„Die Nato-Führung hat grünes Licht für weitere Bombardierungen ukrainischer Städte und Dörfer gegeben“

Der ukrainische Präsident Selenskij, der angeblich von Killerkommandos verfolgt wird, beschwerte sich über die Nato, die zu feige sei, eine Flugverbotszone über der Ukraine einzurichten.

 

 

Nach einem Bericht der britischen Times sollen mindestens drei Mordanschläge auf den ukrainischen Präsidenten Selenskij gescheitert sein.  Es seien zwei Gruppen in die Ukraine und nach Kiew geschickt worden: Söldner des privaten Militärunternehmens Wagner und Spezialeinheiten von Ramzan Kadyrow, der als brutal bekannte Machthaber von Tschetschenien, der vergangenen Samstag auch erklärt hatte, Einheiten in die Ukraine entsendet zu haben. Schon zuvor wusste die Time, dass angeblich 400 Wagner-Söldner in Kiew sein sollen, die Selenskij und andere Regierungsmitglieder töten sollten.

Time berichtet, die Anschläge seien deswegen gescheitert, weil von Mitarbeitern des russischen Geheimdienstes FSB, die gegen den Krieg sind, Hinweise an die ukrainischen Sicherheitskräfte weitergegeben wurden.

Ähnliches hatte Oleksiy Danilov, der Leiter des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, schon vor einigen Tagen behauptet. Der sprach von zwei Gruppen von Kadyrow-Kämpfern, die Selenskij töten sollten. Eine Gruppe sei „eliminiert“ worden.

Nach Medienberichten war dies bereits am 26. Februar geschehen. Die ukrainischen Geheimdienste sagen, Putin habe Kadyrow schon am 3. Februar beauftragt, tschetschenische Einsatztruppen nach Kiew zu schicken, um nach Beginn des Kriegs Selenskij und andere Regierungsmitglieder zu töten. Überdies habe er beim Geheimdienst FSB ein Team einsetzen lassen, um die Tschetschenen Angeblich seien 1500 Mann, die zu den „besten Kämpfern der Tschetschenischen Republik“ gehören, über Belarus in die Ukraine eingedrungen und nach Kiew gefahren, um dann auf dem Flughafen Gostomel von ukrainischen Truppen angegriffen worden sein und schwere Verluste erlitten haben. Offenbar sollten sie den Flughafen sichern, der zuvor bombardiert worden war. Auch hier war wieder die Rede, dass ein anonym bleibender FSB-Mitarbeiter dem ukrainischen Geheimdienst über die geplante Route und die Aufgaben der Kadyrow-Truppen informiert habe.

Kadyrow hat am Sonntag zugegeben, dass zwei seiner Kämpfer in der Ukraine getötet und sechs verletzt worden seien. Er kritisierte auch die Kriegsführung als zu langsam und wenig effektiv. Reuters berichtet von einem Video vom 25. Februar, das Tausende von Tschetschenen in Grosny zeigte, die angeblich in den Krieg wollten.

David Arakhamia, der Fraktionsvorsitzende von Selenskijs Partei Diener des Volkes, sagte, Kadyrow-Kämpfer wären auch bei der Besetzung des AKW Zaporizhzhya beteiligt gewesen und hätten mehrere Mitarbeiter getötet. Man könne nicht wissen, was in deren Köpfen vorgeht, Russland könne das auch nicht. Allerdings hatte der Bürgermeister der Stadt Energodar, in der das AKW sich befindet, zuvor erklärt, es habe keine zivilen Opfer gegeben. Die Einwohner der Stadt würden weiterhin Widerstand leisten, meldet Interfax.com.ua.

