Europa: Im Kriege vereint?

EU-Flaggen auf Halbmast.
Polska Agencja Prasowa/European Pressphoto Agency/Stephanie Lecocq, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die EU kann aus diesem Szenario nur als Verlierer heraustreten. Diese Entwicklung ist offensichtlich – wer sie allerdings ausspricht, erlebt die neuen westlichen Werte: Rufmord, Hysterie und Cancel Culture.

Die Europäische Union arbeitet gerade an einem Einigungsprojekt. Es nennt sich: Krieg gegen den russischen Nachbarn. Natürlich ist es ein jämmerliches Projekt, denn ein Kontinent, der so tief in der Krise steckt wie Europa, findet nicht einfach zur trauten Einigkeit zurück, indem man sich Hals über Kopf und ohne Rücksicht auf Verluste in Abenteuer stürzt.

Nach Jahren, ja Jahrzehnten europäischer Agonie, nachdem insbesondere Berlin Brüssel seinen Willen aufgedrückt hat, in Europa wieder Deutsch gesprochen und Staaten der südlichen Peripherie an die Wand gedrückt wurden, hat die EU – dieser stolzen Friedensnobelpreisträgerin – offenbar nichts andres im Sinn, als in einem »reinigendem Krieg« gleich Phönix aus dem Schutt und der Asche zu steigen.

Außenpolitische Abenteuer: Wenn es im Inneren schlecht läuft

Wir kennen das ja auf anderer Ebene: Die menschliche Historie berichtet von etlichen Fälle, in denen eine innenpolitisch getriebene, stark kriselnde Regierung ihre Schwerpunkte nach Außen verlagerte, um so der Enge im eigenen Land zu entkommen – und um vom eigenen Versagen abzulenken. Man kann diesen Vorwurf unter anderem der US-Administration unter Bush Jr. machen. Das God’s Own Country strauchelte zu seiner Amtszeit wirtschaftlich, der Rust Belt rostete vor sich hin, Detroit als industrielles Zentrum des Landes, hatte nur noch 950.000 Einwohner – und nicht wie 1950 noch fast 1,9 Millionen.

Ein außenpolitisches Engagement lag für Bush und die alten Kettenhunde seines Vaters und seiner republikanischen Amtsvorgänger nahe. Und so kam es dann ja auch.

Diesem politischen Eskapismus hat Barry Levinson 1997 in seinem Film »Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt« ein satirisches Denkmal gesetzt. In dem Film hat der US-Präsident ein Problem: Er hat ein minderjähriges Mädchen sexuell belästigt. Die Journalistenmeute ist ihm schon auf der Spur. Seine Berater schlagen einen Krieg vor. Jedoch einen – und da sind sie humaner als die Berater der Wirklichkeit –, der nur medial inszeniert wird. Man engagiert einen Hollywood-Regisseur von Weltruf und so führen die Vereinigten Staaten einen Krieg, der von der Problematik um den pädophilen Präsidenten ablenkt.

Mit dem Hund wedelt heute auch die Europäische Union. Ohne das historisch geprüft zu haben, könnte man sagen: Es ist eine Premiere. Denn bislang waren es immer einzelne Krisenregierungen mit ihren Krisenpräsidenten, die sich an Fronten flüchteten, um der Kritik, der Schelte oder einem Rücktritt zu entgehen. Diesmal wendet aber ein ganzer Staatenbund diese Taktik an. Stürzt sich eine Gemeinschaft von Nationen in einen Krieg, um von den inneren Kalamitäten abzulenken. Das europäische Motto, wonach man in Vielfalt geeint sei, mutiert zu einem: Im Kriege vereint. Für ein Friedensprojekt, als dass sich die EU stets betrachtete, ist das eine erstaunliche Entwicklung.

Endspiel Europa

Aktuell befassen sich Ulrike Guérot und Hauke Ritz mit dieser Union auf Abwegen. In ihrem aktuellen Buch namens »Endspiel Europa« legen sie dar, »warum das politische Projekt Europa gescheitert ist – und wie wir wieder davon träumen können«. Letzteres ist auch der Untertitel des Werkes. Für die Autoren ist klar, dass sich die EU auf Abwegen befindet, sich in ein kriegerisches Szenario stürzt, dass mit dem Wesenskern dessen, was die EU mal sein sollte, rein gar nichts mehr zu tun hat.

