
Trump regiert mit (direktem?) Beistand Gottes. Vize Vance, möglicherweise bald sein Nachfolger, hat den katholischen Glauben als unfehlbare Leitschnur. Und Kriegsminister Hegseth zeigt stolz sein Tattoo „Deus vult“. Ist das MAGA-Gaga oder passt es zum freien Westen?
1. Ein bemerkenswertes Sendungsbewusstsein
Nicht erst seitdem sich Trump als Erlöser bzw. Heiler in Jesus-Tradition inszeniert – worauf Papst Leo als der Stellvertreter Gottes hienieden einschreiten musste –, springt beim aktuellen Stand des US-Anspruchs auf Weltherrschaft eine religiöse Überhöhung ins Auge, die eher an theokratische als an demokratische Herrschaftsprinzipien erinnert. Und die den deutschen Qualitätsjournalismus bedenklich stimmt.
- Aber nicht nur den! Die neue Bekenntnisschrift „Communion – Finding My Way Back to Faith“ (2026) von J.D. Vance kam in der US-Presse nicht gut an. Die New York Times sah darin ein dubioses Selbstfindungsunternehmen, das Wall Street Journal sprach von „egregious sloppiness“, von „enormer Schludrigkeit“. Die FAZ (20.6.26) widmete dem Buch eine Rezension (Autorin: Marianna Lieder) mit der Überschrift „Auf in den Gottesstaat“. Ohne Fragezeichen übrigens! Sie wies mit spitzen Bemerkungen auf Widersprüche bei diesem US-Frömmler hin, der zu den mächtigsten Figuren auf dem Globus gehört, und warf sogar die „Klassenfrage“ auf. Der Mann fühle sich zwar seit seiner Konversion zu Trump und Gott (wie der hl. Augustinus kannte Vance ja eine wilde Jugend) von der katholischen Soziallehre „angezogen“, die er „als gesellschaftspolitisches Allheilmittel“ anpreist. Gleichzeitig verehrt er aber Peter Thiel, der von der Demokratie wenig hält und laut FAZ kaum geeignet ist, die Nöte der amerikanischen Arbeiterklasse zu verstehen.
- Einen demokratieskeptischen Mentor hat auch der fromme, ebenfalls unter heftigen Konvulsionen konvertierte Kriegsminister Pete Hegseth, nämlich Pastor Wilson, „der seit Jahren von einem christlichen Gottesstaat predigt“. So Paul Middelhoff in der Zeit (2.7.26), die von einem Gespräch mit diesem Anführer einer – dank Trump – aufstrebenden evangelikalen Kirche berichtet. Der Gottesmann nimmt kein Blatt vor den Mund, seine „Re-Christianisierung soll den USA den Säkularismus austreiben“, Frauen müssten z.B. das Wahlrecht verlieren, Nichtchristen von Staatsämtern ausgeschlossen werden, Juden oder Muslime hätten dort nichts verloren… Ob Trump selber in den Himmel kommt, sei aber fraglich.
- Das sieht der Chef im Weißen Haus natürlich anders. In einem Interview mit der New York Times hatte er ja sein Gewissen als maßgebliche Instanz hochleben lassen: „My own morality. My own mind. It’s the only thing that can stop me.” Und als er dann gegen das Böse in der Welt – gegen den antiamerikanischen Iran – zu Felde zog, fand seine gute Absicht in der deutschen Öffentlichkeit prinzipiell Zustimmung, obwohl er alle Register eines christlichen Dschihadismus zog. Nur in der Jungen Welt (13.3.26) gab es entschiedenen Widerspruch. Renate Dillmann ließ dort unter dem Titel „Trump von Jesus gesalbt“ (so ein US-Kommandeur bei der Einschwörung seiner Soldaten auf den Überfall) die neuesten Lobhudeleien Revue passieren, z.B. den Aufruf von Paula White, der „spirituellen Beraterin“ des Präsidenten: „Was für ein großartiger Tag, an dem wir für @potus, für unsere Truppen, für die Familienangehörigen unserer großartigen Soldaten, für Amerika und Israel und für die Operation Epic Fury beten.“ Außenminister Rubio, auch Katholik: „Lasst mich euch das in einfachen Worten erklären, okay? Der Iran wird von Wahnsinnigen regiert, von religiösen Fanatikern.“ Und nicht zu vergessen der katholische Bundeskanzler Merz, der sich dem im Prinzip anschloss.
In der Tat: Die freie Welt, die sonst immer das Gespenst des Totalitarismus an die Wand malt, legt bei Gelegenheit ein religiöses Sendungsbewusstsein an den Tag, das angeblich nur dem „Mullah-Regime“ und sonstigen Barbaren zu eigen ist. Hier zeigt sich auch, passend zum Atomzeitalter, eine Selbstherrlichkeit und -gerechtigkeit, die locker, wie jetzt im Fall Iran, die Auslöschung einer „ganzen Zivilisation“ (Trump) ins Auge fasst. Was man genau so vom „unique ally“ Israel kennt, wo seit den 1970er Jahren die Palästinenser mit dem Volk der Amalekiter gleichgesetzt werden, das auf Jahwes Befehl ausgelöscht werden sollte. Das zionistische Regime beruft sich ja ebenfalls auf eine heilige Schrift, wobei Netanjahu mit seinen Zitaten aus dem Alten Testament, wie er sagt, den Amalekiter-Topos nur umgangssprachlich aufgreift.
