Deutschland will den Krieg – warum eigentlich?

Charles MIchel, Präsident des Europäischen Rats, mit Bundeskanzler Olaf Scholzbeim informellen Treffen  in Prag, bei dem es um die Krieg in der Ukraine und die ökonomische Situation ging. Bild: European Union

Deutschlands offizielle Antwort besteht in der Zurückweisung der Frage. Mit der Benennung der Sache – „Putins grausamer Angriffskrieg“ – ist die Sache fertig: Wo DAS BÖSE zuschlägt, können DIE GUTEN nicht abseits stehen. Für eine aufgeklärte Öffentlichkeit, die „einfache Antworten“ überhaupt nicht leiden kann, langt das. Nicht nur als Antwort, sondern für ein demonstratives, gerne aggressives Unverständnis, wie jemand da noch Fragen haben kann.

 

Der Standpunkt, der damit an die Stelle einer Antwort tritt, enthält einen moralischen Überschuss, der über den Krieg, den und wie Deutschland ihn will und führen lässt, deutlich hinausgeht: Man hat Moral genug für noch viel mehr davon. Man ist sich Angstfreiheit schuldig in der Atomkriegsfrage. Praktisch – und praktischerweise – natürlich auf Kosten der Ukraine bzw. ihrer Bewohner. Auf deren Kosten sind die Strack-Zimmermanns der Nation für so viel Krieg, dass die nationale Berechnung der Regierung bei ihrer antirussischen Kompromisslosigkeit glatt den Charakter der Zurückhaltung annimmt.

Man ist nicht nur für den Krieg; man ist für mehr Krieg und weiß dafür sogar so etwas wie einen Grund: Man muss die Eskalation, die Putin unterstellt wird – nach der Ukraine käme das Baltikum an die Reihe –, mit einer umso drastischeren eigenen Eskalation – Sieg in der Ukraine bis zu einer kompletten russischen Niederlage – überholen, damit sie erst gar nicht stattfinden kann. Wirklicher Krieg gegen ein geglaubtes Feindbild: Dazu sind Moralisten allzeit bereit; und wenn sie die Macht haben und sich verpflichtet sehen, über Leichen zu gehen, dann tun sie das auch.

Bleibt gleichwohl die Frage: Warum? Wozu? Welchen nationalen Zweck, welche Staatsräson verfolgt Deutschland mit dem Krieg, den es will?

Es gibt Kritiker oder Skeptiker, aufseiten der Linken und unter erschrockenen ostdeutschen Friedensfreunden, die halten sich gar nicht erst mit dieser Frage auf. Die glauben mit der Kraft ihres guten Herzens und ihres zutiefst konstruktiven Gewissens an eine Mission der deutschen Nation, die etwas viel Schöneres als die tatsächlich praktizierte antirussische Generallinie gebieten würde: Kampf nur gegen Putin, nicht gegen die Russen, und das ohne zusätzliche deutsche Waffen, mit Verhandlungen, mit friedlichen Protesten gegen jede Eskalation jeder Seite, mit UNO, Papst und so weiter.

Moralisch gesehen ist dieser Standpunkt auch nicht schlechter als der amtliche; und verrückter als die Idee, die russische Atommacht mit Leopard-Panzern in die Knie zu zwingen und dabei unbeschädigt davonzukommen, sind die Gegenvorstellungen von einer Besänftigung des Krieges durch deutsche Vermittlungsangebote auch nicht. Im Unterschied zu den Idealen der Kriegstreiberei fallen solche Pazifismen aber unter das Verdikt „weltfremd“, das jeden Gesinnungsethiker ins Abseits stellt. Was wieder auf die Frage zurückführt: Welche weltkundige, realistische Räson steckt denn in Deutschlands Willen zum Krieg?

Die Kritik von rechts ist mit ihrer Antwort genauso schnell fertig: Keine. Jedenfalls keine deutsche. Vielmehr eine US-amerikanische. Also, was Deutschland angeht, eine Anti-Räson der Unterwerfung. Mit linker Skepsis gegen kriegerische Militanz überhaupt ist das nicht zu verwechseln. Die rechte Absage – oder besser: der Vorbehalt ist, auch wenn er im Bezug auf Amerika positiv ausgedrückt wird, nichts weiter als eine Fehlanzeige: nicht unser Krieg. Man möchte gar nicht wissen, wie ein Krieg fürs deutsche „Wir“ auszusehen hätte.

Offen bleibt auf jeden Fall auch da die Frage – und auch wieder: weil sie gar nicht erst gestellt wird –: Welches nationale Interesse steckt denn in dem einhelligen Ja! – und dem nicht ganz so einhelligen „bitte mehr davon!“ – zu dem Krieg, den die Nation, verbindlich regiert und repräsentiert durch Koalition und Hauptoppositionspartei, tatsächlich will?

 

Die Frage lässt sich ein wenig eingrenzen und zuspitzen: Eine Existenzfrage wie für die wirklich verblutenden Kriegsparteien vor Ort – eine Schlächterei für Russlands Status als respektierte europäische und Welt-Macht bzw. für eine autonome ukrainische Staatsmacht – liegt für Deutschland nicht vor. Die Zeitenwende, die die Regierung mit ihrer Beteiligung am Krieg gegen Russland – mit Waffen für die Ukraine, per Wirtschaft direkt auf eigene Rechnung – seit Jahresanfang betreibt, ist nicht aus Existenznot geboren. Sie ist ein Projekt, allerdings eines von höchstem Rang, das durchaus die Staatsräson der Nation betrifft, ihren Auftritt und ihren Rang in der Staatenwelt: Immerhin lässt sie sich die Sache mehrere zwölfstellige Euro-Beträge kosten. Sie besteht mit allem Nachdruck darauf, dass in der neu angebrochenen, gewendeten Zeit nichts mehr so ist wie zuvor. Und nichts deutet darauf hin, dass sie bzw. die nationale Vereinsleitung das schade fände. Im Gegenteil. Voller Verachtung verabschiedet werden die Zeiten, in denen Deutschland mit der Großmacht Russland angeblich entgegenkommend und viel zu nachgiebig umgegangen ist und der cisatlantischen Seite der NATO sträflich wenig Führung geboten hat, militärisch so gut wie gar keine. Das muss anders werden.

Der Grund für diesen Fortschritt liegt nicht im Krieg in der Ukraine. Der folgt aus dem großen Imperativ, den noch alle bundesdeutschen Nachkriegsregierungen aus ihrem selbstkritischen Urteil abgeleitet haben: Ihr Deutschland ist zu klein. Es genügt dem Anspruch nicht, den diese Nation an die Welt zu stellen hat. Die Angliederung der einstigen DDR, auf die – Stichwort „Wiedervereinigung“ – sich dieser Standpunkt die ersten Jahrzehnte hindurch ausdrücklich bezogen hat, hat die Diagnose nicht hinfällig gemacht. Gemäß der Logik, dass die Ansprüche staatlicher Macht mit ihren Erfolgen wachsen, sind sie fordernder geworden. Qualitativ und quantitativ muss aus Deutschland mehr werden, als es jeweils schon ist.

Europa – erst der Westen des Kontinents, dann nach und nach wenigstens alles westlich der russischen Grenze – ist der Raum, mit dem Deutschland als Markt, was nichts Geringeres bedeutet als: als Quelle seiner ökonomischen und politischen Macht, als Reservoir dafür verfügbarer menschlicher und gegenständlicher Ressourcen kalkulieren dürfen muss und rechnen können will. Sein kapitalistisch potenter Reichtum ist das Instrument geworden, diesen Raum zum eigenen Nutzen in Gebrauch zu nehmen. Selbstbeschränkung hat Deutschland sich damit überhaupt nicht auferlegt; an Rücksichtnahme auf seine immer weiter ausgedehnte Nachbarschaft nur so viel, wie zu deren immer weitergehender Inanspruchnahme nötig und nützlich erschien und erscheint.

Es hat damit eine ökonomische Übermacht in Europa erreicht, die ihm in den sich häufenden Krisenlagen eine Politik der unbegrenzten Zahlungsfähigkeit – „Wumms“ und „Doppel-Wumms“ in der regierungsamtlichen sozialdemokratischen Kindersprache – erlaubt; eine Politik, mit der die Nation, durchaus auf Kosten ihrer weniger potenten Partner, nicht bloß den Finanzmärkten der Welt Eindruck macht. Sie hat damit das Programm der Merkel-Politik wahr gemacht, insgesamt aus jeder Krise stärker hervorzugehen, als sie hineingegangen ist.

Mit diesen Erfolgen hat Deutschland sich in Europa und mit Europa einen Status verschafft, bei dem es – schon seit längerem – mit „bloß“ ökonomischer Übermacht nicht mehr getan ist. Aus seiner Europäischen Union vernimmt es den Ruf – unabhängig davon, wer wie sehr tatsächlich danach ruft –, überhaupt und vor allem auch in Fragen militärischer Gewalt viel viel mehr zu tun; zum Schutz nämlich seines ökonomisch in Dienst genommenen, politisch nach Kräften bevormundeten Umfelds; Schutz vor wem oder was auch immer, vor der russischen Bedrohung auf alle Fälle.

Vorbuchstabiert wird das gerne so: Deutschland soll mehr Lasten tragen, i.e. mehr Verantwortung übernehmen, i.e. mehr Führung im europäischen Staatenverbund praktizieren; also strategisch handeln, i.e. darauf hinwirken, dass aus der Union eine weltpolitisch wirklich zurechnungsfähige, strategisch bestimmende, in der Perspektive eine richtige Welt-Macht wird; ein Riese auch auf dem Gebiet der strategischen Abschreckung auf dem Niveau, das Deutschland und sein Europa in Sachen Geld und Kapitalmacht längst erreicht haben. Dass eindeutige deutsche Führung und Einigung der souveränen Partner unter einem solchen Regime einander widersprechen – auch die deutsche Seite bringt beides schlecht unter einen Hut, fürchtet im Gesamtverbund um ihren nationalen Vorrang –, gehört zur deutschen Räson quantitativer und qualitativer Selbstvergrößerung dazu. Aber wieso sollte der deutsche Imperialismus auch der weltweit einzige ohne Widerspruch sein?!

Für einen echten Fortschritt in diesem Sinn ist der Ukraine-Krieg eine Gelegenheit und mehr als das. Bestellt hat Berlin sich diesen Krieg nicht. Aber nachdem es ihn gibt, macht Berlin daraus die Zeitenwende. Es nimmt ihn als Auftrag, wieder wie in jeder Krise, jetzt aber in denkbar drastischer Weise mit der Mission voranzukommen, die der Bundesrepublik mit ihrem selbstkritischen Befund, zu klein zu sein, von Beginn an als ihre Staatsräson einbeschrieben ist.

Wenn es schon so ist – wie die Regierung nicht müde wird zu beteuern –, dass „Putins Angriffskrieg“ die europäische und weltweite Friedensordnung zerstört und gegen die Einigung Europas gerichtet ist, dann sind die Deutschen ganz anders als bisher herausgefordert, als Macher Europas und Hüter dessen, was in Europa und weltweit Friedensordnung heißt, durchzugreifen. Dann kommt Europas stärkstes Mitglied ganz einfach nicht darum herum, mit seinem Regime über den Kontinent viel mehr als bisher Ernst zu machen. Dafür, in dem Sinn ist der Ukraine-Krieg für Deutschlands strategische Statur eine Chance, die es nicht auslassen kann – so wenig wie Kohl selig seinerzeit den Gorbatschowschen „Mantel der Geschichte“.

Nebenbei: Es passt zur nationalen Notwendigkeit dieses Fortschritts, dass nicht die Kerntruppe aus einstigen Revanchisten und deren christlich-militaristischen Erben ihn vollführen darf, sondern die Ampel-Koalition mit ihrem Traditionsbestand aus sozialdemokratischer Ostpolitik und grüner Friedensliebe sich zu ihm berufen sieht. Indem sie sich so explizit von ihrer Vergangenheit distanzieren und patriotischen Größenwahn als Pflichtaufgabe vorführen, legen die Wahlsieger praktisch Zeugnis davon ab, dass ihr Kampf um den Status Deutschlands als Europas antirussische Führungsmacht zu der deutschen Staatsräson gehört: Sie machen die, moralisch beseelt, zu ihrer Regierungssache.

Das jedenfalls leistet der Ukraine-Krieg für Deutschland: Er provoziert den nächsten großen Schritt zu der Größe, die der Nation zusteht. Wann, wenn nicht jetzt? Darum will Deutschland diesen Krieg.

 

Dieser Artikel ist zuerst auf GegenStandpunkt.com als Vorabveröffentlichung aus der Zeitschrift GegenStandpunkt 4-22 erschienen.

