Würden Sie diesem Mann Ihre Milliarden anvertrauen?

Selenskij als Pate, KI-generiert.
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Der ukrainische Präsident droht dem ungarischen Ministerpräsidenten mit physischer Gewalt, wenn der nicht spurt. Früher hätte man von Nazi-Methoden gesprochen.

Hat sich Wolodymyr Selenskij noch im Griff? Letzte Woche erklärte der ukrainische Präsident am Rande des ungarisch-ukrainischen Pipeline-Streites, dass man Viktor Orbán bewusstmachen sollte, mit wem er sich anlegt: »Andernfalls geben wir die Adresse dieses Mannes an unsere Streitkräfte weiter, damit sie ihn anrufen und in ihrer passenden Sprache mit ihm kommunizieren können«, lässt er sich zitieren. Hausdurchsuchung auf ukrainische Art – da hilft wohl auch kein Bademantel mehr.

Die passende Sprache – das kann freilich alles sein. Es ist die wohlfeile Ausdrucksweise von Leuten, mit denen man sich besser nicht anlegen sollte, weil sie zu allem bereit sind. Unwillkürlich muss man bei dieser Form der höflichen Drohung an das letzte Wort eines Mafia-Bosses beim Palermitaner Maxi-Prozess 1992 denken. Der wandte sich an den vorsitzenden Richter Alfonso Giordano – ein mutiger Zivilrichter, der anders als viele seiner Berufskollegen dazu bereit war, diesen Prozess gegen fast 500 Mafia-Mitglieder zu leiten – und gab ihm kurz vor der Urteilsfindung mit auf dem Weg, der Herr Richter möge doch bitte jederzeit gut auf sich aufpassen, damit ihm bloß kein Unglück geschehe – er werde für den Mann der Justiz beten, Gott segne Sie, ehrenwerter Signor Presidente. Nur Könner aus dem halbseidenen Milieu gelingt es, in so gewieftem Duktus zu drohen.

Sonderbehandlung für Orbán?

Nun ist der ukrainische Präsident sicherlich kein Spross der sizilianischen Mafia – vorgeworfen wird ihm jedoch seit Jahren, dass er sich mit Leuten umgibt, die man der Einfachheit halber als »Neonazis« bezeichnet. Mit dem historischen Nazi-Begriff hat diese Begriffswahl freilich wenig am Hut, aber Runen finden sie chic und auch für Bandera schwärmen sie – in den Methoden, die sie anwenden und die auch jene Lumpen von damals wählten, gleichen sie sich selbstverständlich einander. Spezial- oder Sonderbehandlung etwa: Das war so ein Verfahren, dem sich von Schlägertrupps oder der SS ergriffene Personen aussetzen mussten – oft stand am Ende dieser Behandlung der Tod. Nichts deutet bei der Nennung einer baldigen Sonderbehandlung zunächst auf physische Gewalt hin – man konnte es sich aber freilich denken. Die passende Sprache, die sich Selenskij nun für Orbán wünscht, wird vermutlich nicht Ungarisch sein, oder doch?

Hier spricht der Zynismus derer, die zu allem bereit sind – eben auch zur Schädigung des Körpers eines anderen Menschen. Ja, so sprechen Menschen, die in mafiösen Strukturen stecken oder eben in kriminellen Weltanschauungen festhängen. Dort kündigt man Gewalt mit warmen Worten an, bringt sie nicht auf den Punkt, deutet nur an – die, die danebenstehen und denen man das so beiläufig verkündigt, sind ohnehin involviert, sie verstehen genau, was gemeint sein dürfte. Wenn es am Ende aus dem Ruder läuft, vermag der Capo di tutti i capi immer noch zu erklären, er habe es doch gar nicht angewiesen: Der Besuch sollte nur der passenden Sprache mit ihm sprechen – doch nicht verprügeln. Was kann denn er dafür, dass die Button Men sich verselbständigt haben? Selenskij spricht vermutlich gezielz auch davon, dass sie ihn nur »anrufen« sollen – das ist eine Rückversicherung, denn ein Telefonat erlaubt keine physische Gewalt. Von ihm geht also kein Befehl aus, auch wenn alle Welt es vernommen hat. Warum es für ein Telefongespräch eine Adresse braucht, versteht man nur, wenn man diesen Soziolekt der verkappten Drohung beherrscht.

