„Irre“ Idee: Diplomatie statt Waffen zu fordern

Asow ruft zu Spenden auf

SPD-Politiker haben sich getraut, gegen den bellizistischen Mainstream anzutreten. Das kommt nicht gut an, aber der ukrainische Botschafter Melnyk hilft nach, die Solidarität mit der Ukraine zu untergraben.

Wieder haben sich einige Menschen getraut, dem Kriegsdiskurs in Deutschland und im Westen entgegenzutreten. Statt auf eine militärische „Lösung“ und immer mehr Waffen zu setzen, die nach der ukrainischen Regierung die Maximalforderung beinhaltet, auch die Krim heim zu holen und letztlich die russischen Streitkräfte vernichtend zu schlagen,  wird von einigen weniger bekannten SPD-Politikern gefordert,  „politische, finanzielle, wirtschaftliche und militärische Maßnahmen“ zu unterstützen, „die zu einem schnellen Waffenstillstand und einem Ende dieses Kriegs beitragen“. Schon das wird von den Bellizisten, die ganz ähnlich wie Putin glauben, geopolitische Interessen mit Waffengewalt durchsetzen zu müssen, als Skandal gesehen.

Dabei sind die Unterzeichner alles andere als russophil, was man ja schon ist, wenn man vor einer Niederlage der einen oder anderen Seite, auf Wege aus dem Krieg setzt. Da ist man dann feige oder eben Teil der fünften Kolonne von Moskau, weil die Bellizisten, die derzeit in Politik und Medien die Öffentlichkeit dominieren, nur Schwarz und Weiß kennen, Grauzonen, Meinungsvielfalt, einen kritischen Diskurs soll es nicht geben. Kriegsdienstverweigerung ist tabu und nur beim Gegner gestattet. Das führt dann zur bekannten Strategie, in Talkshows jeweils einen wie immer auch Andersdenkenden alleine einzuladen und ihn oder sie dann vorzuführen. Ein erbärmliches Schauspiel, besonders beliebt bei den Öffentlich-Rechtlichen, etwa bei Lanz.

Die Unterzeichner des neuen Appells wissen natürlich um die Stimmung in der medialen Öffentlichkeit  und den Bemühungen des SPD-Kanzlers Scholz, bloß ja nicht aus der Kriegseuphorie auszuscheren, was natürlich auch deswegen ihm und den anderen Kriegsenthusiasten, immer erstaunlich auch, wie viele Frauen sich hier an die Front stellen, leicht fällt, weil man einen Proxy-Krieg führt, in dem die anderen sterben. Fast schon unterwürfig werden in dem Appell die Positionen der Nato und der USA bestätigt, um die Hauptforderung zu legitimieren:

„Es ist die Zeit der Diplomatie. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen ihre diplomatischen Anstrengungen verstärken, um eine Waffenruhe zu befördern. Dazu muss der Austausch mit bisher neutralen Ländern wie Indonesien, Indien oder Südafrika, aber auch mit China intensiviert werden, um sie für eine Vermittlerrolle zwischen den Kriegsparteien zu gewinnen. Auch die Vereinten Nationen müssen neue Initiativen starten.“

Die Idee, BRICS-Staaten als Vermittler einzuschalten, ist alles andere als eine verrückte Idee – oder „irre“, wie die Bild sagt. Sie tragen wirtschaftlich den Krieg von russischer Seite mit und könnten tatsächlich Druck auf Moskau ausüben. Allerdings wäre es höchste Zeit, wenn die Unterstützerstaaten der Ukraine auch gegenüber Kiew – und den USA – realistische Ziele für eine Friedenslösung formulieren: Was soll erreicht werden, wann werden rote Linien auch bei der Unterstützung überschritten, was muss die ukrainische Führung machen, um weiterhin Unterstützung zu erhalten? Wie lange kann Einheit unter den Unterstützern abverlangt werden? Die ukrainische Führung richtet sich nach den maßgeblichen Unterstützern. Das neue 3-Milliarden-Paket aus Washington zeigt, wer weiter den Ton angeben und seine Interessen wahren will.

Und dass jenseits des Ukraine-Kriegs eine „globale Entspannungspolitik“ in Gang gesetzt werden sollte, ist auch schon alleine deswegen vernünftig, weil China und die USA gerade auf den nächsten militärischen Konflikt zusteuern und alle Seiten blind aufrüsten, auch ihre Atomwaffenarsenale. Nachdem Diplomatie nach 2014 trotz des Minsker Abkommens von den USA vornehmlich keine Chance hatte und auch vor dem Krieg nicht gewollt war, wäre möglicherweise der Aufruf zur Diplomatie eher an die USA und die Nato gerichtet.

Wie auch immer, in der gegenwärtigen Stimmung haben solche Appelle und politische Orientierungen wenig Chancen und gelten schon als extremistisch. Der Bundeskanzler gibt ja auch allgemein schon vor, dass wir uns unterhaken sollen. Wer aus der Reihe tanzt, wird verpönt und geächtet oder vielleicht auch schon bald politisch verfolgt.

Aber es gibt Unterstützer der bellizistischen Politik, die es deren Vertretern nicht leicht machen, die Stellung zu halten. Der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, Andreij Melnyk, darf offenbar vom ukrainischen Außenministerium geduldet oder gefördert weiter daran arbeiten, die propagierte Solidarität Deutschlands mit der Ukraine unter der Führung von Selenskij zu untergraben. Mit seinen Forderungen an Deutschland für mehr Waffen hatte er anfangs Erfolge erzielen können, aber jetzt werden seine Angriffe zunehmend pöbelhaft, was sich auch auf die Haltung zur ukrainischen Führung auswirken wird, zumal wenn dank der Unterstützung alles in Deutschland teurer wird und zudem weiter die Gefahr besteht, dass es zu einem großen, wenn nicht nuklearen Krieg kommen könnte.

Melnyk, noch bis Ende September Botschafter der Ukraine, schreibt: „Hallo Ihr linke Genossen, Euer zynischer Vorschlag über einen ‚Modus Vivendi‘ mit Terrorzelle Russland heißt, die Ukraine zu verraten & Millionen Ukrainer den russischen Mörder- und Vergewaltigerschergen zu opfern. Einfach widerlich.“

Russland als Terrorstaat zu bezeichnen, ist gerade Strategie von Kiew. Aber auch wenn Russland, wie immer unprovoziert oder provoziert, die Ukraine unrechtmäßig angegriffen hat, ist die Absicht nicht, die Ukrainer abzuschlachten, und sind nicht alle russischen Soldaten Mörder und Vergewaltiger. Die Ukraine muss vielmehr aufpassen, ihren moralischen Vorteil gegenüber den Angreifern nicht zu verlieren, wenn nun vermehrt terroristische Anschläge gegen (ukrainische) Kollaborateure und Angriffe gegen die Zivilbevölkerung in Donezk und Lugansk gemacht werden. Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die Angriffe auf das AKW Saporischschja von ukrainischen Truppen ausgehen, um mit der nuklearen Gefahr die Weltöffentlichkeit zu beeinflussen. Das wird auf die Dauer die Solidarität untergraben, die moralisch eingefordert wird, wenn es nicht so dargestellt wird, dass in der Ukraine als Nachfolger von Afghanistan der Westen, die Demokratie, Deutschland oder was auch immer verteidigt wird.

