Holt die Ukraine durch westliche Hilfe an Artillerie-Feuerkraft auf?

Nach dem ukrainischen Verteidigungsminister machen HIMARS-Raketenartilleriesysteme einen „RIESIGEN Unterschied auf dem Schlachtfeld“. Bild: mil.ua

Im Ukraine-Krieg liefern sich beide Seiten eine Materialschlacht mit Artillerie-Angriffen. Angeblich sind die russischen Truppen an Feuerkraft noch weit überlegen, obwohl die Ukraine aus dem Westen bereits viele Haubitzen, Raketenwerfer und andere Artilleriesysteme mit entsprechender Munition erhalten hat.

Allein die USA haben seit Amtsantritt von Joe Biden Waffen im Wert von 8 Milliarden Dollar an die Ukraine geliefert, mittlerweile 12 HIMARS-Systeme und 126 Haubitzen sowie 410.000 Munition mit Nato-Kaliber 155 mm. Dazu sollen zuletzt 1000 präzisere Lenkraketen mit größerer Reichweite gekommen sein, unbekannt ist, welchen Typs. Angeblich wurden mit den HIMARS-Systemen bereits einige russische Munitionslager im Donbass hinter der Front zerstört.

Ein Pentagon-Sprecher wies russische Berichte zurück, dass bereits zwei HIMARS-Systeme zerstört worden seien, er behauptete auch, dass die Systeme nicht eingesetzt werden, um Ziele außerhalb der Ukraine, also in Russland, anzugreifen. Nach Aussagen der „Volksrepublik Donezk“ (DNR) würden angeblich westliche Artillerie-Systeme mit 155mm-Munition und HIMARS auch gegen zivile Ziele eingesetzt. Nach Angaben der DNR sei etwa am 10. Juli mit HIMARS Stepano-Krynka angegriffen und 3 Menschen getötet sowie 39 verletzt worden. Das lässt sich aber nicht überprüfen.

Nach dem Pentagon-Sprecher würde das ukrainische Militär täglich um die 3000 Schuss abfeuern, vermutlich ist damit nur Munition mit dem Nato-Kaliber 155 mm gemeint. Russland würde die doppelte Menge feuern. Klar ist damit, dass durch diesen Beschuss große Gebiete von beiden Seiten zerstört werden. Die Ukraine habe noch genügend Artilleriemunition, so der Pentagon-Sprecher, der auch sagte, dass Infrastrukturen wie die Kertsch-Brücke, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet, legitime Ziele seien. Die neuen Präzisionsraketen würden ermöglichen, einzelne Ziele genauer anzugreifen, sie würden also nicht massenhaft eingesetzt.

Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksii Reznikov schwärmt von den HIMARS-Systemen, die ukrainischen Soldaten hätten auch schon gezeigt, dass sie diese effektiv einsetzen können. HIMARS habe einen „RIESIGEN Unterschied auf dem Schlachtfeld“ gemacht. Man brauche nur mehr Artillerie und andere Waffen, um Territorien zurückzuerobern. Angekündigt wurde eine Offensive im Süden.

Greift das russische Militär auf alte S-300-Luftabwehrsysteme für Angriffe auf Bodenziele zurück?

Es könnte sein, dass die russischen Truppen auch S-300 Luftabwehrsysteme einsetzen, um Bodenziele anzugreifen. Während die Ukraine neue Artilleriesysteme mit großer Reichweite wie die amerikanischen HIMARS erhält und bereits einsetzt, scheinen dem russischen Militär die modernen Präzisionsraketen auszugehen. Oder man will sich einen Vorrat zurückhalten.

Schon länger fällt auf, dass das russische Militär auf Raketen auf Sowjetzeiten zurückgreift, z.B. relativ ungenaue X-22-Raketen. Sie werden zwar wohl aus Propagandagründen weiter als „Hochpräzisionsraketen“ bezeichnet, treffen aber wegen ihrer großen Ungenauigkeit öfter zivile Ziele, einmal unterstellt, es würden eigentlich militärische Ziele angesteuert, und abgesehen davon, dass einige Raketen auch abgeschossen werden und herunterfallende Teile Schäden verursachen. Die Ukraine behauptet, das russische Militär würde absichtlich zivile Ziele angreifen. Das wiederum sagt auch die russische Seite, wenn es um Zerstörungen und Opfer auf dem Gebiet der „Volksrepubliken“ geht. Was im Einzelfall stimmt, ist schwer zu entscheiden.

