USA-Afghanistan: Aus der Geschichte wird nichts gelernt

Afghanische Kinder auf dem Flugplatz von Kabul. Propagandabild von DoD

Jimmy Carters nationaler Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski hat Russland in die Afghanistan-Falle laufen lassen und den Islamismus der Taliban und al-Qaida als „Freiheitskämpfer“ stark gemacht, was zum langen Krieg gegen den Terrorismus und zur Niederlage in Afghanistan führte.

Yakov M. Rabkin wies in einem Beitrag gerade darauf hin, dass Präsident Jimmy Carters nationaler Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski eine entscheidende Rolle für die Entstehung, Finanzierung, Ausbildung und Bewaffnung von Mudschaheddin in Afghanistan spielte. Mit der Unterstützung von Pakistan und Saudi-Arabien, die in Madrassas kampfbereite Islamisten hochzogen, sollte, so Rabkin, die Sowjetunion in einen Konflikt hineingezogen werden (Die Wurzeln der afghanischen Tragödie).

Während die Unterstützung der Mudschaheddin, aus denen die nationalistischen Taliban und die globalistische al-Qaida und Warlors wie Gulbuddin Hekmatyar hervorgingen, meist als Reaktion auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan geschildert wird, war dies eine gelungene Strategie gewesen, der Sowjetunion ihr Vietnam-Debakel als zu bescheren. Tatsächlich startete die Mudschaheddin-Hilfe unter dem Namen Operation Cyclone für die angeblichen Freiheitskämpfer bereits ein halbes Jahr vor dem russischen Einmarsch, wie Brzezinski in einem Interview einräumte, das im Januar 1998 in Le Nouvel Observateur erschienen war, aber erst einmal in der englischsprachigen Ausgabe wohl wegen des brisanten Inhalts nicht enthalten war.

Robert Gates, schon damals bei der CIA und persönlicher Assistent von Brzezinski, hat die Finanzen an die Gotteskrieger geschleust und auch in dem Buch „From the Shadows: The Ultimate Insider’s Story of Five Presidents and How They Won the Cold War“ (1997) kundgetan, dass die Unterstützung der „Freiheitskämpfer“ schon vor dem russischen Einmarsch begann. Die Überlegungen, islamistische Rebellen aufzubauen, um der Sowjetunion ein Bein zu stellen und diese in eine Falle zu locken, begannen bereits spätestens Anfang 1979, als die CIA verschiedene Optionen für verdeckte Operationen vorschlaug. Um die Sowjets nicht siegen zu lassen, wurde 1980 nach der Invasion, die im Dezember 1979 geschah, die Hilfe massiv aufgestockt und Gelder sowie Waffen über den pakistanischen Geheimdienst ISI geleitet, der heute noch hinter den Taliban steht. Saudi-Arabien, das wie andere Golfstaaten den Taliban-Staat Afghanistan (1996-2001) anerkannte und das eine noch nicht aufgeklärte Rolle bei den 9/11-Anschlägen spielte, stockte die amerikanischen Milliarden auf.

Gates wurde 2006 Verteidigungsminister unter George W. Bush und blieb es unter Barack Obama bis 2011, wo er den Truppenabzug aus dem Irak und die Truppenaufstockung (surge) in Afghanistan organisierte, 2011 leitete er den Militäreinsatz in Libyen, um das Land angeblich zu stabilisieren, das aber ebenso wie Afghanistan, der Irak und Syrien zum Ort von Bürgerkriegen und der Ausbreitung des Islamismus wurde. Brzezinski war voll des Lobes für Gates.

In dem Interview 1998 gab er zu, dass das offizielle Narrativ falsch war. Die CIA unterstützte die Mudschaheddin nicht erst nach der sowjetischen Invasion, sondern, was bislang geheim gehalten worden sei, ganz umgekehrt: „Am 3. Juli 1979 unterzeichnete Präsident Carter die erste Anordnung für geheime Hilfe an die Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul. Und am selben Tag schrieb ich eine Notiz an den Präsidenten, in der ich ihm erklärte, das nach meiner Sicht diese Hilfe eine sowjetische Militärintervention auslösen wird.“ Er wollte aber nicht direkt sagen, ob es eine Provokation: „Wir haben keinen Druck auf die USA ausgeübt zu intervenieren, aber wir haben bewusst die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie es würden.“ Er bedauere nichts, sagte er: „Diese geheime Operation war eine exzellente Idee. Sie hatte die Wirkung, die Russen in die afghanische Falle zu locken.“ Russland habe seinen Vietnam-Krieg bekommen: „Fast 10 Jahre lang musste Moskau einen von der Regierung untragbaren Krieg führen, ein Konflikt, der zur Demoralisierung und schließlich zum Auseinanderfallen des Sowjet-Reichs führte.“

Gefragt, ob er es nicht bereue, den Islamismus unterstützt und Waffen an künftige Terroristen gegeben zu haben, schließlich hatten die Taliban bereits die Macht in Afghanistan übernommen, al-Qaida führte Terroranschläge aus, Osama bin Laden stieg als Gegner der USA auf, sagte er kaltschnäuzig: „Was ist für die Weltgeschichte wichtiger? Die Taliban oder der Zusammenbruch des Sowjet-Reichs? Einige aufgehetzte Moslems oder die Befreiung von Zentraleuropa und das Ende des Kalten Kriegs?“

Frappierend ist das Herunterreden der Gefährlichkeit des islamistischen Terrors und die Scheuklappen über die Folgen des Tricks: die Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan und die weltweite Verbreitung der terroristischen Netzwerke von al-Qaida. Das fiel auch in der Rede von Joe Biden auf, der weder auf die amerikanische Verantwortung einging, den Islamismus gefördert zu haben, noch auf die Folgen des Kriegs in Afghanistan, der al-Qaida und den Islamischen Staat in viele weitere Länder verbreitet hat. Mit den Worten von Brzezinski ließe sich schließlich auch sagen, dass die Drahtzieher der 9/11-Anschläge den USA die Falle gestellt haben, in einen langen und ungewinnbaren Krieg in Afghanistan und Irak gezogen zu haben, was zur langsamen Erosion der globalen Supermacht USA führte.

Biden hat nicht nur nicht den Fehler und die Fehleinschätzung von  Brzezinski übersehen, er schließt auch direkt an die Wertschätzung des Strategen des großen geopolitischen Schachs in Eurasien an, der, wie aus dem Interview hervorgeht, die Zerschlagung der Sowjetunion und die Befreiung von Polen zum Ziel hatte. Da lässt man sich eben mit dem Feind des Feindes ein. Biden hat nun Mark Brzezinski, den Sohn von Zbigniew Brzezinski, zum US-Botschafter von Polen ernannt – und das in einer Zeit, in der die USA sich zwar zunehmend der Konfrontation mit China zuwendet, aber den Konflikt mit Russland weiter schürt, auch wenn es Signale mit dem Treffen Biden-Putin und der Duldung von Nord Stream 2 gibt, andere Beziehungen mit Russland aufnehmen, wenn das Land die Allianz mit China reduziert. Mark Brzezinski war schon unter Clinton im Nationalen Sicherheitsrat und unter Obamaals außenpolitischer Berater und Botschafter in Schweden tätig

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