Israel, Russland und die Ukraine

 

Checkpoint im Westjordanland. Bild: David Shankbone/CC BY-SA-3.0

Warum hält sich Israel bei der Positionierung gegenüber dem Krieg in der Ukraine zurück? Was spielt dabei, über die konkreten Interessen hinaus, eine nicht zu ignorierende Rolle?

 

Israel hält sich während des Ukraine-Krieges offiziell einigermaßen bedeckt. Das hat nichts mit Akzeptanz der russischen Gebietsforderungen in der Ukraine zu tun, auch nicht mit dem von Linken im Westen zuweilen geäußerten Verständnis für die geopolitische Bedrängnis, der sich Putin vorgeblich durch den inkrementalen Vormarsch der NATO nach Osten ausgesetzt sehe. Man kennt auch hierzulande die Auswirkungen der russischen Aggression, weiß auch um die ukrainische Leiderfahrung. Während sich aber die meisten westlichen Länder sehr bald auf die Seite der Ukraine stellten, hat, wie gesagt, das offizielle Israel keine dezidierte Position bezogen.

Gewiß, man hat Präsident Selenski per Video vor der Knesset sprechen lassen. Bennett ist auch während seiner kurzen Amtszeit zu Putin gereist, um zu “vermitteln”. Aber die ukrainische Bitte um Waffenhilfe blieb unerhört; man leistete “humanitäre Hilfe” durch die Einrichtung eines Feldlazaretts an der ukrainischen Grenze. Die faschismusaffine Innenministerin Israels Ayelet Shaked sorgte dafür, dass die Flüchtlinge aus der Ukraine ja nicht massenweise nach Israel einströmen (damit sie nicht späterhin blieben und die Demographie belasteten) – jüdische Flüchtlinge hatten Vorrang.

Die Berichterstattung über den Kriegsverlauf korrespondiert nicht unbedingt mit dieser offiziellen Haltung. Die Medien sind weitgehend Putin-feindlich eingestellt, die Invasion wird verurteilt, die “Referenden” wurden zynisch kommentiert, die Annexionen kritisiert. Das offizielle Israel sah sich (wohl auf Betreiben der USA) genötigt, den Annexionsakt zwar abzulehnen, nicht aber Russland offen zu verurteilen, sondern lediglich die Wahrung der territorialen Souveränität zu postulieren (der Name Russlands fiel bei der offiziellen Verurteilung nicht).

In der Bevölkerung gibt es keine eindeutig umfassende Positionierung. Manche reagieren gemäß dem althergebrachten Ressentiment gegenüber der zionistisch- bzw. israelkritisch ausgerichteten Sowjetunion. Andere lassen sich vom Pathos des ukrainischen Widerstands leiten. Wieder andere erwähnen die teils horrende antisemitische Erfahrung, die Juden in der Ukraine im 20. Jahrhundert machen mussten. Es gibt auch nicht wenige, die Mitleid mit den Leidenden haben. Aber das Gros der Bevölkerung ist einigermaßen indifferent.

Man hat vermutet, dass die große, aus der ehemaligen Sowjetunion eingewanderte russische Population den Ausschlag bei der Reaktion der israelischen Bevölkerung geben werde, aber Erhebungen haben gezeigt, dass dem nicht so ist. Die “Russen” Israels sind mitnichten homogen: Teile von ihnen wahren ihre Affinität zur russischen Kultur und Sprache (bilden gar eine Art “Ghetto” in der israelischen Gesellschaft), andere widerum sind von ihrem alten Antikommunismus, mithin von der politischen Abneigung gegen ihr ehemaliges Heimatland beseelt. Nicht wenige verstehen übrigens den nun so krass gemachten Unterschied zwischen Russen und Ukrainern nicht.