Gesichert ist nicht wirklich, dass S-300-Systeme für Boden-Boden-Angriffe verwendet werden, aber es gibt Aussagen von ukrainischer Seite wie von Vitaly Kim, dem Gouverneur  des Oblast Mykolaiv, der dies behauptet. Die Raketen seien zwar mit GPS ausgestattet worden, die Ungenauigkeit bleibe aber weiterhin groß. The Warzone weist darauf hin, dass die Kapazität der S-300-Luftabwehrsysteme, auch für Boden-Boden-Angriffe verwendet werden zu können, in Belarus schon 2011 öffentlich zum Thema gemacht wurde. Die Fähigkeit sei schon von Anfang an vorgesehen gewesen. Bei der neueren Version S-300PS, die es seit Mitte der 1980er gibt, konnten mit 5V55R-Raketen Luftziele bis in eine Entfernung von 90 km und Bodenziele bis 120 km getroffen werden. Die Raketen könnten wegen ihrer hohen Geschwindigkeit auch nur schwer abgeschossen werden. Zu Sowjetzeiten sei es zu teuer gewesen, die S-300PS-Systeme für Bodenziele einzusetzen. Da sie jetzt aber von den S-400 Luftabwehrsystemen abgelöst wurden, könnten die überflüssigen Raketen dafür verwendet werden.

Möglicherweise will Russland die noch verbliebenen Bestände an teuren Kalibr-, Iskander- oder anderen neueren ballistischen Raketen zurückhalten oder nur noch bei wichtigen Angriffen einsetzen, zumal aufgrund der Sanktionen bestimmte technische Teile kaum mehr verfügbar sein sollen. Es könnte aber auch sein, dass die billigeren 5V55R-Raketen, vielleicht ausgestattet mit GPS,  anstelle anderer Artillerie wegen ihrer größeren Reichweite und Präzision verwendet werden, also etwa um den ukrainischen Vorteil mit den HIMARS-Systemen auszugleichen. Warzone merkt allerdings an, dass der Einsatz von S-300-Systemen für Bodenziele nicht unabhängig bestätigt ist.

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20 Kommentare

  1. Zu den ukrainischen Vorwurf, dass Russland bewußt zivile Ziele in der Ukraine angreift, geht Moon of Alabama in diesen Artikel gut ein: https://www.moonofalabama.org/2022/07/nyt-ground-report-debunks-nyt-claim-of-strikes-against-ukraines-civilians.html#more

    Zu der Aussage “ zumal aufgrund der Sanktionen bestimmte technische Teile kaum mehr verfügbar sind“, kann man sich in den Kommentaren bei Moon of Alabama vom 10.07.2022 eine interessante Sichtweise dazu anhören. Hier der Link dazu: https://www.moonofalabama.org/2022/07/ukraine-open-thread-2022-109.html#comments

    Ich bringe mal einen Kommentar, aber man sollte die ganze Diskussion verfolgen:
    „Nun, ja, die Russen haben ihre eigenen Chips in 25nm für das Militär.
    Und China macht große Fortschritte bei 5nm-Chips, die selbst hergestellt werden.
    Früher oder später wird die Vormachtstellung des Westens bei der Herstellung von ASML-Chips fallen, und das wird sehr weh tun, weil Russland und China bessere, schnellere und billigere Chips liefern werden als der Westen.
    Doch im Moment haben die Russen eine Geheimwaffe.
    Sie verwenden handgeschriebenen ASM- oder einfachen ANSI-C-Code anstelle von C++ oder Python oder Go oder Java, wie sie der Westen verwendet.
    Java/HLL-Sprachen vergeuden eine Menge CPU-Leistung.
    Und westliche Programmierer sind nicht mehr in der Lage, komplexe Algorithmen von Hand in ASM-Sprache zu schreiben.
    Aber Russen können komplexe militärische Anwendungen in ASM von Hand schreiben, und das auch noch ziemlich schnell.
    Und das verschafft ihnen einen 100- bis 1000-fachen Zuwachs an CPU-Geschwindigkeit und Leistung. Das reicht aus, um westliche CPUs bei militärischen Anwendungen um Längen zu schlagen.
    Ganz zu schweigen von weniger Fehlern und Echtzeitproblemen durch Garbage Collections, Use after Free und ähnliche Probleme auf hoher Ebene.
    Und die Rakete wird sowieso am Ziel explodieren, da braucht man keine I7-CPU mehr.

