Verteidigung der westlichen Werte: Dollar, Euro, Schweizer Franken und Britisches Pfund

Bild: Geralt/Pixabay.com

Aus dem Verhältnis von Finanzmacht und Militär erklärt sich, warum die USA nach der Auflösung der Sowjetunion, die ein ideologischer Feind war, jetzt Russland als Feind ansehen

 

Noch nie war so viel Kriegsgeheul, waren so überzogene Feindbilder, so ein Theater in den Medien. Da stimmt etwas nicht. Der Westen, Deutschland an zweiter Stelle, hat im Kopf die Realität verlassen. Der erste Denkfehler liegt in der Bewertung dessen, was als höchster Wertmaßstab angesehen wird: Das westliche Geld.

Es scheint, das Finanzsystem ist der Grund, warum die USA immer weiter rüsten. Russland dagegen hätte möglicherweise mit Sanktionen, einem Lieferstopp für Gas, Erdöl, Industriediamanten, seltene Metalle und Gold, mehr erreichen können als mit Krieg.

813 oder 800 Milliarden Dollar?

Der US-Präsident benötigt für das laufende Geschäftsjahr einen Militär-Etat von 813 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig wird bekannt, das Defizit des US-Haushalts liegt bei 800 Milliarden. Diese beiden Zahlen sind fast gleich und das ist kein Zufall.

Schon seit Jahren fällt auf, dass der Militär-Etat der USA immer ungefähr gleich dem Haushaltsdefizit ist. Erst waren es 600 Milliarden, dann 650, dann 700 und jetzt 800. Das ist also eine Gewohnheitsregel. Genaueres mögen jüngere Fakten-Checker zusammenstellen, mir fehlt dazu die Zeit.

Finanzmacht und der Präsident der USA

Die private Notenbank FED finanziert also, zunächst einmal rein zahlenmäßig, das Militär der USA. Dies ist eine Hypothese, aber wenn man den Mechanismus der Finanzen genauer anschaut, sieht man, dass dieser Zusammenhang tatsächlich existiert, weil ein starkes Militär sehr im Interesse des großen Geldes ist.

Zunächst sollte man wissen, dass die US-Notenbank FED nicht der Hoheit der US-Regierung unterstellt ist, sie gehört einem Konsortium von Privatbanken. Der Präsident kann sie nicht zwingen, ihm Geld zu geben, er kann auch nicht beliebig viel Schulden machen. Wenn die FED Schulden in Höhe des Militär-Etats bewilligt, tut sie das in vollem Bewusstsein aus eigenem Kalkül und nicht nur aus Vaterlandsliebe.

Ehe wir fragen, warum die Notenbank das tut, sollten wir uns daran erinnern, dass die Präsidenten Obama und Trump, beide nach ihrer Amtseinführung, eine kurze Zeit, ohne Geld da standen. Sie konnten Regierungsangestellte nicht bezahlen. Das ist ungeheuerlich. Wir denken, wie kann das sein, dass ein neu gewählter Präsident der USA, der mächtigste Mann der Welt, kein Geld in der Kasse hat?

Der Präsident der USA ist eben nicht der mächtigste Mann der Welt. Wenn es um Geld geht, und es geht fast immer um Geld, dann sind andere mächtiger als er. Die Finanzmacht musste den beiden Neulingen im Machtgefüge der USA, Obama und Trump, zeigen, wer über die Finanzen des Staates bestimmt. Im Fall Joe Biden war das nicht erforderlich, der war schon Vizepräsident und ist überhaupt ein Insider. Obama und Trump waren Neulinge.

Das Geld und sein System

Warum die Finanzmacht über die zentrale Notenbank FED den Militär-Etat voll finanziert, während sie andererseits die Ausgaben des Staatshaushalts unter Kontrolle hält, hat folgenden Grund: Der Dollar braucht das Militär um seinen Wert in der Welt zu behaupten. Auch diese Erkenntnis klingt zunächst gewagt und ich will sie genau begründen.

Geld, also Dollars, aber auch Euros, Pfunde und Schweizer Franken, hat seit jetzt 65 Jahren keinen materiellen Wert. Früher war es durch Goldreserven teilweise gedeckt. Die Deckung spielt keine wesentliche Rolle mehr.