Was also ist der Grund für die offizielle israelische Haltung? Warum scheint es so, als wolle man sich “unter dem Radar” verstecken, bis alles “vorbei” ist, ohne sich eindeutig positioniert zu haben? Bei den inoffiziell-offiziellen Gründen hebt man vor allem hervor, dass Israel militärische Interessen bei der Bekämpfung des Iran und der Hisbollah auf syrischem Territorium habe, bei denen das Einvernehmen mit den in Syrien operierenden Russen ausschlaggebend sei. Israel kann es sich nicht leisten, eine Konfrontation mit den Russen zu riskieren. Man redet aber auch davon, dass man die Russen nicht verärgern möchte, um die in Russland lebenden Juden nicht möglichen Restriktionen seitens der Putin-Regierung auszusetzen. Diese Argumentation, so vage sie artikuliert wird, ist nicht von der Hand zu weisen. So ist nun einmal die Konstellation der nahöstlichen Geopolitik strukturiert.

Israel hat der Welt vorgemacht, wie man fremde Gebiete erobert, sie besetzt hält und besiedelt und annektiert

Aber es gibt einen anderen gravierenden Grund für Israels offizielle Haltung gegenüber dem Krieg in der Ukraine. Denn wenn es gilt, eine aggressive Invasion, Okkupation und Anexion zu verurteilen, ist Israel das letzte Land auf der Welt, das sich eine Kritik an derlei leisten kann. Israel hat der Welt schon seit Jahrzehnten vorgemacht, wie man fremde Gebiete erobert, sie besetzt hält (und gar besiedelt – ein völkerrechtswidriger Akt) und annektiert (Golanhöhen und Ostjerusalem) bzw. die Annexion nicht de jure, aber sehr wohl de facto betreibt.

Wenn Russen sich bei der Invasion in die Ukraine auf das historische Anrecht auf dieses Land berufen, sind die Israelis schon ein Stück weiter – nicht nur erheben sie ihren Anspruch auf das biblische Eretz Israel, sondern die Segnung dieses Anspruchs beziehen sie vom lieben Gott selbst. Wer meint, dass es sich hierbei um eine billige Polemik handle, kennt die israelische Politrealität nicht, weiß vermutlich nicht sehr viel über die israelische Parteienlandschaft und die Ideologie vieler der Parteien und kümmert sich auch nicht darum, daß es genau diese Parteien sein werden, die bei den am 1. November anstehenden Wahlen den des Betrugs, der Veruntreung und der Korruption angeklagten Benjamin Natanjahu wieder in den Prmierministersessl hieven könnten.

Israel kann sich nicht allzu deutlich gegen Russland positionieren, weil es sich sonst gefallen lassen müsste, mit der eigenen politisch-militärischen Praxis des letzten halben Jahrhunderts konfrontiert zu werden. Es ist dabei bezeichnend, dass viele in der israelischen Bevölkerung, die sich mit der Ukraine solidarisieren, vollkommen blind sind für die Parallele im eigenen Land. Die wenigen Publizisten, die diese Parallele artikulieren, werden im besten Fall dem Verdikt des “unzulässigen Vergleichs” unterworfen, nicht selten aber gleich als Verräter apostrophiert. Dies Wenige hat sich das offizielle Israel wohl zu Herzen genommen – nicht, dass sich auch nur einer dieser politischen Offiziellen einfallen ließe, der völker- und menschenrechtswidrigen Barbarei in den besetzten Gebieten ein Ende bereiten zu wollen.

Und die Deutschen?

In Deutschland, hört man, herrscht eine fast einhellige Solidarität mit den Ukrainern und eine merkliche Aversion gegen die Russen. Die wenigen sogenannten “Putin-Versteher” sind weitgehend aus dem hegemonialen Diskurs ausgegrenzt. Eine Frage: Wie steht es da mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt? Wieso wird jede Kritik an dem, was man im Falle der Russen und der Ukraine mit frenetischer Verve betreibt, im Falle Israels und der Palästinenser so sehr desavouiert, dass die Kritik schon im Vorfeld als antisemitisch ausgelegt und entsprechend bekämpft wird.

Schon merkwürdig: Der alte deutsche “Russenhass” darf sich wieder legitim artikulieren, während sich der alte deutsche “Judenhass” inzwischen umgekehrt hat und zum Widerwillen gegen die Palästinenser mutiert ist. Man darf dabei noch (als Zusatzgeschenk) islamophobisch fühlen – und sich dennoch auf der gerechten Seite der Geschichte wähnen.

