Frauen, Krieg und die Mutti aller Dinge

Bild: Tatyana Chubar

Es gibt ab und an zum Glück auch gute Nachrichten. Frauen können sich immer mehr und schneller selbst verwirklichen. Überraschung: Der Krieg, der „Vater aller Dinge“, macht es möglich – und diesem Kalauer flößen in gegenderten Zeiten ausgerechnet weibliche Verantwortungsträger wieder Leben ein.

 

So konnte Annalena Baerbock ihre schon im Wahlkampf geäußerten Träume von einem schönen wertebasierten Krieg unerwartet schnell wahrmachen und darf jetzt nicht nur die deutschen Kriegsziele verkünden („Russland ruinieren!“), sondern auch seine Dauer bestimmen („Dieser Krieg wird noch Jahre dauern“) und das Volk vor Kriegsmüdigkeit warnen.

Christine Lambrecht, Deutschlands bekannteste „Helikoptermutter“ (Titanic), wiederum hat dafür gesorgt, dass man beim Wort „helfen“ inzwischen nicht mehr an Brot für die Welt oder Entwicklungshilfe denkt, sondern an schwere Waffen, die allerdings trotz Hunderter Millionen Euros verdammt nochmal „immer noch“ auf sich warten lassen.

Oberfeldwebel Marie-Agnes („Die Frisur sitzt!“) Strack-Zimmermann freut sich über die längst überfällige Zeitenwende („Schändlich, dass dafür ein Krieg notwendig war“) und die 100 000 000 000 Euros für „unsere“ Wehrmacht. Einziger Wermutstropfen nach „jahrelanger deutscher Appeasement-Politik“ (in Serbien? in Afghanistan?) ist, dass der richtige Hass auf den Feind fehlt: „Was wir jetzt auch brauchen – das mag martialisch klingen –, ist ein Feindbild.“ – Das sagte die Düsseldorfer Katholikin im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das ist ein offenes Wort über das, was an Lügen von der Presse erwartet wird. Und es mag martialisch klingen, ist aber vor allem überflüssig, weil bei den Kolleg_innen von Presse, Kultur und Wissenschaft längst in prima Händen.

Ursula von der Leyen hat den Wettbewerb um die schönere Stahlhelm-Frisur an Strack-Zimmermann vielleicht verloren, kann aber ansonsten noch mehr. Sie kann die Ukraine zum Beitrittskandidaten der EU machen, ihr aber auch harte Prüfungen ankündigen, „wenn der Krieg vorbei ist“. Sauer verdientes EU-Geld ist für sie in der kämpfenden Ukraine gut angelegt. Nicht zuletzt wird sie Putin beim G20 auf Bali „ins Gesicht sagen“, wie doof sie ihn findet.

All diese tollen Leistungen von Frauen sind aber nichts, nada, zero gegen die von Tetyana Chubar, der „Nelkenprinzessin“.

„Die 24-Jährige, die als begeisterte TikTokerin auch im Feld Wert auf ein gepflegtes weibliches Aussehen legt, erlangte durch ein Video, in dem sie ihrem Kanonenschützen den Feuerbefehl gibt, in der ukrainischen Öffentlichkeit große Berühmtheit. Durch ihre Videos und ihre Erfolge – der von ihr geführten Panzercrew werden nicht weniger als die ,Neutralisierung von 15 wichtigen Zielen‘ zugeschrieben – avancierte die 24-Jährige, die sich nach dem Typ ihres Panzers auf TikTok ,__princeska_13_‘ (Prinzessin der Nelken) nennt (…) und in ihrer Heimat als ,Influencerin in Uniform‘ gilt, in der Ukraine zu einem Symbol für den Widerstand gegen die russische Invasion. (…) Aufgrund ihrer Verdienste im Krieg wurde Tetyana Chubar für eine militärische Auszeichnung – die Medaille ,Verteidiger des Vaterlandes‘ – vorgeschlagen.“

Das schreibt uns die Südtiroler Zeitung und die hat es direkt von der ukrainischen Armee.