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42 Kommentare

  1. Wenn Hinterbänkler durch Kotau um Ablassen von den Atomkriegsplänen betteln, was soll man dazu sagen? Eher nichts.

    Die USA, ihr Knecht Nato und die winselnde „deutsche“ Regierung führen Krieg gegen Russland, de facto. Wer die Ukraine, den wesentlich von Naziverbänden bestimmten, höchst korrupten Staat, dessen größenwahnsinnige Regierungskrakeeler rundum permanent alle beleidigen und mit schwarzen Listen, also Todesdrohungen überziehen, dubiose Waffengeschäfte abziehen, durch die u. a. Dörfer in Griechenland abgefackelt werden, mit Waffen, Personal, Ausbildern unterstützt, ist Kriegsteilnehmer.

    Hat Russland Deutschland irgendetwas angetan? Nein. Hat Deutschland irgendetwas mit der Ukraine zu schaffen? Nein. Weshalb beteiligt sich dann die „deutsche“ Regierung am Hasskrieg der Ukro-Faschos gegen ehemals ukrainische, angeblich abtrünnige Regionen der Ukraine?

    Die US-Regierung will den Atomkrieg, die ukrainische Regierung will den sowieso. Der „deutschen“ Regierung ist es scheißegal, wenn das eigene Land dabei draufgeht. Das ist die aktuelle Situation.

    Wer glaubt, dass sich das irgendwie abwenden ließe, irrt. Das ist gewollt, geplant und wird so gemacht. Deshalb irren übrigens auch die hiesigen Prepper mit dem Horten von Holz und Propangasflaschen. Die kommenden Atombomben im Winter heizen ausreichend.

    Und, um das abschließend zu kommentieren: Es reicht. Eine Welt, die solche „Bürger“ trägt, hat fertig.

    Macht‘s gut, und danke für – nichts.

    1. Ich glaube kaum, dass die US-Regierung einen Atomkrieg will. Wenn sie ihn haben wöllte, könnte sie ihn leicht haben. Sie wollen die Welt beherrschen und Russland und China, die dabei im Weg stehen aus dem Weg räumen, aber einen Atomkrieg dabei möglichst vermeiden. Bei einem Atomkrieg zwischen USA und Russland gäbe es keine Sieger. Das wäre der Punkt in der Geschichtsschreibung der USA, Russlands und Europas. Die Unterwerfung der ganzen Welt ist ihnen aber dermaßen wichtig, dass sie bis zu einem gewissen Grad auch bereit sind einen Atomkrieg zu riskieren.

      1. Die Transatlantiker spekulieren darauf, dass Russland keine nukleare Auseinandersetzung will. Die hatten aber auch darauf gesetzt, dass Russland sie trotz Warnungen in der Ukraine gewähren lässt, ohne was zu unternehmen.

    2. „Hat Russland Deutschland irgendetwas angetan?“

      Wir Deutschen werden den Russen niemals ihre günstigen und offenbar aufgezwungen Energielieferungen verzeihen, durch die wir Handelsbilanzüberschüsse generierten und die unseren Wohlstand sicherten.
      Das ist einen Krieg, dass sind Menschenopfern wert.
      (Sarkasmus off)

    3. Die Ukraine hat ihren „moralischen Vorteil“ längst verspielt, vielleicht nicht die Ukrainer, aber deren entsetzliche Regierung mit ihren noch entsetzlicheren Machenschaften. Und wenn man die Vorgeschichte nachliest, dann hat es nie einen moralischen Vorteil gegeben. Wir sehen hier Regierende, die ihre Bevölkerung einem nationalistischen Wahnsinn opfern. Die einen Hass erzeugen, den einen nur an die Zeit von 1933 – 1945 erinnern kann. Und die keinerlei Skrupel haben, uns in ihren Mist mit hineinzuziehen. Nein, die verteidigen nicht „unsere Freiheit“. Die wurden über den Russenhass der Angloamerikaner aufgewiegelt und versklaven sich für deren Hegemonialinteressen – die sich schon lange überlebt haben. Und unsere Idioten laufen eifrig mit.

      1. Ungefähr ein Drittel der des ukrainischen fruchtbaren Bodens gehört nach der Selensky’schen Gesetzesänderung inzwischen Blackrock, Vanguard und noch einem 3. Finanz“dienstleister“.
        Und bei den Gasvorkommen sind auch schon die großen Ölkonzerne drin.
        Wessen Land wird da eigentlich „verteidigt“?

        1. Genau dieses Thema wurde bei MoA an einem Tag diekutiert. Dabei ging es auch um die Bodenschätze, welche konservativ geschätzt sich auf 20 bis 30 Billionen Dollar (20 – 30 ooo ooo ooo ooo US-$) in der Ukraine befinden. Natürlich haben sich westliche Oligarchen, Finanzdienstleister, AG`s und Co. auch dort bereits einen beträchtlichen Happen des leckeren Kuchens einverleibt. MoA hatte dazu einen Heulartikel auf The Washington Post verlinkt.

          Die us-amerikanischen Interessen sind nicht nur rein strategisch, sonder auch sehr stark monetär ausgerichtet. Und wenn mann sich an Karl Marx erinnert was der Kapitalismus bei welcher Gewinnspanne alles macht, da kann noch viel Geld von Seiten den Westens in das Investitionsprojekt Ukraine gesteckt werden, vor allem weil die vielen Dollars ja bei den Rüstungsmonopolen der USA verbleiben.

          Das vollständige Zitat von Karl Marx lautet: »Kapital, sagt der Quarterly Reviewer, flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.«

          1. Ich denke, wenn Russland tabula rasa in der Ukraine gemacht hat. werden diese unwertewestlichen Gauner ihre Abschreibungsspezialisten in Marsch setzen müssen.

        2. „nach der Selensky’schen Gesetzesänderung“

          Nicht vergessen: die Bodenreform kam 2021 nach Jahren des Widerstands nur deshalb, weil der IWF der Ukraine die Pistole auf die Brust gesetzt hatte. Ohne Bodenreform keine Kredite mehr… und dann hätte die liebe Ukraine die anderen westlichen Kredite (Soro lässt grüßen) auch nicht mehr bedienen können. Und Selenszkij hat das nicht mal bei seinen eigenen Leuten durchgekriegt. Er musste dazu die Abgeordneten der Partei des „Todfeindes“ Poroschenko mit ins Boort nehmen.

