
Die Linken in Berlin wollen die Hauptstädter künftig mit ihrer Politik umarmen. Offenbar glauben sie, dass es das ist, was Politik heute leisten soll. Vorsicht ist geboten, denn aus innigen Umarmungen kann leicht Atemnot entstehen.
Die Sondierungen zwischen den Berliner Linken, Sozialdemokraten und Grünen sind abgeschlossen. Nun geht es in die Koalitionsverhandlungen. Allerlei wurde von den politischen Kontrahenten probiert, um mindestens einen der Dreien die Koalitionswilligkeit auszutreiben – aber sie ließen sich kaum beeindrucken. Nicht zuletzt, weil die Linkspartei – an der sich die Kritik im Speziellen aus vielerlei Gründen entzündete; Stichworte: Israel, Clans und Enteignung – schlussendlich doch Kreide gefressen hat. Immer wenn sich ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp zu Wort meldet, geschieht das im süßlichen Tonfall – dann klingt sie übertrieben sanft und anbiedernd. Mit gesäuselter Freundlichkeit und Anteilnahme richtet sie sich dann an die Öffentlichkeit. Und sie benutzt Metaphern, die belegen sollen, dass eine Regierende Bürgermeisterin namens Eralp ganz nah am Bürger sein wird.
Wie nah, erfuhr man erst kürzlich, als die gute Frau den Berlinern verkündete, dass sie künftig eine »umarmende Politik« machen wolle. Sicherlich, dieses Land – mitsamt seiner Kapitale – ist ein hartes Pflaster, auf dem es die Liebe zuweilen nicht allzu leicht hat. Kalt ist es geworden. Und vielleicht mag einen eine Politik, die in den Arm nimmt, ja wirklich seelisch zusprechen. Aber ist es die Aufgabe der Politik, den Bürgern auf die Pelle zu rücken? Vielleicht wollen sie es mehrheitlich gar nicht – vielleicht möchten sie sich immer noch selbst aussuchen, wer sie zu bekuscheln beabsichtigt …
Seid umarmt, liebe Berliner!
Umarmung als politisches Konzept: Das könnte man zunächst mal als Ausdruck politischer Inhaltslosigkeit bewerten. Statt eines Programmes gaukelt man dem Souverän menschliche Nähe vor – und wer das kritisiert, der gilt fast automatisch als ein eiskalter Klotz, als einer, der zwischenmenschlicher Zugewandtheit nichts abgewinnen kann. Doch leider steckt in der »umarmenden Politik« weitaus mehr als bloße plumpe Anbiederung und Inhaltsleere – aus dieser Formulierung lässt sich das Menschen- und Gesellschaftsbild herauslesen, das die Berliner Linkspartei vertritt: Sie begreift Politik als emotionale Betreuung – der Bürger wird schlicht zum Bedürftigen erklärt, dem es angeblich nach Geborgenheit dürstet, und der sich vermeintlich nach Wärme und Zuneigung sehnt.
Der Grundgedanke dieser Rhetorik ist recht einfach umrissen: Politik wird hier offenbar als ein zwischenmenschliches Liebesverhältnis interpretiert – und nicht, wie es eigentlich sein sollte, als ein nüchterner Auftrag zur Gestaltung des Gemeinwesens. Dabei sollte Politik Rahmenbedingungen schaffen, Infrastruktur erhalten und stärken, Rechtssicherheit garantieren und öffentliche Dienstleistungen organisieren – all das, damit die Bürger zufriedenstellend leben können. Gute Politik tut das mehr und minder im Hintergrund, sie behelligt die Bürger möglichst wenig. Wenn sich aber Mitglieder der politischen Klasse als herzende Kümmerer positionieren, als Tröster oder moralische Wegbegleiter, gerät dieses Ideal des Politischen auf das Abstellgleis – die Regierenden emotionalisieren das Verhältnis zum Bürger und degradieren ihn.
Denn sie nehmen ihm mit der Aussicht auf Zwangsbekuschelung die ihm grundgesetzlich zugedachte Mündigkeit – und sie setzen ihn zum Schutzbefohlenen herab, den man offenbar an die Hand nehmen und durchs Leben führen sollte. Diese »Politik der Liebe« geht damit auch tiefer, denn sie maßt sich an, in die privaten Bereiche der Menschen vorzudringen, um dort als Stimme der Fürsorglichkeit Einfluss zu gewinnen. Zwischen Liebenden gibt es schließlich Intimität. Längst hat die Linkspartei Sprache, Familienbilder und Erziehung zum Gegenstand ihrer gesellschaftspolitischen Gestaltungsvorstellungen erhoben – Sexualität ist ihr Dauerthema. Und als einst die Bundesregierung im Rahmen der Covid-Bekämpfung Maßnahmen getroffen hat, waren es explizit Leute dieser Partei, die sich jede Kritik daran verkniffen. Warum auch nicht, schließlich machten Ministerpräsidentenkonferenz und RKI unter Leitung der Regierung eine ziemlich »umarmende Politik«. Aber sie liebten doch alle … alle Menschen …
Distanzlos und übergriffig
Man darf den in Aussicht gestellten Reigen an Umarmungen nicht mit Zuneigung oder Wertschätzung verwechseln. Dahinter steckt ein knallharter paternalistischer Anspruch, der mit der Zwangsbeglückung der Bürger kokettiert. Wer aber ständig umarmt werden soll, der hat keine Arme mehr frei, um sich zu wehren – um den übergriffigen Grapscher wegzustoßen.
