Asow-Kommandeur: „Wir sind noch immer in Asovstal“

Verklärung der Asow-Kämpfer in Asovstal, die zu Lichtgestalten oder göttlich Auserwählten stilisiert werden.

Der erste Prozess gegen einen russischen Soldaten, der in der Ukraine zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden wird, setzt ein Präzedenz, was die ukrainischen Soldaten in russsicher Kriegsgefangenschaft erwarten wird.

 

Angeblich haben die russischen Streitkräfte das Stahlwerk von Asovstal Bomben von Flugzeugen mit einem TNT-Äquivalent von 714 Tonnen abgeworfen. Zum Vergleich: Eine  amerikanische GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast (MOAB oder „Mother of All Bombs“) soll eine Sprengkraft von 11 Tonnen TNT  haben, die Horohima-Atombombe hatte eine Sprengkraft von 13.000 Tonnen TNT.  Dazu kommen noch Raketen, die von Schiffen abgefeuert wurden, Granatbeschuss und Treffer von Grad- und Smerch-Mehrfachraketenwerfersystemen.

Angeblich soll das Industriegelände in einen Freizeitpark umgewandelt werden, vielleicht soll es auch zu einem riesigen Monument für den Sieg über die „Helden von Mariupol“ werden. Man schätzt, dass sich noch 1000 Soldaten, vermutlich vor allem Asow-Kämpfer, in dem Tunnelsystem aufhalten, die sich bislang trotz des Befehls, sich zu ergeben, nicht in Gefangenschaft begeben wollen. Wer von den Soldaten und vor allem von den Asow-Kämpfern (Kriegs)Verbrechen begangen hat, muss mit einem Prozess und vielleicht lebenslanger Haft rechnen. Zudem bestreitet die russische Seite, dass Asow-Kämpfer den Status von Kriegsgefangenen haben.  Nach Aussagen von Gefangenen soll Asow nicht nur lange Zeit verhindert haben, dass Zivilisten aus Asovstal herauskonnten, sondern auch Soldaten, die sich ergeben wollten. Aussagen von Kriegsgefangenen sind mit Vorsicht zu genießen, gleich ob in russischer oder ukrainischer Haft, denn sie könnten unter Druck und aus Angst zustandekommen.

Seit Montag haben sich über 1700 Soldaten und Kämpfer ergeben, darunter 80 Verwundete. Russland lässt zu, dass die Gefangenen vom Internationalen Roten Kreuz registriert werden und dessen Mitarbeiter auch dann Zugang zu ihnen haben müssen. Demonstriert wird, dass die Kriegsgefangenen gut behandelt werden. Das sollen auch Videos von den Gefangenen demonmstrieren. Streng wird geprüft, ob es sich um reguläre Soldaten oder Asow-Kämpfer handelt, dabei wird auch wieder kontrolliert, wer entsprechende Tätowierungen hat, die offenbar tatsächlich ein Kennzeichen der Asow-Leute sind. Ob sie gesondert in Gefängnisse kommen, ist noch unklar.

Dass sich die restlichen Asow-Mannschaft noch dagegen sträubt, sich zu ergeben, mag auch damit zusammenhängen, dass sie ihren Ruf als nationale Helden nicht beschädigen wollen und/oder den Befehl von oben zur vermutlich bedingungslosen Kapitulation als Verrat sehen. Ihr Kommandant hatte den Befehl so wiedergegeben, dass ihr Kampfauftrag erfolgreich beendet sei, was auch heißt, dass sie jetzt nur noch sich selbst, aber nicht die Ukraine verteidigen. Entscheidend für die Befehlsverweigerung dürfte aber sein, dass sie als Angehörige einer in Russland dämonisierten Miliz den von Moskau gegebenen Garantien nicht vertrauen, vor allem aber, dass sie damit rechnen müssen, lebenslang in russischen Gefängnissen zu verschwinden. Möglicherweise würde ihnen auch die Todesstrafe drohen, die „Volksrepubliken“ haben diese nicht abgeschafft. Diskutiert wird, ob Asow-Kämpfer prinzipiell nicht ausgetauscht werden dürfen und ob Asow als Terrororganisation eingestuft wird.

Das hat nun ausgerechnet die Ukraine vorgezeichnet, die einen 21-jährigen russischen Soldaten, fast noch ein Kind, vor Gericht stellte, der in der Haft gestanden hatte, am 28. Februar einen unbewaffneten Zivilisten getötet zu haben. Er sei von seinen Kameraden dazu genötigt worden. Sie waren auf der Flucht und hatten Angst, dass der Mann, der gerade mit einem Handy telefonierte, die den ukrainischen Soldaten verraten könnte. Die ukrainische Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Gefängnisstrafe für Shishimarin, der sich bei der Witwe entschuldigt hat, die wiederum erklärte, sie würde auch seinem Austausch mit ukrainischen Asow-Kriegsgefangenen zustimmen. Weitere russische Soldaten, darunter ein Zwanzigjähriger, wurden identifiziert, die Frauen vergewaltigt haben sollen.

