Ist »der Russe« schuld?

Russische Kinder sitzen auf einer Wiese.
Sergei Michailowitsch Prokudin-Gorski, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Über die Dämonisierung und Bestrafung der russischen Bevölkerung für einen Krieg, den ihr Präsident begonnen hat.

Aktuell wird unter westlichen Politikern und in unseren Mainstream Medien immer intensiver diskutiert, ob man russischen Bürgerinnen und Bürgern weiterhin Visa für die Länder des Schengen-Raums ausstellen sollte.

Auslöser für diese Diskussion ist einmal mehr eine Aussage des ukrainischen Präsidenten Selensky: »Keine Schengen-Visa für russische Mörder.« In der Ukraine selbst soll er russische Musik und Literatur verboten haben. Im nachfolgenden Beitrag soll die Frage diskutiert werden, ob man ein Volk für das Handeln seiner politischen Führer mitverantwortlich machen kann.

Der Schengen Raum

Wie immer, wenn man über etwas diskutiert, ist es sinnvoll, sich zunächst mit dem Sachverhalt vertraut zu machen: Im Juni 1985 vereinbarten im luxemburgischen Schengen Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Deutschland ein Übereinkommen, dessen Kernsatz lautet: »Die Binnengrenzen dürfen an jeder Stelle ohne Personenkontrollen überschritten werden.«

Vom Ort der Unterzeichnung leitet sich der Name »Schengener Abkommen« ab.

Mitgliedsstaaten des Schengen Raums:

Nach dem »Gabler Wirtschaftslexikon« gehören zum Schengen Raum:

  • EU-Mitglieder des Schengen Raums: Deutschland, Dänemark, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, Ungarn, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Finnland, Schweden und Malta.
  • Nicht-EU-Mitglieder des Schengen Raumes: Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein.
  • Keine Mitglieder des Schengen Raumes sind die EU-Staaten: Vereinigtes Königreich, Irland, Bulgarien, Rumänien, Kroatien und Zypern.
Einschränkungen der Visa-Freiheit

Visa-Beschränkungen oder -Verbote für russische Staatsbürger haben bislang die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen und die tschechische Republik verhängt und zwar jeweils wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass die baltischen Staaten große russische Bevölkerungsanteile mit unterschiedlich intensiven familiären Bindungen und Verbindungen nach Russland haben. Wird es diesen Menschen in Zukunft ähnlich gehen, wie den Deutschen nach dem Mauerbau in Berlin vom 13. August 1961?

Nach den Daten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages beträgt der russische Bevölkerungsanteil in Estland fast 31 Prozent. Während meiner fünfjährigen Tätigkeit als Repräsentant der »Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa« (OSZE) in Lettland, bin ich einmal über Estland nach Russland und weiter nach Finnland gefahren. Beim Überqueren des Grenzflusses Narva habe ich erlebt, wie viele Arbeitnehmer aus Russland und Estland täglich die Grenze passierten.

In Lettland beträgt der russischstämmige Bevölkerungsanteil 26 Prozent. Zählt man die Ukrainer und Weißrussen dazu, kommt man auf 38 Prozent. In der Hauptstadt Riga sind 40 Prozent der Bewohner Russen.

Litauen hat mit lediglich 5,8 Prozent den geringsten Anteil russischer Staatsbürger.

Abgesehen von Litauen spielen die russischstämmigen Bürgerinnen und Bürger im Baltikum auch eine wesentliche wirtschaftliche Rolle.

Leben in einer Diktatur

Um im nachfolgenden Abschnitt die Maßnahmen der westlichen Staatengemeinschaft gegen russische Bürger einordnen zu können, ist es wichtig, sich einmal das Leben in einer Diktatur vor Augen zu halten. In den westlichen, Konsum orientierten Demokratien mit ihren grenzenlosen Freiheiten haben wohl die wenigstens Menschen eine Vorstellung davon. In Deutschland müssten das allerdings die älteren Menschen im Osten unseres Landes am eigenen Leibe erfahren haben, und eigentlich müsste auch die Bevölkerung in den Staaten und Republiken, die bis zu deren Zusammenbruch zur ehemaligen Sowjetunion gehörten, ebenfalls eine Vorstellung davon haben.

Meine Familie und ich haben eigene Erfahrungen dadurch sammeln können, dass wir von Ende 1986 – Ende September 1989 unter dem Herrscher Saddam Hussein im Irak gelebt haben, wo ich als Verteidigungsattaché bei der Deutschen Botschaft in Bagdad eingesetzt war. Es gab keine Presse- oder Meinungsfreiheit, und wer trotzdem, den Mund aufmachte, verschwand in dem berüchtigten Foltergefängnis in Abu Ghraib. Alle Medien waren gleichgeschaltet. Im Fernsehen gab es lediglich zwei Programme; im ersten war der irakische Präsident ständig präsent und im zweiten Kanal meistens.

Wenn ich nicht einen Weltempfänger gehabt hätte und durch unsere Botschaft Verbindungen nach Deutschland und zusätzliche Informationen durch die anderen im Irak akkreditierten Militärattachés, hätte ich keine Ahnung davon gehabt, was sich im Irak wirklich ereignete und welche wesentlichen Entwicklungen es in der Welt gab. Die verschiedenen Geheimdienste waren überall präsent, und als Ausländer konnte man nicht ausschließen, dass das eigene Domizil verwanzt war.

Die irakische Bevölkerung hatte, wie aktuell auch die Menschen in Russland, nur die Möglichkeit, den offiziellen Verlautbarungen zu glauben und sich mit dem herrschenden System irgendwie zu arrangieren, vor allem, wenn man den eigenen Kindern die Zukunft nicht völlig verbauen wollte.

Maßnahmen der westlichen Staatengemeinschaft gegen russische Bürger

Vor diesem Hintergrund muss man die mit moralischer Arroganz verhängten westlichen Maßnahmen gegenüber russischen Bürgern einordnen. Die Diskussion über die Einschränkungen der Visa-Freiheit für russische Staatsbürger ist lediglich die aktuelle Ungeheuerlichkeit verhängter Maßnahmen und vermutlich auch noch nicht das Ende.

