Kriegs-Crescendo von US-Medien und Politik

Gemeinsame Übung des russischen und weißrussischen Militärs. Bild: belta.by

Der Eindruck wächst, dass die New York Times und die Washington Post mit der US-Regierung eine koordinierte antirussische Kampagne betreiben.

 

Die New York Times kann es nicht lassen. Zuerst wurde völlig unkritisch die von angeblichen Geheimdienstquellen durchgesteckte Geschichte, die fast zeitgleich auch von der US-Regierung verbreitet wurde, veröffentlicht, dass Russland die Erstellung eines Videos mit einem inszenierten Angriff auf Russen oder ostukrainische Separatisten plane, um eine Invasion zu rechtfertigen. Alles völlig ohne Beweise, nichts als heiße Luft. Der Sprecher des US-Außenministeriums machte noch alles schlimmer, weil er kritische Nachfragen nur damit beantwortete, dass man der Regierung und den Geheimdiensten Glauben schenken müsse, ansonsten arbeite man für den Feind (Die New York Times und das US-Außenministerium über eine angeblich geplante russische False-Flag-Aktion).

Bloomberg News hat passenderweise zur Kriegshysterie wahrscheinlich durch eine Unaufmerksamkeit kurzzeitig am 5. Februar online angekündigt: „Live: Russland marschiert in die Ukraine ein“. Man ist also auf alles vorbereitet, für Medien wäre ein russischer Angriff sowieso ein attraktives Ereignis, um die Quote mit entsprechenden Bildern und dem Narrativ eines Kampfs der Bösen gegen die Guten zu steigern. Die Bloomberg-Redaktion entschuldigte sich. Man bereite Titel für viele Szenarien vor, der sei unbeabsichtigt online gegangen. Man bedauere den „Irrtum“ zutiefst. Für die russischen Medien war das natürlich ein gefundenes Fressen, ebenso für den Kreml.

Washington Post sieht mit anonymen Informanten drohenden Durchmarsch nach Kiew

Jetzt kommt die nächste Story im Verein mit der Washington Post, die ebenfalls gerne Sprachrohr der US-Regierung spielt und einen ausführlichen Artikel am Sonntag veröffentlichte, dass US-Geheimdienste überzeugt seien, Russland könne schnell nach Kiew vorrücken, um die Regierung zu stürzen. Man habe das gleich von 7 anonym bleibenden Informanten, die mit der Einschätzung vertraut seien. 70 Prozent der dafür notwendigen Kampfstärke würden bereitstehen. Der Angriff würde 5 Millionen Ukrainer in die Flucht treiben und 50.000 töten. Die großen Truppenübungen in Weißrussland könnten auch Vorbereitungen sein. Die Washington Post schreibt dies am selben Tag, an dem

Früher wurde angekündigt, man müsse mit einem Angriff im Januar oder Februar rechnen, jetzt wird gesagt, Mitte Februar bis Ende März seien die Bedingungen ideal.  Die Botschaft des Artikels: „Die jüngste düstere Einschätzung von amerikanischen Officials deutet darauf hin, dass das Zeitfenster für Verhandlungen über eine diplomatische Lösung der Krise immer kleiner wird.“

Man wird den Eindruck nicht los, dass die New York Times und die Washington Post koordiniert mit dem Weißen Haus den Ton schriller stellen und die Kriegsgefahr beschwören. Gestern noch kam nach der NYT und der Washington Post Jake Sullivan, der nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, und verkündete, dass ein Angriff unmittelbar bevorstehen könne, aber lässt natürlich wieder in dert bekannten Strategie alles offen: „Jeden Tag kann nun Russland eine militärische Aktion gegen Russland beginnen. Oder es könnte in ein paar Wochen sein oder Russland könnte stattdessen den diplomatischen Weg wählen.“

 

New York Times steigt für Kriegswarnung auf ukrainische Quelle um

Dieses Mal liefern für die NYT nicht amerikanische Geheimdienste die exklusive Meldung, sondern eine angebliche Quelle aus dem ukrainischen Militär, der angebliche Erkenntnisse des ukrainischen Militärgeheimdienstes weitergegeben hat. Wieder geht es darum, den Konflikt zu eskalieren und einen drohenden Angriff zu prophezeien.

Die US-Regierung hatte vor kurzem sprachlich zurückgesteckt, weil man nicht wochenlang von einem unmittelbar drohenden Angriff glaubwürdig sprechen kann, der einfach nicht geschehen will. Das nervte auch die ukrainische Regierung. Jetzt heißt es, ein Angriff könne jederzeit möglich sein. Das unterstützt nun der mysteriöse Informant als Einschätzung des ukrainischen Oberkommandos. Teile der Truppen hätten ihre Kampfstärke erreicht, es sehe so aus, als wären in den letzten Schritten zur Kampfbereitschaft, sollte der Kreml einen Befehl geben. Auf die Krim seien zusätzlich 10.000 Truppen verlegt worden, die sich in der höchsten Kampfbereitschaft befinden.  Die NYT spricht davon, dass sich das ukrainische Oberkommando mit seiner Einschätzung dem Pentagon annähert.

