Sagenhafter Zuspruch für Friedrich Merz

Merz mit ukrainischer Scherpe
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Es geht aufwärts mit Friedrich Merz. 64 Prozent sehen ihn mittlerweile positiv. Trägt seine gute Arbeit endlich Früchte?

Kein Bundeskanzler vor ihm hatte es dermaßen schwer. Friedrich Merz ging durch ein tiefes Tal. Seine Beliebtheitswerte lagen seit seinem Amtsantritt im Keller. 36 Prozent waren Anfang Juni 2025 mit seiner Arbeit zufrieden – die besten Werte erreichte er im Juli des letzten Jahres: 43 Prozent. Für die zweite Augusthälfte 2026 wurden sagenhaft schlechte 18 Prozent Unzufriedenheit ausgewiesen. Friedrich Merz endgültig am Ende? Mitnichten! Denn er steigt gerade jetzt wie Phönix aus der Asche hervor: 64 Prozent sehen ihn von jetzt auf gleich positiv. Eine Meinungsumfrage der Rating Group hat diese Zahl ermittelt.

Eine kleine Information fehlt allerdings noch. Sie sei hiermit nachgereicht: Es sind 64 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer, die den deutschen Bundeskanzler derart hoch einschätzen. In Deutschland sind es weiterhin nur 18 Prozent der Bundesbürger, die dem Mann nichts Schlechtes nachsagen wollen – laut Infratest dimap und Forsa sind es sogar nur 14 Prozent. Forsa weiß außerdem, dass nur 46 Prozent aller Unionsanhänger mit Merz zufrieden sind. Aber was kümmert das einen Bundeskanzler wie Merz, wenn er doch in der Ukraine 64 Prozent haben kann!

Grüße und Gelder aus Deutschland

Keiner Wunder also, dass der Mann aus dem Kanzleramt fröhlich mit ukrainischem Gruß aufwartet: Slawa Ukrajini! Kein Bundeskanzler vor ihm hatte es so leicht – in der Ukraine. Was ist denn also schon dabei, wenn der Regierungschef Deutschlands nonchalant so grüßt, wie es Bandera und Konsorten einst vor und nach getaner Mordsarbeit auch taten? Natürlich wünscht ein in der eigenen Heimat geschmähter Kanzler lieber einem Land den Ruhm, den er bei seinem Amtseid eigentlich dem eigenen Land zusichert. Menschlich betrachtet vielleicht nachvollziehbar – zumal bei einem Charakter wie Friedrich Merz, dem man seine Provinzialität an einer Stelle ganz deutlich anmerkt: Er will ein geachteter Mann sein, respektvoll gegrüßt werden wie ein Sauerländer Honorabler – so viel Provinz steckte nicht mal in jenem Kanzler, dem man einst seine vermeintliche Provinzialität vorwarf: Helmut Kohl.

Wenn die eigene Provinz ihn nicht liebt, wenn sein Heimatland ihn nicht respektiert und den Hut zieht, wenn Herr Merz über die Straße schreitet, dann wendet er sich eben ab – und grüßt auf gut alt Ukrainisch. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass das auch gleich nochmal die Beliebtheitswerte des Kanzlers steigert – nicht in der Bundesrepublik, da führen solche Grüße eher zur Verstockung und lassen Merz immer mehr in der Beliebtheitsskala abrutschen. Natürlich sinken diese Werte auch im Verbund mit den Milliardensummen, die die Regierung Merz in die Ukraine lotst, um den russisch-ukrainischen Krieg am Leben – und Töten – zu erhalten. Grüße und Gelder aus Deutschland – und wir haben uns seinerzeit über 100 Mark Begrüßungsgeld aufgeregt, die an die eigenen Leute aus dem Osten gingen.

Wozu braucht Friedrich Merz überhaupt die Zustimmung der Deutschen? Die haben ihn ja nun schon gewählt – beziehungsweise seine Partei, die ihn anschließend zum Kanzler machte. Sie – und die Linkspartei, die mit seiner Wahl die Demokratie retten wollte, nachdem sie Friedrich Merz Wochen zuvor noch als größte Gefahr für die Demokratie identifizierte. Das alles liegt lange zurück, für Merz spielt der Volkswillen – in Deutschland – keine Rolle mehr. Letztes Jahr wies Statista – in Kooperation mit YouGov – eine Mehrheit aus, die sich eine andere, eine auf Frieden setzende deutsche Ukrainepolitik, wünschten. Aber warum sollte der Kanzler den Deutschen etwas geben, was sie ohnehin nicht mit Liebe quittieren würden? Denn gemocht hatten sie ihn nie – er galt stets als Unsympath, als einer, der halt da ist, an dem man politisch leider nicht mehr vorbeikommt, den man aber mehrheitlich nicht leiden konnte.