Guérot und Ritz schicken dabei die Leserschaft auf eine Zeitreise durch die jüngste Geschichte der Union. In den 1990er Jahren gab es in Europa noch Aufbruch, die Einigung des Kontinents war noch etwas, was man gezielt ins Auge fasste. Aber bereits mit dem Jahrtausendwechsel und dem Regierungswechsel in Deutschland verschoben sich die außenpolitischen Prioritäten: Die rot-grüne Koalition unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer war keine Regierung überzeugter Europäer.

Doch erst im Laufe der 2000er Jahre vollzog sich die endgültige Zeitenwende. Die Autoren fokussieren sich dabei auf die gescheiterte EU-Verfassung: Das europäische Haus bekam erste Risse. Das ist gewiss richtig, gleichwohl könnte man aber anmerken: Der per se neoliberal eingefärbte Verfassungsentwurf hätte die EU womöglich nicht gerettet, sondern ebenfalls an den Abgrund geführt.

Wie sehr neoliberale Politik den Kontinent spaltete, konnte man hernach sehen, als die Finanz- und dann Eurokrise den kontinentalen Zusammenhalt endgültig auflöste. Man sprach wieder Deutsch in Europa oder auf gut Deutsch gesagt: Man zerschoss die eigentliche Idee, die dieses vereinte Europa mal sein wollte, damals, als noch Leute am Ruder waren, die den Kontinent noch als einen Ort kannten, an dem Nationen gegeneinander Kriege führten.

Das ist ein neuer Anfang: Nämlich der Anfang vom Ende

Natürlich ernten die beiden Autoren heftige Kritik – oder ehrlicher: Sie müssen mit persönlichen Angriffen unter der Gürtellinie leben. Bis hin zur Aberkennung jeglicher Kompetenz. Ulrike Guérot wird zum Beispiel vor allem via Twitter unterstellt, dass sie von Sicherheits- und Verteidigungspolitik keine Ahnung habe. Der Vorwurf ist grotesk, denn sie war unter anderem Leiterin der Arbeitsstelle Europa der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und beim European Council on Foreign Relations (ECFR) in Berlin. Außerdem wirkte sie als Mitglied der Münchener Sicherheitskonferenz und fungierte als Expertin bei Anhörungen im Deutschen Bundestag zur Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP). Jahrelang war sie zudem Mitglied der Women in International Security (WIIS).

Immer wieder wird uns gesagt, dass es bei diesem Krieg gegen Russland um die Werte Europas geht. Die Hysterie, die das Buch in den Netzwerken entfesselt hat, wirft die Frage auf, ob Hysterie per se nicht auch ein europäischer Wert geworden ist. Gemeinsam mit böswilliger Unterstellung, Cancel Culture und Rufmord.

Unter Umständen sind das auch die ganz normalen »Qualitäten« einer Endzeitstimmung. Zumal dann, wenn jemand ausruft, dass diese Europäische Union keine Kleider trägt und nackt vor uns auftritt wie jener Kaiser aus dem Märchen von Hans Christian Andersen – so wie es ja auch Ulrike Guérot und Hauke Ritz in ihrem Buch tun. Wenn sie also klarmachen, dass das alles keinen neuen, keinen passablen Anfang darstellt, sondern nur einen Anfang, der in ein Ende mündet.

Wenn Europa als Friedensprojekt noch den Rest einer Chance haben möchte, darf es nicht als Kriegsunion auftreten, sondern muss als Bewahrer diplomatischer Lösungskonzepte agieren. Wer einen offen ausgetragenen Krieg am Ende für sich entscheidet, weiß keiner sicher. Dass unter so einem Krieg dieser Kontinent nicht gekittet, sondern nur zerrissen werden kann: Das kann man jedoch mit einiger Sicherheit behaupten.

