Ein Erfolg auch der Friedensbewegung

Tomahawk Block IV cruise missile
United States Navy, Public domain, via Wikimedia Commons

US-Nein zur Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen – das Konzept der Multi Domain Task Forces ist nicht vom Tisch.

Zu den emotionalen Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, die Truppenstärke der US-Army in Deutschland zu reduzieren und die geplante Stationierung von Mittelstreckenraketen in Grafenwöhr zurückzunehmen, erklären die Mitinitiatoren des Berliner Appells „Wir sagen Nein zur Aufstellung neuer Mittelstreckenraketen in Deutschland!“

Wir begrüßen, dassdie Stationierung der SM 6-Raketen, Tomahawk-Marschflugköper und der Hyperschallraketen Dark Eagle gestoppt wird. Es ist auch ein Erfolg der vielfältigen Protestaktionen, besonders der über 90.000 Unterschriften unter den Berliner Appell.

Damit ist die Militarisierung und Hochrüstung der internationalen Politik nicht beendet. Angetrieben von Trump, ist die Welt im Rüstungsrausch. Heute zeigt sich, wie kurzsichtig es ist, dass die Bundesregierung – anders als die spanische Regierung – keinen Widerstand gegen die NATO-Beschlüsse geleistet hat. Europa braucht eine gesamteuropäische Sicherheitspolitik und keinen neuen Kalten Krieg. Das ist die Alternative, die unsere Zeit braucht.

Die Welt hat große Probleme, die ein gemeinsames Handeln erfordern, so zum Beispiel der Kampf gegen die Klimakatastrophe. Stattdessen steigert wie nie zuvor Europa die Rüstungsausgaben, um sich der US-Regierung anzubiedern. Dazu gehört auch die irrwitzige Steigerung der Militärausgaben auf mindestens 250 Mrd. US Dollar in 2032.

Wir warnen besonders vor der weiteren atomaren Aufrüstung, den Ausbau des europäischen Atomwaffenschirms und der Gefahr einer „deutschen Bombe“.

Wir warnen davor zu glauben, dass mit den Ankündigungen von Trump die Frage der Mittelstreckenraketen vom Tisch sei. Die Stationierung der Mittelstreckenraketen in Grafenwöhr unter dem Kommando der „US-Army Europe and Africa“ ist nämlich Teil der Neuordnung der amerikanischen Streitkräfte. Dazu wurde das Konzept der Multi-Domain Operations gegen die angeblich „von Russland und China ausgehende Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA“ entwickelt, wie in der Nationalen Sicherheitsstrategie 2025 zu lesen ist.

Die USA wollen, um ihre militärische Dominanz zu bewahren, neue Einsatzkonzepte, Waffensysteme, Technologien und Einheiten umsetzen. Die Multi Domain Task Forces ist das „organisatorische Herzstück“ dieser Neuordnung. Die MDTF bündeln die Fähigkeiten der militärischen Domänen – Land, Luft, See, Cyber und Weltraum – zu einem integrierten Operationsansatz, der auf digitaler Vernetzung, künstlicher Intelligenz und präzisionsgelenkten Waffen aufbaut. Derzeit handelt es sich um fünf geplante oder schon eingerichteter MDTFs.

  • Der Hauptsitz der MDTFs ist Washington und auf den Indo-pazifischen Raum ausgerichtet. Er verfügt über Hyperschallraketen mit großer Reichweite.
  • Die zweite MDTF sollte die Clay-Kaserne Wiesbaden sein und bereits in diesem Jahr voll einsatzfähig werden. Hierzu zählt das „Strategische Feuerbataillon“ mit den geplanten Mittelstreckenraketen.
  • Die dritte MDTF wurde im September 2022 für den Indo-pazifischen Raum in Hawaii eingerichtet.
  • Die vierte MDTF soll auf der Yokoto Air Base in Japan angesiedelt werden.
  • Der Standort der fünften MDTF ist in den USA für „globale Reaktionsszenarien“ vorgesehen.

Die fortschreitende Digitalisierung verändert die operative Logik der US-Streitkräfte grundlegend. Sensoren aus Satelliten, Drohnen, elektronischer Aufklärung, Radar und bodengebundenen Systemen werden in Echtzeit zusammengeführt. Entscheidungs- und Wirkungsschleifen werden drastisch verkürzt: Zielidentifikation, Priorisierung und Wirkmittelzuweisung erfolgen innerhalb von Sekunden. Autonome und teilautonome Waffensysteme verstärken diese Entwicklung. Sie sind darauf ausgelegt, Ziele selbstständig zu erkennen und zu bekämpfen, wenn menschliche Reaktionszeiten nicht ausreichen.

Dieses Konzept wird seit längerer Zeit vorbereitet und verändert die Kriegsführung dramatisch. Aber darüber redet der Bundesverteidigungsminister nicht, er passt sich der von den USA vorgegebenen NATO-Strategie an. Auch wenn die USA ihre Ausrichtung stärker auf den pazifischen Raum ausrichten werden, wird sie ihre Einrichtungen in Europa nicht aufgeben, denn Deutschland ist auch der strategische Kern für die Operationsfähigkeit der US-Army für den Mittleren und Nahen Osten.

Wir müssen deshalb trotz aller Ankündigungen von Trump weitermachen mit unserem Widerstand gegen eine Stationierung der US-Mittelstreckenraketen in Deutschland oder Europa. Die Militarisierung verändert unsere Gesellschaft, sie soll „kriegstüchtig“ werden. Wir wollen, dass sie „friedensfähig“ wird.

