Zudringliche Bürgerbemutterin

umarmende Politik, Elif Eralp, Linkspartei, Berlin
Roy Zuo, 120260918 Linke Berlin Wahlkampfabschluss 161430, CC BY-SA 4.0

Die Linken in Berlin wollen die Hauptstädter künftig mit ihrer Politik umarmen. Offenbar glauben sie, dass es das ist, was Politik heute leisten soll. Vorsicht ist geboten, denn aus innigen Umarmungen kann leicht Atemnot entstehen.

Die Sondierungen zwischen den Berliner Linken, Sozialdemokraten und Grünen sind abgeschlossen. Nun geht es in die Koalitionsverhandlungen. Allerlei wurde von den politischen Kontrahenten probiert, um mindestens einen der Dreien die Koalitionswilligkeit auszutreiben – aber sie ließen sich kaum beeindrucken. Nicht zuletzt, weil die Linkspartei – an der sich die Kritik im Speziellen aus vielerlei Gründen entzündete; Stichworte: Israel, Clans und Enteignung – schlussendlich doch Kreide gefressen hat. Immer wenn sich ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp zu Wort meldet, geschieht das im süßlichen Tonfall – dann klingt sie übertrieben sanft und anbiedernd. Mit gesäuselter Freundlichkeit und Anteilnahme richtet sie sich dann an die Öffentlichkeit. Und sie benutzt Metaphern, die belegen sollen, dass eine Regierende Bürgermeisterin namens Eralp ganz nah am Bürger sein wird.

Wie nah, erfuhr man erst kürzlich, als die gute Frau den Berlinern verkündete, dass sie künftig eine »umarmende Politik« machen wolle. Sicherlich, dieses Land – mitsamt seiner Kapitale – ist ein hartes Pflaster, auf dem es die Liebe zuweilen nicht allzu leicht hat. Kalt ist es geworden. Und vielleicht mag einen eine Politik, die in den Arm nimmt, ja wirklich seelisch zusprechen. Aber ist es die Aufgabe der Politik, den Bürgern auf die Pelle zu rücken? Vielleicht wollen sie es mehrheitlich gar nicht – vielleicht möchten sie sich immer noch selbst aussuchen, wer sie zu bekuscheln beabsichtigt …

Seid umarmt, liebe Berliner!

Umarmung als politisches Konzept: Das könnte man zunächst mal als Ausdruck politischer Inhaltslosigkeit bewerten. Statt eines Programmes gaukelt man dem Souverän menschliche Nähe vor – und wer das kritisiert, der gilt fast automatisch als ein eiskalter Klotz, als einer, der zwischenmenschlicher Zugewandtheit nichts abgewinnen kann. Doch leider steckt in der »umarmenden Politik« weitaus mehr als bloße plumpe Anbiederung und Inhaltsleere – aus dieser Formulierung lässt sich das Menschen- und Gesellschaftsbild herauslesen, das die Berliner Linkspartei vertritt: Sie begreift Politik als emotionale Betreuung – der Bürger wird schlicht zum Bedürftigen erklärt, dem es angeblich nach Geborgenheit dürstet, und der sich vermeintlich nach Wärme und Zuneigung sehnt.

Der Grundgedanke dieser Rhetorik ist recht einfach umrissen: Politik wird hier offenbar als ein zwischenmenschliches Liebesverhältnis interpretiert – und nicht, wie es eigentlich sein sollte, als ein nüchterner Auftrag zur Gestaltung des Gemeinwesens. Dabei sollte Politik Rahmenbedingungen schaffen, Infrastruktur erhalten und stärken, Rechtssicherheit garantieren und öffentliche Dienstleistungen organisieren – all das, damit die Bürger zufriedenstellend leben können. Gute Politik tut das mehr und minder im Hintergrund, sie behelligt die Bürger möglichst wenig. Wenn sich aber Mitglieder der politischen Klasse als herzende Kümmerer positionieren, als Tröster oder moralische Wegbegleiter, gerät dieses Ideal des Politischen auf das Abstellgleis – die Regierenden emotionalisieren das Verhältnis zum Bürger und degradieren ihn.

