
Die Bundesregierung hat einen russischen Angriff ausgerufen – und sich damit selbst zur Eskalation verdammt. Friedrich Merz könnte bald feststellen, dass er mit Wladimir Putin mehr gemeinsam hat, als ihm lieb sein dürfte.
Beweise blieb die Bundesregierung der deutschen Öffentlichkeit schuldig – die Behauptung allein musste reichen: Die Sprengstoffdrohne, die Anfang August auf dem Leipziger Flughafen gefunden wurde, sei russischen Ursprungs. Bereits am Dienstagmittag dieser Woche kündigten die Medien an, dass die Bundesregierung vor die Presse treten wolle, um die Angelegenheit darzulegen – es blieb bei Beteuerungen und Bekenntnissen, Beweismaterial hatten die Minister Wadephul und Dobrindt nicht vorzuweisen. Der Bundeskanzler selbst trat gar nicht erst vor die Presse. Einen Tag später wurde zwar vermeldet, dass es Tatverdächtige gäbe. Aber auch das stellt keinen Beweis dar. Deren vermeintliche Nähe zu Russland ist bestenfalls ein Indiz – und selbst dafür reicht es eigentlich nicht.
Mit der Angelegenheit bringt sich die Bundesregierung nun massiv unter Druck. Sie simuliert – so muss man es sagen, solange keine Beweise vorliegen – einen Angriffsfall und bringt sich selbst unter Zug- und Handlungszwang. Die deutsche Presselandschaft strotzt nur so vor Begeisterung, unterstützt die ergriffenen Maßnahmen als Reaktion auf den vermeintlichen russischen Angriff publizistisch. Die Hardliner haben Oberwasser bekommen, wittern nun endgültig ihre Chance, das Land massiv gegen Russland zu richten – ein zögerlicher Bundeskanzler ist unter diesen »simulierten Zuständen« nicht mehr denkbar. Wenn Friedrich Merz nun zaudert, kann ihn das mehr als alles andere – mehr als die parteiliche Zerrissenheit, mehr als die Unbeliebtheit in der Wahlbevölkerung, mehr als die drohenden miserablen Wahlergebnisse – das Amt kosten.
Ab jetzt wird die Bundesregierung vor sich hergetrieben
Ja, selbst wenn es sich um einen russischen Angriff gehandelt haben sollte, hätte die Bundesregierung unter diesen Vorzeichen wohl in ihrem Sinne besser gehandelt, wenn sie die Angelegenheit nicht so hoch gehängt hätte. Das hätte den Druck der Öffentlichkeit – angefeuert durch die veröffentlichte Meinung – kleingehalten und sie in dem ohnehin engen Raum der politischen Realitäten in kleinen Dosen handlungsfähig gehalten. Nun aber hat sich die Bundesregierung – wenn man so will: ohne Not – selbst in die Enge getrieben und zum Spielball der Hardliner und ihrer Schriftführer degradiert. Ab jetzt kann sie nicht mehr zuwarten, stillhalten und drastische Schritte ausblenden. Sie hat die Stimmung angeheizt und einen Angriff von außen stilisiert, den die Meinungsmacher im Lande nun gnadenlos ausnutzen, um die Regierung des Friedrich Merz endgültig vor sich herzutreiben.
Eine solche Stimmung kam nicht auf, nachdem der Vorwurf im Raum stand, dass unter Hilfe von US-Diensten die Pipeline in der Ostsee gesprengt wurde – jeder Ansatz, der die amerikanische Mitwirkung thematisierte, wurde von denselben Meinungsmachern, die sich nun in völliger Verzückung wegen der als russisch »enttarnten« Aktion in Leipzig befinden, glattgebügelt und als dreiste Verdrehung der angeblichen Wahrheit hingestellt. Nun aber hat sich der Wahrheitskomplex darauf verständigt, die »Russendrohne« auszuschlachten, um endlich Konsequenzen einzufordern, die Russland in die Knie zwingen soll.
Für die Bundesregierung bedeutet das von jetzt ab: Sie wird vor sich hergetrieben – sollte sie auch nur einen Moment darüber sinnieren, gewissen Entwicklungen im Ukrainekrieg mit Besonnenheit zu begegnen – vielleicht gibt es solche lichten Augenblicke ja selbst im Kabinett Merz –, wird sie den Druck verspüren, den sie selbst entfesselt hat, indem sie einen »Angriff auf Deutschland« präsentierte. Sie ist nun in einer Lage, in der sich Wladimir Putin seit geraumer Zeit befindet. Über Jahre hat der russische Präsident die Beteiligung westlicher Staaten in der Ukraine ignoriert und nicht beim Namen benannt. Diese Bereitschaft, im Falle der Mitwirkung europäischer Nachbarländer wegzusehen, war dabei nur einer Überlegung geschuldet: Hätte die russische Regierung zugegeben, dass der Westen direkt und unmittelbar in der Ukraine beteiligt ist – indem er Inspektoren, Fachleute, Ausbilder etc. nach Osteuropa schickt –, wäre sie wegen kriegerischer Akte gegen das eigene Land zum Handeln gezwungen gewesen. Die Hardliner und Falken in Russland saßen ihm längst im Nacken. Die russische Öffentlichkeit hätte womöglich schnell Konsequenzen gefordert.