Seit Kriegsbeginn gegen die Ukraine übertreffen sich westliche Politiker und auch staatliche und nicht staatliche Organisationen in ihren Sanktionen/Strafmaßnahmen gegenüber russischen Staatsbürgern, die im westlichen Ausland leben oder an internationalen Veranstaltungen außerhalb von Russland teilnehmen wollen. Die russischen Menschen scheinen alle mit Putin gleichgesetzt zu werden, obwohl sie diesen weder gewählt haben noch für sein Verhalten in irgendeiner Weise mitverantwortlich sind.

Russische Sportler durften nicht an der »Behinderten-Olympiade« teilnehmen, auf die sie sich jahrelang vorbereitet hatten, nicht um den russischen Staat zu repräsentieren, sondern weil sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten begeisterte Sportler sind. Vom Tennis-Turnier in Wimbledon wurden weißrussische und russische Sportler ebenfalls wegen des Krieges gegen die Ukraine ausgeschlossen. International tätige Organisationen und Vereine haben ihre Verbindungen zu ihren russischen Partnern abgebrochen; vorhandene Partnerschaften wurden/werden ausgesetzt. Russische Dirigenten und andere Künstler dürfen in Deutschland nicht mehr auftreten, weil ihnen vorgeworfen wird, eine enge Beziehung zum russischen Präsidenten zu unterhalten. Deshalb sollten sie sich offiziell von Putin distanzieren. Wie weltfremd muss man denn sein, um ein solches Statement von Künstlern im Ausland zu verlangen, die sicherlich Familienangehörige in Russland haben, die dafür die Konsequenzen tragen müssten?

Menschen werden für politische Entscheidungen in Geiselhaft genommen, die sie überhaupt nicht zu verantworten haben und auch nicht hätten ändern können. Man gewinnt langsam den Eindruck, dass Staatsbürger westlicher Länder versuchen, ihr eigenes Gewissen zu beruhigen, indem sie sich von allem distanzieren, was auch nur irgendwie mit Putin in Verbindung gebracht werden könnte.

Es ist schon schlimm genug, mit lebenden Russen so zu verfahren, aber mittlerweile wurden sogar tote Russen in diese Hetze einbezogen werden. Nach einer Entscheidung des »Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge« in Brandenburg durften russische Soldaten nicht mehr – wie seit Jahrzehnten – gemeinsam mit deutschen Kameraden daran arbeiten, Gefallene einer deutsch-russischen Kesselschlacht des Zweiten Weltkrieges zu identifizieren und ihnen eine würdige letzte Ruhstätte zu schaffen.

Diskriminierung und Ächtung im Umgang mit Gefallenen, da ist der Weg zum geistigen Genozid nicht mehr weit.

Zusammenfassende Bewertung

Dass wir Völkerrechtsbrüche westlicher Regierungen anders bewerten als den russischen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in der Ukraine, ist das Eine, aber die Einbeziehung eines Volkes in Sanktionen und persönliche Ächtung von Bürgern ist das Andere. Das russische Volk darf für die Taten seines Präsidenten nicht mitverantwortlich gemacht oder gar in Geiselhaft genommen werden.

Durch die aktuelle Hetzkampagne gegen Russland besteht die Gefahr, dass eine Situation entsteht, wie die Nazis sie gegen die Bolschewisten initiiert hatten. Bei uns in Deutschland kann ein ehemaliger ukrainischer Botschafter unseren Kanzler eine »beleidigte Leberwurst« nennen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. In einem diktatorischen System, wie aktuell in Russland, werden sie in ein Arbeitslager gesteckt, wenn sie eine »Spezialoperation« als Krieg bezeichnen.

Das scheinen unsere Politiker, die westlichen Medien und mittlerweile auch viele Bundesbürger nicht zu kapieren. Sonst könnte man die zunehmende Gleichsetzung der russischen Bevölkerung mit einem Präsidenten, der sein Amt nicht auf der Basis demokratisch durchgeführter Wahlen erhalten hat, nicht nachvollziehen.

In der aktuellen Situation kann man nur hoffen, dass sich der Bundeskanzler nicht, wie leider zu oft in der Vergangenheit, durch Druck von außen und auch innerhalb seiner eigenen Partei, von seinem richtigen Standpunkt abbringen lässt, nämlich auch weiterhin einen Unterschied zwischen Präsident Putin und dem russischen Volk zu machen.

Ähnliche Beiträge:

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt:

34 Kommentare

    1. Da gebe ich Dir völlig recht. Auch wenn ich mit der Einschränkung der Visa für russische Staatsbürger nicht einverstanden bin, den Beitrag hätte man sich sparen können – Schulaufsatzniveau. Erinnert mich an: „Ich bin’s nicht, Adolf Hitler ist es gewesen!“ So lautet der Titel eines Theaterstücks von Hermann van Harten, Laut diesem Artikel dann „Ich bin’s nicht, Wladimir Putin ist es gewesen!“

      1. Der Schulaufsatz gipfelt ja in der rhetorisch nebulösen Propaganda Zitierung: “ . In einem diktatorischen System, wie aktuell in Russland, werden sie in ein Arbeitslager gesteckt, wenn sie eine »Spezialoperation« als Krieg bezeichnen.“
        Mit dem Thema Russland scheint der Autor sich ja nicht sonderlich beschäftigt zu haben.

  1. Vielleicht bekommt der Autor mal mit, der Krieg begann spätestens 2014. Mir ist nicht im Gedächtnis, dass zu dieser Zeit Putin einen Krieg geführt hat.
    Vielleicht kommt ihm darüber hinaus noch die Einsicht, dass, egal, was die erzählen, die NATO in Form ihrer Mitgliedsländer das Minsk 1 und 2 hintertrieben, ihrer Völkerrechtsverpflichtung, es umsetzen zu müssen, nicht nachkamen und damit das Völkerrecht bewusst brachen.
    Russland ist die einzige Garantiemacht der Abkommen, die dieses anerkennt und durchsetzt. Es steht damit als Einzige auf dem Völkerrecht.
    Jetzt so zu tun, als ob Russland der Völkerrechtsbrecher ist, ist mehr als unverschämt. Ich bin der halbseidenen Unterstellungen, die ein Kotau vor dem medialen NATO -Druck sind, langsam leid.

