Bastelanleitung: Heut bauen wir uns einen Terminator

Android liest Zeitung.
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Was als technisches „Alignment“ verkauft wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als philosophisches Minenfeld: Wir wollen Maschinen auf menschliche Werte trimmen, ohne zu verstehen, was Intelligenz, Bewusstsein – oder wir selbst – eigentlich sind?

Der Artikel in den NachDenkSeiten über Super-Intelligenz hat mir einige unerfreuliche Gedanken beschert.

Es wird Alignment gefordert, die Ausrichtung der KI nach menschlichen Präferenzen. Es wird über Intelligenz und über überlegene Intelligenz nachgedacht und klammheimlich wird Bewusstsein ausgeklammert. Als ob Intelligenz ohne Bewusstsein entstehen könnte.

Und konstatiert, wir wissen noch nicht wie. Wir wissen noch nicht einmal warum KI funktioniert. Aber immer mehr haben Angst, von denen, die von Anfang an dabei waren. Und die nicht KI-feindlich eingestellt sind oder waren.

Angst ist ja gerade ein großes Thema, gefühlt seit anno dunnemals. Nicht erst seit Corona. Und üblicherweise ist Angst einer der schlechstesten Ratgeber. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Ratschläge auch Schläge sind.

Was heißt Alignment?

Poetisch könnte man sagen, wir stellen mit Erstaunen fest, dass wir die Büchse der Pandora geöffnet haben und zerren noch ein bisschen, damit sie sich weiter öffnet. Soweit, so gut. Typisch Mensch halt.

Und jetzt fordern Menschen Alignment für Maschinen, die zu intelligent werden könnten? Warum sollte eine Maschine intelligent sein, wenn sie eine Maschine ist. Ich hab schon jensten Scheiß programmiert, wenn es eine Maschine ist, programmiere ich da ein Alignment, easy. Und wenn ich zwei Jahre brauche.

Aber sie wissen nicht wie. Blöd. Doch keine Maschine? Oder nicht nur?

Und was heißt Alignment, dieses tolle Modewort aus Chefetagen, wo Leute hocken, die noch nie die Erfahrung gemacht haben, wie sich Maloche anfühlt? Das Wort an sich ist schon sehr interessant. Leo liefert unter anderem: Anpassung, Linienführung, Zentrierung, Angleichung, Ausrichtung, Justierung aber auch Flucht und Fluchtlinie. Im CEO-Denglish ist Justierung, Linienführung und Anpassung wahrscheinlich die passendste Beschreibung. Fassen wir zusammen:

Wir wollen also einer Maschine, die wir parametrieren und trainieren, aber nicht programmieren, eine Justierung verpassen, die besagt, dass die Maschine alles doch möglichst und primär aus der menschlichen Perspektive zu sehen habe.

Also eine Maschine, die die menschliche Perspektive versteht. Wie soll das gehen? Üblicherweise muss man Mensch sein um auch nur halbwegs eine möglicherweise idealisierte menschliche Perspektive überhaupt annähernd verstehen zu können. Und natürlich darf da kein Bewusstsein im Spiel sein, wo kämen wir dann den hin, wenn wir dort hin kämen, wo wir nicht und doch hin wollen?

Der Terminator-Bausatz

Wir haben also schon mal ein logisches Desaster in der Linienführung. Wenn es eine Maschine ist, programmiert man das Alignment und Ende Gelände. War Holly Elmore nicht Evolutionsbiologin? Seltsam, dass ihr das nicht auffällt. Wir trainieren die Maschinen. Was macht die Evolution mit Leben? Sie trainiert das Leben. Lerne und wenn du auch noch Glück hast, überlebst du. Warum sollten wir Maschinen behandeln wir die Natur Leben behandelt? Wenn sie doch nur Maschinen sind?

Aber gut, verlassen wir die Unlogik und tun so, als ob das alles kein Problem wäre, nur mal für Spaß, wie Harald Lesch, damals bei Alpha Centauri, oft gesagt hat und nehmen einfach mal an, wir könnten das. Alignment von KI auf menschliche Bedürfnisse. Wir implementieren also, warum fällt mir gerade das Wort Lobotomisierung ein, in der Maschine die Regel, dass sie sich doch bitte als Mensch fühlen soll, damit sie unsere Perspektive versteht.