Der letzte gemeinsame Nenner
Im Westen vergisst man oft – oder hat es im Sinne des gängigen Narrativs längst verdrängt –, dass Wladimir Putin ein moderater Politiker ist. In Russland haben sich mittlerweile andere Kräfte formiert, die wesentlich weniger besonnen auf die westliche Involvierung reagieren würden, als es der amtierende russische Präsident tut. Längst wird über atomare Abschreckung gesprochen – über Denkzettel für Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Tote Zivilisten gelten bei diesen Überlegungen nicht als Kollateralschäden, sondern sind als Teil der Zurschaustellung russischer Widerständigkeit eingepreist. Wie lange kann Putin diesem Druck noch standhalten?
Eine Frage, die nun zunehmend auch der deutschen Bundesregierung zu stellen sein wird. Denn sie hat nun die Büchse der Pandora geöffnet. Wie will sie nach so einem »Geständnis«, wie es Wadephul und Dobrindt am Dienstag verbreiteten, nochmals deeskalieren? Von nun ab gibt es nur die Eskalation – sie wird, so sie sich im Amt halten will, den Forderungen der Trommler und Kriegsbegeisterten, die dummerweise auch noch publizistische Reichweite haben, folgen müssen. Jede Schwäche wird man ihr von jetzt ab gnadenlos um die Ohren hauen – eine Bundesregierung, die nach diesem Dienstag, auch nur für einen Augenblick zurückhält, wird man als nationale Gefährdung brandmarken. Was der Bundesregierung demnach bleibt: Attacke, wann immer der Druck zu hoch wird. Der Spannungsfall ist zum Greifen nahe – selbst wenn die Bundesregierung ihn nicht wollte, woran man zweifeln darf, wird sie ihn früher oder später umsetzen müssen.
Vermutlich war jeder Krieg der Geschichte vermeidbar. Aber es gibt immer einen Moment, an dem die Eskalationsspirale so stark überdreht wurde, dass der Krieg nicht mehr zu verhindern war, ganz gleich, welche Mittel man dann noch zu ergreifen bereit ist. Nie war Friedrich Merz der Lebensrealität Wladimir Putins so nahe wie jetzt. Beides sind Regierungschefs, die mehr und mehr Getriebene sind. Sie stecken mittendrin in der Dynamik, die sich kaum noch kontrollieren lässt, wollen sie politisch nicht untergehen. Für jeden Staatsmann – seien wir mal so gnädig und wenden dieses Wort auch für Merz an – ergibt sich irgendwann im Krieg der Punkt, an dem er nicht mehr Herr des Geschehens ist, sondern zur Boje im peitschenden Wasser herabsinkt. An dieser Stelle befinden sich nun Merz und Putin gleichermaßen. Das ist so gesehen der letzte gemeinsame Nenner, der beide verbindet. Wenn sich beide dieser Parallelität bewusst würden, gäbe es vielleicht noch etwas Hoffnung auf einen Kurswechsel und ein Stückchen Vernunft. Sollte ihnen nicht klar werden, dass sie in derselben Situation stecken, wird die jeweilige Getriebenheit dieser Männer in einer Katastrophe für den eurasischen Kontinent enden. Das dürfte dann auch das Ende der europäischen Geschichte werden.
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Die Ukraine gehört BlackRock, dem Biden-Clan, der City of London etc.
Friedrich Merz ist der Beste Kanzler den Blackrock jemals bekommen konnte und der genau die Politik macht die von Blackrock erwartet wird. Privatisierung der Sozialsysteme, Militarisierung der BRD (Kriegstüchtigkeit) – da es den Interessen der nationalen und Internationalen Konzerne dient, bleibt er auch Kanzler.