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26 Kommentare

  1. Tja, ist eine Scheißlage, wenn sogenannte „Kulturproduzenten“ handfest darauf gestoßen werden, daß ihr Anspruch, „wenigstens“ ideell über die Welt zu gebieten, wenn sie „auf der richtigen Seite der Geschichte“ stehen, ein Wahngebilde ist, dessen Zerrüttung, vielleicht gar Zerstörung, biographisch umso tragischer empfunden und sein kann, je arbeitsreicher und überzeugter er gepflegt worden ist.
    Auch Figuren wie Ulrike Guérot sind Kulturproduzenten (gewesen) wenn auch überwiegend konzentriert auf „politische Kultur“, und Ulrike ist gewiß stolz darauf gewesen, daß sie im Unterschied zu Kollegen, die überwiegend akademisch „verortet“ waren und sich deshalb vielleicht auch den einen oder anderen Kompromiss erspart haben, den Ulrike aus ihrer persönlichen Sicht in ihren vergangenen Tätigkeiten eingegangen sein mag, „etwas hat bewegen können“ – wie das dann so heißt.

    Nun bekommt sie mitgeteilt, daß sie nur zu recht hatte – anders, als sie sich das vorgestellt hatte. Sie hat diesen Krieg mit vorbereitet, wenn auch an unmaßgeblicher Stelle.
    Nun scheint es so, als ob sie und ihre Mitstreiter und Parteigänger, gleichsam um „Absolution“ kämpfend, das IDEAL eines Vereinten Europa umso erbitterter verteidigen, als sie mitgeteilt bekommen, daß dessen Realität in erster Instanz einen militärischen Charakter hat.
    Also – von mir braucht die Ulrike keine Absolution. Ob sie sie nötig hat, um in Zeiten der Inflation das Geld zu verdienen, das sie zu brauchen meint, bezweifle ich ein wenig – oder mag es nicht glauben, wie man will. Jedenfalls soll sie ihren Irrtum bitte korrigieren, statt über die Zeiten retten zu wollen.

  2. Danke für und ist wohl eine Ironie der Geschichte, dass EU-Europa den Weg Napoleon Bonapartes zu gehen scheint? Damals gab es ja ein napoleonisches, zwangsvereintes Europa auf dem Kontinent, dass durch Kriege zusammen gehalten wurde – bis Napoleons Russlandfeldzug, der mit einer totalen Niederlage Frankreichs endete.

    Ja ich weis ist lange hunderte von Jahren her, aber die Parallelen zu damals sind dennoch erstaunlich.😳

    Gibt es eigentlich eine Wiedergeburt eines Wellington in Great Britain? Wartet auf das heutige Europa auch ein Waterloo 2.0? Diesmal in der Ukraine?

    Sarkastischer
    Gruß Bernie

    1. Es will heute keiner mehr wissen, aber die erste internationale Armee des 20. Jahrhunderts war die SS. In der Waffen-SS haben Männer aus 30 Nationen gedient. Vereint durch den Willen, die Sowjetunion zu zerstören. Ein wesentlicher Wendepunkt des Krieges war die Panzerschlacht am Kursker Bogen. Wer sich den Frontverlauf von 1943 anguckt, wird verblüffende Stadtnamen finden, Charkow war auch vor 80 Jahren schon ein Thema.

      Und es gibt noch mehr Ähnlichkeiten. Die Bandera-Leute der Westukraine waren auch damals mit dem Wertewesten verbunden und haben hingebungsvoll Russen massakriert. Und auch damals wurde in der westlichen Qualitätspresse ausführlich über die Gräueltaten der Russen gesprochen und geschrieben.

      Frontverlauf 1943: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Frontverlauf_april_1943.png

      1. Ich habe leider die Quellen nicht parat, um zur Ergänzung Ihren zeitgeschichtlichen Blick auch nach Westen zu richten. Trotzdem einige fragende Anmerkungen:
        War nicht einer der „Pflegemütter“ der Nazis die Wallstreet?
        Welche Rolle spielte die europäische Produktion von US-Unternehmen wie Dehomag, Ford, Opel, etc.?
        Hat der Plan des US-Finanzministers Morgenthau nicht „Wasser auf die Mühlen der NS-Propaganda“ gelenkt und den Krieg verlängert?

      2. @Tuka Ram

        Hast Recht und auch zu Hitlers Zeiten sah Europa – rein auf die Landkarte bezogen – ähnlich aus wie Anno 1812.

