Ein gewollter überflüssiger Krieg

Verteidigungsminister Yoav Gallant hat „die Fortsetzung der offensiven IDF-Aktivität“ genehmigt. Bild: IDF

Israels Schlagabtausch mit der Hisbollah ist diese Woche eskaliert. Ein Krieg ist ausgebrochen. Ein notwendiger Krieg?

 

Nun ist er wieder da, der Krieg. Entsetzlich, wie salopp sich dieser Satz sagt. Ungleich entsetzlicher freilich die Realität, die ihn gezeitigt hat. Denn es ist zu diesem Zeitpunkt nicht ausgemacht, welche Dynamik die bereits eingetretene Gewalteskalation zwischen Israel und der Hisbollah annehmen wird (man weiß stets, wie man in einen Krieg einsteigt, selten aber von vornherein, wie er ausgehen wird); aber wie bzw. warum es zum Krieg gekommen ist, kann man sehr wohl wissen.

So besehen, geht es eigentlich weniger darum, wie man aus einem begonnenen Krieg wieder aussteigt, als darum, wie er hätte verhindert werden können. Das ist freilich keine leicht zu beantwortende Frage. Denn sie setzt implizit voraus, dass man den Krieg nicht gewollt hat. Und in der Tat mag man sich wundern, wie es möglich sei, dass nach all dem Horrenden an Tod, Verwüstung und menschlichem Elend, das man in den vergangenen zehn Monaten beim Gazakrieg gesehen und erlebt hat, man sich so schnell wieder zu einer Gewalteskalation im Libanon hinreißen lässt, die das Potential zu einem noch größeren Horror (auf beiden Seiten) in sich birgt. Das – so der common sense – kann man doch nicht gewollt haben.

Zu fragen gilt es, ob diese Grundannahme überhaupt stimmt. Von selbst versteht sich, dass man im nachhinein zumeist nur den Kopf schütteln kann über die menschengemachte Katastrophe. Dass man sich dabei eines Paradigmas von Good-guys-bad-guys bedient, bezeugt ja nur, dass man einer kognitiven Krücke bedarf, um “die Dinge” (mithin den schieren Ausbruch des Krieges) moralisch einordnen zu können. Aber “die Dinge” sind nie eindeutig, jedenfalls nicht einseitig bestimmbar.

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang die Lektüre von Christopher Clarks Buch Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog, in welchem nachgezeichnet und erörtert wird, wie die beteiligten Mächte selbst in jenen Krieg, der nicht von ungefähr als die erste große Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet worden ist, gleichsam schlafwandlerisch hineingeschlittert sind. Es lassen sich entsprechend drei Positionen vertreten, die den Ausbruch eines Krieges begründen:

  1. Good guys standen bad guys gegenüber; man konnte dem Konflikt nicht ausweichen; um den Sieg der good guys zu erringen, war der Krieg notwendig gworden.
  2. Eine Dynamik von Kontingenzen hat zum Gewaltausbruch geführt; man war sich quasi gar nicht bewusst, sich auf dem Weg zur Katastrophe zu bewegen.
  3. Man hat den Krieg gewollt und seinen Ausbruch interessengeleitet bewusst herbeigeführt, wobei die Interessen und die Motivation zur Kriegsführung fremdbestimmt waren, mithin der offiziellen ideologischen Kriegsbegründung nicht entsprachen.

Wie steht es also mit dem in dieser Woche in eine neue, bedrohliche Phase eingetretenen Krieg im Libanon? Die Frage lässt sich nur im Kontext des Gazakrieges beantworten. Gewiss ist, dass die Hamas den 7. Oktober gewollt und initiiert hat. Nicht ausgemacht ist aber, dass Yahia Sinwar die Konsequenzen des von ihm geplanten Massakers tief genug durchdacht hat: Die Hisbollah hat die von ihm erhoffte Hilfe nur zögerlich geleistet; der im Hintergrund stehende Iran hat sich nicht zum vollen Krieg mit Israel bewegen lassen; die Auswirkungen für die Gazabewohner sind horrend. Denn Israel wollte Vergeltung für das am 7. Oktober erlittene Unglück, wollte die Hamas kriegerisch besiegen und Rache ausüben für “die schlimmste Katastrophe, die Juden seit der Shoah widerfahren ist” (wie man medial bald genug zu propagieren wusste).

Es galt auch die Schmach aufzuwiegen, die man durch das Versagen der Armee, der Geheimdienste wie auch der Regierenden am Katastrophentag über sich hat ergehen lassen müssen. Wusste man, worauf man sich da (rein militärisch besehen) einließ? Wohl kaum: Der Krieg in Gaza zieht sich (für Israels Sicherheits- und Militärdoktrin ungewohnt) schon seit einem Jahr, und das dringliche Geiselproblem ist noch immer ungelöst. Und dennoch wollte man den Krieg, und zwar ungeachtet der Frage, ob man ihn wollen musste (Israel war ja in seinem Territorium angegriffen worden).

Was hat Yahia Sinwar (seine Misskalkulation mitbedacht) bewogen, einen Krieg mit Israel zu riskieren? Man kann davon ausgehen, dass es vor allem sein Bestreben war, sich gegenüber der im Widerstand gegen die israelische Besatzung in den letzten Jahren erlahmte PLO zu profilieren; der innerpalästinensische Machtkampf ist ja nie versiegt, wird mithin in verschiedenen Formen seit Jahren perpetuiert. Sinwar ist dabei nicht der einzige, der bereit ist, die große Opferzahl sowie die Not und das Elend der von ihm beherrschten Bevölkerung von vornherein in Kauf zu nehmen.

Wie kommt es, dass Netanjahu sich weigert, den Gazakrieg zu beenden? Haben doch inzwischen selbst die obersten Ränge der IDF sowie der Verteidigungsminister den von ihm proklamierten “totalen Sieg” gegen die Hamas für “baren Unsinn” erklärt und plädieren für eine Beendigung der Kampfhandlungen im Gazastreifen, vor allem, um im Rahmen eines Deals mit der Hamas die in ihrer Gefangenschaft verbliebenen Geiseln freizubekommen. Netanjahu hat es aber trotz der öffentlichen Demonstrationen für die Befreiung der Entführten geschafft, die Priorität der Geiselfrage de facto zu eliminieren; er hat jeder sich öffnenden Möglichkeit zum Deal durch Verzögerungstaktiken effektiv entgegengewirkt.

Dabei durfte er sich der Unterstützung durch seine Koalitionspartner sicher sein – diese wollen den Deal nicht (die gewichtigen unter ihnen, Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, streben die Besetzung des Gazastreifens und womöglich seine jüdische Neubesiedlung an), und sie haben dieses Nichtwollen zu einem perfiden Erpressungsinstrument gerinnen lassen: Man werde die Koalition auflösen, wenn der Premier den Deal eingeht.

Netanjahu seinerseits kann diese Erpressung nur begrüßen: Er ist um nichts mehr bemüht, als um den persönlichen Macht- und Herrschaftserhalt, der ihm auch die Hinauszögerung seines seit Jahren laufenden Prozesses (wegen Korruption, Betrugs und Veruntreuung) garantiert. Ein regierender Premier ist zwar nicht immune, aber doch einigermaßen geschützt vor juristischer Verfolgung. Und um sich dessen zu versichern, darf eben seine Regierungskoalition nicht aufgelöst werden; und damit sie nicht aufgelöst werde, muss der Krieg weitergehen – und da der Krieg mit der Hamas ins Stocken geraten ist, bedurfte es eines “neuen” Krieges, und der bot sich nun durch die Gewalteskalation mit der Hisbollah an.

Nun ist es so, dass die Hisbollah durch Dauerbeschuss der Ortschaften an der nördlichen Grenze Israels ein reales Sicherheitsproblem erzeugt hat: rund 65.000 ihrer bedrohten BewohnerInnen mussten evakuiert werden. War da der Krieg nicht notwendig geworden? Nein, er war es nicht. Denn wäre ein Deal zwischen Israel und der Hamas zustande gekommen, wären die Kampfhandlungen im Gazastreifen beendet, die Geiseln befreit und auch der Beschuss Israels durch die Hisbollah wäre eingestellt worden.

Nicht nur der Krieg mit der Hamas hätte beendeten, sondern auch der aktuelle Krieg mit der Hisbollah verhindert werden können. Aber das hätte das Ende der Netanjahu-Regierung bedeutet – eine für ihn endzeitliche Vorstellung, deren Verwirklichung um jeden Preis im Keime erstickt werden muss. Netanjahu will den Krieg im Libanon. Er muss diesen mitnichten notwendigen Krieg wollen. Und die Geiseln? Die können geopfert werden. Will er das? Wahrscheinlich nicht. Aber was sein muss, muss eben sein.

P.S. – Kurz nach Beendigung der Niederschrift dieser Zeilen, wird berichtet, dass ein Waffenstillstand für 21 Tage ausgehandelt worden ist. An der Kernaussage des hier Erörterten ändert dies nichts. Bezeichnend gleichwohl, dass die kahanistische Partei Itamar Ben-Gvirs, des israelischen Polizeiminister, die den Fortbestand der Koalition Netanjahus garantiert und zugleich erpresserisch bedroht, sogleich eine dringende Sitzung einberufen hat (die Unterbrechung des Krieges ist für sie inakzeptabel).