        3. Ja, wessen Land?
          Blackrock, das mit den gleichen 5 Buchstaben wie der Black Friday anfängt, ist ja nur Vermögensverwalter mit einem Börsenwert von etwa 100 Mrd. $.
          Das ist etwas mehr als ein Jahresgewinn von Apple.
          Investiert wird aber in Aktiva mit höherem und dabei relativ sicherem Wertsteigerungspotential und/oder einer attraktiven Dividende.
          Dann ist es aber ziemlich belanglos, ob der Aktionär nun Lieschen Müller, Max Mustermann oder Blackrock heißt, wenn man unberücksichtigt lässt, dass Blackrock mehr Organisationspotential besitzt.

    4. „Die USA, ihr Knecht Nato und die winselnde „deutsche“ Regierung führen Krieg gegen Russland, de facto. “

      Die „deutsche“ Regierung? Nein. Nur das deutsche Volk, der Souverän, ist in einen ökonomischen Stellvertreterkrieg gezwungen worden. Gegen eigene nationale und ökonomische Interessen. Die Regierung spielt bei Opa Joe und der Nato das hübsche Game „Anal-Fatal“. Und kein anderes EU-Land ist von den Sanktionen so betroffen wie Deutschland. Frankreich bezieht Strom (v.a. aus Gas) aus Deutschland. Spanien bekommt für seine Auseinandersetzung mit den Magreb-Staaten jetzt deutsches Gas weitergeleitet. Und Polen hatte seine Speicher seit Ende letzten Jahres durch Umkehrung des Jamal-Gasstroms aus deutschen Speichern und aus deutschen Beständen schön gefüllt. Die Deppen-Deutschen haben das auch noch bewundert, weil Polen ja kein Russengas mehr bezogen hatte… Und weil da die Zwischenhändler kurzfristig verdient haben (auch die, die jetzt nach einer Gasumlage rufen, weil Ersatzgas teurer ist), hat die Politik das lieber nicht zur Kenntnis genommen. Aber Habeck, sein Ministerium und die Legion der Juristen einschl. der unsinnigen Netzagentur haben ja noch nie was vom Gasmarkt und seinen Strukturen gehört… Und die ganze Welt lässt die arschkriecherischen Ranwanzer aus Deutschland abblitzen: Onkel Sam, Katar, Norwegen, Kanada… hat jeder Gas und Öl. Aber leider nicht genug, um Deutschland was abzugeben.

  2. Ein moralischer Vorteil der Ukraine? Was für ein Augenleiden plagt wohl Rötzer? Nicht nur gibt es einen solchen selbstverständlich nicht, was kürzlich z. B. AI öffentlich kundgetan hat, allerdings ohne Hinweis darauf, dass Zivilistenbeschuss sowie -missbrauch in Form militärischer Inanspruchnahme ziviler Institutionen wie Spitäler, Schulen etc, schon seit 2014 andauert und massgeblich zur Eskalation beigetragen hat, sondern ist auch grenzenlos naiv, da es doch ein Blinder mit dem Krückstock ertasten kann, dass es nicht um Moral, sondern eben Geopolitik geht. Die westliche Vormacht bedient sich der in den ehemals polnischen Teilen der heutigen Ukraine weit verbreiteten Russophobie, um ihre imperialen Allüren durchzustieren. Dutzende der Russlandversteherei gänzlich unverdächtige westliche Big shots haben das im Lauf der Jahre immer wieder dargelegt und tun es auch jetzt noch, darunter der bekannte Kriegsverbrecher Kissinger, der aber längst vom heutigen politischen Mainstream rechts überholt worden ist.

    Wer sich die gesinnungsethischen Pantoffeln überstreift, überstreifen lässt, ist bereits übertölpelt und verloren. Wohl oder übel marschiert er mit im allgemeinen bellizismustrunkenen Lemmingzug. auch wenn er Initiativen unterstützt, die daran erinnern, dass nur via Verhandlungen erzielte Kompromisse die Menschheit vor dem letzten Schritt, den in den Abgrund, bewahren kann. Wenn die militärische Niederlage nicht mehr verdrängbar sein wird, wird der derzeit noch dünne Chor der Dissenter mächtig anschwellen, aber dann wird es wahrscheinlich schon zu spät sein.

    1. Naja überall in Deutschland hängen ukrainische Fahnen. Und wer eine russische Fahne auch nur zeigt riskiert politische Verfolgung und Repressionen. In Deutschland genießt die Ukraine schon noch einen gewissen politischen Vorteil.

    2. Einen moralischen Vorteil der Ukraine kann man durchaus sehen – auch wenn man kein Augenleiden hat.

      Ich persönlich verurteile die Russen nicht dafür, dass sie – nach jahrelanger Zurückhaltung – den Schritt getan haben (zu dem Schritt gezwungen wurden), den Angriff auf die Ukraine zu starten. Dabei geht es ja auch um weitaus mehr als nur den Überfall eines großen Landes auf ein kleines Land. Dennoch ist die Ukraine das angegriffene Land und wer angegriffen wird hat das moralische Recht, sich zu verteidigen. Das gilt sogar für einen Schurkenstaat wie die Ukraine und ergibt eben einen ‚moralischen Vorteil‘. Nach meinem Verständnis jedenfalls.

      1. Einen moralischen Vorteil sehe ich nur für die kleinen Ukrainer, ob sie in der Westukraine sind oder in in der Ostukraine.
        Wenn man aber so tut, als hätten auch die großen Ukrainer – also die Entscheider in diesem Staat – einen moralischen Vorteil, dann gilt dies gar nicht. Die ukrainische Führungsschicht hat sich unter der ebenfalls moralisch zweifelhaften US-Oberschicht dafür hergegeben einen Proxykrieg in ihrem Land zu führen. Unter diesem Krieg leidet die ohnehin nicht auf Rosen gebettete Bevölkerung und er dient fast ausschliesslich den geostrategischen Ambitionen der USA.

        Sie hätte sich auch verweigern und mit ihren Nazis anlegen können – und das hätte auch die Europäer machen müssen.

    3. „Ein moralischer Vorteil der Ukraine?“

      Darüber bin ich auch gestolpert; ich nehme allerdings nicht an, daß F.R. damit seine Überzeugung ausdrückt, sondern vielmehr die (immer noch) tatsächlich vorherrschende Meinung in der westlichen Öffentlichkeit. Die jahrhundertelang aufgebaute und gepflegte Russophobie ist auf Knopfdruck immer wieder abrufbar und mit der Mehrheitsmeinung kann man sich immer auf der sicheren Seite fühlen. Andernfalls müßte man sich informieren, lesen, nachdenken, argumentieren, Widerstände aushalten, Beziehungen riskieren – aufklären halt. Aber das ist sowas von out…..