  2. Wer lesen will, wie es Russen in den baltischen Staaten unter den Augen un deren Duldung der EU ergeht, der lese Thomas Röper Anti-Spiegel

    https://www.anti-spiegel.ru/2022/lettischer-praesident-will-seine-russischsprachige-bevoelkerung-isolieren/

    „In Lettland gibt es eine große russischsprachige Minderheit von etwa 30 Prozent. Und es gibt in Lettland ein Gesetz, dass die Bürger Lettlands in zwei Kategorien einteilt, nämlich in normale Staatsbürger und in sogenannte „Nichtbürger“, die etwa zehn Prozent der lettischen Bevölkerung ausmachen und die alle zur russischsprachigen Minderheit gehören.

    Für die Nichtbürger gelten zahlreichen Einschränkungen ihrer Menschen- und Bürgerrechte und teils auch ihrer persönlichen Rechte. Sie haben bei nationalen und kommunalen Wahlen kein aktives oder passives Wahlrecht. Sie sind von bestimmten Berufen ausgeschlossen, zum Beispiel dürfen sie nicht als Beamte, Polizisten oder Notare arbeiten. Im Gegensatz zu lettischen Bürgern sind den Nichtbürgern visafreie Reisen in eine Reihe von Ländern nicht möglich, für die EU-Länder gilt diese Beschränkung für Kurzzeitaufenthalte nicht, sie genießen in der EU aber keine Freizügigkeit. 2013 zählte das „Lettische Menschenrechtskomitee“, die Vertretung insbesondere der russischsprachigen Einwohner Lettlands, 80 Unterschiede zwischen den Rechten der Nichtbürger und Bürger Lettlands auf.

    Das lettische Gesetz unterscheidet sich kaum von den Nürnberger Rassegesetzen, aber diese offene und offizielle Diskriminierung einer großen nationalen Minderheit nach rein ethnischen Kriterien hat die EU nie gestört. Auch bei der Aufnahme dieses Nazi-Staates in die EU war das lettische „Rassengesetz“ kein Hinderungsgrund. Die EU und der gesamte Westen verschließen vor diesem gelebten und in Gesetzen formulierten Rassismus geflissentlich die Augen.

    Der lettische Präsident hat vor einiger Zeit öffentlich gefordert, die russischsprachige Minderheit im Land zu „isolieren“. Was genau er damit gemeint hat, bleibt unklar, aber vor dem Hintergrund des lettischen Rassengesetzes muss ich sofort an Lager denken, die man – um allzu deutliche Assoziierungen zu vermeiden – „Isolierungslager“ nennen könnte.

    Am 24. August erklärte das Staatsoberhaupt der Republik Lettland Egils Levits, dass seit dem Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine angeblich ein „dem Staat gegenüber illoyaler“ russischsprachiger Teil in Lettland aufgetaucht sei, der „bekämpft und isoliert werden muss.“

    Wer in Geschichtsunterricht aufgepasst aht, dem müssen doch böse Vorahnungen kommen.
    Wollen wir das wirklich?

  3. Russland mit dem 3. Reich zu vergleichen und Putin einen Diktator zu nennen, stellt eine Verharmlosung der Nazidiktatur dar. Der Autor gehört vor Gericht.

    1. @Torwächter, wenn du den ganten Wrtikel gelesen hättest, würdest du erkennen, dass der Autor Tendenzen beschreibt. Und wer etwas älter ist, der kennt noch den Spruch: „Wehret den Anfängen!“. Und um diese Anfänge zu erkennen, muss man mögliche Folgen klar benennen.

      Es ist nicht alles immer Verharmlosung, nur weil man etwas im Zusammenhang mit Vorgängen im dritten Reich stellt.

      1. Typischer Mainstreamer Kommentar. Ich hätte den Artikel nicht gelesen. Wer von uns beiden mehr Lebenserfahrung hat, lasse ich mal offen. Das Typische sind Unterstellungen und Arroganz und Ermahnung, was wohl der letzte Satz bewirken soll. Alles nichts als heiße Luft. Fehlt nur der Satz: Alle sind anderer Meinung als Du. Mein Rat: Schäme Dich!

      2. Ich würde nicht so weit gehen wie Torwächter. Der Autor schreibt gewiss in guter Absicht, und weitaus nicht alles ist „Mainstream“. Aber die Diktaturbehauptung ist ignorant und geschmacklos, Allerdings setzt der Autor nicht Russland mit dem Naziregime gleich, wenn er auch krude munkelt:

        „Durch die aktuelle Hetzkampagne gegen Russland besteht die Gefahr, dass eine Situation entsteht, wie die Nazis sie gegen die Bolschewisten initiiert hatten. “

        Die Gefahr siehte er darin:
        „Bei uns in Deutschland kann ein ehemaliger ukrainischer Botschafter unseren Kanzler eine »beleidigte Leberwurst« nennen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.“

        Was soll das? Melnyk ist ein Lump und ein Nazi, aber dass er Scholz „beleidigte Leberwurst “ nennt, ist kein Staatsverbrechen. Klar hätte man einen solchen Botschafter längst rauswerfen sollen, aber eher für seinen Holocaustrevisionismus und seine Verherrlichung des Terroristen und Massenmörders Bandera und seiner Mörderbande OUN/UPA. Aber dann könnte man keinen offiziellen Ukrainer reinlassen, denn die verehren die Nazis und ihre Henker alle und setzen denen Denkmäler.

        Aber was hat das mit den Nazis und deren Terror gegen „Bolschewisten“ (und Juden und und) zu tun?

        Und zu Russland:
        „In einem diktatorischen System, wie aktuell in Russland, werden sie in ein Arbeitslager gesteckt, wenn sie eine »Spezialoperation« als Krieg bezeichnen.“

        Das ist einfach eine Lüge, und eigentlich schwer entschuldbar. Der Autor ist kein einfacher Bildleser und Tagesschaugucker, so eine dumme Behauptung dürfte ihm nicht unterlaufen. Erstmal ist Russland kein diktatorisches System. Und dann ist noch kein einziger, der die Militäroperation Krieg nennt, bestraft worden. So ziemlich alle Blogs und Telegramkanäle in Russland schreiben vom Krieg in der Ukraine, Krieg im Donbass.

