Das Versagen der westlichen Medien

I, Levchuk Volodymyr (UAWeBeR), CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Die westlichen Medien überbieten sich seit Beginn der Ukraine-Krise in Lügen, Gemeinheiten und – wo es ins Konzept passt – geheuchelter Anteilnahme und inszenierter Empörung. Wolfgang Bittners Textauszug aus seinem Buch »Die Eroberung Europas durch die USA« von 2017 hat an Aktualität nichts eingebüßt. Im Gegenteil.

Wie ist ein solches Versagen auf ganzer Linie möglich – so fragen wir uns. Wir wissen es, seit bekannt wurde, dass nicht nur viele der führenden Politiker, sondern ebenso Journalisten in maßgeblichen Positionen Think-Tanks und anderen Vereinigungen angehören oder nahestehen, die von staatlichen Stellen, zum Beispiel dem US-Außenministerium, der CIA oder sonstigen interessierten Organisationen und Konzernen finanziert werden. Dazu gehören die Atlantik-Brücke, Goldman Sachs Foundation, The American Interest, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, Atlantische Initiative und Münchner Sicherheitskonferenz.

Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger, der über die Verbindungen deutscher Anchor-Journalisten zu außen- und sicherheitspolitisch aktiven Eliten geforscht hat, veröffentlichte seine beängstigenden Ergebnisse 2013 in dem Buch »Meinungsmacht«. Er hat beobachtet, dass sich Journalisten in verschiedenen Zirkeln mit einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft treffen und sich dieses Eingebundensein in ihrer journalistischen Arbeit niederschlägt. Er nennt
Namen: »Am auffälligsten war der Befund, dass vier leitende Journalisten der Süddeutschen (Kornelius), der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Frankenberger), der Welt (Stürmer) und der Zeit (Joffe) stark in US- und NATO-affinen Strukturen eingebunden sind.«

Die NATO-Osterweiterung wird praktisch nie erwähnt

Albrecht Müller schrieb dazu: »Die Liste der ähnlich mit Eliten verwobenen Journalistinnen und Journalisten wäre gewaltig zu erweitern, wollte man ein komplettes Bild der Einflussnahme zeichnen. In meiner Darstellung fehlen Spiegel und Spiegel Online, die Bild-Zeitung, die kommerziellen Sender und große Regionalzeitungen. Überall ist die Gleichrichtung spürbar.«

Der Schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser lenkte den Blick auf die Berichterstattung über das Nordatlantische Verteidigungsbündnis: »Die NATO hat in verschiedenen Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz befreundete Journalisten, welche immer im Sinne der NATO schreiben. Das nennt man ›Information Warfare‹. Das ist Teil des Krieges … Seit Vietnam haben die USA gelernt, dass die Heimatfront ganz wichtig ist. Daher verfolgt man die einfache Technik: Den Gegner, in diesem Fall Putin, dämonisieren, Chaos schüren und die eigene Gewalt verdecken und Spuren verwischen.«

Ganser, der über »NATO-Geheimarmeen« geforscht hat, fährt fort: »Man kann mit Fug und Recht feststellen, dass es eine Art ›NATONetzwerk‹ in den Medien gibt. Kritische Fragen zum 9/11-Bündnisfall sind völlig tabu. Auch bei der Ukraine ist es wieder dasselbe, Pro-NATO, Anti-Putin. Sie können das einfach erkennen, wenn Sie beobachten, wie der Spiegel, die NZZ, die Süddeutsche, die FAZ, Newsweek, CNN sowie ZDF und ARD fast alle in die gleiche Kerbe hauen: In fast jedem Bericht zur Ukraine ist Putin der Böse. Die NATO-Osterweiterung wird praktisch nie erwähnt. Die Hintergründe des Regierungssturzes in Kiew werden nicht ausgeleuchtet.«

Herstellen von Zustimmung

Über seine Medien-Erfahrungen sagte Ganser: »Als ich Pro7 und Sat1 Anfang September ein Interview gab und die NATO-Osterweiterung kritisierte – die schickten damals extra einen Kameramann nach Basel während des NATO-Gipfels in Wales –, erhielt ich danach den Bescheid, man habe das Interview leider doch nicht senden können wegen der rasanten Entwicklung im Laufe des Tages. NATO-Kritik hat keinen Platz in den Massenmedien der NATO-Länder. Noam Chomsky hat das ›Manufacturing Consent‹ genannt, also das Herstellen von Zustimmung, Zustimmung zum Krieg am Ende.«