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24 Kommentare

  1. „In Deutschland, hört man, herrscht eine fast einhellige Solidarität mit den Ukrainern und eine merkliche Aversion gegen die Russen.“

    Was man so hört, muss nicht die Realität überall sein.

    Bei der überwiegenden Masse der einfachen Belegschaft des größten Arbeitgeber der Region in Mitteldeutschland ist nicht der Russe an die hohen Energiepreise schuld. Auch hat eine Mehrheit kein Verständnis für die Waffenlieferungen und Finanzüberweisungen.

    Das mag in einer Firma wie die BILD anders sein. Aber der Osten ist nicht proukrainisch um jeden Preis. Dies sieht man an den Zahlen bei den momentanen Protesten. Welche Bürgermeister und Handwerksinnungsmeister gegen die offizielle Bundesdeutsche Position stellen. Als Journalist sollte man recherchieren und nicht nur bei Kollegen, die sich was wünschen, abschreiben, geehrter Herr Zuckermann.

    1. Israel hat der Wertewestlichen Welt vorgemacht, wie man fremde Gebiete erobert, sie besetzt hält und besiedelt und Regelbasiert Annektiert!

      Nur hat Russland diese Außenpolitik 1 zu 1 Übernommenen. Und wird zu Recht international geächtet! Wirklich?

    2. @oskarwagenrecht: Hej Oskar, Das mit der „einhelligen Solidarität“ gegenüber der Ukraine sehe ich ebenso kritisch.
      Die intelligenteren Menschen lassen sich nicht so einfach von der Polit- und Medienpropaganda vereinnahmen. Leider sind sie immer und überall in der Minderheit. Natürlich gibt es auch die Art von „Intelligenz“, die sich für ihren Standpunkt bezahlen lässt. Die denkschwachen Schafe, die dieser Propaganda folgen, mögen tatsächlich in der Mehrheit sein, das gilt doch für so ziemlich alle Fragen. Mich macht es schon ein bißchen zufrieden, dass in meinem weitläufigen Verwandten- und Bekanntenkreis von einer „einhelligen Solidarität“ keine Rede ist. Sondern von einer differenzierten Betrachtungsweise, was dem Thema denn auch angemessen ist.

      1. Hi Nordlandreisender,

        eine kleine Rechnerei, wo es klar wird , dass die Propaganda nicht so gut wirkt.

        35% nicht zur Wahl…
        10% AfD
        5% PdL
        5% kleine Parteien
        von diesen 20% bei zweidrittel Wahlbeteidigung sind rund 13% Gesamtbevölkerung
        13% plus 35% sind 48% …. bundesweit kritische Stimmen

        Der Osten ist weit aus kritischer!!

  2. Das offizielle Israel hat überhaupt keine Veranlassung sich am Krieg in der Ukraine erkennbar offen zu beteiligen.
    Sowohl Russland, als auch Israel haben spezielle Rücksichten zu nehmen, denn in Israel leben rund 2 Mio Russen jüdischen Glaubens – und in Russland spiegelbildlich so viel Russen mit jüdischen Wurzeln.
    Den Israelis genügt die Gewissheit, dass ihr Geheimdienst schon an den richtigen Stellen schaltet und. waltet .

  3. Benett hat gleich zu Anfang zu Selensky gesagt, er solle an sein Volk denken. – Wahrscheinlich sein Fehler. Damals war noch nicht klar, wie stark die US-Interessen waren. Man hatte allgemein über Bandera noch nicht hinweggesehen. Wenn der Öl-Dollar zerfällt, kann es für Israel ungemütlich werden. So sitzen sie in der Zwickmühle.

  4. Zum Vergleich israelischer Anexionen palästinänsischer Gebiete und russischer „Anexionen“ gilt festzustellen, dass der grundsätzliche Unterschied zur Seperation (mit vorherigen Referenden) im Rahmen des humanen Völkerrechts nirgendwo besser beleuchtet wird als hier.
    Richtige Besatzung und Unterdrückung der auf der Krim „gefangen“ gehalten Menschen sieht irgendwie anders aus (Ironie off). in den Donbass Gebieten handelt es sich schließlich um Russen, die seit 2014 von ihrem eigenen – völkerrechtswidrig vom Westen geputschten – Staat, von Kiev, systematisch bekämpft und diskriminiert werden.
    Und klar hält man sich durch gleichzeitige Gebietsbeanspruchung eine auf Kriegskurs befindliche Nato notgedrungen vom Hals.

