Groteske Taliban-Parade

 

Zur Siegesfeier führen die Taliban willige Selbstmordattentäter, Spreng- und Faßbomben sowie Raketen der eigenen „Militärindustrie“ vor – ganz wie auf einer üblichen Militärparade.

Es ist eine groteske Show, die die Taliban gestern irgendo in der Pampa zur Siegesfeier veranstaltet haben. Es sollte wie eine Truppenparade mit den neuesten Waffen sein. In Kandahar beispielsweise führten die Taliban in einer Parade die von ihnen erbeuteten Humvees vor und ließen Blackhakk-Hubschrauber kreisen. Das erinnerte doch stark an die Triumphzüge während des Blitzkriegs des Islamischen Staats im Irak 2014, wo auch die von den geflohenen irakischen Truppen erbeuteten Panzer und Fahrzeuge vorgeführt wurden. Ähnlich in Luft aufgelöst hatte sich die afghanische Armee.

Eine Parallele zum Islamischen Staat ist nicht nur die islamistische Ideologie der Taliban, die allerdings nur ein Emirat, nicht gleich ein Kalifat errichten wollen, aber es geht um ein totalitäres System, in dem die Menschen islamischen Regeln der Lebensführung unterworfen werden, um eine rückwärts gewandte Revolution zur Wiederherstellung der Macht des Korans, der Scharia und der Männer, die an der Spitze des Emirats, der Gesellschaft und der Familie stehen.

Als Narrativ steht hinter beiden Bewegungen auch der Kampf David gegen Goliath, ein asymmetrischer Krieg zwischen marginal bewaffneten Aufständischen, die ihr Leben für ihre Sache einsetzen, und einem hochgerüsteten militärischen Apparat einer Supermacht mit Berufssoldaten.

Die zum Märytrium bereiten Selbstmordattentäter

Die Erbeutung der Waffen der Supermacht und deren Flucht ist der Sieg der Kleinen, aber Entschlossenen gegen das große System, das von Interessen, aber nicht Leidenschaften getrieben wird: „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ Was für die einen das große Abenteuer ist, ist für die anderen Pflichterfüllung.

Auch wenn die Taliban nicht ganz so brutal und menschenverachtend agieren wie der Islamische Staat, nahmen sie auch keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Das haben sie zwar teils auch mit den Besatzungstruppen gemeinsam, die auch eine Blutspur an getöteten und verletzten Zivilisten hinterließen. Aber während die Besatzungstruppen unter der Führung der USA die Billigung von Kollateralschäden abstritten und in der Regel behaupteten, alle Getöteten seien gegnerische Kämpfer gewesen, bekannten sich die Taliban wie auch der Islamische Staat zu Anschlägen und Angriffen, die auch Zivilisten als Opfer hatten.

Jetzt also haben die Taliban die Macht übernommen und führen den Afghanen während einer Parade im Staatsfernsehen vor, mit welchen Waffen sie auch gegen die Bevölkerung vorgingen. Das kommt natürlich nicht vor, Sinn des Ganzen ist schließlich,  allen zu zeigen, mit welchen primitiven Mitteln und selbstgebauten Waffen man den übermächtigen Feind aus dem Westen in die Flucht geschlagen hat. Wie es sich gehört, haben sich auf einer Tribüne die Machthabenden versammelt, deren Gesichter vermummt sind, um ihre Befehlsempfänger an sich vorbeiziehen zu sehen.

Die Kommandeure geben sich staatsmännisch, die wilden Kämpfer der Taliban geben sich als Soldaten und marschieren im Gleichschritt. Es gibt keine traditionelle Militär- oder Blasmusik, sondern – natürlich nur von Männern vorgetragene – Naschids ohne Begleitung von Instrumenten, wie dies auch der IS pflegte. Einen Naschid könnte man auch als einlullenden Chor-Singsang beschreiben.

Auf Drohnenbilder will man nicht verzichten

Mit einer Talibanflagge marschieren erst einmal die Todgeweihten vorbei, also Männer, die als Selbstmordattentäter Märtyrer werden wollen. Sie feiern die vielen Männer und Jugendlichen, die ihr Leben geopfert haben, um anderen Menschen in den Tod mitzureißen und Angst und Schrecken zu verbreiten. Man hätte meinen sollen, dass die Zahl der Willigen sich während es 20jährigen Kriegs vermindern würde. Das aber scheint nicht geschehen zu sein, die ideologische Maschinerie zur Erzeugung der Moribundi funktionierte und dürfte mit dem Sieg der Taliban weltweit den Islamisten weitere Opferwillige zuführen.

Die gelben Faßbomben der Taliban

Dann wird das Arsenal der Waffen vorgeführt: Minen, Autobomben, Sprenggürtel und die gelben Faßbomben, die man angeblich nur gegen die „Invasoren und ihre Puppen“ im „Kampf um die Unabhängigkeit“ verwendet hat. Wichtig ist den Taliban, dass sie selbst eine „Militärindustrie“ hatten, in der die Waffen ebenso wie Raketen gebaut wurden. Selbst Gewehre werden vorgeführt, und es darf eine Eliteeinheit ihren Drill demonstrieren. Das ist eine Parodie auf das Gehabe von Militärparaden, die aber diese gleich mit entlarvt.

Alles ist ein wenig miniatrurhaft geraten, auch die Eliteeinheit.

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