Auch die „Volksrepubliken“ fürchten eine Invasion

Militärübung an der Grenze zur Krim. Bild: Ukrainisches Verteidigungsministerium

Die „Volksrepubliken“ fordern von Russland moderne Waffen, russische Politiker stellen sich hinter die Forderung und verlangen deren Anerkennung.

US-Präsident Joe Biden kündigte gestern an, dass demnächst weitere Truppen in die osteuropäischen Nato-Staaten verlegt werden  – aber „nicht viele“ fügte er hinzu. Gestern hatte der US-Verteidigungs Lloyd Austin erklärt, der russische Truppenaufmarsch sei so groß, wie man dies seit dem Kalten Krieg nicht mehr gesehen habe. Damit eskaliert Washington weiter, während der ukrainische Präsident  die von den USA beschworene Kriegsgefahr weiter als nicht realistisch bezeichnet. Gestern sagte er in diesem Kontext:  „Ich bin der Präsident der Ukraine, ich lebe hier und ich denke, ich kenne die Details hier besser.“ Das ist schon ein Affront gegenüber den Unterstützern, wobei Selenskij natürlich weiß, dass die Ukraine nur Objekt geopolitischer Interessen der USA ist.

Nach Politico soll Selenskij im Weißen Haus und auf dem Kapitol deswegen schon Verärgerung auslösen. Vermutet wird, dass Washington die Lage eskaliert, um dann gesichtswahrend Russland entgegenkommen zu können. Klar ist, dass Biden mit dem Kriegskurs auch auf Widerstand in den Reihen demokratischer Politiker trifft, aber auch, dass das Ziel darin besteht, mit einer Verständigung mit Russland, einhergehend mit einer Aufhebung der Sanktionen, China weiter zu isolieren, das der Hauptgegner der USA ist. Angeblich sind bei den Sanktionen, die nach einem Angriff verhängt werden sollen, schon einige harte Maßnahmen nicht mehr vorgesehen: das Abhängen Russlands von SWIFT oder Sanktionen auf russische Öl- und Gasexporte. Man hat wohl Sorge, damit Europa zu destabilisieren, das auf die Schnell nicht ausreichend mit Gas und Öl versorgt werden könnte.

Während die Ukraine Militärübungen an der Grenze zur Krim durchführt und dabei die Koordination von Artillerie mit Drohnen übt, setzen Russland und der Unionsstaat Weißrussland die Militärübungen in Weißrussland fort. Daran nehmen fast alle weißrussischen Streitkräfte und Teile des russischen östlichen Militärbezirks, der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte und der Luftlandetruppen teil, darunter auch Verbände mit Panzir-Flugabwehrsystemen, deren Raketen eine Reichweite von bis zu 100 km haben. Dazu gibt es eine große Übung der russischen Seestreitkräfte.

Ob es die vom Westen verlangte Deeskalation ist oder tatsächlich nur die Beendigung von Routinemanövern, bleibt erst einmal im Dunkeln. Die Übungen zur Überprüfung der Kampfbereitschaft der Truppen des Westlichen Militärbezirks seien abgeschlossen. Sie würden nun zu ihren Stützpunkten zurückkehren. Um wie viele Soldaten es sich handelt, wird nicht gesagt. Auch die Kampfbereitschaft des Südlichen Militärbezirks und die Koordination mit der Schwarzmeerflotte wurde überprüft. Geübt wurden Raketenangriffe.

Russland bietet nun die Möglichkeit an, dass Menschen, die in den „Volksrepubliken“ DNR und LNR in den russischen Militärdienst eintreten können. Im Fall der Ausrufung der Wehrpflicht müssen sie in Russland dienen, sagte Viktor Vodolatsky, Vize-Vorsitzender des Staatsduma-Ausschusses für GUS-Angelegenheiten. Er stellte dies in den Rahmen der Bemühungen zur „Sicherheit und des Schutzes der russischsprachigen Bevölkerung“. Die wurde in den „Volksrepubliken“ in der letzten Zeit dadurch erhöht, dass Moskau einen leichten Erwerb eines russischen Passes ermöglichte. Damit leben in den „Volksrepubliken“ nicht nur russischsprachige Ukrainer, sondern jetzt auch bereits einige hunderttausend Russen.

Nicht nur amerikanische Politiker und Medien sprechen von unmittelbar drohenden Krieg, das machen auch die Vertreter der „Volksrepubliken“, die zum ersten Opfer werden könnten.  So behauptet Eduard Basurin, der Vizechef des DNR-Militärs: „Unsere Quellen berichten, dass der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine einen Plan für eine Offensive im Donbass unter der Aufsicht von US-Beratern fertigstellt. Der genaue Zeitpunkt des Beginns der Offensive wird nach der Bildung von Offensivgruppen und der Billigung des Plans durch den Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine festgelegt.“

Die Lage habe sich verschlechtert, weil die Ukraine „die von ihr kontrollierten Gebiete entlang der Kontaktlinie mit Radikalen, MLR-Systemen, Nato-Waffen und chemischen Einheiten überflutet.“ Es würde auch mehr Munition in den Donbass geliefert. Man will auch auf der ukrainischen Seite Mitarbeiter von amerikanischen privaten Militärfirmen wie Forward Observations Group und Academi gesehen haben, die Nationalgardisten an der Front ausbilden sollen.