  5. Ich will diesen Artikel gar nicht wirklich kommentieren, da ich über das Thema russisch-israelisch-jüdisches Beziehungsgeflecht viel zu wenig weiß um mir dazu eine eigene Meinung zu bilden. Bekanntlich ist ja Putin keineswegs der autokratische Zar als der er in den Qualitätsmedien oft dargestellt wird, sondern er muss zwischen unterschiedlichsten Lagern lavieren und auch Kompromisse machen. Erinnert sei auch nur kurz an das bekannte Zitat von Egon Bahr, daß es in der internationalen Politik IMMER um Staatsinteressen und NIE um Demokratie und Menschenrechte geht. Kennt jeder.

    Zur Vertiefung des Themas hier ein Artikel von Vineyard of the Saker aus dem Jahre 2015(!) in dem die hochkomplexen russisch-israelisch-jüdische Beziehungen sehr detailliert untersucht werden.

    https://thesaker.is/putin-and-israel-a-complex-and-multi-layered-relationship/

  6. Zu „Wieder andere erwähnen die teils horrende antisemitische Erfahrung, die Juden in der Ukraine im 20. Jahrhundert machen mussten.“:

    HEUTE werden in der Ukraine genau diejenigen, die z. B. beim Pogrom von Lwiw/Lemberg 1941 ihre jüdischen Mitmenschen planmäßig mit unfassbarem Sadismus massakrierten, als Nationalhelden gefeiert.
    Die amtierende ukrainische Regierung schmückt sich mit dem Wappen der OUN und hat die blutrünstigen Nazi-Kollaborateure per Gesetz zu identitätsstiftenden Vorbildern insbesondere für die ukrainische Jugend erhoben.

    Wie wär’s damit, das auch mal zu erwähnen?
    Mich wundert, wie oft im Overton-Magazin diese Aspekte – auch in Artikeln über Asow – ausgeklammert oder ironisch verharmlost werden.
    Wie wär’s mit ein klein wenig Empathie z. B. mit den jüdischen Kindern, die 1941 in Lwiw unter Todesangst miterleben mussten, wie ihre Eltern gequält und ermordet wurden?

    (Die Links zu ausführlichen Quellen folgen)

    PS:
    Damit möchte ich die Verbrechen der deutschen Nazis keinesfalls relativieren.
    Aber ich möchte darauf hinweisen, dass wir im heutigen Deutschland Gesetze haben, die die Verbreitung von Nazi-Propaganda verbieten.
    Abzeichen, wie sie z. B. ein Bodyguard Selenskys trägt, sind hierzulande verboten.

    1. Auf UN-Ebene sieht das dann so aus:

      „Mit 130 Ja-Stimmen bei 2 Gegenstimmen (Ukraine, Vereinigte Staaten) und 49 Enthaltungen nahm die Versammlung den Resolutionsentwurf I „Bekämpfung der Verherrlichung des Nazismus, des Neonazismus und anderer Praktiken, die dazu beitragen, zeitgenössische Formen von Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängender Intoleranz zu schüren“ an.“

      (x)https://aktuelle-nachrichten.app/uno-generalversammlung-nur-usa-und-ukraine-stimmen-gegen-verbot-der-glorifizierung-der-nazis-deutschland-mit-enthaltung/

    2. Darauf scheint die Selenski-Regierung stolz zu sein:
      https://en.wikipedia.org/wiki/Lviv_pogroms_(1941)

      John-Paul Himka, der zum Thema meistzitierte Historiker:
      „The Lviv Pogrom of 1941: The Germans, Ukrainian
      Nationalists, and the Carnival Crowd“
      https://psi329.cankaya.edu.tr/uploads/files/himka%2C%20The%20Lviv%20Pogrom%20of%201941%20%282011%29.pdf

      Selenskys ideologisch erprobte Beschützer:
      https://thegrayzone.com/2022/09/15/zelensky-bodyguards-hitler-patch/

      Gelebter Anti-Semitismus in der heutigen Ukraine:
      https://banderalobby.substack.com/p/ukraines-bandera-youth