        Strafbar sind vorsätzlich unwahre Behauptungen über die Streitkräfte. Das geht nicht einmal so weit wie unser §89 StGB, der auch bis zu 5 Jahren Knast androht. Dazu reicht „planmässige Untergrabung“ der „pflichtgemässen Bereitschaft zum Schutz der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland“. Das kann auch ein Pazifist sein, der für die Totalabrüstung der BRD eintritt. So radikal wurde das bislang nicht angewendet, aber die krasse Rechtsbeugung im Fall Alina Lipp und ihrer Familie geht in die Richtung.

        Gut finden muss man das auch in Russland nicht, aber die Behauptung, Leute würden „in Arbeitslager gesteckt“, ist schmutzige Propaganda. Leute können für Propaganda gegen die Streitkräfte im Sinne des ukrainischen Regimes und der NATO vor Gericht angeklagt und zu Freiheitsstrafen verurteilt werden, und nicht zu 173 Jahren wie Assange. Wer da „Arbeitslager“ schreibt, lügt und hetzt. Und das in einem Artikel, der sich gegen Russlandhetze ausspricht.

        Herr Hübschen sollte das mal lesen: (x)https://overton-magazin.de/politik-wirtschaft/ich-spreche-vom-krieg-werde-ich-deswegen-verhaftet-nein/

        Insofern ist schon richtig, der Autor fasst ins Klo. Und es ist schlimmer als bloss Verharmlosung. Das mit den Nazis ist aber bloss konfus.

    2. Hier scheint mir sowohl bei Torwächter als auch bei Fidel ein Missverständnis vorzuliegen.

      Im Text heißt es:
      Russische Sportler durften nicht an der »Behinderten-Olympiade« teilnehmen,
      (…)
      Vom Tennis-Turnier in Wimbledon wurden weißrussische und russische Sportler ebenfalls wegen des Krieges gegen die Ukraine ausgeschlossen,
      (…)
      International tätige Organisationen und Vereine haben ihre Verbindungen zu ihren russischen Partnern abgebrochen; vorhandene Partnerschaften wurden/werden ausgesetzt. Russische Dirigenten und andere Künstler dürfen in Deutschland nicht mehr auftreten, weil ihnen vorgeworfen wird, eine enge Beziehung zum russischen Präsidenten zu unterhalten.
      (…)
      Menschen werden für politische Entscheidungen in Geiselhaft genommen, die sie überhaupt nicht zu verantworten haben und auch nicht hätten ändern können. Man gewinnt langsam den Eindruck, dass Staatsbürger westlicher Länder versuchen, ihr eigenes Gewissen zu beruhigen, indem sie sich von allem distanzieren, was auch nur irgendwie mit Putin in Verbindung gebracht werden könnte.
      (…)
      Diskriminierung und Ächtung im Umgang mit Gefallenen, da ist der Weg zum geistigen Genozid nicht mehr weit..
      (…)
      Durch die aktuelle Hetzkampagne gegen Russland besteht die Gefahr, dass eine Situation entsteht, wie die Nazis sie gegen die Bolschewisten initiiert hatten.

      Das ist doch eindeutig so zu verstehen, dass hier nicht Russland mit dem 3. Reich verglichen wird, sondern vielmehr gesagt wird, dass die rassistischen Tendenzen gegen russischstämmige Bürger im regelbasierten Wertewesten, vor allem (aber nicht nur) in dessen östlichen Teilen, an die Praktiken in Nazideutschland erinnern.
      Dem stimme ich zu, bei aller Kritik an anderen Aussagen des Artikels, aber hier hat Hübschen recht.

      Seine Begründung allerdings ist fadenscheinig. Russland als eine Diktatur vergleichbar mit dem Irak zu bezeichnen und alle russischen Bürger als unterdrückte Opfer darzustellen, die dumm gehalten werden und vor Putin und seinen Schergen zu buckeln haben, geht wohl recht weit an der Wirklichkeit vorbei.

      Was an der Wahl Putins zum Präsidenten nicht demokratisch gewesen sein soll, weiß ich auch nicht. Wurden da Wahlmänner gekauft oder Gerrymandering betrieben wie in der Vorzeigedemokratie des regelbasierten Wertewestens üblich?
      Oder kamen vielleicht doch nur dieselben Medienstrategien zum Einsatz, wie sie z. B. in Deutschland üblich sind!

      Hübschens Aussage:
      In einem diktatorischen System, wie aktuell in Russland, werden sie in ein Arbeitslager gesteckt, wenn sie eine »Spezialoperation« als Krieg bezeichnen.
      widerspricht übrigens Röper vehement und mit etlichen Argumenten.

      Und zu seinem Satz davor möchte ich auch noch etwas loswerden:
      Bei uns in Deutschland kann ein ehemaliger ukrainischer Botschafter unseren Kanzler eine »beleidigte Leberwurst« nennen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
      Bei uns in Deutschland dürfen sogar Leute mit Galgen demonstrieren, an denen sie Abbilder von Regierungsmitgliedern inklusive Bundeskanzlerin aufgehängt haben.
      Das soll Ausdruck unserer demokratischen Gesinnung sein? Nein, das ist eher Ausdruck dafür, dass unsere Staatsorgane weder sich selbst noch die Bürger ihres Landes, das sie regieren, ernst nehmen.

      In Russland würde eine Type wie Melnyk wohl achtkantig aus dem Land geworfen, und die Gestalten mit den Galgen würden strafrechtlich verfolgt. Und das wäre auch gut so. Demokratie bedeutet nicht Narrenfreiheit für die Verächter der Demokratie.