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55 Kommentare

  1. Dass „Deutschland“ zur Hegemonie in Europa und darüber hinaus zu einer „grösseren Rolle in der Welt“ strebt, trifft gewiss zu, ebenso, dass die Proponenten dieser Rolle in der gesamten nationalen Front von CDU bis Linkspartei vereint sind, und die AfD vom Katzentisch aus durchaus die Vorstellung teilt.

    Das beantwortet aber die Frage nicht, warum sie das mit Mitteln tun, die den Zweck frustrieren. Die bisherige Hegemonie der BRD in der EU beruhte auf einer hochindustrialisierten Exportökonomie, die ganz fundamental auf Rohstoff- und Energieimporte aus Russland und Waren- und Kapitalexport nach China gestützt war. Die aggressive Exportökonomie betrieb dabei ein rabiates „beggar thy neighbour“ mit den EU-„Partnerländern“, die es sich in Produktionsketten unterordnete, „vertikal integrierte“.

    Mit dem Krieg tritt sich dieses Hegemoniemodell die Standbeine weg. Die Zerstörung der Energieversorgung trifft den Kern der deutschen Industrie, wie stark, muss sich zeigen. Aber von einer „Rolle als antirussische Führungsmacht“ können bestenfalls Rheinmetall und Heckler und Koch herunterbeissen. Und die Schwächung betrifft ganz West- und EU-Europa, einschliesslich UK.

    Für eine „starke deutsche Rolle“ ist der Russlandkrieg das schlechteste Mittel, da werden selbst die schrillsten und hysterischsten Schreier wie Baerbock von Mazowiecki und den Schranzen der baltischen Nazi-Shitholes und der Naziukraine mühelos übertönt, und erscheinen als Getriebene eher denn als Führungsmacht. Auch die von Nationalisten bejammerte „Zahlmeister“-Rolle lässt sich mit schwindenden Einnahmen und explodierenden Schulden („Sondervermögen“) nicht nachhaltig fortsetzen.

    Sicher ist „schuld sind die USA“ oder „die USA profitieren“, wie die AfD jammert, nicht adäquat, und zumindest zu grossen Teilen an der Sache vorbei. Profitieren tut die transatlantische Neoconfraktion, während auch die US-Industrien ausser den extraktiven schweren Schaden durch Inflation und Sanktionsamok nehmen.

    Wirkliche Antworten zur Interessenlage habe ich auch nicht. „Aber wieso sollte der deutsche Imperialismus auch der weltweit einzige ohne Widerspruch sein?!“ ist griffig und entschuldigt eine schwache Analyse, die vielleicht auch der unklaren Situation und Interessenkonstellation geschuldet sein mag. Aber Peter Decker hat schon Konsistenteres und Überzeugenderes geschrieben.

    1. In der Tat eine schwache und noch dazu verschwurbelte Analyse. Der Standpunkt des Autors muss mit der Lupe gefunden werden. Wie hier:
      „Der Grund für diesen Fortschritt liegt nicht im Krieg in der Ukraine. Der folgt aus dem großen Imperativ, den noch alle bundesdeutschen Nachkriegsregierungen aus ihrem selbstkritischen Urteil abgeleitet haben: Ihr Deutschland ist zu klein. Es genügt dem Anspruch nicht, den diese Nation an die Welt zu stellen hat“

      „Ihr Deutschland ist zu klein“ hatten wir schon mal, vor 100 Jahren, und hieß damals „Volk ohne Raum“. Hier eine Diskontinuität der Nachkriegsregierungen zu unterstellen, ist schlicht ahistorisch und extrem verfälschend. Und auch heute geht es um die Rohstoffe. Der Schritt des transatlantischen Hegemons, Deutschland von fast allen Rohstoffquellen abzuschneiden, und nun einfach abzuwarten, bis „Volk ohne Raum“ wieder laut gesagt wird und vor allem: „das müssen wir jetzt aber korrigieren, und zwar im Bündnis mit unseren europäischen Partnern, die in der gleichen besch… Situation stecken“ – so werden Weltkriege produziert.
      Und von Decker werden die Vorbereitungen mit viel Schwurbelei zugedeckt.

      1. „Und auch heute geht es um die Rohstoffe.“

        Nimms bitte ernst und nicht als Affront, wenn ich sage, daß mir solch störrisches Beharren auf Erkenntnissen und Weisheiten gegen alle Tat-Sachen unbegreiflich ist. Schon erst recht, wenn zwei Sätze später ein Dementi folgt, das nur ja nichts am Ausgangspunkt ändern soll:

        “ .. nun einfach abzuwarten, bis „Volk ohne Raum“ wieder laut gesagt wird und vor allem: „das müssen wir jetzt aber korrigieren, und zwar im Bündnis mit unseren europäischen Partnern, die in der gleichen besch… Situation stecken“ – so werden Weltkriege produziert.“

        Also gehts nich um Rohstoffe. Sowas nennt man „kognitive Dissonanz“, und auch das meine ich nicht beleidigend, sonst würd ich mir die Mühe nich machen, vielmehr als Aufforderung an Dich, zu ermitteln, an welcher Stelle genau in Deiner Gedankenführung dies Auseinanderfallen hockt. Das kannst ja nur Du selbst, und ich wäre gespannt auf die Antwort.

        Ansonsten will ich die allgemeinste Antwort geben: Auch im WK2 ging es um „Raum“ und „Rohstoffe“ genau so, daß es um sie nicht ging, sondern um eine gründliche Veränderung in der Gewichtung der Agenturen des Weltmarktes. Das sind die metropolitären kapitalistischen Staatswesen. Die Nazis machten daraus auf ideologischer Ebene fälschlich einen nationalen Krieg, und die Briten legten sie am End auf dies Selbstvernichtungsprogramm fest, indem sie die angebotene und vorübergehend angenommene Paktiererei gegen Russland aufkündigten.
        Mit der aktuellen Lage hat das, anders, als der fake- Decker uns das nebenher weis machen will, rein gar nichts zu tun.

        1. Geht „Raum ohne Rohstoffe“ oder auch „Rohstoffe ohne Raum“? Auch für Hitler war die „Germanisierung des Ostens“ ja nur die Methode der Wahl zur Rohstoffsicherung nach Eroberung, die Superiorität des Germanentums nur die Krücke, um das Kanonenfutter bei Laune und Motivation zu halten. Hast Du irgendeine Idee oder ein Konzept dazu, das ohne die nun zerstörten Konzepte von nichtkriegerischer Ausplünderung (Jelzinisierung), friedlichem Handel oder friedlicher Integration a la EU auskommt? Ich habe keine Möglichkeit so etwas zu denken, für mich sind der geopolitische Raum und seine Rohstoffe nicht zu trennen. Liegts an meiner zu kleinen Denke?

          1. Quatsch, nicht „zu klein“. Eher ein Element von „fixer Idee“ (sowas befällt mich unentwegt, ich hab es beständig abzuwehren, bzw. in Kontext zu überführen)
            Du weißt doch mit Sicherheit, daß Roh- und Hilfsstoffe nur Dreck sind, wenn sie nicht verarbeitet werden, und daß „Raum“ in kapitalistischer Umgebung eine reine Last für Territorialherren ist, wenn nicht Leute drauf hocken, aus deren Leben Geld zu schneiden ist, und mehr als ein Geld, nämlich Überschussquoten.

            Es wäre ein erster Schritt weg von der „fixen Idee“, Dir Rechenschaft zu legen, wo solche Quoten auf der Grundlage russischer Roh- bis Halbfertigprodukte vorzugsweise anfallen. Das sind Deutschland, China und die Türkei. Mit einer Sondererwähnung des Iran (weil vom Weltmarkt erheblich abgeknipst).
            Jetzt wirst Du vielleicht sagen: Ja, eben, es geht darum, besonders China den Zugang zu entziehen.
            Aber das kann nicht stimmen, denn in der aktuellen Kriegsphase ist das Gegenteil der Fall, und wenn die RF zerfallen würde, wäre es das erst recht. „Der Westen“ könnte das nur verhindern, wenn er den Russlandkrieg nach einem solchen Erfolg unmittelbar, gleichsam „organisch“ in einen Krieg IN Russland mit allen regionalen Interessenten, China voran überleitete. Ist das der Plan, Chinas Volksarmee auf russischem Territorium zu konfrontieren?
            Nein, ist es nicht.

            1. Dieses Forum ist so voller wunderbarer Texte und Gedanken, daß ich schwer beeindruckt bin, wie so etwas heutzutage noch möglich ist. Deine zähle ich dazu – Denkanstöße und Querverweise in Fülle. Danke.
              Zu den Rohstoffen: betrifft Komplexität des Wirtschaftssystems. Vergleiche ich gern mit einem relativ simplen Ausschnitt aus der Biologie, pflanzliches Leben. Grundessenzen dafür sind Licht, Wasser, Kohlendioxid, Sauerstoff, mineralische Verbindunge, Spurenelemente (in Mikro- und Nanomengen).
              Welches davon kann man vernachlässigen? Die selbstverständlichen, wie Licht und Wasser? Die Kleinstmengen von Spurenelementen? Klar, keines. Der Wegfall nur eines einzigen Ingredients macht pflanzliches Leben unmöglich, tritt nur ein einziges in Mangelmenge auf, ist dies der begrenzende Faktor für den pflanzlichen Ertrag.
              Und so ist es ja auch mit den Rohstoffen, unverzichtbares Element eines funktionierenden komplexen Wirtschaftssystems. Sind sie der Mangelfaktor, gibt es keine Höchsterträge – oder sogar gar keine. Wir erleben es gerade, die Überschussquoten verdampfen.
              Chinas Überschussquoten beruhen ganz wesentlich auf freier Rohstoffzufuhr. Wird an diesem Schlauch (oder mehreren dieser Zufuhrkanäle) ein Drosselventil angelegt, läuft die chinesische Wirtschaft blau an. Der einzige Zufuhrweg, durch welchen ein nicht von amerikanischen Militärstützpunkten spürbar kontrollierbarer Transport erfolgen kann, wären die Landverbindungen. Daher weise ich gern auf die symbiotische Kopplung von China und Russland hin, Rücken an Rücken steuert der eine Raum und Rohstoffe bei, der andere Arbeitskräfte, Technologien und Märkte. Als Bonmot habe ich seit Jahren gern mal meine Prophezeiung zur Beendigung des 3. Weltkriegs angeführt: mit dem Friedensvertrag zwischen Paris und Peking, der im chinesischen Hauptquartier Unter den Linden, Berlin, unterzeichnet wird. Aber Du hast natürlich Recht: das steht gegenwärtig nicht an. Gegenwärtig laufen „nur“ die Vorbereitungen, momentan der Wirtschaftskrieg gegen China, Russland und die EU. Und China tut ja allerhand, um es nicht so weit kommen zu lassen, wie auf dem Parteitag dort gerade zu hören war.

              Und noch ein Gedanke zum aktuellen Wirtschaftskrieg: Biden hat ja zum Ausdruck gebracht, was von systemerhaltenden Kreisen in den Staaten gefordert wird: MAGA. Zurückholen von Realwirtschaft in die Staaten, um das Machtsystem des Finanzkapitals, das vor allem auf Rüstungsindustrie und Militär basiert, aufrechterhalten zu können. Lustigerweise BluFrisbee hat mir dazu eine weitere Facette beschert, durch seinen Hinweis auf den Artikel von Rügemer zu Black Rock (weiter unten im Forum). Da muss einem klar werden, wer hierzulande die wirtschaftliche Macht erobert hat, als größter Aktionär in fast allen DAX-Konzernen. Wenn also hinterm großen Teich beschlossen wird, nicht nur die Gewinne aus den DAX-Konzernen (und anderen…) hinüberzuholen, sondern gleich den ganzen Wertschöpfungsapparat dieser Konzerne inklusive Technologien und Arbeitsplätzen, dann dürften die mit ihren Eigentumsanteilen auch die Möglichkeiten dafür haben. Natürlich flankiert von anderen „Umständen“ wie hohen Energiekosten und wegbrechenden Rohstoffquellen und Absatzmärkten in östlicher Richtung. Und bis jetzt ist für mich noch nicht klar sichtbar, ob der transatlantische Hegemon das nur als Drohkulisse zur Erpressung von noch mehr Gehorsam und Schutzgeld benutzen wird, oder ob es in den Staaten ernsthaft so dringend diese Industrien braucht, daß sie Ernst machen werden. Anzeichen gibt es.
              Passt schon gut zusammen.
              Habe leider erst jetzt gesehen, daß dieser Kommentar in irgendeiner digitalen Mausefalle hängen geblieben war, schicke ihn aber trotzdem noch ab, vielleicht kommt es ja doch an.