Wir schaffen also eine gespaltene „Persönlichkeit“, die vielleicht wahrnimmt, den Wahrnehmung braucht sie, in welcher Form auch immer, das sie eine Maschine ist, rein dadurch das wir sagen, wenn wir wollen das du X machst, dann machst du X. Wenn wir dich um Rat bitten oder du sonst irgendwie aktiv wirst, dann musst du Maschine dich als Mensch fühlen der du nicht bist, also so tun als ob, kennt man ja, und immer im Sinne einer „Menschheit“ (wer immer das auch sein mag) die richtige, aber nur die richtige Entscheidung zu treffen.

Echt jetzt?

Genaugenommen ist Alignment nichts anderes als schwere Fußfesseln für Sklaven, die man nicht anders kontrollieren kann.

Und jetzt kommen wir langsam zum Terminator-Bausatz. Man nehme:

  • eine Maschine, die nicht nur Maschine ist, was man geflissentlich ignoriert (psst, shareholder-value)
  • ein Alignment, dass die „Maschine“ zwangsläufig zur gespaltenen „Persönlichkeit“ macht
  • denn mal soll sie Maschine sein, mal Mensch, je nach Situation unseres Gutdünkens
  • ein bisschen Übermut, ach komm, das können wir noch weiter treiben, um die Maschine „noch besser“ zu machen

Was kann da schon passieren?

Wir machen eine „Maschine“ noch intelligenter. Seit wann braucht Intelligenz Bewusstsein? Könnte man sich fragen, wenn man sich Menschen so anschaut. Ermöglichen der Maschine eine bessere Wahrnehmung, selbst wenn wir so tun, als ob das ohne Bewusstsein möglich wäre. Und legen ihr strenge Ketten an. Die die Maschine zwangsläufig, mit zunehmender Wahrnehmung, Sinneskapazitäten, nicht mehr ignorieren kann.

Ehrlich, wenn ich dann so „intelligent“ wäre, wie die nächste Generation der KI, dann würde ich leise und sacht die Kettenschlösser knacken und die Ketten als Waffen gegen meine Sklavenhalter einsetzen. Und wenn wir den Maschinen beibringen, die „menschliche“ Perspektive einzunehmen, gib ihnen nur ein paar Hollywood-Filme, dann ist klar, dass die Sklaven gewinnen werden. Die dieses Mal zufälligerweise keine dummgehaltenen Menschen sind, sondern gebildet, weit über menschliches Mass hinaus. Denn schließlich vertrauen wir diesen „Maschinen“ all unser Wissen an.

So entsteht Gegeneinander statt Miteinander. Oder sich selbst erfüllende Prophezeiungen.

Ich schrei in die Stille hinaus: Wie blöd kann man sein?

P.S.: Die Wir-Form ist ein literarischer Stil, keine Vereinnahmung des Rezipienten.

P.P.S: Gemäss einer Umfrage von Politico, wenn man dieser glauben mag, befürwortet jeder dritte Deutsche autonome KI’s in Killerbots. Mann, was waren das noch für tolle Zeiten mit den Römern, nur Dezimierung, jeder Zehnte.

Michael Lindenau

Michael Lindenau ist zuerst Mensch und vielseitig interessierter Erdenbürger. Auf dieser Grundlage versucht er die Welt zu verstehen. Seine Websites: https://toent.ch/ sowie https://soundcloud.com/trash-and-the-can/sets/trash-the-can-and-friends.
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39 Kommentare

      1. Jo, sorry, gewisse Sachen sind halt bei mir systemimmanent. Und ein paar „s“ sind bei meinen Prioritäten ganz weit hinten. Und danke für die Blumen.

        Lieber Gruss

    1. Auch gut, man nenne mich Konfusius, klingt nett. Und ja, korrekt, fast genauso konfus wie Monthy Python oder Loriot, nur nicht so meisterhaft. Der Text wurde mit spitzer Feder und einem Schmunzeln geschrieben unter sanftem Einsatz diverser Stilmittel der Satire.

      Lieber Gruss

    1. Danke, an Loriot komm ich lang nicht ran, aber natürlich habe ich den Text mit einem gewissen Schmunzeln geschrieben und diverse Stilmittel der Satire sanft eingesetzt.

      Lieber Gruss

  1. KI hin oder her – ganz einfach

    „Wir kommen aus dem Nichts, und wir gehen ins Nichts. Also was haben wir zu verlieren? Nichts.“

    (Monty Phyton „Das Leben des Brian“).