Geld ist ein völlig abstrakter Wert geworden, eine Zahl, die einen Wert nur symbolisiert. Wenn alle Beteiligten das anerkennen, ist dieses abstrakte Geld, auch Fiat-Geld  (Wikipedia)  genannt, eine intelligente Idee. Es kommt darauf an, was man daraus macht und wie man es durchsetzt. Die USA sind bereit, die Akzeptanz des US-Dollars mit Gewalt durchzusetzen.

Die kritische Fragestellung ist die: Wie kommt Geld zustande, wer kann es in Verkehr bringen, wie groß ist die Geldmenge und in welcher Währung wird das bemessen? Es ist nicht schwer zu erraten, dass alle diese Fragen in den USA, genauer an der Wallstreet und an erster Stelle in der FED zugunsten des US-Dollars beantwortet werden.

Die Realität ist stärker als eine Idee

Es ist wichtig zu wissen, dass Geld überwiegend von privaten Banken erzeugt wird und zwar durch Kreditvergabe. Eine Bank gibt jemandem Kredit, den sie für so potent hält, das Geld zurückzuzahlen bzw. dafür materielle Werte zu schaffen oder bereits zu besitzen, die man sich per Pfändung aneignen kann. Das Geld wird dann durch die Gutschrift auf das Konto des Schuldners erst in die Welt gesetzt, er kann frei darüber verfügen, aber vorher war es nicht vorhanden.

Wer das bisher noch nicht wusste oder nicht glauben wollte, sollte sich mit der giralen Geldschöpfung (Wikipedia oder verständlicher auf kritlit.de) vertraut machen. Die Geldmenge wird bei diesem Vorgang um den Betrag der Kreditsumme erhöht. Bei manchen Banken wird ein Eigenanteil eingesetzt, in der Schweiz sollen es 10% der Kreditsumme sein.

Das abstrakte Fiat-Geld, das immer mehr wird, hat ein grundsätzliches Problem: Wenn jemand es nicht akzeptiert, hat es keinen Wert. In der Realität sind einige materielle Werte von Natur aus stärker als das abstrakte Geld. Das sind immer noch an erster Stelle die Stoffe zur Energieerzeugung: Öl, Erdgas und Kohle. Hinzu kommen andere Rohstoffe wie Uran und seltene Metalle, deren Menge begrenzt ist, die man aber unbedingt haben will.

Globalisierung und Geldexport

Das meiste Geld existiert nur noch auf einem digitalen Speicherplatz und kann mit Lichtgeschwindigkeit durch Glasfaserkabel transferiert werden, was auch in jeder Sekunde auf dem ganzen Globus geschieht, weitgehend unkontrolliert. Dieser digitale Geldverkehr ist die Basis der Globalisierung.

Das Land der Geldbesitzer sind die USA. Sie erhöhen die Geldmenge jedes Jahr um viele Milliarden und haben es durchgesetzt, dass überall der US-Dollar als Leitwährung gilt. Leitwährung bedeutet, alles, was groß und wichtig ist, wird in Dollar verrechnet. Dollars in Scheinen ausgeben darf nur die FED. Sie erfüllt außerdem Kreditwünsche zu den von ihr festgesetzten Zinsen und generiert so weitere US-Dollars, ganz nach Belieben.

Auf diese Weise finanzieren US-Banken nicht nur das Defizit ihres Staates, sondern auch Defizite der privaten Wirtschaft und den Superkonsum. Auch Kreditkarten vergrößern die Geldmenge kurzfristig um den Betrag, der bei der nächsten Abbuchung fällig ist.

Stein, Schere und Papier

Das System hat einen wunden Punkt, den man mit einem Kinderspiel veranschaulichen kann: Stein macht Schere stumpf, Schere schneidet Papier und Papier wickelt Stein ein. Das ist ein Machtspiel, das im Kreis unentschieden bleibt.

Wenn aber Stein = Kohle oder Erz, sich nicht von Papier = Geld, einwickeln lässt, ist Stein stärker als Papier und stärker als Schere. Wer also Bodenschätze hat, ist auf lange Sicht stärker, als derjenige, der nur Geld hat.

Geld, als abstrakte Zahl, die nur durch die Akzeptanz aller Lieferanten und Geldverdiener ihren Wert hat, wird weniger wert, wenn einige wichtige Lieferanten es nicht akzeptieren, aber auch schon dann wird es weniger wert, wenn einige Lieferanten anderes Geld genau so akzeptieren wie den Dollar. Wenn die Schere vom Papier größere Stücke abschneidet, kann es den Stein nicht mehr einwickeln.

