US-Verteidigungsminister: Russland so schwächen, dass es keinen Krieg mehr führen kann

Blinken und Selenskij in Kiew. Bild: president.gov.ua

Auch der US-Außen- und Verteidigungsminister mussten ihre Tapferkeit und Solidarität durch einen Besuch bei Selenskij in Kiew demonstrieren. Es wird schon der Sieg der Ukraine beschworen.

 

Kaum zu glauben, dass US-Außenminister Antony Blinken und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin ihren „geheimen“, aber vom ukrainischen  Präsidenten Selenskij am Sonntag lange vor ihrer Ankunft in Kiew angekündigten Besuch riskiert hätten, wenn es eine ernstzunehmende Bedrohung seitens des russischen Militärs gegeben hätte. Ob Selenskij dies „versehentlich“ gemacht hatte, ist kaum zu glauben, erst einmal wurde aus Washington der angeblich streng geheime Besuch jedenfalls nicht bestätigt. Angeblich sind aus „Sicherheitsgründen“ nur einige Assistenten mitgereist.

Dem Anschein nach fand das Treffen im Laufe des Sonntags statt, angeblich sind die amerikanischen Minister auch mit dem Zug von Polen nach Kiew und zurück gefahren, sie scheuten oder vermieden aber den mittlerweile pflichtmäßigen Auftritt auf den Straßen von Kiew. Waren sie also dort? Gab es Absprachen mit Moskau? Saßen die Minister gerade im Zug, als Selenskij ihren Besuch ankündigte? Wie konnte damit gerechnet werden, dass die Rückfahrt sicher ist? Kurz nach dem Besuch wurden fünf Bahnhöfe in der West- und Zentralukraine bombardiert, berichtet die NYT.

Blinken erklärte, man habe vom Zug aus wenig gesehen, in Kiew sei man sofort in den Präsidentenpalast gegangen, es habe „kaum eine Gelegenheit gegeben, mit normalen Ukrainern zu sprechen“. Man habe aber Menschen auf den Straßen von Kiew gesehen, was er als „Hinweis auf die Tatsache“ verstanden wissen will, dass die „Schlacht um Kiew“ gewonnen wurde.

Bild: president.gov.ua

Selenskij wollte mit der Ankündigung wohl Druck auf Washington ausüben, damit endlich, wie von ihm gewünscht, US-Präsident Joe Biden nach Kiew kommt und die Prozession der Regierungsvertreter in Kiew krönt, aber auch, um mehr Unterstützung durch Lieferung von mehr schweren Waffen und durch Druck von Washington auf andere Regierungen zu erhalten, die wie Deutschland nicht an Waffen und Sanktionen liefern, was von der Ukraine gewünscht wird. Die ukrainische Führung hat sich das Ziel gesetzt,  Russland im Land zu besiegen und die territoriale Integrität wieder herzustellen, d.h. Kiew will die Krim und den Donbass wieder militärisch oder durch Verhandlungen mit einem geschwächten Russland eingliedern. US-Staatssekretärin Nuland hat schon versprochen, dass bei einem etwaigen Einsatz von Atomwaffen die USA die Ukraine nicht alleine lassen würden.

Selenskij wurde von Blinken bestärkt, der sagte, Russland sei im Hinblick auf seine Ziele bereits gescheitert und die Ukraine erfolgreich. Auch Austin sagte während einer Pressekonferenz an der ukrainisch-polnischen Grenze, die Ukraine könne den Krieg gewinnen, wenn sie die notwendige Unterstützung und Waffenausstattung erhält. „Der erste Schritt beim Gewinnen ist der Glaube, dass man gewinnen kann“, sagte er, was dann eher nach politischer Unterstützung aussieht. Allerdings offenbarte er das Ziel der US-Politik gegenüber Russland: „Wir wollen, dass Russland so weit geschwächt wird, dass es das, was es beim Einmarsch in die Ukraine getan hat, nicht mehr tun kann“, sagte Austin. „Es hat offen gesagt bereits viele militärische Fähigkeiten und viele seiner Truppen verloren, und wir wollen, dass es nicht die Fähigkeit hat, diese Fähigkeit sehr schnell zu reproduzieren.“

Darum ist es wahrscheinlich von vorneherein gegangen. Mitunter wird gesagt, Russland sei in eine Falle gelockt worden, da ein Angriff auf die „Volksrepubliken“ geplant gewesen sei, dem Putin zuvorkommen wollte. Wenn das zutreffen sollte, könnte sich das Drehbuch aus dem Kalten Krieg wiederholen. Die USA hatten ab 1979 die Mudschaheddin unterstützt, um eine sowjetische Militärintervention auszulösen und damit die Sowjetunion in einen nicht gewinnbaren langen Krieg zu ziehen, was nach dem damaligen Drahtzieher und Sicherheitsberater Zbigniew Brzeziński in einem Interview, gelungen war und schließlich zum Zusammenbruch der Sowjetunion führte (Aus der Geschichte wird nichts gelernt).