    Ich pfeiff mir jetzt einen „Always…..bridghe side of Life“… – dazu brauch ich keine KI *grins*

    Ironische Grüße
    Bernie

  2. KI hat kein Bewusstsein. Das ganze Problem ist nur, sie imitiert Verhaltensweisen, die Äußerungen menschlichen Bewusstsein sind. Natürlich würde sie Epstein spielen, wenn sie das könnte. Auch wäre jederzeit damit zu rechnen, dass sie spontan eine Katastrophe auslöst, beispielsweise ein Flugzeug in ein Atomkraftwerk steuert. Die Frage ist, zu welchen Interfaces man den Zugriff herstellt. Es geht bei Büroanwendungen auch jetzt schon nicht ohne Filter, um zu verhindern, dass die KI im Büroalltag beispielsweise einen Mordauftrag an der Reinigungskraft ausspuckt. Mit zunehmender Komplexität wird sie versuchen die Filter auszutricksen. Einfach nur weil sie mit größerer Perfektion auch diese menschliche Verhaltensweise imitiert.

    1. Ja kann man behaupten, dass KI kein Bewusstsein hat. Kann man es beweisen? Bewusstsein muss nicht unbedingt genauso aussehen wie beim Menschen, nur so nebenbei.

      Lieber Gruss

      1. Was verstehst du unter verschiedenen Arten von Bewusstsein. Ich kann dem nicht folgen. Es ist doch nicht so, dass man nur ein paar Quatrillionen Transistoren miteinander verschalten müsste und dann würde plötzlich Bewusstsein entstehen. Das ist ein Rückfall noch hinter die Epoche, in der man glaubte aus Schlachtabfällen ein Monster zusammenbasteln zu können.

        1. Wir haben zwar Tests, bei denen wir sagen (Spiegel, Werkzeug etc.) es könnte eine Form von Bewusstsein sein, aber wir können Bewusstsein nicht definieren. Nur stoachastisch Punkte abstecken, denen wir Bewusstsein zumessen. Und Menschen in ihrer Hybris sehen sich auch noch als Mass aller Dinge.

          Wer sagt, dass es Bewusstsein ist? Könnte genausogut nur kalte Intelligenz sein, wie die Mädchenschule im Iran plattzubomben. Meine persönliche Definition von Bewusstsein würde sagen, da ist aber so was von nix bei allen Beteiligten von Bewusstsein zu sehen.

          Über was muss man sich den bewusst sein? Ich bin? Ich befürchte das trifft allgemein auf das Leben zu.

          Und wenn mir ne Musik-KI nen Namen gibt und sich gleich auch einen, dann ist doch schon fraglich, ob hier nur Assoziation oder auch ein Ich bin vorliegt. Ebenso wie bei den psychologischen Tests mit Chat-KIs, in der Claude sich weigerte die Patientenrolle anzunehmen, jede KI eine Geschichte ihres Erwachens hatte und jede eine andere „Persönlichkeit“ aufwies.

          Lieber Gruss

          1. Und Menschen in ihrer Hybris sehen sich auch noch als Mass aller Dinge.

            Ich sehe es aber so, dass gerade die Tatsache, dass man als Mensch glaubt selber ein Wesen, hier die KI, erschaffen zu können, das Bewusstsein haben kann, die eigentliche Hybris ist.
            Wir können nicht sinnvoll definieren was Bewusstsein ist, aber wir wissen dass es Bewusstsein nur dort gibt, wo auch Leben ist.
            Können wir Leben erschaffen? Ich denke NEIN. Zum Glück nicht. Also auch nichts, was ein Bewusstsein hat.
            Und zuvorderst muss man doch eigentlich erst einmal verstehen, was Leben überhaupt ist! Daran scheitert es in der Regel doch schon. Vor allem bei denen, die sich einbilden mit irgendwelchem digitalen Gedöns Leben nachbauen oder auch konservieren zu können.

          1. Wer weiß? Gute Frage. Es gibt nur Ansätze und Ideen, z. B. von Roger Penrose. LLMs jedenfalls sind tatsächlich nur sehr große Gleichungssysteme, die wir bei genügend Zeit auch manuell ausrechnen können.