Es ist offensichtlich und zutiefst beschämend: Die westlichen Medien, die in ihrer Mehrheit schon lange nicht mehr ihrer Aufgabe als »vierte Gewalt im Staate« nachkommen, berichten »staatstragend« im Sinne der Regierenden und ihrer verlogenen, brandgefährlichen Konfrontationspolitik. Der Schwerpunkt westlicher
»journalistischer Tätigkeit« liegt in der willkürlichen Verurteilung Putins und Russlands. Während die Brandstifter für die Ukraine-Krise unter den Politikern und Agenten der USA und EU zu suchen sind, haben die Medien die Rolle des Brandbeschleunigers übernommen.

Van Wolferen analysiert das wie folgt: »Um die europäische Medienloyalität gegenüber Washington in Sachen Ukraine und das sklavische Verhalten europäischer Politiker ins rechte Licht zu rücken, muss man den Atlantizismus kennen und verstehen. Es ist ein europäischer Glaube. Er ist natürlich nicht zu einer offiziellen
Doktrin geworden, funktioniert aber wie eine … Unnötig zu sagen, dass der Atlantizismus ein Kind des Kalten Krieges ist … Washington kann unerhörte Dinge tun und den Atlantizismus dennoch intakt lassen.«

Auf Kosten der Lebensbedingungen der Völker …

Journalisten, die der Objektivität und wahrheitsgemäßen Berichterstattung verpflichtet sein sollten, betreiben Meinungsmache und schärfste Propaganda in einer Weise, die für den gesunden Menschenverstand der Leser, Zuhörer und Zuschauer zutiefst beleidigend ist. Immer mehr Menschen scheinen das zu erkennen – das gibt Hoffnung auf einen zukünftigen Politikwechsel.

Ein »Aufruf gegen Kriegspropaganda und Kriegsvorbereitung« vom 25. Mai 2014, der von etwa 10000 Bürgern unterzeichnet wurde, enthält die Sätze: »Alle Europäer, die Frieden wünschen, haben Grund zur Sorge und zum Protest: Der Konflikt um die Ukraine ist das Resultat der EU- und der NATO-Erweiterung. Die EU hat mit der Durchsetzung des Assoziierungsabkommens – und hier besonders der wirtschaftlichen und militärischen Elemente – wesentlich zur Entstehung des Konflikts um die Ukraine beigetragen. Offenkundig versuchen die USA und die EU, mit ihrer einseitigen Unterstützung der antirussischen und faschistischen Kräfte in der Ukraine, Russland militärisch einzukreisen. Die Stationierung von NATO-Truppen an der russischen Grenze eskaliert die Situation weiter. Es geht der Appell an alle Konfliktseiten (die Kiewer ›Regierung‹, Akteure vor Ort, die NATO, Russland, die EU), keine militärischen Mittel einzusetzen.«

In einem weiteren Aufruf fordern zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, »alle diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Konflikte in der Ukraine zu lösen«, sowie »den Stopp von ökonomischen ›Strafmaßnahmen‹, die letztlich auf Kosten der Lebensbedingungen der Völker gehen«.

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10 Kommentare

  1. Wofgang Bittner zu lesen oder zu zuhören, ist immer ein Gewinn. Auch wenn das Buch von 2017 also 5 Jahre alt ist, wirken die Worte doch hoch aktuell.

    Erster Teil JAAAA!!!! Nur dieserTeil nach dem Bindestrich – dieses Abschnitt wirkt für mich nicht mehr passend:
    „Journalisten, die der Objektivität und wahrheitsgemäßen Berichterstattung verpflichtet sein sollten, betreiben Meinungsmache und schärfste Propaganda in einer Weise, die für den gesunden Menschenverstand der Leser, Zuhörer und Zuschauer zutiefst beleidigend ist. Immer mehr Menschen scheinen das zu erkennen – das gibt Hoffnung auf einen zukünftigen Politikwechsel.“

    Ich sehe keine Kraft in Deutschland, die es schafft, die betroffenen Massen in eine starke Opposition zu bündeln.