Michael Müller, Reiner Braun und Willi van Ooyen

Michael Müller, Reiner Braun und Willi van Ooyen
Reiner Braun ist Vorstandsmitglied des Internationalen Friedensbüros (IPB) und der Naturwissenschaftlerinitiative Verantwortung für Frieden und Zu-kunftsfähigkeit.

Michael Müller ist Bundesvorsitzender der Naturfreunde, Mitglied des Deut-schen Bundestages von 1983 bis 2009 und ehemaliger Staatssekretär im Umweltministerium.

Willi van Ooyen ist Aktivist der Friedens- und Sozialforumbewegung. Von 2008 bis 2017 war er Abgeordneter der Partei Die Linke im hessischen Landtag.
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5 Kommentare

  1. Wo ist jetzt nochmal der Auch-Erfolg der Friedensbewegung? Welcher Friedensbewegung eigentlich? Die Selbstwahrnehmung dieser Menschen ist etwas seltsam, vorsichtig ausgedrückt.

    Die Tomahawks werden dann wie die Truppen weiter östlich stationiert. Wo ist das ein Erfolg? Erinnert ein wenig an die Atomkraftgegner, die das Schleifen relativ sicherer Kraftwerke in Deutschland bejubeln, das Engagement gegen Uraltteile hinter der Grenze aber ziemlich begrenzen. Die Radioaktivität macht an der Grenze halt, wie das CO2, nicht wahr.

    1. Die Menschen begreifen noch nicht wo die Millitärische US Hegemonie hin geht. Diese US Hegemonie führt nur zu eines zu Kriegen. Die Menschheit muss das längst erkennen können.

  2. Frieden in der Ukraine zur Belebung der deutschen Wirtschaft

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=147191

    Ein Artikel von Armin Langer

    Die Gesellschaft fordert von der Bundesregierung Verhandlungen mit Russland für einen Frieden in der Ukraine.

    Die deutsche Industrie und Wirtschaft brauchen diesen Frieden, um den fortschreitenden Abstieg aufzuhalten.

    Bislang scheint nur die Rüstungsindustrie zu profitieren, alle anderen verlieren.

    Eine Eskalation zwischen Deutschland und Russland hat in der Geschichte weder Russland noch Deutschland genutzt — Deutschland am wenigsten.

    Die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik wollen nach aktuellen Umfragen keine neue Spirale der Spannungen, und das derzeitige „kalte“ Verhältnis scheint am Ende vor allem den USA zu nutzen.

    Nach fast vier Jahren Krieg in der Ukraine hat sich die deutsche Wirtschaft nicht erholt und die Industrie schrumpft weiter.

    Eine Mehrheit der Deutschen fordert nun, parteiübergreifend den direkten Kontakt wieder aufnehmen: Laut der Nachrichtenagentur dpa sprechen sich 58 Prozent der Deutschen dafür aus, dass Friedrich Merz und Wladimir Putin sich treffen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. ALLES LESEN !!

  3. Die Hyperschallraketen sind meines Wissens noch in der Entwicklung und daher nicht einsatzbereit, bei den Tomahawks und allen anderen müssen erst mal die Bestände der USA wieder aufgebaut werden, viele US Basen im arabischen Raum sind mehr oder weniger zerstört udn warten auf Wiederinstandsetzung, Trump selber verfolgt vermutlcih nicht als wichtigstes Ziel, in einem Russland angreifen und zerstören zu können, das ist wohl eher der Traume vieler Russohober diesseits und jenseits des Atlantik,, insbesondere aber der Mehrheit der zur Zeit in den EU Staaten Regierenden.
    Allerdings läuft Trumps Zeit ab und wer danach kommt, kann jederzeit wieder aggressiver gegenüber Russland auftreten, die EU Regierungen werden sich fügen.
    Ein Erfolg der Friedensbewegung ist das jedenfalls nicht, denn für die interessieren sich zur Zeit weder unsere Kriegskurs Regierung noch unsere deutschen und ausländischen Mitbewohner, unsere systemstützenden Medien oder gar die US Regierung.

  4. Kanonen statt Butter – Merz’ Marschbefehl in die deutsche Kriegstüchtigkeit

    Neuste Verschwörungstheorie: Wiederholt die Merz-Regierung die Logik der NS-Kriegswirtschaft – nur diesmal unter dem Deckmantel von „Zeitenwende“ und demokratischer „Kriegstüchtigkeit“?

    Friedrich Merz hat das Ende des „zu komfortablen Lebens“ für die Deutschen ausgerufen.

    Im Spiegel-Gespräch, das am 29. April 2026 erschien, hält der unbeliebteste Bundeskanzler seit der Wiedervereinigung einen Vortrag voller elitärer Vorwürfe.

    Die Deutschen sollen endlich Abschied vom Sozialstaat nehmen, von guter Gesundheitsversorgung und sicherer Rente.

    Es ist Zeit, den Gürtel enger zu schnallen – während seine Regierung Hunderte von Milliarden in die Aufrüstung und in den Stellvertreterkrieg in der Ukraine pumpt, um Russland strategisch zu schwächen.

    Nahezu jeder dritte Euro des Bundeshaushalts soll dann direkt in die Kriegstüchtigkeit gegen die Russen fließen, ein Begriff, den sich Boris Pistorius aus dem Wortschatz des Obernazis, Reichspropagandaministers Dr. Joseph Goebbels, entliehen hat.

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