Netanjahu fliegt heute in die USA, um eine Rede in der UN zu halten. Mitten im Krieg leistet sich der Premierminister eine Luxusreise mit seiner Frau, und der großmäulige Koalitionspartner befleißigt sich derweil einer Drohgebärde. Diese Farce ist symptomatisch für Israels Politrealität. Es gilt abzuwarten, wie der Premier und sein Polizeiminister aufeinander reagieren werden.

Moshe Zuckermann

Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. 2018 wurde er emeritiert. Sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Florian Rötzer geschrieben hat, erscheint demnächst.
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104 Kommentare

  1. Warum aufhören? Die Waffen werden pünktlich geliefert, die Unterstützung seitens des Westens ist nahezu ungebrochen, von USA und Deutschland völlig kritiklos und verrecken tun meist massenhaft die Nicht-Israelis. Die Geschäfte laufen bestens.

  2. Was sich Sinwar gedacht hat, ist recht einfach: er dachte, er könne Israel wieder mal zum Einlenken zwingen, indem er weltweit seine Brüllaffen mobilisiert. Was dann eine tausendjährige Terrorherrschaft über den Gaza gesichert hätte. Hat aber nicht sollen sein: die Hamas militärisch total vernichtet, die Hisbollah weitgehend. Und die Brüllaffen schweigen. Dumm gelaufen.
    Ist ja nett, dass Moshe die Flüchtlinge in Nordisrael erwähnt. Die Hisbollah hat die Beschießung sofort nach dem 7. Oktober begonnen, als Israel nichts anderes tat, als die Luftangriffe der Hamas abzuwehren. Voll drauf auf die Zivilbevölkerung, rund um die Uhr. Was hier kaum jemand weiß. Jüdische Opfer sind uninteressant. Während die Lügenweiber der Hamas in Dauerschleife laufen.
    Die Hisbollah ist laut UNO-Beschluss von 2006 zu entwaffnen und hat sich hinter den Litanifluss zurückzuziehen. Was UNO-Truppen beaufsichtigen. Die Hisbollah hat keine Patrone abgegeben, am Litanifluss tut sie so, als ob die UNO garnicht da wäre. Damit nicht genug: es wurden 150.000 Raketen aus dem Iran im Südlibanon aufgestellt. Mitten in die Wohngebiete hinein. Wer hat da protestiert? Niemand. Es war ja viel wichtiger, sich über Israel aufzuregen.
    Generalsekretär Guterres hat einen Neustart der UNO angekündigt. Es wäre vielleicht ein Anfang, wenn seine UNO nicht immer auf Seiten und zugunsten der Terroristen agieren würde.
    150.000 Raketen aus dem Iran, das hat irrsinnige Geldbeträge verschlungen, in einem Land, in dem bitterste Armut herrscht. Und natürlich dienen diese Raketen zur Auslöschung Israels und seiner Bewohner. Das sind die Vollstrecker Adolf Hitlers, sie bestreiten es nicht einmal. Gibt es noch einen letzten Depp, der das nicht begriffen hat?

    Könnten wir mal die Operettendebatte beenden und und darum kümmern, wo in diesem Konflikt tatsächlich die Arschlöcher sitzen? Ich bitte darum.

    1. Die Arschlöcher sitzen da, wo die zweistaatliche Koexistenz von Israelis und Palästinensern sabotiert wird. Also in der israelischen Regierung und ihren westlichen Waffenlieferanten und Propaganda-Brüllaffen.

    2. Eigentlich tust du mir ja leid. Dermassen vom Hass zerfressen zu sein kann nicht gesund sein.

      Aber dass du das alles immer stramm hier ins Forum kotzen musst, müsste eigentlich nicht sein.

        1. @ Artur
          sind Sie etwa der Meinung, Netanjahu
          und seine rechtsradikalen Brüder lösen das Problem, in dem sie wie wild in der Gegend rumbomben und dabei wahllos töten???
          Das Problem wird nur in die nächste Generation verschoben, dann gibt es
          neue Hamas- und Hisbollah Kämpfer.
          Der Lieblingsfeind Iran wird nicht in die ausgelegten Fallen Israels tappen.
          Israel muss seine Zionisten loswerden, und den Traum von
          Erez Israel begraben, das biblische Grundbuch ist im 21. Jahrhundert
          tödlich!

    3. Netanjahu hat jedenfalls seine zionistischen Brüllaffen mobilisiert, sogar hier im Forum (zionistischer Brüllaffe Arthur_C).

      Klar, die Hamas ist ist eine Terrormiliz.

      Israel hat auch mal so angefangen.

      Und bis heute nicht aufgehört.

      1. Nur das Terrormilizen keine Apache oder F-22 haben.
        Und keine impotente UNO, die denen letztendlich alles erlaubt. Schein Kritik und Resolutionen ohne irgendeine Konsequenz.
        Mittlerweile sogar eine Kriminalisierung von Kritikern.
        Wow

    4. Sie sollten sich mal untersuchen lassen. Soviel Einseitigkeit verursacht schwere Haltungsschäden, physische wie psychische. Im übrigen sind mir Brüllaffen ein Quäntchen lieber als hinterfotzige Schleimsch…er und feige Meuchelmörder, die es dann nicht gewesen sein wollen.

    5. So ist es. Traurig ist allerdings auch, dass hier die von Ideologie zerfressenen Linksgrünen
      und die ins Land eingesickerten Israelhasser lieber in Palestinensertüchern herumlaufen, statt ihr Gehirn zum denken zu benutzen.

  3. Hier wird vom Krieg der Hamas gesprochen. Falsch, das ist ein Ausbruch aus einem Konzentrationslager. Das die Hamas damit bewußt die Abraham Accords sabotieren wollte – was das Ende einer Lösung für die Palästinenser impliziert hätte – mag zutreffen. Wo sich die Hamas wirklich verrechnet hat: Anders als beim Fall Gilad Shahid (Austausch gegen rund 1000 Palästinenser) ist dem Netanyahu-Regime das Leben der israelischen Geiseln egal. Das beweist ja schon die Hannibal-Direktive am 7. Oktober 2023.

  4. Ich denke nach wie vor, dass die israelische Regierung auch den Krieg mit dem Iran möchte. Und sie möchte die USA (und möglichst viele weitere Staaten) mit hineinziehen. Was bisher nicht gelungen ist.
    Diese Regierung ist furchtbar. Man riskiert einen Flächenbrand, der den gesamten Nahen und Mittleren Osten erfassen könnte. Und das alles, um einem korrupten PM mitsamt blutdurstigen rechtsradikalen Mordbrennern in der Regierungskoalition an der Macht zu halten? Kaum zu glauben.
    Noch schwerer zu glauben ist aber, dass genau diese Regierung von „uns“ (dem kollektiven Westen, der ja angeblich wertegeleitet ist) weiterhin mit Waffen und Geld beliefert wird und auf diese Weise dieser Krieg noch weiterhin befeuert wird.

    1. „Noch schwerer zu glauben ist aber, dass genau diese Regierung von “uns” (dem kollektiven Westen, der ja angeblich wertegeleitet ist) weiterhin mit Waffen und Geld beliefert wird und auf diese Weise dieser Krieg noch weiterhin befeuert wird.“

      Wirklich? Wird aber Zeit, daß wir das jetzt endlich mal „glauben“.
      Das mit den Werten bezieht sich rein auf Bodenschätze und so, wird oft falsch verstanden…);
      Mal was Anderes: was hat Netanjahu über Biden in der Hand, daß der sich wieder und wieder so abwatschen lässt?
      Oder ist das wirklich nur die Prinzipientreue eines verkalkten Hirns?

      There’s something happening here
      But what it is ain’t exactly clear
      There’s a man with a gun over there
      Telling me I got to beware

      1. @ „dem kollektiven Westen, der ja angeblich wertegeleitet ist“

        Es kommt halt auf die Werte an.
        Wenn man Wert auf Krieg und Unterdrückung legt ist das auch wertebasiert.
        Wertebasiert setzt ja nichts Positives voraus, auch wenn die Grünen es so darstellen.

    2. „Ich denke nach wie vor, dass die israelische Regierung auch den Krieg mit dem Iran möchte. Und sie möchte die USA (und möglichst viele weitere Staaten) mit hineinziehen. Was bisher nicht gelungen ist.“
      Vielleicht ist der Zusammenhang noch viel größer ?
      Israel die Südfront, Ukraine die Nordfront, beide gegen die wichtigsten Flügel Russland und Iran, dann wenn die besiegt der Stoß gegen China ?

      1. Was auch immer die vorhaben. Man sollte sich dem verweigern. Was Israel jetzt getan hat und noch tun, hat es selbst zu verantworten und die Konsequenzen zu tragen. Europa sollte sich da raushalten, Deutschland erst recht. Der Staat Israel ist zum Täter geworden. Unser ewig schlechtes Gewissen können wir getrost aufgeben und uns nicht mehr erpressen lassen.