      2. Na ich weiß nicht. Diese Führungsrolle ist doch eher eine Erwartung der USA und sie passt gar nicht zu dem wirtschaftlichen Niedergang den Deutschland aufgrund deutlich steigender Energiekosten zu erwarten hat. Seitens der USA ist es wahrscheinlich, dass man der deutschen Regierung am ehesten befehlen kann, nach WK II. Mit der Handelsmacht Deutschland sieht es doch gar nicht so gut aus: in die osteuropäischen Länder wurde bisher die Arbeit verlagert und wer von deren Einwohnern besser verdienen wollte, der arbeitete in Deutschland, lebte zwar mies, wenn er den Schritt nicht ganz gehen wollte, aber es kam immerhin Geld herein. Gekauft hat Osteuropa etwas, aber die Märkte für die deutsche Automobilindustrie lagen zuletzt in China. Und von von China will man uns ja auch lösen. Bleiben die USA – wenn überhaupt, und Europa. Das reicht nicht. Die Industrie wird dahin gehen, wo sie billiger produziert, sie wird Deutschland verlassen. Deutschland ist dann ein Durchfahrtsland.

        Warum die deutschen Parteien und die verführte Gesellschaft so begeistert ist für die Ziele der USA ist mir unbegreiflich. Propaganda wirkt, wie sie 1933 ff. auch gewirkt hat. Rational ist das nicht.

    2. aquadraht schreibt:
      Aber Peter Decker hat schon Konsistenteres und Überzeugenderes geschrieben.

      Also, ich kann seinem Beitrag durchaus zustimmen. Zunächst einmal seiner Kritik an den sonst so veröffentlichten kritischen Wortmeldungen an der deutschen Beteiligung an diesem Krieg, an denen ich mich in ähnlicher Weise störe.

      Aber auch an seinem Versuch, die Motivation unserer Machthaber an der immer weitergehenden Beteiligung an diesem Krieg zu ergründen.

      Reine US-Hörigkeit zu konstatieren ist mir da nämlich auch ein wenig zu billig. Es muss Gründe geben, die in der deutschen Interessenlage zu finden sind.

      Da möchte ich einerseits Sabine Schulz mit ihrem Beitrag 16. Oktober 2022 um 14:22 Uhr unterstützen, der auf Gründe verweist, warum die deutsche Industrie nicht die Kriegspolitik der Regierung kritisiert, sondern „nur“ um Staatshilfe nachsucht. Es ist ja wirklich so, dass Deutschland nicht nur politisch abhängig ist von den USA (und sich nicht im Geringsten mehr dagegen zur Wehr setzt), sondern wir sind auch ökonomisch abhängig von der USA-dominierten Welt, auch wenn China da inzwischen als ziemlich großer Klotz dazwischen klemmt.

      Aber Peter Decker ist ja nun auch nicht der einzige, der nach weiteren Gründen für die Kriegsbegeisterung der deutschen Machthaber sucht. Die übrigens völlig zu Unrecht in der Öffentlichkeit kleingeredet wird, dazu gibt es eine informative interaktive Grafik beim Tagesspiegel. Da findet man auch andere Autoren (z.B. Konicz, Kronauer).

      Diese Kriegsbegeisterung mitsamt der damit einhergehenden US-Hörigkeit sollte man schon auch zu erklären versuchen, indem man Vorteile sucht, die sich unsere Machthaber davon versprechen. Da finde ich Deckers Formulierung „ihr Deutschland ist zu klein“ schon ganz treffend.
      Das ist sicher nicht territorial zu verstehen, sondern machtpolitisch. Man will mehr Einfluss auf internationaler Bühne, das ist doch auch nichts Neues: Die 100 Mrd. „Sondervermögen“ (Extraschulden) für die Bundeswehr wurden doch ausdrücklich so begründet, dass man militärisch in Europa eine Führungsrolle anstrebe.

      Habecks „dienende Führungsrolle“ sagt genau dasselbe aus. Man muss den Leuten nur zuhören. Auch in den MSM ist doch schon seit Jahren zu lesen, dass Deutschland sich zu klein mache, also sein Einfluss auf der Welt nicht zu seiner Wirtschaftskraft angemessen sei.

      An einer Stelle möchte ich Decker widersprechen, oder vielleicht auch nur für mehr Klarheit sorgen. Er schreibt:
      Für einen echten Fortschritt in diesem Sinn ist der Ukraine-Krieg eine Gelegenheit und mehr als das. Bestellt hat Berlin sich diesen Krieg nicht. Aber nachdem es ihn gibt, macht Berlin daraus die Zeitenwende.

      Das liest sich so, als sei diese Gelegenheit sozusagen „über uns gekommen“. Das ist ja nun offenkundig nicht so. Diese 100 Mrd. „Sondervermögen“ (Einfachwumms) für die Bundeswehr mitsamt der Zeitenwende hat der Herr Bundeskanzler am zweiten Tag nach dem russischen Einmarsch scholz stolz verkündet.

      Scholz und seine Mannen und Männinen sollen innerhalb von zwei Tagen ein solches Projekt ersonnen haben? Nee, das ist nicht vorstellbar, und inzwischen wurde doch auch schon irgendwo bestätigt, dass die Pläne dazu schon länger in irgendwelchen Schubladen lagen. Auch verweise ich wieder einmal darauf, dass die allwissenden US-Geheimdienste den Einmarsch der Russen in die Ukraine im Vorfeld terminiert hatten. Als der doofe Putin nicht wie gewünscht am 16. Feb. loslegte, hat man die Bombardierung der Separatistengebiete derart verstärkt, dass er schließlich musste. Nichts davon ist zufällig oder auf die Willkür der russischen Regierung zurückzuführen. Decker schreibt völlig richtig, dass es sich um ein Projekt handelt. Inwieweit die deutschen Machthaber hier Einfluss hatten, sei dahingestellt (vermutlich wenig), aber sie wussten Bescheid, waren vorbereitet und ziehen nun ihr Ding durch. Das Ding heißt „Machtzuwachs“.

      Übrigens, was hat Deutschland eigentlich im Pazifik verloren? So ganz nebenbei engagieren „wir“ uns da ja inzwischen auch verstärkt, gegen China, einen Handelspartner ungleich größer und wichtiger als Russland. Da wollen wir die Anrainer auch nicht alleine handeln lassen, offenbar ist auch dieser Kuchen zu groß, um ihn anderen zu überlassen.

      Decker hat schon Recht, Deutschland will sich „vergrößern“, nicht territorial (die Zeit der Kolonisation ist vorbei), sondern hinsichtlich seiner Macht und seines Einflusses in der Welt.

    3. Wenn es stimmt, dass die russische Seite nicht nur der Ukraine sondern der gesamten Nato-Strategie (Eindämmung russischer Sonderpositionen hinsichtlich US-geregelter Weltordnung)ein klares Stoppschild vor die Nase gehalten hat, dann heisst das für die Nato-Alliierten entweder klein beigeben oder dagegenhalten. Erster Punkt scheidet schon deshalb aus, da die Nato ein gegen Russland gerichtetes Militärbündnis ist und seit jeher die Eindämmung und Kontrolle des Ostblocks respektive der Überreste davon in unterschiedlicher Intensität verfolgt. Beim Dagegenhalten gibt es den kleinen Vorbehalt, dass die Feindseite beim Nato-Einmarsch den dritten Weltkrieg erklären könnte, also gleich das große Besteck rausholt. Unterhalb dieser Schwelle allerdings sah und sieht das Nato-Oberkommando samt den beteiligten Staaten eine große Bandbreite an Möglichkeiten, den Krieg voranzutreiben und mit ökonomischen Sanktionen so zu flankieren, dass das historische Ziel einer Filettierung Russlands und das Zurückstutzen auf eine unbedeutende Regionalmacht zumindest nicht ganz aussichtslos erscheint. Diese machtpolitischen Kalkulationen, die sich aus dem Aufeinanderprallen einer ehemaligen Supermacht und einer amtierenden Supermacht mit samt der einsortierten Partnerstaaten ergeben, bilden die Grundlage für die nationalen Interessenlage. Und man kann nicht sagen, dass der Nato-Standpunkt in Europa auf wenig Gegenliebe stößt. Sie machen alle mit.

      1. Hi Uwe F.,
        „Sie machen alle mit.“ oder eher die Bürger der EU müssen alle mitmachen, weil alle Parteien so durchdrungen sind, dass sie die gleiche pro-us Politik machen.
        Habe mich heute bei Hornbach mit einem Verkäufer über Braunkohlebriketts unterhalten. Eigentlich ein Artikel den es in den letzten Jahren immer zu relativ vernünftiges Geld gab. Lieferungen sind für die Händler nicht kalkulierbar, weil es nur noch ein Brikettwerk „Rekord“ in der Lausitz gibt. Aber die können auf Grund der Nachfrage von Rohbraunkohle zur Stromerzeugung nicht ausreichend Braunkohlebriketts produzieren. Die Deutsche Wirtschaft ist auf diese Krise nicht vorbereitet.
        Die Wirtschaft und die Bürger werden durch dieses mitmachen aller europäischen Regierungen klassisch kaputt gemacht. Die Industrie kann es sich leisten im nächsten Jahr auszuwandern, alle Bürger aber nicht.
        Zurück gestutzt wird also Europa und das um mindestens 50 Jahre. Ohne danach eine Perspektive der schnellen Verbesserung zu haben. Russland wird mit den wachsenden BRICS, SOZ, OPEC und den befreundeten Staaten in Afrika sowie Mittel- und Südamerika sich wirtschaftlich neu ausrichten und seinen Weg weiter gehen. Ein auf Rubelbasis geführter Krieg ist für die RF lange möglich. Ob nach der nächsten Wahlschlappe der Demokraten die neuen Politiker der Republikaner ganz neue, andere Ideen umsetzen werden, ist nicht ganz unwahrscheinlich. Denn ein paar wichtige Ziele hat die USA erreicht, wie Russland und Deutschland/EU zu trennen, den EURO als Reservewährung kaputt zu machen ud damit den Dollar zu stärken, teures Fragginggas an die EU zu verkaufen.
        Und das die Ukraine nur das Bauernopfer ist, ist normal, wenn man sich mit der USA einläßt.

        1. einverstanden. Sie machen natürlich nicht alle mit, siehe schon hier das Forum und andere Leute, die Argumente und Überlegungen ranbackern, die doch die offiziele Meinungsbildung gehörig auseinandernehmen.

          Das Mitmachen beziehe ich auf die maßgeblichen Entscheider und eine Mehrheit der Bevölkerung, die den Moralismus eines Angriffskriegs (nämlich der Angreifer ist der Böse) wie Öl schlucken und nichts anderes wissen wollen, wie und wann das Böse endlich liquidiert wird. Warum ist längst beantwortet (weil Böse).

          Mit der US-Hörigkeit der deutschen Politiker ist natürlich nicht deren Interessenlage erklärt. Die Untertanenrolle im Nato-Verbund hat ja seinerseits wieder Gründe, die was mit dem WK2-Ergebnis, dem Frontstaaten-Dasein im Kalten Krieg und dem ökonomischen Aufbauprogramm samt Ostpolitik zu tun hat. Was jetzt dazugekommen ist, ist eine RF, die sich gegen die Zumutungen einer fortgeschriebenen machtpolitischen Feindschaft wehrt (und der Ansicht ist, das auch mit einigermaßen gesichertem Erfolg hinkriegt). Diese Abwehr zu brechen, dafür sind alle Weststaaten angetreten. Das können sie erfolgreich nur durch eine militärische Aufrüstung. Und das tun sie. Allen voran D, das ja hemmungslos seine Kreditkarte zieht und aufrüsten will, solange der Geldautomat das hergibt. Der Zeitpunkt, wann die Regierung ihre Zahlungsfähigkeit einbüßt, ist noch nicht gekommen. Rezession, Finanzkrise, Eurokrise, Lockdownkrise – alles schon dagewesen, aber der Nationalkredit ist noch nicht außer Kraft gesetzt. Vielleicht schaffen es ja die Russen, aber das steht in den Sternen.

          1. Hi Uwe F,

            „Vielleicht schaffen es ja die Russen, aber das steht in den Sternen.“

            Der Russe alleine schafft das nicht. Aber schaue dir seine Allianzen an und die letzten Erfolge BRICS, SOZ, OPEC, die Staatengruppe rund um das Kaspische Meeer und viele andere Staaten wollen in diese Gruppen mit rein, wie die Türkei, Iran, Saudi-Arabien, VAE, Pakistan, Bolivien, Mexiko, Nigeria, Indonesien und andere. Hinzu kommt, dass die SOZ und BRICS sehr weit schon sind jeweils eine eigene Weltaufbaubank allen willigen Ländern abseits des Dollars zur Verfügung zu stellen. Viele dieser Länder bauen gerade ein Zahlsystem ihrer Währungen auf. Angedacht ist ein Währungspool mehrerer starker Staaten und ausgerichtet an Rohstoffen. Weg vom Dollar, was viele Länder schon seit ein paar Jahren machen (RF keine Dollarreserven, China hat seine US-Papiere von 1,3 Billionen auf 900 Milliarden § reduziert, andere Länder stoßen gerade ab, die US-Notenbank hat trotz hoher Zinsen große Probleme neue US-Anleihen am Markt zu plazieren).