Übrigens hat Hegseth nicht nur „Deus vult“ (Gott will es) auf dem Bizeps, sondern neben martialischer Kreuzrittersymbolik auch „Jahwe“ auf seinem Body tätowiert. Das führt bei Zuständigen in Deutschland, etwa beim katholischen Domradio, zu Bedenken. Einerseits jedenfalls. Man müsse konstatieren, dass Hegseths Tattoos „zum extremistischen, christlichen Nationalismus“ gehören, der in den USA „evangelikal aufgeladen ist. Nicht zuletzt beim Sturm aufs Kapitol waren Kreuzrittersymbole und ‚Deus vult‘-Flaggen zu sehen. Selbst der Massenmörder Anders Breivik, der sich zum Templerorden zählte, sah sich als ‚Kreuzritter‘.“ Andererseits fällt den katholischen Öffentlichkeitsarbeitern sofort ein, dass die bedenkliche Symbolik erstens zum festen kirchlichen Traditionsbestand gehört und dass zweitens die religiöse Ansprache bestimmter Wählergruppen durchaus verständlich und üblich ist.
So geht halt Demokratie. In der Tat auch bei uns.
2. Mit Gott regieren – so what?
Bei uns erinnert man gerne an die Aufklärung und die republikanischen Werte, die damit in die Welt kamen. Man ist stolz auf die Trennung von Staat und Religion und verlangt vom angeblich mittelalterlichen Islam (sofern es sich nicht um unsere Freunde in Saudi-Arabien oder den Arabischen Emiraten handelt) den Nachvollzug unserer Errungenschaften. Beim Ausmalen von Feindbildern kann man aber selber einen religiös gehaltenen Moralismus gut gebrauchen – wenn man sich nämlich gegen das Böse in der Welt aufstellt, gegen die „bad guys“, die auch ein Merz nicht mag, wie er Trump versicherte. Da ist Religion eine nützliche Berufungsinstanz. Aber nicht nur da. Für die unhinterfragbare, absolute Gültigkeit des staatlichen Gewaltmonopols in unserem Gemeinwesen leistet sie überhaupt ihre Dienste.
So heißt es in der Präambel des deutschen Grundgesetzes: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen … hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“ Die besagte Verantwortung vor dem Allerhöchsten soll (laut Bundeszentrale für politische Bildung) „ein ethisches Fundament von absoluter Tragfähigkeit bieten… Mit der Anrufung Gottes ist nicht die Entscheidung für einen christlichen Staat verbunden, sondern die besondere Verantwortung aller Staatsgewalt angesprochen.“ Wahre Souveränität kann sich nicht damit aufhalten, dass „alle Staatsgewalt vom Volke“ ausgeht (siehe GG, Art. 20). Die Letztbegründung der Staatsmacht hängt eben nicht von den Vorstellungen und Wünschen der Untertanen ab, die heute Staatsbürger heißen. Ein eigenes Notstandsrecht trägt dem ja Rechnung, dass im Falle des Falles die höchste Gewalt aus sich heraus das Recht hat, die Unterordnung ihres Volks durchzusetzen.
- Diese religiöse, speziell christliche Einkleidung stand auch der Nachkriegs-BRD auf die Stirn geschrieben. Der Adenauerstaat verteidigte das christliche Abendland gegen den gottlosen (vormals: jüdischen) Bolschewismus, der als das Böse schlechthin galt und in seiner Gottlosigkeit mit dem Faschismus angeblich übereinstimmte – so die gängige Anwendung der Totalitarismustheorie. Und die Kennzeichnung des Ostblocks als „Reich des Bösen“ hat sich bis in die Endphase des West-Ost-Gegensatzes gehalten, ja in der BRD eigentlich bis in die Gegenwart.
- Dazu passt die Gründung von C-Parteien, die in den Westzonen als Statthalter einer antifaschistischen Staatsräson aus der Taufe gehoben wurden, sowie die Tatsache, dass die SPD 1959 mit dem Godesberger Programm, der Verabschiedung aus der Rolle einer Arbeiterpartei, das Christentum zu einer ihrer Quellen erklärte. Christentum galt nicht nur als Ausweis einer edlen Gesinnung in der politischen Klasse, sondern als verbindliches Staatsprogramm, was Lebensführung, Sittlichkeit oder Kulturleben anging. Bis dahin etwa, dass die christliche Sexualmoral als demokratische Sitte vorgeschrieben war. Ein (katholischer) Staatsrechtler wie Klaus F. Gärditz hat noch 2023 festgehalten, dass die Bundesverfassungsgerichts-Entscheidung von 1957, die die Strafbarkeit von Homosexualität bestätigte, durch ein rechtsstaatlich einwandfreies Verfahren zustande gekommen ist.
- Als Fußnote sei nur erwähnt, dass die „christlich-abendländische Kultur in Deutschland“ als Höchstwert überhaupt nicht ausgestorben ist. Die AfD verteidigt ihn in seiner konservativen Fassung. Gegen einen „politischen Islam“ beziehen aber alle demokratischen Kräfte Stellung. Und klar, in einem Land, das laut katholischem Bundesinnenminister „klar christlich geprägt“ ist, muss das „Stadtbild“ u.Ä. gegen Überfremdung geschützt werden.
3. Dasselbe auch noch auf links?
Das gibt’s dann auch noch: Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow taucht beim diesjährigen Katholikentag mit der Botschaft auf, dass die Republik „in Gotteshäusern wichtige Orte für Zusammenhalt und gesellschaftlichen Austausch“ habe. „Jesus ist ein Linker“, hatte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch Ende 2025 erklärt, was dann der Katholik Ramelow, religionspolitischer Sprecher der Links-Fraktion, gleich für seine Partei reklamierte. Denn angeblich setzen Christen wie auch Linke gleicherweise „auf Gemeinschaft“. Das schreibt Ramelow jedenfalls im Geleitwort zu einem Sammelband, der gerade bei VSA erschienen ist. Gegen den alten Bebel-Spruch setzt der die Gegenposition: „Nicht wie Feuer und Wasser – Religion und Sozialismus“.