      Dabei hat die öffentliche Demontage des heiligen Wolodymir, zu dem sie alle pilgerten und der allabendlich der Welt im TV das Nachtlied singt, im Mainstream der Westmedien schon lange begonnen. Von NYT, WaPo, Spiegel, Welt, SZ – überall Artikel über den Kokssüchtigen mit Konten in der Karibik und Villen in Miami, der sich mit seinem Armeechef anlegt, die Truppen verheizen läßt und guten Ratschlägen nicht folgt. Und was können die USA dafür, wenn sie monatelang vor einem russischen Angriff warnen und der Typ das einfach ignoriert, das Gegenteil behauptet und damit Tausende Menschenleben riskiert? Wie lange wird der noch haltbar sein?

      Und dann gibt es einen Neuen mit „moralischem Vorteil“.

      PS Wer das wohl lanciert hat?
      (x)https://southfront.org/zelenskys-drug-dealer-detained-reports/

  3. >> Allerdings wäre es höchste Zeit, wenn die Unterstützerstaaten der Ukraine auch gegenüber Kiew – und den USA – realistische Ziele für eine Friedenslösung formulieren <<

    Das setzt Souveränität voraus.
    Wer soll das gegenüber AMERIKA formulieren? Deutschland hat nur Scholz, aber keinen Bundeskanzler.

  4. Hier ist mal wieder ein richtiger „Rötzer“ gelungen: „…ihren moralischen Vorteil gegenüber den Angreifern“

    Die erste moralische Verfehlung ging bereits mit den Todesschüssen auf den Maidan am 20. Februar 2014 mit mindestens 60 Toten und hunderten Verletzten darunter auch Angehörige des Berkut los. Die Schüsse wurden, wie die Einschusstreffer an Straßenbäumen (Kurze Zeit später gefällt) verrieten, von den oberen Stockwerken des Hotel Ukraina abgefeuert.
    Am Abend berichtete „UNIAN“ unter der Überschrift „Auf dem Maidan schießen Scharfschützen auf Verwundete, die Kugeln durchschlagen Schutzwesten“ und zeigte dort einen Beitrag des ukrainischen TV-Senders „TSN“, in dem von Schüssen sowohl von Seiten der Polizei berichtet wurde, als auch von Schüssen aus dem Hotel Ukraina, welches als Hauptquartier der Opposition fungierte und damit fest ihrer Hand war.
    Zusammenfassend kann man sagen, dass russische und ukrainische Medien sehr detailliert über die Unruhen berichteten. Aus diesen Berichten geht hervor, dass die Unruhen von den Demonstranten begonnen wurden. Die ukrainische Polizei und Staatsanwaltschaft hat nach dieser schlimmen Tat nie gegen die Täter ermittelt.
    https://www.anti-spiegel.ru/2019/5-jahrestag-der-todesschuesse-auf-dem-maidan-was-geschah-am-20-februar-2014/?doing_wp_cron=1661550938.9119369983673095703125

    Die zweite moralische Verfehlung fand im Gewerkschaftshaus in Odessa statt. Am 2. Mai 2014 um 15.00 Uhr
    bewegte sich eine Gruppe von Ultranatinalisten und Fußballhooligans zum Kulikov-Feld, wo die Antimaidan-Bewegung immer noch ihre Zeltstadt hatte. Es ist schwer, Angaben über die Anzahl der Teilnehmer der beiden Gruppen zu finden, es scheinen insgesamt nicht mehr als 3.000 gewesen zu sein. Es kam zu Zusammenstößen mit Toten. Als die Maidan-Sympathisanten zusammen mit den Ultras und anderen Gruppen die Oberhand gewannen, trieben sie die Antimaidaner ins Gewerkschaftshaus, welches dann ausbrannte. Dabei starben über 40 Menschen. Die ukrainische Polizei und Staatsanwaltschaft hat nach dieser schlimmen Tat nie gegen die Täter ermittelt.
    https://www.anti-spiegel.ru/2019/die-tragoedie-von-odessa-vom-2-mai-2014-alle-details-in-chronologischer-reihenfolge/?doing_wp_cron=1661550973.8640038967132568359375

    In der Folgezeit fanden viele weitere moralische Verfehlungen durch die prowestlichen Machthaber nach dem Euromaidan statt:
    Abgesehen von den hunderten Namenlosen, die in diesen Gefängnissen verschwunden oder unbemerkt von der Öffentlichkeit zu Tode gekommen sind, gab es auch eine Reihe von prominenten Regimegegnern in der Ukraine, die ermordet wurden oder unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen sind. Diese Liste zeigt die bekanntesten Fälle der Nach-Maidan-Zeit.
    August 2014: Valentina Semenjuk-Samsonenko, Vorsitzende des Fonds für Staatseigentum der Ukraine wurde erschossen.
    Januar 2015: Nikolay Sergienko, ehemaliger Stellvertretender Chef der Eisenbahn wurde erschossen.
    Januar 2015: Alexey Kolesnik, ehemaliger Vertreter des Gebietes Charkov wurde erhängt aufgefunden.
    Februar 2015: Andrey Kusmenko, populärer Sänger unter dem Künstlernamen Kusma Skrjabin, starb nach Veröffentlichung eines Anti-Kriegs-Liedes unter merkwürdigen Umständen bei einem Verkehrsunfall.
    Februar 2015: Sergey Walter, ehemaliger Bürgermeister von Melitopoia, wurde erhängt aufgefunden.
    Februar 2015: Michail Tschetschetov, ehemaliger Vertreter der „Partei der Regionen“, deren Regierung beim Maidan weggeputscht wurde, stürzte aus einem Fenster in den Tod.
    März 2015: Stanislav Melnik, ehemaliger Abgeordneter der „Partei der Regionen“, wurde erschossen.
    März 2015: Alexander Pekluschenko, ehemaliger Gouverneur von Saporozhe, wurde erschossen.
    März 2015: Sergey Melnitschuk, ehemaliger Staatsanwalt in Odessa, stürzte aus einem Fenster in den Tod.
    April 2015: Sergey Suchobok, Journalist aus Donezk, wurde ermordet.
    April 2015: Olga Moros, Chefredakteurin der Zeitung „Neteschenski Vestnik“, starb durch Genickbruch.
    April 2015: Oleg Kalschnikov, Abgeordneter der Rada der „Partei der Regionen“, wurde erschossen.
    April 2015: Oles Busina, oppositioneller Journalist und Autor, wurde erschossen.
    Die ukrainische Polizei und Staatsanwaltschaft hat nach dieser schlimmen Taten nie gegen die Täter ermittelt.
    https://www.anti-spiegel.ru/2019/im-westen-totgeschwiegen-politische-morde-in-der-ukraine-nach-dem-maidan-13-beispiele/?doing_wp_cron=1661550802.0387210845947265625000