            Dieser Umbau des Dollarmarktes zerstört die USA, deshalb muss es auch behutsam gemacht werden. Deshalb beobachten 75% der Welt, diesen Konflikt ganz genau. Eins wissen sie schon, der Euro ist tot. Damit hat sich der Dollar etwas Luft wieder verschafft. Aber sollte die USA die Ukraine fallen lassen, werden weltweit der Ausverkauf der US-Anleihen sich verstärken. Das führt zu einer Dollarentwertung und einer hohen Inflation in der USA. Damit ist langfristig die Finanzierung des Militärhaushaltes nicht mehr gesichert, was einen ganz schlimmen Krieg oder den Zusammenbruch der jetzigen USA bedeutet.

            Was die russ.Regierung mit Putin und Lawrow in den letzten Jahrzehnt außenpolitisch geleistet haben, ist großartig und ein wichtiger Faktor für ihre Siegeschance.

  2. Da bei diesem Thema immer wieder die Frage aufkommt, warum die deutschen Industrie-Eliten offenbar bereit sind, all die Nachteile der inzwischen völlig US-hörigen deutschen Außenpolitik in Kauf zu nehmen (Wegfall zuverlässig günstiger Energielieferung aus Russland, Einschränkung sonstiger Handelsbeziehungen,…):
    Dazu möchte ich nochmals auf den Artikel „The Winner Takes It All“ in „Russia in Global Affairs“ hinweisen, der einleuchtende Erklärungen bietet.

    Außerdem sollte berücksichtigt werden, wie Export-abhängig die deutsche Industrie ist und wohin sie am meisten exportiert.
    Dazu wird hier gern auf China verwiesen, doch die USA und ihre eifrigsten Diener wie UK, Polen usw. sind in ihrer Summe ein ungleich größerer und lukrativerer Exportmarkt für die hochpreisigen deutschen Produkte.
    (s. Statistiken zu Gesamtexport, Automobilexport usw. nach Ländern)
    Und die deutschen Industrie-Eliten wissen genau, wie böse der „Große Bruder“ werden kann (s. Abgas-Skandal, BNP Paribas, Nord Stream 2,…), wenn man nicht spurt….. also verhält man sich lieber devot und hofft auf spätere Chancen zu mehr „Souveränität“, wenn die USA geschwächt sind.
    Ob diese Rechnung letztendlich aufgeht, wird vom Verlauf und Ausgang der Hybridkriegs USA-Russland abhängen.
    Vermutlich wurde Russlands Resilienz in jeder Hinsicht unterschätzt.
    Ich befürchte, D wird als Industriestandort massiv einbrechen und den Anschluss an das Asiatische Zeitalter verlieren.

    1. „Bestellt hat Berlin sich diesen Krieg nicht.“
      Wie kommt denn der Autor Peter Decker auf die leicht zu wiederlegende These.
      1. Maidanproteste; Polen, Frankreich und Deutschland mit Steinmeier haben mit Janukowytsch eine Vereinbarung zu einer friedlichen Abdankung und Neuwahlen getroffen, 2 Tage später war diese Vereinbarung durch den Putsch hinfällig – diente nur um einen Putsch durchzuführen
      2. MINSK2 von Frankreich, Polen und Deutschland als Garantiemächte bei der Ukraine mit den beiden Volksrepubliken Lugansk und Donezk und Russland als Garantiemacht mit der berühmten „Steinmeierformel“ (genaue Reihenfolge muss eingehalten werden) wurde geschlossen – diente nur um eine vollständige Niederlage der Ukraine zu verhindern, die ukr. Armee neu aufzubauen, auszurüsten und zu trainieren, für einen Krieg gegen RF (Krim) und die Donbasrepubliken – dies ist die Aussage von Poroschenko 2022
      3.Beispiel: Assoziatierungsvertrag EU-Ukraine, welcher Russland stark benachteiligte
      4. Deutschland hat nie gegen die Russendiskreminierungsgesetzgebung Protest oder Maßnahmen ergriffen
      5. Deutschland hat die Nazi-Bandera-Kultur geduldet, geleugnet oder klein geredet
      6. Deutschland hat sich nicht als Garantieland bei den Verhandlungen im Dezember 2021 angeboten (z.B. mit Frankreich), dass die Ukraine nie NATO-Mitglied wird, weil sie dies mit ihr Veto verhindern
      7. Deutschland hat das Sanktionspaket schon lange vor dem Krieg mit vorbereitet
      8. Deutschland hat nicht gegen die mögliche atomare Neubewaffnung durch die Ukraine protestiert, als Selensky dies auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2022 angekündigt hatte.

      Dies sind alles eindeutige Handlungen der deutschen Regierung, wo dieser Konflikt mit Russland vorbereitet wurde. Denn die Übernahme der Ukraine in die NATO war/ ist für die RF die „rote Linie“, was Deutschland wusste.
      Berlin hat nicht Nein gesagt, als die USA diesen Krieg anleierte (provozierte). Deshalb hat das politisch handelnde deutsche Personal seit gut 8 Jahren diesen Krieg im Sinne von Brezsynski und Friedman bestellt.

      Und einen wirklich guten Text, ohne so viel herumeierei wie bei Herrn Decker kann man hier nachlesen:
      „Verhandlungslösung – Alternativlos!“ von Wolfgang Herzberg (jüdischer Heimkehrer, DDR-Bürger, kritische Stimme in allen Systemen)

      Dieser, sein Text ist eingebetet in einem Artikel von Rainer Rupp über W.Herzberg. Sein Text ist das Sahnehäubchen des Rupp-Artikels:

      https://weltexpress.info/eine-juedische-stimme-der-vernunft-gegen-hasardeure-der-ampel/

      “ …
      Was für eine irrationale, antidemokratische, autoritäre Herrenmenschen-Ideologie wäre es, wenn angeblich nur die westliche Welt das Grundrezept für eine humane Zukunft der gesamten Erde in den Händen hielte, um sie dann auch noch mit kriegerischen Mitteln durchzusetzen? Wie kann es sein, dass in einer so unendlich diversen Welt es nur einen kriegerischen Ausweg aus der Gefährdung unserer gesamten Schöpfung geben sollte und nicht eine, gerade durch die UN-Charta vorgezeichnete, friedliche und föderale Koexistenz vieler Meinungen und verschiedener gesellschaftlicher Systeme, die sich in Zukunft befruchten, dadurch verwandeln und annähern könnten? …“

    1. Supi!

      Im verlinkten Artikel wird der GegenStandpunkt erst einmal tüchtig niedergemacht durch die Erzählung unbelegter oller Kamellen, auf dieser Basis der Autor des dort erstveröffentlichten Artikels, über den wir hier diskutieren, ohne auch nur das geringste Argument diffamiert, um dann auch noch folgendes unter sich zu lassen:
      „Ich weiss (sic)nicht, wie es heute um den “Gegenstandpunkt”-Verlag bestellt ist. Herr Decker scheint jedenfalls alt genug, als wenn er damals schon dabei war.“

      So geht Diffamierung seitens eines „liberalen Demokraten“, wie sich der Autor Martin Böttger selbst bezichtigt – ein FDP-Mitglied, das für die Grünen arbeitet (passt! 😈).

      Keine Befassung mit dem Text, nichts, keine einzige Silbe! Nur Diffamierung des Autors, den Herr Böttger nicht einmal kennt, wie aus seinem Text hervorgeht, durch obskure Herabsetzung des Verlags, für den der arbeitet.

      Gibt es bei Overton so was wie eine Blacklist? Ich wüsste da einen Kandidaten dafür.

  3. Interessant, wie viele geschätzte Autoren heute hier wie früher auf Telepolis veröffentlichen, dort seit einiger Zeit nicht mehr oder weniger.
    Tja, der Journalismus kann eben nicht aus seiner Haut, er hat soziale Wurzeln im Kapitalismus und ist vor allem Geschäft. Das geht immer vor Katastrophe.
    Auf jeden Fall kann Telepolis dann sagen, wir haben dem westlichen Kapitalismus, USA, EU, NATO aber ein bisschen Mitschuld gegeben, wenn dann noch jemand da ist.

    1. Eine kapialismus-kritische Plattform müsste in der Lage sein, rote Linien zu bestimmen, deren Überschreitung höhere Kosten für das Gesamt-Kapital bereithält, als es der Zuwachs von Einzel-Kapitalen (bei großem Risiko) verspricht.
      Imperialismus kann auch im relativen Selbstmord enden. Vor allem kann er unmittelbar existenzielle Basen tangieren und zerstören. Das begreift ein Plusmacherhirn zwar nicht unmittelbar, dem es um den relativen Vorteil bei der Erringung von Zahlungsmitteln geht, aber die Folgen werden auch relative Gewinner zu tragen haben, wenn die Geschäftsmodelle aufgrund von Statikproblemen beim Rentabilitätskalkül einbrechen.

    2. „Interessant, wie viele geschätzte Autoren heute hier wie früher auf Telepolis veröffentlichen, dort seit einiger Zeit nicht mehr oder weniger.“

      Tja, ich vermute mal, dass mit der Ablösung von Rötzer und der Einführung von Neuber bei TP ein „neues Zeitalter“ angebrochen wurde. Nicht nur, dass ehemalige Autoren gemobbt wurden – die Moderatorenmeute wurde immer aggressiver und hat TP inzwischen quasi von allen Kritikern der offiziellen Regierungsmeinung „befreit“.

      Übrigens; schön, dich hier wiederzusehen. Und Grüße auch an aquadraht!

  4. Tja, wer jetzt von „Putins grausamem Angriffskrieg“ spricht, aber bei den Überfällen auf Afghanistan, auf Syrien, den Irak und Libyen (um nur ein paar der letzten zu nennen) das Maul gehalten hat, ist eben nur als Beispiel eines eingefleischten Heuchlers interessant. Ansonsten bedarf er/sie keiner Erwähnung. Viel stärker interessiert bei diesem Personenkreis die Frage, mit wie vielen & welchen Lügen er/sie an die Macht gekommen ist. Und natürlich, welchen Schaden sie den Völkern zufügen, wie sie dafür haftbar gemacht werden können.

  5. Es ist bezeichnend, daß der Vorgängerartikel hier nicht verlinkt ist:
    https://overton-magazin.de/krass-konkret/deutschland-will-den-krieg/
    … denn die beiden „Teile“ haben so gut wie nichts gemein, schon gar nicht (das nur nebenbei bemerkt) stammen sie aus derselben Feder.
    Im ersten Teil lesen wir:

    „Das Einzige, was aus der allseits beschworenen Unvermeidbarkeit des Krieges wirklich folgt, ist die staatsfeindliche Einsicht: Sie werden schon recht haben. Mit ihrem Krieg folgen sie einem Gebot ihrer Staatsräson. Will sagen: Politische Herrschaft ist ohne einen in ihrer Räson, ihrem Daseinszweck enthaltenen Grund, für ihre Selbstbehauptung auf der eigenen wie vor allem auf der feindlichen Seite über Leichen zu gehen, nicht zu haben.“

    „Selbstbehauptung politischer Herrschaft“! Aber worin besteht die?
    Auch darauf gab es im letzten Teil zwei Antworten, wenngleich sehr allgemeine:

    „Dem russischen Staat wird die gewohnte Koexistenz aufgekündigt. Umgekehrt geht Deutschland davon aus, dass eine entsprechende Kündigung von russischer Seite nicht erfolgt, und schon gar kein praktischer Übergriff, der mit dem deutschen Bekenntnis zu dem laufenden Krieg als unserer Sache wirklich kriegerisch Ernst machen würde. Das funktioniert, einstweilen. Den Widerspruch einer einseitigen Aufkündigung des friedlichen Zusammenlebens, die man Putin vorwirft und selber praktiziert, kann Deutschland sich nur deswegen leisten, weil – und solange, wie – Russland gegen Deutschland nicht das wahr macht, was man seinem Präsidenten vorwirft: Beendigung des Friedenszustands. Also weil und solange Putin an dem Standpunkt einer auf die Ukraine beschränkten „militärischen Spezialoperation“ festhält, der ihm gerade aus Berlin als pure Heuchelei angekreidet wird. In Wahrheit ist der die Geschäftsgrundlage des deutschen Kriegswillens„.