  5. Zuckermann:
    „Es galt auch die Schmach aufzuwiegen, die man durch das Versagen der Armee, der Geheimdienste wie auch der Regierenden am Katastrophentag über sich hat ergehen lassen müssen. Wusste man, worauf man sich da (rein militärisch besehen) einließ? Wohl kaum.“

    Das halte ich für eine Lüge. Es gibt genug Evidenz, dass der 7. Oktober zugelassen wurde, um mit der ethnischen Säuberung beginnen zu können. Die Regierung wusste sehr genau, worauf sie sich einließ.

    1. Wie wird die Habeck-Partei (von Grünen kann man ja nicht mehr reden) darauf reagieren, wenn die Flüchtlingsströme aus Palästina auch nach Deutschland kommen? Werden sie genauso wieder nach Israel abgeschoben wie neuerdings die Kurden in die Türkei, wo Erdogans Folterknechte schon auf sie warten? Gerade haben sich die drei grün/schwarz regierten Länder NRW, SH und BW darauf geeinigt, die Merz’sche Flüchtlingspolitik (=AfD) 1:1 durchzusetzen. Ukrainer sind natürlich wieder ausgenommen

      1. Die Olivgrünen haben eigentlich fertig. Die, die da am Drücker sind, haben ihre historische Mission ja bereits erfüllt: durch links Blinken und Heucheln das Land nach rechts zu verschieben, und für einen Krieg gegen die russischen Untermenschen bereit zu machen – in Andenken an ihre braunen Großväter. Und mit Brantner schicken sie eine ähnlich kriegsgeile und transatlantisch abgerichtete Vertreterin vor wie die Bärböckin.

  6. Die Vereinbarung für einen 21-tägigen Waffenstillstand war anscheinend schon nach 24 Stunden hinfällig. Zumindest soll der israelische Außenminister da bekundet haben, dass es keinen geben wird. Und vor ein paar Tagen hat auch irgendeine schräge Gestalt aus Netanjahu’s Kabinett mal wieder erklärt, dass er die Regierungskoalition platzen lassen würde, wenn Waffenstillstand vereinbart würde. Netanjahu selber hat dann gestern, bevor er seinen USA-Besuch vorzeitig abgebrochen hat, auch bei seiner Rede vor der UN eine Waffenruhe abgelehnt und zwischendurch wohl noch vom Hotelzimmer aus die Genehmigung für eine größere Militäroperation erteilt. Vom internationalen Ansehen her müsste dem Mann eigentlich unten durch sein. Aber wenn man die Bigotterie des Westens kennt wundert man sich nicht, dass er weiter unterstützt wird.

    1. Es ist jetzt ein wohlbekanntes Muster, daß Netanjahu bei Verhandlungen Kompromissbereitschaft zeigt und dann 15 min. später vor der Presse das Gegenteil sagt. Er verarscht einfach alle und alle lassen sich das gefallen, warum, ain´t exactly clear…(siehe mein Kommentar oben)

  7. Zuckermann ist ein durch und durch verwestlichter Ideologe. Wenn er begriffe dass es um die Kolonisierung Palästinas geht, das Israel nichts anderes als eine Kolonialmacht ist, das “occupation” nur ein Euphemismus für “Kolonisierung” ist, wenn er ein aufgeklärtes Geschichtsbewusstsein besässe und z. B. an Frankreich in Algerien dächte, etc., etc. dann wüsste er dass die Kolonialmacht Israel Kolonialkriege gegen die Befreiung und Unabhängigkeit der Palästinenser führt und dass die Geschichte lehrt dass letztlich Wahrheit und Gerechtigkeit obsiegen, und nicht westliche Doppelmoral und doppelte Standards!

    1. Just for the record:
      Ein zu Staatsmacht und Nuklearmacht gelangter Siedlerkolonialismus macht noch keine „Kolonialmacht“!

      Es gibt nach wie vor Verrückte in der zionistischen Militäraristokratie, die von einer israelischen Kolonialmacht träumen, die den Süden des Libanon, Jordanien und Syrien bis zum Euphrat einschließen möchte, und den nuklear gestützten Terrorismus als einen kolonialistischen Krieg ansehen. Doch ein Schwachsinn macht keine „Kolonialmacht“, sondern günstigenfalls aus einer „Villa in the Jungle“ ein mit einem „Todesstreifen“ umfasstes, vornehmes Irrenhaus mit einer Kleinstadt voller Dienstvolk drumrum.

      Ich gehe auf diesen Schwachsinn nur deshalb ein, weil so viele Leute in der Region ihn teilen, nämlich in der Form, daß sie behaupten, das Ziel dieses „Libanonkrieges“, der keiner ist, sei es, die USA in einen Irankrieg zu ziehen bzw. zu nötigen.
      Und in der Tat mag das eine wilde Hoffnung vieler Verrückter in der zionistischen Militäraristokratie sein, nur hat sie mit den Realitäten der imperialen Welt nix zu tun.

      Tat-Sächlich setzt die Militäraristokratie Israel politökonomisch auf den Status Jordaniens herab, einen Transitstaat, dessen dynastische Herrschaft zum Zwecke regionaler Stabilisierung alimentiert wird.

  8. „Israel was downgraded for the second time this year by Moody’s Ratings as the economic costs mount from almost 12 months of fighting in Gaza and an worsening conflict with Hezbollah.

    Moody’s cut Israel by two notches to Baa1 from A2, the ratings company said
    late on Friday, leaving the country three steps above non-investment grade. The outlook remains negative.“
    https://www.bloomberg.com/news/articles/2024-09-27/israel-is-downgraded-by-moody-s-again-as-war-takes-economic-toll

    Abnutzungskrieg. Hisbollah schiesst mit billigen Katyushas, Israel fängt sie mit teuren Patriots ab: wenige Tsd. Eur / Rakete vs. 1 Mio Eur./Patriot. Im Gegenzug zerbombt Israel Wohnhäuser und gewinnt so die Herzen der Welt.

  9. Das ist kein Krieg!
    So wenig, wie die Vernichtung des Gaza ein Krieg ist.
    Es sei denn, man nimmt zur Kenntnis, daß es sich bei diesem nuklear abgesicherten Terrorismus um einen Krieg „über Bande“ gegen das Mutterland USA handelt.

    Diese Verkennung allein spricht Bände über die um sich greifende Zerrüttung bürgerlich geprägter Verstandeskräfte.

  10. Um die Schmach des 7.10. auszugleichen, müßte man die wirklichen Drahtzieher um
    Netanjahu endlich einsperren. Artur C. glaubt sicher auch noch an den Osterhasen wenn
    er denkt, das der Angriff von der Hamas geplant war. Nein Artur, der Osterhase kommt
    auch nächstes Jahr nicht! Ich kann leider nicht direkt antworten, weil ich irgend etwas
    an meinem Tablet verstellt habe und ich es nicht finde.

  11. Gibt es einen Krieg der nicht von mindestens einer Seite gewollt und überflüssig ist?

    Meine Deutschlehrerin, die den WW2 erlebt hatte, und die bei lautem Krach immer zusammen zuckte, so traumatisiert war sie, sagte immer: „Kriege brechen nicht aus, das sind keine Tiere. Menschen sind Tiere.“

    Eine kluge Frau war das. Möge sie in Frieden ruhen.

  12. Aus Sicht der Zionisten ist der Krieg nicht überflüssig. Wie soll man sonst Raum im Osten (Westjordanland) und den Strand mit dem schnuckeligen Gasfeld erobern (Gaza)?

  13. Wie gerade gemeldet, ist der Chef der Hisbollah Scheich Nasrallah einen israelischen Terrorangriff zum Opfer gefallen. Die arabische Welt trauert!

    Israel hat außerdem eine Bodenoffensive in den Libanon angekündigt. Es ist zu erwarten daß die Hisbollah dabei den Zionisten mehr Widerstand entgegensetzen wird, als die Hamas in Gaza in der Lage war.

    Damit ist die Eskalation in Middle East in eine neue Phase eingetreten. Es stellen sich viele Fragen. Wie wird der Iran reagieren? Wie werden die zahlreichen Milizen in Syrien und den Irak reagieren? Wann wird die Welt endlich entschlossen Israel in seine Schranken weisen?

    Für Moshe Zuckermann ist es höchste Zeit die Koffer zu packen. Er dürfte in Deutschland als Flüchtling – wie die Ukrainer – Luxusstatus geniesen. Für einen Marxisten doch eine wunderbare Sache, denn alle Menschen sind Brüder, einige aber eben gleicher!

    Die Börsianer dürften jubilieren, denn die Ölpreise werden anziehen und damit die Aktien der Ölkonzerne. Das dürfte in Deutschland die Inflation weiter anheizen und die ohnehin marode deutsche Wirtschaft weiter schwächen. Die AfD wird weiter Zulauf erhalten und daher wäre der Moshe doch hier für die antideutsche Antifa ein perfekter Mitstreiter?

      1. Sag ich doch, aber die Ölpreise werden steigen, wenn die Huthis die Zufahrt zum Roten Meer für westliche Schiffe blockieren. Sie haben unlängst einen „komplexen Angriff“ auf 3 US-Kriegsschiffe durchgeführt.

          1. Eben. Saudi Arabien verlädt Öl weitet nördlich als der Jemen. Aber die Golfstaaten wie Iran und Irak müssen ihr Erdöl am Jemen vorbei schippern.