    Viele weitere moralische Verfehlungen fanden durch die prowestlichen Machthaber nach dem Euromaidan statt:
    Am 12. März 2020 ist der 29. Bericht des UNHCR über die Menschenrechtslage in der Ukraine veröffentlicht worden. Warum die deutschen „Qualitätsmedien“ nicht darüber berichtet haben, versteht man sofort, wenn man den Bericht liest. Das UNHCR wirft sowohl den Rebellen, als auch der Kiewer Regierung Folter vor und beschreibt auch konkrete Fälle. Besonders detailliert geht das UNHCR auf das Straflager Nummer 25 ein, das die Kiewer Regierung in der Stadt Charkow betreibt. Von dort gibt es Berichte über Folter inklusive Vergewaltigungen durch das Wachpersonal. Die Schilderungen erinnern an Abu Ghraib im Irak. Die Regierung in Kiew reagiert darauf nicht, die Zustände sind bekannt, das Wachpersonal wird auch nicht ausgetauscht, geschweige denn bestraft.
    https://www.anti-spiegel.ru/2020/warum-wohl-kein-wort-in-den-medien-ueber-unhcr-bericht-zur-menschenrechtslage-in-der-ukraine-und-auf-der-krim/

    Und noch mehr moralische Verfehlungen fanden durch die prowestlichen Machthaber nach dem Euromaidan statt:
    Ein hoher Offizier des ukrainischen Geheimdienstes SBU ist nach Russland im März 2019 übergelaufen und hat heute auf einer Pressekonferenz so viele Skandale aufgedeckt, dass es schwer ist, alles hier zu verarbeiten.
    https://www.anti-spiegel.ru/2019/pressekonferenz-nach-russland-uebergelaufener-ukrainischer-geheimdienst-offizier-ueber-verbrechen-in-der-ukraine/

    Und noch viel mehr Verfehlungen der ultrarechten Kräfte der Ukraine:
    https://www.moonofalabama.org/2022/06/ukraine-open-thread-2022-99.html
    Im Forum Nummer 43:
    Völkermord an der Zivilbevölkerung im Donbass. Frauen, ältere Menschen, Kinder (RIA Novosti, 6. April 2022, aktualisiert am 26. April 2022 – auf Russisch)
    Das sind grausame Fotos. In Friedenszeiten kann so etwas nicht veröffentlicht werden. Aber 8 Jahre lang hat die Welt so getan, als sei die Zeit friedlich gewesen. Wir sind zu Zeitgenossen und teilweise passiven Teilnehmern eines Völkermordes geworden. Die „Madonna von Gorlovka“, Kinder, alte Menschen, Frauen, die auf den Straßen ihrer Städte bluten. Über ihren Tod zu schweigen ist ein Verbrechen. Es ist unmöglich, diese Fotos anzuschauen. Sehen Sie sie trotzdem an. (Das Tor ist unscharf. – S)
    Foto 1: Die Madonna von Gorlovka – die junge Kristina Zhuk und ihre 10 Monate alte Tochter starben am 27. Juli 2014, als ukrainische bewaffnete Formationen die Straßen von Gorlovka mit Grad-Werfern beschossen. An diesem Tag, der später als „Blutiger Sonntag von Donezk“ bezeichnet wurde, starben vier Kinder. Unter ihnen war die kleine Kira. Das Mädchen starb in den Armen ihrer Mutter, die vor den Soldaten der ukrainischen Streitkräfte geflohen war. Es dauerte einige Zeit, bis Kiras Großmutter ihre Tochter und Enkelin fand. Die tote Kristina lag auf dem Rasen des Stadtplatzes und hielt ihre Tochter noch immer fest.
    Foto 2: Ende Juli 2014, das Dorf Yubileynyy im Gebiet Lugansk. Eine ältere Frau starb infolge des Artilleriebeschusses durch die Streitkräfte der Ukraine.
    Foto 3. 8. Juni 2014. Ein fünfjähriges Mädchen ist Opfer des Beschusses im Dorf Semjonowka.
    Foto 4: Dieser alte Mann ist einer der vielen hilflosen älteren Menschen, die beim Beschuss eines Pflegeheims in Lugansk am 28. Juli 2014 ums Leben kamen.
    Foto 5. Diese Frau starb in ihrer Wohnung. Dies sind die Folgen des Beschusses des Artjom-Viertels in Slawjansk durch das ukrainische Militär.
    Foto 6. Juli 2014, Lugansk. Eine Frau in einem Schockzustand neben einem Opfer des Artilleriebeschusses durch die Streitkräfte der Ukraine.
    Foto 7. Eine Bewohnerin des Dorfes Golubovka in ihrem Haus nach dem Beschuss.
    Bild 8. Die Folgen des Beschusses von Slawjansk durch das ukrainische Militär. Nachbarn helfen einer Frau, deren Haus nach einem Granateneinschlag Feuer gefangen hat.
    Foto 9. 27. Januar 2015, Donezk. Der vierjährige Sascha wurde während des Artilleriebeschusses durch das Militär der Streitkräfte der Ukraine getötet. Ein Granatsplitter traf ihn in den Rücken.
    Foto 10. 14. August 2014, Kreuzung der Artyom-Straße und der 25-letiya RKKA-Straße, Donezk. Eine ältere Frau ist ein Opfer des Beschusses durch die Streitkräfte der Ukraine.
    Foto 11. Trauerfeier für die Toten im Innenhof eines Wohnhauses. Die Folgen des Beschusses des Artjom-Bezirks in Slawjansk durch das ukrainische Militär.
    Foto 12. 2. Januar 2015, Shakhtyorsk. Infolge des Artilleriebeschusses durch Kriegsverbrecher der Streitkräfte der Ukraine verlor der kleine Wanja Woronow seinen rechten Arm und beide Beine. Sein jüngerer Bruder Timofey und sein Vater starben auf der Stelle.
    Bild 13. Golubovka nach dem Beschuss. Die älteren Menschen trauern um ihre Söhne.
    Bild 14. Überlebende, aber jetzt obdachlos. Bewohner des Mikrodistrikts Artema in Slawjansk.
    Foto 15. September 2014, Jenakijewo. Eine alte Frau ist Opfer des Artilleriebeschusses durch Soldaten der Streitkräfte der Ukraine.
    Foto 16. 5. November 2014, Donezk. Bei Artilleriebeschuss durch Kriegsverbrecher der Streitkräfte der Ukraine wurden zwei Schüler im Stadion der Schule Nr. 63 getötet.

