Der ukrainische Geheimdienst SBU warnt vor russischer Inszenierung in Mariupol

Hier soll in Mariupol die Grenze zwischen dem von ukrainischen Verteidigern kontrolliertem Industriegelände Azovstal und dem russischen Truppen besetzten Gebiet verlaufen. Bild: Patrick Lancaster

Nach Bucha will Russland angeblich in Mariupol ein von ukrainischen Soldaten angerichtetes Massaker inszenieren.

Der ukrainische Geheimdienst SBU übt sich nun auch in Vorhersagen wie die amerikanischen Geheimdienste. Er prophezeit, dass die russischen Truppen – das „rücksichtlos geballte Böse“ – planen würden, nach Bucha eine Inszenierung  für die Weltöffentlichkeit in Mariupol zu machen, um die Ukraine des Massakers zu beschuldigen.

 

Für den SBU haben die Russen, bezeichnet als Rassisten, die sich „Befreier“ nennen, eine „russische Maßnahme“ durchgeführt: „ermordete Kinder mit gefesselten Händen, vergewaltigte Frauen, verstümmelte Männerleichen …“ Das Vorgehen werde „zynisch mit plumpen Fabeln über die Nazis“ legitimiert.

Während der SBU und andere Agenturen zur Verbreitung der strategischen Kommunikation in der Ukraine damit beschäftigt sind, die Russen als Barbaren zu zeichnen, soll nach dem Geheimdienst „die Hauptaufgabe der russischen Propaganda“ darin bestehen, „die Aufmerksamkeit des internationalen und nationalen Publikums so weit wie möglich abzulenken“.  Jetzt würden „Lügen über angebliche Verbrechen der ukrainischen Verteidiger von Mariupol“ vorbereitet, die „in das Informationsfeld“ geworfen werde.

Man habe Informationen, dass nun nicht die Leichen der Menschen wie in Bucha einfach liegen gelassen werden, um sie als Beweise für angeblich begangene Kriegsverbrechen zu hinterlassen, sondern es sei geplant, „die von den Russen selbst getöteten Bewohner von Mariupol an einem Ort zu sammeln und sie als Massenopfer ukrainischer Truppen darzustellen“. Es würden nämlich „falsche Thesen“ zirkulieren, nämlich dass Ukrainer „Zivilisten als menschliche Schutzschilde“ benützen. Der SBU fügt an: „Obwohl dies eine völlige Täuschung ist. Tatsächlich sind es die russischen Truppen, die die Menschen in Mariupol vernichten – Anfang März war die Stadt bereits gezwungen, die Toten in Massengräbern zu bestatten.“

Mariupol ist mittlerweile weitgehend von den russischen Truppen eingenommen. Es gibt glaubwürdige Reportagen wie die von dem zwar einseitig berichtenden Patrick Lancaster, bei denen Einwohner befragt werden, die aber allem Anschein nach authentisch erzählen. Sie sind teilweise entsetzt über das Verhalten der ukrainischen Soldaten, in Mariupol sind es vor allem Freiwilligenverbände wie Asow, Aidar, der Rechte Sektor etc., die sich dort seit 2014 etabliert haben. Es ist die Rede davon, dass die ukrainischen Streitkräfte sich in Schulen oder Kindergärten, aber auch in Wohnungen verschanzt oder Artillerie neben Wohngebäuden aufgestellt hätten, während man die Menschen in den Kellern nicht versorgt habe und sie auch gehindert habe zu fliehen. Das alles wäre in einem Stadtkrieg auch gar nicht unwahrscheinlich, in dem eine Seite praktisch die Lufthoheit besitzt.

Aber es sind natürlich Aussagen von Menschen, die nun in einem Gebiet leben, das von russischen Soldaten kontrolliert und von einem Reporter befragt werden, der offenbar auf deren Seite steht. Sie werden froh sein, dass für sie nun zumindest vorübergehend der Krieg zu Ende ist, aber sie werden auch Angst haben, etwas zu sagen, was die neuen Machthaber verändert. Dasselbe gilt natürlich auch für die Menschen etwa in Bucha. Offenbar hatten manche Tote weiße Armbinden angelegt, vielleicht um den russischen Soldaten zu zeigen, dass sie keine Gegner sind. Nachdem die russischen Truppen abgezogen waren und die ukrainischen Streitkräfte nachrückten, dürften die Menschen auch hier eher das sagen, was man von ihnen erwartet. Wir auch immer motiviert, sind die Äußerungen mutig, denn sollten sich die Machtverhältnisse schnell ändern, könnten sie schnell als Kollaborateure identifiziert und behandelt werden.