  14. Endlich kann der Ukrainische Hacker mal live und in Farbe sehen, wie ein fachgerechter 3-Tage-Krieg aussieht. Inklusive Enthauptungsschlag, von dem er noch nach fast drei Jahren Krieg in der Ukraine träumt, dass die russischen Faschisten ihn in der Lage wären, durchzuführen 😆😂😁.

    Ich bin mir sicher, die Hezbolla hatte auch Rote Linien.

    1. sind Hamas und Hisbollah vergleichbar mit der NATO ???
      Selbstverständlich hätte Russland
      so agieren können wie Israel,
      Ihre Kommentare wären dann sicherlich nicht so ausgefallen wie sie das jetzt in Ihrem Kommentar
      dargestellt haben.

      1. Nein, dass ist Aufgabe des Volkes. Ich bewundere derzeit nur die moderne Kriegsführung der IDF: erst dem mittleren Management die Eier aus der Hose sprengen und dann die Chefetage ohne Ausnahme aus dem Spiel zu nehmen.

        1. Dir gönne ich mal, eine „moderne Kriegsführung“ im Stil der IDF am eigenen Leib zu erfahren.

          Das Problem ist nur, dass das die letzte Erfahrung in Deinem Leben sein wird.

          1. Wer Krieg bewundert, darf sich nicht wundern, wenn er selbst irgendwann dran ist. Und beschweren sollte er sich dann schon dreimal nicht.

            Aber das passiert ja nicht, gelle? Alles weit weg, alles nur Videospiel, es trifft immer nur die richtigen. 😀

  15. Tja, der Bibbi will wohl sicherstellen, das er die nächsten zehn Jahre nicht vor einem Richter Rede und Antwort stehen muss. Dafür ist es aus seiner Sicht vollkommen opportun ganze Stadtviertel in Schutt und Asche zu legen.
    Das wird mit Sicherheit keine Verbesserung der wirtschaftlichen und sicherheitstechnischen Situation Israels nach sich ziehen. Das Land mag fast niemand mehr.
    Bemerkenswert ist wie krass die ihren Opferbonus nach dem Oktober letzten Jahres verkackt haben.
    Habe ja nicht nur ich vorausgesagt, das die jedes Maß verlieren werden. Bei aller Sympathie für die Israelis die das auch nicht gut finden.
    Jetzt noch gegenüberstellen wie Russland kämpft und wie viele Zivilisten dort zu Tode kommen.
    Also wie viele Stadtteile, durch russischen Beschuss, von Kiew schon in sich zusammengestürzt sind und tausende Leute dort unter den Trümmern liegen. Wer jetzt mit Mariopul kommt, das war HKL.
    Auch dort wurde zurückhaltender als jetzt durch Israel vorgegangen. Nur scheint ein Ukrainer mindestens 300 Libanesen oder Palästinenser wert zu sein. Ansonsten ist das Geschwafel von der unmenschlichen Kriegsführung Russlands nicht erklärbar. Was nicht bedeutet das man das gut finden muss und das es dort keine zivilen Opfer gibt.

    Polemik ist vorhanden.

  16. @Naturzucker:
    Hm, warum haben die Russen die benachbarten Bandera-Verehrer nicht schon lange enthauptet? Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie die kollektive Dummheit der westlichen Feinde so lange wirken lassen, bis sie sich alle die eigenen Füße weggeschossen haben. Russenhass macht dumm, was man an epischen Trotteln wie dir, Ottono und Zarenknecht sehen kann. Man muss feindliche Idioten nur lange genug sich selbst überlassen und ihnen Gelegenheit geben zur gegenseitigen Selbstbeschädigung. Das ist eine ziemlich clevere Strategie, und die Russen haben Geduld.
    Die Russen sind so viel schlauer als die degenerierten G7.

    1. Stimmt macht auch mehr Sinn, 100.000 tote Truppen zu kassieren, 400.000 Kriegsversehrte im Land herumgeistern zu haben, Millionen gut Ausgebildete ins Exil zu treiben, die Wirtschaft und den Außenhandel zu ruinieren, statt einfach kurzen Prozess mit dem Gegner zu machen. Aber ja, jeden Moment werden die Ukros kapitulieren. Ganz bestimmt 😂😁😆

      1. Das ist ein Krieg Russland vs. NATO, du Xylitkrümel. Ohne NATO wären die Russen mit der Selenski-Wehrmacht schon lange fertig. Russland kann die NATO nicht besiegen. Aber die NATO kann sich selber besiegen, solange sie von russophoben Idioten geführt wird. Die Idiotie der NATO-Trottel ist aus russischer Sicht effektiver als das russische Atomwaffenarsenal. Das scheint man im Kreml verstanden zu haben.
        Wenn Trump gewinnt, kann Selenski einpacken. Wenn Harris gewinnt, können die USA einpacken. Es läuft gerade echt scheiße für den Westen.

        1. lass es, der ist austherapiert.
          Dass Russland vor einer ganz anderen Problemlage steht und immer auch Gegenreaktionen bedenken muss und eine Eskalation zu vermeiden versucht, selbst um den Preis eigener Nachteile (was man nicht hoch genug anrechnen kann!! und was die üblichen westlichen Vollpfosten nicht mal begreifen), als Israel, das genau vor der entgegengesetzten Lage steht: es will um jeden Preis eskalieren und hat mit keinerlei ernsthafter Gegenwehr zu rechnen, das ist der entscheidende Unterschied.

    1. Nur zu Nordirland:
      Manche Dinge dauern einige Generationen, allerdings haben der Brexit und ein paar andere Dinge dafür gesorgt, dass es dort ab und an halt wieder etwas mehr lodert. Allerdings so schlimm, wie es vor dem „Good Friday Agreement“ war, ist es auch nicht mehr (und zwar auch dann nicht, wenn es gerade wieder etwas lodert).

        1. Doch manche Dinge haben mit Zeitaspekten zu tun und damit, ob nun auch genauso viele Nachfolger für die jeweilige Seite herangezüchtet werden oder nicht. Je kleiner die Flamme über einen längeren Zeitraum lodert (und ja hier sind Generationen gemeint), desto weniger Nachfolger werden herangezüchtet, jedenfalls sofern man der Annahme zustimmt (bzw. als wahr betrachtet), dass Gewalt, Anschläge (und Terrorismus), genauso wie Assassinationen nun eben für neue Anhänger der jeweils anderen Seite sorgen. Und Ihrem Ausgangstext kann man entnehmen, dass Sie dieser Annahme durchaus zustimmen.

    2. @ Altlandrebell
      28. September 2024 um 16:04 Uhr

      Nur zu Christopher Clark:
      Bei allem Respekt, aber Sie kommen mir mitunter vor wie jemand, der sich auch nur die Bücher und Autoren raussucht, die zur eigenen Weltanschauung passen.

      Sie können doch den Umstand, dass Clark von manchen Historikern kritisiert wurde, noch lange nicht als Tatsache einer objektiven Widerlegung ansehen oder gar behaupten.

      Geschichtswissenschaft ist als Geisteswissenschaft zudem etwas anderes als Physik, wo es leicht ist, eindeutige richtige oder falsche Aussagen zu tätigen.
      Wir befinden uns hier als Historiker zudem in vermintem Gelände und es gibt insgesamt überhaupt nur sehr wenige Historiker, die bei diesem Thema(!) den Willen oder den Mut zu wirklicher Unabhängigkeit sine ira et studio haben. Glauben Sie wirklich, Leute wie Münckler seien unparteiisch und objektiv neutral??? Für jede Sichtweise können Sie doch problemlos Autoren anführen, was aber noch lange nicht heißt, dass man sich damit der objektiven Wahrheit annährt. Da die Kriegsschuldfrage für den Ersten Weltkrieg indirekt die gesamte Konfliktlagen des 20. Jahrhunderts nach sich zog, besteht natürlich auch heute noch ein massives Interesse daran, bestimmte Narrative zu pflegen. Natürlich die Narrative der Sieger.

      Das zentrale Problem ist doch, dass fast alle Autoren hier mehr oder weniger befangen sind und sich in dem Wust an Quellen eben eher das raussuchen, was zu ihrer Sicht passt, während andere Quellen vernachlässigt oder gar ignoriert werden. So findet jeder das, was er finden will.

      Von einer reflexartiger Reaktivierung der Fischer-Thesen würde ich jedenfalls sehr deutlich abraten. Fischer war als ehemaliger Nazi auch sehr daran interessiert, sich durch eine ganz explizite Positionierung beliebt zu machen.

      Und wenn Sie die Kritiker von Clark zitieren, dann müssten Sie der Vollständigkeit halber auch seine Unterstützer, z.B. den Briten Niall Ferguson, zitieren.

      Gruß

        1. @ Altlandrebell
          29. September 2024 um 16:41 Uhr

          Guten Vormittg, Altlandrebell,

          man kann durchaus richtige Fakten und Teilzusammenhänge referieren und trotzdem zu einem schiefen, ja irreführenden Bild gelangen, wenn man andere Fakten und Teilzusammenhänge ausblendet.