Denn sie nehmen ihm mit der Aussicht auf Zwangsbekuschelung die ihm grundgesetzlich zugedachte Mündigkeit – und sie setzen ihn zum Schutzbefohlenen herab, den man offenbar an die Hand nehmen und durchs Leben führen sollte. Diese »Politik der Liebe« geht damit auch tiefer, denn sie maßt sich an, in die privaten Bereiche der Menschen vorzudringen, um dort als Stimme der Fürsorglichkeit Einfluss zu gewinnen. Zwischen Liebenden gibt es schließlich Intimität. Längst hat die Linkspartei Sprache, Familienbilder und Erziehung zum Gegenstand ihrer gesellschaftspolitischen Gestaltungsvorstellungen erhoben – Sexualität ist ihr Dauerthema. Und als einst die Bundesregierung im Rahmen der Covid-Bekämpfung Maßnahmen getroffen hat, waren es explizit Leute dieser Partei, die sich jede Kritik daran verkniffen. Warum auch nicht, schließlich machten Ministerpräsidentenkonferenz und RKI unter Leitung der Regierung eine ziemlich »umarmende Politik«. Aber sie liebten doch alle … alle Menschen …

Distanzlos und übergriffig

Man darf den in Aussicht gestellten Reigen an Umarmungen nicht mit Zuneigung oder Wertschätzung verwechseln. Dahinter steckt ein knallharter paternalistischer Anspruch, der mit der Zwangsbeglückung der Bürger kokettiert. Wer aber ständig umarmt werden soll, der hat keine Arme mehr frei, um sich zu wehren – um den übergriffigen Grapscher wegzustoßen.

Die politisch organisierte Zwangsvertraulichkeit, die hier von links auf die Bürger zusteuert, weist schon mal in eine Richtung, wie sich die zeitgenössische Linke – überall in Europa, nicht nur hierzulande – »ihren Staat« vorstellt: Die Regierung versteht sich als väterlicher Freund der Bürger, vielleicht sogar als zudringlicher Liebhaber, der weiß, was für die Schutzbefohlenen gut ist und was sie besser unterlassen sollen. Die Umarmung ist hier keine Metapher für aufrichtige Liebe und Caritas, sondern das Gleichnis einer kaum verhohlenen Kontrollsucht, die sich hinter der Fassade menschlicher Zuwendung verbergen möchte. Wer es mit dem Umarmen nicht so hält, wer also diesen grundmenschlichen Akt der Zuneigung verschmähen möchte, kann recht simpel als unsolidarisch, kalt, egoistisch und letztlich gesellschaftsfeindlich abgewertet werden. Rechte kuscheln nie – das weiß doch jedes Kind!

Politik sollte niemals auf eine solche Tuchfühlung gründen – tut sie es doch, besteht die berechtigte Gefahr, dass sie nicht nur das Verhalten der Bürger regeln will, sondern auch deren Gesinnung und Gefühlswelt beeinflussen möchte. Wenn der Staat – und seine Vertreter – sich als Liebe verstehen, dann ist die daraus entstehende Liebkosung nicht herzerwärmend, sondern totalitär. Den Berlinern ist daher dringend zu empfehlen, dass sie die Liebe dieser Koalition und ihrer Regierenden Bürgerbemutterin in Spe, verschmähen und sich den Umarmungen, so gut es ihnen möglich ist, entwinden. Nein heißt Nein – wer trotz dieser Ansage körperlich wird, der liebt nicht, der nötigt.

Dieser Artikel erschien erstmals bei Berlin 24/7.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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16 Kommentare

  1. Ich liebe euch doch alle 😘

    Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setzte mich doch dafür ein 💞 !!!

    Kommt jetzt die neue Gemütlichkeit?

    1. Da du das Problem schon quantifiziert hast kannst du es doch auch gleich beheben. 100 ist nun keine große Zahl. Um dich in 100 Kommentaren zur Wehr zu setzen braucht es lediglich 20 Overtone-Artikel.

  2. Bei der AfD würde der Author von Bürgernähe und sichtliches Bemühen um die Sorgen und Nöte des „Volkes“ reden. Naja, mal wieder ein typ. Lapuente gegen die Linke, man kennt es ja. Seine bevorzugte Alternative, ein rechtsextremer/totalitärer Polizeistaat – in dem unbedingter Gehorsam und Unterwerfung unter dem Staat zur ersten Bürgerpflicht gehört.

  3. Was soll Elif Eralp machen ? Die volxnahe Bratwurst im Brötchen ist nicht halal und für die Gummistiefel im Hochwassergebiet arbeitet die Berliner Kanalisation noch zu gut. Wenn sie das mit der Wohnungsvergesellschaftung nicht hinbekommt, hat es sich ausgemuddert, -gekumpelt und
    -gekuschelt.