      Asows derzeitiger Tournee-Erfolg in den USA:
      https://thegrayzone.com/2022/10/05/azov-neo-nazi-ukrainian-congress/

      Ein paar geschichtliche Hintergründe:
      https://mossrobeson.medium.com/captive-nations-the-forgotten-origins-of-the-victims-of-communism-11f455141133

      Nicht zu vergessen Deutschlands Nachkriegsrolle (s. Bandera und PLAST):
      http://www.encyclopediaofukraine.com/display.asp?linkpath=pages%5CM%5CI%5CMittenwald.htm

  7. Haaretz Israel: „Zelenskyy Says Post-war Ukraine Will Emulate Israel, Won’t Be „Liberal, European“
    Aber wir hier sollen weiter darüber jubeln, wie Selensky „unsere europäischen Werte“ gegen „die Autokratie“ verteidigt.

    Der Atlantic Council hat, von Selenskys Vorstellung einer Ukraine als „Großes Israel“ begeistert, sogleich konkrete Vorschläge gemacht:
    https://www.atlanticcouncil.org/blogs/new-atlanticist/zelenskyy-wants-ukraine-to-be-a-big-israel-heres-a-road-map/

  8. Ein Blick auf die Bevölkerungsverhältnisse in der latenter israelischer Annektion ausgesetzten Westbank und dem Donbass bzw. des südlichen Teils des ukrainische Staates offenbart doch erhebliche Unterschiede. Laut indexmundi 2018 können von 2,8 Mio. Bewohnern der Westbank knapp 400.000 als Israelis angesehen werden. Laut wikipedia.org nutzten Anfang des Jahrhunderts in der ukrainischen Makroregion „Ost“ 92,7% die russische Sprache und in der Makroregion „Süd“ 84,5 %.
    Dass die Russen bzw. der russisch-sprachige Bevölkerungsteil der Ukraine vor allem nach dem nationalistischen Putsch 2014 einer Art Ethnozid ausgesetzt waren – bestes Beispiel ist das 2018 von der Rada verabschiedete Sprachengesetz – und die Bewohner der Donbass-Republiken regelmässigen Artilleriebeschuss von ukrainischer Seite erleiden mussten, rechtfertigt nicht Putins völlig unverhältnismässige Kriegs-Eskalation. Umgekehrt fehlt dem Westen nach seinem Verschweigen und Verharmlosen des Ethnozids wie auch der Glorifizierung von faschistischen Führerfiguren und ihren Leitbildern einer „ethnisch reinen“ Ukraine jegliches Recht, sich in dem Konflikt als moralisch legitimierte Unterstützer des ukrainischen Nationalismus zu betätigen.

    1. Eigentlich bin ich von meiner moralischen Denke zu 100% bei dir. Mein Problem ist, wie die russische Bevölkerung auf der Krim, in den Donbasrepubliken und in den Gebieten mit mehrheitlich russischer Ethnie vor der ethnogenoziden Gesetzgebung und deren militärischen Terror geschützt hätte werden können. Sage bitte nicht „Verhandlungen“, denn dies hat der russische Präsident W.Putin mit seiner Regierung besonder seinem Außenminister Lawrow 8 Jahre und eigentlich davor auch schon versucht, ohne wirkliche Ergebnisse zu erzielen.

      Die Aussagen zu Minsk2 von Poroschenko sind dir bekannt (Zeit schinden für Bewaffnung auf NATO-Standart).
      Nicht Anerkennung der Probleme und Terrorakte gegen die russische Bevölkerung durch den Westen, siehe Lachen Scholz.
      Mitgehörtes Telefonat von V.Nuland zu dem Maidan.
      Rede von G.Friedman auf den Chicago Concil 2015, welcher den Krieg zwischen RF und Ukraine ankündigte und Deutschland von Russland trennen wollte.