        Tja, der alte Adolf – samt osteuropäischer und sonstiger Achsenkollaborateure gegen Russland – haben eben nix aus der Niederlage der Grande Armee Napoleons gelernt und wir heute auch wieder nicht.
        Zynische Grüße
        Bernie

      3. Wow, Baerbock, von der Leyen und die USA „stehen auf den Schultern“ der SS. Wo Opa doch schon gegen die Russen gekämpft hat, wollen die Enkel immer noch Russland zerstören.

      1. @Simon
        Danke für den wichtigen Hinweis – hast natürlich Recht, deswegen schreibe ich ja von einer „napoleonischen Armee“.

        Übrigens Napoleon Bonaparte war ja gebürtiger Korse – nur Mal so am Rande erwähnt.

        Geschichte schreiben immer die Sieger daher nur hier kurz erwähnt Napoleon Bonapartes Russlandfeldzug hatte auch eine Vorgeschichte. In der Schweiz standen sich lange vor Napoleons Idee Moskau zu erobern russische und bonapartistische Soldaten in vielen Schlachten gegenüber.

        Die Schweizer haben das nicht vergessen, weil die Russen damals schon als „Befreier“ in die Schweiz einmarschierten.

        Gruss
        Bernie

        1. Kannst bei Wikipedia auch was dazu finden + Anno 1799 war das wo 40.000 russische Soldaten als Allierte der Österreichischen Armee gegen Napoleon kämpften – in der Schweiz.

          Der russische General von damals ist in Westeuropa längst vergessen, aber in seiner Heimat und in der Schweiz bis heute geehrt und bekannt.

          Gruss
          Bernie

  3. Vielleicht gibt es ja auch noch Hoffnung. Irgendwas Postives muss doch auch mal sein. Und hier meine ich jetzt doch tatsächlich die Stippvisite von Scholz in China. Sowohl das deutsche ‚Handelsblatt‘ wie auch die chinesische ‚Global Times‘ berichten darüber recht positiv.

    https://app.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-der-kanzler-hat-die-kritiker-seiner-reise-eines-besseren-belehrt-auch-weil-er-auf-die-kritik-hoerte/28790290.html

    https://www.globaltimes.cn/page/202211/1278757.shtml

    Im Handelsblatt wird natürlich auch darauf hingewiesen, daß Scholz das Thema Uiguren doch tatsächlich angesprochen hat. Aber das dürfte wohl mehr fürs Protokoll sein. Muss man als westlicher Politiker heute machen. Sowohl Xi als auch Scholz wissen das. Aber Geld regiert bekanntlich die Welt. Die Global Times geht noch einen Schritt weiter und glaubt, dass dieser Besuch in Europa noch Nachahmer finden wird.

    Vielleicht ist dieser Besuch ja der Auftakt zu weiterer friedlicher Zusammenarbeit mit China.

    Vielleicht markiert er ja den Beginn einer Emanzipation von USA. Selbst der dööfste Transatlantiker in Berlin oder Brüssel muss doch inzwischen gemerkt haben, daß der gegenwärtige politische Kurs in Europa pure Selbstzerstörung ist.

    Ausser der alten Meckertante Baerbock – vielleicht. Aber die macht ja auch keine Politik für Deutschland. Und auch das scheint immer mehr Leuten klar zu werden. (Mit interessanten Leserkommentaren.)

    https://www.tagesspiegel.de/politik/nach-aufforderung-an-scholz-spd-sauer-auf-baerbock-8834827.html

    Vielleicht ist ja der Besuch hier von Scholz ein erster Hoffnungsschimmer, daß die EU doch nicht zwangsläufig aus diesem Szenario als Verlierer heraustreten muss.

    Vielleicht, vielleicht, vielleicht…… Man wird ja noch mal ein bißchen Hoffnung haben dürfen.

    1. „Vielleicht ist dieser Besuch ja der Auftakt zu weiterer friedlicher Zusammenarbeit mit China.,..

      Wenn Olli es zu weit treibt, wird er – wie ja schon geschehen – von unseren transatlantischen Freunden, schnell eins auf die Pfoten bekommen. Und während das devote Deutschland die „Warnungen“ unkommentiert ließ, schoßen die Chinesen zurück. Das NARRativ der „Abhängigkeit“, von Russland und China, wurde nie zu Ende gedacht. Könnte es nicht sein, dass wir uns in andere – amerikanische – Abhängigkeit begeben? Ach so, das sind ja die Guten.