Hier endet die Macht des Geldes

Geld in Milliarden und wertvolle Materialien sind Gegenpole

Auf der einen Seite haben wir Geld, dessen Menge durch wachsende Schulden immer weiter ansteigt. Dabei ist die Geldmenge schon längst so groß, dass ein Drittel oder ein Viertel reichen würde, alle Produkte, die auf dem Weltmarkt angeboten werden, zu kaufen, alle Flugzeuge, Autos, Maschinen, Elektronik, Lebensmittel und Konsumgüter. Dazu würde etwa ein Drittel des vorhanenen Geldes genügen. Zwei Drittel kursieren nur in der Finanzwelt und warten auf eine Gelegenheit der lukrativen oder sicheren Geldanlage.

Auf der anderen Seite sind Länder, die zwar Erdöl, Erdgas und Metalle verkaufen wollen, nicht aber die Lagerstätten. Zu diesen Ländern gehören Russland, Venezuela und Iran. Sie sind das Ziel der Begehrlichkeit, die vom riesigen Geldüberschuss ausgeht, und sie werden das Opfer von psychologisch geschickt gesteuerten Attacken, die in den Medien beginnen.

Man tut so, als wäre es totalitär, wenn ein Land die Rohstoffe im Boden des Landes als Eigentum der Allgemeinheit ansieht und sie verstaatlicht. Seit Venezuela das gemacht hat, wird es als undemokratisch bezeichnet und ständig angeprangert. Schlimmer erging es Irak und Libyen, die Staaten wurden militärisch ausgelöscht. Es wird suggeriert, als sei Gemeineigentum ein Angriff auf das Privateigentum an sich. Dabei ist es eine ganz natürliche Regel, wenn Bodenschätze allen, also dem Staat gehören.

Die Finanzmacht sieht gerne Aktiengesellschaften als Besitzer aller wertvollen Güter. Am Aktienmarkt geht die Übernahme von Eigentum durch die Besitzer von Fiat-Geld glatt über die Bühne. Man kauft alles, was an Aktien verfügbar ist. (Nicht vergessen, zwei Drittel oder drei Viertel allen Geldes werden frei im Finanzsektor bewegt.)

Innerhalb zwei Wochen, nach der Ankündigung von Olaf Scholz, 100 Milliarden in die Rüstung zu stecken, sind die Aktien von Rheinmetall, der düsseldorfer Waffenschmiede für Panzer und Kanonen, auf mehr als das Doppelte angestiegen. Rheinmetall ist zwar eine deutsche Firma, aber die Eigentümer sind Aktonäre, an erster Stelle US-Investoren. Rheinmetall ist nur ein aktuelles Beispiel, es gilt im Prinzip für Aktien und auch für Immobilien auf der ganzen Welt.

Ein steiniges Kapitel: Russland

Wegen der Aktualität ein Blick auf Russland. Russland hat die meisten Bodenschätze der Welt und die sind überwiegend in Besitz des Staates. Das war schon immer so. Öl- und Gasquellen, Gruben und Minen werden nicht verkauft. Der Staatshaushalt ist auf Dauer ausgeglichen.

Wegen dieser harten Tatsachen ist Russland für Großinvestoren ein unzugängliches Gebiet und wird damit als natürlicher Feind der US-Finanzmacht angesehen. Bodenschätze, wenn man sie hat, sind eine härtere Währung als Fiat-Geld. Und je mehr Geld die Banken erzeugen, desto weniger ist es wert. Bei Bodenschätzen geht der Trend aber umgekehrt, je weniger da ist, desto mehr steigen sie im Preis.

Weil die Geldmenge ständig wächst, die Ressourcen kleiner werden und weil China sich vom Dollar als Leitwährung gelöst hat, wird der Druck auf Russland seit 30 Jahren Schritt für Schritt intensiviert. Deshalb richtet sich die NATO jetzt gegen Russland mit seinem staatlichen Reichtum. Man hofft auf eine Regierung, die sich der US-Finanzmacht nicht widersetzt, entweder aus Schwäche, aus Ignoranz oder weil sie korrupt ist, wie die Boris Jelzins.