      1. Statt mit Eskalation des Krieges hätte Russland auf die westlichen Sanktionen und den Boykott der Minsk-Abkommen mit einem Gas-Lieferstop reagieren sollen. Das hätte man – sicher im vorgebenen bescheidenen Rahmen – mit Aufklärungs-Kampagnen über die Situation im Donbass, die zunehmende Diskriminierung der ukrainischen Russen wie auch die nach 2014 intensivierte offizielle Glorifizierung von ukrainischen Faschistenführern begleiten können. Gerade die letztgenannte Entwicklung bringt speziell das deutsche Meinungsmanagement in erhebliche Schwierigkeiten. Dass selbst in Kiew bedeutende Strassen nach Stepan Bandera und dem an der massenhaften Ermordung von Juden und Polen direkt beteiligten Roman Schuchewytsch (Kommandeur des „Bataillons Nachtigall“, des Schutzmannschafts-Bataillons 201 und der UPA) benannt wurden, weiss in Deutschland bis heute so gut wie niemand.

        1. Zu „Dass selbst in Kiew bedeutende Strassen nach Stepan Bandera und dem an der massenhaften Ermordung von Juden und Polen direkt beteiligten Roman Schuchewytsch (Kommandeur des „Bataillons Nachtigall“, des Schutzmannschafts-Bataillons 201 und der UPA) benannt wurden, weiss in Deutschland bis heute so gut wie niemand.“:

          Die Bundesregierung wusste es bereits 2014 ganz genau und veröffentlichte dazu ausführliche Analysen z. B. per „Bundeszentrale für politische Bildung“:
          https://www.bpb.de/themen/europa/ukraine/194637/analyse-stepan-banderas-nachleben-wird-gefeiert/

          Unter „Zusammenfassung“ stand dort:
          „Das Gedenken an Stepan Bandera, das in den frühen 1990er Jahren mit regionalen Gedenkfeiern in der Westukraine begann, hat sich im ganzen Land verbreitet. Während der Euromaidan-Proteste wurden OUN- und UPA-Symbole auch zur Volksmobilisierung genutzt, zum Einsatz kamen OUN-Fahnen, Bandera-Porträts und der nationalistische OUN-Slogan „Slawa Ukraini, Herojam Slawa“ („Ruhm der Ukraine, Ruhm den Helden“), der neuinterpretiert in die neuen Rituale und Gedenkfeiern integriert wurde. Den OUN- und UPA-Helden wurden die neuernannten Helden zur Seite gestellt, die auf dem Maidan-Platz während der letzten Tage des Janukowitsch-Regimes im Februar 2014 Getöteten (die sogenannte „Nebesna Sotnja“, „Himmlische Hundertschaft“) sowie Teilnehmer der „antiterroristischen Operationen“ in der Ostukraine.

          Am 14. Oktober 2014 erließ Präsident Petro Poroschenko ein Dekret, das den 14. Oktober zum Tag der Verteidiger der Ukraine erklärt. Dieser Tag ersetzt fortan den sowjetischen Feiertag am 23. Oktober, der in der unabhängigen Ukraine bislang als Tag der ukrainischen Armee gefeiert wurde. Der 14. Oktober, ursprünglich der religiöse Feiertag der Fürbitte der Heiligen Jungfrau (auf Ukrainisch „Pokrowa“), wurde bislang als mythisches Datum der Gründung der UPA im Jahr 1942 gefeiert. Außerdem wurde an diesem Tag des Todes von Stepan Bandera gedacht, der am 15. Oktober 1959 ermordet wurde. Poroschenkos Entscheidung kann als weiterer Schritt des symbolischen Bruchs mit der Sowjetvergangenheit angesehen werden und als offizielle Anerkennung und Feier von OUN und UPA.“

          Man war also recht gut informiert.

        2. So sehe ich das auch, es gab noch jede Menge alternative Eskalationsmöglichkeiten für die RF. Putin denkt aber Geopolitisch und nicht wie es hier im Forum immer verbreitet wird, für die Menschen im Donbas.
          Durch den Krieg hat er deren Situation nur verschlimmert. Von den Opferzahlen auf beiden Seiten außerhalb des Donbas/Lukhansk ganz zu schweigen.
          Das passiert, wenn einer zu lange am Ruder ist und sich jetzt noch schnell ein Denkmal setzen will/muß.
          Rational ist da nichts zu erklären.