Die Idee, dass die Russen von ihnen getötete Menschen sammeln und in Mariupol für die Medien präsentieren könnten, ließe auch den Verdacht entstehen, dass der SBU ähnlich vorgehen könnte – und so machen es auch Geheimdienste. Fast schon ulkig klingt die Erklärung, warum die angeblich geplante Inszenierung  ein Beweis für das Böse sei, wobei sowieso denen niemand mehr glauben werde. Dann hätte man freilich auf die Vorhersage auch verzichten können:

„Die Pläne der Besatzer, sich von der Verantwortung für diese Morde freizusprechen, sind also ein weiterer Beweis dafür, dass wir uns im Krieg mit einer echten Horde befinden, die sich bereits so sehr mit Verbrechen befleckt hat, dass niemand ihren billigen Fälschungen glauben wird.“

Bislang kamen allerdings Bilder von Massakern eher von ukrainischer Seite. Der Geheimdienst suggeriert, dass nun Russland mit ähnlichen Bildern kommen wird, um von den eigenen Verbrechen abzulenken, was den Verdacht verstärkt, dass man selbst eben mit diesen Mitteln arbeitet. Der SBU hat übrigens auch schon ziemliche plumpe Inszenierungen vollbracht, beispielsweise einen fingierten Mordanschlag auf den russischen und kremlkritischen Journalisten Babchenko 2018, was aber schnell zum Rohrkrepierer wurde. Man sieht, wie man sich hier schnell in die Gespinste von strategischer Kommunikation und Desinformation verstrickt.

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7 Kommentare

  1. Egal ob wahr oder „getürkt“, solche Anlässe wie Tote vor allem Kinder und Mütter sind immer eine Gelegenheit für Selenskyj europäischen Länder zu beschimpfen. Eilig werden dann wieder Waffen zusammen geklaubt und verschickt.

  2. In Mariupol haben sich gerade etwa 264 Mann der ukrainischen Marine ergeben:

    https://www.bitchute.com/video/aEanhNSwYPoR/

    Und die Hinweise verdichten sich, daß (NATO)-Offiziere aus Frankreich, Deutschland , GB und Schweden (!) sich bei Azovstal in schlechter Gesellschaft befinden. Die Evakuierungsversuche mit Helikoptern dauern an. Gestern wurden wieder 2 davon abgeschossen.
    Es soll auch schon ein………festgenommen worden sein; aber dazu gibt es eine Nachrichtensperre.

    https://twitter.com/gbazov/status/1511410269360119811?ref_src=twsrc%5Etfw

    Da wundert die Siegesgewißheit der ukrainischen Bevölkerung schon etwas; aber vielleicht meinen sie ja den Sieg im Infowar – der läuft aus ihrer Sicht bisher tatsächlich hervorragend.

  3. Russische Inszenierung eines angeblichen ukrainischen Kriegsverbrechens: Ich befürchte genau das.
    Dieser Krieg wird zunehmend dreckig insofern auch, dass darin Getötete posthum noch große mediale Auftritte als Schauspieler haben – eine „Verwertung“ menschlichen Seins und Sterbens bis über den Tod hinaus, bei welchem die Toten nur noch Statisten, Objekte einer höllischen Propaganda sind. Da nehmen sich vermutlich beide Seiten wohl kaum etwas.
    Aber das schreibe ich von meinem warmen, weichen Sofa aus; es ist eine wohlfeile Sicht von außen auf Etwas, was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann und worüber ich mir deshalb auch so schnell kein Urteil erlauben möchte.
    Es macht (mich, derzeit) nur so abgrtundtief traurig und erscheint so hoffnungslos. -Wollten wir nicht eigentlich ALLE gerade GEMEINSAM z.B. der Klimakatastrophe angemessen begegnen?..

