Amerikaner richten in Albanien ein Hauptquartier des Special Operations Command ein

Ein Green Beret von der 10th Special Forces Group bildet albanische Spezialeinheiten aus. Bild: DoD

Die USA  wollen im Balkan den Einfluss Russlands und Chinas zurückdrängen, das soll offenbar militärisch auch unabhängig von der Nato mit verdeckten Operationen geschehen.

Offenbar sind die USA beunruhigt, was sich im Balkan tut. Das Special Operations Command Europe (SOCEUR), das die offizielle Aufgabe hat, für regionale Stabilität zu sorgen, verlegt nun ein vorgeschobenes Sonderkräfte-Hauptquartier mit rotierender Besetzung nach Albanien. Das Land sei ein enger Alliierter der USA, deswegen sei es ganz natürlich, sich hier niederzulassen, um eine „verbesserte Interoperabilität mit unseren albanischen Verbündeten, einen wichtigen Zugang zu Transportknotenpunkten auf dem Balkan und größere logistische Flexibilität“ herzustellen, heißt es.

Es wird nicht genauer gesagt, was die Spezialkräfte dort für eine Aufgabe haben und wie viele Truppen dort stationiert werden, der SOCEUR-Kommandeur Generalmajor David Tabor erklärte, Albanien sei der „beste Ort“, da von hier aus das US-Militär sich schnell in der Balkan-Region bewegen und mit alliierten Streitkräften trainieren kann. Die USA waren Schrittmacher im Kosovokrieg (1998-1999), wo sie sich auf die Seite der albanischen Bevölkerung und der UCK, der „Befreiungsarmee für das Kosovo“, gegen das enger mit Russland verbundene Serbien stellten. Sie übten Druck aus, dass der Kosovo zum eigenständigen Staat erklärt wurde, was 2008 geschah, aber nicht einmal von allen EU-Staaten übernommen wurde.

Die Konflikte im Kosovo und mit Serbien sind weiterhin ungelöst, noch immer ist die Nato-„Friedenstruppe“ KFOR mit 3500 Soldaten, davon über 600 amerikanischen, im Land.  Die UCK war finanziell und mit Waffen von den Nato-Staaten unterstützt worden, wie sich herausstellte, war sie für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich.

Die USA übten Druck aus, die Osterweiterung der Nato (und der EU) voranzutreiben. Auf dem denkwürdigen Nato-Gipfel in Bukarest 2008 wollte der damalige US-Präsident George W. Bush zum Abschluss seiner Amtszeit noch schnell den Nato-Betritt von Albanien, Kroatien, Georgien, Nordmazedonien und der Ukraine beschließen, um die russische Einflusssphäre zu schmälern. Mit Albanien und Kroatien konnte er sich durchsetzen, Merkel und Sarkozy sowie andere westeuropäische Länder sorgten zur Verärgerung der USA für eine Verschiebung der Beitrittsverhandlungen mit Georgien und der Ukraine, Griechenland sperrte sich gegen eine Aufnahme von Nordmazedonien.

Georgien löste kurz danach den Krieg mit Russland über Südossetien und Abchasien aus, was die Vorsicht verstärkte, wurde aber militärisch nicht von der Nato unterstützt. Die USA versuchten auch weiterhin vor allem die Ukraine von Russland abzutrennen, was 2014 gelungen ist, zudem sollte die EU die Staaten aufnehmen, um sie auch politisch und wirtschaftlich einzubinden.

2019 scheiterten schließlich die Verhandlungen über einen EU-Beitritt von Nordmazedonien und Albanien, während Russland vor allem über Serbien seinen Einfluss wieder ausbaute und zusätzlich China in die Region mit Investitionen in die Infrastruktur drängte. Nordmazedonien wurde aber 2020 in die Nato aufgenommen. Parallel zur Unterstützung der Ukraine wurden für die USA vor allem ab 2019  die Bemühungen verstärkt, China und Russland aus dem Balkan zurückzudrängen.

In dem Kontext muss man auch den Gang von SOCEUR nach Albanien verstehen, in Estland und der Ukraine wurden schon länger solche Hauptquertiere eingerichtet. Über Albanien will die US-Regierung versuchen, militärisch den amerikanischen Einfluss jenseits der Nato in Griechenland, Montenegro, Serbien, dem Kosovo, Bosnien und Herzegowina und Nordmazedonien zu stärken. Die SOCEUR soll „schnell auf entstehende Bedrohungen reagieren und, falls erforderlich, Aggression abwehren“. Vor allem wird aber verdeckt gearbeitet und ausgespäht.

Das Special Operations Command Europe (SOCEUR) gibt es seit Anfang der 1950er Jahre, seit 1967 liegt das Hauptquartier in Stuttgart. Das europäische Kommando der US-Sondereinheitskräfte aller Teilstreitkräfte gehört dem US European Command (EUCOM) an und, mischte bereits im Kosovokrieg mit, dem ersten Krieg, an dem sich die Bundeswehr unter der  rotgrünen Regierung und ohne UN-Mandat beteiligte. Aus Serbien wurden zwei Piloten aus abgeschossenen Kampfflugzeugen herausgeholt, das Kommando kundschaftete Bombardierungsziele aus und verfolgte mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher. Auch an anderen Operationen im Balkan nahm SOCEUR teil. Seit 2001 ist SOCEUR verstärkt in der Terrorismusbekämpfung tätig und nach der Auflösung der Sowjetunion in den neuen Nato-Staaten und bei der Vorbereitung zur Aufnahme neuer Nato-Staaten tätig.

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