Ein Drittel der Amerikaner kann die Ukraine lokalisieren

Bild: Wikimedia/CC BY-SA-3.0

Wer besser „informiert“ über den Konflikt ist, steht eher hinter der aggressiven US-Politik. Derweil schürt US-Außenminister Blinken weiter die Angst und sagt, auch während der Olympiade könne der Krieg ausbrechen.

Es ist ein altes Spiel bei geopolitischen Konflikten Menschen aus beteiligten Staaten zu fragen, ob sie wissen, wo der Konflikt stattfindet. Jetzt sollte ein repräsentative Auswahl von über 2000 Amerikaner angeben, wo die Ukraine auf einer Karte liegt. Immerhin 34 Prozent deuteten auf das Land, relativ viele auch auf das benachbarte Weißrussland. Ist also gar nicht so schlecht. Ob das mehr Menschen in Deutschland könnten?

Der Bericht von Morning Consult zitiert beifällig einen Spruch von Mark Twain, der ziemlich zynisch ist, was offenbar von den Autoren aber goutiert wird: „Gott schuf den Krieg, damit die Amerikaner die Geografie lernen.“ Jetzt würden die Amerikaner ihr Wissen über Osteuropa auffrischen können. Russland habe die Ukraine mit Truppen umstellt und verlange Sicherheitsgarantien, die die USA und die europäischen Alliierten nicht geben wollen, weswegen sie Sanktionen androhen und Truppen in die Region verlegen, um einen Angriff zu verhindern. So das übliche Narrativ. Wohlwollend wird gesagt, Dreiviertel der Amerikaner hätten zumindest etwas von der Krise gehört, was aber heißt, ein Viertel interessiert es nicht. Da entspreche der Zahl der Amerikaner, die wissen, wo Russland geografisch liegt, das allein aufgrund seiner Größe schwer zu übersehen ist.

Wer die Ukraine lokalisieren konnte, hat wenig überraschend eher auch „viel“ von der Krise erfahren und ist stärker besorgt. Aufgrund der doch recht einseitigen Berichterstattung in den USA sind diejenigen, die besser „informiert“ sind, auch eher für ein härteres Vorgehen gegen Russland: Sie sprechen sich mit 50 % eher dafür aus, mehr Waffen in die Ukraine zu schicken, während man weiter diplomatisch spricht, als diejenigen, die die Ukraine auf der Karte nicht ausmachen konnten (37%). Sie sind mit 42 versus 32 % auch eher dafür, Truppen nach Osteuropa zu senden, selbst dann, wenn Amerikaner dabei sterben würden (34 versus 26 %), und 58 % sind für harte Sanktionen bei einer Invasion. Für die Schließung sind auch 65 % (versus 51 %).

Aber das verzerrt natürlich die Lage, denn es sind immer weniger als die Hälfte von allen Befragtem, die für mehr Waffen, Truppenverlegungen oder Sanktionen sind. Die Autoren schreiben:  „Die Regierung Biden kann sich zwar damit trösten, dass ihr bisheriger Umgang mit der Ukraine-Krise bei den besser informierten Wählern in den USA auf breite Zustimmung stößt, aber das reicht vielleicht nicht aus. Biden kann seinen europäischen Verbündeten nicht die Bedingungen für Sanktionen gegen Russland diktieren oder ohne ihre Zustimmung Truppen in ihre Länder entsenden – und eine Morning-Consult-Umfrage im Januar zeigte, dass Erwachsene in Europa Sanktionen und militärische Eskalationen, die ihr Portemonnaie strapazieren oder ihren Angehörigen schaden könnten, deutlich weniger enthusiastisch gegenüberstehen.“ Man hätte auch sagen können, Biden hat im Ukraine/Russland-Konflikt nicht die Mehrheit der Amerikaner hinter sich.

Gleichwohl beschwört die US-Regierung weiterhin einen möglichen Krieg, der immer demnächst möglich sein soll. US-Präsident Biden hat schon mal die Amerikaner aufgefordert, die Ukraine verlassen. In Polen bereiten US-Soldaten die Aufnahme von amerikanischen Flüchtlingen aus der Ukraine vor, strategische US-Bomber wurden nach Europa verlegt, um an einer Militärübungen teilzunehmen.

Und Außenminister Blinken, der gerade unterwegs ist, um die Anti-China-Allianz Quad weiter zu schmieden und China ähnlich wie zuvor Russland am südchinesischen Meer einzuschließen oder zu isolieren, sieht den Krieg jederzeit beginnen. Es würden neue russische Truppen an die Grenze verlegt: „Wir sind in einem Zeitfenster, in dem eine Invasion jederzeit beginnen kann.“ Er könne auch während der Olympischen Spiele beginnen, was bislang als eher unwahrscheinlich galt, weil damit Putin die Show für seinen Partner Xi Jinping vermasseln könnte. Wie Blinken sich ausdrückt, will er die Situation als hochgefährlich darstellen: „Wir fahren fort, unsere Botschaft zu verkleinern.  Wir werden diesen Prozess fortsetzen.  Und wir haben auch sehr deutlich gemacht, dass alle amerikanischen Bürger, die in der Ukraine bleiben, jetzt gehen sollten.“

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Ein Kommentar

  1. Die usa sollten ihre Botschaft gleich auf Null verkleinern und wenn sie grad dabei sind, am besten weltweit.

    Ein Land, das die Devisenreserven eines anderen raubt hat sich selbst zum Paria erklärt.

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