Hat die Europäischen Rundfunkunion (EBU) den ESC zugunsten der Ukraine manipuliert?

Aus dem Video von Kalusha Orchstra

 

In sechs Ländern wurden ohne wirkliche Begründung Abstimmungsergebnisse der Jury verändert. Dass die Ukraine Sieger wurde, macht aber deutlich, dass der ESC politisch ist, was er eigentlich nicht sein will.

 

Beim Eurovision Song Contest hat wenig überraschend das ukrainische Kalush Orchestra gewonnen. Das war nach der politisch begründeten Ausladung von Russland durchaus eine politische Botschaft. Dies unterstrich Sänger Oleh Psjuk, der auf der Bühne forderte: „I ask all of you: Please help Ukraine, Mariupol, help Asovstal – right now.“ Solche politische Äußerungen sind eigentlich verboten, aber der Veranstalter Europäischen Rundfunkunion EBU wollte die gefeierte Solidarität nicht beeinträchtigen, indem die Forderung zurechtgebogen wurde, sie „eher als humanitäre Geste und weniger als politisch“ zu verstehen. Darauf werden sicher andere zurückkommen.

Kalush Orchestra unterstrich die nationale Unterstützung durch einen nachgereichten Musikclip, in dem die Musiker u.a. in den verwüsteten Städten Bucha und Irpin in der Kriegskulisse mit vielen dramatisch inszenierten Feuern auftreten. Man könnte von Kriegskitsch sprechen.

Hat die EBU der Solidarität mit der Ukraine unter die Arme gegriffen? Die Ergebnisse von sechs Ländern seien durch ein nicht näher beschriebenes „irreguläres Abstimmungverhalten“ bei der Jurywahl gekennzeichnet gewesen. Deswegen habe man im zweiten Halbfinale und im Finale ein „aggregiertes“  Ersatzergebnis berechnet, das auf den Ergebnissen von anderen Ländern mit ähnlichen Abstimmungsaufzeichnungen basiert: „Die EBU nimmt jeden mutmaßlichen Versuch, die Abstimmung beim Eurovision Song Contest zu manipulieren, äußerst ernst und hat das Recht, solche Stimmen gemäß den offiziellen Abstimmungsanweisungen zu entfernen, unabhängig davon, ob diese Stimmen das Ergebnis und/oder den Ausgang der Abstimmung beeinflussen können oder nicht.“

Eine Begründung wurde jedoch nicht gegeben. Die Namen der sechs Länder wurden nicht bekanntgegeben, was die Transparenz noch einmal steigerte. Es stellte sich heraus, dass es sich um Aserbeidschan, Georgien, Montenegro, Polen, Rumänien und San Marino handelte. Hier wurden nämlich die Jury-Mitglieder nicht gelistet. Nach der Publikumsabstimmung erhielt das Kalush Orchestra 439 Punkte und von der Jury nur 192, die weniger vom Kriegsgeschehen beeinflusst war. Das Rekordergebnis wurde mit 631 Punkten erreicht. Der Abstand zu Sam Ryder (UK) mit 466 Punkten (183 Publikum und 283 Jury) scheint groß zu sein

Die betroffenen Länder sind mit dem Eingriff der EBU zugunsten der Ukraine nicht einverstanden, obgleich sie wie Polen oder Rumänien durchaus auf der Seite der Ukraine stehen. Der rumänische öffentlich-rechtliche Sender TVR fordert eine Erklärung für die Veränderung. Es seien die 12 Punkte nicht an die Ukraine gegangen, wie die EBU „berechnet“ hat, sondern an Moldawien. Die nationale Jury habe ordnungsgemäß in Anwesenheit eines Notars abgestimmt und alle Regeln eingehalten. Die Journalistin Eda Marcus wurde ausgesperrt und konnte das Ergebnis nicht verkünden.

Der rumänische Kulturminister Kulturminister Lucian Romascanu sagte, die Abstimmungsveränderung schade am Ende auch der Ukraine: „Ich verstehe nicht, warum wir aus einem Musikwettbewerb ein politisches Aushängeschild machen müssen, bei dem alle, in Gruppen von Ländern, für ihre Kandidaten stimmen und wir am Ende froh sind, dass wir mehr Einwohner haben als andere.“

Auch der georgische öffentlich-rechtliche Sender GPB protestierte gegen die von der EBU veränderten Abstimmungsergebnisse. Allerdings in einem anderen Sinn. Die Jury habe 12 Punkte der Ukraine gegeben, die EBU gab sie UK. Das war auch der Fall in Aserbeidschan. Auch der Sender RTCG aus Montenegro protestiert gegen die Veränderung der Abstimmung. Die zwölf Punkte von San Marino gingen an Spanien, die von Polen an die Ukraine und die von Montenegro Serbien.  Der polnische Fernsehsender scheint noch nicht protestiert zu haben. Dagegen gibt es Aufregung, weil die ukrainische Jury 0 Punkte an Polen und Litauen gegeben hat, deren Regierungen massiv die Ukraine unterstützen.