    Geschrieben von: Bogdan | Jul 10 2022 14:02 utc | 6
    Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)“

    Ich kann natürlich nicht zu 100% die Richtigkeit einschätzen, aber man liest dort ganz neue Sichtweisen.

    1. Naja, meines Wisssens sind die russischen Chipschmieden im 65 und 90nm-Bereich unterwegs. Und die Chinesen unterhalb 14nm, was die vollständige Eigenproduktion angeht. Aber beide arbeiten dran.

      Hochintegrierte Chips haben natürlich Vorteile, was Grösse, Stromverbrauch und CPU-Leistung angeht. Aber wichtig sind sie vor allem für Highend-Handys, die mit aller möglichen Bloatware vollgestopft und in der Tat in Java, oder im allerbesten Falle C++ codiert sind, mit Timesharing-Betriebssystemen wie IOS und Android (SELinux). Dabei gehen 90-95% der Leistung und 99% des Speicherplatzes in Benutzeroberfläche und Präsentation.

      Eine Echtzeitsteuerung für militärische oder anlagentechnische Systeme braucht all das nicht. Ich habe nach der Jahrtausendwende noch ROMs gesehen (für Netzwerkkomponenten), die auf i286-CPUs beruhten, die zu der Zeit bereits (technisch) fast 25 Jahre alt waren, mit 256kB Speicher. Die „konnten“ erstaunlich viel.

      Insofern ist das mit der Rückständigkeit eh Grütze. Ich nehme an, dass auch die Steuerungen der HIMARS und anderer Systeme auf der Echtzeitebene auf ähnlicher Technologie beruhen. Zumindest für Siemens kann ich bestätigen, dass die das auch können ;). Bereits während des Kalten Kriegs haben die übrigens Ostblock-Programmierer angeheuert.

      Die Frage ist eher, ob der Westen langfristig den wissenschaftlich-technischen Nachwuchs hat. Mit Genderdiskursen lockt man nicht in MINT-Bereiche.

      1. Ich kenne mich dort wenig aus (leider) und bin da auf aussenstehende Experties angewiesen. Deshalb war auch für mich die Diskussion bei Moon of Alabama, in den über 300 langen Kommentaren versteckt, so als erweiternde Sichtweise erhellend. Denn unsere MSM stellen es ja ganz anders dar. Der Laie wundert sich dann bloß, wie „Kinschal & Co.“ plötzlich bei der Russen auftauchen, obwohl die das doch gar nicht „können“ dürften.

    2. Hallo,

      aus Sicht eines Informatikers: Die Ausführungen MoA sind Unfug. CPU, Programmiersprache sind unterschiedliche Problemkreise. Nur zur Sicherheit: Ich habe beruflich Hardware-nah militärische Systeme entwickelt.

      Zur CPU: Die eigentliche CPU ist irrelevant. Es gibt endlos CPUs unterschiedlicher Bauarten. Die Baugröße hat Einfluss auf Taktung, Stromverbrauch und Wärmeentstehung, sind aber grundsätzlich beliebig austauschbar. Schwieriger ist das Board, wo die CPU drauf steckt, einschließlich diverser Schnittstellen und Stromversorgung. Beim Board ist die mechanische Belastbarkeit wichtig. Als Beispiel eine Rakete: Die wird in Sibirien bei zum Beispiel -40 Grad gestartet, wird extrem beschleunigt und erhitzt sich innerhalb von Sekunden auf > 80 Grad Plus (nur als Beispiel). Sowas muss das Board aushalten und durch solche extreme Belastungsbereiche fallen praktisch alle frei verfügbaren Boards weg. Aber: Der Bau belastbarer Boards ist kein Hexenwerk, ich halte es für wahrscheinlich, dass die Russen sowas bauen können. Schlicht weil sie einen konstanten Bedarf für solche Boards haben, nicht nur im militärischen Bereich, sondern durch die Klimazonen im Land in praktisch jedem elektromechanischen System.