    (Sidenote. Ich bin nicht einverstanden mit der Verwendung des Wortes „Völkermord“ in Bezug auf die Geschehnisse im Donbass. Völkermord ist eine Politik des systematischen Mordes an allen Menschen, die einer bestimmten Ethnie angehören. Was im Donbass geschah, entspricht nicht wirklich dieser Definition. Es lässt sich besser als eine Terrorkampagne gegen eine Bevölkerung beschreiben, um sie zu zwingen, ihre kulturelle Identität, ihre Werte und ihr historisches Gedächtnis aufzugeben).
    Geschrieben von: S | Jun 29 2022 17:33 utc | 43

    Dann kommen noch die Verfehlungen der ukrainischen Armee und der militärischen Einheiten der ultrarechten Battaillione hinzu. Ca. 11ooo Tote zählten die separistischen Donbasrepubliken vom April 2014 bis Januar 2022. Es waren rund 70 bis 80 Prozent zivile Opfer.

    Herr Rötzer, wo finden sie den „moralischen Vorteil“ auf der Kiewer Seite?

    Sie schreiben einen richtig guten Artikel, Herr Rötzer, aber diesen Halbsatz bitte weglassen.

    1. >> Völkermord ist eine Politik des systematischen Mordes an allen Menschen, die einer bestimmten Ethnie angehören. Was im Donbass geschah, entspricht nicht wirklich dieser Definition. Es lässt sich besser als eine Terrorkampagne gegen eine Bevölkerung beschreiben, um sie zu zwingen, ihre kulturelle Identität, ihre Werte und ihr historisches Gedächtnis aufzugeben <<

      Bereits die bloße Absicht eine bestimmte ethnische Gruppe oder kulturelle Identität ganz oder teilweise zu vernichten oder zu vertreiben erfüllt bereits den Tatbestand des Völkermords nach UN Definition.

      Es geht da auch nicht ums Aufgeben. Seine ethnische Zugehörigkeit kann man ja kaum aufgeben. Russischstämmige Identität in der Ukraine soll einfach verschwinden, koste es was es wolle. Sie sollen alle vertrieben oder vernichtet werden.

      Am 8. August 2021, lange vor Beginn der russischen Intervention, wandte sich Selensky in einem Interview an die russischstämmige Bevölkerung des Donbasses und der Krim in russischer Sprache und forderte sie direkt auf sich gefälligst einen Platz in Russland zu suchen. Das wäre "Das beste für ihre Kinder", denn man werde diese Territorien in jedem Fall "deokkupieren".

      1. Hi Russischer Hacker,

        dieser von dir zitierte Ausschnitt ist Teil dieses Linkes aus dem Forum von MoA und damit Teil der Meinung des Kommentators. Ich habe es der Vollständigkeit stehen gelassen, weil ich ja sonst seine Sichtweise verdrehe mit meiner Widergabe.

        Auch ich habe überlegt, ob ich dies so stehen lasse. Bin in diesem doch schon recht langen Kommentar nicht darauf eingegangen, weil ich auch nicht vom Thema der schieren Masse an Verbrechen der ukrainischen Machthaber ablenken wollte.

        Dein Einspruch in diesem Punkt sehe ich auf jeden Fall als gerechtfertigt an.

        SG Oskar

  5. Das Narrativ des Autors wackelt nicht, Russland hat die Ukraine unbegründet angegriffen. Ihm ist die jüngste chronologische Darstellung Thomas Röpers zu empfehlen, kann sie ja zerpflücken, wenn das möglich ist.
    Seine Stetigkeit besagt aber eher, dass ihm solche Berichterstattung russische Propaganda ist und nicht zur Kenntnis genommen wird.

  6. Diplomatie statt Waffen zu fordern, bringt leider überhaupt nichts. Der einzige Weg zum Frieden ist ein schneller Sieg Russlands. Wenn die Ukraine bald verliert und es gelingt, sie zu zwingen, den Übertritt der Krim zu Russland und DNR und LNR und andere Veränderungen rechtlich anzuerkennen, dann hätte der Westen keinen „völkerrechtlichen“ Grund mehr für Sanktionen. Die Rezession könnte begrenzt werden, und niemand müsste auf Demonstranten schießen.

    1. Das halte ich für illusorisch. Die Sanktionen werden niemals zurückgenommen, völlig egal, wie sich Russland verhält. Das Ziel, dieses Land entweder zu zerstückeln oder qua „Maidan“ eine Marionettenregierung zu installieren – beides mit dem Ziel, das Land auszuplündern und zu unterwerfen – wird sich nicht ändern.

      Und in Russland weiß man das. Alle Beziehungen zum Westen sind so gut wie beendet. Die Zukunft liegt im Osten.

  7. Ohne andere Beiträge schmälern zu wollen – fiinde ich den Beitrag von oskarwagenrecht außerordentlich. So habe ich dies damals auch wahrgenommen.

    Der von den MSM täglich wieder aufgewärmte „moralische Vorteil der Ukraine“ ist propagandistisch, ist virtuell und keinesfalls real. Belege gibt es dafür überreichlich. Ich kann mir daher die Wiederholung sparen.

    1. Hallo wrmfr,

      außerordentlich ist meine Wut, Trauer, Machtlosigkeit…
      Ja, dann entsteht auch so ein Forenbeitrag.

      Danke für dein „außerordentlich“!

  8. So etwas wie die geschilderte Initiative ist irgendwie rührend, aber inzwischen doch eher abwegig. Ich wage mal eine Vorhersage, wie das weitergehen wird in der Ukraine.

    Keine der – ja nach Perspektive – befreiten/besetzten Gebiete wird jemals wieder von der Ukraine kontrolliert werden. (Und ich rechne damit, daß demnächst auch Charkiv, Nikolajev und Odessa dazu zählen werden). Sie (evtl. inklusive Transnistrien) werden Teil Russlands.

    Russland wird in diesen Gebieten dauerhaft Militär stationieren.

    Teile der Westukraine schließen sich evtl. Polen an (viel Spaß bei der Integration der „Galizier“), Ungarn und Rumänien bekommen den Teil, der sich ihnen sprachlich/kulturell zugehörig fühlt. Und der Rest? Da wage ich keine Vorhersage. Mit einer NATO-Basis dort könnte Russland wohl nicht leben.

  9. Bevor sich hier alle über Rötzers Satz mit dem „moralischem Vorteil“ aufregen. Ich habe es spontan so gelesen, dass Rötzer mit „moralischem Vorteil“ NICHT sein eigenes Urteil meint, sondern die verbreitete Wahrnehmung in der deutschen Öffentlichkeit durch die Mainstream-Narrative. Das legt zumindest die Passage am Ende seines Artikels nahe, in der unter anderem steht: „Das wird auf die Dauer die Solidarität untergraben, die moralisch eingefordert wird…“
    Und dagegen ist ja wirklich nichts einzuwenden.
    Aber vielleicht macht er das ja bei Gelegenheit mal deutlicher. Aus persönlicher Sicht von einem „moralischem Vorteil“ zu reden, entspricht ansonsten auch eigentlich nicht seinem Stil.