      1. @Rebane

        Ich denke wir sind schon seit 1945 ein 51ter Bundesstaat der USA – Mal mehr Mal weniger abhängig von den USA.

        Oder irre ich da – als gebürtiger „Westdeutscher“?

        Gruß Bernie

      2. Deutschland kann es sich überhaupt nicht leisten, den chinesischen Markt aufzugeben. Der Verfolgung ausschließlich amerikanischer geopolitischer Interessen ist einfach nur dumm und schädlich. Leider haben die USA die Macht, auch die, uns ihre Märkte zu verschließen. Die Abhängigkeiten von den USA sind schon seit langem viel zu groß, das betrifft die Finanzmärkte, das betrifft den ganzen IT-Bereich (von Swift über Microsoft bis Google), das betrifft die Verteidigung, und jetzt soll auch noch die Energie dazukommen. Das ist Wahnsinn. Die Leute, die über die Abhängigkeit von Russland geschimpft haben, fordern jetzt die totale Abhängigkeit von den USA, weil das ja „die Guten“ sind.

  4. Scholz rückt einen nuklearen „Befreiungsschlag“ der russischen Armee auf Wiesbaden bis Ramstein näher ins Zentrum des Phasenraumes.

    Angesichts der erst vor wenigen Tagen erneuerten nuklearen Erstschlagsdoktin der USA scheint Scholz Forderung an den Kreml, er möge sich selbst entwaffnen, nur noch pathologisch erklärlich:
    https://www.handelsblatt.com/dpa/krieg-in-der-ukraine-scholz-fordert-von-russland-klares-nein-zu-atomschlag/28791042.html

    Ich halte das dennoch für einen Irrtum. Scholz hat im Wesentlichen eines im Laufe seiner Karriere gelernt: Nichts ist wohlfeiler, als Worte. Daß dies außerhalb Deutschlands vielleicht nicht gelten könnte, MAG er sich jetzt nicht vorstellen, weil sein Auftritt exakt die Weise ist, wie „innen-/koalitionspolitische Führungskraft beanspruchen“ in NATO-Deutschland im Jahre 12 des angelsächsischen Krieges gegen Deutschland und seine Rolle in der EU geht (gezählt vom Beginn der Entstaatlichung Libyens).
    Dafür DARF dann auch Mützenich als „mäßigende Stimme“ noch auftreten, während Kollegen aus der Ministerialverwaltung, die dasselbe sagen, gefeuert und vom Verfassungsschutz wegen Spionageverdachts kujoniert werden. Mützenich muß „nur“ mit der Drohung leben, von Verbündeten der NATO abgeknallt zu werden.
    https://www.radioerft.de/artikel/scholz-fordert-von-russland-klares-nein-zu-atomschlag-1476398.html

    Scholz scheint sich darauf zu verlassen, daß dies Theater in Moskau als schmierige Farce wahr genommen wird. Das wird sie auch, aber möglicherweise mit anderer Konsequenz, als Scholz meint. Man könnte sich dort mit den einschlägigen Figuren in den USA darauf verständigen wollen, daß Deutschland in einem Nachkriegseuropa entbehrlich ist – wenn denn das der Preis für ein vorläufiges Ende des Waffenganges wäre.

  5. „und wie wir wieder davon [Projekt/Utopie Europa] träumen können“
    Träumen ist kein Problem: Irgendwo im tiefsten Keller eines Brüsseler EU-Gebäudes befindet sich der KNOPF, blutrot und von Bleiglas geschützt, doch wer es endlich schafft, ihn zu finden, den wachsamen Zerberus names Jean-Claude zu vergiften¹ und dann mit dem Nothammer (leider nur die Schulkind-Version) das Bleiglas zu zertrümmern, kann ihn drücken, den KNOPF. Und schon reformiert sich die EU wie von Zauberhand, alles wird mustergültig demokratisch und UvdL stürzt sich unter dem höhnischen Lachen aller EU-Parlamentarier in den brodelnden Kessel einer Fabrik für Haarspray und Gesichtspuder.
    Als sie dies vernommen, wurden auch die KNÖPFE im Keller von ARD, SPD und CIA ganz ungeduldig und warten seitdem sehnsüchtig auf ihren Drücker, ihren Reform-Prinzen!