Die Veröffentlichung erinnert vor allem an die Geschichte des „Bundes der Religiösen Sozialisten in Deutschland“ (BRSD), der, in den 1920er Jahren gegründet, immer eine Miniszene blieb, aber „bis zu seinem Ende 1933 die mit Abstand wichtigste Kraft gegen die Faschisierung der Kirchen“ war. Eine Feststellung, die vor allem eins erkennen lässt: wie geschlossen die Kirchen sonst den nationalen Aufbruch und den Übergang in den faschistischen Staat mittrugen. Für deutsche Protestanten war das ja sowieso eine Selbstverständlichkeit. Aber auch die Katholiken, die mit ihrem „ultramontanen“ Oberhaupt eher den Verdacht einer nationalen Unzuverlässigkeit auf sich zogen, leisteten hier treue Dienste, gerade mit ihren profaschistischen Päpsten Ratti (Pius XI.) und Pacelli (Pius XII.). Pacelli hatte ja noch als Kardinalstaatssekretär 1933 das Reichskonkordat mit dem NS-Regime unter Dach und Fach gebracht, den Nazis also mit dem ersten großen völkerrechtlichen Vertrag eine außenpolitische Aufwertung verschafft. An diese Vorgänge sollte man speziell heute erinnern, wo wieder ein Krieg gegen Russland vorbereitet wird. Peter Bürger hat jüngst bei Overton darauf hingewiesen, dass die deutschen katholischen und evangelischen Kirchenleitungen bei Hitlers Vernichtungsfeldzug gen Osten mit über 20 Millionen Opfern assistierten, wofür sie niemals wirkliche „Kirchenbuße“ leisteten.
Den Autoren der neuen Publikation ist natürlich diese Randstellung bewusst, sie fordern aber eine Reaktivierung der Bewegung und wollen mit ihren zeitgeschichtlichen Dokumenten belegen, dass die Synthese möglich ist und dass das alte Verdikt Bebels, Sozialismus und Christentum stünden sich gegenüber wie Feuer und Wasser, schon empirisch keinen Bestand hat. In einer Hinsicht kann man den Autoren da zustimmen, es gibt eine Tradition katholische Kapitalismuskritik. Es fragt sich nur, was diese kritisiert und ob sie mit einem sozialistischen Programm zusammengeht.
Trump und sein Vize Vance sehen das, wie gesagt, genau umgekehrt. Sie wollen mit Gottes Beistand einen entfesselten Kapitalismus durchsetzen. Das wiegt natürlich wesentlich schwerer als gewisse historische Reminiszenzen in puncto Sozialismus. Aber klar: In der Catholica hat jemand anders das Sagen, nämlich Papst Leo XIV., der sich mit seiner Namenswahl passenderweise in die Tradition von Leo XIII. stellte, dem Verkünder der modernen katholischen Soziallehre. Der warnte damals mit seiner Sozialenzyklika „Rerum novarum“ (1891), die ganz dem Geist des Antimodernismus verpflichtet war, vor dem „Geist der Neuerung“: Der habe schon auf dem politischen Gebiet „seine verwerflichen Wirkungen“ entfaltet, allerlei demokratische Unsitten (z.B. Religions- und Gewissensfreiheit) eingeführt und erstrecke sich nun auch aufs „volkswirtschaftliche Gebiet“, wo die Zusammenschlüsse der Arbeiter für Unruhe sorgten und der Obrigkeit Schwierigkeiten bereiteten.
Auf diese Weise kam kirchlicherseits ein älterer Gedanke wieder zu Ehren, dass man nämlich der Geldwirtschaft mit ihren Entartungen wie Zinswucher und Geldgier Einhalt gebieten müsse. Der Kapitalismus – so der Grundtenor der modernen Soziallehre, die freilich von Leo über „Papa buono“ Roncalli bis zum gediegen antikommunistischen Wojtyla gewisse Konjunkturen erlebt hat – sei nur mit Regulierungen und Beschränkungen vertretbar. Im Blick auf sein „individuelles“, „ungezügeltes Gewinnstreben“, das „ohne Rücksicht“ auf die „Gemeinschaft“ betrieben werde, wie es heute Ramelow formuliert, müsse der Staat einschreiten. Dies natürlich auch und vor allem, wie der alte Leo Ende des 19. Jahrhunderts klar machte, um unzufriedene Arbeiter von ihren umstürzlerischen Gedanken abzubringen und die staatliche Autorität zu festigen.
Im Prinzip, das sei hier in aller Kürze gesagt, ist die katholische Soziallehre auch unter dem neuen Leo dieser Linie treu geblieben (siehe dazu „Geliebte Armut“ in der Jungen Welt vom 10.12.26). Er hat die Meisterleistung vollbracht, die harschen Worte seines Vorgängers Franziskus („Diese Wirtschaft tötet“) in eine zeitgemäße Fassung von Nächstenliebe einzubauen und somit das seltsame soziale Programm zu erneuern, Armut eigentlich nicht abzuschaffen, sondern zum Orientierungspunkt eines frommen Lebens, ja zu einem Ort der Gottesbegegnung zu machen. Päpste bleiben, unbestritten, auf dies Weise „lästige Mahner“. Leo, der gebürtige US-Amerikaner Prevost, geriet sogar mit Trump aneinander, logischerweise, da er – und nicht der US-Präsident – den direkten Draht nach oben hat. Nur muss man auch festhalten, dass er sich nicht wirklich mit der US-Linie anlegt (vgl. „Ein Vorbild für Frieden?“ in der Jungen Welt vom 2.7.26), wie jetzt seine Enzyklika zu Fluch und Segen der Künstlichen Intelligenz zeigt.