    1. Hi Two Moon,

      ich bin bei ihrer Einschätzung des Autors auch dabei. Deshalb hatte ich auch als letzten Satz geschrieben: „Sie schreiben einen richtig guten Artikel, Herr Rötzer, aber diesen Halbsatz bitte weglassen.“.

  10. Man muss nicht alles teilen, was in dem Aufruf steht bzw. fehlt. Aber es ist gut, dass er in der Öffentlichkeit ist. Der wütende Aufschrei dagegen sollte die Initiatoren bestärken. In der Grundtendenz fordern sie doch das einzig Vernünftige. Gut, dass der Gedanke der Diplomatie noch nicht ganz verschüttet ist.
    Die Lieferung von immer mehr und schweren Waffen in die Ukraine kostet noch mehr Menschenleben und steigert das Risiko, das von den 15 Atomreaktoren in der Ukraine ausgeht.
    Interessant auch diese Stellungnahme: „Die maßlose Polemik gegen diese Stellungnahme ist mir unverständlich… ich wüsste nicht, was eine humane und politisch vertretbare Alternative zu Waffenstillstand und Friedensverhandlungen sein könnte: ein neuer Dreißigjähriger Krieg, in dem am Ende Putin doch noch seine Kriegsziele in einem völlig verwüsteten Land durchsetzt?“ (Julian Nida-Rümelin auf Facebook)

    1. Hi Ekkehard,

      ich habe dank deiner Verlinkung den Aufruf „Appell von Friedensbewegten an die Bundesregierung, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden“ gerade mit unterschrieben. Es ist super, dass du mit deinem Namen für diese wichtige andere Sichtweise auf den Ukrainekrieg und den sinnlosen politischen/ wirtschaftlichen Folgen für die deutsche Bevölkerung stehst.

      https://www.change.org/p/appell-von-friedensbewegten-an-die-bundesregierung-schaden-von-der-bev%C3%B6lkerung-abzuwenden?recruiter=47063060&recruited_by_id=28d82e80-8466-0130-79a9-3c764e0455b2

      Auch wenn ich persönlich nicht daran glaube, dass die USA eine Beendigung des Krieges zulassen wird, es geht dort einfach um zu viele Dollars und ihre Oligarchie verdient prächtig an den Krieg (siehe oben mein Antwort an A.F.), bin ich der Meinung, wir sollten uns trotzdem um Frieden jetzt und in aller Ewigkeit bemühen.

      Nochmals meinen Dank an dich! Und liebe Leser meines Kommentars unterschreibt bitte bei Ekkehardts Petition!

  11. Lt. WSJ
    (x)https://www.wsj.com/articles/u-s-to-send-nearly-3-billion-security-aid-package-to-ukraine-11661342606

    beabsichtigt die US-Regierung, ihre „Mission“ in der Ukraine zu benennen und unter das Kommando eines Zwei- oder Drei-Sterne-Generals zu stellen. Die Entscheidung der Mission einen Namen zu geben, bedeutet die Möglichkeit, den daran beteiligten Soldaten Auszeichnungen und Sonderzahlungen zukommen zu lassen und den Status der Mission auf das Niveau der vom Pentagon im Irak und in Afghanistan durchgeführten Missionen („Iraqi Freedom“, „Enduring Freedom“ und andere) anzuheben. Diese Ernennung bedeutet auch ein Leitungsteam, das für die „Betreuung“ der ukrainischen Armee (und evtl. Regierung) zuständig sein wird. (Es soll wohl auch überprüfen, wo die gelieferte Ausrüstung landet). Sieht ganz danach aus, als ginge man von der Beratung zur Führung über und richte sich auf längeren Verbleib ein; jedenfalls läßt sich von dieser Seite kein Verhandlungs- oder Friedenwillen erkennen. Die $3Mrd wollen ja auch erst einmal „investiert“ werden.

    1. Hi venice,

      Sie machen diesen Krieg nun eben offiziell zu dem was er schon seit 2013/14 ist, einen Kampf zwischen Russland und USA.

      Und dieser Ukrainische Konflikt ist ein kleiner Ausschnitt um den im Moment stattfindenden Kampf um die unipolare Weltherrschaft der USA. Jetzt ist die USA auch bereit ihre Versallen in den Bewaffneten Kampf zu schicken. Diese Stufe wird immer mehr ausgeweitet. Ich las in russischen Medien, dass wohl polnische Kampfverbände (keine offizielle Verbreitung/ für mich stufe ich es als Gerücht ein) sich Richtung Front bewegen. Die nächste Stufe ist, es wird ein „bewaffneter“ Krieg der USA und damit ein NATO-Krieg.

      Die Konsequenz ist damit jedem klar.

      Wir alle müssen uns einsetzen, dass der Krieg konventionell bleibt, besser so schnell wie möglich beendet wird!

      Auch deshalb werden solche Vorkommnisse wie Untergang „Moskwa“, Raketenbeschuss des militärischen Flugplatzes auf der Krim, hohe NATO-Offiziere im ASOV-Stahlwerk nicht in den russischen offiziellen Medien diskutiert. Thomas Röper deutet diesen Hintergrund „des kleinhaltens dieses Konfliktes“ regelmäßig an.

  12. Ich finde diesen Aufruf vollkommen in Ordnung verglichen mit dem, was sonst so an politischen Unsinn verbrochen wird. Da steht zwar auch einiges dummes Zeugs drin, aber immerhin gibt die Partei Willy Brandts ein Lebenszeichen, dass von ihrer Führung nicht kommt.

    „Diese Hoffnung wurde auch getragen von der Entspannungs- und Friedenspolitik, für die Willy Brandt den Friedensnobelpreis erhielt. Sie hat viel Positives bewirkt. Angesichts der Dramatik der globalen Krisen wie die Zunahme des Hungers, der Klimawandel, andere schreckliche Kriege, die Migrations- und Fluchtbewegungen, bedarf es eines neuen Anlaufs einer globalen Entspannungspolitik, die auf der Basis gemeinsamer Interessen die Kooperation sucht und zugleich robust imperiales Vorgehen wie das Russlands in der Ukraine zurückweist. Denn eine stabile Friedensordnung auf Grundlage internationaler Kooperation und Solidarität steht jedem Versuch entgegen, eine imperiale Ordnung zu errichten oder zu erhalten.“

    Dazu müsste man dann noch mal klären, wer wohl eine imperiale Ordnung versucht aufrecht zu erhalten und ob dieser Versuch darin bestanden hat, wenig unterwürfige Ländern zu bedrohen, indem man ihre Nachbarn aufrüstet.