Gestern meldete sich der stellvertretende Kommandeur des Asowschen Regiments, Svyatoslav Palamar, dass er mit weiteren Kämpfern noch in Asovstal sei und eine Aktion vorbereite, die er nicht näher bezeichnen wollte: „Eine Operation ist im Gange, deren Einzelheiten ich nicht bekannt geben werde. Danke an der ganzen Welt, dank der Ukraine. Wir sehen uns.“ Bohdan Krotevych von Asow hatte am Mittwoch schon ein Foto von sich gepostet mit der Botschaft: „Der Kampf geht weiter.“

Welche Operation könnten die Asow-Kämpfer planen, die Kiew vorgeworfen hatten, nichts zu tun, obgleich auch eine militärische Befreiung möglich gewesen wäre? Es kann sich eigentlich nur um einen Ausbruchsversuch handeln, letztlich um ein Himmelfahrtskommando oder einen erweiterten Suizid. Der radikale Kern könnte lieber untergehen, als sich den Russen oder den prorussischen Ukrainern zu ergeben. Direkte Unterstützung erfahren sie nicht aus Kiew, auch noch von den anderen Asowverbänden, vom Asow-Gründer Andriy Biletsky oder vom Chef des Rechten Sektors Dmitri Jarosch, der eine hohe Position bei den ukrainischen Streitkräften einnimmt.

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5 Kommentare

  1. „Sie haben Dinge getan, die auf jeden Fall Eingang finden werden,….“

    Davon dürfte man ausgehen. Ich bin prinzipiell dagegen, diese „Jungs“, im Rahmen eines Austausches, zu retournieren. Aber für Russland wäre es pr-mäßig ein gewaltiger Vorsprung, wenn sie tatsächlich nur inhaftiert würden.

  2. Jetzt haben sie alle aufgegeben. Die „spezielle Operation“ war wohl die Vernichtung von Kompromat in den Bunkern. Der Kommandeur des Vostok-Bataillons der DNR, der die Einschliessung von Azovstal leitete, berichtete von Explosionen und Zerstörungsarbeit innerhalb des Bunkersystems in den Stunden vor der endgültigen Kapitulation.

  3. Asow-Kommandeur: „Wir sind noch immer in Asovstal“
    nicht mehr… prokopenko, palamar und co. „evakuiert“ und in Haft

  4. Asow Stab im Mariupol- von Kollege
    „Der Asow-Stab
    Unsere letzte Station war ein ehemaliges Sanatorium, das vom Asow-Bataillon nach 2014 als Stab genutzt wurde. In einer Etage hat die russische Armee zusammengetragen, was sie in den Büros der Offiziere gefunden hat und ausgestellt. Der größte Raum war vorher schon mit den schwarzen Schilden dekoriert, die zu Ehren der gefallenen Asow-Kämpfer angefertigt worden sind. Sie zeigen die „schwarze Sonne“, ein Symbol der Waffen-SS, und den Kampfnamen des Gefallenen.“

    „Auf diesem Tisch war die Hitler-Ikone, die im Büro eines hohen Offiziers stammt interessant.

    Und auch die Visitenkarte eines Mitarbeiters der deutschen Botschaft in Kiew.

    Ob der hier gewesen ist, ist nicht bewiesen, aber sollte er hier gewesen sein, würde ich ihn gerne zu dem Gesehenen befragen…“
    „Die 10 Gebote des Asow, ohne Gott, dafür aber mit allem, was der SS „heilig“ war.“
    usw.

    https://www.anti-spiegel.ru/2022/tag-1-meiner-dritten-reise-in-den-donbass-mariupol/

  5. Die moralischen Auswirkungen dieser „Evakuierung“ sind kaum abzusehen. Den zwangsrekrutierten Soldaten in den Fleischwölfen der Donbass-Kessel wird schwer zu vermitteln sein, warum sie sich nicht auch von den Russen und Donbassmilizen „evakuieren“ lassen, um Menschenleben zu retten.

    Wie Vladislav Sankin auf RT schrieb: https://de.rt.com/meinung/138687-zerbrocken-asow-mythos-leitet-zerfall-zerfall-ukrainischen-staates/ „Denn wie jede Chimäre ist der Nazismus auf einem Mythos gebaut. Die Entzauberung des neonazistischen Asow-Mythos leitet damit Prozesse ein, die am Ende zur Demontage des ukrainischen Staates in seiner Post-Maidan-Variante führen werden.“

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