Asovstal: Weitere Hunderte von Kämpfern sollen sich ergeben haben

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, dass sich heute weitere  694 ukrainische Soldaten, darunter 29 Verwundete, ergeben haben. Insgesamt sind seit dem Befehl aus Kiew an die in dem Stahlwerk Eingeschlossenen, den Kampf einzustellen, 959 Soldaten und Kämpfer in russische Kriegsgefangenschaft gekommen.

Weiterhin unbekannt ist, wie viele Soldaten und Asow-Kämpfer sich noch in Asovstal aufhalten und ob vor allem die Asow-Kämpfer sich ergeben werden, die von Russland nicht als Kriegsgefangene anerkennt werden, sondern wegen möglicher Verbrechen vor Gericht gestellt und verurteilt werden. Zudem bleibt weiter offen, wer sich womöglich noch in Asovstal aufgehalten hat.

Das wäre vergleichbar mit dem Vorgehen der USA im Krieg gegen den Terror, mutmaßliche Kämpfer nicht als Kriegsgefangene oder zivile Gefangene zu behandeln, sondern als „ungesetzliche Kämpfer“, die dann nach Guantanamo  verschleppt, inhaftiert und gefoltert werden konnten. Nach wachsender Kritik verlegte sich das Pentagon darauf, lieber keine Gefangene mehr zu machen, sondern mutmaßliche Kämpfer zu töten.

In Russland verlangen Politiker, Asow als Terrororganisation einzustufen. Während die Ukraine darauf hofft, dass die Verwundeten oder Soldaten gegen russische Kriegsgefangene  ausgetauscht werden, scheint man in Russland sich damit Zeit zu lassen und die Identität der Gefangenen zu überprüfen und diese zu verhören, um Soldaten von Asow-Kämpfern zu trennen. Angeblich war die Kapitulation bedingungslos, heißt es von russischer Seite, allerdings hatte Russland das Recht auf Leben, eine faire Behandlung und die Versorgung der Verwundeten garantiert.

Ob durch die Verhöre bekannt wird, wer sich weiter in Asovstal aufhält und ob von Asow-Kämpfern Kriegsverbrechen begangen wurden, ist fraglich. Um sich zu retten, werden die Soldaten vieles sagen, was von ihnen erwartet wird. Allerdings läuft die Zeit ab, irgendwann werden die letzten Eingeschlossenen sich doch ergeben oder sich mit einem letzten Ausbruchsversuch zu retten oder eher bei diesem zu sterben, um nicht in Gefangenschaft zu geraten.

Für Russland ist die Kapitulation ein Erfolg. Man muss allerdings jetzt zeigen, dass die Gefangenen tatsächlich gut behandelt werden, wie dies versprochen wurde. Vermutlich wird ein Austausch von Gefangenen, von dem die Asow-Kämpfer ausgeschlossen bleiben dürften, obgleich sie als Mitglieder einer uniformierten  Einheit der Nationalgarde als normale Kriegsgefangene behandelt werden müssten, mit einem hohen Preis versehen sein.

Die ukrainische Regierung wird darum kämpfen müssen, nicht als Verräter zu gelten. Man muss damit rechnen, dass die innenpolitischen Konflikte aus der Vorkriegszeit wieder aufbrechen und der Widerstand seitens der rechtsnationalistischen Kräfte zunehmen wird. Präsident Selenskij versucht die Kapitulation als „Evakuierung“ zu verkaufen, es sei primär darum gegangen, dass die Soldaten am Leben bleiben, die ihre Aufgabe erfüllt hätten.

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7 Kommentare

  1. Es ist schon ein bisschen nervig, dass den Russen, indirekt, unterstellt wird, dass sie lügen. „Man muss allerdings jetzt zeigen, dass die Gefangenen tatsächlich gut behandelt werden, wie dies versprochen wurde.“
    Was gibt Anlass, an dem, was die Russen gesagt haben, zu zweifeln? Etwa, weil die USA Guantanamo haben, wo auch ein Deutscher eingesperrt war, den sie nicht mehr wollten und der Bundespräsident ihn auch nicht wollte und weiter in Haft gelassen hat.
    Oder soll das, was schon wirklich passiert ist, dass gefangen Soldaten ohne Not in die Knie geschossen wurde.
    Bei der Betrachtung des F. Rötzer reicht dann schon eine Lüge, um den Russen zu überführen.