          Unsere unterschiedlichen Herkünfte spielen hierfür allerdings keine Rolle. Es sei denn, dass Sie unausgesprochen meinen, dass dies den Blick trüben würde oder trüben müsse.

          Sie wissen doch auch, dass ALLE europäischen Großmächte vor 1914 seit Jahren davon überzeugt waren, dass ein größerer europäischer Krieg unvermeidbar sei. Da war doch Deutschland kene Ausnahme. Statt auf Konfliktausgleich, Mäßigung und Kompromiss zu setzen, betrieben ALLE Mächte eine hochriskante Politik der Kriegsvorbereitung in Form von komplexen Bündnissystemen, dem Versuch einer Einkreisung, der massiven eigenen Aufrüstung, der Entwicklung von Aufmarschplänen, dem Durchspielen von Präventivkriegsszenarien sowie teilweise dem bewussten Schüren von Konflikten beim Gegner. Keine Macht wirkte deeskalierend und alle Mächte waren nicht nur kriegsbereit, sondern auch regelrecht kriegswillig.

          Alle Großmächte warteten im Grunde nur auf eine möglichst günstige Gelegenheit, um einerseits militärisch aussichtsreich vorgehen zu können und andererseits nach Möglichkeit nicht als Angreifer dastehen zu müssen.

          Ich erspare mir jetzt aus Platzgründen eine ausführliche Darlegung insbesondere der aggressiven französischen, britischen und russischen Politik zwischen 1900 und dem 1. August 1914. Gewiss ist es zutreffend, dass die Mittelmächte zuerst aktiv wurden – genauer gesagt Österreich-Ungarn – und dass die bewusste deutsche „Blankovollmacht“ eine große Rolle spielte, trotzdem wäre es naiv und parteiisch, deswegen von einer Alleinverantwortung der Mittelmächte auszugehen wie es sowohl der unselige Versailler Vertrag als auch jener etwas dubiose Fritz Fischer unterstellten.

          Eine alleinige Konzentration auf die Tage und Wochen vor Kriegsausbruch greift beim Ersten Weltkrieg ebenso zu kurz wie beim heutigen Ukrainekrieg.

          Übrigens war sich auch Lenin dessen bewusst und betrachtete – hier durchaus hellsichtig – den Ersten Weltkrieg als sozusagen unvermeidliche Konsequenz der Konkurrenz der imperialistischen Mächte.
          Dass Sie, lieber Altlandrebell, ihm als Linker hier nicht folgen wollen, sondern stattdessen ebenso wie Fischer und einige andere Historiker die Narrative der alliierten Sieger von 1918 vertreten, finde ich in der Tat verwunderlich. Ich kann mir dies eigentlich nur durch Ihre besondere Abneigung gegen Deutschland und einen deutschen Staat erklären, die Sie ja hier kürzlich schockierend unmissverständlich artikuliert haben.

          Clarks Wort von den „Schlafwandlern“ ist in gewisser Weise missverständlich, denn alle Mächte waren sich spätestens seit der Triple Entente von 1907 durchaus bewusst, dass ihre Politik einen Krieg wahrscheinlicher machte, ja den Krieg vorbereitete. Worüber sich die noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Politiker und Militärs aber eben nicht ausreichend bewusst waren, das ist der Umstand, wie groß, lang, zerstörerisch und blutig dieser Krieg werden würde. Hierauf(!) bezieht sich Clarks Formulierung, nicht aber auf die Kriegsbereitschaft als solche.

          Bemerkenswert ist übrigens auch der Umstand, dass im Deutschen Reich überhaupt erst im September 1914 nach den spektakulären Anfangserfolgen im Westen eigene Kriegsziele genannt wurden, während insbesondere Frankreich schon vor Kriegsbeginn über solche Zielsetzungen verfügte: Rückgewinnung Elsass-Lothringens oder sogar das Erreichen der Rheingrenze. Gewiss war das deutsche „Septemberprogramm“ ziemlich extrem und aggressiv, aber es entstand eben erst einige Wochen nach Kriegsbeginn.

          Man sollte Bismarcks Wort von etwa 1878, dass Deutschland „saturiert“ sei, nicht unterschätzen und sich auch bewusst machen, dass die Äußerung von Wilhelm II vom „Platz an der Sonne“ sich auf die Kolonialpolitik bezog und nicht auf die europäischen Grenzen. Es war deutschen Politikern vor 1914 doch klar, dass Deutschland wegen der gefährdeten Mittellage und der Einkreisung in jedem großen Krieg mehr zu verlieren als zu gewinnen hätte. Deswegen war die deutsche Politik bis etwa 1912 eher defensiv eingestellt, als der Große Generalstab angesichts der erkennbaren Gefahr, durch die Aufrüstung der Entente entscheidend überflügelt zu werden, erstmals dazu riet, im Sinne einer Flucht nach vorn den Krieg zu riskieren. Natürlich ergibt sich hieraus eine deutsche Mitverantwortung und auch Mitschuld, aber eben keine Alleinverantwortung oder Alleinschuld, wie es der Versailler Vertrag unterstellte. Nichts anderes will Clark deutlich machen.

          Übrigens habe ich Fritz Fischers NS-Vergangenheit nicht deshalb erwähnt, um ihn im Sinne einer „Kontaktschuld“ – wie Sie suggerieren wollen – zu demontieren, sondern deshalb, um seine besondere Willfährigkeit gegenüber alliierten Narrativen zu erklären! Sein Versuch, sich reinzuwaschen, seine persönliche Vergangenheit vergessen zu machen und sich der neuen Linie anzudienen.

          Kennen Sie eigentlich die Schriften von Carroll Quigley über die angelsächsischen Eliten und die Umtriebe von „Milners Kindergarten“ … ? Etwa in „The Anglo-American Establishment“ (1981) Könnte Sie interessieren.

          Doch ich ahne oder weiß, dass wir uns gegenseitig mit unseren Gedanken nicht werden beeindrucken können. Ohnehin ist es wohl so, dass sich unsere wechselseitige Wertschätzung nicht aus der Qualität unserer Argumente ergibt, sondern aus dem, was jenseits dessen von der Persönlichkeit des jeweils anderen erkennbar wird.

          Gruß
          Wolfgang Wirth

    3. Werter Altlandrebell,
      Ihren Analysen zum aktuellen Fall Israel/Hisbollah/sonstigen „Feinden“, kann ich sicher zustimmen, doch was Folgendes angeht bin ich mir nicht so sicher wie Sie:

      Clarks Buch ist ein übles germanophiles Machwerk, ein Signum des Revisionismus, das wie die Schriften von Münkler, Baberowski, MacMeekin und Co. der teutschen Seelentröstung und Geschichtsklitterung dient. Gietinger und Wolf haben den Sabbel hier verrissen, woraufhin natürlich die offiziöse „moderne“ teutsche Geschichtsforschung geifernd gegen diese Dolchstößer zu Felde zog („Follow the science! – Ja und zwar direkt ins (Schlacht)feld)).

      Ich habe das Buch damals geschenkt bekommen und den dicken Wälzer auch in Ruhe gelesen. Ich fand ihn erst einmal durchaus plausibel. Mehr konnte ich dazu nicht denken, denn um an der detailreich beschriebenen, komplexen Darstellung der Entwicklung des Krieges etwas zu kritisieren, fehlte mir damals auch schlicht das Detailwissen. Es passte aber durchaus zu einem „Gefühl“ was ich bei vielen menschlichen Konflikten, den Kleinen wie den ganz Großen hatte, nämlich dass es oft eben nicht den großen und einzigen Bösewicht gibt, der das Unheil mit voller Absicht und ganz kalkuliert vom Zaun gebrochen hat (wie jetzt wohl Netanyahu), sondern dass es mehrfach so läuft, dass die Konfliktpateien in der Tat mehr oder weniger bewusst in solche Auseinandersetzungen hinein schlittern. Was sie aber natürlich nicht von jeglicher Verantwortung frei spricht, denn wer konsequent die Richtung verfolgt einen Krieg nach Möglichkeit vermeiden zu wollen, der schlittert auch nicht so einfach hinein.

      Natürlich konnte Clarkes Buch dann trefflich als Seelentröster verwendet werden. Was auf mich aber nicht zutrifft, da ich mit Nationalgefühl so wenig am Hut habe wie Sie. Außerdem habe ich kürzlich in einer Diskussion mit @ Wolfgang Wirth hier Deutschland (also 1871) als ‚Fehlkonstruktion‘ bezeichnet, das eigentlich nicht Deutschland, sondern das „Preußische Reich“ oder Imperium war und ist, dessen Geist im Grunde noch heute tief in Deutschland steckt. Also das Einverleiben der deutschen Länder unter den preußischen Militarismus worin schon der Keim für die Möglichkeit eines so großen und zerstörerischen Krieges wie des ersten Weltkrieges und dann auch des zweiten steckte.

