
„Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren!“ Das schrieb vor 250 Jahren der deutsche Schriftsteller, Philosoph und Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing. – Wirklich vor 250 Jahren?
„Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Ignoranz ist Stärke.“ (George Orwell)
„Billionen Schulden sind Sondervermögen.“ (Friedrich Merz, nicht wörtlich)
Wie würden Sie es nennen, wenn Sie in einem Land lebten, in dem …
- … ein Kanzler, der geschworen hat, Schaden von seinem Volk abzuwenden, abfällig (oder gar stolz?) äußert, Frieden gebe es „auf jedem Friedhof“?
- … und dieses Volk – mehr als 84 Millionen Menschen – durch die geplante Stationierung von Mittelstreckenraketen in Geiselhaft nimmt und zur Zielscheibe gegnerischer Präventiv- und Vergeltungsschläge im Krisen- oder gar Kriegsfalle verwandelt?
- … eben dieser Kanzler – angetreten, um den Haushalt zu sanieren – bereits sieben Wochen vor seiner Kanzlerschaft die Chuzpe hatte, in einem abgewählten Bundestag 500 Milliarden Euro Schulden durchzupeitschen und diesen gigantischen Schuldenberg seinem Volk auch noch als „Sondervermögen“ anzudrehen?
- … und, statt alles dafür zu tun um einen Krieg zu verhindern, diesen auch noch halbstark herbeiredet?
- … ein Minister, der sein Volk „kriegstüchtig“ machen will und es auf einen Krieg mit einer Atommacht in drei bis fünf Jahren vorbereitet, dafür von diesem Volk zum beliebtesten Politiker gekürt wird?
- … Kanzler und Kriegsertüchtigungsminister für all diese Maßnahmen ihrem Volke – vor allem den ärmeren Schichten – niemals ausreichende Unsummen von Geld, nicht zuletzt in Gestalt massiv gestiegener Lebenshaltungskosten, will sagen: Inflation und drastischer Kürzungen im Sozialbereich, abverlangen, das alles als „Reformpaket“ verkaufen und „das Volk, der große Lümmel“ dies widerstandslos über sich ergehen lässt?
- … die Regierung dafür militärische Unterstützung im Wert von rund 57,6 Milliarden Euro in ein korruptes Land schickt, um dort einen Krieg – der nicht gewonnen werden kann und immer schneller auf das eigene Land überzugreifen droht – ad infinitum zu verlängern?
- … dieses Land dafür systematisch ausbluten lässt und dies frech „Verteidigung unserer Werte“ nennt?
- … ein Außenminister, statt endlich die Diplomatiemaschine anzuwerfen, versichert, das Land, mit dem ein Krieg auszubrechen droht, werde „immer ein Feind bleiben“?
- … eine Ex-Außenministerin, die für die Menschenrechte über Leichen ging und von „wertegeleiteter Außenpolitik“ sprach, kein Problem damit hatte, die zivilen Opfer militärischer Attacken je nach Täter als Kriegsverbrechen oder Kollateralschäden zu verbuchen?
- … und von Atombunkern schwärmte, wo sie ausgelassen Hüpfspielchen veranstaltete?
- … Waffenlieferungen und Krieg als Politik der demokratischen Mitte (womöglich sogar der Linken) gelten, der Einsatz für ein Ende der Kampfhandlungen jedoch als „rechts“ verschrieen wird?
- … Spitzenpolitiker einer einstmals friedensbewegten Partei lauthals den Einsatz von Waffensystemen fordern, mit denen sowohl der Regierungssitz einer Nuklearmacht als auch deren Atomwaffenlager in die Luft gejagt werden können – ohne an die Folgen für das eigene Land und dessen Bevölkerung zu denken?
- … Spitzenmilitärs Szenarien für den Einsatz eben dieser Waffensysteme in „Feindesland“ – inclusive Verschleierung der eigenen Beteiligung – durchspielen? Und als dies herauskommt,
- … für die Leitmedien der Skandal ausschließlich darin besteht, dass sie so dumm waren, sich dabei abhören zu lassen?
- … Rüstungskonzerne hofiert werden und sich als Sponsoren beliebter Fußballclubs groß in Szene setzen dürfen?
- … die Weigerung, preiswerte Energie vom nun zum Gegner erklärten ehemaligen Kooperationspartner zu beziehen, ausgerechnet diesem in die Schuhe geschoben wird?
- … statt dessen die Bevölkerung von Politikern, die sich als Umweltschützer gerieren, gezwungen wurde, dreckiges, teures Frackinggas vom Großen Bruder aus Übersee zu beziehen?
- … mit dieser Maßnahme große Bereiche der heimischen Wirtschaft in den Ruin getrieben werden – das Land also, um ein anderes zu bestrafen, ökonomischen Suizid begeht?
