Mitglied der Kiewer Delegation bei den ersten Verhandlungen mit den Russen wurde ermordet

Denis Kireev am Verhandlungstisch. Bild: Sputnik

Angeblich hat der ukrainische Geheimdienst SBU Denis Kireev wegen Landesverrat festgenommen und getötet. In der Ukraine gibt es eine Jagd auf vermeintliche Kolloborateure und willkürliche Gewalt von Angehörigen der Territorialen Verteidigung.

 

Seltsamerweise gibt es wenig Interesse der deutschen Medien, dass Denis Kireev, ein Mitglied der ukrainischen Delegation nach dem ersten Treffen am 28. Februar in Gomel an der ukrainisch-belarussischen Grenze mit den russischen Gesandten über einen möglichen Neutralitätsstatus und einen Waffenstillstand ermordet wurde.  Die Delegationen waren hochrangig besetzt, auf ukrainischer Seite waren der Verteidigungsminister Oleksii Reznikov und der Präsidentenberater Mykhailo Podolyak dabei.

Über den Hintergrund des Mords und den Ermordeten ist wenig bekannt. Kireev war Banker, sonst ist über ihn offenbar nicht viel bekannt, auch nicht warum er als Banker Mitglied der Delegation wurde. Gefunden wurde er leicht bekleidet in der Nähe des Pechersk-Gerichtshofs in Kiew, nach einem veröffentlichten Bild wurde er mit einem Schuss in den Kopf exekutiert.

Ukraine Pravda berichtete, der ukrainische Geheimdienst SBU habe Kireev festgenommen, der unter dem Verdacht stand, ein russischer Spion zu sein und Landesverrat begangen zu haben. Angeblich habe man Beweise dafür, u.a. auch Telefongespräche.

Seit Beginn des Kriegs macht der Geheimdienst Jagd auf vermeintliche gegnerische Agenten, Spione und Helfer. Wer in Verdacht gerät, kann schnell weggesperrt oder misshandelt werden. Damit will man auch alle Menschen einschüchtern, die sich dem ukrainischen Nationalismus nicht ganz angeschlossen haben. Es werden auch Hinweise ausgegeben, wie man Feinde erkennen kann, was dem Verdacht Tür und Tor öffnet:

„Die Besetzer haben einen charakteristischen Akzent und sind in der Gegend schlecht orientiert, machen Fotos und Videos, setzen Markierungen oder fragen nach einem Telefon, um einen Anruf zu tätigen. Den Ukrainern wird geraten, Zeichen des Feindes aufzunehmen, ihnen nicht den Weg oder Dokumente zu zeigen und auch die Strafverfolgungsbehörden oder die Terrorabwehr über Saboteure zu informieren.“

Exemplarisch ist ein Vorfall vom Freitag, als der Rada-Abgeordnete Nestor Shufrich vom Oppositionsblock in Kiew von einer von dem Ex-Präsidenten Poroschenko aufgestellten Miliz der Territorialverteidigung festgehalten, auch mit einem Messer bedroht, eingeschüchtert und gefesselt wurde. Er soll angeblich Straßensperren für die Russen fotografiert haben, Beweise gibt es nicht. Dazu stieß Alexander Pogrebisky, Rada-Abgeordneter von Poroschenkos Partei Eurosolidarität, der grob mit Shufrich umging und schubste – und das als Video zur Einschüchterung verbreitete.

Shufrich sagte, er habe nur ein Selfie gemacht, um zu zeigen, dass er weiter in Kiew war. Die öffentlich propagierte Gewalt der neuen Bürgerwehren, die eigentlich unter dem Verteidigungsministerium stehen, kann in Kriegszeiten offenbar frei ausgeführt werden und schließt direkt an die von Stadtverwaltungen eingesetzten paramilitärischen Gruppen vom Nationalen Korps oder C14 an, die für Ordnung sorgen sollen. Die Krone setzte dem Alexei Danilov, Leiter des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat, auf, der den Vorfall mit Shufrich mit Morddrohungen an die übrigen Abgeordneten der Oppositionsplattform kommentierte: „Wenn Sie immer noch um unsere Kontrollpunkte herumgehen, wird man Sie dort einfach töten.“

Bekannt wurde ein Video vom 27. Februar, auf dem zu sehen ist, wie zwei Mitglieder der Territorialverteidigung in Kiew ein Auto stoppen. Als der Fahrer ausstieg, schlug einer der beiden mit seinem Gewehr auf dessen Kopf. Der derart Angegriffene floh und wurde erschossen. Daneben gibt es Bilder und Videos, die zeigen, wie angebliche Plünderer von Territorialverteidigern an Bäume mit Plastikbahnen gebunden und geschlagen werden.

Kireev wird in Verbindung gebracht mit den Kljujew-Brüdern, der eine war zeitweise Chef des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats und Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel, der andere Rada-Abgeordnete, beide werden dubioser Geschäfte verdächtigt, mit denen sie reich wurden, u.a. in der Branche der Eneuerbaren Energien mit Solarparks etc. Sie leben in Österreich.

Es könnte durchaus sein, dass Kireev Opfer der Kämpfe zwischen den Oligarchen und Reichen wurde, aber wahrscheinlicher ist doch, dass der Geheimdienst – Kireev scheint vor langer Zeit auch ein paar Jahre für den SBU gearbeitet zu haben – den Mann beseitigen wollte. Da man seine Leiche nicht verschwinden ließ, könnte das als abschreckende Demonstration gemeint sein, auch wenn er während des Verhörs erschossen worden sein sollte.

Unklar ist aber weiterhin, unter welchen Umständen und von wem er ermordet wurde, was Spekulationen wuchern lässt. Strana berichtete, dass das Verteidigungsministerium erklärte haben soll, dass Kireev sein ein Mitarbeiter gewesen  und während eines Sondereinsatzes getötet worden. Ich habe dazu aber nichts weiter gefunden. Obwohl es früher Informationen gab, dass er von SBU-Beamten getötet wurde.In Kriegszeiten dürfte der Aufklärungswille allerdings beschränkt sein, obwohl es sich um ein Mitglied der wichtigen ukrainischen Delegation gehandelt hatte. Wusste er etwas, was dem Geheimdienst oder der Regierung nicht genehm war? Stand er im Verdacht, die Verhandlungsstrategie der Ukrainer verraten zu haben?

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Ein Kommentar

  1. Soll dieses Vorgehen des Geheimdienstes als Beispiel gelten für den neuen demokratischen Rechtsstaat Urkaine, vor dem Präsident Putin Angst hat, weil er seinen Landsleuten so ein leuchtendes Vorbild ist?

    Derartige Vorkommnisse vergisst unsere Presse gerne. Ist ja nicht mal Novitchok im Spiel und Belling Cat kann man auch nicht unterbringen.

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