Corona-Chaos: Testpflicht für Rückreisende frühestens ab Dienstag

Mallorca. Bild: Tommy_Rau/Pixabay.com

Eine Reiseverbot wird weiter geprüft und es werden Zweifel an den Daten aus Mallorca laut, wo neue Einschränkungen gelten und weitere noch vor Ostern drohen.

Das Chaos um die Corona-Maßnahmen vor den Ostertagen geht weiter. Buchkomplizen hatte nach dem Beschluss der Bund-Länder-Runde schon berichtet, wie absurd die Beschlüsse der Regierungschefs der Länder waren, die mit Bundeskanzlerin Merkel am Montag nach „sehr, sehr langem“ Nachdenken beschlossen worden waren.  Es blieb unklar, über was „neu“ nachgedacht worden sein soll. Da seit der Pressekonferenz vor allem Chaos herrscht und Schadensbegrenzung betrieben wird, fragt man sich eher, ob überhaupt vernünftig in der Runde über etwas nachgedacht wurde.

Bundeskanzlerin Angela Merkel musste in der Frage der geplanten „Osterruhe“ schon ein mea culpa aussprechen. Sie ist dieser Frage nach ihrer Entschuldigung zurückgerudert. Sie übernahm für den Vorgang die volle Verantwortung, obwohl auch alle Länderchefs für den Beschluss mitverantwortlich waren und zugestimmt hatten.

Der massive Widerspruch aber, dass es weiter möglich ist, sich eng auf eng in einen Flieger zu setzen, um nach Mallorca zu fliegen, aber ein Selbstversorger-Urlaub im Wohnwagen, Wohnmobil oder der eigenen Ferienwohnung an der Ostsee, den Alpen oder dem Schwarzwald weiter unmöglich ist, blieb bestehen. Daran hat sich (bisher) nichts geändert. Der Widerspruch ist Merkel und den Länderchefs aber bewusst. Er wurde zwischenzeitlich erneut debattiert. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer hat bestätigt, dass geprüft werde, wie man Auslandsreisen vorübergehend ganz unterbinden könne. „Das wird jetzt von den zuständigen Ressorts überprüft.“ Sie verwies dabei aber auf „große verfassungsrechtliche Hürden“.

Merkel habe, als sie erneut zu einer Videokonferenz mit den Länderchef zusammengeschaltet war, „noch einmal darum gebeten, das wirklich umfassend abzuprüfen“. Sie soll nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ den Länderchefs gesagt haben, sie werde „Himmel und Hölle in Bewegung setzen“, um Reisen wie auf die Balearen zu verhindern.  Mit etwas gesundem Menschenverstand erklärte sie demnach, es könne nicht sein könne, „dass Menschen jetzt nach Mallorca fliegen, aber in Flensburg können wir einen 15-Kilometer-Radius durchsetzen“.

Es ist also definitiv noch nichts entschieden. In der Frage der Maßnahmen ist weiter alles noch im Fluss. So war es im ursprünglichen Beschluss zum Beispiel absurd, dass kein verbindlicher Test für Rückkehrer beschlossen worden war. Das ist nun zwischenzeitlich nach der Kritik geschehen. Das gilt, wie es anders nicht sein kann, für alle Rückkehrer per Flugzeug – unabhängig vom Infektionsgeschehen im Urlaubsland – und nicht allein für die Balearen.

Allerdings herrscht bei der Umsetzung weiter Chaos. Eigentlich sollte die Testpflicht schon seit Freitag gelten, doch dann wurde die Einführung auf Sonntag verschoben. Doch nach Angeben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll sie nun erst am Dienstag in Kraft treten. Der Starttermin sei noch einmal etwas verschoben worden, um mehr Zeit für die Vorbereitung zu geben, erklärte Spahn. Einen negativen Test müssen die Reisenden nun vor der Rückreise aus dem Ausland ihrer Fluggesellschaft vorlegen. Wer das nicht kann, darf nicht befördert werden. Die Kosten, die auf Rückreisende zukommen, müssen die selbst tragen.