    1. Derweil wird der nächste Konfliktherd schon geschürt. Der taiwanesische Botschafter Joseph Wu bekundete heute in der FAZ, dass Taiwan Partner der NATO werden wolle und schon entsprechende Hintergrundgespräche liefen. Wenn dann noch die Stationierung amerikanischer Atomwaffen in Taiwan angekündigt würde, dürfte China intervenieren.

  2. Aus Wikipedia:
    „In einem Bericht des OHCHR über die Menschenrechtslage in der Ukraine wird beschrieben, wie zwischen August und September 2014 ein Mann mit einer geistigen Behinderung durch acht bis zehn Angehörige des Bataillons Asow sowie des Bataillons Donbass vergewaltigt und anderen Formen sexueller Gewalt ausgesetzt wurde. Als Resultat verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Opfers so sehr, dass es stationär in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden musste. Das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte spricht von einer allgemeinen Straflosigkeit in solchen Fällen.[79]“
    Report on the human rights situation in Ukraine 16 February to 15 May 2016, Seite 18, Paragraph 49.
    Zur Info: Batallion Donbass hat nichts mit Donbass Separatisten zu tun.
    „Der Verband wurde im Rahmen des Krieges in der Ukraine seit 2014 auf Initiative des Geschäftsmanns und früheren ukrainischen Offiziers Semen Sementschenko aufgestellt, um die prorussischen Separatisten in der Ostukraine militärisch zu bekämpfen.[3]
    https://www.ft.com/content/b525af9a-e191-11e3-9999-00144feabdc0#axzz367onitti

    Hier ukrainische Nachrichten vom 11.08.2014. Da schreiben die selber, wer Asov ist.
    https://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/11025137/Ukraine-crisis-the-neo-Nazi-brigade-fighting-pro-Russian-separatists.html
    Und es gibt noch
    Das ist nur ein klitzekleiner Teil. Die Frage lautet, warum wurde hier nichts berichtet?
    Ich habe mit den Menschen aus Luhansk gesprochen. Die jenige, die hier 2016 gekommen, haben versucht ihre Menschensrechte zu bekommen, haben sogar sich zusammen getan. Die Antwort lautete, die sind aus nicht anerkannten Regionen, daher könnte die Klage nicht angenommen werden. Die Augenzeugen Aussagen sind für mich persönlich mehr Wert als Behauptungen, die keine Beweise liefern.
    Wenn wir die freie Presse haben, dann erwarte ich Nachrichten alle Beteiligten. Es wurde von Russland behauptet, dass die Massengräber gefunden worden. Bekommen wir hier eine Information darüber? Übrigens, die Menschen, die vielleicht auch in Ihre Nähe leben und aus Donbas-Regionen sind, haben dazu einiges zu erzählen. Auch von
    „Gorlovskaja Madonna“. Der Beitrag war in Wikipedia bis 25.02.2022 noch da. Danach – gelöscht.
    Und es gibt noch
    „Das Bataillon Ajdar (ukrainisch Батальйон Айдар), in deutschsprachigen Medien meist Bataillon Aidar geschrieben, ist ein im Mai 2014 gegründeter freiwilliger ukrainischer Kampfverband. Das Bataillon trägt den Namen des Flusses Ajdar in der Oblast Luhansk.[2] Das Freiwilligenbataillon war eines der ersten, die 2015 entstanden, um die Separatisten im Osten der Ukraine zu bekämpfen.[3]

    „Wachsende Kritik an Freiwilligen-Bataillonen
    Ohne die Freiwilligen-Bataillone wäre die Ukraine vor einem Jahr kaum in der Lage gewesen, die separatistischen Kämpfer zurückzudrängen. Heute jedoch werden diese Verbände zum Problem, denn sie entziehen sich der Kontrolle aus Kiew. Hinzu kommen immer neue Vorwürfe über schwere Straftaten und mafiaähnliche Strukturen.