      Letztlich kann ich nicht entscheiden wieviel Verantwortung für den ersten Weltkrieg jede Regierung getragen hat, dafür finde ich das Zustandekommen des Ganzen auch heute noch zu komplex. Als sicher kann jedoch gelten, dass da alle nicht ganz unschuldig waren und das Deutsche Reich sicher schon mal gar nicht. Meinetwegen kann man diesem auch eine Hauptlast andichten, wenn man möchte. Doch was bringt das Ganze?
      Denn genauso wie das Werk von Clarke von vielen als Seelentröster „missbraucht“ wurde, so war es für andere geradezu eine Blasphemie gegen ihren lang gehegten und quasi mit ihrer ‚Identität‘ verknüpften Glauben, dass Deutschland und die Deutschen nicht schon seit Hitler, sondern schon immer…
      Und soll ich denen nun mehr glauben? Nö. Beide Seiten, so scheint es mir möchten hier etwas glauben, und sind sich daher etwas sicherer als sie es sein könnten, wenn sie unabhängig von ihrem Identitätsgefühl nachdenken würden. Denn auch die Gegner von Clarkes Buch oder der Schlussfolgerungen aus diesem Buch sind vielfach durch ihr Identitätsgefühl als Deutscher beeinflust, aber eben einem negativen Identitätsgefühl. Wenn nicht alle, dann doch sicher einige. Ich zumindest meine das an deren Schreibweise zu spüren. Dass Deutsche auch im 1. WK die Bösen waren ist für diese Leute wichtig, auch über die reine Tatsache hinaus.

      Sie bezeichnen das Buch auch als „übles germanophiles Machwerk“. Das klingt erst mal ‚wütend‘ und unterstellt, dass Clarke hier eventuell mit Absicht Schönfärberei betreiben hat. Naja, profitiert hat der Knabe in jeden Fall davon einen Seelentröster geschrieben zu haben, aber meinen Sie das war wirklich Absicht, oder schlimmer noch, Clarke ist wömöglich noch in dieser Richtung ‚promotet‘ und ‚gefördert‘ worden?

        1. Vielen Dank von mir jedenfalls, ich habe mir den ganzen Subfaden hier mit seinen zahlreichen Hin- und Verweisen mal in meine Zitate-Datenbank abgespeichert.

          1. Letztendlich. geht es immer um die Besitzstandswahrung der herrschenden Klasse.
            Und hier jedenfalls um die Selbstlegetimierung, damit die immer so weiter machen können.
            Die wollen uns jetzt töten.
            Die haben UNS ganz offen den Krieg erklärt!

              1. …und fiel in Lothringen.

                Echt jetzt? Einfach so umgefallen…? Die Haut ist doch immer wieder dicker als man denkt.

                Die Software für eine Zitate-Datenbank könnte ich Ihnen übrigens schicken. Schreiben Sie mich einfach an, die Kontakte haben Sie ja und meine Einwilligung hiermit auch.

        2. @ Altlandrebell:
          Zunächst einmal Vielen Dank für diese ausführliche und hochwertige Antwort!
          Sie liefern da eine Menge gute Argumente, die ich im Großen und Ganzen auch nicht widerlegen kann. Dazu bin ich nicht tief genug im Thema drin.
          Also erkenne ich Ihre Version auch erst mal als eine möglicherweise gültige an.

          Unbestritten ist, dass Clarke versucht hat einen Teil der Verantwortung von Deutschland wegzuschieben, denn vorher war die allgemeine Auffassung mehr dafür Deutschland eine größere Verantwortung für den Krieg zu geben, als den anderen Beteiligten (jedenfalls war das es, was ich kannte).
          Wenn Clarke aber versucht hat die Verantwortung soweit von Deutschland wegzuschieben, dass die Hauptverantwortung sogar Deutschlands Gegnern zugerechnet werden konnte, so hat er das nicht besonders gut gemacht, denn mir zumindest ist das beim Lesen gar nicht aufgefallen. Will heißen: Ich sah danach Deutschland zwar in gewisser Weise entlastet, aber die Anderen nicht mit einer größeren Verantwortung als Deutschland belastet. Das wäre mir auch komisch gekommen.

          Gegen Ende ihres Post erklären Sie gut mit vielen Belegen wie Clarke promotet worden ist.
          Was nicht wundert, da nicht nur Viele diesen Seelentröster begrüßten und zu brauchen schienen, sondern ihn auch gewisse Gruppen für eine neue Machtstellung Deutschlands in der heutigen Welt nutzen wollten. Das erklären Sie sehr gut und das hätte ich auch vorher nicht in Zweifel gezogen.
          Was mir jedoch trotz ihrer umfangreichen Erläuterungen nicht ganz klar geworden ist:
          Hat Clarke wirklich geglaubt, was er da geschrieben hat? Oder war er beim Schreiben von gewissen Kräften beeinflusst, war es also mindestens teilweise eine Art Auftragsarbeit?
          Wenn Ersteres zutrifft, sollte man mit den Vorwürfen gegen ihn doch etwas vorsichtiger sein.
          Höchstens kann man ihm ankreiden, dass er sich nach Erscheinen des Buches zu sehr hat von den Deutschen vereinnahmen lassen. Ich fand es auch schon ziemlich merkwürdig als er dann auf einmal als Moderator in ziemlich oberflächlichen TERRA-X Geschichtsdokus im ZDF auftauchte.

            1. Grüße Sie Altlandrebell!

              Kurz noch zu meinem Satz, den Sie nicht ganz verstanden haben:

              Wenn Ersteres zutrifft, sollte man mit den Vorwürfen gegen ihn doch etwas vorsichtiger sein.

              Also ihr Urteil über das Buch im ersten Post hier klingt ziemlich wütend:

              Clarks Buch ist ein übles germanophiles Machwerk, ein Signum des Revisionismus, das wie die Schriften von Münkler, Baberowski, MacMeekin und Co. der teutschen Seelentröstung und Geschichtsklitterung dient. Gietinger und Wolf haben den Sabbel hier verrissen, woraufhin natürlich die offiziöse „moderne“ teutsche Geschichtsforschung geifernd gegen diese Dolchstößer zu Felde zog („Follow the science! – Ja und zwar direkt ins (Schlacht)feld)).

              „Übles Machwerk“, „Sabbel“ usw. das klang für mich so, als würden Sie ihm üble Absichten unterstellen.
              Ich sehe es aber so, dass wenn jemand ein solch umfangreiches Buch schreibt, nach besten Wissen und Gewissen, und das seine ehrliche Meinung ist, dann kann ich natürlich das Buch, bzw. die darin vorkommende Argumentation kritisieren, lasse aber den Autor unbehelligt. Er hat sich veilleicht geirrt, hat sich zu irgendwas verleiten lassen, aber das sind doch sehr menschliche und verzeihliche Fehler. Und die würde ich dann nicht „Übles Machwerk“ oder „Sabbel“ und auch nicht „germanophil“ nennen.
              Was anderes ist es natürlich, wenn ein Autor versucht eine Ideologie zu transportieren und seine Leser hinterlistig oder untergründig zu manipulieren.

              Gute Nacht

              1. Guten Vormittag, Two Moon
                1. Oktober 2024 um 1:44 Uhr
                und Altlandrebell

                Das ist ja wieder eine wirklich anspruchsvolle und sehr sehr anregende Debatte gewesen. Ich denke, sie ist abgeschlossen, da jeder die wichtigsten Argumente vorgetragen hat. Ich möchte sie auch nicht fortführen.

                Mir kam indessen gerade wieder einmal zu Bewusstsein, wie sehr sich doch die Möglichkeit der Wahrheitsfindung in den Natur- und Geisteswissenschaften unterscheidet.

                Grundlegend dafür ist der Umstand, dass die Naturwissenschaften mit (wiederholbaren) Experimenten arbeiten können – was ja in der Geschichtswissenschaft unmöglich ist – und dass es in der Naturwissenschaft möglich ist, den zu untersuchenden Zusammenhang vom „Rest“ zu isolieren.

                Untersucht werden eben meist nur zwei oder drei Einflussgrößen im Hinblick auf ihre wechselseitige Beeinflussung.
                Alle andere Dinge spielen dann keine Rolle.

                Ein Beispiel:
                Wenn ich etwa in der Wärmelehre die Wärmeleitfähigkeit von Stoffen untersuche, dann habe ich nur die Energiemenge und den Stoff – sowie eine bestimmte und natürlich gleichbleibende Versuchsanordnung (-> exakte Abmessungen der zu untersuchenden Stoffe, Energiemenge, Zeit, Art der Umgebungsluft und Luftdruck usw.)
                Die Untersuchung isoliert also „Energiemenge“ und „Stoff“ vom gesamten Rest der Welt und kommt dann zu einem tatsächlich wahren Ergebnis.

                Eine derartige Untersuchung ist in der Geschichtswissenschaft aber bekanntlich vom Prinzip her absolut unmöglich. Der Forschungsgegenstand ist hier eben nicht mal annähernd vom „Rest“ zu isolieren, da die Masse an Einflussfaktoren riesengroß ist und auch schier unübersehbar ist.

                Im Grunde geht dann die Debatte der Historiker nur darum, welche Einflussfaktoren auch noch zu berücksichtigen sind und welche Aspekte ein Kollege vergessen hat. Und der Disput geht zusätzlich auch darum, wie stark man einzelne Faktoren denn nun gewichten soll!
                Die Gewichtung der Faktoren kommt ja noch hinzu und macht die Sache nun vollends kompliziert, ja letztlich fast unlösbar.