Soll bzw. wird jetzt Russland zerfallen? Die Situation ist mittlerweile so, dass Verhandlungen derzeit kaum mehr möglich sind. Der Westen setzt auf den Sieg der Ukraine, Selenskij erklärt, dass die territoriale Integrität nicht verhandelbar sei. Der Kreml muss in irgendeiner Weise einen Sieg erreichen, um nach dem Angriffskrieg nicht innenpolitisch geschwächt dazustehen.

Blinken kündigte an, dass die amerikanische Botschaft in Kiew wieder geöffnet werde und die Ukraine weitere militärische und finanzielle Hilfen erhielte. Blinken und Austin sind von Polen weiter zum US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein geflogen, wo morgen ein Treffen mit Nato-Generasekretär Stotenberg, dem ukrainischen Verteidigungsminister Resnikov und Vertretern von 20 Ländern stattfinden wird. Thema ist eine Einschätzung der militärischen Lage in der Ukraine und weitere Militärhilfe. Der Druck auf die Bundesregierung dürfte weiter steigen. Moskau hat im Vorfeld schon mal 40 deutsche Diplomaten zu „unerwünschten Personen“ erklärt.

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9 Kommentare

  1. „Die ukrainische Führung hat sich das Ziel gesetzt, Russland im Land zu besiegen und die territoriale Integrität wieder herzustellen, d.h. Kiew will die Krim und den Donbass wieder militärisch oder durch Verhandlungen mit einem geschwächten Russland eingliedern.
    ….
    Selenskij wurde von Blinken bestärkt, der sagte, Russland sei im Hinblick auf seine Ziele bereits gescheitert und die Ukraine erfolgreich. Auch Austin sagte während einer Pressekonferenz an der ukrainisch-polnischen Grenze, die Ukraine könne den Krieg gewinnen.“

    Auf welchem Planeten leben die?
    Was für ein verantwortungsloses P… ! Ich weiß ja nicht, mit welchen faulen Tricks sie zu operieren gedenken, um die Ukraine „gewinnen“ zu lassen. Von geplanten
    False Flags wurde vom russischen Verteidigungsministerium ja schon berichtet.
    Wer wissen will, wie die derzeitige Lage vor der Schlacht um den Donbass aus Sicht eines russischen Beobachters aussieht, kann sich den folgenden Artikel übersetzen. Erwas Russischkenntnisse sind allerdings hilfreich, denn vor den Besonderheiten der Sprache kapitulieren die Übersetzungsprogramme häufig.

    xhttps://zen.yandex.ru/media/id/5ef8896c0d13dd78e21972de/bitva-za-donbass-na-chto-nadeiutsia-zelenskii-i-nato-62635eaea3226a7e6ddba0ae?&

    Kurz auf den Punkt gebracht: NATO und Zelensky begehen ein Verbrechen an der ukrainischen Armee; sie müssen wissen, daß für die nahezu Eingeschlossenen keine Chance auf Überleben (oder gar Sieg) besteht, es sei denn, sie fliehen/ergeben sich.

  2. Sind eigentlich die USA in der Lage, Kriegsziele zu erreichen und Kriege zu gewinnen? Wo immer sie Kriege führten oder Bürgerkriege anzettelten und intervenierten, kann man keinen Erfolg erkennen, es sei denn, man betrachtet die Zerstörung von Staaten wie Jugoslawien, Libyen und Irak als Erfolg. Aus Syrien mussten sie sich zurückziehen. Gegen Afghanistan verloren sie. Durch die Orange Revolution wurde die Ukraine destabilisiert und durch den Euromaidan schon zersplittert. Ich glaube, dass das weitere Schicksal in einer Abspaltung des russischsprachigen Bereichs besteht und der Konstituierung einer instabilen Restukraine, in der die Oligarchen ständig um die Macht kämpfen. Der Einsatz der USA ist minimal, aber die Sanktionspolitik treibt Westeuropa, dass von russischen Energierohstoffen profitiert, in eine schlimme Wirtschaftskrise. Kurzfristig eine Gewinn für die USA, könnte das langfristig sehr ungünstige Auswirkungen haben. Man fragt sich auch, ob es geschickt ist, Russland in die Arme Chinas zu treiben. Aber die heutigen Politiker im Westen sind nicht mehr in der Lage, konzeptionell zu denken oder zu handeln. Sie sind den Medien und NGOs ausgeliefert, die eine ständige Instabilität erzeugen, missliebige Politiker wegen unartiger sms oder Strafzetteln angreifen, und aus dem Nichts neue Akteure hervorzaubern. Wer dahinter steckt, kann man nur ahnen. Vielleicht handelt es sich wirklich um den Versuch, alle Staaten zu destabilisieren und von globalen Konzernen abhängig zu machen.