  4. Ich verstehe ja, dass kommunitaristische Anklänge bei unserem neoliberal gefestigten, rechts lehnenden Autor allergische Schübe auslöst. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, wenn man sich wenigstens etwas Sachlichkeit wünscht, und nicht nur einseitige Polemik? Immerhin kommt auch die AfD da, wo sie sich den Menschen anbiedert, deren Interessen sie zu verraten gedenkt, sobald man sie an die Macht lässt, nicht ohne Kuschelei aus, nur eben vergiftet mit Nationalismus.

  5. Geh Robert, das war aber heute gar nicht gut. An sowas ziehst du dich hoch? Schwach, sehr schwach. Ich habe schon witzigere Artikel von dir gelesen.

  6. Ob die Berliner „Linke“ so sehr die Untertanen bekuscheln kann, wie sie möchte, das ist fraglich. Denn dazu fehlt ihnen das Geld. Jahrzehnte auf Kosten Anderer gelebt, hat Berlin es verlernt, seine eigene wertschöpfende Wirtschaft zu schaffen. Nur von Zuschüssen zu leben, macht faul und träge.
    Auch die Enteignung der Wohnungskonzerne wird nicht zum Nulltarif zu haben sein. Etliche Milliarden Euronen wird das kosten. Und die kann man sich zwar leihen, zurückzahlen( mit Zinsen) werden sie aber die Mieter der enteigneten Wohnungen. Nichts mit günstigen Mieten. Und die fehlenden Wohnungen gibt es auch nicht umsonst. Dann wollen bestimmte Clans ihre Unterstützung auch honoriert sehen. Das Alles sieht eher nach unlösbaren Problemen aus als nach Wohlfühlkuscheln….

  7. Das ist das Gedankengut von Menschen die ab und zu spirituelle Lektüre genießen.Mir sagt man auch hörbar nach ,ich sehne mich nur nach Liebe und jemand würde mich am Liebsten mal so richtig in den Arm nehmen.Also ehrlich gesagt wenn die Linke ihre Wahlversprechen einhalten würde ,wäre mir viel lieber.

  8. Folgendes ging heute an meine ‚politischen Freunde‘: „Betr.: Neue DER SPIEGEL AFFÄRE? — CAUSA Elif Eralp — Bullshit-Berlin, An: ‚Der-Regierende-Buergermeister@senatskanzlei.berlin.de‘; ‚berlin@spd.de‘; et al. in Bullshit-Berlin
    [Keine Anrede] Die SED-PDS-Die Linke im Verbund mit SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ich assoziiere politisch-parlamentarische Steigbügelhalter für Terrorismus, Antisemitismus, Gewalt gegen Deutsche, Neo-Faschismus in Deutschland. TypInnen wie Eralp und … erhalten auch noch Steuergeld – von mir! Vgl. u. a. Nancy Faeser, Lars Klingbeil, Lang, Baerbock, …

    Alle ‚richtigen DemokratInnen‘ müssen gegen Die Linke im Verbund mit … genau so vorgehen wie gegen die AfD. Und da sehe ich die AfD in eigenem Interesse in besonderer Weise in der Pflicht.

    @Frau Eralp: Sie als Frau und Mutter und … Politikerin. Mir kommen gleich die Tränen ob Ihrer zur Schau gestellten vermeintlichen Angst. Sie wussten seit Jahren und wissen genau, was Sie taten … insbesondere auch als Politikerin. – Wahlbetrug steht ebenfalls im Raum! Sie sind ein Sicherheitsrisiko für Deutschland. Weg- und abtreten! Und bitte: Moralisieren Sie nie wieder gegen wen und was auch immer!

    Islam und Islamismus sind die größten Bedrohungen für Deutschland. Ich frage mich: Wo steht DITIB?

    Keine Form des Islams gehört zu Deutschland, Wulff, Gauck, Steinmeier und Konsorten. Basta!

    Ferner frage ich mich: Was wird der Republik noch alles verheimlicht seitens Die Linke im Verbund mit CDU / CSU, …

    Wo bleibt das Hohelied auf die politische Glaubwürdigkeit in Deutschland? Wo bleiben die drastischen Rückführungen von Ausländern, illegalen Kostgängern in Heimatländer wie Syrien, Afghanistan …

    Keine Grüße nach Bullshit-Berlin!