Auf Mallorca wird inzwischen der Urlaubsspaß zusehends verwässert

Hatte die Regierungschefin der Regionalregierung zunächst deutschen Touristen eingeladen, tut Francina Armengol nun wegen steigender Infektionszahlen so, als wolle man die gar nicht haben. Ein mea culpa ist in Spanien praktisch unbekannt. Ihre sozialdemokratische Regierung nimmt auch angesichts der Tatsache, dass die aggressivere britische Variante die Balearen fest im Griff hat, alle bisherigen Öffnungsschritte zurück.

„Die Fachleute raten uns, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen. Und das machen wir nun auch“, sagte Armengol. Sie schließt verschärfte Einschränkungen vor Ostern ebenfalls nicht aus. Die Innenräume von Restaurants, Bars und Cafés dürfen ab heute nicht mehr benutzt und die Terrassen müssen um 17 Uhr abgeräumt werden. Alle Gemeinschaftseinrichtungen in Innenräumen (Schwimmbäder, Spas oder Fitnessräume) sind komplett dicht. Die Außenanlagen dürfen auch nur noch bis 17 Uhr genutzt werden. Mit dem Zechen an der Bar des Hoteltresens bis 22 Uhr ist auch Schluss, auch die müssen nun wieder am Nachmittag schließen.

Unklarheit, ob es die brasilianische Variante auf Mallorca gibt

Die Frage, ob die aggressive brasilianische Variante auf Mallorca angekommen ist oder nicht, ist weiter unklar. Die Regionalregierung hatte zwischenzeitlich erklärt, es sei nur der Vorgänger der besonders aggressiven Variante (P.1.1.2.8) und nicht die als P1 bezeichnete Variante (P.1.1.2.8.1) festgestellt worden sei. Ein angekündigter Bericht lässt aber weiter auf sich warten. Der sozialdemokratische Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach nimmt den Verantwortlichen in Mallorca ihre Angaben nicht ab. In der Sendung „Maybrit Illner“ erklärte er: „Da wird auch noch getrickst, ich glaube denen kein Wort.“

Dass in Mallorca jetzt bestritten wird, P.1 festgestellt zu haben, glaubt der Epidemiologe nicht. „Ich glaube, dass da P.1 ist.“ Vorher sei klar gewesen, dass P.1 festgestellt wurde, und „plötzlich hieß es, das ist die Ursprungsvariante in Brasilien, aus der P.1 entstanden ist“. Er geht auch davon aus, dass mit den Fallzahlen getrickst wird. Neu ist das in Spanien übrigens nicht. Auf massive und offensichtliche Trickserei in Madrid fiel zum Beispiel das Auswärtige Amt im vergangenen Sommer herein. Etliche Medien fielen auf die Trickserei der Ultrakonservativen in Madrid herein und kauften dieser Regionalregierung ein angebliches „Wunder“ ab.  Das gab es nie. Da in Madrid kaum etwas zur Eindämmung der Pandemie unternommen wird, das sich derweil zum europäischen Party-Zentrum entwickelt hat, sind hier die Zahlen besonders schlecht. Während die 14-Tage-Inzidenz in Mallorca mit 51 angegeben wird, muss Madrid auch offiziell weiter 232 melden.

In Brasilien wütet P.1 underfasst mehr und mehr junge Menschen

Dramatische Berichte gibt es derweil aus Brasilien, wo P.1 wütet. Das Gesundheitssystem kollabiert. Fast 6400 Menschen warteten schon darauf, dass ein Bett in einer Intensivstation frei werde.  Um mit den vielen Toten umzugehen, insgesamt schon 300.000, wird in Sao Paulo inzwischen auch schon in der Nacht bestattet.

Und die Variante trifft zunehmend junge Menschen. Im Großraum von Sao Paulo werden die Menschen immer jünger, die in Hospitäler eingeliefert werden. In Santo André ist das Durchschnittsalter nun auf 37 gesunken. Im Juli 2020 lag es bei 65.

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