      Zur Programmiersprache: Man kann mit Assembler Speicherplatz sparen und theoretisch Performancevorteile erzielen. Man bezahlt dafür mit Entwicklungs- und Testaufwand, weshalb praktisch niemand mehr mit Assembler programmiert. In meinen Augen gibt es keinen ernsthaften Unterschied zwischen Assembler und C (ja, ich kann Assembler) in der Ausführung. Letztlich bedeutet Echtzeitfähigkeit nur, dass eine bestimmte Aufgabe innerhalb einer garantierten Zeit fertig ist. Dafür muss der Entwickler Rechenschritte zählen. Ob diese Schritte in C/C++ oder Assembler programmiert werden, ist dagegen unwichtig.

      Zur praktischen Umsetzbarkeit: Die Russen haben die Philosophie, dass Abschussgeräte hochintelligent sind, Bomben und Raketen dagegen eher dumm. Der Westen arbeitet umgekehrt. Dumme Abschussgeräte, aber intelligente Bomben. Der Vorteil bei intelligenten Bomben ist, dass man noch im Anflug die Zielkoordinaten ändern kann (nützlich beim Beschuss bewegender Ziele). Der Nachteil sind die hohen Kosten (gut für den MIK). Der Vorteil der Russen ist, dass die große Massen von Granaten und Raketen bauen können.

      Bezüglich Ukraine: Ich glaube, dass in den meisten russischen Raketen gar keine CPU drin ist. Und in den Langstreckenwaffen irgendwas in der Bauart eines Arduino. Also ein Prozessor der nur wenige Cent kostet und in Milliarden-Mengen produziert wird. In der Rakete wird ein Navigationssystem stecken, welches ein paar mal pro Sekunde ein Positionsupdate macht und ein Prozessor der den Status mit der vom Abschussgerät vorberechneten Flugbahn abgleicht. Sowas bekommt man mit einer CPU hin, die Jahrzehnte alt ist. Etwas mehr Rechenaufwand ist im Navigationssystem drin. Preisfrage: Haben die Russen sich beim Entwurf des militärisch wichtigen Glonass-Systems Gedanken um die Verfügbarkeit von Millionen von Ersatzgeräten im Kriegsfall gemacht? In Friedenszeiten kostet das Board eines Navigationssystem wieder nur ne Handvoll Dollar. Massenfertigung hat Vorteile beim Preis und Qualität. Werden die Russen sich damals für Massen- oder Einzelfertigung entschieden haben? Die Antwort ist: Alle am Markt verfügbaren Navigationsboards können Glonass. Die Russen haben nicht zur Massenfertigung gemacht, sondern obendrein Lizenzen verschenkt, damit möglichst viele Hersteller sowas bauen können.

      In Kurz: Programmiersprache und CPU sind unwichtig. Mechanische Belastbarkeit ist wichtig. Und das können die Russen besser als jede andere Nation auf der Welt. Sie brauchen die mechanische Belastbarkeit jeden Tag im ganz normalen Leben.

      Viele Grüße

      1. Hallo Tuka Ram,
        Danke für Ihre Bemühungen. Einiges was Sie sagten, war für mich eine Zusatzinformation, anderes konnte ich so den Kommentaren bei Moon of Alabama auch entnehmen.

        Das schlechte an dem Foren dort ist, dass alles nach zeitlichen Ablauf der Einstellung und nicht nach Thema oder Threadeinsteller (wie bei Telepolis) sortiert ist.

        Wie gesagt, ich kann das alles nicht beurteilen. was ich aus den MSM höre, der Russe ist technisch Stroh dumm und bringt nichts zustande. Blättere ich die Seite um. Vorsicht vor der russischen „Kinschal“ (oder irgendeine ander Waffe), die NATO braucht mehr Geld für neue Waffen.