    ¹Zum Beispiel mit einem Fässchen Amontillado

    1. Dein Post macht deinen Namen alle Ehre.
      Habe schön gelacht.

      Trotzdem finde ich, du betreibst eine Vergeudung des guten Sherrys. Ein einfacher Fusel mit Geschmachsaromen von BASF versetzt, hätte es bei J-C auch getan.

  6. In der Regierung von Russland wird von Putin und Lawrow die deutsche Regierung und deren Bundeskanzler schon richtig eingeschätzt. Putin will nur noch direkt mit Amerika verhandeln. Wie souverän und unabhängig der BK Scholz ist, hat die Sprengung der NS1 und 2 gezeigt. Der Handelsspielraum bei China ist genau so groß, wie es in Washington zu gelassen wird. Da kann sich die Bundesregierung und Scholz alles mögliche wünschen, wenn die USA China sanktioniert, spielt Scholz mit.

    Früher oder später steht Deutschland und die anderen europäische Staaten vor dem Janokowitsch-Dilemma von 2013. Sie müssen sich entscheiden, welchen Wirtschaftsblock sie beitreten wollen. Den der USA als Versall oder gar Kolonie. Oder dem viel größeren mit BRICS und SOZ mit der „Neuen Seidenstraße“ als gleichwertiger Partner wie alle anderen auch. Die Zukunft und der Wachstumsmarkt liegt meiner Meinung nach in Asien/ Afrika/ Südamerika. Mit dem westlichen Europa im aufstrebendem Bündnis wäre die USA wirtschaftlich in der weiteren Zukunft nur noch eine Regionalmacht oder sie lernt sich unter internationale Regeln einzuordnen.

    Mit der heutigen Ampel und der CDU/CSU würden die BRD wohl den amerikanischen Weg gehen. Durch Indoktrination der deutschen Bevölkerung durch die MSM gegen Russland/ China würden 60% einen Beitritt zu BRICS oder SOZ der BRD auch nicht verstehen.

    1. Hat Deutschland eine andere Wahl als der USA zu folgen?
      Mit den selbstverschuldeten Abhängigkeiten im IT-Sektor von großen amerikanischen Technoriesen, im Finanzsektor, durch die Beteidigungen der us-amerikanischen Vermögensverwalter in so gut wie allen wichtigen Kapitalgesellschaften in Deutschland ist unsere Wirtschaft so vom Wohlwollen von der anderen Seite des Atlantik abhängig, dass nur eine Gefolgschaft übrig bleibt.
      Durch die Internationalisierung unserer Wirtschaft, was eigentlich eine Amerikanisierung war, ist in den Firmen der IT-Bereich sehr einseitig ausgerichtet. Diese Abhängigkeiten von Microsoft (Windows-System) oder Apple, als Datenlager US Cloud nutzen und viele Bereiche mehr sind doch gewollte Abhängigkeiten, auch diktiert durch die Eigentümerverhältnisse. Es dürfte Microsoft nicht schwer fallen, halb Deutschland mit einem einzigen Mausklick stillzulegen, zumindest alle, die ihre Administration in die US Cloud – und es ist nebensächlich, ob die zertifiziert auf Servern in Europa läuft – ausgelagert haben. Da helfen dann auch nicht die besten Beziehungen nach China. Dieser Bereich ist von Deutschland bewußt oder unbewußt total verschlafen worden.

      1. „In der unten stehenden Referenz werden die grünen Parteien in Europa als „besonders leicht zu manipulieren, damit sie die Botengänge des amerikanischen Imperialismus ausführen. Die Voraussetzung dafür, dass Deutschland in diese Falle tappt, ist die dominante Rolle der grünen Parteien und der europäischen Ideologien. Die deutsche Umweltbewegung ist eine hochgradig dogmatische, wenn nicht gar fanatische Bewegung, was es recht einfach macht, sie dazu zu bringen, wirtschaftliche Argumente zu ignorieren.“