Es ist wie in Grimms Märchen: Eine junge wunderschöne Prinzessin mit dem zauberhaften Namen Tetyana (nicht zu verwechseln mit dem russischen Namen Tatjana) kommandiert eine wilde Truppe mit Haubitzen. Und die putzen zusammen die böse Macht immer und immer wieder weg. Das weiß auch König-Präsident Selenskij und will die 24jährige Heldin ehren. Das Tolle ist, dass wir dieses Märchen der Frau mit den langen Wimpern und perfekten Fingernägeln überall verfolgen können, weil sie zum Glück Influencerin ist , die daher auch pausenlos influenct. Das Gute erkennt man übrigens daran, dass es schön ist. Das Böse dagegen ist stets hässlich. Das Gute ist neuerdings jung und weiblich. In diesem Fall auch blond, geschminkt, manikürt und schick uniformiert.

Was können deutsche Frauen da tun? Zum Glück für sie will Eva Högl, Wehrbeauftragte des Bundes (SPD), eine eventuelle Neuauflage der Wehrpflicht angesichts personeller Engpässe („Wir sollten es so lange wie möglich versuchen, über Freiwilligkeit zu gehen“) nicht hinnehmen, ohne dass Frauen in der Truppe verankert werden. Die alte Scheiße „galt ja nur für Männer“. Högl: „Da habe ich gesagt, deswegen nicht die alte Wehrpflicht, weil ich es heute gerne für junge Frauen und junge Männer oder auch mittelalte diskutieren würde.“ Wehrpflicht nur für Typen – das ist mit unserer sister Eva schlicht nicht zu machen.

Deutsche Frauen, junge wie „mittelalte“, machen so eventuell den nächsten Schritt vorwärts: Die oben kommandieren, die unten dürfen sich verheizen lassen. Mit oder ohne Maniküre.

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18 Kommentare

  1. Herrliche Polemik. Das muss aber auch sein. Diesem Wahnsinn kann man nur noch mit Humor begegnen. Gut auch, dass dieser Text von einer Frau kommt. Ein männlicher Autor wäre gleich dem Vorwurf des Sexismus ausgesetzt gewesen.

    Die Krönung hat mir aber gefehlt.

    Annalena Baerbock, verkündete nach dem informellen Treffen der EU-Aussenminister in Prag, dass sie an den Russland-Sanktionen festhalten will – auch wenn es im Herbst und Winter zu Protesten wegen hoher Energiepreise kommt.

    Zitat:
    «Wenn ich den Menschen in der Ukraine das Versprechen gebe: ‘Wir stehen an eurer Seite, solange ihr uns braucht’, dann werde ich diese Versprechen einhalten. Egal, was meine deutschen Wähler denken. Aber ich werde die Menschen in der Ukraine wie versprochen unterstützen. Wir werden an der Seite der Ukraine stehen, und das bedeutet, dass die Sanktionen auch im Winter aufrechterhalten werden, selbst wenn es für Politiker sehr schwierig wird»

    Oha! Das ist jetzt schon ein ganz neues Niveau!
    Was die Deutschen Wähler denken egal. Und wenn sie auf Barrikaden gehen, egal, mit denen wird die Außenministerin schon fertig. Hier geht es schließlich um ganz große Ziele, „Russland ruinieren“.

    *facepalm*

    1. „Egal, was meine deutschen Wähler denken. “

      In der Tat, das ist eine neue Qualität. Die deutschen Medien zu diesen Aussagen, wieder einmal, ein Totalausfall.
      Ich habe das auch recht fassungslos gelesen.

      1. Dafür haben die russischen Medien darüber natürlich nicht schlecht gestaunt und fragen sich zurecht: „Und die wollen uns also Demokratie beibringen?“

  2. Ich hätte da mal eine Frage, wieviele PR Manager arbeiten eigentlich auf westlicher bzw UA Seite?
    Und wer konzertiert diese Dauerpropaganda?

    Das geben die Ukrainer ja auch ganz offen zu, das alles was von dort kommt, Propaganda, äh, strategische Kommunikation ist. Das Problem in DE ist das alle MSM Medien das unwidersprochen transportieren.

    Eine TikTok Prinzessin als ukrainische Volksheldin.
    Es ist so absurd.

    1. Davidl(1) sagt:
      Ich hätte da mal eine Frage, wieviele PR Manager arbeiten eigentlich auf westlicher bzw UA Seite?

      Vermutlich mehr, als russische Soldaten in der Ukraine stehen.