      2. Das meiste trifft wohl zu, allerdings habe ich den Eindruck, dass die Russen schon „intelligente“ Raketen haben (nicht unbedingt in den meisten Mehrfachraketenwerfern, aber bei Kalibr, Kinchal, Onyx etc,, aber auch den „X-“ Ch-Serien). Eine Cruise Missile vergleicht die Bodendaten mit dem geplanten Flug und reagiert (weshalb die Amerikaner jetzt über Sperrballons nachdenken), das braucht Rechenleistung, in Echtzeit. Ich weiss, dass Realtime nicht besonders schnell heisst, sondern dass Zeit, also die Abarbeitung einer Berechnung und Aktion innerhalb eines festgelegten Zeitraums, eine Ressource ist: also „spät ist falsch“.

        Es kommt also nicht darauf an, dass die Recheneinheit besonders schnell ist, sondern dass sie ihre Aufgaben in der erforderlichen Zeit sicher abschliesst. Deine Ausführungen zu Board, Stromversorgung, Temperaturresilienz etc. treffen natürlich zu.

        Was Assemblersprachen angeht, wird man nicht oder nur notfalls darin programmieren, weil es umständlich ist. Man muss aber auf der Instruktionsebene (und davon sind Assemblersprachen eine nahe Abstraktion, unter die man nur selten gehen muss) den Code anschauen und vertstehen, eventuell sogar mit logic analyzer Zyklen nachfahren. Die Entwicklung wird in Sprachen höheren Levels geschehen, in meiner Erfahrung stets C, das kann aber auch anders sein, neuere Sprachen, aber auch Fortran oder was immer. Aber auf keinen Fall C++ oder Java :), und mit Compilern, die rigoros ohne Optimizer arbeiten, auch ohne „Komfort“ wie Standard Shared Libraries. Du kannst also keinen OO-Programmierer an solche Aufgaben setzen. Insofern ist die Sprache schon wichtig.

        Generell ist die Hardware auch im Westen bei militärischen Anwenungen eher robust, und die Software wird wohl nach ähnlichen Prinzipien entwickelt. Wieweit da Bloat für den MIC einfliesst, weiss ich nicht, die amerikanischen Ingenieure sind schon gut. Ein Problem ist sicher das Heuern und Feuern von überall her.

      3. @Mengel

        “ ich halte es für wahrscheinlich, dass die Russen sowas bauen können. “

        Den Russen wird im Westen Vieles nicht zugetraut, aber das ist oft emotional aufgeladen, von Wunschdenken geprägt und nicht objektiv begründet.

        Nur soviel, bereits in den 1970gern und 1980gern Jahren bauten sowjetische Ingineure smarte Raketen, welche im Schwarm operierierten, selbstständig Ziele auswählten und sich dabei unter einander „absprechen“ konnten. Darüber hinaus bauten sie damals schon unbemannte Aufklärungsdrohnen mit Düsenantrieb, welche sich selbst steuerten.

        Heute bauen sie zum Beispiel solche Dinge wie Poseidon. Das ist eine vollständig autonome Unterwasserdrohne, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz, Atomantrieb und Atomsprengkopf mit bis zu 100 Megatonnen Sprengkraft. Sind dafür gedacht im Falle eines Atomkriegs Megazunamis auszulösen. Sieht aus wie ein riesiger Torpedo. 20 Meter lang, 2 Meter im Durchmesser, 100 Tonnen schwer. Unbegrenzte Reichweite. Unterwegs mit 200 kmh in 1000 Meter Tiefe. So tief kann kein Uboot und kein Torpedo tauchen. Ein Abfangen mit heute im Westen verfügbarer Technologie praktisch unmöglich. Bereits heute im Dienst. Mehrere russische Atomuboote haben Poseidons an Bord und kreuzen irgendwo im Pazifik.

        1. Hi Russischer Hacker,

          ich weiß, welch fortschrittliche Waffen Russland hat. Mir ist auch bekannt, dass der Westen mit seiner doch so weit vorraus sich befindenden Systemen, mehrere Jahre hinter verschiedenen russ. Militärsystemen zurück liegt. Eigentlich ein totaler Widerspruch. Dieser Widerspruch muss ja irgendwie erklärbar sein und diese Erklärung suche ich. Darüber findet man aber weder auf russ. noch auf westl. Seite vernünftige Aussagen.