4. Wie gehabt: Mit Jesus für „unsere“ Werte
Alles in allem vertritt Leo ein Programm, das mit dem sozialistischen Projekt, den Produktionszweck zu ändern und damit die Armut samt Klassengegensatz abzuschaffen, wenig zu tun hat. Da kann sich eher ein Ramelow bestätigt sehen. Seine Auslegung des Neuen Testaments hat mit Sozialismus ja auch nicht viel zu tun. Er sieht in seinem Geleitwort vor allem „vier Aspekte, die die Gemeinsamkeiten begründen“. Das seien erstens „die Sorge und das praktische Bemühen“ um die „Schwachen“ in unserer Gesellschaft, woraus sich die Notwendigkeit einer Reichensteuer ergebe; denn „die Entlastung von Menschen mit kleinen Einkommen, das ist doch auch ein christlicher Ansatz“. Bemerkenswert, dass in Ramelows sozialistischem Gesellschaftsentwurf Starke und Schwache, also Klassenunterschiede vorkommen, die bei der staatlichen Geldbeschaffung zu berücksichtigen und dafür in ein ausgewogenes, sozialpartnerschaftliches Verhältnis zu bringen sind. Welcher Vertreter der sozialen Marktwirtschaft wollte da widersprechen!
Zweitens setzen laut Ramelow „christliche Soziallehre wie auch linke und progressive Politik auf Gemeinschaft“ und lehnen das rücksichtslose Gewinnstreben ab. Na ja, auch nichts speziell Sozialistisches! Das tun ebenfalls Faschisten, die auf den nationalen Arbeitsdienst an der Volksgemeinschaft großen Wert legen. Und in der demokratischen Kriegswirtschaft, wie wir sie momentan erleben, verlangt der Staat ebenfalls von den Kapitalisten, auf seine politischen Absichten Rücksicht zu nehmen. „Drittens leitet sich daraus aus meiner Sicht eine ähnliche, jedoch nicht identische Kritik am heutigen Kapitalismus ab: Ausbeutung, ungezügeltes Gewinnstreben und die Konzentration von Vermögen, das sind Zustände, die niemals Gerechtigkeit ermöglichen“. Hier ist Ramelow vorsichtig, Fusionen und kartellrechtliche Fragen sind ja auch bei Jesus kein Thema. Aber es ist klar, was angestrebt werden soll: eine gerechte Verteilung durch den Staat, der eben, wie eingangs festgestellt, den „Starken“ einiges zumutet, statt alles von den „Schwachen“ erledigen zu lassen. Dass es um eine solche anständige Staatsmacht geht, bestätigt dann der letzte Punkt, der Klartext redet: „Viertens sind die Verteidigung von Menschenwürde und -rechten, Demokratie und Mitbestimmung sowie Freiheit – auch Religionsfreiheit! – Aspekte, die Bande knüpfen.“
Man beachte, die „Verteidigung der Freiheit“ ist mit im Programm, passend zu Ramelows Plädoyer für eine gut gerüstete Bundeswehr, die zur Verteidigung der BRD – aber nicht nur dazu, sondern auch von „Würde“ und „Rechten“ – in der Lage sein soll. Fazit seiner Vision: ein starker Staat, der seine Gesellschaft im Griff hat und auf ein tätiges Volk zugreifen kann. Und das kommt von einem, der seine Partei dazu auffordert, „ihr Verhältnis zur Bundeswehr zu überdenken“, und der mit einer militärische Zeremonie aus seinem Thüringer Amt verabschiedet wurde (mit „Tränen in den Augen“).
In diesem Verhältnis hat der deutsche Katholizismus ja seinen festen Platz: Die Militärseelsorge steht Gewehr bei Fuß, den Krieg gegen Russland im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitzutragen – so wie vor 85 Jahren beim Unternehmen Barbarossa oder 1933 beim Reichskonkordat, dessen Abschluss auch schon im Blick auf den geplanten Krieg und den Bedarf an Seelsorge erfolgte. Der Katholik Hitler hielt ja nichts von der Wiederbelebung germanischer Kulte, wie vom Amt Rosenberg vorgesehen, sondern setzte auf bewährte Kräfte. Und dieser Brauch ist auch bei heutigen Herrschern nicht ausgestorben.
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Es ist eigentlich alles ganz einfach.
Solange es Religionen, Staaten und Kapitalismus gibt, wird es auch immer Krieg geben.
Es gab auch lange vor diesen Dingen Krieg. Krieg ist eine Art Naturzustand des Lebens. Immer wenn die Ressourcen knapp sind, konkurrieren Lebewesen darum. Unser Unterschied ist nur, dass wir dafür keine biochemischen Kampfstoffe, Zähne, Klauen oder Fäuste, sondern Waffen benutzen. Kriege wird es so lange geben, solange es Lebewesen gibt.
Wir hätten aber keine knappen Ressourcen Überbevölkerung mehr, wenn wir damit richtig umgehen würden (Kapitalismus) und technisch, haben wir die Voraussetzungen geschaffen um ganz prima miteinander Leben zu können.(Religionen)
Dieser Kommentar ist eine typische linke Empörung. Die Religionen formulieren die Verbote, Staaten werden ohne Beteiligung von linken Utopisten gegründet und verändert. Wirtschaftsformen der Staaten bilden sich nach praktischen Kriterien ohne der Beteiligung von Utopisten heraus. Wobei die Sowjetunion und China schon einen anderen Weg als den Kapitalismus gewählt haben. Dass Andere bestimmen und nicht die Richtigen, also Wir – die Linken – führt zur Traumatisierung und Enttäuschung: „Das sind die falschen Leute! Eigentlich sollten wir die Verbote bestimmen!“ Kommentare wie dieser sind mehr Ausdruck einer Hilflosigkeit als substantielle Kritik an den Verhältnissen.
