Bedroht der russische Satellit Kosmos-2558 den US-Militärsatelliten USA 326?

Start der Soyuz-2-1v-Rakete mit dem Kosmos-Satelliten im Kosmodrom Plessezk. Bild: mil.ru

Was der russische „Inspektionssatellit“ bezweckt ist ebenso unbekannt wie der Zweck des neuen US-Satelliten. Droht ein Scharmützel im Weltall?

 

Die USA liefern der ukrainischen Armee genaue Satellitenbilder und Echtzeitdaten über russische Ziele, die dann mit den neuen und weitreichenden Mehrfachraketenwerfern wie HIMARS oder das deutsche MARS beschossen werden. Angeblich würden sich amerikanische und ukrainische Geheimdienste beraten, welche Ziele beschossen werden. Das russische Verteidigungsministerium warf deshalb den USA eine direkte Kriegsbeteiligung vor.

Der Konflikt könnte sich, wie schon lange befürchtet, in den Weltraum ausweiten, da Streitkräfte immer stärker von Kommunikations-, Spionage- und Navigationssatelliten abhängig sind. Zur Überwachung der neuen manövrierbaren Hyperschall-Langstreckenraketen sind Satellitennetzwerke entscheidend. Für Russland könnte es verführerisch sein, amerikanische Satelliten zu stören, um auf die Angriffe mit HIMARS und amerikanischen Daten zu reagieren.

Bislang haben die USA, China, Indien und im November des letzten  Jahres Russland vorgeführt, dass sie in der Lage sind, mit Raketen Satelliten abzuschießen und zu zerstören. Schon länger arbeitet man aber auch daran, weniger auffällig Satelliten durch andere Satelliten zu blenden, zu übernehmen, zu zerstören oder auch  nur aus der Bahn zu schubsen. In den USS könnte der geheimnisvolle wiederverwendbaren Raumgleiter X-37B, der immer mal wieder für Monate unterwegs ist, eine solche Waffe sein. Mit SUMO (Spacecraft for the Unmanned Modification of Orbits) verfolgt das Pentagon das Ziel, gegnerische Satelliten aus dem Weg zu räumen. Schon 2014 brachte Russland das Objekt 2014-28E in eine Umlaufbahn. Es soll mehrmals die Höhe gewechselt haben und könnte auch der Entwicklung einer Weltraumwaffe gedient haben. 2017 wurden der russische Satellit  Cosmos 2519 in eine Umlaufbahn gebracht, der Beunruhigung in Washington verursachte, aber passend zum Aufbau des Space Command kam.

Aufregung gibt es gerade wieder, weil Russland den Satelliten Kosmos 2558 bzw. 14F150 Nivelir am 1. August in den Weltraum brachte – und zwar in eine Umlaufbahn, die er mit dem US-Militärsatelliten USA 326 teilt, der im Februar diesen Jahres ins Weltall gebracht wurde. Nach Beobachtungen könnte sich der russische Satellit heute bis auf eine Entfernung von 75 km nähern.

Die Navelin-Satelliten gelten offiziell als Inspektionssatelliten für andere russische Satelliten oder als Erdbeobachtungssatelliten.  Die US-Geheimdienste vermuten, es handele sich um Antisatellitenwaffen (ASAT). Der Verdacht besteht daher, dass Kosmos-2558  dazu dienen könnte, sich dem US-Militärsatelliten zu nähern und ihn auszuspähen bzw. die Möglichkeiten zu eruieren, diesen auszuschalten. Der Inspektionssatellit wäre dann ein Killersatellit. Ein Nivelir-Satellit (Kosmos 2543) soll im Juli ein Geschoss abgefeuert haben, das möglicherweise dazu dienen könnte, einen Satelliten zu zerstören.

Bekannt ist nicht, welche Aufgabe der amerikanische Satellit des Militärgeheimdienstes National Reconnaissance Office (NRO) hat, nur dass er irgendwie der Aufklärung dienen soll. Es könnte sich um einen neuen IMINT-Satelliten handeln, dessen Technik die Russen ausspähen wollen. Manövrierbare „Inspektionssatelliten“ wie der neue 2558 dienen wahrscheinlich dazu, sich gegnerischen Satelliten zu nähern, um sie mit Geschossen anzugreifen, sie zu jammen oder sie mit einem Laser zu blenden, sie könnten aber auch versuchen, auf den gegnerischen Satelliten aufzuprallen.

Russland hat sich nicht bemüht, den Start von Kosmos 2558 und dessen Eintritt in die Umlaufbahn des amerikanischen Satelliten zu verschleiern.  Möglicherweise soll während des Ukraine-Kriegs und der Unterstützung der Ukraine durch die USA demonstriert werden, dass Russland die Fähigkeit besitzt, amerikanische Satelliten auszuschalten. Es könnte gut sein, dass Russland einen Warnschuss gegen die USA im Weltraum gibt, um klarzumachen, dass die Unterstützung der Ukraine durch Satellitenbilder und andere Daten Konsequenzen haben kann, die die militärische Überlegenheit des US-Militärs beeinträchtigen, ohne auf der Erde in einen militärischen Konflikt einzutreten.

Aber wir wissen weder, was der amerikanische Satellit für Kapazitäten und Aufgaben hat, noch was der russische Satellit wirklich erreichen soll. Klar ist nur, dass längst weit weg von uns im Weltraum die Aufrüstung in ein neues Spiel eingetreten  und der Weltall militarisiert ist. Noch steht ein Weltraumkrieg ebenso wie ein richtiger Cyberwar – und ein Atomkrieg – aus, aber wenn die Konflikte so ungebremst weiter laufen und keine neue Sicherheitsarchitektur gezimmert wird, könnten wir in einer Situation landen, in der in allen drei Dimensionen ein Krieg geführt wird, der es dann erübrigen würde, die Klimaerwärmung aufhalten zu wollen.

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10 Kommentare

  1. Der Kessler-Effekt erledigt dann den Rest.
    So viele kluge Menschen machen so viel dummes, nur weil weniger kluge Menschen es ihnen sagen.

  2. „,…dass Russland die Fähigkeit besitzt, amerikanische Satelliten auszuschalten.“
    Wozu noch zögern? Wäre längst fällig. Und dann bitte gleich ALLE!

  3. Diesen sinnentstellenden Fehler bitte korrigieren!
    -> Das russische Verteidigungsministerium warf deshalb der *Ukraine* eine direkte Kriegsbeteiligung vor.

  4. Und noch einer den Lektor zu erheitern:

    „…
    …um sie mit Geschossen anzugreifen, sie zu jammen oder sie mit einem Laser zu blenden, sie könnten aber auch versuchen, auf den gegnerischen *Planeten* aufzuprallen.

    Da weder Russland noch die USA über Ersatzplaneten verfügen, schlage ich Satellit vor.

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