        3. @R.N. Kallok
          Eine Boykottierung der Gas- und Öllieferung nach der EU hätte die USA gezwungen, welche Sanktionen gegen NS2 verhängt haben, die Ukraine zu Minsk 2 zu bewegen und die antirussische Gesetzgebung zurück zu nehmen. Außerdem hätte es die USA gezwungen, die Aufnahme der Ukraine in die NATO abzulehnen.

          Die USA wollte diesen Krieg (siehe G.Friedman und die Rand Cooperation Papers 2019) und nach Europa amerikanische Frackingprodukte verkaufen. Dann helfen doch keine russischen Zwangsmaßnahmen wie Energiesanktionen (welche nicht dem Völkerrecht konform ist) gegen Europa einsetzen, wo die USA unbedingt sein teureres Gas und Öl hinliefern will.

          Glaubst du den Unsinn wirklich, den du dort geschrieben hast?

          @Ottono, du kannst auch gerne sachliche Argumente beitragen. Aber Sanktionen gegen Europa ist keine Möglichkeit die USA zu etwas zu zwingen.

          1. Danke, dass ich mit sachlichen Argumenten beitragen darf, die du sowieso ignorierst.
            Nichtkriegerische Eskalation durch dir RF war möglich und hatte nichts mit den USA zu tun. Ignoriere das mal nicht.

  9. @Sabine Schulz
    Nur ein Beispiel dafür, dass die skandalöse Glorifierung faschistischer Massenmörder in der Ukraine, die nicht nur Nostalgie ist, sondern reale Implikationen für die aktuelle Politik hat, der deutschen Öffentlichkeit und auch einem Grossteil des politischen Personals unbekannt geblieben ist:
    Die Stadt Iserlohn hat nach der Kriegs-Eskalation ihre Städtepartnerschaft mit einer russischen Stadt gekündigt und ist eine Städtepartnerschaft mit der west-ukrainischen Stadt Ternobil eingegangen. Doch Ternobil ist nicht nur eines der Zentren des ukrainischen Rechtsextremismus. So kommt der Stadtpräsident aus der „Swoboda“. Die Stadtväter von Ternobil brachten es 2020 sogar fertig, das städtische Fussballstadion nach Roman Schuchewytsch, einem faschistischen Massenmörder 1. Ranges, zu benennen. Die polnischen Städte Nysa, Tarnow und Zamosc kündigten daraufhin ihre Partnerschaft mit Ternobil. Doch als in Iserlohn die Linke fragte, ob der besondere Charakter Ternobils den Stadtverantwortlichen nicht bekannt gewesen sei, fing das grosse Gestotter an. Es sei gar keine „Städtepartnerschaft“, sondern eine „Städtefreundschaft“, die sich auf die hilfsbedürftigen Bewohner der Stadt und nicht ihre politischen Vertreter im Stadtrat beziehe. Das Overtone-magazin ist überhaupt noch eines des ganz wenigen Medien, die Hinweise, sei es auch nur in Forenbeiträgen, auf die faschistische Heldenverehrung in der Ukraine zulassen. Die stören nämlich mächtig das Narrativ von der sympathischen und demokratischen Ukraine.

    1. @R.N. Kallok
      Ich denke, die meisten Lokalpolitiker fallen beim Ukraine-Thema genauso auf die mediale Propaganda herein wie auch meisten anderen Bürger.
      Aber diejenigen, die diese inzwischen monströse Propaganda dirigieren, wissen mehr.
      Die wissen genau, was sie tun.
      (Damit meine ich nicht fotogene Darsteller wie Baerbock, Habeck usw., sondern ihre Auftraggeber.)

      Manchmal gelingt es jedoch nicht, alle Tatsachen weg zu „korrigieren“, sodass sogar CORRECTIV zugeben muss, dass ein Bodyguard Selenskys einen nur leicht abgewandelten Nazi-Totenkopf (in D verboten), passenderweise mit Symbol der „1. SS-Panzer-Division Leibstandarte SS Adolf Hitler“, trägt und auch das ukrainische Verteidigungsministerium solche schicken Accessoires mag:

      https://correctiv.org/faktencheck/2022/09/30/ja-auf-diesem-foto-traegt-ein-ukrainischer-soldat-einen-totenkopf-aufnaeher-mit-ss-motiven/

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