  4. „…. einem Präsidenten, der sein Amt nicht auf der Basis demokratisch durchgeführter Wahlen erhalten hat, nicht nachvollziehen.“

    Was macht die Wahl des Präsidenten in Russland zu einer undemokratischen Wahl?
    Das man 1ooooo Unterschriften im Vorfeld aus unterschiedlichen Gebieten augfbringenmuss, ist ein Kriterium für die Fähigkeit in weiten Teilen den großen Landes eine Akzeptanz zu haben. Dies schützt auch davor, dass einer Präsident wird, der nur seine Ethnie bevorzugt.
    Wieso ist die amerikanische Präsidentenwahl demokratisch, wenn man mehr als 1 Milliarde Dollar dafür privat aufbringen muss? Warum will man Präsident werden, wenn man 1 Milliarde Dollar ausgibt bei einem Jahreseinkommen von 400ooo US-Dollar? Warum macht einer freiwillig ein Minusgeschäft von mindestens 98,4 Milliarden US-$?

    Der empfohlene Artikel bei Anti-Spiegel spricht mit viel mehr Klarheit.

    1. Der amerikanische Politologe Sheldon Wollin behauptet in seinem Buch „Umgekehrter Totalitarismus“, dass bei der ersten Wahl von G.W.Bush die Präsidentschaft nur aufgrund von Manipulationen in Texas erfolgte.
      Dass sowohl Justiz, wie auch die Medien, wie auch die unterlegenen Demokraten sich dem anpassten, gilt ihm als demokratischer Sündenfall.

      1. Wenn man dann noch bedenkt, wie Wahlkreise geändert wurden, damit Schwarze nicht zum Zuge kommen und dass sich Wähler mit dem Führerschein ausweisen müssen, wobei viele Schwarze und Arme eben keinen besitzen, dann weiß man, was man von der US-Demokratie zu halten hat.
        Und was die hiesige Demokratie wert ist, sieht man spätestens seit der Coronahysterie und nebenbei aus der wissenschaftlich erwiesenen Tatsache, dass egal, welche Parteien gerade am Zuge sind, die Bedürfnisse und Anliegen der unteren 30% der Bevölkerung praktisch keine Rolle spielen.
        Wer also von der westlichen „Demokratie“ nicht reden will, sollte über die der Russen schweigen.

  5. „Um im nachfolgenden Abschnitt die Maßnahmen der westlichen Staatengemeinschaft gegen russische Bürger einordnen zu können, ist es wichtig, sich einmal das Leben in einer Diktatur vor Augen zu halten. In den westlichen, Konsum orientierten Demokratien mit ihren grenzenlosen Freiheiten haben wohl die wenigstens Menschen eine Vorstellung davon.“

    Weiter meint der Autor:
    „Meine Familie und ich haben eigene Erfahrungen dadurch sammeln können, dass wir von Ende 1986 – Ende September 1989 unter dem Herrscher Saddam Hussein im Irak gelebt haben, …

    Die irakische Bevölkerung hatte, wie aktuell auch die Menschen in Russland, nur die Möglichkeit, den offiziellen Verlautbarungen zu glauben und sich mit dem herrschenden System irgendwie zu arrangieren …“

    Drei Zitate aus dem Artikel, die eine äußerst beschränkte Weltsicht des Autors belegen. Wer heute noch sagt, dass es im Westen „grenzenlose Freiheiten“ gibt, der hat z.B. die Demonstrationen im August 2020 ff. völlig ausgeblendet, auch die Beugehaft für das Nichtbezahlen von „GEZ-Gebühren“, und da haben wir noch nicht über das gesprochen, was der Krieg in der Ukraine hier so alles in D ermöglicht.

    Und dann der Vergleich des Irak des Sadam Hussein mit dem heutigen Russland …Geht´s noch eine Etage tiefer??
    Ich empfehle dem Autoren dringend, sich mit einem Russischsprachler vor den PC zu setzen und das russische Internet sich mal im Vergleich zum deutschsprachigen intensiv anzusehen. Ausgehend von seinem hier Geschriebenen dürfte zu einigen für ihn völlig neuen Erkenntnissen kommen.

    Und noch das:
    „Wie weltfremd muss man denn sein, um ein solches Statement von Künstlern im Ausland zu verlangen, die sicherlich Familienangehörige in Russland haben, die dafür die Konsequenzen tragen müssten?“
    Kann der Autor auch nur einen Fall belegen, der seine steile These bestätigt? Wenn er suchen würde, so fände er jedoch Beispiele, wo sich russische Künstler im Ausland auf der Bühne gegen den Krieg aussprachen und später dennoch in Russland auftraten.

    Der Autor hat sich auch auf anderen Portalen zu Themen bezüglich Russland versucht. Ich weiß nicht warum. Umfassendes Wissen oder eine besondere Expertise konnte ich nicht feststellen.

  6. Ich kann die hier geäußerte Entrüstung über den Artikel durchaus nachvollziehen.
    Was mir daran jedoch überhaupt nicht gefällt, ist diese unter dem Strich entstehende Vereinfachung:
    USA, „der Westen“, Nato etc.: „Verbrecher“, das Böse u.s.w.
    Russland: hier akkumuliert sich offenbar das Gute dieser Welt, der „Engel“ unter den Nationen u.s.w.

    Und wie schon öfters an dieser Stelle angemerkt: bedient man sich hier nicht der gleichen Instrumentarien, die wir zu Recht dem Wertewesten als höchst primitiv, moralisch unhaltbar, von niederen Instinkten (Interessen) geleitete Propaganda bescheinigen?! Wird die vorherrschende vereinfachte Sicht, die Aufteilung der Welt in Gut und Böse, Schwarz und Weiß hier nicht ebenso befeuert???? Nur umgedreht?

    Bei wirklich allem Verständnis für die Reaktion auf den Artikel (mein erster Impuls ging in eine ähnliche Richtung bei einer Vielzahl der Anmerkungen des Autors), aber ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht zielführend ist, die Weltsicht, die man uns verkaufen möchte, einfach umzudrehen. Damit macht man es sich zu einfach, und überzeugend ist es auch nicht.
    Ich finde, man muss „aushalten“ können, was Herr Hübschen da schreibt.
    Und ich finde, dass wir (??????) es anders machen sollten als diejenigen, die wir zu Recht (!!!) kritisieren, verurteilen etc.pp.

