Iran droht Israel bei einem Angriff Vergeltung mit einem Schlag gegen die Atomwaffenanlage Dimona

Iranische Kamikazedrohne kurz vor dem Einschlag auf die Attrappe der Atomanlage Dimona, wo das israelische Atomwaffenprogramm angesiedelt ist. Bild: Iranische Streitkräfte

In einer Militärübung führte der Iran sein Raketenarsenal und Kampf- und Kamikadrohnen vor. Man habe demonstriert, wie Ziele durch gleichzeitigen Beschuss mit Mittel- und Langstreckenraketen oder Drohnenschwärmen zerstört werden können.

 

Zwar steht im Augenblick der Konflikt mit Russland in der politischen und Medialen Aufmerksamkeit, aber auch im Nahen Osten werden kräftig die Säbel gerasselt. In Israel wird weiter diskutiert, ob Irans Atomanlagen angegriffen werden sollten oder nicht, um zu verhindern, dass das Land Atomwaffen erhält. Israel besitzt bereits seit Jahrzehnten Atomwaffen – schätzungsweise zwischen 80 und 200 –  als Garant für seine Sicherheit, gibt das aber offiziell nicht zu. Hergestellt wird das atomwaffenfähige Plutonium in dem seit 1963 in Betrieb gegangenen Atomforschungszentrum Dimona in der Negev-Wüste. In Reaktion auf die immer aus Israel geäußerten Drohungen warnt nun der Iran, er würde im Falle eines Angriffs mit Raketen den Dimona zerstören.

Ausgebreitet werden in der Jerusalem Post die möglichen, natürlich von Luftabwehrsystemen geschützten Angriffsziele: die unterirdisch angelegte Urananreicherungsanlage in Natanz, der im Bau befindliche Schwerwasserreaktor in Arak, mit dem sich Plutonium herstellen ließe, die in einen Berg gebaute Urananreicherungsanlage in Fordow oder die Atomanlage in Isfahan. Im Unterschied zu den „erfolgreichen“ israelischen Angriffen auf den irakischen Reaktor Tammuz-1 (1981) und den syrischen  al-Kibar-Reaktor (2007) würde Israel mit einem Angriff auf die ungleich besser geschützten iranischen Reaktoren einen Fallout riskieren, es wäre dann ein indirekter Atomkrieg. Israel würde angeblich auch gerne die Produktionsstätten für Zentrifugen und natürlich auch Raketenabwehrstellungen, Raketenlager, Radarstationen, Flugplätze usw. bombardieren.

Prinzipiell wäre es möglich, die iranischen Ziele mit bunkerbrechen Bomben anzugreifen, wenn etwa F-35 Stealth Jets erst einmal Flugabwehr- und Radarsysteme ausgeschaltet haben und genügend Tankflugzeuge verfügbar wären. Israel hat 8 KC-46-Tankflugzeuge bei Boeing bestellt, die ersten werden frühestens in zwei Jahren kommen. Der israelische Luftwaffenkommandeur meinte, das wäre schon morgen, also jederzeit möglich. Israel verfügt auch über Mittelstreckenraketen wie Jericho, die mit Nuklearsprengköpfen ausgestattet werden können.

Der New York Times sagten hingegen israelische Militärs, dass Israel gegenwärtig nicht die Möglichkeit habe, die iranischen Anlagen zu zerstören.  In der Jerusalem Post wird diskutiert, ob selbst eine gelungene Zerstörung viel bringt, weil Iran mittlerweile das Wissen und die Technik hat, um wieder das Atomwaffenprogramm aufzubauen. Fraglich ist daher, ob sich ein Angriff lohnt, der nur eine kurze Verzögerung bewirkt, oder ob das von Israel betriebene Spionageprogramm nicht ähnliches leisten kann.

Bild. Farsnews

Vermutlich besitzt Israel nicht die Kapazitäten, die wichtigsten iranischen Atomanlagen zu zerstören, weswegen die Angriffsszenarien wohl nur Drohungen sind. Schließlich muss Israel bei einem Angriff damit rechnen, selbst unter Beschuss seitens des Iran zu kommen, dessen Raketenarsenal immer größer geworden ist. Die israelische Regierung wird sich überlegen, ob sie riskieren will, dass die Städte im Land verwüstet werden, da sicher nicht alle Raketen abgewehrt werden können. Dazu siehe auch das Gespräch mit Moshe Zuckermann: Israel und Iran werden sich hüten, es zu einem Krieg kommen zu lassen.