        „Deutschland und die gesamte EU sehen sich angesichts der verschärften antirussischen Sanktionen und der Politik des Verzichts auf alle möglichen russischen Brennstoffe mit einem starken Anstieg der Energiepreise und einer Inflation in Rekordhöhe konfrontiert. Die Situation könnte auch bald zu Energierationierung und -verknappung führen, was auch bedeutet, dass es KEINE Energie, KEINE Brennstoffe zu JEDEM Preis gibt, Punkt. Und vergessen Sie LNG, von wem oder wo auch immer. Zu wenig, zu spät, zu umständlich, zu riskant, viel schmutziger und viel zu teuer. Deutschland braucht russisches Erdgas in Pipelines aus vielen guten Gründen, die es nicht ignorieren kann und von denen es bald leben muss.“

        Gefunden auf dem the Saker Blog im Artikel „How bright are EUropeans ?“ von Jorge Vilches
        https://thesaker.is/how-bright-are-europeans/
        Lesenswert!

      2. Die IT-Frage ist wirklich berechtigt.
        Auch die Abhängigkeiten die mit dem US-Modell geschaffen wurden sind mit ziemlicher Sicherheit schon in manchen Chefetagen diskutiert worden.
        Leider, leider sind interessante Möglichkeiten einer unabhängigen europäischen IT entweder nicht genutzt oder unter dem Radar verschwunden. Stichwort OpenSource. Bin in der Materie nicht sehr bewandert.
        Aber wissenswert ist es schon inwieweit sich die industriellen Anwendungen und der Konsumerbereich softwaretechnisch von den US-Unternehmen abhängig gemacht haben. Mit allen Eventualitäten.

        1. Ich arbeite für das größte Logistigunternehmen Deutschland. In der Produktion arbeiten wir mit dem Grundprogramm Windows 98. Neue Programme werden dem angepasst. Der Umschwung auf Windows10 müsste im gleichen Moment weltweit erfolgen. Dafür gibt es weder die Kapazitäten an Spezialisten und die Kosten-Nutzen-Rechnung ist wohl auch nicht für die Umrüstung ausgefallen.
          Aber ich kann mir schon vorstellen, dass die Komplexität und die Abhängigkeit an so einem Anbieter für ein Unternehmen sehr langfristig ist. Und wenn dann ein Unternehmen wie Microsoft, so den Markt in den einzelnen Ländern beherrscht, könnte man über diese Marktmacht einem unfreundlichen Unternehmen oder einem verfeindeten Land immensen Schaden zufügen.
          Vorbereitet wäre Deutschland auf so etwas im Moment nicht.

          Ich kenne mich auch nur sehr oberflächlich und nur in der einfachen Anwendung aus. Bei Problemen habe ich vier Kinder.

          1. Hier das nächste Outing 😉 : Ich arbeite seit (zu) vielen Jahren in der IT-Branche als Softwareentwickler und kann eindeutig bestätigen, dass es diese Abhängigkeiten von US-Konzernen erstens gibt und sie zweitens auch ausnutzbar sind. Da fallen mir spontan die kill switches im Zusammenhang mit dem Internet Explorer ein, wo mehrfach im Rahmen eines Updates überraschend Funktionalitäten deaktiviert wurde und wir mit etlichen Programmieraufwand Umgehungslösungen implementieren mussten (ist eine Ewigkeit her, zog mir nur grad durch den Kopf).

            Open Source gewinnt jedoch immer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt aus Preisgründen. Inzwischen sind beispielsweise Linux-Serversysteme und offene Datenbanken – wo es früher fast nur Oracle gab – gewaltig auf dem Vormarsch. Im Büroalltag herrscht aber (jedenfalls bei uns, großes Unternehmen im gehobenen Mittelstand) weiterhin quasi Microsoft-Zwang. Windows ist im Grunde das Standard-Betriebssystem, auf denen die Client-Systeme laufen.

            Ich gehe davon aus, dass Microsoft durch ein unfreundliches Systemupdate der europäischen IT-Infrastruktur auf einem Schlag einen großen Schaden zufügen könnte. Quasi wie ein Virus, dass dann wirklich alle Microsoft-Systeme befällt. Bei der kritischen Infrastruktur (Leitsysteme für Gas, Wasser, Strom, …) ist das nicht ganz so einfach, da wird Microsoft aus nachvollziehbaren Gründen gerne gemieden.