Wir hätten aber keine knappen Ressourcen (Überbevölkerung) mehr, wenn wir damit richtig umgehen würden (Kapitalismus) und technisch, haben wir die Voraussetzungen geschaffen um ganz prima miteinander Leben zu können.(Religionen)
Knappe Ressourcen gab es schon lange vor dem Kapitalismus. Auch das ist ein Naturzustand. Tatsächlich ist es für die meisten Menschen erst durch den Kapitalismus so geworden, dass sie im Überfluss leben. Erst die Maschine des Kapitalismus hat es dem Menschen ermöglicht, mehr zu produzieren als er verbraucht. Ich sehe den Kapitalismus durchaus kritisch aber ich habe den Eindruck als würden hier die meisten nur ein Dogma niederschreiben dessen Sinn sie nicht verstehen und über den sie nie nachgedacht haben. Dass es andere Systeme gibt, die ebenfalls Bedürfnisse decken mag ich durchaus nicht bestreiten, nur die Welt, die es vor dem Kapitalismus gab, hat hier keiner erlebt, sonst würde er nicht so darüber sprechen.
Nein, hatten wir nicht so ein Schwachsinn.
Erst, mit der Industriellen Revolution und mit der anwachsender Bevölkerungsrate kamen diese Schwierigkeiten.
Wir erleben gerade keine simple Rückkehr in den „Gottesstaat“, sondern etwas Ambivalenteres: eine doppelte Re‑Sakralisierung von Macht – in der US‑Version als offener christlicher Nationalismus, im „freien Westen“ als moralisch überhöhte Staatsräson, die sich religiöser Symbole bedient, ohne je offen theokratisch zu werden.
Schillo trifft in seinem Text etwas Wesentliches: MAGA und der neue US‑Kreuzzug führen uns drastisch vor Augen, wie bruchlos Demokratie in religiös aufgeladene Herrschaft kippen kann. Trump, Vance, Hegseth sind keine Fremdkörper in einer ansonsten aufgeklärten westlichen Ordnung – sie sind Übertreibung und Zuspitzung von Mustern, die in der BRD‑Tradition „Verantwortung vor Gott“, christlichem Abendland und NATO‑Kriegsmoral längst angelegt waren.
Gerade deshalb sollte man aber einen Unterschied scharf ziehen: In den USA entsteht mit White Christian Nationalism ein relativ kohärentes, dichtes Projekt, das Glaube, Nation und Rasse verschmilzt; Jesus wird politisch neu erfunden, weiß, autoritär und nationalistisch gemacht. Das ist eine „Überfüllung“ der Religion – eine Umcodierung des Christentums zu einer identitären Kampfreligion, die ihren eigenen biblischen Kern weitgehend hinter sich lässt.
Im deutschen Kontext – und hier sehe ich den blinden Fleck im Text – haben wir eher die komplementäre Figur: eine Entkernung von Religion zur reinen Chiffre der Staatsräson. „Verantwortung vor Gott“ in der Präambel, C‑Parteien, Militärseelsorge, Grundwertegerede dienen weniger der Durchsetzung konkreter Dogmen, sondern der sakralen Überhöhung staatlicher Gewalt. Man muss nicht glauben, um sich dem zu unterwerfen – der Appell an Gott ist funktional: Er liefert die Letztbegründung, dass „unsere“ Gewalt, „unsere“ Kriege, „unsere“ Werte etwas qualitativ anderes seien als die der „Mullahs“ oder „Fanatiker“.
Genau hier wird es interessant, wenn Schillo von Ramelow, Miersch und den religiösen Sozialisten spricht. Der Versuch, Jesus als „Linken“ zu reklamieren und Christentum mit Sozialismus zu versöhnen, erscheint auf den ersten Blick als Gegenbewegung zu Merz, Vance & Co. Schaut man näher hin, läuft es aber auf denselben strukturellen Trick hinaus: Der Staat bekommt einen spirituellen Überbau, der seine Kriegs‑ und Sozialpolitik als moralisch notwendige Verteidigung von „Gemeinschaft“, „Menschenwürde“ und „Schwachen“ inszeniert. Es ist kein Zufall, dass derselbe Ramelow, der Reichensteuer mit „christlicher Nächstenliebe“ begründet, die Bundeswehr als Hüterin von Würde und Freiheit rehabilitieren möchte und sich mit militärischen Ehren verabschieden lässt.
Damit ist man erstaunlich nah an der Logik der katholischen Soziallehre, die Schillo zu Recht seziert: Seit Leo XIII. ist der Grundgedanke, Kapitalismus zu zügeln, ohne seine Eigentums‑ und Machtverhältnisse zu sprengen, Unruhe zu befrieden, Armut in Tugend umzudeuten und die Loyalität der Untertanen gegenüber der Obrigkeit zu sichern. Papst Leo XIV. variiert das heute in „zeitgemäßer“ Form: Er verurteilt eine tödliche Wirtschaft, warnt vor Entartungen der KI, rückt Armut als Ort der Gottesbegegnung ins Zentrum – und bleibt doch innerhalb einer Ordnung, in der NATO‑Krieg, US‑Hegemonie und Marktlogik nicht wirklich in Frage gestellt werden.
Vor diesem Hintergrund wirken MAGA‑Kreuzritter wie Hegseth mit ihren „Deus vult“- und „Jahwe“-Tattoos gar nicht so exotisch. Ja, sie knüpfen an Kreuzritter‑Traditionen, Anders Breivik und Capitol‑Stürmer an; ja, sie stehen für einen extremistischen, evangelikal aufgeladenen christlichen Nationalismus. Aber die deutsche Öffentlichkeit, die sich über diese Symbolik erschreckt, verdrängt, dass derselbe Traditionsbestand – Kreuzzugspathos, „Reich des Bösen“, Amalek‑Topos, Wehrmachtsseelsorge – historisch auch zur Legitimation eigener Vernichtungskriege gedient hat und heute in der Militärseelsorge für NATO‑Operationsgebiete weiterlebt.