                Dazu kommt das ärgerliche Problem der politischen Instrumentalisierung der Geschichtswissenschaft, denn es geht eben oft sehr viel weniger um eine objektive historische Wahrheit als viemehr darum, mit Geschichte heutige Politik zu betreiben.

                Aber auch dann, wenn wir es tatschlich mit Historikern zu tun haben, die um Objektivität bemüht sind, gestaltet sich die Forschung zu einem langsamen und mühevollen Herantasten an eine relativ wahre Wahrheit. Immer neue Blickwinkel und Perspektiven, immer neue Einflussgrößen gilt es in hoffentlich halbwegs zutreffender Gewichtung zu erfassen. Damit das gelingt, ist unablässige Revision nötig.

                Mit anderen Worten:
                Eine Geschichtswissenschaft, die Revision bei bestimmten (politisierten) Themen prinzipiell tabuisiert und bestimmte Historker als „Revisionisten“ verdammt, hat das Recht verloren, als „Wissenschaft“ bezeichnet zu werden und verwandelt sich in Mythenlehre oder Ideologie.
                Daran musste ich denken, wenn ich lese wie Altlandrebell den Christopher Clark als „Revisionisten“ abtut.

                Letztlich unterscheiden sich doch auch bei der Forschung zum Ersten Weltkrieg die Historiker nur danach, wie umfangreich sie das Feld wählen, aus dessen Quellen sie schöpfen … !

                Der bewusste Fritz Fischer konzentrierte sich auf die „Julikrise“ und die deutschen Akten; er wählte also ein recht begrenztes Feld. Clark, Münkler oder Ferguson wählen ein größeres Feld.

                Jeder hat auf seine eigene Weise richtig und logisch argumentiert und geschlussfolgert. Die unterschiedlichen Einsichten und präsentierten Wahrheiten resultieren aus den unterschiedlich großen Feldern.

                „Was ist Wahrheit?“, so soll schon Pilatus gefragt haben. Übrigens eine so kluge Frage, dass sie einmal mehr vor dem auch schon in der Antike erreichten geistigen Entwicklungsstand der Menschen Respekt einflößt.

                Schöne Gedichte, Altlandrebell! Danke

                Gruß

    4. Wenn man sich durch die weitere Forschungslage wühlt, stellt man fest, dass zwar einige Autoren äußern, dass gezielte Tötungen von Führungspersonen Gruppen (welcher Couleur auch immer) erschütterten …

      Es gibt eine „Forschungslage“ zur Wirksamkeit sogenannter „gezielter Tötungen“? Wie pervers ist das denn? Und wird da vielleicht auch Stammheim 1977 analysiert?
      Jedenfalls deutet eine solche „Forschungslage“ auf eine sehr große Anzahl von „Fällen“ hin, denn ansonsten gäbe es ja nichts zu „analysieren“.
      In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht darauf hinweisen, dass die Hizbollah keine „Aufstandsbewegung“ oder „Terrororganisation“ ist, sondern eine politische Partei, die zwei Minister zur gegenwärtigen libanesischen Regierung beisteuert. Nasrallahs Ermordung wird die Hizbollah sicher schwer treffen.

      Was Zuckermanns Verweis auf Christopher Clarks Schlafwandlerei anbetrifft, so macht Zuckermann damit zunächst einmal ausdrücklich, dass er entgegen seiner Selbstauffassung sicher kein Marxist ist.
      Nun muss man kein Marxist sein, um zu bemerken, dass jedem Krieg unüberbrückbare, grundlegende Interessengegensätze vorausgehen, der Krieg vor seinem Ausbruch immer schon „in der Luft liegt“ und man also nicht „hineinschlittert“. Im Falle des Ersten Weltkriegs kommt aber hinzu, dass die Zweite Internationale schon 1912 einen Beschluss zum bevorstehenden Krieg fasste und die zu diesem Krieg führenden Widersprüche (vor allem zwischen der aufstrebenden, expandierenden Wirtschafts- und Militärmacht Deutschland und den imperialistischen Platzhirschen Großbritannien und Frankreich) von den Altvorderen des Marxismus ausführlich auseinander genommen wurden. Und das will Zuckermann ernsthaft mit Clark kontern?
      Den immer wieder zu beobachtenden Vorgang der „Aufladung der Gegensätze“ und ihrer „Entladung im Krieg“ fasste Jean Jaures jedenfalls in einem treffenderen Bild: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen“.

      Kurz: Zu Zuckermann fällt mir nichts mehr ein. Seine vorhergehende, in Endlosschleife wiederholte Interpretation des andauernden, „volksgemeinschaftlichen“ (sic!) Massenmords als „Netanjahus persönlichen Krieg gegen die eigene Verhaftung“ war bereits beschämend dürftig. Die wird nun, „hineinschlitternd“, noch unterboten. Und Yahia Sinwar – auch wieder persönlich – für die restlose Zerstörung des Gazastreifens verantwortlich zu machen – „Sinwar ist dabei nicht der einzige, der bereit ist, die große Opferzahl sowie die Not und das Elend der von ihm beherrschten Bevölkerung von vornherein in Kauf zu nehmen.“ – ist das I-Tüpfelchen.

  17. Hassan Nasrallah war ein gemäßigter, besonnener Führer. Er wußte, ein offener Krieg Israel/Libanon wird von der kriegsgequälten libanesischen Bevölkerung nicht unterstützt. Israel tut gerade alles um dies zu ändern. Jedes tote libanesische Kind schreit nach Rache. Nasrallahs Tod wird den libanesischen Widerstandswillen erst so richtig anstacheln.

    Der Iran ist derzeit noch nicht kriegsbereit. Interessant ist jedoch, das Russland den Iran eine moderne Luftabwehr liefern will. Bis diese arbeitet dauert es.

    Die Achse des Widerstandes spielt also auf Zeit. Diese hat Israel nicht, denn die Stimmung gegen Netanjahu wird dort immer schlechter. Auch der weltweite Druck auf Israel wird weiter wachsen. Israel droht kriegsbedingt eine Wirtschaftskrise. Das wird sich auch negativ auf die noch zu proisraelische Stimmung in Deutschland auswirken. Selbst die AfD kann nicht umhin populistisch Israel verbal zu verurteilen, wie es beispielsweise der Krah schon tut.

    Russland ist auch noch mit im Spiel und vernichtet täglich mit großer Effizienz westliche Waffen.

    Den olivgrünen deutschen Lumenpazifisten empfehle ich nur so weiter zu hetzen, das wird auch in diesen Land die Opposition stärken.

    Macht nur weiter so, dann ist bald Schicht im deutschen Wohlstandsschacht!

    1. „Der Iran ist derzeit noch nicht kriegsbereit. Interessant ist jedoch, das Russland den Iran eine moderne Luftabwehr liefern will. Bis diese arbeitet dauert es.“

      ich gehe davon aus, dass die Zionisten, falls es zu einem Krieg mit dem Iran kommen sollte,
      sich gleich auf den Abwurf von Atombomben ueber Isfahan und Teheran verstaendigen, der Krieg darf fuer Israel nicht lange dauern!
      Das traue ich Netanjaho und seinem rechtsradikalen Siedlerpack durchaus zu, egal was die UNO sagt, egal was die USA sagen, egal was der globale Sueden sagt, die Zionisten in Israel sind auf einem selbstmoerderischen Pfad und ein Sieg gegen den Iran ist nicht sicher!

  18. Zuckermann ist einfach zu nah dran, er hat den nötigen Abstand nicht und stellt die Dinge komplizierter dar, als sie sind. Da gibt es also den israelischen Ministerpräsidenten, der weiss, dass am Ende des Krieges sein Abgang steht und ihn deshalb so lange hinauszögern will, bis er als der grosse militärische Triumphator dasteht. Dies allein würde aber nicht reichen, seine Untergebenen, auch abgesehen von den ausgesprochenen Faschisten, sind zwar nicht begeistert, machen aber mit, gewissermassen verführt vom Charme des Brute force-Ansatzes, und der Premier könnte sich ja tatsächlich wieder durchsetzen und dann will man auf der richtigen Seite stehen – Karriere etc. Aber auch das würde noch nicht reichen. Da ist noch das Imperium und seine Meute, das nach wie vor den Plan verfolgt, den Iran zu zerstören. Also lassen sie alles laufen, liefern alle nötigen Mittel.

    Und so nehmen ‚die Dinge‘ ihren Lauf. Bisher durchaus in Netanyahus Sinn. Offenbar ist es jetzt auch gelungen, den vorsichtig taktierenden Hizbollah-Chef zu töten. Sein Nachfolger wird brutaler sein, wie auch im Fall der Hamas. Diese Leute lernen ihre Lektion – Zurückhaltung zahlt sich nicht aus. Und irgendwann – heute, in zwei Monaten – wird auch der Iran die seine aufgeben müssen. Ab dann wird es unübersichtlich, weil sich aller Wahrscheinlichkeit weitere Staaten einschalten werden. So wie der israelische Premier es sich wünscht, wird es nicht herauskommen, auch nicht so, wie es sich irgendjemand anders wünscht.