  13. Vor etwa 4 Jahren stöberte ich im Netz auf der Suche über 2030…
    Mehrere Artikel plobbten auf und gaben an, wer in dieser Zeit zu den grössten Märkten gehören wird!
    Zufall oder alternativlos dargestellte Kapitalpolitik?
    Die Kapitalpolitik ist alternativlos, das Kapital zieht dort hin um sich zu vermehren.
    Die alte Doktorin der unipolaren Politik hatte zuletzt „5“ Staaten unterzubringen….
    Die neue multipolare Ordnung wird Nordkorea, Iran, Venezuela, Syrien und andere dafür öffnen.
    Das Kapital wird dabei gewinnen, nur manche demokratische Staaten werden das Nachsehen erleiden müssen…
    SIMULATENTEN SIMULIEREN DIE SIMULATION…

  14. Die Idee, BRICS-Staaten als Vermittler einzuschalten … ist einfach super.
    Danke für die Übermittlung und Dank den SPD-lern.
    Mit unserer sogenannten Aussenministerin kommen wir da nicht weiter, die Frau hat einfach kein Format und schlichtweg keine Ahnung. (Wahrscheinlich hat sie sich überlegt :“Ich reise ja gerne, was käme als Ministerium in Frage?). Viele Deutsche denken ja derzeit nur über sich selber nach („Was wird nur werden? Bin ich schön, erfolgreich, beliebt?“). So nehmen sie Ereignisse ausserhalb ihres direkten Umfeldes nur in der vorgekauten Version wahr, und das das ist das Erfolgsgeheimnis der BLÖD-Zeitung. Dabei weiss ich aus Gesprächen, dass sehr viele meiner Bekannten einen Frieden wie auch immer haben wollen, keine Waffen mehr in die Ukraine schicken wollen und Selenskij nicht mehr sehen und hören wollen.
    Was gefragt ist, sind neue Denkansätze, weil die alten zum jetzigen Zustand geführt haben.

  15. Offenbar plant der Papst, mit der Friedensdiplomatie ein Beispiel zu geben. Er soll für das Frühjahr 2023 eine Reise beabsichtigen, die auch den Donbass einschließt.

    (x)https://tass.com/world/1498557

    1. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche Papst Franziskus soll seine Bereitschaft verkündet haben, nach einem Besuch in Moskau in den Donbass zu reisen. Dies berichtete unter Berufung auf ein Gespräch mit dem Papst der Vorsitzende der Internationalen Union der Altgläubigen Leonid Sewastjanow der Nachrichtenagentur TASS.

      Unterdessen schrieb in der italienischen Zeitung Il Fatto Quotidiano der Vatikan-Experte Marco Politi am Donnerstag über den Druck, der vom ukrainischen Präsidenten auf den Vatikan ausgeübt wird, dass der Papst darüber verärgert sei. Franziskus verurteile den Krieg und sei mit dem ukrainischen Volk solidarisch, wolle sich aber nicht für das westliche Narrativ instrumentalisieren lassen und dafür die jahrzehntelange Vorgeschichte des Konfliktes sowie die potenziellen Folgen einer weiteren Eskalation ausblenden. Politi wies darauf hin, dass diese Ansicht auch von zahlreichen nichtwestlichen Staaten, die die Mehrheit der Weltbevölkerung repräsentieren, geteilt wird.

      gefunden bei Rtde

      Eigentlich ist es mir egal, was ein oder der Papst macht. Was mich belustigt, wie der westliche Moralapostel damit den Wertewesten brüskiert. Der Verweis auf die Mehrheit der Welt, welche nicht der Sicht des Westens folgt, ist ein Satz den sich die Befürworter des Unipolarismus bestimmt genau angeschaut haben.

      Kurze Zeit später hat der Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz die russische politische Aktivistin Darja Dugina, die bei einem Attentat letzte Woche getötet wurde, als unschuldiges Opfer des Krieges bezeichnet. Sowohl der ukrainische Botschafter im Vatikan, Andrei Jurasch, als auch der ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba kritisierten Papst Franziskus für seine Äußerungen zu Dugina.

  16. re: Papst – Es ist wie in einem Artikel im Frühjahr auf Responsible Statecraft beschrieben: „surprising new bed fellows“ in der Welt der Politik seit Kriegsbeginn. Wenn man bedenkt wer mit wem alliiert oder sympathisiert.

    * * *
    3 links:

    „Connor Echols: By the numbers: Keeping track of the single largest arms transfer in US history“ –
    Chronologie der Waffenlieferungen rückwärts aufgezählt:

    https://natyliesbaldwin.com/2022/08/connor-echols-by-the-numbers-keeping-track-of-the-single-largest-arms-transfer-in-us-history/

    Ausschnitt:
    „Without further ado, here is a timeline of every major weapons shipment or funding package announced since February 24:

    August 8

    The Pentagon announced that it will send $1 billion worth of security assistance to Ukraine via presidential drawdown, including:

    — HIMARS ammunition (This is an acronym for High Mobility Artillery Rocket System. These mobile missile launchers can fire a wide range of munitions, including rocket artillery and short-range ballistic missiles.)

    — Artillery ammunition

    — Javelin missiles and other anti-armor weapons

    August 1

    The Pentagon announced an additional $550 million of security aid via presidential drawdown, including:

    — HIMARS ammunition

    — Artillery ammunition “

    usw.

    * * *
    London Review of Books, Blast Effects
    James Meek reports from Ukraine, 16.8.:

    https://www.lrb.co.uk/the-paper/v44/n16/james-meek/blast-effects

    „Ukraine’s fate​ won’t be decided in Donbas, where the biggest part of Ukrainian and Russian forces are concentrated, but hundreds of miles away, on the more obscure battlefield of the south-west.“

    * * *

    Doctorow Kritik Mearsheimer vom 20.8. (ich glaube wurde hier schon gepostet)
    https://gilbertdoctorow.com/2022/08/20/john-mearsheimers-latest-article-on-ukraine-in-foreign-affairs-a-critique/

  17. Hi Brian,

    das ist altes Schulwissen, was ich in meinem Kommentar angewendet habe. Es ist in dem Texten damals nicht erkennbar, zumindestens in unseren Unterrichtsmaterial nicht, und uns wurde es nicht vermittelt, dass dieser berühmte Abschnitt ein Zitat aus einer Broschüre von T. J. Dunning ist.

    Danke für den Hinweis und für die Verlinkung. Ich bin immer für informationserweiternde Kritik offen.
    Meine geliebte Oma pflegte immer zu sagen:
    „Du wirst alt wie`ne Kuh
    und lernst immer noch dazu.“

    Meiner Großmutter kann ich auch heute nicht widersprechen.

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