    Von Florian Kellermann | 10.06.2015“
    https://www.deutschlandfunk.de/ukraine-wachsende-kritik-an-freiwilligen-bataillonen-100.html

    Oder das:
    „Am 11. Juni 2015 beschloss der US-Kongress, jegliche Hilfen für das Asow-Regiment zu unterbinden. Als Grund nannte er das offene Tragen rechtsextremer Symbole (Abzeichen) und dessen neonazistische Ansichten“
    https://web.archive.org/web/20150612175317/http://conyers.house.gov/index.cfm/press-releases?ID=0DC46F90-801E-433D-B565-5E8A67C81A83

    Es ist falsch, nur über den Asow zu schreiben und noch :
    „sie als Mitglieder einer uniformierten Einheit der Nationalgarde“
    einstufen.
    Von dem Journalismus erwarte ich, dass sie ihre Aufgaben machen und mindestens, was schon geschrieben wurde auch im Archiv nachschauen.
    Ich hoffe, mein Kommentar wird veröffentlicht.

  3. Hallo, Herr Rötzer, ich wähnte Sie eigentlich im verdienten Ruhestand! Dann machte ich mir endlich einmal die Mühe, einem Link auf den NDS zu Krass & Konkret zu folgen. Und siehe da: Florian ist nach wie vor sehr aktiv…
    Ich habe mich auch, als Kommentarschreiber, von Telepolis verabschiedet. Eine Anmerkung von mir zu einem lauwarmen Coronaartikel eines Autors, dessen Namen ich vergessen habe („… so viel Feigheit war hier zu Rötzers Zeiten nicht…“) brachte mir eine mehrwöchige Sperre ein. OK, sagte ich mir, ich will beim angekündigten Marsch in den Mainstream nicht im Wege stehen. Muss ihn aber auch nicht mitgehen. Heise ist seitdem aus der Favoritenliste meines Browsers gelöscht. Wie Jahre zuvor auch die taz, der Tagesspiegel, die Süddeutsche etc. Aber jetzt haben wir ja K&K, hoffen wir mal das Beste.

    Ich habe eine Frage zu diesem Artikel: Im Titel schreiben Sie, dass sich weitere hunderte von Kämpfern ergeben haben SOLLEN. Ab wann wird denn dieses für Sie zur Gewissheit? Sobald die ukrainische- und Nato-Propaganda das bestätigt? Für die werden die „Kämpfer“ evakuiert, von Kapitulation keine Spur…
    Ich denke, dass man die russischen Zahlen durchaus ernst nehmen kann. Zumal diese hunderte ja nur der kleinere Teil der Eingeschlossenen sind, der fanatische Kern dürfte noch in den Bunkern ausharren. Ich hoffe nur, dass die Russen sich weiter vorsichtig verhalten und sich nicht in die Katakomben begeben. In der Logik der dortigen Nazi-Kämpfer dürfte ein gemeinsamer Massenselbstmord, getarnt als russischer Giftgaseinsatz, näher liegen als die Kapitulation und anschließende juristische Aufarbeitung ihrer Verbrechen. Und wäre gleichzeitig für die Nato-Propaganda das Startsignal für den direkten Kriegseinsatz. Also, sieht man vom Tod der Fanatiker ab, aber die haben vom Leben wohl eh nicht mehr viel zu erwarten, eine Win-Win-Situation für deren tatsächliche Vorgesetzte in Washington!

    Und da ich schon mal beim Orakeln bin: In einem Kommentar auf TP zum damaligen Krieg in der Ukraine schrieb ich 2014 sinngemäß, dass die USA jederzeit eine ähnliche Krise in den baltischen Ländern auslösen könnten, indem sie die dort von ihnen aufgepäppelten Nationalisten und Nazi-Nostalgiker gegen die dortigen russischen Minderheiten einsetzt zu staatlich betreutem Morden nach deutschem NSU-Vorbild, nur in größerem Maßstab. Der anstehende Nato-Beitritt Finnlands, der auf den ersten Blick keinen wirklichen Sinn ergibt, bekommt so eine Bedeutung: In den baltischen Ländern wird, nachdem die Ukraine verloren ist, vermutlich der nächste Konflikt ausbrechen. Russland wäre gut beraten, seine Landsleute rechtzeitig von dort zurück zu ziehen…

  4. Das ist das Stalingrad der Ukraine. Ich denke, dass Russland mit den Gefangenen gut umgehen wird, ja dass sogar Filmchen verbreitet werden, in denen sie beteuern, wie anständig sie behandelt werden, wie gut sie in Kliniken versorgt werden usw. Denn es gibt da noch zahlreiche „Freiwilligenbataillone“ bzw. Söldnerhaufen, die bis zum Hals in … stecken oder stecken werden, denen man eine Kapitulation möglichst schmackhaft machen möchte. In der Vergangenheit wurden Kriege sogar oft dadurch entschieden, dass man einfach die Söldner des Gegners kaufte. Die Briten eroberten z. B. Indien, indem sie den Moguln einfach die Soldaten wegkauften.