          Wenn es eben eine Erklärung gibt, dass RF nicht auf die hochmodernen Ships für ihre hochmoderne Technik angewiesen ist, dann macht in dem Bereich auch keine Sanktion Sinn. Und wenn man es im militärischen Bereich umgehen kann, also nicht braucht, warum soll man dann diese Ships im zivilen Bereich brauchen?

          Ihr merkt, ich bin in diesem Bereich naiv.

          1. Zunächst einmal greifen die Sanktionen gar nicht richtig. Es ist in Russland überhaupt kein Problem etwa an neuste AMD und Intel CPUs und andere Hardware zu kommen. Die gibt es in jedem Computerladen und man kann man auch bequem online beziehen. Das liegt vor Allem daran, dass Russland ohnehin diese Dinge über Drittstatten bezieht, welche sich nicht an Sanktionen beteiligen. Hardware, einschließlich AMD und Intel CPUs kommt überwiegend aus China.

            Aber im militärischen Bereich ist Russland schon immer völlig autonom gewesen, weil das als systemrelevant gilt und eine Frage der nationalen Sicherheit ist. Man muss bedenken, in Russland ist im Unterschied zum Weste der Militärisch Industrielle Komplex in staatlicher Hand, auch aus dem gleichen Grund. Da will man sich nicht abhängig machen von Anderen Ländern oder von Regeln des Marktes. Die Hardware und Software die beim Militär verwendet werden sind 100% aus Eigenproduktion. Da sind die russischen Ingineure keineswegs irgendwie rückständig. Wie hier auch schon richtig herausgestellt wurde, militärische Hardware und zivile Hardware sind zwei verschiedene Paar Schuhe, mit ganz unterschiedlichen Anforderungen.

            Es ist nicht so, dass russische Ingineure nicht fähig wären so etwas wie ein Intel Chip zu bauen. Sie haben Alles was sie dafür brauchen. Nur als sich die Computertechnologie im zivilen Bereich entwickelte, hat man da in Russland nicht investiert um diesen Industriezweig auszubauen. Das war irgendwie nicht nötig gewesen. Der Markt war ja gesättigt mit westlicher Technologie und da dachte man, warum was eigenes auf die Beine stellen, wenn man es einfach kaufen kann? So hat man es ein wenig versäumt da was aufzubauen, man konzentrierte sich eher auf Andere Industrien und man hat daher ein wenig den Anschluss verpasst. Das könnte sich nun aber auch ändern, jetzt wo man gemerkt hat, dass man da relativ schwach aufgestellt ist.

  2. Sicher wird das Ukrainische Militär mit mehr Waffen den Seperatisten und Russischen Soldaten zusetzen können.
    Aber ein umkehren der Kräfte- Verhältnisse wird nicht möglich sein,…
    –> zB. YouTube “Österreichisches Bundesheer“.
    Bisher wurde die Infrastruktur der Ukraine nicht zerstört obwohl das für die Russische Armee durch die Luft-Überlegenheit sicher möglich ist.
    Vermutlich wird das die Antwort wenn die Ukraine Langstreckenwaffen einsetzt.
    Also wird der Krieg dank unserer Waffenlieferungen blutiger und wird länger dauern. Aber das die West- Ukraine diesen Krieg gewinnt ist ausgeschlossen. Arme Ukraine ….

  3. Deutlich zu viel auf ukrainische und westliche Quellen verlassen.
    „Sie werden zwar wohl aus Propagandagründen weiter als „Hochpräzisionsraketen“ bezeichnet, treffen aber wegen ihrer großen Ungenauigkeit öfter zivile Ziele,…“ Natürlich wird tatsächlich einmal etwas danebengehen, aber oft ist das, was als ziviles Objekt bezeichnet wird, in Wahrheit eben doch ein militärisches, ein ziviles, in das ukrainische Soldaten einquartiert wurden. Gerne auch gemischt mit Zivilisten. Wie man das nennt, ist bekannt…

    Das Gerede, die Russen hätten Nachschubprobleme, hört man jetzt bereits seit mehreren Monaten. Nichts, ausser westlich-ukrainischer Propaganda, spricht dafür. Dagegen werden die ukrainischen Truppen tagtäglich dezimiert, was noch eine untertreibende Formulierung ist. Nachdem die Territorialverteidiger, deutsch Volkssturm, aufgerieben ist, müssen nun vermehrt Frauen die Lücken füllen. Das Gemetzel geht immer weiter, bis auf wundersame Weise die Ukraine die Oberhand gewinnt und alles gut wird – oder eher nicht.