Man kann davon ausgehen, dass die EBU nicht eingegriffen hat, um Kalusha Orchestra zu pushen. Auch wenn es keine politische Verschwörung war, sollte die EBU klarstellen, was sie bewogen hat, in die Abstimmungsergebnisse einzugreifen. Verbreitet wurde, dass angeblich die russische Hackergruppe Killnet versucht haben soll, mit DDoS-Angriffen während der Abstimmung ESC-Seiten lahmzulegen. Das sei aber von der italienischen Polizei abgewehrt worden.  Killnet bestreitet die Angriffe und erklärte nun den „Krieg“ gegen die italienische Polizei. Tatsächlich ist die Website der Polizia Nationale, die Cyberkriminalität bekämpft,  lahmgelegt.

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8 Kommentare

  1. Noch vor wenigen Jahren wäre es ein Skandal gewesen, wenn ein Gewinner des Eurovision Song Contest den Hitlergruß gezeigt oder eine Moderatorin faschistische Parolen in die Kamera gebrüllt hätte. Beim Finale des diesjährigen ESC am Sonntag ist beides geschehen. Ohne Konsequenzen.
    Nach der Bekanntgabe des Sieges schiebt der Frontman der Band Kalush und Autor des Songs „Stefania“ eine politische Botschaft nach:

    „Ich bitte euch alle: Helft der Ukraine, Mariupol, Asow-Stahl.“

    Disqualifiziert wird er dafür nicht, obwohl politische Botschaften nach den Regularien des Wettbewerbs eigentlich verboten sind. Die Worte des Musikers werden kurzerhand als eine „humanitäre“ Botschaft gedeutet.

    Doch dessen nicht genug für einen Abend: Beim Verlassen der Bühne hebt eines der Bandmitglieder die rechte Hand zum Hitlergruß. Es ist unmissverständlich der Hitlergruß: Die Hand bleibt mehrere Sekunden in der Luft, genug Zeit um die Geste zweifelsfrei zu erkennen. Das Foto ist auf Twitter zu finden.

    Es bleibt festzustellen: Der Nazismus ist wieder gesellschaftsfähig geworden im Europa des Jahres 2022.

  2. Und so wird es weitergehen… die Ukrainer werden überall bevorzugt behandelt werden, ob als Flüchtlinge oder bei dem ESC, und dies auch öffentlich überall lautstark einfordern dürfen, wie etwa bei den Sonderwünschen für die Beschulung der ukrainischen Kinder.
    Mit einher gehen wird Kriegspropaganda, Rückbesinnung auf LTI, Neonaziverharmlosung und eine rassistische Politik, wie sie in der Ungleichbehandlung der Flüchtlinge schon zum Ausdruck kam. Leitsatz sind die „14 Wörter“, der die Nazi-Ideologie der angeblichen Überlegenheit der weißen Rasse zusammenfasst: „Wir müssen die Existenz unseres Volkes und eine Zukunft für die weißen Kinder sichern.“
    Wenn dann dunkelhäutige Kinder und Erwachsene im Nahen Osten und Nordafrika (ver-)hungern müssen, weil in der Ukraine die Felder nicht bestellt werden können, weil wir in der Ukraine einen Krieg für „unsere Freiheit und Demokratie in Europa“ führen, dann ist das wohl im Sinne Madeleine Albrights „diesen Preis wert“. Scott Ritter hat es übrigens kürzlich sehr schön auf den Punkt gebracht, worum es bei der NATO und ihrer Unterstützung für die Ukraine tatsächlich geht: Um Regimechange im Sinne der USA, zuerst in der Ukraine, dann in Russland. https://www.youtube.com/watch?v=Tgf2prUaKR4

  3. Was da gemacht wurde, schlägt dem Faß den Boden aus. Bei aller Solidarität für die Ukraine- es geht auch noch um andere Dinge; z.B Gerechtigkeit.
    Man sollte mal die Meinung der meisten Menschen öffentlich anhören. Aber die ist ja nicht erwünscht.
    Solche Aktionen kommen überhaupt nicht gut an und schüren unnötig Frust bei vielen.

  4. „…eher als humanitäre Geste und weniger als politisch“

    Wahrscheinlich war auch der (hier straferechtlich zu verfolgende) „Deutsche Gruß“ beim Abgang der Ukrainer (passend zu Asows, noch nicht alles in den sozialen Medien gelöscht), rein als „humanitäre Geste“ gemeint.

  5. Schade, dass die Lotterie nicht so vorhersehbar ist, auch wenn ich bei der Auslosung auch so meine Zweifel habe, da die Gewinnverteilung Fragen aufwerfen. Westliche Organisationen, die mit großer Aufmerksamkeit, Politik oder Geld zu tun haben, sind grundsätzlich verlogen und manipuliert. Das Ergebnis des ESC stand für mich also bereits vorher fest. Das westliche System könnte wirklich eines der besten auf der Welt sein, wenn die Menschen ihre Gier und ihr Machtstreben in den Griff bekommen könnten. Das System hat vor diesem Übel kapituliert und kämpft nicht mehr dagegen an. So wird die Lüge immer offensichtlicher und obwohl es eine Lüge ist, wird sie zur Wahrheit, während die Wahrhaftigkeit Nazi ist und die echten Nazis zu Helden werden.

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