Es kann gut sein, dass Russland, anstatt den Krieg in der Ukraine anzufangen, die Hochrüstung und Umzingelung des Westens, sprich, der NATO, durch eigene Sanktionen hätte stoppen können. Alle feindlich gesonnenen Länder, an erster Stelle USA, GB und Deutschland, hätte Russland von der Belieferung mit Gas, Erdöl, Kohle, Kobalt, Gold und Industriediamanten ausschließen können.

Das hätte natürlich eine Welle der Entrüstung ausgelöst, weil Russland sich nicht an die Lieferverträge hält. Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine, ist die Entrüstung jetzt aber hundert mal so groß und das spielt der Finanzwelt in die Hände. Der Krieg wird von Vasallen verlängert und intensiviert. Die USA liefern nur Geld und Waffen. Beides besitzen sie in Überfluss. Hinzu kommt die äußerst geschickte psychologische Kriegsführung.

Zu den treuesten Vasallen der USA gehört die Bundesrepublik Deutschland. Sie handelt zugunsten des Großen Bruders gegen die eigenen Interessen. Den Stopp der Gaslieferungen unsererseits als Sanktion gegen Russland zu sehen, ist unrealistisch. Es ist ein Opfer für die Wirtschaft und die Währung der USA und es geht in die gleiche Richtung wie gesteigerte Rüstungsausgaben, auch die dienen der US-Wirtschaft und nutzen uns gar nichts.

Das Militär, der reale Arm der abstrakten Finanzmacht

Die härtesten Stützbeine der abstrakten und leicht vermehrbaren Dollarwährung sind die Rüstung und das Militär als materielle Macht, die überall auf der Welt präsent ist (außer im Inneren von Asien) und die notfalls die Privatisierung und Anerkennung des Dollars erzwingt.

Die Wallstreet, die den Dollar erzeugt und kontrolliert und damit die Finanzwelt beherrscht, finanziert deshalb voll die US-Rüstung und das weltweite Militär, um den Wert des Dollars in der Welt abzusichern oder durchzusetzen. Wenn Joe Biden 813 Milliarden braucht, um nach seiner Vorstellung militärisch allen anderen überlegen zu sein, dann bekommt er die, weil der Dollar die Militärmacht braucht, um ein Gewicht in der Realität zu haben.

Die Realität als Feind

Russland mit seinen materiellen Gütern bedroht aus Sicht der Wallstreet das abstrakte Fiat-Geld, das mit steigender Menge weniger wert wird. Man will Russland auf lange Sicht zum günstigen Verkauf seiner Bodenschätze und zur Privatisierung der Quellen, Lager und Minen zwingen. Deshalb wird die immense Rüstung finanziert.

Die US-Finanzmacht treibt das Militär und die NATO an, um den Geltungsbereich des Dollars gegen die Realität der materiellen Bodenschätze in Russland (und in einigen anderen Ländern), auszudehnen. Im Neusprech, heißt das: Wir müssen die westlichen Werte verteidigen.

Aus dem Neusprech in Realsprache übersetzt: Die westlichen Werte sind: Dollar, Euro, Schweizer Franken und Britisches Pfund. Verteidigen bedeutet Stationierung und Einsatz von Angriffswaffen.

Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, erkennt man, dass ein zur Hälfte irrationaler Kampf stattfindet: Auf der einen Seite eine abstrakte Zahl, nämlich Geld, als höchster Wert der westlichen Wertegemeinschaft und auf der anderen Seite eine riesige Landfläche mit begehrten Rohstoffen, also unbestreitbare Realität.

Diese Sichtweise erklärt auch den Realitätsverlust in den westlichen Medien, der in der Corona-Krise schon deutlich wurde. Die Medien empfangen von oben Narrative und geben sie weiter. Sie haben die Realität und den Wert von Recherche, das Suchen nach der Wahrheit, aus den Augen verloren.

Wer etwas nicht Reales als höchsten Wert über die Realität stellt, neigt dazu und ist sogar gezwungen, in seinem Denken den Boden der Realität zu verlassen. Das führt zur totalen Verwirrung der Geister.

 

Rob Kenius betreibt die systemkritische Webseite https://kritlit.de. Die neue Sicht auf das Finanzsystem in dem Taschenbuch  Geld stinkt zum Himmel  / Weniger Zunder, mehr Zukunft. Bei Thalia und epubli bestellbar.

 

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