Scheuklappenblick

Da ist viel vielleicht, möglich, teilweise, man kann so warnen, aber gleichzeitig sich bedeckt halten, wenn nichts passiert. Überdies wird nicht einmal die Möglichkeit gestreift, dass die russischen Truppen ja auch, ähnlich wie dies die Nato vorgibt, sich auf einen möglichen Angriff von der mit „defensiven“ Waffen der Nato hochgerüsteten Ukraine vorbereiten könnten oder einen solchen abschrecken wollen. Auch die Klammer um die Ukraine von Norden (Belarus), Osten und Süden (Krim) kann sowohl das eine als auch das andere bedeuten.

In aller Regel wird auch vergessen zu thematisieren, was der Kreml von einer Invasion in die Ukraine hätte, abgesehen von schweren Sanktionen und dem Status eines Paria. Denkbar wäre höchstens, was in der Duma auch diskutiert wird, ob die „Volksrepubliken“ bei einem Konflikt anerkannt und mit Waffen ausgestattet werden bzw. bei einem Angriff militärisch von Russland unterstützt werden. Die vom Westen aufgemachten Szenarien einer Invasion der Ukraine dürften die wenigsten glauben, denn das würde neben allen anderen negativen Folgen auch bedeuten, sich auf einen blutigen und langen Besatzungskrieg einzulassen.

 

Die NYT sagt, die Behauptungen des Informanten würden den Satellitenaufnahmen von den russischen Truppenkonzentrationen entsprechen. Darauf sieht man zwar viel Gerät, unklar ist aber, ob Soldaten in Kampfstärke vorhanden sind. Es sei auch logistische Infrastruktur wie  Feldlazarette, Kommunikationseinheiten, elektronische Ausrüstung an die Nähe der Grenze verlegt worden. Zu genau will man aber nicht sein, zumal nicht über die angeblich zusätzlichen Truppen. Da heißt es jetzt, es wären um die 130.000, mehr seien unterwegs. Man hört aber nicht, wie viele Truppen die Ukraine an die Grenze mit welchem Gerät verlegt hat – und auch nicht, wie viele die Nato an der „Ostflanke“ aufbietet.

Gerade hat die US-Regierung beschlossen, 3000 zusätzliche Soldaten nach Polen und Rumänien zu verlegen, die ersten sind bereits in Europa eingetroffen. Überdies wurden 8500 US-Soldaten in Bereitschaft versetzt, um sich der Nato-Speerspitze von 30.000 Frauen und Männern anzuschließen, sobald diese zum Einsatz kommt.

In Polen sind nach Reuters bereits 4500 US-Soldaten stationiert, die Zahl könnte um 1000 erhöht werden. Dazu gibt 1000 Soldaten der Nato Enhanced Forward Presence (EFP) sowie 1700 von der gerade beschlossenen Erhöhung. In Estland sind 900 Soldaten der EFP stationiert sowie Nato-Kampfflugzeuge, in Lettland 1700 und in Litauen 1200, zusammen mit einem 500 Mann starken US-Panzerbataillon und Kampfflugzeugen. In Rumänien sind 4000 Nato-Soldaten und 900 US-Soldaten stationiert, zusätzlich kommen weitere 1000 US-Soldaten. In Ungarn und Bulgarien hält man sich zurück. Dazu kommen ein paar hundert Soldaten aus britischen, kanadischen und amerikanischen Spezialeinheiten, die in der Ukraine ukrainische Soldaten ausbilden. Das sind mehr als 26.000 Nato-Soldaten. In gang Europa sind mehr als 70.000 US-Soldaten stationiert.

Wieder ist eine Frage von Wochen bis zum Angriff

Zur Ehrenrettung der US-Regierung und der NYT soll der „hohe Regierungsangehörige“ gesagt haben, dass ein Angriff mit einer lokalen Aktion starten könnte, also etwa mit einer FalseFlag-Aktion, um dann die Konfliktzone zu vergrößern: „Jetzt machen sie alles, was sie können, um uns und den Westen in Panik zu versetzen“, wenn das nicht der Westen und westliche Medien wie die NYT selbst besorgen.

Schon seit Wochen wird von der baldigen Invasion gesprochen, das wird im NYT-Artikel fortgesetzt. Jetzt werden Militär-Analysten zitiert, nach denen „nur noch eine Frage von Wochen“ sein kann, dass die russischen Truppen kampfbereit seien. Und weil es jetzt schon gegen Ende des Artikels geht, werden die anfangs jederzeit kampfbereiten Truppen zu solchen, denen es trotz aller vorhergegangenen Behauptungen an logistischer Infrastruktur gefehlt habe. Die Satellitenaufnahmen hätten Panzer und anderes schweres Gerät in Massen gezeigt, aber das sei eine Botschaft und ein Mittel gewesen, einen Dialog zu erzwingen, wird General Philip Breedlove zitiert, der ehemalige Nato-Oberkommandeur, der von einer Show sprach. Aber jetzt habe sic h das nun endgültig verändert, nachdem Iskander-Raketen, Kampfflugzeuge und Hubschrauber nach Kaliningrad verlegt wurden. Jetzt würden auch mehr Truppen für die verlegten Geräte kommen.