    1. Knobloch, ich schließe mich deiner Einschätzung vollkommen an!
      Auch ich habe das Gefühl, dass hier viele Kommentoren die Sache nur „umdrehen“. Zumindest wirkt es am Ende so, dass Putin und Russland immer ein wenig aufgehübscht werden, auch wenn einige dieser Kommentatoren die Sache bei Nachfrage und nüchterner Betrachtung vielleicht differenzierter formulieren würden.

      Es ist nun mal leider so, dass je mehr einen eine Sache emotional angreift, desto mehr gibt es im Menschen die Tendenz sich auf eine Seite zu schlagen, schlagn zu wollen – und fast unbemerkt oder unterbewusst beginnen dann Viele auch damit diese Seite immer mehr zu idealisieren.
      Manchmal ist es aber auch nur die heftige Aversion gegen den Westen, gegen seine Werte-Heuchelei usw. die die Leute dann in eine Gegenreaktion treibt und damit zu Russland tendieren lässt.

      Inwieweit die teils etwas rosig erscheinenden Darstellungen von einigen hier über Russland stimmen, kann ich aber nicht wirklich beurteilen, da mir keine wirklich neutralen Informationen über die heutige Situation in Russland zugänglich sind.
      Aber selbst wenn es so ist, dass einige hier die Situation es Russland etwas zu positiv darstellen, halte ich das nicht wirklich für ein Problem, da es ja nur eine verschwindend kleine Menge ist gegenüber den Unmengen an Äußerungen in der deutschen Medienlandschaft, die Russland ständig und durchweg verteufeln.
      Es hilft allerdings auch nicht dabei der „Wirklichkeit“ nahe zu kommen und eine klare und vorurteilsfreie Sicht auf die Dinge zu bekommen.

      Ich selbst hoffe zwar auch, dass die Russen den Sack so schnell wie möglich zu machen und den Krieg beenden können – aber hauptsächlich deswegen weil ich dies für den schnellsten Weg halte die Verheerungen, die der Krieg in beiden Ländern und in der ganzen Welt ausgelöst hat und auch die weiteren Bedrohungen, die davon ausgehen, zu beenden oder zumindest geringer werden zu lassen.
      Davon nach den „Guten“ und nach den „Bösen“ in dieser Auseinandersetzung zu suchen, habe ich mich allerdings vollkommen verabschiedet. Nein, auch wer ein bisschen mehr böse ist, will ich nicht diskutieren. Bei dem Maß was alle Seiten schon zur Zerstörung beigetragen haben, fühle ich darin keinerlei Sinn.

    2. Ich finde auch, dass man es aushalten können muss. Das heisst aber nicht, dass man offenkundiger Falschinformation und absolutem Blödsinn zustimmen muss.

      Zum Beispiel bei der Informationsfreiheit in Russland. Die Russen können sich über Internet wie Satellit aus allen westlichen und ukrainischen Quellen informieren und tun das auch. Vor allem patriotische Russen, egal ob Kommunisten, (National-)Liberale der LDPR, Monarchisten oder Mainstream-ERler, tun das ausgiebig, vor allem, um damit den prowestlichen Liberalen eins auszuwischen. Sie zitieren genüsslich westliche Medien und deren schwachsinnige Desinformation.

      Da gibt es mehr Informationsfreiheit als bei uns. Ok, ich komme noch an RT.de ran, weil die DNS-Sperre einfach dilettantisch ist. Aber Zensur bleibt das, und mit sputniknews.com, strategic-culture.org und einigen anderen wird es schwieriger, die sind konsequenter zensiert, RT Live TV sowieso, und russisches Satelliten-TV gibt es nicht mehr. Gut, mit TOR kommt man noch an die Internet-Ressourcen, aber ich dachte immer, TOR wäre nur für Diktaturen. In Russland braucht man das nicht.

      Insofern sollte Herr Hübschen über Dinge schreiben, die er versteht. Auch das mit der Präsidentenwahl ist unwahrhaftig. Sicher war die Wiederwahl Putins von vorneherein klar. Aber 8 Kandidaten haben sich beworben, darunter auch die radikal proatlantische Xenia Sobtschak, und sie alle hatten gleich lange Sendezeiten für Debatten und Wahlwerbung in allen russischen Fernsehkanälen. Das war demokratischer als Präsidentenwahlen in den USA, wo man zig Millionen braucht, um nur zu kandidieren, und Fernsehzeit muss bezahlt werden, und nur die Hauptkandidaten kriegen Sendezeit.

      Wo Russland mit seinem Mehrparteiensystem wirklich undemokratischer ist als die USA oder Deutschland, erschliesst sich mit nicht. Dass es Missstände gibt, sicher.

      Offen gestanden, mir ist es sowas von egal mit den Visaschikanen gegen Russen. Das wird die Begeisterung für den Westen, mit der es immer weniger weit her ist, nicht wirklich verstärken. Es zeigt nur die Unanständigkeit der westlichen Regierungen. Freier Verkehr von Menschen und Ideen, ich schmeiss mich weg.

      1. Hi aquadraht, Two Moon, Knobloch und Borsalino!

        Ich bin der letzte, welcher alles in Russland schönredet. Es gibt dort viele Sachen, die grundsätzlich zu kritisieren ist, wie die arm-reich Spaltung, die Steuergesetzgebung, wie auch dort sich reiche Menschen am gesellschaftliche Aufbau entziehen und noch einige mehr. Sicherlich gibt es auch in Russland keine perfekte Demokratie. Aber, wie es Herr Hübschen tat, die Präsidentenwahl als undemokratisch zu bezeichnen ist und bleibt Westpropaganda, weil dann gibt es auch in den westlichen Staaten keine demokratischen Wahlen.

        Das es auch in Russland zu einer Verschlechterung der Meinungs- und Pressefreiheit, im Zuge des neuen Ost-West-Konfliktes bemängelt auch in manchen Artikeln Thomas Röper. Das man aber gar nichts gegen die Regierung und Putin sagen darf, ist schlicht falsch! So als würde man das gleiche hier in Europa behaupten. Das aber auch in Europa der Kopf beginnt zu stinken, zeigt sehr deutlich die Schicksale Assange, Snowden und viele mehr.