- … worüber sich am meisten der Große Bruder freut, der damit einen potentiell gefährlichen Konkurrenten – ein einstmals hochindustrialisiertes Land, das mit einem preiswerten Energielieferanten zum wechselseitigen Nutzen gut kooperierte – erfolgreich beseitigte und nun die kümmerlichen Reste dieser Industriebrache zu Spottpreisen aufkauft?
- … die Regierung einen Angriff auf das Herzstück der nationalen Energieversorgung – normalerweise ein Kriegsgrund – noch nicht mal ernsthaft juristisch verfolgt und über die Hintergründe dieser imposanten Tatenlosigkeit auch noch den Diskurs verweigert?
- … das ganze Land im freien Fall ist – und alle immer noch wähnen, in der Spitzenliga zu spielen?
- … eine ganze Generation, die vor vierzig Jahren zu Hunderttausenden gegen eine allgemeine Kriegsgefahr auf die Straßen ging, heute angesichts einer viel größeren akuten Kriegsgefahr saturiert-gelangweilt vor sich hindöst?
- … junge Klimaschützer jeden Wagen mit Verbrennermotor wütend attackieren, aber nicht auf dem Schirm haben, dass man das Klima bereits mit einem „atomaren Schlagabtausch“ am „Nachhaltigsten“ zerstören kann?
- … und statt die Kriegsgefahr zu bekämpfen, sich lieber mit Political Correctness, Hafer-Latte und Gender-Schönsprech die Zeit vertreiben?
- … Christopher Street Days hundertmal stärker frequentiert werden – inclusive geschlossener Belegschaften namhafter Rüstungskonzerne – als Friedensdemonstrationen?
- … Kriegsdienstverweigerer, die früher „Krieg eher uncool“ fanden, mit großem Aplomb zu reumütigen Konvertiten mutieren – wohlwissend, dass sie selbst niemals an die Front geschickt werden?
- … ehemals friedensbewegte prominente Rockmusiker es ihnen gleich tun und nun dafür plädieren, die grundgesetzlichen Panikwerte nun mit Waffengewalt zu verteidigen?
- … der „anregendste Philosoph Europas“ folgendes zum Besten gibt: „Europa erlebt derzeit, historisch gesehen, etwas, das einem Glück gleicht. Wir haben wieder Feinde. Echte Feinde.“
- … ein alter Althistoriker ungeniert im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Unwilligkeit von Eltern geißelt, ihre Kinder „für das Gemeinwesen zu opfern“?
- … für die Leitmedien ein ungleich größerer Skandal als Krieg die Tatsache ist, dass Frauen in den Top-Etagen der Rüstungsindustrie nicht etwa nur unterrepräsentiert, sondern so gut wie gar nicht vorhanden sind? Und Transgenderpersonen sogar im Offiziersrang in der Bundeswehr immer noch diskriminiert werden?
- … es als ultimativer Emanzipationskick gilt, wenn nun vor allem Frauen in Kriegsangelegenheiten den starken Mann geben?
- … die Medien der Bevölkerung, als wären die alle Sonderschüler, bei jeder Nachricht aufs Geduldigste erklären, wer hier gut und wer böse, wer Täter und wer Opfer ist?
- … Talkshows nach dem Prinzip „Fünf Stühle, eine Meinung“ ablaufen und, sollte doch mal als Alibi eine abweichende Position präsentiert (genauer: vorgeführt) werden, sich alle – inclusive des/der Diskussionsleiter-Sternchen-in – sofort mit vereinten Kräften auf sie stürzen, um sie unisono zu „grillen“?
- … sogenannte Faktenchecker Fake News verbreiten?
- … alle Menschen, die diesen Wahnsinn nicht mitmachen – und seien sie ansonsten noch so lammfromm –, umgehend an die gesellschaftlichen Ränder abgedrängt werden?
Und wenn Sie in einer Welt lebten, in der …
- … eine supranationale Institution, die einst gegründet wurde, um Kriege zwischen ihren Mitglieder ein für alle Male auszuschließen – und damit auch höchst erfolgreich war –, nun nach außen hin immer aggressiver und kriegsgeiler auftritt?
- … und Staatsbürger, die das kritisieren, via Sanktionen aller Rechte beraubt?
- … Politiker, die ihre gefühlte moralische Superiorität wie eine Monstranz vor sich hertragen, für ihre geheiligten Werte Kriege anheizen, zwangsverpflichtete Männer an der Front verheizen, ein Land zu Tode verteidigen, Totalverweigerung in Sachen Diplomatie betreiben und fröhlich einen thermonuklearen Weltkrieg riskieren? – Während
- … dagegen eher schräge Gestalten in der Politik sich tatsächlich für ein Ende des wechselseitigen Tötens und Sterben einsetzen?
Ich weiß nicht, wie Sie das alles nennen würden.
Ich nenne es: Leben im Irrenhaus!
Eine ältere Version dieses Textes wurde zuerst bei Globalbridge veröffentlicht.