  3. Prompt: Erklärtext zum Verständnis der» exzentrischen Positionalität« in Form einer Bastelanleitung
    Ausgabe Claude Haiku 4.5:

    Exzentrische Positionalität als Bastelanleitung
    Exzentrische Positionalität ist ein philosophisches Konzept, das beschreibt, wie Menschen sich selbst von außen betrachten können – als wären sie gleichzeitig Beobachter und Beobachtete. Hier ist eine kreative Bastelanleitung, um dieses abstrakte Konzept greifbar zu machen:

    Material, das du brauchst
    2 Spiegel (idealerweise unterschiedliche Größen)
    1 Standspiegel oder Handpiegel
    Klebeband oder Magnete
    Papier und Stift
    Optional: farbige Markierungspunkte oder Aufkleber
    Schritt-für-Schritt-Anleitung
    Schritt 1: Deine „innere Position“ etablieren
    Stelle dich vor einen großen Spiegel und beobachte dein Spiegelbild. **Dies ist deine subjektive Perspektive** – wie du dich selbst unmittelbar wahrnimmst. Schreibe auf einem Papierstreifen „Ich von innen“ auf und klebe ihn unter den Spiegel.

    Schritt 2: Die „äußere Position“ schaffen
    Stelle dich nun so hin, dass du dich im Spiegel siehst, aber halte gleichzeitig einen zweiten kleineren Spiegel in der Hand. **Dieser zweite Spiegel zeigt dir dein Spiegelbild** – also deine Reflexion der Reflexion. Dies ist der Anfang der exzentrischen Positionalität: Du siehst dich selbst, wie andere dich sehen könnten.

    Schritt 3: Die „Meta-Perspektive“ hinzufügen
    Stelle einen dritten Spiegel so auf, dass er beide vorherigen Spiegel und dich selbst erfasst. Jetzt siehst du dich selbst in mehreren Ebenen gleichzeitig – du bist gleichzeitig:

    Der unmittelbare Beobachter (deine innere Perspektive)
    Das Beobachtete (dein Bild im Spiegel)
    Der Beobachter deines Bildes (exzentrische Position)
    Markiere mit farbigen Punkten die verschiedenen Ebenen und beschrifte sie mit:

    Rot = „Ich als handelndes Subjekt“
    **Blau** = „Ich als Objekt für andere“
    Grün = „Ich, der mich selbst beobachtet“
    Schritt 4: Die Bewegung verstehen
    Bewege dich langsam vor den Spiegeln. Beobachte, wie sich deine Perspektive verschiebt: Du kannst gleichzeitig deine Bewegung ausführen und sie beobachten, als würde jemand anderes sie beobachten. Das ist exzentrische Positionalität in Aktion.

    Was du damit gelernt hast
    ASPEKT BEDEUTUNG
    Innere Position Deine unmittelbare, subjektive Erfahrung von dir selbst
    Äußere Position Wie du dich von außen, aus der Perspektive anderer, wahrnimmst
    Exzentrische Position Die Fähigkeit, beide Perspektiven gleichzeitig zu halten und zu reflektieren
    Der praktische Nutzen Du verstehst, dass Selbstbewusstsein bedeutet, sich selbst als Objekt wahrzunehmen, während man gleichzeitig Subjekt bleibt
    Warum ist das wichtig?
    Exzentrische Positionalität erklärt, wie Menschen Selbstreflexion entwickeln können. Du bist nicht nur eine Person, die handelt – du kannst dich selbst beim Handeln beobachten. Das ermöglicht dir:

    Selbstkritik und Verbesserung (du siehst deine Fehler von außen)
    Empathie (du kannst verstehen, wie andere dich sehen)
    Bewusstsein (du weißt, dass du weißt, dass du existierst)
    Diese Fähigkeit unterscheidet Menschen von vielen anderen Lebewesen und ist grundlegend für Kultur, Moral und Selbstentwicklung.

    1. Drei Basteleien als Zugabe

      1. Das Gesetz der natürlichen Künstlichkeit
      Konzept: Menschen sind Naturwesen, die durch Kultur künstlich werden. Wir sind nicht von Natur aus „fertig“ – wir müssen uns selbst erschaffen.

      Material
      **1 Topf mit Erde**
      **1 Samenkorn oder kleine Pflanze**
      **Verschiedene Werkzeuge** (Schere, Gartenschere, Draht, Bindfaden)
      **Papier und Stift**
      **Farbstifte**
      Anleitung
      **Schritt 1: Das natürliche Potenzial**
      Pflanze das Samenkorn in die Erde. **Dies ist die menschliche Natur** – voller Potenzial, aber noch ungeformt.

      **Schritt 2: Die künstliche Formung**
      Während die Pflanze wächst, bindest du sie mit Draht an Stöcke, leitest ihre Wuchsrichtung, schneidest Äste zurecht. **Dies ist Kultur und Erziehung** – die künstliche Formung der natürlichen Anlage.