  19. Eine vollkommen entmoralisierte Armee verhält sich sich bar jeder Menschlichkeit.
    Der ganze Artikel zeigt deren vollkommene psychische Verwahrlosung.
    https://www.infosperber.ch/politik/gaza-schiessen-aus-langeweile/
    „Alle sechs vom «+972 Magazin» befragten Soldaten sagten aus, dass sie autorisiert gewesen seien, praktisch nach Belieben das Feuer auf Palästinenser zu eröffnen, auch auf Zivilisten, Frauen und Kinder.

    Fünf dieser sechs Quellen berichteten anonym, wie israelische Soldaten routinemässig palästinensische Zivilisten hingerichtet hätten, nur weil diese in ein Gebiet eingedrungen seien, welches das Militär als «No-Go-Zone» definierte. Die Zeugen berichteten von Gegenden, die übersät seien mit zivilen Leichen, die verwesten oder von streunenden Tieren gefressen würden. Die Armee verberge sie nur bei der Ankunft internationaler Hilfskonvois vor den Blicken, damit keine Bilder von zerfallenden Leichen in die Welt gelangen könnten.“

  20. es ist alles ganz einfach das sehen auch meine jüdische Freunde so…
    die Zionisten möchten das Reich ihres Daseins mit niemanden teilen so wie es auch die Neocons in den USA mit den Indigenen auch nie teilen wollten… deshalb werden die Tatsachen nach Art der debilen Tiere im Ring bzw. im Krieg ausgetragen … hat die USA jemals was zum Frieden beigetragen? bitte melden

  21. … und so etabliert sich Krieg und Völkermord als ewig währende Zustand, gewollt, initiert, geführt und unterstützt vom westlichen politischen Terrorismus – beaufsichtigt von den UN – mal wieder zur normalsten Sache der Welt.
    An den zuvor ermöglichten Kräften, die in Israel und der Ukraine die Fortführung der Kriege und gerade zu erpresserischerweise Weise einfordern, lässt sich die wahre politische Marschrichtung kapitalistisch zweckrationalen Vorgehens ablesen: Rechtsextremistisch. Faschistisch.

  22. „Wer Wind säät wird Sturm ernten“ sagte einst Mao Zedong

    Im Libanon sehen wird einen zionistischen Orkan. Dieser Orkan wird einen Tsunami der islamischen Welt auslösen. Schiiten und Sunniten werden ihre religiösen Gegensätze beiseite schieben, um gemeinsam gegen den zionistischen Feind – der ihre Frauen und Kinder tötet – vorgehen.

    Der konservative amerikanische Revolutionär Larry Johnson wies darauf hin das die Hisbollah eine religiöse Bewegung sei. Im nichtreligiösen Westen übersieht man dies leicht. Religiöse Menschen, gläubige Muslime, fürchten den Tod nicht. Ihr religiöser Widerstandswille wurde jetzt enorm angestachelt.

    Der Konflikt um Israel ist ein typischer siedlerkolonialistischer Konflikt. Mitforist @Altrebell wies darauf hin, daß es zwei historische Beispiele für die Lösung eines Siedlerkolonialismus gibt. Im Falle der USA wurde die indigene Bevölkerung ausgelöscht und die wenigen Überlebenden in Reservate eingesperrt. Dies will auch Israel. Im Falle von Algerien mußten die Franzosen abziehen. Warum? Weil die FNL wirksame Waffen hatte, wirksamere Waffen als einst die indigenen Völker Amerikas.

    Auch die Achse des Widerstandes verfügt über wirksamere Waffen als Pfeil und Bogen. Es wird ein langer, grausamer und blutiger Krieg, den der Zionismus nicht gewinnen kann. Die Menschlichheit würde einen Kompromissfrieden erfordern. Aber auch Israel wird von religiösen Fanatikern regiert, die vom barbarischer Grausamkeit sind.

    Moshe Zuckermann – er ist doch marxistischer Atheist – sollte endlich die Koffer packen, ehe es zu spät ist. In Deutschland ist er als Luxusflüchtling – ähnlich den Ukrainern – willkommen, aber auch das kann sich ändern

  23. Was hörte ich heute auf Tagesschau24: „Die Hisbollah ist ein iranischer Proxy“
    Achso na dann ist ja alles ok… Das die Hisbollah eine eigene Meinung haben könnten zu der seit Jahrzehnten andauernden Apartheid und Landwegnahme in Israel, das kann also nicht sein.

    Schauen wir mal in die Wikipedia.
    „Die Hisbollah entstand ab 1982 als eine aus dem Untergrund operierende paramilitärische Organisation[5] durch den Zusammenschluss verschiedener schiitischer Gruppen beim Widerstand gegen die damalige israelische Invasion. Die offizielle Gründung fand 1985[6] statt. „

    1. Ein Wort zu den Proxys, ein historischer Vergleich, der vietnamesische Unabhängigkeitskrieg. Seine letzte Phase wird auch „der amerikanische Krieg“ genannt.
      Vietnam suchte in seinen Unabhängigkeitskampf Verbündete. Diese fand „Onkel Ho“ zunächst in der Sowjetunion und Lenins antiimperialistischer Ideologie. Die Organisationsform einer kommunistischen Partei erwies sich als nützlich. Gleichzeitig hat Onkel Ho den religiösen Widerstand immer geschätzt und mit ihn sehr eng zusammengearbeitet. Ich erinnere an den buddhistischen Widerstand und die Cao Daiismus
      Sowjetische Luftabwehrwaffen holten 2700 amerikanische Flugzeuge vom Himmel. Die Chinesen, alter Erbfeind Vietnams, hatten nur sehr altmodische Waffen zu bieten.
      Obwohl Vietnam die sowjetischen Waffen dankbar annahm, blieb es immer unabhängig und bandeltet nach den Sieg sogar (Bambusdiplomatie) mit den US an, was diese allerdings – wie immer – nicht zu danken wußten.
      Auch die Hisbollah und die Hamas kennt diese Geschichte. Den Tunnelbau haben sie schließlich von Vietnam gelernt, aber natürlich sehr modernisiert!

      1. Der Vorwurf kommt immer dann wenn man einen illegalen Angriff schön reden möchte. Auf deutsch Propaganda.
        Selbst bei so einfachen Sachen gibts bei der Tageschau schon keine neutrale Berichterstattung mehr. Mal einfach berichten was passiert ist, nein, nicht ohne unterschwellige Bevormundung.

  24. Ich empfehle das Gespräch, das Larry Johnson ganz aktuell mit Alastair Crooke geführt hat (zu finden auf seiner Website „sonar21“). Alastair Crooke ist jemand, der sich im Konflikt Israels mit seinen Nachbarn extrem gut auskennt, weil er persönlich mit vielen Leuten auf beiden Seiten, Arabern und Israelis, zu tun hatte und auch immer die große Linie im Blick behält.
    Israel wird im Libanon so weitermachen, wie es in Gaza begonnen hat, es befindet sich auf einer religiösen Mission, das ganze Gebiet, das es als „unser Land“ definiert, endlich ein für alle Mal ganz für sich zu erobern, und diese religiöse Dimension wird nach Crookes Meinung im Westen völlig verkannt. Ebenso verkannt wie die Sichtweise der islamischen Welt auf diesen Konflikt.
    Solange Israel die bedingungslose militärische Unterstützung der USA hat, ist kein Ende des Mordens abzusehen. Unsere westlichen Politiker schauen aus der Loge zu, jammern und ringen die Hände, aber den Mördern in den Arm fallen möchte man nicht unbedingt. Die große Frage ist, wann die arabische Welt nicht mehr nur abwartet und was dann passieren wird. Nichts Erfreuliches vermutlich.
    P. S. Ich finde die abschätzigen persönlichen Bemerkungen über Moshe Zuckermann ziemlich unhöflich. Er gehört zu der inzwischen kleinen Minderheit von Israelis, die den Mut haben, sich gegen die Stimmung im Land zu äußern, egal ob man seine Meinung nun zu allem teilt oder nicht, und bald wird der Krieg das Leben auch in Israel sehr gefährlich machen. Alle, die hier kommentieren, befinden sich dagegen in der Sicherheit ihrer warmen Stube – hoffe ich wenigstens…).

    1. Ich sorge mich sehr um Moshe Zuckermann und deshalb rate ich ihn dringend sein terroristisches Land zu verlassen. Er ist dort nicht mehr sicher und niemand weiß, wielange Deutschland Luxusflüchlinge – aus der Ukraine oder auch aus Israel – noch so freundlich empfängt.
      Das sollten Sie als Ausdruck sehr besorgter Höflichkeit gegenüber den Autor zur Kenntnis nehmen.
      Außerdem wissen wir auch in Deutschland nicht, wielange wir noch sicher leben können.im Moment ist es hier sehr viel sicherer als in Israel!

      1. Dann nehme ich das als Besorgnis zur Kenntnis. Ihren Kommentar habe ich auch eher nicht gemeint, im Gegenteil, ich fand ihn zutreffend (und ich sehe gerade, dass Sie sich auch auf Larry Johnson bezogen haben). Aber ich kann mich an einige Kommentare (nicht von Ihnen!) unter früheren Artikeln erinnern, bei denen ich mich schon über den harschen Ton gegenüber Zuckermann gewundert hatte. Kritik kann man ja auch nüchtern anbringen.

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