  4. Natürlich „weisen Pentagonbeamte“ Abschussmeldungen der HIMARS zurück. Eine Reduktion der Systeme von 8 auf 6 wäre auch peinlich. Allerdings sahen die Videos der „objektiven Kontrolle“ des russischen Verteidigungsministeriums doch sehr nach HIMARS aus. Wie dem auch sei.

    Die HIMARS werden dabei durchaus ernst genommen, in dem Sinne, dass sie „Blut trinken“ können (Boris Roshin), wie andere westliche Waffenlieferungen auch. Während der Nimbus der M777 praktisch komplett zusammengebrochen ist, werden die HIMARS durchaus noch aufmerksam beobachtet. Egal ob jetzt schon 2 Systeme weg sind, das umfangreiche Informationsnetzwerk der Russen in der Ukraine (etwa durch die Open Source-Aufklärung „Rybar“ [Fischer}, aber natürlich auch durch professionelle Spionage)ist geeignet, Sichtungen und Positionen der Systeme zu kommunizieren und Bewegungsmuster zu erstellen. Auf längere Sicht sind die Einheiten und ihre Bediener tot, ausser sie verkaufen ihr System an die Russen wie zuvor zwei „Caesar“-Einheiten.

    Den Russen gehen die Raketen seit Ende Februar aus ;). Etwas glaubwürdigere Experten schätzen, dass etwas mehr als die Hälfte des Ursprungsarsenals verschossen ist. Auch die Gerüchte über die Ungenauigkeit der CH-22 gehen auf Einsatzfehler der Iraker im 1. Golfkrieg zurück. Die verwendeten Varianten dürften seither verbessert worden sein, und immer besser als die Exportvarianten, der Ausbildungsstand der russischen Raketentruppen gewiss höher als der der irakischen Armee.

    Was Vitali Kim („Gauleiter Kim“) angeht, lese ich regelmässig, was er von sich gibt. Er steht im Dummschwatz irgendwo zwischen Arestovich und Baerbock. Der Bodeneinsatz der S300 wird in russischen Militärblogs nicht einmal im Ansatz diskutiert, über die Raketenknappheit gibt es täglich Spott, mit Zitaten aus Kyiv Post, WP und NYT.

    In dem Artikel ist zuviel Warporn und technische Fachsimpelei auf NATO-Niveau. Naja, ich kann es auch nicht lassen.

    1. Wenn nur 50% der Meldungen der russischen Medien stimmen (und nach meiner persönlichen Erfahrung liegt der Anteil bie den russ. Medien höher), dann sieht es nicht gut aus für die Ukraine. Die schnelle Vernichtung von 2 HIMARS, der Verkauf der Caesar`s, der Ausfall (Akku) der Javelin, die Probleme der Stinger und der M777 zeigen ja das der „Wertewesten“ keine Wunderwaffen für die Ukraine hat. Deshalb ist die Ankündigung von einer Kriegswende durch Zelensky im August nicht glaubwürdig, vor allem da er diese Trenntwende bereits erstmalig im April für Juni angekündigt hat. All das kostet nur sinnlos Blut und dieser Vorwurf wird in Zukunft immer lauter.

      Warum ich russischen Medien im Moment mehr glaube, liegt eben auch daran, dass der monatliche Abgleich durch die Einschätzungen des Oberst Markus Reisner der Militärakademie in Wiener Neustadt ( https://www.youtube.com/watch?v=55fJOOP4AkQ ) den täglichen Briefing des russischen Verteidigungsministeriums über den Stand der Sonderoperation in der Ukraine relativ gut übereinstimmt. Dafür stellen sich die Erfolgsmeldungen der Ukrainer über erfolgreiche Gegenoffensiven/ oder erfolgreiche Verteidigungen in der Folge viel sehr häufiger als unwahr herraus. (Musste deshalb RT.de verboten werden???)