        Und auch im dritten Reich wurde die Verschärfung bis zum Ende die industrielle Tötung stand, mit kleinen Schritten eingeführt. Die ersten regiden Maßnahmen wurden schon vor der Wahl Hitlers von einer SPD-Regierung begonnen wurden.

  7. Herr Hübschen,
    ihr Text :
    „Meine Familie und ich haben eigene Erfahrungen dadurch sammeln können, dass wir von Ende 1986 – Ende September 1989 unter dem Herrscher Saddam Hussein im Irak gelebt haben, wo ich als Verteidigungsattaché bei der Deutschen Botschaft in Bagdad eingesetzt war“
    Jetzt möchten Sie der Leserschaft mitteilen was die Funktion eines Militärattache ist?
    Wer mal im Ausland bei einer deutschen Mission war, kann aufgrund der baulichen Begebenheiten erkennen, das diese Missionen mehr verfügen als nur einen Weltempfänger. Und natürlich hat der Militarattache einen diplomatischen Status und der Krieg im Irak wurde logistisch auch über D abgewickelt.
    Guten Tag

    1. Stellt sich die Frage, wie man sich heute so fühlt, wenn man als Militärattache eines Vasallenstaates für die Kriegsmaschinerie der Yankees (als kleines Rädchen) mitgewirkt zu haben?

      1. Herr Eckart,
        ‚wie er sich fühlt‘, müssten Sie Herrn Hübschen selbst fragen.
        Sein Text allerdings kann Aufschluss darüber geben über seine Gefühle.
        Das „kleine Rädchen“ ist m. E. nicht gerechtfertigt, als aktiver gilt immer das Protokoll unabhängig von einer privaten Ansicht! Die meisten Staaten wählen diplomatische Kandidaten nach sehr hohen Kriterien aus (zumindest,die Zeit vor den jetzigen).
        Diese Kandidaten müssen ‚100%‘ Loyalität für den Staat erweisen, denn Staaten agieren, planen nach Langzeitstrategien.
        MfG PRO1

        1. Das merkt man z.B. an der Auswahl des ukrainischen Botschafters für den Einsatz in Deutschland.
          War eine ausgesprochen treffende Auswahl – im gegenseitigen Einvernehmen – geil !

          1. Auch dieser ‚Akteur‘ hat wohl seine Position im „Krieg“ der Neuordnung sich verdient gemacht. Das Vokabular ist unter aller Sau, aber nicht die Positionierung.

            1. Ein Mensch der einen anderen tötet ist eine Mörder.
              Ein Mensch in Uniform, der das Gleiche tut, ist das wegen seiner Positionierung also nicht ?
              Eine tolle Logik 🙁

              1. Der Mensch hat wen getötet?
                Und was ist mit den Menschen im Hintergrund die keinen Tropfen Blut vergießen, aber trotzdem den Mörder weiter anstachelt?

                1. Du scheinst dich mit dem Thema „Mord und Totschlag“ besser auszukennen, als ich – darum beantworte dir die beiden Fragen auf deiner Parkbank doch selbst, bevor es dir dort noch zu langweilig wird.

  8. Ich habe nur ein sehr diffuses Bild von Russland, da ich schlicht zuwenig weiß, insofern waren mir die vermutlich unpassenden Vergleiche z.B. mit dem Irak nicht in dem Maße negativ aufgefallen, wie anderen Kommentatoren – wahrgenomen habe ich sie schon.
    Leider ist die geplante Reise nach St. Petersburg vorerst auf Eis gelegt, aber das ist ein anderes Thema.

    Doch der Autor stellt „die Frage (…), ob man ein Volk für das Handeln seiner politischen Führer mitverantwortlich machen kann“ in den Mittelpunkt seines Textes.
    Sein Fazit lautet, dass man das nicht tun sollte.

    Dazu drei Ergänzungen:

    Seit vielen Jahren tobt bei uns die Propaganda gegen Russland, sei es ein Putin am Steuer eines Kampfjets auf dem Spiegel-Titelblatt, Sendungen im DLF, wo sich 2 aus öffentlichen Geldern finanzierte (!) Menschen darüber austauschen, wie man Russland „wirtschaftlich den Arm auf den Rücken dreht“ (Quelle nicht mehr parat), die Beispiele sind unzählige.
    Laut Milosz Matuschek erleben wir einen polit-medialen Komplex (vgl. https://www.freischwebende-intelligenz.org/p/der-sommer-des-groen-aufwachens). Das ist ein treffender Ausdruck um zu beschreiben, wie die Presse ihre Funktion als 4. Gewalt aufgegeben hat. Zu Corona war bereits zu beobachten, wie die Medien nicht mehr kritisch hinterfragt haben, sondern sich nur noch als Stichwortgeber angedient haben, und quasi einen Wettbewerb befeuert haben, wer die schärfsten Maßnahmen bringt.
    Nun ist es gerade genauso, nur dass es gegen Russland und alles russische geht. Vor dem Hintergrund, dass die Medien nur noch wenig eigene Recherche, dafür umso mehr Agentur-Verlautbarungen bringen, die wiederum sehr selektiv sind (https://swprs.org/der-propaganda-multiplikator/), fällt es schon schwer, noch einen klaren Blick auf die Verhältnisse zu werfen.
    Insofern ist das Bild von Herrn Hübschen sehr rosarot, was diesen sogenannten Westen betrifft.
    Das Pentagon beschäftigt 27.000 PR-Berater (https://www.tagesanzeiger.ch/27-000-pr-berater-polieren-image-der-usa-631302390683), da weiß man, woher der Wind weht. Von der ewigen US-amerikanischen Russland-Obsession müssen wir uns frei machen, wie auch generell von deren Vormundschaft. „Frieden in Europa ist nur mit Russland möglich“ haben schon schlauere als ich gesagt, dafür müssen wir uns von den USA emanzipieren. Auch wenn das mit dem derzeitigen Personal die Phantasie strapaziert…

    Dann finde ich es äußerst beschämend, dass in Deutschland wieder dermaßen gegen Russland gehetzt wird, nachdem unsere Vorfahren (meine beiden Großväter waren im WK2, einer davon in der SU) so unermessliches Leid über unsere Nachbarn gebracht haben.