Die eigentliche Pointe des Artikels liegt deshalb nicht in der Empörung über die amerikanische Gottesstaat‑Rhetorik, sondern in der Diagnose, dass der „freie Westen“ seine eigene politische Theologie nie wirklich überwunden hat. Die Formel „mit Gott für unsere Werte“ ist elastisch: Sie trägt Adenauers antikommunistisches Abendland, Netanjahus Amalek‑Rhetorik, Trumps Iran‑Krieg, Merz’ Zustimmung zur US‑Linie, Ramelows christlich grundierte Reichensteuer genauso wie Leos Spiritualisierung der Armut. Inhaltlich sind das teils gegensätzliche Lager – strukturell bedienen sie sich derselben Legitimationslogik: Eine höhere Instanz jenseits demokratischer Willensbildung entscheidet, was nötig, gerecht, alternativlos ist.
Was der Artikel nur streift, aber implizit vorbereitet, ist der nächste politische Schritt: Wenn Religion im Westen immer stärker zur kulturellen Chiffre (Abendland, „jüdisch‑christliche Werte“) und zur Hintergrundmusik einer zunehmend militarisierten Staatsräson wird, verschiebt sich der Konflikt. Es geht dann weniger um Trennung oder Nicht‑Trennung von Staat und Kirche, sondern um die Frage, ob wir überhaupt noch einen Begriff von Säkularität haben, der ohne heilige Letztbegründungen auskommt – und ob politische Linke bereit sind, diesen Begriff zu verteidigen, statt sich an die religiöse Semantik anzudocken, sobald sie kurzfristig Mobilisierungsvorteile verspricht.
Insofern lässt sich Schillos Text radikalisieren: Nicht nur Trump und Hegseth sind das Problem, auch nicht nur Merz oder Ramelow. Das Problem ist, dass Religion – und ihre säkularen Derivate wie „unsere Werte“, „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ – in einer Phase imperialer und ökonomischer Krisen wieder zur bevorzugten Technik wird, um Gewalt zu adeln und sozialen Widerspruch zu entschärfen. Wer aus linker oder demokratischer Perspektive auf diese Entwicklung antworten will, kommt an der unangenehmen Aufgabe nicht vorbei, den eigenen Hang zur Zivilreligion zu reflektieren, statt nur auf die „Gottesstaatler“ in Washington zu zeigen.
Wenn man das ernst nimmt, wäre ein konsequent aufklärerischer Schluss aus diesem Artikel nicht „mehr Religion auf links“, sondern im Gegenteil: eine Re‑Säkularisierung der Politik – materielle Konflikte benennen, Klasseninteressen offenlegen, Kriege als Macht‑ und Interessenpolitik analysieren, ohne ihnen eine sakrale Aura moralischer Mission zu verleihen. Sonst bleibt es bei der komfortablen Pose, über fremde Kreuzzüge zu spotten, während man selbst längst auf dem eigenen, säkular getarnten Kreuzzug unterwegs ist.
Deinem Schlussabsatz stehe ich radikal feindselig gegenüber, Unicorn – und werde gleich Hinweise geben, warum – aber das ändert nicht, daß der Rest ein guter Text ist.
Dazu einige Anmerkungen:
Unterschreibe ich, soweit das die Dynamik benennt.
Schaust Du aber etwas genauer hin, hat klerikal fixierte Verheiligung die Funktion einer ständischen Klammer des Herrschaftspersonals behalten, die vor etwa 1500 Jahren unter Chlodwig im „Lex Salica“ codifiziert worden ist. Kennst Du das? Wenn nicht, empfehle ich es Dir dringend an.
Deshalb ist folgender Satz in jeder Hinsicht falsch:
Daß mit dem „biblischen Kern“ mag einen „g“ haben, der mich als Feind der Religionen nichts angeht, aber die „Überfüllung“ ist ein historisches Märchen, wie Du mindestens von den Kreuzzügen weißt, und den Keim davon findest Du, wie gesagt, im „Lex Salica“
In den USA klammert diese Klerikalität von Beginn an die Herrschaftsschicht der zu Einfluss und Macht strebenden Siedlerfamilien, die bis auf den Tag einen „harten Kern“ der föderalen Herrschaftsschicht bildet.
(Die „Anekdote“, wie Jimmy Carter Präsident wurde, dokumentiert das ebenso eindrücklich, wie lustig. Jimmy wollte nicht. Also kam Rockefeller ihm auf den Hof geritten und bedeutete ihm, es sei jetzt seine verdammte nationale Pflicht, diesen „Job“ zu übernehmen – als Vertreter einer gleichsam „unbefleckten“ Strate der prominenten Siedlerfamilien)
Bis auf den letzten Nebensatz ist das eine begrifflich scharfe Beschreibung. Doch dem katholischen Klerus ging es dabei stets um die spirituell aufgetakelte, eigene weltliche Macht aus o.a. Klammerfunktion, darin lag das jesuitische „Schisma“, weil die Jesuiten sich gleichsam als „Entristen“ mit den weltlichen Machthabern gemein gemacht haben – soweit ich das begriffen habe. Das ist nicht wirklich mein Beritt.
Deine Sammeldiagnose:
ist nach alledem in meinen Augen eine schräge, spiritualistisch-idealistische Deutung des wohl getroffenen Punktes: Who said, political theology had to go? Unicorn!
Ich behaupte unter Berufung auf meinen letzten Kommentar anderwärts und diejenigen, die ich damit fortgesetzt und ergänzt habe, daß, wenn Du schon merkwürdigerweise den Übergang machst, das (nationale resp. herrschaftskulturelle) „Wir“ ins Zentrum Deiner Erwägungen zu rücken, daß solcher „Begriff“ von Säkularität schlicht nicht zu haben ist, weil falsch. Säkulare Herrschaft ist – in verschiedenen Formen und Gestaltungen – immer so sakral gewesen und geblieben, wie sakraler Herrschaftsanspruch säkular ist.
Und danke für Deine angegende Darlegung.