Zum Ausgleich für den peinlichen Bericht über die bodenlosen Behauptungen der US-Regierung wurde ein Artikel nachgeschoben, der ein wenig herumeiert, warum man doch nicht immer der Regierung (und Medien wie der NYT) über den Weg trauen sollte. Auf die Geheimdienste ist sowieso wenig Verlass, die berüchtigten Lügengeschichten über die irakischen Massenvernichtungswaffen und die Kooperation von Saddam Hussein mit al-Qaida sind wohl immer noch die größte Desinformation der Geheimdienste. Die Story über die russischen Beeinflussungsoperationen der Präsidentschaftswahl 2016 hat sich ebenfalls als wenig begründet erwiesen, sondern ist eher ein Narrativ der Demokraten, um Clintons Scheitern zu erklären und den Konflikt mit Russland anzuschieben. Zuletzt zeigten sich die US-Geheimdienste wenig informiert über den Vormarsch der Taliban und wollten glauben machen, man habe IS-Kämpfer in Kabul getötet, während eine Familie, darunter viele Kinder, ausgelöscht wurden.

 

Man hat tatsächlich das Gefühl, dass Politiker und Medienvertreter allmählich durchdrehen und sich in die gegenseitig verstärkte Blase eines Wahn- oder Desinformationsgespinsts einschließen, das nur noch Wir oder der Gegner kennt.  Allerdings muss man unterstellen, dass dort, wo die Weichen der psychologischen Operationen gestellt werden, natürlich nach Drehbuch gearbeitet wird.

Der stellvertretende russische UN-Botschafter schrieb auf Twitter: „Der Wahnsinn und die Panikmache gehen weiter… was wäre, wenn wir sagen würden, dass die USA London in einer Woche einnehmen und 300.000 zivile Todesopfer verursachen könnten? All das auf der Grundlage unserer Geheimdienstquellen, die wir nicht offenlegen wollen… Würde sich das für Amerikaner und Briten richtig anfühlen?.. .Für Russen und Ukrainer ist es genauso falsch.“

Und der ukrainische Verteidigungsminister Reznikow bleibt dabei, dass es keine große Kriegsgefahr gibt: „Wir haben alle Informationen und schätzen die Lage realistisch ein. Viele verschiedene hypothetische Schätzungen und Vorhersagen sind jetzt zu hören. Vor allem in ausländischen Medien. Einige haben sogar eine Invasion in Russland angekündigt, die jedoch vor 8 Jahren stattfand.“ Und der ukrainische Außenminister Kuleba schloss sich an: „Glauben Sie nicht an apokalyptische Vorhersagen. In verschiedenen Hauptstädten werden verschiedene Szenarien berechnet, aber die Ukraine ist auf jede Entwicklung von Ereignissen vorbereitet.“

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3 Kommentare

  1. Die Relotius-Medien sind die Relotius-Medien – um es tautologisch auszudrücken. NYT und WaPo haben eine lange Tradition als Speerspitze der u.s.-Propaganda zu fungieren. Weil es sich um seriöse Blätter handelt, werden Falschmeldungen korrigiert – mit gehörigem Zeitabstand und irgendwo links unten auf Seite 7.

    Die russische Regierung wird den usa den gewünschten Gefallen nicht tun. Falls es zu militärischen Feindseligkeiten kommt, wird nicht Russland sie eröffnet haben und das Geschehen wird sich nicht in der Ukraine abspielen. Macron hat heute Aussagen gemacht, die ein leichtes Abrücken von der in Washington vertretenen Linie des Wahnsinns sein könnten. Scholz wird sich hoffentlich bei Biden nicht ins Bockshorn jagen lassen. Vielleicht könnte dann eine französisch-deutsche Achse das Schlimmste verhindern.

  2. Ich bin gespannt, ob es gelingen wird, die Ukraine zur Umsetzung von MinskII zu bewegen (und das liegt an den USA). Falls nicht, muß man wohl mit einer Aktion rechnen, die der anderen Seite angelastet wird und gleichzeitig als Vorwand für einen weiteren Boykott dient.

    Zelensky ist damit „between a rock and a hard place“ .

  3. Was ist Territoriale Integrität ?

    Das ist die Hoheit über ein Landschaftliches Gebiet, in dem ggfs. Millionen von Menshen leben,

    über welches GENAU NUR
    EIN PAAR WENIGE die Hoheit beanspruchen.

    (früher nannte man diese “ Habsburger, allgemein Fürsten, Könige, oder
    “ Kaiser von Fürsten Gnaden “ ! )
    ….-> Deutsche Geschichte

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