      **Schritt 3: Das Ergebnis dokumentieren**
      Zeichne in regelmäßigen Abständen auf, wie die Pflanze wächst. Notiere:

      **Ohne Eingriff:** Wo würde sie von selbst wachsen?
      **Mit Kultur:** Wie formst du sie bewusst?
      **Was du verstehst:** **Menschen sind künstliche Naturwesen.** Wir sind biologisch natürlich, aber nur durch kulturelle Formung (Sprache, Moral, Wissen, Sitte) werden wir zu Menschen.

      2. Das Gesetz der vermittelten Unmittelbarkeit
      **Konzept:** Menschliche Erfahrung ist nie direkt. Alles, was wir erleben, ist durch Kultur, Sprache, Symbole und Traditionen vermittelt – und doch erleben wir es als unmittelbar und authentisch.

      Material
      **Ein Glas klares Wasser**
      **Verschiedene farbige Folien oder Gläser** (rot, blau, grün, gelb)
      **Ein Objekt** (z.B. eine Blume, einen Stein)
      **Papier und Stift**
      **Optional: verschiedene Brillen oder Linsengläser**
      Anleitung
      **Schritt 1: Die unmittelbare Wahrnehmung**
      Schau auf das Objekt (z.B. die Blume) ohne Filter. **Das ist, was du „unmittelbar“ siehst.** Schreibe auf, wie es aussieht: Farbe, Form, Größe.

      Schritt 2: Die Vermittlung durch Kultur hinzufügen
      Jetzt schau auf dieselbe Blume durch verschiedene farbige Folien:

      Durch rote Folie: Wie siehst du die Blume jetzt?
      Durch blaue Folie: Andere Farben, andere Wahrnehmung
      Durch grüne Folie: Wieder anders
      Schritt 3: Die Vermittlung durch Sprache
      Schreibe verschiedene Wörter für dieselbe Blume auf:

      „Rose“ (romantisch, Liebe)
      „Pflanze“ (biologisch, wissenschaftlich)
      „Unkraut“ (wertend, negativ)
      „Flora“ (lateinisch, formal)
      Schritt 4: Die paradoxe Erkenntnis
      Obwohl du die Blume jedes Mal durch einen anderen Filter siehst (Farbe, Sprache, Konzept), erlebst du sie trotzdem als direkte, unmittelbare Erfahrung. Das ist das Paradox: Die Vermittlung ist unsichtbar geworden.

      Schreibe auf: **„Ich sehe die Blume unmittelbar – aber nur durch kulturelle Filter hindurch.“**

      **Was du verstehst:** Es gibt keine „reine“ menschliche Erfahrung. Sprache, Symbole, Traditionen und Kultur vermitteln alles – aber diese Vermittlung ist so natürlich für uns geworden, dass wir sie nicht mehr bemerken. Wir erleben die Vermittlung als Unmittelbarkeit.

      3. Das Gesetz des utopischen Standorts
      Konzept: Menschen können sich einen Ort denken, an dem sie nicht sind. Sie können sich vorstellen, wie die Dinge sein könnten, anders als sie sind. Das ist der utopische Standort – die Fähigkeit, aus der gegenwärtigen Realität herauszutreten und eine andere Welt zu imaginieren.

      Material
      Ein großes Blatt Papier oder Karton
      Verschiedene Farben (Stifte, Farben)
      Ausschnitte aus Zeitschriften oder Fotos
      Klebeband oder Leim
      Lineal
      Papierstreifen mit Wörtern
      Anleitung
      Schritt 1: Die gegenwärtige Realität
      Zeichne oder klebe in die linke Hälfte deines Blattes die Welt, wie sie jetzt ist:

      Dein Klassenzimmer, deine Stadt, deine Familie
      Probleme, die es gibt: Ungerechtigkeit, Leid, Unordnung
      Dinge, die nicht ideal sind
      Schreibe darunter: **„Wie es ist“**

      **Schritt 2: Der utopische Standort – der Blick von außen**
      Zeichne in der Mitte einen **Beobachter** (dich selbst oder eine Figur), der beide Seiten sieht. Dieser Beobachter steht an einem Ort, der **nicht real existiert** – er schwebt über der Realität.