Gestern hatte sich das Gerücht verbreitet, dass Selenskij aus Kiew oder aus der Ukraine geflüchtet sei. Anlass war wahrscheinlich, dass Mikhail Podolyak, Berater des Leiters des Büros des Präsidenten, gestern nicht sagen wollte, wo sich Selenskij aufhält. Die Meldung wurde dementiert, offenbar war das Gerücht doch so brisant, dass Selenskij dann ein Video in seinem Büro aufnahmen, um zu demonstrieren, dass er sich weiterhin in Kiew trotz der Killerkommandos aufhält. Zu sehen ist auch Andrij Jermak, der Leiter des Präsidentenbüros: „Alle zwei Tage gibt es Informationen, dass ich irgendwo aus der Ukraine, aus Kiew, aus dem Büro geflohen bin. Wie Sie sehen, bin ich hier vor Ort.“

Kurz danach wurde am späteren Abend eine weitere Videobotschaft veröffentlicht mit einem offiziellen Auftritt, wie immer seit Beginn des Kriegs mit T-Shirt, also nicht als Politiker, sondern als eine Art Kämpfer. Man habe neun Tage des Bösen überstanden, sagte er dem „Volk von absoluter moralischer Führung“. Der heroische Kampf der Ukrainer werde in die europäische Geschichte eingehen. Die Ukrainer seien vereint, sie jagen und schlagen den Gegner. Die Ukrainer seien „die Kämpfer des Lichts“.

Gestern entschieden die Nato-Staaten auf einer außerordentlichen Sitzung, keine Flugverbotszone einzurichten. Generalksekretär Stoltenberg versicherte, die Nato unterstütze die Ukraine, sei aber keine Kriegspartei. Und: „Die Nato sucht keinen Krieg mit Russland.“ Gefragt nach der Flugsverbotzone sagte er: „Wir haben als Nato-Bündnispartner die Verantwortung, eine Eskalation dieses Krieges über die Ukraine hinaus zu verhindern. Denn das wäre noch gefährlicher, noch verheerender und würde noch mehr menschliches Leid verursachen. Deshalb haben wir deutlich gemacht, dass wir nicht in die Ukraine einmarschieren werden, weder am Boden noch im ukrainischen Luftraum. Und natürlich ist die einzige Möglichkeit, eine Flugverbotszone durchzusetzen, die Entsendung von Nato-Flugzeugen, von Kampfflugzeugen in den ukrainischen Luftraum und dann die Durchsetzung dieser Flugverbotszone durch den Abschuss russischer Flugzeuge. Und unsere Einschätzung ist, dass wir die Verzweiflung verstehen. Aber wir glauben auch, dass wir damit etwas erreichen würden, das in einem ausgewachsenen Krieg in Europa enden könnte, in den noch viel mehr Länder verwickelt wären und der viel mehr menschliches Leid verursachen würde.“

Vor allem warf Selenskij der Nato vor, der Forderung nach einer Flugverbotszone nicht nachgekommen zu sein. Man habe ein „Narrativ“ geschaffen, dass die Schließung des Himmels Russland provozieren würde, die Nato anzugreifen. Das sei eine „Selbsthypnose“ letztlich der Feigen. Man habe nur geschafft, ein bisschen Diesel ins Land zu bringen, vielleicht um das Budapester Memorandum zu verbrennen, das aber schon längst verbrannt sei. Die Flugverbotszone abzulehnen, habe Russland das grüne Licht gegeben, die ukrainischen Städte und Dörfer weiter zu bombardieren. „Ich weiß nicht, wen Sie schützen können und ob Sie Ihre Länder schützen können – die Länder der Allianz. Sie werden uns nicht mit Litern Benzin für Liter unseres vergossenen Blutes für unser gemeinsames Europa, für unsere gemeinsame Freiheit, für unsere gemeinsame Zukunft bezahlen können!“ Es gebe aber auch Freunde unter den Nato-Staaten, die die Ukraine unterstützen, versicherte er, um nicht allzu beleidigend zu sein. Am Schluss verlieh er noch Orden an die „Helden“.