    Für ein friedliches Europa wäre ein zivilisiertes Verhalten den Nachbarn gegenüber das Mindeste. Aber gegenüber Russland, wie auch anderen Osteuropäischen Ländern, sind wir nach wie vor in der Pflicht.
    Gegenüber Juden (zu Recht) und Israel (nun ja) wir die Verpflichtung wie eine Monstranz vor sich hergetragen – Scham und Wut spüre ich, wenn unser Führungspersonal vollkommen geschichtsvergessen andere Verpflichtungen ausblendet!

    Last not least aber, was ich auch versucht habe meinen Kindern zu vermitteln: man möge sich doch bitte so verhalten wie man es für richtig hält, und sich nicht von anderen nur noch zu Reaktionen verleiten lassen. Sind denn die angeblich so großartigen westlichen Werte es doch nicht wert, dass man sie auch hoch hält, wenn es mal nicht so passend scheint?

    Freizügigkeit ist z.B. in Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in Artikel 45 der EU-Grundrechte-Charta garantiert. Mit Einschränkungen, aber wollen wir unsere Werte so schnell zur Disoposition stellen?

    Was ist mit der Würde, wenn man Russen die Türe vor der Nase zuschlägt?

    Ich frage mich, was Menschen wie Bärbock oder Strack-Zimmermann so gänzlich alle Zivilisation vergessen lässt, sobald es gegen Russland geht – Abwertung wegen der Nationalität nenne ich Faschismus.

    Ich will nicht so sein, und ich will erst recht nicht, dass meine Repräsentanten und -onkels sich so aufführen, ich möchte mit Russen, Ukrainern, und den übrigen europäischen Nachbarn mindestens zivilisiert und gleichberechtigt leben.

    Leider hat sich die Bundesregierung (wie auch die EU) gegenüber Russland komplett unglaubwürdig gemacht, und nahezu jeglichen diplomatischen Handlungsspielraum verspielt. Erbärmlich, dass real aktuell nur die Großmacht vom andern Kontinent ein ernstzunehmender Verhandlungspartner für Russland wäre – wenn die USA nicht viel lieber den Stellvertreterkrieg durch die Ukraine, und auf Kosten der Ukraine, fortführen ließen.
    Inklusive Waffen und Ausbildung aus D.

    Wie zynisch und menschenverachtend.

    1. Unsere Politiker haben sich schon lange vom Volk, deren Wünsche und Bedürfnisse abgekoppelt. Siehe Aussage vom Scholzomat zum Benzinpreis, welchen er nicht kennt und treudoof dabei zu gibt, dass das dumme Volk ihn ja durchfüttert. Oder Habeck der mit Vaterlandsliebe nichts am Hut hat und jetzt erstmal den Ostdeutschen großflächig das Benzin/ Diesel und mehr durch die baldige Stilllegung des PCK Schwedt massiv verteuert und verknappt. Und andere Industriezweige gleich mit abwickelt, vertreibt und ruiniert. Oder Lindner der dem normalen Volk „Mitnahmementalität“ vorwirft, aber die Mitnahmementalität der Extremreichen durch Erbschaftssteuergesetz, Steuerschluplöscher, keine real stattfindende Steuerprüfung, Dienstwagenbesteuerung extrem begünstigt und nicht erwähnt geschweige denn anprangert. Oder unsere Völkerrechtlerin Annalena deren Schulung ein Jahr in London Dank Finanzierung von Soros stattfand und wo man an den 365 Tagen und in den jeweils 8 Stunden Unterricht zwei Sätze ständig und immer wieder aufgesagt und auswendig gelernt hat, bis es als einzigstes Vaterunser akzeptiert war!
      Die zwei Sätze lauten:
      Paragraph 1: Die USA haben immer Recht.
      Paragraph 2: Sollten die USA mal nicht Recht haben, tritt automatisch Paragraph 1 in Kraft.

      Übrigens Kosma, Dein Beitrag war alles andere als diffus. Der war sehr lesenswert.

  9. Ex negativo verstanden ist es also laut Hübschen statthaft, Menschen, die eine missliebige politische Meinung vertreten die Reisefreiheit einzuschränken…

    Zweiter Gedanke: Vergessen wir nicht, ein Grossteil der Menschheit ist von der Reisefreiheit de facto ausgeschlossen.

  10. Nunja, Demokratie!?? im Westen!?
    Wenn man bedenkt, wie Wahlkreise in den USA geändert wurden, damit Schwarze nicht zum Zuge kommen und dass sich Wähler mit dem Führerschein ausweisen müssen, wobei viele Schwarze und Arme eben keinen besitzen, dann weiß man, was man von der US-Demokratie zu halten hat.
    Und was die hiesige Demokratie wert ist, sieht man spätestens seit der Coronahysterie und nebenbei aus der wissenschaftlich erwiesenen Tatsache, dass egal, welche Parteien gerade am Zuge sind, die Bedürfnisse und Anliegen der unteren 30% der Bevölkerung praktisch keine Rolle spielen in der Umsetzung.
    Wer also von der westlichen „Demokratie“ nicht reden will, sollte über die der Russen schweigen.

  11. Als Zweiter ind der Kommentatorenliste bin ich an dieser Stelle dann wieder „begeistert“, wie schnell jeweilige Statements in persönliche Diffamierung untereinander abgleiten. Schade und schämt euch.
    Vielleicht noch eine letzte Anmerkung: Nicht-Mainstream-Medien, ob Anti-Spiegel oder (vielleicht auch?) Overton-Magazin oder diverse Youtube-Kanäle oder..oder…oder, werden heutzutage scheinbar immer weniger hinterfragt, als sogenannte Mainstream-Medien. Ich warte mit Sorge auf die Zeit, wenn sich der Wind dann völlig gedreht hat, und dann der neue „Mainstream“ die vorherrschende Meinung vertritt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.