    1. Wie wahr, wobei ich zynischer und abgestumpfter werde, mit jedem Tag!
      Inzwischen wünsche ich mir, die Steuerzahler in Europa und den USA mögen weiter brav Milliarden an den MIK zahlen, mögen weiter die widerlichsten und schlimmsten Psychopathen anbeten und ihnen in die Ärsche kriechen, buckelnd und stöhnend, die letzten Groschen opfernd, damit sie zur Arbeit kommen.
      Warum, weil ich alt bin, meine Kinder an das System verloren habe, meine Frau an das System verloren habe, aber seit 20 Jahren in Einsamkeit mit Hängematte und Freiheit durch die Wälder streife, eine kleine Hütte besitze und wirklich alles vorfinde, was ich benötige, notfalls würde ich wohl sogar auf ein Amt rennen, sollten meine Ersparnisse eines Tages wirklich zu Ende gehen.
      Nur ich besitze ein großes Lager an lange haltbaren Suchtmitteln, die ich selbst in größten Krisenzeiten am Schwarzmarkt gut in Bakschisch oder Essbares tauschen kann!
      Wir alle haben es nicht anders verdient, mögen wie Ukrainischen Nationalisten weiter tapfer gegegn die Russen kämpfen, mögen sie sich über all auf der Welt gegenseitig abschlachten, liefern wir ihnen die Waffen, so lange wie nur möglich, so viele wie nur möglich!
      Ja, mögen die Bellizisten und die Medien weiter ihre tolle Arbeit machen, die kriegsbestoffenen Arbeitsnutztiere in den Fabriken auf Volldampf Granaten basteln, mögen diese Spielsachen möglichst lange, möglichst weit weg von MIR explodieren, die Umwelt wird hoffentlich noch 10 – 15 Jahre halten, das Wasser in MEINEM See noch halbwegs unverseucht bleiben, der Lärm wird vielleicht sogar etwas weniger, sobald die Billigarbeitskräfte sich den Weg zur Arbeit nicht mehr leisten können.

      Vielleicht werden für mich die nächsten Jahre sogar die schönsten überhaupt, da ich mit meinem Hass auf die Menschen im Einklang leben kann, beobachten kann, wie sie sich vollends zerfleischen, ohne selber auch nur einen Kratzer abzubekommen.

      Die „Pandemie“ war ja schon ein schönes Vorspiel, die Vernichtung der, für den Menschen lebensfreundlichen Umwelt, ist seit ich existiere die Hintergrundbeschallung, dazu 30.000 oder mehr Tote täglich, die an Hunger und Elend durch unseren perversen Überfluss frühzeitig zu sterben haben, vom Mord durch Krieg und Terror, durch allgemeinen Hass und ewigem „Wettbewerb“ ganz zu schweigen!

      Wie Sie auch schreiben, sie sitzen bequem in ihrem Sofa, nur ich unterstelle ihnen, sie haben wesentlich länger und fleißiger in dieses System ihre Lebenszeit geopfert, als ich es tat, doch ich habe mich nicht, (wie manche jugendliche in Tschechien, Anfangs der Nullerjahre – aus den hier genannten Gründen, vor Ekel an mir selbst, verbrannt, sondern bin einfach ausgestiegen und lebe ähnlich dem Una-Bomber, nur ohne selber Bomben zu basteln, das tut Ihr ja alle ganz von selbst!).

      Es lebe die Wellness in der Diaspora vom Menschsein, ja, ich sehe mich eher als Affe, der aus dem Zoo flüchten konnte, der jetzt von den Abfällen und vielen Dingen, die die Natur jedem noch geben kann (so er sie kennt), lebt !

  4. Der SBU wird wissen, was die Russen dort vorfinden. Wenn die Russen es nun nicht an die große Glocke hängen, sondern still untersuchen lassen?

  5. Das wäre die beste Strategie, wenn man etwas und plausibel ist das allemal. Wenn dann die Russen an die Öffentlichkeit gehen, ist es der prophezeite Fake.

    Genau so gut kann man mit Sicherheit den Krieg vorhersagen, wenn man weiß, dass die abtrünnigen Provinzen erobert werden sollen.

  6. Ich denke An den Maidanputsch, an die Morde von in Odessa. Dabei an ARD Monitor von Restle über friendly fire. Juristisch,politisch und medial wurde absolut weder vom Westen noch Medien Interesse an Aufklärung gezeigt. Die Morde vom Maidan zeigen, dass die Ukraine auch zu allem fähig ist. Komplett wird bei uns verschwiegen, dass die Ukraine im Verbund mit den USA die Erfüllung der Minsk er Verträge verhindert haben.

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