Wegen des angeblich drohenden Angriffs fordern die „Volksrepubliken“ moderne Waffen von Russland zur Verteidigung. Die Kreml-Partei Einiges Russland hatte sich für eine Waffenlieferung ausgeprochen, nachdem Nato-Staaten in die Ukraine Waffen liefern. Wladimir Putin hat sich dazu nicht geäußert.

Sorgen bereiten den Milizen der „Volksrepubliken“  die türkischen Bayraktar-Kampfdrohnen, die die Ukraine gekauft hat und jetzt zusammen mit dem türkischen Unternehmen auch im Land selbst herstellen will. Eine Kampfdrohne hatte bereits eine Mörserstellung jenseits der Kontaktlinie angegriffen, wohl aber nicht genau getroffen. Nach Iswestija würden von den „Volksrepubliken“ Radarsysteme, elektronische Kampfsysteme und Flugabwehrsysteme benötigt. Andere sprechen von Artilleriesystemen mit präzisionsgelenkter Munition. Die Ukraine wurde von Großbritannien mit NLAW- Panzerabwehrsystemen und von den USA mit Javelin-Raketen und bunkerbrechenden, thermobarischen Raketen ausgestattet.

„Die Milizen der Volksrepubliken sind ziemlich gut bewaffnet und ihre Feuerkraft ist beeindruckend“, sagte Militärexperte Vladislav Shurygin gegenüber Iswestija. „Das hat Kiew jahrelang davon abgehalten, eine entscheidende Offensive zu versuchen. Es war klar, dass das der Ukraine teuer zu stehen kommen würde. Aber jetzt, wo moderne Hightech-Waffen und Drohnen in einem Sturzbach von der NATO geliefert wurden, haben sich die Kräfteverhältnisse verändert. Jetzt denkt das Kiewer Militär wieder darüber nach, neue Spielzeuge im Einsatz auszuprobieren und mit ihrer Hilfe die Chancen auf einen schnellen und blutarmen Sieg abzuwägen. Dabei hoffen sie, dass die Androhung westlicher Sanktionen Russland von einem Eingreifen abhalten wird.“

Nach dem ehemaligen stellvertretenden Oberbefehlshaber der Luftwaffe für das gemeinsame Luftverteidigungssystem der GUS-Staaten, Generalleutnant der Reserve Aitech Bizhev, seien zur Abwehr der türkischen Kampfdrohnen alle russischen Luftabwehrsysteme nötig. Die Drohnen seien langsam, nicht getarnt und eine normal reflektierende Oberfläche. Allerdings fliegen sie zu hoch für das Luftabwehrsystem Strela-10, über das DPR und LPR wohl am ehesten verfügen. Bei einer Eskalation könnten auch die russischen Raketen- und Luftabwehrsysteme an der Grenze eingesetzt werden, ohne diese zu überqueren, sagt Bizhev. „Die Situation wird nicht so sein wie in Armenien, wo die lokale Luftverteidigungsgruppe Lücken im Radarfeld hatte. Von russischer Seite werden wir alles mit unseren eigenen Mitteln sehen und den Truppen der DNR und LNR Informationen geben können.“

 

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Ein Kommentar

  1. Die optimistischen, im zweiten Absatz geäusserten Erwartungen werden durch den Rest des Textes erheblich konterkarriert. Selenskijs Pressekonferenz, in der er das wiederholte, was kurz zuvor von einer Pentagon-Sprecherin als Lüge bezeichnet worden war, bereitet der u.s.-Führung wohl Kopfzerbrechen. Nur wenn Russland entweder spontan, oder ausgelöst durch militärische Operationen der ukrainischen Armee die Ukraine in irgendeiner Form angreift, kann das Ziel, Russlands Isolierung auch durch die EU-Staaten und damit deren Selbstauslieferung an die usa, erreicht werden.
    Irgendwie ist im Text vergessen gegangen, dass die russische Regierung Ziele definiert hat, die mittlerweile vom Westen schriftlich abgemeiert worden sind, die sie aber weiterhin verfolgt. Man sollte sich nicht zu sehr auf die seitens der usa als Opfer vorgesehene Ukraine konzentrieren. Die russische Marine wird so schnell nicht wieder in ihre Heimathäfen zurückkehren. Sie sichert weite Meeresgebiete und damit Bewegungsfreiheit für die eignen U-Boote.

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