    2. Sieht sich jemand in der Lage das hier zu erklären?

      “ …..der kommerzielle US-Satellit Worldview-2 hat drei Tage lang Bilder von Nowaja Kachowka (Gebiet Cherson) aufgenommen, bevor US-HIMARS-Raketen aus Richtung der Ukraine einschlugen.
      …..
      Bei dem Raketeneinschlag am 11. Juli wurden nach Angaben der örtlichen Behörden sieben Menschen getötet und 40 verletzt.

      Wie bereits berichtet, fotografierten US-amerikanische kommerzielle Satelliten am Vorabend der Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auch Belgorod, die Novoshakhtinsk-Raffinerie in der Region Rostow, die Schlangeninsel und das Gebiet der Bohrinseln im Schwarzen Meer.

      Der Vorstandsvorsitzende von Roscosmos, Dmitri Rogosin, erklärte Ende Juni gegenüber RIA Novosti, dass private und staatliche westliche Satellitenbetreiber Daten an die Ukraine übermittelten und somit „für unseren Feind“ arbeiteten.“

      https://ria.ru/20220712/kakhovka-1801858016.html

      Und was genau fing/fängt die russische Seite mit diesen Informationen an?

  5. Computerchips sind keine Kartoffelchips, weshalb sie sich lagern lassen. Wenn die Russen sich keinen Vorrat auf Lager gelegt haben sollten, sind sie so dämlich, wie der Westen behauptet.

    Das wieder ist eher unwahrscheinlich.

  6. Wenn in den „befreiten“ Gebieten, wo die Leute beginnen, sich wieder einzurichten, Raketen einschlagen, sind das wohl zivile Ziele. Und die Ukrainer jubeln, dass sie sie mit den neuen Waffen endlich erreichen. Darüber sollte man sehr laut reden!

    1. Weil in den „befreiten“ Gebieten kein russisches Militär unterwegs ist???
      Warum rollen die Ukrainer dann da nicht einfach hin?

      1. @Albrecht
        Nach dieser Argumentation dürfte es also logisch und gerechtfertigt für Russland sein Kiew flächendeckend zu beschießen, denn dort sind ja auch ukrainisches und ausländisches Militär (1) unterwegs.

        (1) Militär aus Staaten, welche nur einen „Wirtschaftskrieg“ gegen Russland führen dokumentiert in der NewYorkTimes https://www.nytimes.com/2022/06/25/us/politics/commandos-russia-ukraine.html
        Ich übersetze daraus:
        „Ein Großteil dieser Arbeit findet außerhalb der Ukraine statt, zum Beispiel auf Stützpunkten in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Doch auch wenn die Regierung Biden erklärt hat, dass sie keine amerikanischen Truppen in der Ukraine stationieren wird, sind einige CIA-Mitarbeiter weiterhin im Geheimen im Land tätig, vor allem in der Hauptstadt Kiew, und überwachen einen Großteil der riesigen Mengen an Informationen, die die Vereinigten Staaten mit den ukrainischen Streitkräften austauschen, so aktuelle und ehemalige Beamte.“
        und:
        „Während die US-Regierung nicht zugibt, dass die CIA in der Ukraine oder einem anderen Land tätig ist, ist die Anwesenheit der Beamten Russland und anderen Geheimdiensten auf der ganzen Welt durchaus bekannt.“

        Dies steht in der NewYorkTimes nicht nur bei RT.de.

      2. Lieber Herr Albrecht,
        bei uns gibt es auch Militär, das vielleicht nicht so beliebt ist. Sie sind mit ihrer Familie auf dem Marktplatz zum Einkaufen und müssen schnell mal wohin. Wenn sie zurückkommen, liegt ihre Frau schwer verletzt am Boden, ihre beiden Kinder sind zerfetzt. Aber es liegt auch noch ein sterbender Soldat daneben. Sind sie zufrieden?
        Entschuldigung, aber wir vergessen vor lauter Technik und Herumrechterei einfach die Menschen.

  7. Herr Rötzer, der Beschuss ziviler Ziele durch NATO-Waffen im Donbass ist durchaus nachweisbar, eben weil Reste der Geschosse übrig bleiben, die eindeutig als 155mm-NATO-Kaliber identifizierbar sind.

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