    Roland Weinert [ drs. phil. ]
    Magister Artium ( Universität zu Köln, Köln, D )
    Master of Business Administration ( Universität St. Gallen, St. Gallen, CH ) […]
    Verschlagwortung / Gehört zu: https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/interview-mit-elif-eralp-debakel-spiegel-vertragsbruch , https://www.spiegel.de/politik/deutschland/linkenpolitikerin-elif-eralp-offenbart-angst-vor-terrorsympathisanten-a-94a0c067-ce3d-4435-9e5d-0d2dc2fbb81e ,“

    1. Ein Sicherheitsrisiko für Deutsche ist nicht die Linke, auch nicht der Islam und Islamismus, sondern der Finanzplan des Bundes 2026 bis 2030. Im Jahr 2030 wo wir angeblich im Krieg mit Russland sind soll es kaum noch Leistungen für Gesundheit geben, das Militär bekommt dagegen unser Steuergeld. Man rechnet wohl mit Millionen toten Deutschen oder weshalb sollen die Gesundheitsleistungen so stark zusammengestrichen werden?

  9. Werter Herr De Lapuente das trifft ins Schwarze:

    „Vielleicht wollen sie es mehrheitlich gar nicht – vielleicht möchten sie sich immer noch selbst aussuchen, wer sie zu bekuscheln beabsichtigt …“

    „Selbst aussuchen,“ also keine vorselektierten Kandidaten aus gesponserten Kaderschmieden. Imperativ mandatiert und jederzeit bei Verstoß Mandatsentzug. Dann wäre der Begriff von der Souveränität der Bürger dieses Landes endlich einmal mit Inhalt erfüllt.

    Nebenbei erwähnt, vlt. sollte es auch mal jemand offen aussprechen, also sagen was ist (hat zumindest mal wer gesagt). Die umgangssprachlich Politiker oder auch sog. Berufspolitiker sollten im Grunde Anti-Politiker heißen, denn mit der Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens befassen sie sich außerordentlich schlecht im Sinne des Demos einer Polis.

  10. „Nicht zuletzt, weil die Linkspartei – an der sich die Kritik im Speziellen aus vielerlei Gründen entzündete; Stichworte: Israel, Clans und Enteignung – schlussendlich doch Kreide gefressen hat.“

    Die Gefühlsduseligkeit von Eralp in allen Ehren, aber es geht hier doch darum, eine linke Regierung aus LINKE, SPD und Grüne zu verhindern, denn die könnte, oh Gott, oh Gott steh uns bei, den Immobilienfirmen das Geschäft versauen. Darum muss eine Kampagne her, die eine CDU, SPD,Grüne Regierung erzwingt, nur diese ist eine Garantie für sorgloses kassieren.

    Darum der Popanz von Antisemitismus und dem bösen Ibrahim, vor dem alle Berliner Angst zu haben scheinen. Und so erhalten die Berliner eine weitere Regierung, die nicht macht, was die Wähler wollen.

    PS. Ganz vorne bei den Vorkämpfern für die Sache die Mietrentiers ist neben den Springermedien und DLF der völkische Arthur C. Überall wähnt er die Hamas am Werk. Wie kommt es eigentlich, dass in einer Vorzeigedemokratie wie Israel 15% der Wähler quasi automatisch von der Regierungsbildung ausgeschlossen sind? Steht da eine völkische Brandmauer?

  11. Das wird nichts. Wer den Bereich des Politischen betritt, muss wissen, dass dort gestritten wird. Kann man denn nicht mal etwas sagen, was 100 Prozent Zustimmung bekommt? Dann ist es völlig trivial. Was heute schon unser Roberto erfahren musste, der die Trivialität meiden wollte. Aber muss denn immer so gestritten werden? Wenn wir das abschaffen, haben wir Diktatur.
    Die Linke hat sich unternehmerfreundliches Protestieren als Maxime gegeben. Gesucht werden Personengruppen, die unterdrückt werden. Die Spitze der Jammerpyramide haben Palästinenser und Queere erklommen. Was in Kombination Queers for Palestine ergibt. Das sprengt zwar jede Logik, aber man wird von Elif umarmt, dann gleich doppelt. Der Arbeitgeberpräsident sieht das mit Genugtuung. Er selbst bleibt außen vor.

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