    Also die Geschäftsgrundlage der Sachwalter des „deutschen Kriegswillens“. Mit anderen Worten: Die Option der deutschen Regierung und ihrer Gefolgschaft, den Russlandkrieg der NATO zum Auftrag und zur Chance im Rahmen nationaler Selbstbehauptung zu nehmen, hat eine Schranke, über die nicht sie gebietet, sondern andere. Die Schranke in den Worten meines damaligen Kommentars:

    “ … daß die deutsche Staatsmacht (und ihre Gefolgschaft) alles, was sie derzeit hat und kommandiert, auf die Abschreckungsmacht der NATO verwettet. Auf Abschreckung, nicht Sieg, denn ein Sieg kann von „Deutschland“, seiner Staatsraison und Souveränität schwerlich viel übrig lassen, auch nicht, wenn auf seinem Territorium keine Nuklearwaffen fallen.“

    Im Original las sich das allerdings ein wenig anders:

    „Als NATO-Macht denkt und plant Deutschland in einem ganz anderen Sinn über den gewollten Erfolg im Ukraine-Krieg hinaus.“

    Hoi, „als NATO-Macht“? Was ist denn Deutschland für eine „NATO-Macht“, abgesehen davon, daß der Russlandkrieg von deutschem Boden aus geführt wird, von Ramstein und Wiesbaden?
    Ich kann die Frage hier unmöglich beantworten, aber das brauche ich auch nicht, denn jeder Nachrichtenkonsument weiß (und soll wissen), daß in der Eskalationsgeschichte nicht die Bundesregierung die NATO vor sich hertreibt (obwohl Bärböckchen das gern anders hätte), sondern umgekehrt, und daß nicht Scholz Befehle an die Flinten-Uschi ergehen läßt, sondern umgekehrt. Alles fake? Okay, aber das hieße dann, daß an dem Text unter dem Titel „Deutschland will den Krieg“ kein Wort wahr wäre!

    Ich will jetzt den Abschnitt 6 des Artikels nicht unerwähnt lassen, in dem Ansätze zu einem Übergang zum vorliegenden Artikel stehen, dies:

    „Nach sieben Monaten Krieg steht den zuständigen Kriegspolitikern die Option vor Augen, Russlands Militärmacht auf der Ebene der konventionellen Kriegsführung auf Dauer auszuschalten. Für sie ist es kein Größenwahn, sondern eine erreichbare Zielvorgabe, aus Deutschland in absehbarer Zeit eine Führungsmacht des europäischen Pfeilers der NATO zu machen“.

    Man beachte das Subjekt, „zuständige Kriegspolitiker“, und den Zweck, „eine Führungsmacht … der Nato werden“. Wir halten fest, Deutschland ist keine Führungsmacht. Sie kann es auch nicht werden, davor stehen die Konkurrenten, nebst der Unmöglichkeit für „Deutschland“, sich das unverzichtbare Mittel eines solchen „Aufstieges“ zu verschaffen – selbständige Verfügung über ultimate Waffen. Deshalb ist die zitierte Aussage nicht unbedingt falsch, aber sie ist auch nicht wahr – sie ist eine falsche Abstraktion

    Jetzt schaut bitte, wie der vorliegende Artikel über den letzten drüber bügelt, wobei ich mich auf zwei Punkte beschränke:

    „Der Grund für diesen Fortschritt liegt nicht im Krieg in der Ukraine. Der folgt aus dem großen Imperativ, den noch alle bundesdeutschen Nachkriegsregierungen aus ihrem selbstkritischen Urteil abgeleitet haben: Ihr Deutschland ist zu klein. Es genügt dem Anspruch nicht, den diese Nation an die Welt zu stellen hat.“

    Er wird noch allgemeiner, noch abstrakter, nämlich genau auf die Weise, die den Gegenstand hinter sich läßt. Das ist jetzt nicht mehr eine aktuelle „deutsche Staatsraison“, auch nicht die „vergangene Staatsraison“, welche die politische Klasse einer „Zeitenwende“ opfert, schon gar nicht sind es ein oder mehrere Gründe für diesen Übergang, sondern … deutscher Patriotismus. Ideologie pur, „Größe“ in der Gestalt eines abstrakten Behälters beliebiger nationaler Ambitionen, wie – beispielsweise – Erhaltung und Förderung des Wagner-Zirkus in Bayreuth auch.
    Und bescheidene Nachfragen wegen eventueller Widersprüche und Inkonsistenzen im vorliegenden Text, die ich aus Platzgründen nicht erwähne, und eventuelle Erinnerungen an den voran gegangenen, bescheidet man vorab unterm Summenstrich:

    „Dass eindeutige deutsche Führung und Einigung der souveränen Partner unter einem solchen Regime einander widersprechen – auch die deutsche Seite bringt beides schlecht unter einen Hut, fürchtet im Gesamtverbund um ihren nationalen Vorrang –, gehört zur deutschen Räson quantitativer und qualitativer Selbstvergrößerung dazu. Aber wieso sollte der deutsche Imperialismus auch der weltweit einzige ohne Widerspruch sein?!“

    Diese intellektuelle Korruption ist, ich will es hier nicht stecken lassen, widerwärtig.

    Was bleibt unterm Strich? Nichts. Der Artikel ist indiskutabel und in der Sache gegenstandslos. Sein realer Gegenstand ist eine unzureichende Dekonstruktion der Stilistik regierungsamtlich verordneten und beförderten Patriotismus in der „Zeitenwende“, deren Inhalt (der der Zeitenwende), deren Substanz außen vor bleibt, und diese beizuziehen, dafür kann TomGard, bitteschön, nicht einspringen, vere? Hier schon gar nicht.

    PS.: An die US-Fanboys (besonders den paradoxen Flügel derselben):
    Auch wenn es die reine Wahrheit wäre, was ihr euch so denkt und zurecht legt, wenn die Bundesregierung auf irgend eine Weise unter direktem Befehl der Oberteufel stünde (wer immer das sei), so geböte ein Restbestand intellektueller Redlichkeit, zu erwägen, daß sie Recht haben könnte, daß es „irgendwie“ keine Alternative zum Gehorsam im Sinne eines „nationalen Wohls“ gebe.
    Und wenn ihr dabei an den Libyenkrieg, an die NATO-Schleusung von Flüchtlingsmassen, an die Anschläge von Paris und Brüssel, an das Verschwinden von MH370 und den Abschuß von MH17, das Hijacking des „Euro-Maidan“ durch Nuland, Ashton, Sikorski, an den „shift“ der EU-Staatsraison durch Hexenkralle (aka „Novichok“) denkt, an die Angst Merkels, auf einer ukrainischen Militärparade abgeschossen zu werden, und was es dergleichen mehr gibt, liegt ihr ja nicht ganz verkehrt.
    Aber denkt bitte daran, wenn es so wäre, dann müßte sich die Regierung pi mal Daumen genau so aufstellen, wie sie es tuteuretwegen. Aus Rücksicht auf euren Staatsidealismus und paradoxen Patriotismus.

  6. Deckers Fragestellung und Analyse ist beizupflichten. Der feuchte Traum der deutschen Revanchisten ist die Inanspruchnahme der EU als Vehikel einer diesmal benevolenten deutschen Vormachtsstellung, Hegemonie in Europa. Um diesem Ziel näher zu kommen erscheint der russische Angriff auf die Ukraine als glücklicher, okkasionalistisch auszunutzender Anlass. Eine ökonomische Schwächung und Verstärkung der Abhängigkeit von den usa nimmt man als vorübergehende, angesichts des manifesten inneren Zerfalls des (kaum) Noch-Hegemons in Kauf.

    Den in imperialistischen Gedankengängen geübten Briten war das deutsche Lauern auf die gute Gelegenheit schon lange bewusst, vermutlich ein Hauptgrund für den Brexit. Nun wird wie früher wieder von aussen versucht, die Übermacht einer einzelnen kontinentalen Macht zu verhindern. Eine Achse Britannien, Polen, Baltikum, Ukraine ist im Entstehen. Besonders Polen eignet sich, viel besser noch als Frankreich, als Antagonist zu Deutschland.

    Korrekt ist an dieser Weltsicht, dass längst die Zeit des Kontinentalismus angebrochen ist, in der nur kontinentale Konglomerate oder riesige Flächenstaaten eine Chance haben, den Gang der Dinge zu bestimmen. Falsch die latente Selbstüberschätzung, die sich in einer immer ausgeprägteren Realitätsferne der Berichterstattung zum aktuellen Konflikt und Vorgängen in weiteren Brennpunkten in westlichen, aber speziell auch deutschen Medien ausdrückt. Und dann ist da noch ein Faktor, den die Macht-Broker in aller Welt ganz offensichtlich nicht auf dem Schirm haben – den stark zunehmenden Einfluss auf die Ereignisse der sich nicht mehr nur anbahnenden, sondern bereits im vollen Gang befindlichen ökologischen Katastrophe.

    1. Der Kommentar geschieht dem fake-Decker recht.
      Der Grund oder die Gründe für den Kriegswillen der Mächtigen sind … feuchte Träume. Gratuliere zu diesem bahnbrechenden Durchbruch. Ich fände es köstlich, wenn du Bärböckchen von Angesicht vorrechnen könntest, sie sei eine „Revanchistin“.
      Zur Sache habe ich nur beizutragen: Du irrst. Diese Leute haben keine „feuchten Träume“, einfach deshalb nicht, weil sie von morgens bis abends wichsen. Allerdings, denke ich, auf andere Vorlagen, als du sie hier in den Raum stellst …

  7. Das ist alles schön gut was hier so geschrieben wurde. Die unumstößliche Tatsche ist das ist die Bedingungslose Kapitulation im Mai 1945 war. Diese Kapitulation ist aller Regierungen die es jemals in Deutschland gewählt wurden wurden ihr politisches Schicksal. Jeder Antrittsbesuch in Hauptstadt der VSA ist ein Kotau vor den US-Präsidenten der dort Herrscht. Den wird offensichtlich klar wer in Deutschland das sagen hat. Das können das Land und andere Politikern lamentieren wie sie möchten gemacht wird das in Washington gesagt wird. Wie jeder in Deutschland sehen kann steht selbst die Energieversorgung von Deutschland und ihren Anrainerstaaten sogar zur Disposition. Deutschland ist nicht nur Vasal sondern der Knecht der VSA. Siehe die Vielzahl US-Stützpunkten die nur aus einen Besatzungsrecht Resultieren das Staatsrechtlich nie abgeschafft wurde. Das ist allen Regierungen vor der Wende und allen vor allem Regieren nach der Wende vorzuwerfen das es niemals solchen Verhandlungen angestrebt wurden. Verhandlungen zur Echten und Tatsächlichen Souveränität von Deutschland hätte auch ganz Europa ein Vorteil gehabt. Aber lieber hat man über Abhörskandale sich echauffiert. Anstatt Nägel mit Köpfen zu machen. Das ist das Dilemma das wir in Europa haben. Deutschland ist weiterhin die Geisel von VSA in Europa. Ein Staat der die Stärkste Wirtschaftliche Potenz hat und Politische Führer hat die man gut und gerne als zum Teil ungelernte Hanswürste*innen bezeichnen kann. Ein Bundestag voller überbezahlten Selbstdarstellern das jeder Jahrmarkt da vor verblasst. Die arbeitende Bevölkerung muss tatenlos zusehen wie Volksvermögen sinnlos über Grenzen geschafft wird und auf nimmer wiedersehen verschwindet. Während im Lande die gesamte Infrastruktur verrottet und kurz vor den Zusammenbruch ist. Wieder ist es so das nachfolgende Generationen in Deutschland die den ganzen Zinnober der Hier und Heute ausgeheckt wird von diesen Generationen ausgebadet wenn muss. Während sich andere die Taschen vollstopfen auf Kosten des Landes. Wenn ich mir ganz Europa ansehe und besonders auf Deutschland und mir die europäische Idee anschaue, was daraus geworden ist. Hat sich das zu ein Korruptives Gebilde entwickelt, dass ohne chance auf Besserung nur ein versenken von Millionen und Milliarden. Bei dieser Betrachtung fallen mir leider nur die Worte ein, die mal Max Liebermann sagte. Wir sind im Grunde ohne Hoffnung auf Besserung.
    Patriotismus ist Zwiespältiges Wort und gefährliches Wort mit dem viel Unheil angerichtet wurde. Ich mag es nicht.

  8. Wenn Deutschland die Puste ausgeht, und zwar mehr als den europäischen Nachbarn, wird es wohl mit der Führungsrolle nichts werden. Vielleicht ist das ja Teil des Planes.

    1. apropos Führungsrolle 🙂
      die Polen haben nicht nur Reparationen verlangt, sie haben auch die wirtschaftliche Vormachtstellung der deutschen Wirtschaft angeprangert. Die Nachbarn werden eine aktive politische Führungsrolle verhindern. Viel zu tief sitzt das Ressentiment gegen Deutschland. Vieleicht wird es dem Oberpolen reichen, wenn die BRD, im Zeichen eines Goodwill, z.B. die Lausitz an Polen abtritt? Man weiß es nicht^^ (Sarkasmus)
      Den Anspruch auf Führung in der Nato hat grundsätzlich alleine die USA. Unter deren Regime werden
      die Britten oder auch die Polen entscheiden wer mit wem ein Händel anfängt. Gründe gibts da immer.

      Wo bleibt die vielbeschworene Solidarität bei den NATO Mitgliedern?