Mitte Dezember bereits in iranischen Medien gewarnt: Drohung aus dem Iran, Israel als Reaktion auf einen Angriff großflächig zu zerstören. Gerade hat der Iran eindringlich Israel gewarnt, dass seine Raketen nicht nur alle Städte in Israel erreichen können, sondern auch den Diotima-Reaktor. Generalmajor Mohammad Hossein Baqeri, der oberste Kommandeur der iranischen Streitkräfte, erklärte, die Revolutionsgarden hätten Militärübungen vom 20. bis 24. Dezemberunter dem Namen Manöver Großer Prophet im Südiran angesichts der Drohungen durchgeführt, die er freilich als „leer“ bezeichnete.

Während der Übungen wurden verschiedene Marschflugkörper (Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen) von unterschiedlichen Abschusssystemen abgefeuert, die alle ihr bewegliches oder fixiertes Ziel erreicht hätten. Das wäre aber nur ein kleiner Teil des iranischen Raketenarsenals gewesen (die Raketenlager sind teil riesige unterirdische Anlagen). Neben den Raketen wurden auch Kampf- und Kamikazedrohnen eingesetzt, die „mit fortschrittlichen Leit- und Kontrolltechnologien und künstlicher Intelligenz ausgestattet sind, um ich Ziel zu treffen“. Geübt wurde auch elektronische Kriegsführung, um die Abwehrsysteme auszuschalten.

Dimona-Nachbau

Als konkrete Drohung muss verstanden werden, dass im staatlichen Fernsehsender gezeigt wurde, wie die 16 Marschflugkörper und 5 Kamikazedrohnen abgeschossen wurden und ein Ziel bombardierten, das der Atomanlage Dimona nachgebildet war und völlig zerstört wurde. In dem mit drohendem Sound und Sirenengeheule unterlegtem Video wurde ein auf einen LKW passendes Abschusssystem für große Kamikazedrohnen  des Typs Shahed-136 gezeigt und wie sie auf die den Kühlturm der Dimona-Attrappe einschlagen und ihr Sprengkopf explodiert

„Mit einer Simulation der Atomanlagen von Dimona übten die Revolutionsgarden bei ihrer Raketenübung erfolgreich den Angriff auf dieses wichtige Zentrum des zionistischen Regimes“, heißt es in Tasnim. Dass iranische Kamikazedrohnen über weite Entfernungen und tieffliegend Patriot-Abwehrsysteme austricksen und ein Ziel genau treffen können, wurde schon 2019 beim Angriff auf eine Anlage des saudischen Ölkonzerns Aramco vorgeführt. Hervorgehoben wird, dass Luftabwehr- und Radarsysteme mit Drohnenschwärmen zerstört werden können.  Mehrere Langstreckenraketen könnten Flugzeugträger oder andere Kampfschiffe überwältigen. Beides sei geübt worden.

Die Übung, bei der mit Mittelstreckenraketen und Kamikazedrohnen eine Dimona-Attrappe zerstört wurde, wird in Israel als „neue Ebene aggressiver iranischer Drohungen“ betrachtet (wobei Drohungen ja eigentlich schon aggressiv sind). Bedrohlich für Israel ist dies auch deswegen, weil Iran auch der Hisbollah im Libanon Drohnen und Tausende von Raketen geliefert hat. Eine Drohne hat die Hamas schon einmal Richtung Dimona fliegen lassen, bevor sie kurz davor abgeschossen wurde. Im Falle eines Angriffs auf den Iran, müsste Israel auch mit Gegenangriffen der Hisbollah rechnen.

Video der iranischen Streitkräfte über den Angriff mit Raketen und Drohnen aúf die israelischen Massenvernichtungswaffenin Dimona:

Die israelische Regierung hat zudem gerade einen provokativen Plan beschlossen. Die Golanhöhen, die Israel im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1981 völkerrechtswidrig annektiert hat, dasie nach internationalem Recht weiterhin zu Syrien gehören, sollen stärker von Israelis besiedelt und damit annektiert werden. Das Kabinett bewilligte eine Milliarde NIS (317 Millionen US-Dollar), um die Zahl der dort lebenden Israelis zu verdoppeln, neue Siedlungen zu errichten, neue Jobs zu schaffen und die Region zu einem Zentrum für erneuerbare Technologien zu machen.

Bislang leben auf den Golanhöhen 57.000 Juden, 24.000 Drusen und 2000 Alawiten. Das Projekt war von Donald Trump gebilligt worden, nach dem eine Siedlung „Trump Height“ errichtet wurde, angeblich wolle Joe Biden daran nichts ändern. Regierungschef Naftali Bennett legitimiert dies durch den langen Bürgerkrieg in Syrien: „Jeder vernünftige Mensch auf der Welt versteht, dass es besser ist, israelische Höhen zu haben, die ruhig, blühend und grün sind, als die Alternative.“

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