Siehe auch: https://karat.substack.com/p/how-private-equity-took-over-the
Auszug:
„Es gab eine Zeit, da wartete der Waffenhändler im Flur. Er finanzierte den Wahlkampf, stattete die Denkfabrik mit Geld aus, lud den General zum Abendessen ein und hoffte, der Mann im Büro würde sich an ihn erinnern, wenn es um den Vertrag ginge. Die Grenze zwischen Geld und Entscheidung war dünn, oft korrupt, aber sie existierte. Jemand besaß das öffentliche Vertrauen, und jemand anderes versuchte, es zu kaufen – und man konnte die beiden zumindest unterscheiden. Diese Mauer ist gefallen . Der Finanzier wartet nicht länger im Flur. Er hat das Büro inne. Er unterschreibt die Schecks. Er ist Käufer und Verkäufer, Regulierungsbehörde und reguliertes Unternehmen, öffentliches Interesse und privates Portfolio – alles vereint in einer Person, im Anzug. Und diese Vereinbarung ist völlig legal, was genau das Problem ist. Einer dieser Männer dürfte Ihnen bereits aus meinem vorherigen Artikel bekannt sein . Sein Name ist Friedrich Merz.“
Lesenswert
„Es ist bedeutsam, dass die deutsche Regierung ihre neue Eskalation gegen Russland ausgerechnet am 1. September verkündet, dem Tag, an dem Hitler den Zweiten Weltkrieg begann. Auch damals fingierten die Nazis einen Anschlag auf einen Radiosender in Gliwice, um den Überfall auf Polen propagandistisch zu rechtfertigen. „Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!“, erklärte Hitler damals vor dem Reichstag. Heute kehrt die herrschende Klasse zu den gleichen Methoden zurück.“
Quelle: https://www.wsws.org/de/articles/2026/09/02/ulve-s02.html
@BR Aber wer in Deutschland weiß denn 2026 solche historischen Details 📋🔎 📌?
Vier von drei Deutschen können ohne Smartphone nicht (mehr) rechnen und die/der/das 5. glaubt, Hitler wäre ein „Linker“ gewesen, weil er angeblich ein Veganer 🥬 war.
Der 6. ist ein Ex-CDU-Politiker, Mitbegründer und „Ehrenvorsitzender“ der 🔷 AfD und verharmlost und beschönigt das braune Terror-Regime von 1933 bis 1945 und behauptet, das Dritte Reich wäre ein 🐦💩 „Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ gewesen.
Wir wissen nicht, was Putin antreibt. Aber sein Laden läuft offenbar ganz gut.
Wir wissen aber, dass Merz seine deutsche Vergangenheit antreibt. Und leider viele andere auch.
Krieg ist unvermeidlich und existiert permanent. Wir schauen nur nicht hin, außer er geschieht bei uns.
Die „Journalistinnen“ und „Journalisten“ 🗞️ 📰 von FAZ und anderen deutschen Mainstream-Propaganda-Medien und die 💰 Lobbyisten der Rüstungsindustrie sind sicherlich begeistert davon, dass der Vorfall so hoch gehängt wird ⬆️ ⎺ und gleichzeitig entäuscht darüber, dass er nicht noch höher ⬆️⬆️ ▔ gehängt wird:
Der 🇷🇺 Russe war es. Wer denn sonst? Schließlich hat Putin auch seine eigene Gas-Pipeline in der Ostsee sprengen lassen, damit Deutschland und Europa das teure und dreckige Fracking-Gas aus den USA kaufen muss. Macht ja auch Sinn oder?
Wer braucht schon
▶ konkrete und belastbare Beweise 🕵️🔬 🔎🔢 ⚖️,
▶ objektive Belege 📑📄 🧾 📚 und
▶ nachprüfbare Fakten ℹ️ 📋 ✔️,
wenn er für den großen Imperator aus den USA im Namen der „Freiheit“ und der „Demokratie“ einen Stellvertreterkrieg 👥 ⚔️ 🪖 💥 🔥 💀 ⚰️ 🪦 gegen Russland führt?
Allein die Vermutungen und Behauptungen sind für die Kriegstreiber der Mainstream-Propaganda-Presse vollkommen ausreichend, aber Propaganda gibt es bei der FAZ nicht.
Wie war das nochmal mit der Brutkastenlüge 🏥 🍼👶 🤥 vor dem Zweiten Golfkrieg 1990/91. Alles schon wieder vergessen? Viele Menschen denken offenkundig nur vom 🥐🧇☕ bis zum 🍽️ 🍲🍕🍷🍺. Viel Spaß und viel Glück im Krieg. Die Journalisten der bürgerlich-konservativ-liberalen FAZ kämpfen und sterben sicherlich nicht an Front. Die kämpfen im „Home-Office“ und/oder im klimatisierten Büro am Schreibtisch mit der Tastatur und ab und zu trinken sie einen Cappuccino.
Kienzle: Noch Fragen Hauser?
Hauser: Nein Kienzle. Das haben sie wieder einmal präzise analysiert und anschaulich erläutert.
Etwas hinkend, das Gleichnis, aber wohl nicht ganz falsch, wenn auch nur sehr eng im genannten Sinne.
Wir sollten uns aber davor hüten, daraus eine gleiche Schuld an der Zugspitzung der Konfrontation zu schlußfolgern.
Putin wird weiterhin bemüht sein, eine Eskalation zu verhindern und ihm ist (GsD!) die Macht dazu gegeben.
Das ist grober Unfug. Der Krieg gegen Russland wird seit 2914 vorangetrieben. In Moskau wohnt immer noch die Besonnenheit, während Merz in die Fusstapfen Annalenas tritt.