    Die AfD sollte sie wirklich mal an die Macht kommen, wird alles soziale Versprechen abgestreift wie eine Schmetterlingspuppe ihren Kokon verläßt und schöner und größer durch die Landschaft fliegen als je zuvor. Genau so hat ja der Politiker Franz Müntefering, das Verhalten seiner Berufskollegen auf den Punkt genau beschrieben: „Es ist unfair, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen.“ (1)
    Die Linke verstrickt sich in sinnlosen Grabenkämpfen, hat ihre soziale und friedenspolitische Agenda den Drang zu den Trögen der politischen Macht mit den privaten finanziellen Vorteilen gekoppelt (2). Hinzu kommt, dass dieses politische Personal der Linken, welche das sagen haben, als jahrelange Berufspolitiker in Partei und Staat (Berlin, Brandenburg, Thüringen) so finanziell abgekoppelt von der Schicht leben, welches sie angeben zu vertreten, dass sich dieses Klientel am unteren Ende sich von denen nicht mehr verstanden fühlt.
    Die SPD oder die OlivGrünen? Über diese „möchtegernlinken Parteien brauchen wir vor und nach der letzten Bundestagswahl NICHT zu sprechen.

    Und die Friedenstauben, die sind müde.
    Die hören den Donner der Kanonen schon nicht mehr.

    Also, wer soll der linke Häuptling sein? Oder unsere linke Göttin?

    (1) https://www.nachdenkseiten.de/?p=81991
    (2) https://www.nachdenkseiten.de/?p=85369

  2. Ich denke, man muss hier nicht bei den Medien, sondern bereits viel eher, nämlich bei den Nachrichtenagenturen ansetzen. Oftmals ist z.B. dpa ganz vorn mit dabei, Nachrichten mit Schlagseite auszuwerfen. Da werden wichtige Details weggelassen und die breite Masse der Redaktionen (sofern vorhanden und nicht bereits zusammengelegt), übernimmt diese Meldungen ohne sie zu hinterfragen.
    Generell glaube ich, dass das ganze (Mainstream-)Mediengeschäft fest in den Händen der Mächtigen ist, und die Bürger absolut manipuliert werden. Dieser Umstand wird ein Grund sein, warum es schlecht für unsere repräsentative Demokratie steht. Ich sehe da keinen Hoffnungsschimmer.

  3. Hi Peter,

    Richtig! Die westlichen Masesnmedien machen genau das, für was sie bezahlt werden.

    Die westlichen Masesnmedien sind aber genau das NICHT, was sie uns erzählen, also unabhängig, objektiv, recherche offen, nah am Volk, der strenge Beobachter der Regierung usw.

  4. Ich ärgere meine WG gerne indem ich von Propaganda Blättern spreche.
    Hören sie nicht gerne, meine linken Mitbewohner*innen das wir eigentlich Propaganda abboniert haben.
    Alternative Informationen und kritischer Journalismus sind scheinbar alle ins Internet abgewandert.
    Auf Papier gibt’s halt nur Gehirnwäsche.

  5. Das ist zwar alles richtig was in den Kommentaren geschrieben wird. Aber wie üblich ignoriert man, dass die Mehrheit der Medien Konsumenten, und nichts anderes als Kosumenten sind sie, keinerlei Problem damit haben.
    Die sind felsenfest davon überzeugt, dass man ihnen nichts als die Wahrheit vorsetzt und sie werden schnell ärgerlich. wenn man das in Frage stellt.
    Grundlegend zum Verständnis der makaberen wahrheit ist ist nach woie vor Albrecht Müllers Artikel in den Nachdenkseiten, wo er schreibt, „Eine harte Trennungslinie unserer Gesellschaft läuft zwischen aufgeklärt und ahnungslos“ https://www.nachdenkseiten.de/?p=84151

    Der Riss geht, wie auch schon bei Corona durch viel Beziehungen, auch durch Familien und Freundschaften…
    Leider geht er weder durch die Medien, noch durch politische Parteien

  6. Aus der Aufgabe als „Vierte Gewalt“ wurde eine Fünfte Kolonne, die, aus welchen Gründen auch immer,
    Nachrichten verschweigt, die nicht ins Schema pasen. Es wird also auf die gewünschten Nachrichten hingearbeitet. Sowas nennt man eigentlich nicht Berichterstattung, sondern Manipulation.
    Natürlich wollen die meisten User kurze, griffige Neuigkeiten haben, ehe sie sich wieder ihren eigenen Problemen widmen müssen. „Wir sind Papst“- das Elend begann mit Axel Springer und ist längst bei Spiegel-Online angekommen. Und bei der SZ , und bei … und … .