Einerlei ob wir es hier nun mit Nazi-Methoden oder mit parlare in codice zu tun haben, also dem Sprechen in kodifizierten Aussagen: ein Staatschef, der öffentlich auf solche Weise mit einem anderen Staatschef kommuniziert, hat die Kontrolle über seine Geschäfte völlig und endgültig verloren. Ein solcher Eklat müsste an und für sich Fragen aufwerfen. Will man so einem Mann das schwer erarbeitete Steuergeld der europäischen Arbeitnehmer überweisen? Tut man es am Ende gar, weil man sich vor den Schergen dieses Mannes fürchtet, die einen »anrufen«, um in passender Sprache zu parlieren?

Deep und failed state in einem

Doch Selenskijs Drohung wird kaum öffentlich diskutiert. Geschieht dies doch, dann sogar mit einem gewissen Verständnis. In den Netzwerken, speziell bei X, jubeln viele, die ihren Account mit einem ukrainischen Fähnchen verziert haben, dem mutigen Herrn Selenskij zu. Denn er zeige Eier, wie man das seit geraumer Zeit auch im deutschen Sprachraum ausdrückt – das ist eine erstaunliche Aussage aus Kreisen, die gemeinhin etwas gegen die sogenannte »toxische Männlichkeit« einzuwenden haben. Aber wenn sich jemand wie weiland Al Capone vor die Weltöffentlichkeit setzt und eine Gewaltanwendung thematisiert, dann ist das in Zeiten wie diesen offenbar – der Doppelmoral sei’s gedankt! – ein Akt von großer Ritterlichkeit. Einem solchen Mann müsse man quasi helfen, denn er sei ein unermüdlicher Kämpfer, der keinen Konflikt scheue. Ein integrer Herr, ein Ehrenmann.

Vor einigen Wochen veröffentlichten wir an dieser Stelle einen Bericht von Maksim Korsun – unser ukrainischer Berichterstatter weiß, wovon er spricht, wenn er die geheimen – und nicht so ganz geheimen – Operationen der ukrainischen Dienste vorstellt. Man darf in der Tat davon ausgehen, dass die ukrainischen Dienste mit zu den aktivsten Kräften in Deep-State-Europa gehören. Sie lauern kritischen Stimmen auf, die außerhalb der Ukraine gegen den Selenskij-Kriegsstaat wirken, drohen, schlagen zu und töten – und sie ruinieren außerdem die Infrastruktur europäischer Staaten, wenn auch nicht unbedingt in Eigenregie, sicherlich aber als treibende Kraft.

Diese Ukraine ist ein umtriebiger Staat – eigentlich ein umtriebiger failed state, der einfach nicht einsehen will, dass er gescheitert ist. Ursächlich ist dieses Scheitern auch auf die westliche Einflussnahme zurückzuführen. Wer übernimmt auf europäischer Bühne die Verantwortung? Nun will der ukrainische Präsident also mit aller Gewalt die nächsten Unterstützungszahlungen erpressen. Wovon muss man ausgehen bei einem Präsidenten, der ganz offenbar genau den Jargon spricht, von dem es seit Kriegsbeginn heißt, dass er in der Ukraine nicht praktiziert würde: Neonazisprech – die zynische Sprache totalitärer Gewalt nämlich? Sind die Dienste, die der Regierung dieses Herrn unterstellt sind, so rührig, dass sie auch anderen Politikern zusetzen könnten – oder ihnen vielleicht sogar schon zusetzen?

Vermutlich könnte er auch Merz bedrohen

In den Netzwerken herrscht die reine Verrohung vor – Selenskijs markigen Drohungen folgte rege Zustimmung. Die üblichen Verdächtigen warben sofort für weitere Unterstützung, Kiesewetter erklärte, dass der Hauptfokus für Deutschland auf der Ukraine liegen müsse – sollten deutsche Politiker nicht ihren Fokus auf die Belange der deutschen Bevölkerung ausrichten? Es scheint vollkommen egal zu sein, wie sich der ukrainische Präsident artikuliert, dass er offen droht: Es geht immer weiter, es wird niemals einen Bruch mit ihm geben. Haben unsere Entscheider etwa Angst vor diesem Mann, der eben mal Adressen herausrückt, damit seine Jungs, seine Special Forces zum Einüben passender Sprachen vorbeischauen?