31 Millionen kostet ein ukrainischer Beliebtheitspunkt

Fast könnte man es mit jenem berühmten Zitat Bertolt Brechts sagen: »Das Volk hat das Vertrauen des Friedrich Merz verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, Friedrich Merz löste das Volk auf und wählte ein anderes?« Nun kann der gute Bundeskanzler kein Volk auflösen – aber er kann sich sein Bedürfnis nach Liebe andernorts suchen. Und offenbar ist es ihm gelungen, dass es doch noch ein Volk auf Gottes weitem Rund gibt, dass ihn so sieht, wie er sich selbst gerne einordnet: Als respektabler Herr, als geliebter Politiker und Ehrenmann – als Sympathieträger halt. Sicher, diese Werte sind teuer erkauft – aber nicht er bezahlt dafür, das tun die Steuerzahler der Bundesrepublik. Sie finanzieren die ukrainischen Liebesgrüße aus der Ukraine – sollten sich aber bitte nicht so anstellen, denn ein geliebter und daher glücklicher Kanzler wird schließlich auch ihnen von Nutzen sein, nicht wahr?

Nun kann man darüber spotten – was bleibt einem sonst noch übrig in dieser grotesken Situation, in die sich die Bundesrepublik manövriert hat? Für wen sollte ein deutscher Regierungschef Politik machen? Nun hat man von Friedrich Merz nie erwartet, dass er Politik für die Menschen machen würde – dass er sich aber im Ausland hoher Beliebtheit erfreut, während er daran arbeitet, die finanziellen Engpässe, auch entstanden durch die hohen finanziellen Zuwendungen für die Ukraine, mittels Sozialabbaues zu stemmen, ist an Chuzpe nicht mehr zu überbieten. Seit Februar 2022 flossen 43,3 Milliarden Euro an ziviler Unterstützung und rund 57,6 Milliarden Euro an militärischer Hilfe in die Ukraine – das sind zusammen mehr als 100 Milliarden Euro; Beiträge über EU und andere internationale Organisationen sind in dieser Aufstellung nicht enthalten. Allein für 2026 hat die Regierung Merz 11,5 Milliarden Euro militärische Unterstützung für die Ukraine vorgesehen. Bereits 2025 lagen die entsprechenden Ausgaben des Bundes bei 8,7 Milliarden Euro. In seiner Regierungszeit hat die Ukraine also über 20 Milliarden Euro erhalten – anders ausgedrückt: Jeder ukrainische Beliebtheitspunkt wurde mit über 31 Millionen Euro erkauft.

Natürlich mögen die Ukrainer Friedrich Merz. Warum sollten sie es auch nicht tun? Aus ukrainischer Perspektive handelt der deutsche Bundeskanzler schließlich ausgesprochen erfolgreich. Er organisiert Milliarden, Waffen und politische Rückendeckung und stellt weitere Unterstützung in Aussicht. Ein ukrainischer Bürger hat somit wenig Anlass, sich darüber Gedanken zu machen, ob dafür in Deutschland Schulden aufgenommen, Haushaltsprioritäten verschoben oder andere Ausgaben zurückgestellt werden müssen. Friedrich Merz hätte also vermutlich gute Chancen, der Amtsnachfolger des derzeitigen ukrainischen Präsidenten zu werden, wenn der endlich wieder Wahlen zuließe. Und da die Deutschen ohnehin wenig Liebe für Merz aufbringen wollen, wären die vielleicht ganz froh, wenn er diesen Karrieresprung vollziehen würde. Es gibt also doch dieses eine Thema, bei dem deutsche und ukrainische Bürger auf einen gemeinsamen Nenner kommen könnten. Und da BlackRock das osteuropäische Land ohnehin längst übernommen hat, hätte Merz im Grunde nur wieder seine alte Anstellung zurück.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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Ein Kommentar

  1. Vielleicht wäre Merz der geeignete Selenskij-Nachfolger?
    Er scheint dort beliebter zu sein als Selenskij selber!
    Und wir wären ihn erst einmal los!

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