  7. Es gibt immer wieder gut recherchierte Artikel. Leider kommt oftmals der Verdacht auf, dass die Überschriften und das Fazit von anderen Personen geschrieben wurden. Die Einfügungen sind oft krass widersprüchlich zur Recherche bzw. verbiegen deren Inhalt.
    Aber was solls, meist ist die beabsichtigte Wirkung des dreigeteilten Artikels gegeben. Die Überschrift und das Fazit erzielen Wirkung zumal wenn der Mittelteil vollkommen in Ordnung ist.
    Trotz allem besteht doch noch Hoffnung auf eine Information ohne Propaganda. Zeigt es doch, dass es noch seriöse Journalisten gibt. Leider weniger seriöse Herausgeber.
    Ich freue mich dann über eine gute Recherche und bedauere gleichzeitig Verfasser des Artikels.

  8. https://www.zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-12-13-vom-20-juli-2022.html#article_1379

    ^
    «Putin ist nicht von Europa abhängig»

    von Thomas Kaiser

    Eine Tageszeitung titelte: «Europa ist Putin nicht ausgeliefert.» Dieser Titel erstaunt nicht, passt er doch zum gängigen Narrativ in der westlichen Medienwelt. Man wirft Putin in verschiedenen Zeitungen Erpressung vor und beschuldigt ihn, «Erdgaslieferungen als Waffe» zu benutzen. Die westlichen Spekulationen, ob Nord-Stream 1 nach den notwendigen Wartungsarbeiten werde in Betrieb genommen wird bzw. ob die in Kanada revidierte Turbine, die dort blockiert ist, wieder eingesetzt werden könne, gehören zur medialen Stimmungsmache. Die Berichterstattung über die aktuellen Entwicklungen im (Wirtschafts-)Krieg zwischen Russland und der EU bzw. Nato lassen den Schluss zu, dass alle bestehenden Krisen das Resultat der russischen Aggression sind. Doch das ist kaum an der Realität orientiert.

    Wo bleibt die Vernunft?

    Wo sind die vernünftigen Stimmen? Wo ist die Schweiz mit ihrem Potential in der Friedensvermittlung und Mediation? Man hört nichts.

    Es sind Sommerferien. Man darf wieder fliegen: auf die Malediven, in die Karibik, auf Gran Canaria, auf die Seychellen etc. Der Krieg läuft weiter und hat immer noch das Potential zum ganz grossen Krieg. Wird nicht vermittelt, sterben die Menschen weiter. Wie war es doch in der Juli-Krise 1914? Die Grossmächte setzten auf Konfrontation, während die Bevölkerung an den Stränden des Atlantiks, des Mittelmeers sowie der Nord- und Ostsee unbeschwert die Ferien genoss. Das jähe Erwachen mit Generalmobilmachung und Kanonendonner holte die ahnungslosen Menschen in die brutale Realität eines fürchterlichen Kriegs, der über vier Jahre dauerte, Europa zerstörte und 20 Millionen Tote zurückliess. Damals hatte die Diplomatie versagt, weil die Regierungen und das Militär auf Krieg eingestellt waren, um das Machtgerangel in Europa zu beenden und um mit «allen Kriegen für immer Schluss zu machen». Weit gefehlt.

    Wenn nicht ernsthaft nach einer Lösung im Sinne der kollektiven Sicherheit gesucht wird, kann es am Ende der Sommerzeit auch für die europäische Bevölkerung ein böses Erwachen geben. Der Westen lebt in einer Scheinillusion, dass er den Lauf der Welt bestimmen könne, wie er es spätestens seit der Kolonialzeit getan hat. Das entpuppt sich mehr und mehr als Trugschluss. Asiatische und afrikanische Staaten lassen sich nicht länger am Gängelband des Westens führen. Sie haben einen anderen Blick auf die Welt und vor allem haben sie Jahrzehnte erlebt, was es heisst, von den Europäern bevormundet und gedemütigt zu werden. Auf gut deutsch gesagt, haben sie «die Schnauze voll».

    Die am Anfang zitierte Überschrift müsste daher lauten: «Putin ist nicht von Europa abhängig.» Diese Sichtweise würde die Tür für ernsthafte Friedensgespräche öffnen.

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