Die ukrainische Verrohung hat sich längst im deutschen Alltag eingenistet. Die Claqueure des ewigen Krieges, der immer weitergehen soll, der sich nährt aus der Wertschöpfungskette der europäischen Arbeitnehmer und Steuerzahler, goutieren längst eine Sprache und eine Realität, die den Wert des menschlichen Lebens und des nüchternen, aber fairen Umgangs miteinander als lästigen Ballast empfinden, den man schnell abwerfen sollte. Wenn Selenskij Orbán droht, empfinden sie längst keine Scham mehr, weil sie seit langem den Duktus brutaler Gewaltausübung kultiviert haben, der im Krieg – anders als in der zivilen Welt – als besonderes Markenzeichen und Ausdruck von Potenz gilt. Dieselben Kreise monieren zwar stets aufs Neue irgendwelche »menschenverachtenden« Aussagen, die sie dann an Meldestellen herantragen. Aber ihr Hang zur menschenverachtenden Sprache ist selbst ausgeprägt genug, um einem ukrainischen Machtpolitiker beizupflichten, der seinem ungarischen Kollegen vor aller Welt droht.

Das geht so weit, dass man fast annehmen muss, dass Selenskij auch einen vielleicht für den Augenblick zaudernden Bundeskanzler Merz offen bedrohen könnte, ohne dass die veröffentlichte Meinung und die veröffentlichenden Meinungsmacher im Lande empört wären. Würden Sie denn diesem Mann Ihre Milliarden – nun gut, Ihre paar hundert Kröten – anvertrauen? Ja? Natürlich würden Sie das – schließlich wollen Sie gesund bleiben. Und gerade jetzt, da man nicht weiß, ob die Bundesregierung Zahnbehandlungen doch noch zur Privatsache erklärt, kommt einem so eine »freiwillige Zahlung« sicherlich günstiger.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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18 Kommentare

  1. Die Drohung sollte man übrigens ernst nehmen, denn sie ist ernst gemeint. Und so, wie die ukrainische Regierung mit Geld und Waffen versorgt wird sowie mit Zugang zu Geheimdienstinformationen, auch umsetzbar.

    Es ist schon interessant, was Politiker in der EU alles machen, um dem US-Imperator zu gefallen. Und es ist bemerkenswert, wie leichtgläubig die Bevölkerung ihren Qualitätsmedien in den nächsten Weltkrieg folgt.

    1. Ja! Exakt.
      Woher der Wind da wie extrem weht,
      konnte man auch ’22 sehen, als die
      Unperson Melnyk sich hier ungestraft
      daneben benehmen durfte.
      Unter normalen Umständen hätte er unter
      Strafandrohung lebenslängliches Einreise-
      verbot nach D bekommen müssen.
      Aber nichts passierte…

  2. Warum sollte ich diesem Mann meine Milliarden – nun gut, meine paar hundert Kröten – anvertrauen? Das machen doch schon andere für mich. Ohne mich zu fragen, ohne sich für meine Meinung zu interessieren, und vor allem, ohne daß ich sie gewählt habe!

  3. da die EU-Fürstin Pläne für einen EU-Geheimdienst hegt, steht der Bewerbung von Selenskij und seiner Mörderbande ja nichts mehr im Wege.
    Der EU-Geheimdienst mit je einer Abteilung für Innen und Aussen stärkt die Macht der
    EU-Granden, wie gesagt, die Ukraine bietet sich an, in der EU abweichende Staatschefs (und nicht nur die) zu entsorgen. Wie wird das in Ungarn gesehen, so kurz vor der Wahl?
    Ich hoffe doch, dass die Ungarn das richtig einordnen und Orban eine Mehrheit verschaffen. Man muss nicht alles an Orban mögen aber, dass jetzt die EU von Kiev aus regiert wird, geht zu weit.

  4. Viktor Orbán’s Antwort, Ungarn hat erstmal Einen oder Zwei ukrainische Schutzgeldtransporte beschlagnahmt. Das ist eine Sprache die auch die Gangster verstehen!

  5. Da hat sich der Westen eine Brut wie den ukrainischen Diktator gezüchtet und unterstützt der jeden ermorden lassen will der ihn nicht unterstützt.
    Vielleicht erinnert sich noch jemand an seine Todeslisten auf der auch Gerhard Schröder und weitere Persönlichkeiten stehen.
    Der braune Geist ist wieder hoffähig geworden und Morde nach der Abschaffung des Völkerrechts auch.

  6. In der Tat, das „Völkerrecht“ wurde u. a. durch die USA-NATO wie auch die EU, das alles sind die ‚Staaten mit den vielen guten Werten‘, jahrzentelang unterwandert. Die Folgen sehen wir u. a. seit dem 24.02.2022 bzw. aktuell seit dem 27.02.2026.

