Tschernobyl: Nach russischer Einnahme wurde erhöhte Radioaktivität festgestellt

Karte der ukrainischen Atombehörde mit den Messpunkten (rot erhöhte Radioaktivität).

Das russische Verteidigungsministerium spricht von normalen Werten. Die ukrainische Atombehörde erklärt den Anstieg durch von schweren Fahrzeugen aufgewirbelten Staub, alle Anlagen funktionierten normal, das Personal sei weiterhin vor Ort.

Gestern hatten russische Truppen die Sperrzone um den havarierten Reaktor in Tschernobyl eingenommen. Von ukrainischer Seite wurde versucht, das als Bedrohung ganz Europas darzustellen. Schon die Kämpfe hätten radioaktives Material aufwirbeln können. Nach der Einnahme hieß es, dass die russischen Truppen eventuelle Beschädigungen durch die Kampfhandlungen den Ukrainern anhängen oder diese selbst erst herstellen könnten, um Radioaktivität freizusetzen.

 

Man könnte umgekehrt auch der Meinung sein, die russischen Truppen sollten Tschernobyl sichern, um nicht einer False-Flag-Aktion seitens der Ukraine ausgesetzt zu werden. Der Grund könnte aber einfach auch nur sein, dass Tschernobyl in Richtung Kiew liegt, das offenbar von russischen Truppen eingenommen oder umstellt.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, versuchte die Lage zu dramatisieren und sprach von einer Geiselnahme: „Diese unrechtmäßige und gefährliche Geiselnahme, die routinemäßige Arbeiten zum Erhalt und zur Sicherheit der Atommüll-Einrichtungen aussetzen könnte, ist unglaublich alarmierend und sehr besorgniserregend.“

Die ukrainische Atombehörde hatte heute früh berichtet, die Kontrollwerte der Gammastrahlungsdosisrate seien in der Sperrzone signifikant überschritten worden. Es tritt danach also Radioaktivität aus. Man hätte jetzt gleich beginnen können, dies den Ukrainern oder Russen als absichtliche Aktion zuschieben können. Der Behörde erklärte aber vor wenigen Stunden, dass Experten dies in Zusammenhang damit bringen, dass viele schwere Militärmaschinen durch die Sperrzone gefahren seien und dadurch die Luftverschmutzung auch durch radioaktiven Staub zugenommen habe. Der Reaktor und andere Anlagen seien jedoch nicht beschädigt.

Der Verwaltungsdirektor gab schließlich Entwarnung. Das AKW, die Schutzhülle über dem havarierten Reaktor und die Lager für Kernbrennstoffe würden durch russische Sicherheitskräfte kontrolliert werden. Um 10 Uhr wurde noch einmal gemeldet, dass alle Anlagen unter Kontrolle und vom Personal der SSE Tschornobyl NPP gewartet würden.

Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konashenkov, bestätigte, dass russische Luftstreitkräfte das Gebiet um das Kernkraftwerk Tschernobyl Donnerstag unter Kontrolle gebracht haben. Die Fallschirmjäger würden die Anlagen bewachen. Sie würden gemeinsam mit „ukrainischen Soldaten des Sicherheitsbataillons des Kernkraftwerks“ dafür garantieren, „dass nationalistische Formationen oder andere terroristische Organisationen die aktuelle Situation im Land nicht ausnutzen können, um eine nukleare Provokation zu organisieren“. In der Ukraine wurde hingegenb davon gesprochen, dass es erbitterte Kämpfe vor der Einnahme gegeben habe. Wie die behauptete Kooperation aussieht, ist unklar. Offenbar ist das Personal, wie aus den Mitteilungen der Atombehörde hervorgeht, vor Ort und bei der Arbeit.

Das russische Verteidigungsministerium behauptet im Widerspruch zur ukrainischen Atombehörde, dass die radioaktive Strahlung normal sei. Auch hier heißt es, dass das Personal weiter tätig sei.

Ganz abwegig sind die Befürchtungen der russischen Streitkräfte nicht. Am 17. Mai 2014 hatte eine Gruppe von 20 bewaffneten ukrainischen Mitglieder des „Rechten Sektors“ versucht, in das AKW in Saporoschschje einzudringen (Video). Der Angriff konnte abgewehrt werden, der „Rechte Sektor“ gab zur Rechtfertigung vor, dass man fürchtete, das AKW könne von prorussischen Separatisten eingenommen werden.

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