Sorry für den Auszeichnungsmist, ich hatte es eilig und wurde gestört.
Und ich hätte namentlich in dieser Umgebung unbedingt beifügen müssen, in welcher Eigenschaft der David Rockefeller dem Jimmy auf den Hof ritt: Als Gründer der „Trilateralen Kommission“, deren zweites Gründungsmitglied Zbigniew Brzezinski gewesen ist.
Sagt der Kaiser zum Papst: „Du hältst sie dumm und ich halte sie arm“
Wie komme ich jetzt zu den einhundert … ahhh geschafft
Die meisten Menschen sind religiös, auch viele Atheisten. Religiös zu sein bedeutet nicht, dass man einen Gott dazu braucht, es braucht ein Dogma und Dogmen gibt es mehr als genug, vor allem unter Atheisten. Diese glauben nämlich, nachdem sie keinen Gott mehr haben den sie anbeten, das Thema zu den Akten legen zu können, ohne jemals tiefer darüber nachgedacht zu haben und das macht sie anfällig für Dogmen.
Der Kapitalismus bringt nur Krieg, Inflation und Siechtum … nichts weiter.
Außerdem verschwendet er die letzten Resssourcen.
Wir werden wegen dem kapitalistischen Verwertungsprozess alle draufgehen!
Also ich schreibs mal so:
Hitler war nun mal kein Linker eigentlich nicht mal Politiker sondern eine
messianische Figur.
Sein Propagandaminister hieß Josef mit Frau Maria.
und er heiratete Eva um sein Volk zurück ins Paradies zu bringen.
Es ist nur eine kleine Minderheit die zu Religion distanziert steht fast weltweit.
Und auch von dieser Minderheit wird wenn es nützlich erscheint das religiöse Treiben anfeuern.
Heute hab ich gelesen das Trump Allah gelobt hat.
Na dann bis dann.
Der katholische Religionskonzern ist in den westlichen Staaten festes Bestandteil des jeweils aktuellen politischen Systems. Sie, die Führer dieses Konzerns, machen deshalb das, was die politischen Obertanen von ihnen erwarten.
Und die Mitglieder dieses Religionskonzern: Glauben macht bekanntlich blind und ersetzt das selber denken. Deshalb sind die „Katholen“ sehr leicht zu führen und zu lenken – so wie es die Politiker wollen.
Es muss heißen:
Und auch von dieser Minderheit wird ein Teil wenn es nützlich erscheint das religiöse Treiben anfeuern.
PS: Kann man hier nicht mehr seine Kommentare bearbeiten ?
Trump kündigt für den Fall eines Attentats auf ihn schon mal vorsorglich an, den Iran dann vollständig zerstören zu wollen.
Wie denn, wenn er…tot ist?
Wer das wohl als Aufforderung zum Handeln verstehen könnte? Und sei es nur, um ein Attentat zu fingieren und Iran in die Schuhe schieben zu können.
Also wenn die New York Times und das Wall Street Journal das Buch eines Politikers verreissen, spricht das grundsätzlich erst mal für das Buch und auch für den Politiker.
Ich habe Auszüge aus Vance’s Bestseller gelesen, das ganze Buch kenne ich nicht, werde das aber nachholen. Wenn er in dem neuen Buch die katholische Soziallehre propagiert, ist das grundsätzlich erstmal ein Pluspunkt.
Ich blicke durch den Mann nicht ganz durch, finde ihn aber interessant und werde ihn weiter beobachten. Die immer wieder vorgebrachte Behauptung, er sei Peter Thiels Sockenpuppe, verkennt mE, dass er wohl intelligenter ist als sein Förderer. Ich bezweifle zB, dass Thiel ihm in Sachen Prosa das Wasser reichen kann. Und dass Oligarchen ihre Protegeés nicht immer unter Kontrolle haben, haben wir aus dem Fall Beresowski/Putin gelernt.
In der Tat: Die freie Welt, die sonst immer das Gespenst des Totalitarismus an die Wand malt, legt bei Gelegenheit ein religiöses Sendungsbewusstsein an den Tag, das angeblich nur dem „Mullah-Regime“ und sonstigen Barbaren zu eigen ist. Hier zeigt sich auch, passend zum Atomzeitalter, eine Selbstherrlichkeit und -gerechtigkeit, die locker, wie jetzt im Fall Iran, die Auslöschung einer „ganzen Zivilisation“ (Trump) ins Auge fasst. Was man genau so vom „unique ally“ Israel kennt, wo seit den 1970er Jahren die Palästinenser mit dem Volk der Amalekiter gleichgesetzt werden, das auf Jahwes Befehl ausgelöscht werden sollte. Das zionistische Regime beruft sich ja ebenfalls auf eine heilige Schrift, wobei Netanjahu mit seinen Zitaten aus dem Alten Testament, wie er sagt, den Amalekiter-Topos nur umgangssprachlich aufgreift.
Ich weis ja nicht wie alt der Autor des Artikels ist, dem ich teilweise zustimmen kann, aber die Erkenntnisse des Artikelautors sind in säkularen religionskritisch-humanistischen Kreisen schon seit Jahren bekannt 😉
Der schon vor einigen Jahren verstorbene Kirchenkritiker Karlheinz Deschner wies in seinen Büchern – so z.B. in seinem Sammel- und Jahrhundertwerk „Die Kriminalgeschichte des Christentums“ schon vor Jahren auf die Schattenseiten des katholischen Christentums hin:
https://karlheinz-deschner.de/werk
Deschner konzentrierte sich übrigens, eigenen Worten nach, nur auf die römisch-katholische Kirche, weil sein Lebenswerk nur auf die Schattenseiten der römisch-katholischen Kirche, nicht annähernd ausreichen würde allein nur deren Schattenseiten zu beschreiben.