            Die Abhängigkeit von US-Konzernen im IT-Bereich beschränkt sich aber nicht auf die Software. Mit intel und AMD besteht auch eine starke Hardwareabhängigkeit. Moderne Prozessoren bieten mit den zugehörigen Chipsets umfangreiche, teilweise undokumentierte Überwachungs- und Steuerungsmöglichkeiten, die sogar bei ausgeschaltetem Rechner aktiv sein können.

            Berüchtigtes Beispiel: intel-MEI: https://www.heise.de/security/meldung/Intel-Management-Engine-ME-weitgehend-abschaltbar-3814631.html

            Will da keine Panik schüren, ich halte das nicht unbedingt für akut bedrohlich, die Softwareabhängigkeit ist bedenklicher. Man stelle sich beispielsweise einmal vor, was geschähe, wenn Google insgeheim plötzlich unfreundlich wird. Oder sind sie es bereits? Wer weiß…

            1. Danke Annando für deine Ergänzungen.
              Mir kam der Gedanke schon vor geraumer Zeit, als Musk sich rühmte, in Russland alle Teslas abzuschalten. Wo ich mir sagte, was mit Tesla funktioniert, müsste doch überall in der vernetzten Welt, den ganzen eingebauten (staatlich verordnete) Schwachstellen und den automatischen IT-Rückmeldungen auch funktionieren.

    2. 60% würden einen Beitritt nicht verstehen..
      Bitte kein Wunschdenken .)
      Als Otto Normal Konsument sage ich:, 85 % wissen nicht einmal was BRICS usw. ist und halten das evtl.. für einen Neuen Essriegel. Sollte sich jemand in meiner Klasse erlauben von BRICS in der Öffentlichkeit zu sprechen, dann liegt der Verdacht auf Subversive Grundhaltung nahe und der neue §130 könnte drohen.

      Journalisten dürfen das natürlich, aber nur wenn negativ berichtet wird. Ansonsten könnte der Job und die Karriere im Eimer sein 🙂

  7. Ich frage das jetzt einmal in die Runde: Kann jemand einen oder mehrere Zeitpunkte in der menschlichen Geschichte benennen, zu dem das gerne `Tyrannenmord´ genannte, zielgerichtete Umbringen einzelner oder einiger Meinungs- oder Machtträger für die große Mehrheit der zu diesem Zeitpunkt lebenden Menschen etwas gebracht hätte? Wer solche Lösungen vorschlägt, sollte wenigstens ein paar erfolgreiche Beispiele nennen können. Mir fällt momentan keines ein. Eventuelle Erfolge werden im Nachhinein gerne von manchen Geschichtswissenschaftlern zur Unterstützung des Fortschrittsglaubens konstruiert. Was, wenn es einen Fortschritt gar nicht gibt? An welchen Kriterien macht man ihn fest?
    Ich frage das ausnahmsweise mal auch mit Bezug auf meine eigene Geschlechterrolle: Kann der Einsatz gut ausgebildeter und gut geschützter Frauen an den Bedienknöpfen der Tötungsmaschinerie in Ramstein als Fall von Emanzipation gelten?

  8. Emanzipation tut doch dem Kapitalismus nicht weh. Eher das Gegenteil, es gibt mehr Produktionskräfte, was diese verbilligt. Und egal an welchem Arbeitsplatz du dein Haupt zu Markte trägst. Unterm Strich ist Soldat sein in einer Berufsarmee auch nur ein Job wie Krankenschwester.
    Und Frauenquote für Vorstandsposten ist keine Emanzipation oder ein Frauenrecht, welches Frauen hilft.
    Wollte man wirklich in dieser Gesellschaft Frauen helfen, würde man Kinder finanziell so ausstatten, dass Frauen sich für die Kinderbetreuung oder Beruf entscheiden können. Für Berufstätige Frauen muss die Betreuung von wirklich früh 6:00 uhr bis abends 18 Uhr gewährleistet sein plus Sonderöffnungszeiten. Ein Haushaltstag würde allen Frauen mit Kindern im Monat helfen.
    Aber das ist zu teuer. Lieber kauft man amerikanische Flugzeuge, welche man mit A-Bomben bestücken kann.

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