  3. Erinnert an Paulus‘ 6. Armee, „Kampf“ bis zum letzten Mann.
    Jetzt wird Putin gelegentlich mit Hitler verglichen. Mit welcher Größe vergleicht man dann am besten amerikanische und deutsche „Führer“, vom ukrainischen nicht zu reden…
    Das Reichspropagandaministerium wäre sicher auch stolz auf seine erfolgreiche Wiederbelebung in deutschen Medien.
    Kriegsgegner werden diffamiert.
    Deutschland, sie weben Dein Leichentuch…

  4. Das ukrainische Regime, leidet an pathologischem Größenwahn, der noch durch die USA und dem wertloswesten, „hilfreich“ unterstützt wird.

    Si fordern, fordern, fordern, – und sie BEKOMMEN! Wo kommen wir da hin, wenn Asow-Kämpfer, über „sicher Drittstaaten“ evakuiert werden, ein UN-Generalsekretär „zurücktreten“ muss, sofern man nicht den Wünschen der „Helden“, nicht nachkommen sollte?

    Bezeichnend auch das vermutliche Märchen, von den „Zivilisten“: Anfangs, waren es nur Asovis, dann 1000 Zivilisten – um plötzlich auf „zahlreiche“, reduziert zu werden.

    Ehrlich gesagt: da es nur noch nervig ist, täglich neue Frechheiten von Volodimir Nazinskij zu hören, würde ich mir jetzt wünschen, dass der Krieg nicht in ihrem Sinne endet. Denn eines ist sicher: sollten sie gewinnen – dank der USA und anderen „Nazis“, werden sie nachher ebenso frech bleiben, weil sie ja „heldenhaft“ gesiegt haben.

  5. Dass jetzt ein Kriegsziel formuliert wird, ist schon eine kleine Heldentat angesichts der Tatsache, dass die US-Amerikaner als einzigen Krieg nach 1945 die siegreiche Erstürmung der Karibikinsel Grenada (344 qkm) zu melden haben: ( Operation „Urgent Fury“) die am 25. Oktober 1983 begann und nicht allzu lange dauerte .
    Ausser diesem Heldenstück wurden angefangene Auseinandersetzungen nicht beendet oder es wurden durch Abreise die betroffenen Länder mit den Scherben alleingelassen.
    Und jetzt will die Ukrainischer Seite, allein mit solch einem Kriegspartner, die nicht so kleine Armee Russlands herausfordern!

    1. Rußland hat den Krieg angefangen und bisher nur begrenzten Erfolg. Die nicht so kleine Armee Russlands tut sich schwer.

      Wo ich aber zustimme, ist die mangelnde Verläßlichkeit der USA. Zumindest dort, wo es keine klaren Verträge gibt, lassen sie gern mal ihre bisherigen Verbündeten im Stich. Zuletzt die Kurden im Nordirak.

  6. Um Putin/Russland zu schwächen, ist der Westen bereit, die armen Ukrainer bluten und sterben zu lassen. Die Nato-Vertreter stehen an der Seitenlinie und rufen den Ukrainern zu: „Kämpft! Ihr könnt gewinnen! Wir liefern Euch die Mittel!“ – Wieviele Kämpfer hat die ukrainische Armee überhaupt noch?

  7. Der Ukraine-Krieg hat mE etwas anders gelagerte Implikationen als der SU-Einmarsch 1979 in Afghanistan, wenn auch in der Hauptsache der alte Ost-West-Gegensatz die Triebfeder der Auseinandersetzungen ist. Heute ist es die NATO himself, die mit ihrer Expansionspolitik unmittelbar an den Grenzen Russlands Tatsachen schafft, die die Kreml-Führung in Alarmzustand versetzt hat. Das soll durch den Einmarsch bereinigt werden und trifft jetzt nach und nach auf die geballte Gegenwehr nicht nur der nationalen Kampfsportgruppe aus Kiew sondern der globalen Ordnungsmacht aus Washington samt EU-Entourage.

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