    Literaturtipps
    Daniele Ganser: Illegale Kriege. Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Cuba bis Syrien, Frankfurt a. M. 2002, 2. Aufl.
    Ders.: Imperium USA. Die skrupellose Weltmacht

  7. Jeder wusste unter wessen Flagge der wohlgenährte junge Mann im olivgrünen T Shirt fährt.
    Erpressung und Drohungen verkleidet unter einem Hundeblick und Mimimimi.
    Schon zu Anfang der Eskalation des Krieges fiel der damalige Botschafter Melnyk, dessen Sohn in Berlin studiert, durch widerwärtige unverschämte Beleidigungen und Unverschämtheiten auf.
    Aber Rückgrat hat hier schon lange keiner mehr. Es wird sich geduckt was das Zeug hält, Parolen werden ad nauseum nachgebetet. Die junge, aufstrebende Musterdemokratie Ukraine wurde aus heiterem Himmel vom bösen Riesennachbarn grundlos überfallen. Nur die „Impfung“ führt aus der „Pandemie“ (stimmt ja sogar, da genügend Menschen an ihr gestorben sind). Und jetzt wird das „Mullah Regime“ im Iran beseitigt. Es ist wichtig und richtig dafür 14 Monate alte Kinder zu töten.

  8. Der korrupte ,faschistische Staat Ukraine zeigt sein wahres Gesicht.
    Ebenso wie die imperiale ,plutokratische USA Mafia Epstein Gang

  9. „Der ukrainische Präsident droht dem ungarischen Ministerpräsidenten mit physischer Gewalt, wenn der nicht spurt.“

    Und wie sieht es bei den kleinen ukrainischen Bürgern aus, die diesem Herrn widersprechen? Bleibt es da nur bei Drohungen oder ergeht es ihnen so wie dem US-Bürger Gonzalo Lira?

    Und wie geht es im Tankerkrieg weiter? Freuen wir uns alle über die in Brand geschossenen Tanker – solange dies nur im Mittelmeer und vor Afrikas Küsten passiert?

  10. Zur Überschrift, natürlich nein, aber der Staat der eigentlich die Interessen ihrer Bürger schützen soll, geht da rigoros vor.
    Letztlich hatte mal wieder IWF eine Spende abgedrückt.
    Dann müsste der linguist Klown eine weitaus grössere Reichweite besitzen.
    Tut dieser Zwerg nicht, aber die ein paar wenigen Kontrolleure benutzen ihn den Paten, um die verwöhnten komplett zu enteignen.
    Diese komplette Enteignung ist Voraussetzung für eine industrielle Revolution…
    Hatten wir alles schon mal gehört und leider nicht verstanden, was Simulation bedeutet.

      1. Übrigens wenn man die deutsche Verfassung oder das übergestúlpte GG ein wenig versteht, hat dieser Staat Deutschlands, natürlich eine Verpflichtung gegenüber ihre Insassen, leider werden die Insassen das nicht verstehen, weil man sich demokratisch gibt, aber keinen Hauch dieser Simulation versteht. Schlaf weiter Schaf…

  11. > Würden Sie diesem Mann Ihre Milliarden anvertrauen?

    Nagut ich hab eh keine. Aber er hat doch ein vertrauenswürdiges Gesicht. Der ist nett, außer zu Orban, aber den mag ja eh keiner. Der hat keine Schwarzgeldkonten in Panama und das Land ist eine Vorzeige Demokratie. Sicher wird der auch die ganzen anderen Milliarden Kredite zurückzahlen, sobald die fällig werden. Ich vertrau da auf die Experten in Brüssel, die haben das ja studiert und bekommen dafür auch viel Geld.

  12. Die Frage „Würden Sie diesem Mann Ihre Milliarden anvertrauen?“ sollte man mal vom Kopf auf die Füße stellen.

    Besser formuliert könnte man wohl sagen: „Bei welchem Depp können wir sicher sein, daß er mit unseren Milliarden genau das macht, was wir ihm befehlen?“

    Selenskij als jemanden darzustellen, der auch nur halbwegs oder in Spuren Handlungsautonomie besitzt, finde ich mehr als merkwürdig.
    Entscheiden darf der doch höchstens, ob er das Klopapier zum Abwischen in die rechte oder die linke Hand nimmt. Alles andere darf er vorher auswendig lernen (wichtiger Teil der Schauspielerausbildung übrigens)

  13. Aber bei einem jüdischen Faschisten ist das benehmen und die Handlungsweise eines Mafia Paten anscheinen normal und deshalb hinzunehmen.
    Anscheinend besteht die Welt zum größten teil aus Leuten die nur auf der Suche nach dem nächsten Arsch zum reinkriechen sind und den Riesenarschlöchern in dem diese Gestalten verschwinden.
    Arme Menschheit, zum glück gibt es Atomwaffen, man muss nur genug davon benutzen um dieses Elend zu beenden.

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