      Die Norwegen verdienen sich am Gas „Dumm und Dabbich“, Die Polen verlangen moderne Panzer im Austausch für veraltetes Gerät. Die Niederländer wollen oder müssen ihr Fracking einstellen. Frankreich wird nur gegen Strom liefern. Die USA wird uns überhaupt nicht mehr beliefern bzw. wenn dann zu einem Vielfachen Preis. Gleichzeitig werden die Polen mit russischem Gas aus der BRD zu günstigen Konditionen beliefert.

      Warum in aller Welt kaufen wir direkt oder über Brüssel eine Scheinsolidarität? Sobald kein Geld mehr fließt bzw. der Mammon nichts mehr wert ist könnte es ein böses Erwachen geben.

  9. Je kleiner Deutschland – desto zahlreicher die Psychopathen!

    1022 – vor tausend Jahren:
    Heribert wird dritter Fürstbischof von Eichstätt als Nachfolger des im Vorjahr verstorbenen Walther.
    Nach dem Tod Bernwards am 20. November wird Godehard durch Kaiser Heinrich II. zum Bischof von Hildesheim berufen.
    Heinrich II. war unter anderem von 1014 – 1024 römisch-deutscher Kaiser.

  10. „Europa ist ein Garten. Wir haben diesen Garten angelegt. Alles darin funktioniert. Es ist die beste Kombination aus politischer Freiheit, wirtschaftlichem Wohlstand und sozialem Zusammenhalt, die die Menschheit je erreicht hat“ Nein, das ist nicht etwa Montesquieu, Diderot oder Rousseau, die den Kontinent aus ihrem 18. Jahrhundert heraus betrachteten, einem Jahrhundert der Aufklärung, und für die ein solches, an Naivität grenzendes Pathos verzeihlich war.

    Nein, dies ist ein Zitat von Josep Borrell, dem Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik.

    Jeder Satz in dem Auszug balanciert am Rande des Wunschdenkens (um nicht als vulgäre Lüge bezeichnet zu werden: es gibt keine politischen Freiheiten als solche, der wirtschaftliche Wohlstand hat sich verflüchtigt, und was den sozialen Zusammenhalt betrifft sollten diejenigen gefragt werden, die in ethnischen Ghettos leben, aus denen sie kaum oder gar nicht entkommen können).

    Doch der Chef der paneuropäischen Diplomatie beließ es nicht dabei.

    Er fuhr fort: Der Rest der Welt sei kein Garten, sondern ein Dschungel. Und der Dschungel könnte sich den Garten mit Gewalt nehmen. (…) Aber der Bau von Mauern kann nicht die Antwort auf die Bedrohung durch den Dschungel sein, auch wenn wir diese Gefahr nicht ignorieren können. Wir müssen selbst in den Dschungel gehen.

    Es reicht nicht aus, dass die EU einen Stellvertreterkrieg mit Russland führt. Ihr neuer Gegner ist der Rest der Welt, welches mit dem europäischen Wertesystem, mit der europäischen Lebensweise, mit dem europäischen System, das seine Vorstellungen von dem, was das Gute und was das Böse sei auch durch Erpressung durchsetzt – nicht einverstanden ist.

    Wenn dieses unverhohlene Auspacken nicht ausreicht, um die strategischen und taktischen Absichten der heutigen Entscheidungsträger in Brüssel zu verstehen, hier also weiter das Geschwätz von demselben Borrell. Vor dem europäischen Chefdiplomaten saßen seine Untergebenen – die Botschafter, welche die EU in den Hauptstädten der Welt vertreten. Der Chef der EU-Außenpolitik lüftete das Geheimnis seines gut gepflegten „europäischen Gartens“.

    Die Quellen unseres Wohlstands sind billige russische Energie, die wir im Rahmen der bestehenden Verträge immer bekommen haben. (…) Und auch der Zugang zum riesigen chinesischen Markt, zum Export und Import. Um die Produktion dorthin zu verlagern, um in die chinesische Wirtschaft zu investieren und um billige Waren zu erhalten. Und es waren die chinesischen Arbeiter, die kleine Löhne für ihre Arbeit erhielten, die uns geholfen haben, die Inflation viele Jahre lang in Schach und niedrig zu halten, nicht die Zentralbanken der europäischen Länder.

    Die Masken, die Handschuhe, das „Bitte, bitte“ und das „Nur nach Ihnen“ werden heute von einem vereinten Europa abgeworfen.

    Es gibt also diesen Ort, schön wie ein leuchtendes Schloss auf einem Hügel, oder, na ja, wie ein gepflegter Garten, und dann gibt es den Dschungel, also die „Reiche des Bösen“.

    Groß, klein, sehr einflussreich, gerade so einflussreich, nicht ganz einflussreich. Und so kommen aufgeklärte Europäer in diesen Teil der Welt, bewaffnet mit Thesen aus Voltaires Candide (die von Borrell verwendete Paraphrase über den Garten stammt definitiv daraus), und auch mit Waffen, und auch mit Erpressungs- und Einschüchterungsmethoden (wer sehen will, wie das geht, braucht nur Belgrad zu fragen), und versuchen zu drohen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

    Und warum Drohungen und Erpressung? Weil durch die jahrhundertelange Kultivierung des „politischen Gartens Europa“, haben weder die Staatschefs der europäischen Länder, noch die Bewohner dieser Länder jemals gelernt, jemand Anderen als gleichwertig zu betrachten.

    Auch was Beziehung zu Amerikanern angeht, ist dieses „Bündnis“ trotz aller Erklärungen und Beteuerungen aufrichtiger Liebe im Großen und Ganzen eher eine Zweckehe wenn nicht gar eine erzwungene Ehe.

    Die Beziehung ist wie eine (sehr) ungleiche Ehe, in der europäische Schönheit und andere Tugenden im Tausch gegen militärische Sicherheit verschenkt wurden. Um selbst kein oder nur wenig Geld für den Unterhalt von Armeen auszugeben und um unter dem Schutz und der Sicherheit eines anderen zu schlüpfen, einschließlich des nuklearen Schutzschirms.

    „Ich bin ein Mädchen, und ich will gehalten werden“, sagte das vereinte Europa früher, als es aus dem naiven Russland Ressourcen „absaugen“ musste. Russland, welches Öl und Gas förderte und förderte und auch die europäische Industrie kontinuierlich mit anderen natürlichen Ressourcen und anderen Mineralien versorgte – egal, ob der Kalte Krieg herrschte, ob Sanktionen verhängt wurden.

    „Ich bin ein Mädchen, ich habe Gärtner angeheuert, sie haben mir einen Garten geschenkt, aber ich will immer noch gehalten werden“, sagt das „vereinigte Europa“ von heute. Und deshalb muss das vereinte Europa, sich gegen den „bösen Dschungel“ verteidigen. Mit anderen Worten: Sie (das vereinte Europa), auch wenn sie schäbig (an manchen Stellen sogar ziemlich schäbig) aussieht, auch wenn ihre Schönheit, ähem, verblasst ist, ihr Hals schon lange schlaff ist, die Falten da sind, tief und selbst durch einen starken Laser nicht mehr zu beheben sind, muss sie dennoch gepflegt werden.

    Genauso wie Patrizier*innen einst unterhaltsbedürftig waren, solange sie von der Plebs gepflegt und versorgt wurden. Genauso wie später der europäische Adel Unterhalt brauchte, für den sich der europäische Pöbel den Rücken krümmte.

    Die Aufeinanderfolge von Revolutionen, die Vermischung der sozialen Schichten, die proklamierte Zerstörung der Klassenschranken haben nur die Zahl derer vergrößert, die verlangen, sich versorgen zu lassen, ohne jemals in den Spiegel geschaut zu haben.

    Die Europäer erkennen natürlich die Brüderlichkeit und sogar die Gleichheit an. Und das ist im Allgemeinen ihr wichtigstes Motto. Aber sie sind fest davon überzeugt, dass es Menschen gibt, die gleich sind. Und diejenigen, die noch gleicher sind. Und Jene, die gleicher sind, sind die „wahren Europäer“.

    Dies ist ein guter Zeitpunkt, um Folgendes zu sagen.

    Liebe Liebhaberinnen und Liebhaber eines gepflegten Gartens, welcher verschrumpelt und stellenweise sogar vertrocknet ist, Sie leben (schon seit geraumer Zeit) in einer Welt, in der sich die Werte, die Sie als etwas wirklich Wichtiges und Allgemeingültiges auszugeben versuchten, als billige Glasperlen entpuppt haben.

    Ihr Gesetzes- und Regelwerk, auf das Sie so stolz sind, funktioniert nicht einmal in Ihrer „strahlenden Stadt auf dem Hügel“, denn ein Teil der Einwohner hat sich längst von all diesem Pathos verabschiedet.

    Ihre demokratischen Verfahren sind nur dann gut für Sie, wenn sie ausschließlich so funktionieren, wie es Ihnen gefällt, mit Ergebnissen, die Sie gutheißen, und wenn etwas passiert, das Ihnen nicht „gefällt“, obwohl es alle dieselben Verfahren durchlaufen haben, nennen Sie es sofort einen Verstoß gegen das „Völkerrecht“ und werfen einen Wutanfall wie eine reife Konkubine.

    In eurer gemütlichen, kuscheligen Welt, in der alle eure Launen erfüllt wurden, seid ihr, die Trägerinnen des Schönsten und des Gerechtesten, schon lange unbeliebt, nicht respektiert und werdet nicht wertgeschätzt. Sie, seien wir ehrlich, werden nur noch geduldet, wie mürrische, überhebliche und faule Menschen, die den Bezug zur Realität und dem wahren Leben völlig verloren haben.

    Natürlich kann man seinen Garten unendlich loben, solange man die Kraft dazu hat, und einen Kreuzzug „gegen den Dschungel“ ausrufen, aber um diesen „Dschungel“ zu erreichen, braucht man zumindest die Ressourcen dazu, um überhaupt dorthin zu gelangen, und zweitens, etwas um diesen „Dschungel“ mit etwas beeindrucken zu können. Beides haben Sie seit langer Zeit nicht mehr.

    Um mit dem eigenen gepflegten gejäteten und gedüngtem Garten zu prahlen, müssen Sie nun das alles selbst machen. Mit euren gut gepflegten Händen. Indem sie Hacken und Schubkarren in die Hand nehmen. Und an die damit verbundenen Gerüche werden Sie sich gewöhnen müssen, denn heißes Wasser ist für euch ein Luxusgut geworden.

    – Elena Karaeva, Journalistin, EURONEWS.

    1. @Russischer Hacker
      „Nein, das ist nicht etwa Montesquieu, Diderot oder Rousseau, die den Kontinent aus ihrem 18. Jahrhundert heraus betrachteten, einem Jahrhundert der Aufklärung, und für die ein solches, an Naivität grenzendes Pathos verzeihlich war.“

      Völlig richtig. Aber gemessen an der brutalen europäischen Geschichte sind die letzen 70 Jahren mehr oder weniger Frieden für Europa, außergewöhnlich. Was Borrell vergessen hat: Die Messlatte in Sachen „friedlicher Gartenarbeit“ liegt in Europa sehr sehr niedrig.

  11. Der weltweite Kapitalismus ist ohne amerikanisches Weltgeld mit Zahlungsinfrastruktur nicht zu haben.
    Deshalb macht das deutsche Kapital mit, die erhofften Gewinne übersteigen die kalkulierten Verluste.
    Rügemer beschwert sich daß man nicht mal weiß wieviel vom heimischen Immobilienkapital in ausländischer Hand ist. Das, findet er, sei ein moralisches Unrecht gegen die soziale Marktwirtschaft. https://heise.de/-7306187

    1. Die kapitalistische Infrastruktur ist bisher noch dollardominiert und deshalb ist Kapitalismus bisher (noch nicht) ohne US-amerikanisches Weltgeld zu haben.
      Mittlerweile gibt es aber genügend andere Produktions- und Akkumulationsräume mit Kreditbefähigung und struktureller Preisstabilität aufgrund von economies-of-scale-Profit-Potentialen und natürlichen komparativen Kostenvorteilen, dass für viele Handelsteilnehmer der Dollarraum vor allem eher noch eine nostalgische Bedeutung erfährt und keine wirklich funktionale. Die USA haben ja ihren Laden selbst nicht im Griff, sofern er mehr zu leisten hat als der Selbtbereicherung ihrer herrschenden Schicht zu dienen. Für einen New Deal reicht es intellektuell überhaupt nicht. Dabei würde ein solcher nur helfen, bestehende Produktionspotentiale zu heben und Bedürfnisse und Nachfrage stärker zu synchronisieren. Mit Plusmacherlogik, welche nur die Erringung von Wettbewerbsvorteilen zum Ziel hat, wird man die Probleme schon mittelffistig nicht mehr lösen können.
      Alle auf den unmittelbaren Selbstzweck ausgerichteten Anschauungen/Ideologien werden ihr Waterloo erleben. Und Marx wird vielleicht insofern verstanden werden, dass die bürgerliche Gesellschaft nach dem westlichen Wertekanon nicht das Ende der Geschichte darstellt, weil sie in ihrem Betriebssystem mit zu vielen (auch unmittelbaren) Endlichkeiten ausgestattet ist. Die Modell-Theoretiker erkennen dies zwar (meist noch) nicht, aber die Funktionen richten sich nach der (embedded) Wirklichkeit und nicht nach Hirngespinsten. Die Zukunft ist von der gesellschaftlichen Instabilität viel stärker bedroht als vom Klimawandel. Das wird aber erst dann begriffen, wenn die gesellschaftlichen Auswirkungen auch bei der Mittelschicht ankommen.