Die politisch organisierte Zwangsvertraulichkeit, die hier von links auf die Bürger zusteuert, weist schon mal in eine Richtung, wie sich die zeitgenössische Linke – überall in Europa, nicht nur hierzulande – »ihren Staat« vorstellt: Die Regierung versteht sich als väterlicher Freund der Bürger, vielleicht sogar als zudringlicher Liebhaber, der weiß, was für die Schutzbefohlenen gut ist und was sie besser unterlassen sollen. Die Umarmung ist hier keine Metapher für aufrichtige Liebe und Caritas, sondern das Gleichnis einer kaum verhohlenen Kontrollsucht, die sich hinter der Fassade menschlicher Zuwendung verbergen möchte. Wer es mit dem Umarmen nicht so hält, wer also diesen grundmenschlichen Akt der Zuneigung verschmähen möchte, kann recht simpel als unsolidarisch, kalt, egoistisch und letztlich gesellschaftsfeindlich abgewertet werden. Rechte kuscheln nie – das weiß doch jedes Kind!
Politik sollte niemals auf eine solche Tuchfühlung gründen – tut sie es doch, besteht die berechtigte Gefahr, dass sie nicht nur das Verhalten der Bürger regeln will, sondern auch deren Gesinnung und Gefühlswelt beeinflussen möchte. Wenn der Staat – und seine Vertreter – sich als Liebe verstehen, dann ist die daraus entstehende Liebkosung nicht herzerwärmend, sondern totalitär. Den Berlinern ist daher dringend zu empfehlen, dass sie die Liebe dieser Koalition und ihrer Regierenden Bürgerbemutterin in Spe, verschmähen und sich den Umarmungen, so gut es ihnen möglich ist, entwinden. Nein heißt Nein – wer trotz dieser Ansage körperlich wird, der liebt nicht, der nötigt.
Dieser Artikel erschien erstmals bei Berlin 24/7.
Ähnliche Beiträge:
- Bundestagswahlchaos: „…dann wackelt das gesamte System!“
- „Der Berliner Senat weiß bis heute nicht…“ – Eine Corona-Bilanz zwischen Ignoranz und Verantwortungslosigkeit
- „Unser Ansatz ist die Vergesellschaftung der großen privaten Wohnungsunternehmen“
- Remmo, die Linken und der selbstgefällige Untergang
- Kein Ende der Wohnungskrise





Ich liebe euch doch alle 😘
Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setzte mich doch dafür ein 💞 !!!
Kommt jetzt die neue Gemütlichkeit?
Mit dem ungefragten Duzen fing es an. Es wurde nicht ausreichend den Anfängen gewehret.
Hundertmal zu wenig.
Bei der AfD würde der Author von Bürgernähe und sichtliches Bemühen um die Sorgen und Nöte des „Volkes“ reden. Naja, mal wieder ein typ. Lapuente gegen die Linke, man kennt es ja. Seine bevorzugte Alternative, ein rechtsextremer/totalitärer Polizeistaat – in dem unbedingter Gehorsam und Unterwerfung unter dem Staat zur ersten Bürgerpflicht gehört.
Was soll Elif Eralp machen ? Die volxnahe Bratwurst im Brötchen ist nicht halal und für die Gummistiefel im Hochwassergebiet arbeitet die Berliner Kanalisation noch zu gut. Wenn sie das mit der Wohnungsvergesellschaftung nicht hinbekommt, hat es sich ausgemuddert, -gekumpelt und
-gekuschelt.
Ich verstehe ja, dass kommunitaristische Anklänge bei unserem neoliberal gefestigten, rechts lehnenden Autor allergische Schübe auslöst. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, wenn man sich wenigstens etwas Sachlichkeit wünscht, und nicht nur einseitige Polemik? Immerhin kommt auch die AfD da, wo sie sich den Menschen anbiedert, deren Interessen sie zu verraten gedenkt, sobald man sie an die Macht lässt, nicht ohne Kuschelei aus, nur eben vergiftet mit Nationalismus.
Geh Robert, das war aber heute gar nicht gut. An sowas ziehst du dich hoch? Schwach, sehr schwach. Ich habe schon witzigere Artikel von dir gelesen.
Ob die Berliner „Linke“ so sehr die Untertanen bekuscheln kann, wie sie möchte, das ist fraglich. Denn dazu fehlt ihnen das Geld. Jahrzehnte auf Kosten Anderer gelebt, hat Berlin es verlernt, seine eigene wertschöpfende Wirtschaft zu schaffen. Nur von Zuschüssen zu leben, macht faul und träge.
Auch die Enteignung der Wohnungskonzerne wird nicht zum Nulltarif zu haben sein. Etliche Milliarden Euronen wird das kosten. Und die kann man sich zwar leihen, zurückzahlen( mit Zinsen) werden sie aber die Mieter der enteigneten Wohnungen. Nichts mit günstigen Mieten. Und die fehlenden Wohnungen gibt es auch nicht umsonst. Dann wollen bestimmte Clans ihre Unterstützung auch honoriert sehen. Das Alles sieht eher nach unlösbaren Problemen aus als nach Wohlfühlkuscheln….
Das ist das Gedankengut von Menschen die ab und zu spirituelle Lektüre genießen.Mir sagt man auch hörbar nach ,ich sehne mich nur nach Liebe und jemand würde mich am Liebsten mal so richtig in den Arm nehmen.Also ehrlich gesagt wenn die Linke ihre Wahlversprechen einhalten würde ,wäre mir viel lieber.