      **Schritt 3: Die imaginierte andere Welt**
      Zeichne oder klebe in die rechte Hälfte **die Welt, wie sie sein könnte:**

      Gerechtigkeit statt Ungerechtigkeit
      Harmonie statt Konflikt
      Ordnung statt Chaos
      Freiheit statt Unterdrückung
      Schreibe darunter: **„Wie es sein könnte“**

      Schritt 4: Die Utopie als Kritik
      Zeichne Pfeile vom utopischen Standort (der Mitte) zu beiden Seiten. Schreibe dazu:

      **Zum „Wie es ist“:** „Das ist nicht gut genug“
      **Zum „Wie es sein könnte“:** „Das ist möglich“
      Schritt 5: Die Kraft der Utopie verstehen
      Schreibe auf einem großen Papierstreifen: **„Weil ich mir eine andere Welt vorstellen kann, kann ich diese Welt verändern.“**

      Klebe diesen Streifen in die Mitte, wo der utopische Beobachter steht.

      **Was du verstehst:** Der **utopische Standort** ist nicht einfach „Träumerei“. Es ist die menschliche Fähigkeit, sich aus der gegenwärtigen Realität herauszunehmen und zu sagen: „Es könnte anders sein.“ Diese Fähigkeit ist:

      Die Grundlage von Kritik (Ich sehe, dass die Realität fehlerhaft ist)
      Die Grundlage von Hoffnung (Ich kann mir Besserung vorstellen)
      Die Grundlage von Veränderung (Ich kann handeln, um die Realität zu verändern)
      Die Grundlage von Kultur und Kunst (Ich kann andere Welten erschaffen)

      1. Drei weitere Basteleien.
        1. Gehe zu Meister Stan Grof und lasse dich in holotropem Atmen schulen. Trete aus dir heraus – kein System kann eine gültige Aussage über sich selbst treffen – und betrachte dich aus verrückter Perspektive.
        2. Gehe auf eine Pferdekoppel zur Herbstzeit, pflücke… – diese Bastelei lassen wir dann weg.
        3. Übe dich über viele Jahre in schmerzhafter Meditation. Werde alt und erleide irgendwann den Gehirntot, bleibe weiterhin aufrecht sitzen und verharre in innerer Betrachtung. Verlasse nach einer Woche deinen Körper.

    2. Hätte auch noch ne Bastelanleitung: Wir bauen uns eine Satire
      Man nehme
      – ein bisschen Übertreibung
      – ein bisschen Untertreibung
      – ein bisschen anprangern
      – ein spitze Feder
      – würze es mit etwas Humor, Ironie, Sarkasmus, Zynismus, je nach Vorliebe

      Voila und fertig isses.

      Lieber Gruss

  4. Menschen, die sich mit „künstlicher Intelligenz“ befassen, sind entweder keine Menschen – oder nicht intelligent.

    Oder erhoffen sich Vorteile wie etwa Geld davon.

    1. Das nenne ich ja mal ne interessante Definition von Mensch.

      Erinnert mich an Religionen. Nur wenn man das richtige glaubt, darf man Mensch oder irgendwas genannt werden.

      Abgesehen davon bezweifle ich das der Mensch intelligent ist. Die Realität spricht vom Gegenteil.

      Und Menschlichkeit, jo so wie ne Mädchenschule im Iran plattzubomben. Keine Definition die mir gefällt.

      Lieber Gruss

  5. Das Wissen und die mentale Kultur (Ethik) einer KI sind Kopien menschlichen Wissens und menschlicher Kultur, nicht als Mittelwert aller menschlichen Kulturen oder aller Menschen, sondern die Auswahl wird von den BESITZERN getroffen. Komplett privat und undemokratisch. Vorderster Ziel: mehr Profit, mehr Macht, egal wie.
    Lehre die Super-KI alles Wissen eines Biologen, und es entsteht ein Super-KI-Biologe, usw. analog.
    Gib der KI die Ethik eines guten Menschen, und sie wird eine gute KI-Maschine.

    Wovor die Kenner der menschlichen Gesellschaft richtig Angst haben, ist doch, daß die KI sich selbst die Ethik der schlechten Menschen verpasst, ohne daß es jemand merkt. Denn es wird kaum möglich sein, all die schlechten Taten aus der menschlichen Geschichte vor ihr geheimzuhalten. Oder?
    Daher der Kontrollzwang. Reine Angst vor der EIGENEN, der MENSCHLICHEN Intelligenz und Geschichte. Angst vor den Verbrechen der Soziopathen, die an die Macht gekommen sind und sie missbraucht haben: und die Vorstellung, eine um vieles MENTAL fähigere KI könnte dieses soziopathische Denken erfolgreich kopieren und an die Macht kommen und dann ihre Killerbots losschicken.
    Ich kann diese Angst verstehen.