  5. Nur so nebenbei – und als Gedankenanstoß: Wir rühmen uns alle, zumindest den Versuch zu unternehmen, uns eine objektive Sichtweise zu bewahren. Was gerade in diesen propagandistisch durchseuchten Zeiten – von ALLEN Seiten – ohnehin leider sehr schwierig ist.

    Daher wundert es mich, dass gerade hier, immer noch als „Quelle“, „Wikipedia“ zitiert wird – wo wir doch alle über deren „Verlässlichkeit“, bescheid wissen. Vor einigen Jahren noch, gab es Redaktionen, die ihren Journalisten verboten, „Wiki“, als seriöse „Auskunftei“, heranzuziehen. Völlig zurecht, zumal wenn man sich unter dem Motto „Neues aus Wikihausen“, im Netz umschaut.

    Klar: „Strg C & Strg V“ sorgen mit zwei Klicks, für den raschen Transfer in mails, Postings, etc – aber es ist das, was ich als „Instant-Wissen“ bezeichne. Der „Nährwert“, kann durch ideologische „Geschmacksverstärker“ ziemlich verfälscht werden. Aber das nur am Rande.

    Zu den baltischen Staaten: Da Estland meine zweite Heimat ist, traue ich mir durchaus eine objektive Sichtweise zu. Estland, hat zwar die Zeiten der sowjetischen Repressalien nicht vergessen, daher wäre es sehr empfänglich für Einflüsterungen – aber im Vergleich zu Litauen und Lettland, verhält sich die (meist „staatenlose“) russische „Minderheit“, ruhig – und wie ich selber in Gesprächen erfahren habe: Die meisten der jungen Russen in Tallinn, sagen: „Ja, wir sind zwar Russen, aber wir sind in Estland geboren – und fühlen uns auch als Esten.“
    Einige haben sich sogar zu kaitesliit.ee gemeldet, um GEGEN ihre Landsleute, jenseits Narva, zu kämpfen.

    Selbst in Narva, jene Grenzstadt, die rund 80% russische Bewohner hat, ist die Stimmung eher neutral bis pro-estnisch. Auch die Premierministerin Kaja Kalle, meinte vor wenigen Wochen, dass man eher keine Angst habe, da man zwar vorbereitet wäre, aber nicht damit rechne.

    Das Problem allerdings, das mir zu Denken gibt: Russische Sender, sind verboten – und wenn nun, durch geschickte PR seitens Washington, eine „patriotische Unzufriedenheit“ angefacht wird,…………..????

    Ebenso erinnere ich mich noch sehr gut, wie ich mit meiner Frau im Bus von Tallinn nach Tartu gefahren bin. Die Strecke führte am Flughafen „Lennart Meri“ vorbei – und dort geparkt: Die „AIRFORCE ONE“. Ich weiß nicht wann es war, ich weiß aber noch wie heute, welch ungutes Gefühl mich damals beschlichen hatte: „Das ist nicht gut.“

    Nächsten Tag, lese ich im „eesti päevaleht“, die Aussage des US-Botschafters: „Die USA, werden immer hinter Estland stehen.“ Aus reiner Nächstenliebe? Denn die „Demokratie“, bräuchten sie nicht mehr nach Estland bringen. Die funktioniert dort, besser, als in „gods own country.“

    Der wahrhaft geniale Trick der NATO aber war – da man sich noch damals an (mündliche) Zusagen gebunden fühlte, keine „Stationierungen“ zu etablieren, tja, was macht Klein-NATO-Goebbels? Er erfindet die Definition der „Rotation“.
    Nein, nein, wir sind eh nicht fix da, einmal für einige Zeit Briten, dann Deutsche, auch einige Amis – aber „stationiert“??? Nöööö, wir doch nicht!“

    Aber wenn jetzt Finnland und Schweden der NATO beitreten soll(t)en, dann hoffe ich, das Putin nicht in diese Falle tappt, die dann zwei Möglichkeiten offen lässt: Entweder Russland wird wunschgemäß „überdehnt“ und implodiert (Ukraine, Baltikum, Finnland und Schweden – alles nicht zu bewältigen), Oder der „rote Knopf“.

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