Der Kirchenkritiker Deschner wies selber ausdrücklich darauf hin, dass seine Kritik an der römisch-katholischen Kirche auch für andere Konfessionen, Religionen, übertragbar wäre, aber die Aufklärung über deren Kriminalgeschichte sollen andere Religions- und Kirchenkritiker übernehmen, da für ihn seine Lebensaufgabe – die Kritik an der römisch-katholischen Kirche – nicht ausreichen würde, wie oben schon erwähnt, alle Verbrechen der römisch-katholischen Konfession zu beschreiben.
Was sich übrigens durch sein Ableben bewahrheitete, denn „Die Kriminalgeschichte des Christentums“ blieb unvollendet, uns bis dato nie seriös unwidersprochen, stehen 😉
Mehr über sein Deschners Lebenswerk, wie bereits erwähnt, hier zu erfahren:
https://karlheinz-deschner.de/
Leider muss ich, als jetzt säkularer, und einst römisch-katholisch sozialisierter Mensch, zugeben, dass auch in der kirchen- bzw. religionskritischen Szene, ebenso wie im erwähnten „Auf in den Gottesstaat“ des Artikelautors, sich Kriegstreiber und Friedensbewegte, gegenseitig die Türklinke in die Hand geben 🙁
Es scheint also keine rein religiöse Angelegenheit zu sein, dass Mensch Kriege liebt, oder verabscheut, sondern eine die auch weltliche Humanisten durchaus mehr als spalten kann 😉
Was die Kritik am religiösen Sendungsbewußtsein der USA angeht, da ist auch hier Karlheinz Deschner einer der Vorreiter dieser Kritik gewesen – manchmal denke ich was Deschner denken würde, würde er heute noch leben, da sein Werk ja mehr als bestätigt wurde.
Übrigens was das Christentum der „C“ Parteien in Deutschland angeht, da sehe ich es wie jeder Religionskritiker, die Schattenseiten des Christentums überwiegen bei diesen Parteien – ergo ist das „C“ – entgegen religiösem Kitsch und (Selbst-)beweihräucherung der „C“ Parteien durchaus berechtigt – die römisch-katholische Kirche liebt ja die Armen auch nur wenn die arm bleiben, und nicht aufbegehen.
Alles bei Deschner – wie gesagt – schon seit Jahren in seinem Lebenswerk nachzulesen, dass er leider nie vollenden konnte 😉
Gruß
Bernie
Es geht beim Monotheismus ausschließlich um das Monopol zu herrschen. D.J. Vance, Trump, der Papst sie wollen alle nur das eine.
Moses hat es vor gemacht mit der Machtergreifung, als Führer seines Volkes. §1 lautet: Es darf nur einen geben.
Spiritualität ist etwas ganz anderes, aber bei Religion geht es immer um die Macht. Und der Monotheismus ist die extremste Form von Religion.
Der spirituelle Gott hat nichts mit jenem Gott zu tun, der angeblich Päpste und Herrscher weiht, den US Dollar druckt und den Präsidenten der USA auf die Bibel schwören lässt.
Ein Text, der wirklich nur für Mitglieder einer linkssozialistischen Blase geschrieben ist.
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Die Ausführungen zum Vatikan sind allerdings durchaus zutreffend – bloß, dass Herr Schillo das Handeln der Päpste kritisiert, während es andere loben.
Etwas irritierend ist der Umstand, dass Herr Schillo nichts dabei findet, seine Argumentation in Teilen ausgerechnet auf so problematische Blätter wie „Die Zeit“, „FAZ“ und „New York Times“ zu stützen, deren Befangenheit mit Händen zu greifen ist und die sich aus der Vielzahl der Ereignisse nur das raussuchen, was ihnen passt.
@Wolfgang Wirth
Interessant. Übrigens die Aussagen des Artikelschreibers sehe ich ja auch nur teilweise so. Dazu muss Mensch wissen, dass die römisch-katholische Kirche, gerade und eben in den von Protestanten gegründeten USA, schon immer einen schlechten Ruf hatte.
Der jahrhundertelange religiöse Kulturkampf. seit lange vor 1776, dort ist ja längst nicht vorbei, und die Evangelikalen sind eine Abspaltung der protestantischen Sorte, die die Katholiken, siehe oben, schon rein aus den eben erwähnten historischen Gründen als „neue Herrscher der USA“ ganz sicher ablehnen werden, sollten die je einen US-Präsidenten stellen.
Übrigens der Kulturkampf gegen die römisch-katholische Kirche ist längst nicht mehr schon schlimm wie früher, aber es gilt zu bedenken, dass die USA eben eine von Protestanten gegründete Nation sind – 250 Jahre lang schon 😉
Sehe es da wie im England, auch dort wird nie eine römisch-katholische Königin/König, je als Monarch regieren – auch schon aus rein historischen Gründen, und der vorherrschenden anglikanischen Kirche seit Heinrich VIII.
Gruß
Bernie
Der „Kulturk(r)ampf“ tobt. Die Evangelikalen versuchen seit Jahren der römisch katholischen Kirche in Lateinamerika den Rang abzulaufen. Und nein es geht dabei nicht um Gott, Religion oder gar um das Seelenheit der Gläubigen, es geht um pure Macht und Mamon.
@Trux
Da gebe ich Ihnen völlig recht, aber ich bleibe dabei, die USA sind ein protestantisches Land und es ist, rein schon daher, eine große Ausnahme, wenn ein römisch-katholischer US-Präsident sein Amt antritt, und er darf schon gar nicht missionieren – dass sehen die Protestanten in den USA, immerhin, wie bereits erwähnt seit 1776 eine protestantische Nation, gar nicht gerne.
Übrigens war nicht der einzige US-Präsident, der katholisch sozialisiert war, dies aber nie extra betonte als er noch lebte, US-Präsident John F. Kennedy?
Nur so als Frage?
Gruß
Bernie