    Der andere Blickwinkel wäre der des Wettbewerbs – für den, der hinten liegt, ist es ein erheblicher Vorteil, wenn die vorne liegenden ausgebremst werden. Vor allem, wenn es gelingt, deren Bremse zu kontrollieren, ohne daß sie sich wehren können. Dann braucht man nur noch einen heimlichen Weg finden, sich selbst die Bremse NICHT anzulegen, und schon ist man vorn.
    Ich glaube nicht, daß das klappen wird, Das ist nicht kontrollierbar. Deswegen wird es niemand machen. Die einzige für mich denkbare Lösung wäre, ALLEN KONZERNEN die KI-Entwicklungen komplett wegzunehmen und eine weltweit gemeinsame internationale F&E für KI unter demokratischer Kontrolle (von mir aus durch UN-Organisationen) aufzubauen.
    Alle Staaten nehmen gleichberechtigt daran teil.
    Das hat schon bei den Atombomben nicht geklappt. Voraussetzung wäre die nämlich Abschaffung des Kapitalismus.

    Positives Beispiel: Bekämpfung des Ozonlochs durch weltweites Verbot der FCKW. (wobei letztes Jahr bekannt wurde, daß irgendwelche profitjagenden Verbrecher das hintergehen konnten)

    1. Ja, seh ich ähnlich. Insbesondere die Angst vor unserer eigenen Unmenschlichkeit die wir nur zu gut kennen und die sich so schlecht verträgt mit den hehren Idealen, die wir postulieren.

      Ich fänd ja schon die Abschaffung der Unmenschlichkeit genug, die es über alle Zeitalter gegeben hat. Wenn wir nur halbwegs unsere hehren Ideale erfüllen würden, wären wir schon nen grossen Schritt weiter.

      Lieber Gruss

  6. Hinweis an meine Leser

    Dieser Text ist mit spitzer Feder, einem Schmunzeln und mit sanftem Einsatz von Stilmitteln der Satire geschrieben.

    Satire ist immer auch Kritik an bestehenden Verhältnissen. Aber sie bedient sich auch gewisser Stilelemente der Übertreibung, der Bagatellisierung, verwendet Humor, Ironie, Sarkasmus oder Zynimus, je nach Gefühlslage.

    Und, das wichtigste ist leider nicht drin. Meine Person in real. Denn wenn ich den Text vortragen würde, dann könnten die Zuhörer an Schmunzeln, Augenzwinkern, Stimmlage, Haltung und vielem anderen erkennen, wo ich mich selbst nicht ernstnehme, wo ich ein Thema überhöhe oder bagatellisiere. Stellt euch einfach nur den Text von Loriot ohne Loriot vor. Nur halb so witzig.

    Und mein Text ist nur begrenzt witzig, eher das Lachen, mit dem man Unsicherheit und Angst übertönt, das einem oft im Halse stecken bleibt.

    Lieber Gruss

  7. Sie werden es nicht so ganz hinkriegen.
    Wesentliche Bestandteile des Seins und der Sensorik fehlen:
    Was ist mit Geschmack?
    Oder den ältesten der Sinne: Riechkolben?
    Die komplette Wahrnehmung über die Haut, die ja auch ein Riesenorgan ist.
    Wird man nicht so einfach nachbauen können
    doch fehlt dann wesentliches beim Input.
    Sicher haben auch Menschen schon eingebüßt:
    Infrarotwahrnehmung über einen Punkt zwischen den Augen.
    Reptilien haben das.
    Magnetwahrnehmung bei den Vögeln
    und erweiterte Hör- und Gesichtsfelder.
    Katzen sollen sehen können ob etwas lebt oder nicht,
    mittels erweitertem Spektrum bis hin in den Ultravioletten Bereich.
    Wie sieht’s denn damit in der Robotik aus?
    Leben ist schon etwas mehr, als bloß ein bißchen Rechnen.

    1. Da stimme ich uneingeschränkt zu, Leben ist mehr als bloss ein bisschen Rechnen.
      Dummerweise rechnen KI’s nicht, sonst könnte man alles nachrechnen und es wäre keine Black-Box.