      Und wer konzertiert diese Dauerpropaganda?

      Gute Frage. Mein persönlicher Eindruck ist, dass man das den ukrainischen Profis überlässt. Es ist ja bekannt, dass der ukrainische Präsident ein erfolgreicher Schauspieler und Produzent ist und dass er eine beträchtliche Anzahl seiner Berufskollegen um sich versammelt hat – als Berater und wohl teils auch als Minister oder hohe Ministerialbeamte.

      Eine TikTok Prinzessin als ukrainische Volksheldin.
      Es ist so absurd.

      Ja. Es ist sowas von offensichtlich, dass diese wackere Freiheitskämpferin eine Fälschung ist, da muss man nur das schlecht gefotoshoppte Aufmacherbild anschauen oder den oben verlinkten Artikel aus Südtirol lesen.

      Aber es funktioniert! Und das ist die eigentliche Katastrophe.

      1. Und wer konzertiert diese Dauerpropaganda?

        Gute Frage.

        Der Autor Ukrainischer Märchenerzählungen heißt Oleksiy Arestovych.

        (*)https://en.wikipedia.org/wiki/Oleksiy_Arestovych

  3. Ich finde es nicht gut, wenn mit Frisuren Politik gemacht wird, die thermonukleare Angriffe strukturell überdauern können. Das erzeugte artifizielle Sicherheitsgefühl kann Fehlurteile mit entsetzlichen globalen Folgen hervorrufen.

  4. Ohne Worte……..

    Neulich habe ich im ZDF eine Reportage gesehen, in der es um eine ähnlich zweifelhafte Figur, wie die im Text beschriebene ging: irgendeine gut geschminkte Scharfschützin, lange Fingernägel und nach meinem Dafürhalten aufgespritzte Lippen, die in der Reportage darüber geredet hat, wie stolz sie sei und blablabla……

    Und die ZDF-Reporterinnen haben sich nicht entblödet, ihre heroischen Leistungen (eben auch als Frau), die Fortschrittlichkeit und die Einigkeit der Nation, die es auch Frauen ermöglicht, etwas für das Land zu tun…., blablabla…, in gebührender Weise zu würdigen.

    Auch das hat mich mehr als fassungslos zurückgelassen, mit dem Gedanken: da kannste echt nix mehr machen.

  5. Dillmann in Hochform, das nenn ich mal Frauen-Power!

    In der bürgerlichen Welt benachteiligte Menschensorten – Frauen, aber auch Anders-Pigmentierte, sexuell Non-Straighte etc. sind nicht eo ipso die friedlicheren, wertvolleren Menschen. Diesem oft gezogenen Fehlschluss macht Dillmann, zumindest was die Frauen betrifft gekonnt den Garaus.

  6. VdL nicht gewählt!
    Die aktuelle Regierung mit eklatanten Wahlbetrug an der Macht.
    Scholz und vdL genießen ihre Immunität und dürfen ihre ‚kriminelle Machenschaften‘ aussitzen!
    100 Mrd für eine ‚EUgegenderte Armeen‘ auszugeben, ja mei der Russe wird Lachänfalle erhalten.
    Jetzt werden potenzielle Mütter als zukünftige POW freigegeben, so als Freiwild!
    Der Biden hat ja manchmal auch komplette Hirnausfälle, wird aber später von einem korrigiert. Aber in Duckland klatschen ‚alle’…

    1. Lieber Mc Dunkelziffer,
      die sind echt Kriegsgeil!
      Die Krieger*Innen als „Leihmutti aller Dinge“ wenn man auf Bildersuche geht ist das Netz voll mit Ukrainer*Innen in Uniform.

      Auf alle Fälle gewinnt die Ukraine jede Propagandaschlacht.

      1. Könnte auch aus Silikon sein.
        Overton veröffentlicht ernsthaft einen Artikel mitsamt Kommentaren und keiner erkennt dies ?

        Wie geil ist das denn !!

  7. Diese Mittel, eine TikTokende „Nelkenpronzessin“ , von Heroisierung des Krieg, gerichtet an eine junge und leicht zu indoktrinierende Zielgruppe – Kinder und Jugendliche – ist an Niedertracht kaum zu überbieten.
    Gesellschaftliche Mobilmachung made in Germany – in altbewährter Manie.

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