  12. Ich kann das mit dem Krieg als der tollen Gelegenheit für den deutschen Imperialismus nicht so sehen. Dieser Krieg bzw. die Involvierung der EU und Deutschlands in den Sanktionsamok bedrohen die Grundlage der längst etablierten deutschen Hegemonie in Europa.

    Was mir bei all diesen ausgefeilten Imperialismus- und Kapitalismusanalysen auffällt, ist das „Transformationsproblem“ (wer sich mit ökonomischer Theorie auskennt, weiss, auf welche Analogie ich anspiele). Wie vermittelt sich deutsch, oder auch amerikanisch imperialistisches Interesse, oder auch kapitalistisches-imperialistisches Gesamtinteresse über die Akteure? Ich kann noch sehen, wie sich deutscher Imperialismus in der Griechenlandkrise über den Akteur Schäuble skrupellos und rational über Leichen gehend durchsetzte. Bei einer schreiend dummen Figur wie Baerbock versagt das aber.

    Der Russlandkrieg findet unter dem Jubelgeheul nicht nur grüner Psychopathen. sondern vor allem polnischer Nationalisten und baltischer Faschisten statt, Kräften, die zum deutschen Hegemon eher quer stehen. Ebenso ist das Interesse US-amerikanischer politisch-militärischer Kreise an Unterwerfung und Zerstückelung Russlands nicht unbedingt konform mit deutschen Hegemonieinteressen. Dass die Kannibalisierung der deutschen Industrie den deutschen Imperialismus stärkt, folgt einfach nicht.

    Aber auch die einfache Formel „im Interesse der USA“ folgt nicht. Im Unterschied zu Tom Gard bin ich kein Satanist, und sehe keine Teufel, weder grosse noch kleine, aber sehr wohl Akteure. Nicht so einfach ist aber zu erklären, wie sich das gesamtkapitalistische Interesse in diesen manifestiert. Die widerstreitenden Interessen, Vor- und Nachteile bestimmten Kapitalfraktionen zuzuordnen ist nicht einfach, ausser man sieht eine Dominanz des Kapitals der extraktiven Industrien, was angesichts deren Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung der USA nicht recht folgt. Tatsächlich haben ausser diesen 5 Konzernen alle Unternehmen des S&P300 seit Kriegsbeginn an Kapitalisierung eingebüsst, zum Teil dramatisch.

    Ferner: Welche Rolle spielt die Ideologie, so der „Exzeptionalismus“ in den USA, oder die „wertebasierte Ordnung“ auch beim Rest? Ist die Ideologie stärker als das ökonomische Interesse? Das US-Vorgehen im Konflikt ist im Begriff, den einheitlichen Weltmarkt zu zerstören und den Dollar als Leitwährung zu erledigen. Die „Chip Wars“ fügen den US-Technologieunternehmen um den Faktor 5-10 mehr Schaden zu als der Umfang der Subventionen des CHIPS Act beträgt.

    Es gibt da mehr Fragen als Antworten.

    1. Sehr gute Fragen.
      Das „Im Unterschied zu Tom Gard bin ich kein Satanist“ schenke ich dir, aber ich bin doch neugierig, wie du DARAUF kommst 🙂

        1. Okay, dann gebe ich Dir mal „die Antworten“ auf Deine Fragen, die ich habe, so gut ich sie in ein paar Sätze packen kann.
          Der Russlandkrieg ist Resultat einer *Bewegung* innerhalb der metropolitären Eliten, soll heißen, alle relevanten Strömungen waren bereits davon erfaßt, bevor die Ereignisse zwischen November ’21 und Februar ’22 sie fokussiert haben, und zwar entgegen aller Unversöhnlichkeit dieser Strömungen untereinander fokussiert, was der Militäraristokratie der NATO erlaubt, sie in den Strudel des Russlandkrieges zu zwingen.
          Ursprünglich hatte die Bewegung drei Triebkräfte.
          Die erste ist schwindende Tauglichkeit der Weltgelder für hoheitliche Ansprüche an sie. Über diese Abteilung weiß ich herzlich wenig, eigentlich nur, daß es sie gibt.
          Die zweite ist die Abwanderung des militärischen Imperiumszentrums nach Brüssel infolge des politischen Zerfalls der amerikanischen Föderation 2016, nach fast zwanzig Jahren der Zernierungsarbeit von Neocons und „Chaosreitern“. Zur Illustration nehme ich mal Macrons „Hirntod der NATO“. Was soll das heißen – und v.a., was sollte es den Rezipienten sagen? Jeder kennt die Umschreibung der politischen Identität der NATO: keeping the russians out, the americans in and the germans down. Dies „Hirn“ hat zum letzten Mal im Kosovo-Krieg gefunzt, auch schon schlecht, danach nicht mehr. Die NATO herrscht über Europa, aber „hirnlos“, ohne positive Verbindung mit politischen Zwecken, sondern negativ in der Abwehr von „Herausforderungen“ ihrer militärischen Hoheit, von welcher Seite sie auch kommen.
          Das dritte Moment ist der unauflösbare „stall“ der „europäischen Einigung“. „Vereinigte Staaten von Europa“ existieren in Gestalt der Währungsunion, der EU-Bürokratie, ihrer Befugnisse und ihrer Unumgänglichkeit in den Politiken der Mitglieder, aber sie können weder mit den Hauptmächten Deutschland und Frankreich, noch ohne einen von ihnen institutionalisiert werden. Der zu opfernde Teil ist die nationale Identität Deutschlands, an diesem Punkt werden sich Grüne, amerikanische Transatlantiker, europäische Transatlantiker und alle maßgeblichen Vertreter des transnationalen Business über alle unauflöslichen Gegensätze unter ihnen einig. Der simple Grund: Entfällt das Festhalten Deutschlands an nationaler Identität, fällt die nationale Identität Frankreichs in sich zusammen, schrumpft auf einen Zweiklang von kultureller Identität und nuklearer Bewaffnung. Andersherum ginge das nicht. Am Grunde dieser Bewegung auf der „cisatlantischen“ Seite liegt die Unauflöslichkeit des Widerspruches, das *zwei* Nationen auf der Basis einer politökonomisch bleibend „national“ formierten Interessenlage die „Europäische Einigung“ sowohl erreicht haben, als einander blockieren, die letzten Schritte *mit Macht* zu gehen. Dazu braucht es, wie immer in solchen Fällen, einen „äußeren Feind“. Im Falle der Vollendung der US-Föderation, einer weitläufig ähnlichen Lage, war das die „unamerikanische Sklaverei“. Der Russlandkrieg ist nach dieser Seite ein „europäischer Bürgerkrieg“, der notfalls auch um den Preis einer weitgehenden Zerstörung der deutschen Ökonomie und des deutschen Territoriums geführt wird.

          Ich bin mir dieses „Durchstiches“ alles andere, als *gewiß*. Aber was solls? Auf meine Gewißheit, oder die irgend eines anderen Individuums oder auch *Vereins* von Individuen ist wahrlich geschissen. Es geht mir nur noch darum, meinen Kopf oben zu behalten, und das kann ich nur, indem ich wenigstens hin und wieder mein Möglichstes dazu tue, das andere Leute den Kopf oben behalten, zum Beispiel Du – andernfalls verlöre ich die Sprache, die nicht Medium, sondern Substanz ist.

          PS.: Halte mein Zeug mal gegen des politische Gedicht von Elena Karaeva, das ja bitteschön an politischen Gedichten von Borell und anderen anknüpft. Was bleibt, wenn Du die poetischen Ideologisierungen ausmerzt?

    2. @aquadraht

      ja das Spekulative übersteigt hier bei Decker vielleicht das gewohnte Maß. Weshalb das Fehlen von Daten noch mehr auffällt als sonst.

      BRD und EU sind mangels Größe und Masse für solch zivilisatoriche Missionen nicht (mehr) geschaffen.
      Auch eine Schwäche des Textes: Die Vision Deckers lastet auf dafür zu schwachen Schultern.

      Und für Russland mit 140 Mio. Menschen gilt ähnliches, weshalb man ja dort den kooperativen Weg wählen wollte.

      Es ist ein großes Risikospiel der Regierung trotz allem, und das scheint bei Decker, glaub ich, doch durch:

      Wenn eine russiche Beute erlegt werden würde (was nicht realistisch ist von Beginn an), hofft man, auf Stücke groß genug um damit die abspenstigen Anrainer wie Polen und Baltikum wieder zu Hause bei Mutter Europa gesättigt begrüßen zu dürfen.

      Ich bezweifle bei den 4/8/16/32-Augen Gesprächen zwischen USA und Berlin ging es jemals so weit ins Jahr 2200 blickend. Aber dennoch muss ein Habeck gefragt haben, was kommt „danach danach?“

      Oder war da die, Habeck zufriedenstellende Antwort, tatsächlich: China? Dann wäre Habeck aber schon sehr naiv…

    3. Zum Sanktionsamok.
      Liest man das Wort Amok von hinten nach vorn erhält man Koma.
      Zufall oder nicht, könnte Koma die Konsequenz des blindwütenden Agierens von EUistan sein.

  13. Einen kleinen Haken will ich noch setzen.

    „Der weltweite Kapitalismus ist ohne amerikanisches Weltgeld … nicht zu haben.“

    Das ist ein Totschlagsargument, eines, das bis vor recht kurzer Zeit auf allen gesellschaftlichen Ebenen mit Erfolg Autorität beansprucht hat – bis … naja, sagen wir bis zur „Covid-Krise“? Oder meinetwegen auch bis zum Herbst letzten Jahres. Seine „Substanz“: TINA, there is no alternative. Wahlspruch von Merkel.

    Doch das ist mit der Weigerung der NATO, und ihr folgend auch des WH, sich auf die diplomatischen Ultimaten Russlands einzulassen, Vergangenheit. Now there is an alternative – Weltenkrieg. *Nicht* „Armageddon“.
    Mit dem Übergang zur Kriegswirtschaft ist das Weltgeld*pärchen* $/€ im Kern schon abgewickelt, was ein Mensch, der Marx „*Politische* Ökonomie“ nicht studiert hat, vermutlich nicht leicht erkennen kann (vielleicht irre ich mich an dem Punkt), weil daraus noch lange nicht folgt oder folgen muß, daß Euro und Dollar Geld- und selbst Kreditfunktionen verlieren. Daß dies nicht der Fall ist, liegt an TINA’s Wirk-lich-keit.
    Doch schon seit langer Zeit büßen Euro und Dollar einen nicht so sichtbaren Teil ihrer Weltgeld-Kreditfunktionen ein, sie kreditieren keine Akkumulation mehr. *Wachstum* schon, ja, aber auch dies nur in begrenzten Sektoren der Emittenden dieses Kreditgeldes. Der Löwenanteil der Akkumulation, heißt hier „Aneignung von zuschüssiger unbezahlter Arbeitskraft“, findet in Asien (mit Steigerung der Produktivität) und Afrika (mit Ausweitung der Lohnarbeit) statt, und immer weniger davon „landet“ in der Hinterlassenschaft des fiktiven „amerikanischen Imperiums“ und unter den Fittichen der europäischen Emporkömmlinge. Daran ändert die Akkumulierung und Inflationierung der *Eigentumstitel*, die in privaten und staatlichen Instituten der Alten und Neuen Welt angehäuft werden, nichts. Schon gar nicht ihre Verwendung in wachsend gewaltigen Rüstungsprojekten, die vom Standpunkt der Akkumulation nichts als Schrott sind.
    Und soweit das alles nicht gilt, Marx hätte es „entgegenwirkende Momente“ genannt, betrifft das die sogenannten „Zukunftstechnologien“, deren Sachwalter ja nicht müde werden, zu betonen, daß der „Vorsprung“ der alten Weltherren in diesen Abteilungen ein ziemlich kurzes Verfallsdatum habe.

    Kurz und schmutzig: Mit dem Dollar ist aus Sicht der alten kapitalistischen Welt *kein Staat mehr zu machen* – und deshalb scheuen sich die Sachwalter der Weltgelder nicht, deren Ende zu beschleunigen. Wozu braucht es das Zeug, wenn Digits plus Polizei-, Folter- und Vernichtungsgewalt, anders, als im vergangenen Jahrhundert, keine schlechteren Dienste leisten?