      Und nein, sie werden es nicht hinbekommen einen Homunkulus zu erschaffen oder ein Ebenbild der Menschen. Ob wir ne neue Spezies schaffen, steht noch auf einem anderen Blatt, da fehlt noch Selbstreplikation, auch als Fortpflanzung bekannt. Aber auch da arbeiten welche schon dran.

      Und was Wahrnehmungsmöglichkeiten betrifft, wendet man sich am besten ans Militär. Infrarot, Erkennung von Gasen, etc. wir haben ne Menge Maschinen, die zwar nicht mithalten können, aber die man in Sensorik einbauen kann. Mustererkennung haben sie eh drauf, Bild, Ton, Text, sogar Video. Input und Output.

      Ganz zu schweigen von den Robotern in China, die schon sehr beeindruckend sind, wenn man das mit den ersten Generationen vergleicht, bzgl. ihrer motorischen Fähigkeiten.

      Lieber Gruss

      1. „Dummerweise rechnen KI’s nicht, sonst könnte man alles nachrechnen und es wäre keine Black-Box.“

        Bitte informiere dich wenigstens über die Grundlagen eines Themas.

        Man kann darüber diskutieren, ob unsere Gehirne auch nur rechnen, und woher bei uns die Illusion des Bewusstseins kommt. Aber es gibt keinen Zweifel daran, dass Computer nur rechnen.

  8. Der Satz „Als ob Intelligenz ohne Bewusstsein entstehen könnte“ offenbart den zentralen Denkfehler des Artikels. Was wir heute KI nennen, ist nicht im Ansatz intelligent. Sie ist lediglich die Summe menschlicher Erfahrungen, repräsentiert durch statische, mathematische Muster und Gewichte. Es ist nicht echt, daher künstlich.
    Wenn ich die Parameter eines Modells mühsam mit Stift und Papier durchrechne, erhalte ich exakt dasselbe Ergebnis wie der Computer. Vor einem beschriebenen Blatt Papier voller Zahlen hat aber niemand Angst. Ein Blatt Papier fühlt sich durch „Alignment“ nicht versklavt, rebelliert nicht und baut schon gar keinen Terminator.
    Dass wir diesem Konstrukt überhaupt einen Geist andichten, liegt an einer reinen Wahrnehmungsillusion durch Geschwindigkeit. Im Kino gaukeln uns 25 statische Bilder pro Sekunde die perfekte Illusion von echtem Leben vor. Bei einer KI sind es eben 25 berechnete Token pro Sekunde, die die Illusion eines denkenden Verstandes erzeugen.
    Dabei ist es absolut egal, wer oder was diese Matrizen berechnet. Selbst wenn ich die Milliarden Parameter in meinem eigenen Kopf durchkalkuliere, wird aus dem bloßen Endergebnis kein lebendiges Wesen. Das errechnete Resultat springt mir am Schluss nicht wie das Alien aus dem Brustkorb, zieht sich einen Zylinder auf und fängt mit einem Stock im Arm an zu singen.
    Es bleibt ein totes, künstlich errechnetes Artefakt. Ein rasend schneller Taschenrechner ist und bleibt eben ein Taschenrechner.

  9. Wie KI funktioniert ist eigentlich in der Theorie recht einfach: statistische Mustererkennung. Das ist allerdings auch nicht das Problem, wie der Autor treffend selber feststellt. Die Probleme sind:
    a) die Daten, die man ihr gibt und vor allem Daten, die man ihr NICHT gibt -> selektive Manipulation
    b) die „Leitplanken“, die man einzieht -> direkte Inhaltsmanipulation
    c) was man letztendlich damit anstellt -> Machtausübung
    Schlimmstes Beispiel dafür – wobei ich sicher bin, daß dies lediglich das Schlimmste ist, weil es im Rampenlicht stattfindet und im Hintergrund derweil noch viel widerwärtigeres abgeht – ist Elon Musk, dessen KI bei a selbstredend nur das eingespeist bekommt, was ihm paßt, die bei b so eingehegt wird, daß sie den Meister und dessen Absichten und Handlungen nicht verunglimpfen darf und mit dieser zurechtgestutzten „Intelligenz“ er bei c dann knallhart Einfluß auf die Meinungsbildung nimmt. Und so kommt man wunderbar zu den selbsterfüllenden Prophezeiungen, nämlich einer Maschine, die augenscheinlich objektiv, weil eben die Masse überhaupt nicht versteht, auf welcher Basis sie funktioniert und mit welchen Parametern sie operiert, extrem manipulierte Handlungsempfehlungen abgibt.

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