Zuvor hatte er in einer anderen Ansprache die Europäer aufgefordert, auf die Straßen zu gehen, um Solidarität mit der Ukraine zu zeigen: „Wenn die Ukraine fällt, wird ganz Europa fallen. Und wenn wir gewinnen – und ich vertraue auf unser Volk, da bin ich mir sicher – wird es ein großer Sieg der Demokratie, der Werte, des Sieges der Freiheit sein. Dann werden die Momente der Stille in Jahre des Wohlstands umschlagen. Europa, seid so stark wie die Menschen in der Ukraine. Ruhm der Ukraine!“

Mit der Moral ist es ein wenig schwierig, wenn angebliche Plünderer mit Plastikbahnen an Laternenpfähle gebunden und geschlagen werden, was an den Islamischen Staat erinnert. Aber auch wenn gefangene russische Soldaten vorgeführt oder wenn solche menschenverachtende Bilder propagiert werden:

Mit der Bildbeschreibung: „Das Kochbuch für gesunde Menschen.“

Auch Außenminister Kuleba versuchte, die Nato unter Druck zu setzen. Die Ukrainer seien enttäuscht über das Versagen der Nato, ein starkes Verteidigungsbündnis zu sein. Die Nato müsse für das Schicksal von Millionen Menschen die Verantwortung übernehmen. Sie müsse handeln, bevor die Ukraine ein zweites Syrien werde.

Gut möglich, dass die ukrainische Führung mit dem Versuch, die Nato oder einzelne Nato-Staaten in den Krieg mit Russland hineinzuziehen und diesen damit, wie Stoltenberg warnte, auf Europa zu erweitern oder gar einen Atomkrieg auszulösen, allmählich den Bogen überspannt. Die Frage wird auch sein, wie lange die ukrainische Führung bei andauernden Kämpfen die Ukrainer siegesgewiss halten kann, während gleichzeitig Hunderttausende und Millionen das Land verlassen. Und wie lange wird die ukrainische Führung noch die Solidarität der Menschen in Europa halten können, wenn sie die europäischen Regierungen der Feigheit bezichtigt und das manichäische Bild der heroischen und guten Ukrainer gegen die bösen Russen malt. Sollten Millionen Ukrainer in die EU flüchten, manche sprechen von 10 Millionen, könnte schnell die Solidarität in Abwehr umschlagen, wie das auch 2015 der Fall war.

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3 Kommentare

  1. Ein Eingreifen der NATO wurde schon am Beginn der Konfrontation von den USA ausgeschlossen. Dass der ukrainische Bauer auf dem geopolitischen Schlachtfeld allein da stehen wurde, war eingepreist. Der Schaden für alle unmittelbar und mittelbar Beteiligten wird auch so groß genug sein.

    Dazu nur die Informationen, dass auf vielen Seeschiffen russische und ukrainische Seeleute angeheuert haben, manchmal auch in gemischten Mannschaften. Das könnte sich zum Problem auswachsen, nicht nur die Energielieferungen (Erdgas, Erdöl und Steinkohle) für Europa.
    Gleiches gilt für Nahrungsmittel. Russland liefert nicht bloß Dünger, sondern ist gemeinsam mit der Ukraine ein grosser Getreidelieferant. Demnächst müsste die Aussaat stattfinden, so man im Herbst ernten will. Aber wird das in der Ukraine noch gehen, insbesondere wenn der Krieg, auch wegen westlicher Waffenlieferungen, sich hinzieht?
    Der Ladenbesitzer hier vor Ort hat bereits davon gesprochen, dass, wenn die beiden Chargen, die er sich noch zum aktuellen Preis sichern konnte, verkauft sind, die nächsten Lieferungen ca. 50% teurer werden.

  2. Hallo Herr Rötzer.

    Im Satz unter dem Bild ist Herr S. das Subjekt der Handlung, soweit meine zugegeben unterirdischen rhetorischen Kenntnisse hergeben.

    In gewisser Weise sind sein Name nur durch “ Komma “ und das Wort “ der “ von dem Wort “ angeblich “ getrennt.

    Wollen Sie damit auch sinnhaft die “ Angeblichkeit “ eines Killerkommandos auf der Suche nach ihm, “ ihm zur Last “ legen ?

    Im Sinne eines Korrekturlesens würd ich heute noch die “ Angeblichkeit“ aus dem Text streichen.

    1. mh, ich sehe keinen Fehler. „Angeblich“ bezieht sich auf Behauptungen, er würde von Killerkommandos verfolgt. Das man so sein, ich kann das nicht nachprüfen, daher angeblich …

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