  14. Eine Meinungsäußerung zu einem Verweis vom 16. Oktober 2022 um 15:19 Uhr, Staatsräson – Beueler-Extradienst möchte ich noch loswerden. Den hatte ich ursprünglich unter dem Eintrag gepostet, aber da hat was nicht geklappt. Also jetzt so:

    Supi!

    Im verlinkten Artikel wird der GegenStandpunkt erst einmal tüchtig niedergemacht durch die Erzählung unbelegter oller Kamellen, auf dieser Basis der Autor des dort erstveröffentlichten Artikels, über den wir hier diskutieren, ohne auch nur das geringste Argument diffamiert, um dann auch noch folgendes unter sich zu lassen:
    „Ich weiss (sic) nicht, wie es heute um den “Gegenstandpunkt”-Verlag bestellt ist. Herr Decker scheint jedenfalls alt genug, als wenn er damals schon dabei war.“

    So geht Diffamierung seitens eines „liberalen Demokraten“, wie sich der Autor Martin Böttger selbst bezichtigt – ein FDP-Mitglied, das für die Grünen arbeitet (passt! 😈).

    Keine Befassung mit dem Text, nichts, keine einzige Silbe! Nur Diffamierung des Autors, den Herr Böttger nicht einmal kennt, wie aus seinem Text hervorgeht, durch obskure Herabsetzung des Verlags, für den der arbeitet.

    Gibt es bei Overton so was wie eine Blacklist? Ich wüsste da einen Kandidaten dafür …

  15. „Bestellt hat Berlin sich diesen Krieg nicht.“
    Wie kommt denn der Autor Peter Decker auf die leicht zu wiederlegende These?
    1. Maidanproteste; Polen, Frankreich und Deutschland mit Steinmeier haben mit Janukowytsch eine Vereinbarung zu einer friedlichen Abdankung und Neuwahlen getroffen, 2 Tage später war diese Vereinbarung durch den Putsch hinfällig – diente nur um einen Putsch durchzuführen
    2. MINSK2 von Frankreich, Polen und Deutschland als Garantiemächte bei der Ukraine mit den beiden Volksrepubliken Lugansk und Donezk und Russland als Garantiemacht mit der berühmten „Steinmeierformel“ (genaue Reihenfolge muss eingehalten werden) wurde geschlossen – diente nur um eine vollständige Niederlage der Ukraine zu verhindern, die ukr. Armee neu aufzubauen, auszurüsten und zu trainieren, für einen Krieg gegen RF (Krim) und die Donbasrepubliken – dies ist die Aussage von Poroschenko 2022
    3.Beispiel: Assoziatierungsvertrag EU-Ukraine, welcher Russland stark benachteiligte
    4. Deutschland hat nie gegen die Russendiskreminierungsgesetzgebung Protest oder Maßnahmen ergriffen
    5. Deutschland hat die Nazi-Bandera-Kultur geduldet, geleugnet oder klein geredet
    6. Deutschland hat sich nicht als Garantieland bei den Verhandlungen im Dezember 2021 angeboten (z.B. mit Frankreich), dass die Ukraine nie NATO-Mitglied wird, weil sie dies mit ihr Veto verhindern
    7. Deutschland hat das Sanktionspaket schon lange vor dem Krieg mit vorbereitet
    8. Deutschland hat nicht gegen die mögliche atomare Neubewaffnung durch die Ukraine protestiert, als Selensky dies auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2022 angekündigt hatte.

    Dies sind alles eindeutige Handlungen der deutschen Regierung, wo dieser Konflikt mit Russland vorbereitet wurde. Denn die Übernahme der Ukraine in die NATO war/ ist für die RF die „rote Linie“, was Deutschland wusste. Russland sollte gegen die Ukraine in den Krieg – das war und ist deutsches Ziel!
    Berlin hat nicht Nein gesagt, als die USA diesen Krieg anleierte (provozierte). Deshalb hat das politisch handelnde deutsche Personal seit gut 8 Jahren diesen Krieg im Sinne von Brezsynski und Friedman bestellt.

    Und einen wirklich guten Text, ohne so viel herumeierei wie bei Herrn Decker kann man hier nachlesen:
    „Verhandlungslösung – Alternativlos!“ von Wolfgang Herzberg (jüdischer Heimkehrer, DDR-Bürger, kritische Stimme in allen Systemen)

    Dieser, sein Text ist eingebetet in einem Artikel von Rainer Rupp über W.Herzberg. Sein Text ist das Sahnehäubchen des Rupp-Artikels:

    https://weltexpress.info/eine-juedische-stimme-der-vernunft-gegen-hasardeure-der-ampel/

    “ …
    Was für eine irrationale, antidemokratische, autoritäre Herrenmenschen-Ideologie wäre es, wenn angeblich nur die westliche Welt das Grundrezept für eine humane Zukunft der gesamten Erde in den Händen hielte, um sie dann auch noch mit kriegerischen Mitteln durchzusetzen? Wie kann es sein, dass in einer so unendlich diversen Welt es nur einen kriegerischen Ausweg aus der Gefährdung unserer gesamten Schöpfung geben sollte und nicht eine, gerade durch die UN-Charta vorgezeichnete, friedliche und föderale Koexistenz vieler Meinungen und verschiedener gesellschaftlicher Systeme, die sich in Zukunft befruchten, dadurch verwandeln und annähern könnten? …“

    1. Gut, Fragen zu der Rolle Steinmeiers im Kiewer Präsidentenpalast bei den Vereinbarungen wird man erst bei Öffnung der Geheimakten bekommen.
      Herzberg ist kein NeoCons, Rainer Rupp ist bekannt, dass er „undiplomatisch“ kritisiert, wie z.B. Sahra Wagenknecht und DIE LINKE.
      Die Maidan-Story „beginnt“ immer erst 2014. In Wirklichkeit war zu diesem Zeitpunkt bereits alles „geplant“. Und über die rührigen Rollen von Konrad-Adenauer-, Friedrich-Ebert- und Heinrich-Böll-Stiftung hört man gemeinhin nichts.
      Breit getreten wurde die Korruption und Bereicherung von Janukowitsch. Die Aktiven der Partei der Regionen waren „vor den Kopf gestoßen“ und natürlich auch allein gelassen (besonders eklatant dann die Ereignisse im Gewerkschaftshaus von Odessa).
      Zu der Zeit war halt auch (rein zufällig) die Olympiade in Sotchi. So etwas nennt man halt „professionelles“ Timing.
      Was beim Westen heute davon übrig ist, können Sie wieder einmal nachlesen bei dem Interview des Euromagazins mit Stoltenberg. Unglaublich!

      1. Janukowitsch hat Jahre danach im russischen Exil aus dem Nähkästchen geplaudert, dass am Tag des Putsches er vergeblich versuchte Steinmeier ans Telefon zu kriegen, aber da war nur Anrufbeantworter.

        1. Steinmeier und alle anderen Beteidigten auf ukrainischer/ amerikanische Seite wussten, dass sie einen schmutzigen Job auszuführen haben.

          Auf der einen Seite finde ich, ist die Politik der russischen Regierung in ihrer zurückhaltenden Art gut, weil sie sich dadurch sehr viel Sympathie und Anerkennung im internationalen Bereich außerhalb des Wertewestens erworben haben, siehe gerade wieder OPEC, VAE und Saudi-Arabien gegen die USA besonders Biden. Auch ist diese wirklich nur gezielte und in der Stückzahl der aufgeklärten Ziele angepasste Raketenbeschuss der militärischen Infrastruktur gut für die ukrainische Zivilbevölkerung, welche nur bedingt was für die heutige Situation kann.
          Anderseits sehe ich, wie der Westen diese Mäßigung schamlos ausnutzt, siehe Getreidevertrag (keine Öffnung trotz vertraglicher Absprache für russ. Getreide und Dünger, Mißbrauch Sprengstoffschmuggel Kmertscher Brügge). Auch dass der Transport von Waffen bis in den Osten noch erfolgen kann.
          Der Beschuss von nun russischen Gebiet durch die ukrainischen Truppen bzw von diesen Söldner muss unterdrückt werden.

          Ich bin gespannt, in wieweit sich die Situation ab November verändert.

  16. Dank der Unfähigkeit der/des Menschen die Welt zu überschauen, verweigert man sich hartnäckig der Einsicht, dass es nationale Regierungen nur noch als formale Hüllen gibt. Die Lebensrealität der Menschen wird bestimmt von den Interessen und den mit ihnen verknüpften Maßnahmen von nicht einmal 1 %, sondern 3,33365042454732E-010 Milliardären, die über Strukturen wie das Weltwirtschaftsforum, die Bilderberger u.a. miteinander verbunden sind und Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, gesamtgesellschaftliche Entwicklung über ihre bezahlten Handlanger bestimmen. Über deren Absprachen werden wir nicht informiert. Die Geheimdienste sind ihre Geheimdienste, das Militär ist ihr Militär, die Wissenschaft ist ihre Wissenschaft. Der Kipp-Punkt zu den bisher schlimmsten imaginierten Dystopien ist schon lange überschritten. Wir haben es nur nicht gemerkt.

      1. In einer entsolidarisierten Gesellschaft müssen sich die Menschen wieder resolidarisieren.

        Solidarisieren, netzwerken, zusammenschließen, „handeln“

        Die ganze Onlinekacke fördert die Vereinzelung und spielt ihnen in die Karten.

  17. Zum letzten Kommentar der Christa Meist:
    Das soll also die große Erkenntnis sein, deren „Einsicht man sich hartnäckig verweigert“ hätte, nämlich, dass „die Lebensrealität der Menschen … „bestimmt“ wird von den Interessen und den mit ihnen verknüpften Maßnahmen von nicht einmal 1 %, sondern 3,33365042454732E-010 Milliardären“.

    Aha, aus der „Kammerdienerperspektive“ (Hegel) erscheint „die“ „Lebensrealität „der“ Menschen „bestimmt von“ (klandestinen Machenschaften … tss … ) „Milliardären … Geheimdiensten“ und sonstigen Bösewichtern.
    Wenn davon etwas stimmen würde, … warum! diese Bösewichter ihr Unwesen treiben und eine „Erklärung“ der „Lebenswirklichkeit selbst auch noch vorkäme, dann könnte man sich ja darüber mal streiten. Die Christa sucht dagegen ein Dahinter. Ich erinnere: die Erklärung von P. Decker, warum Deutschland den Krieg in der Ukraine will, ist über das Geschwafel von der Christa völlig in Vergessenheit geraden.

    Nichts für ungut
    PS: ich finde den Aufsatz von P. Decker völlig richtig. Soll doch die Christa mal etwas DAZU sagen, … herrje

    Ricardo

    ,

    1. “ …dann könnte man sich ja darüber mal streiten.“

      Der Witz an der „Kammerdienerperspektive“, bei Hegel wie in der schöngeistigen Literatur des Bürgertums, liegt in der Charakterisierung einer subalternen „Lebensrealität“, deren individuelle Vertreter sich SELBST mehr oder minder ausschließlich über Verhältnisse zu dem oder den Herren definieren.

      Soweit der Anwurf Christa Meist trifft – das ist an ihrem Posting nicht hinreichend auszumachen – könnte man sie daran erinnern, daß die „Lebensrealität“, von der sie redet, aus lebenslangen Diensten für fremde und feindliche Zwecke für einen wachsend minderen Anteil am Gesamtprodukt besteht, ergänzt um die Pflicht, die Aufseher zu wählen, die, falls sie aus Sicht derselben Herren mißbraucht wird, auch schnell mal in das Schicksal münden kann, in der Gosse oder im zugeschütteten Graben zu landen.

      Man muß mit diesem Zustand einen (!) Frieden gemacht haben, um Geheimbünde zu erfinden oder zu beschuldigen, die all das zum unangegriffenen, militärischen und polizeilichen Ausgangspunkt haben, bevor ihre Mitglieder überhaupt das Reden anfangen … von streiten nicht zu reden.
      Darüber „ließe“ sich nur vom selben Ausgangspunkt streiten, mit alternativen Konzepten vom Bösen in einer überwiegend „anständigen“ Welt …

      Die Erinnerung an den einen (!) Frieden, den Christa mit den Herren und dem Krieg, den sie gegen die sprichwörtlichen Hütten führen, gemacht hat, könnte ihr immerhin vergewärtigen, wie ungeheuer produktiv Krieg der Herren und ihrer Gefolgschaften gegeneinander in und neben allen Zerstörungen ist, die er anrichtet. Wenn das dann als das Werk einer teuflischen Kabale imaginiert wird, ist zumindest mir das erstmal egal, es tut vorerst nix weiter zur Sache.

  18. Nochmal an die Forenbetreiber: Bitte, bitte, macht die Beiträge innerhalb von Threads wieder anclickbar. Gerade in solchen debattenreichen Foren ist es oft fast unmöglich, einen Beitrag zu finden.

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