnahmen, verstorben sind.

    Ich wünsche den vielen Menschen, bei denen der nächste Winter ein schwerer wird, Mut und Stärke und rate ihnen Zusammenhalt und Unterstützung bei Menschen in vergleichbaren Lebensverhältnissen zu suchen. Schließt euch zusammen und steht für eure Rechte friedlich aber entschlossen ein. „Bildet Banden“(4) und lasst diesen Winter zu einem stürmischen Mutwinter werden!

    https://wordsmith.social/freielinkeanarchisten/mutwinter-ein-kommentar

  15. Kapitalismusapologeten und -versteher wie Rainer Zitelmann sind u.a. das Problem, Teil dessen: Menschen, die sich über jegliche Empirie erheben und willkürlich „Argumente“ erfinden, auch „alternative Fakten“ genannt, die Zusammenhänge herstellen, wo keine sind und sie beharrlich leugnen, wo sie bestehen. Souverän wie Sonnenkönige, sich eins wähnend mit diesem originär gewaltförmigen, möderischen System, sind sie blind für dessen verbrecherische Folgen. „Kapitalismus mit menschlichem Antlitz“? „Qu’ils mangent de la brioche“!

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