
Zum Projektmanagement des nächsten Krieges hier noch einige kleine Fragen.
Bevor wir weiter rüsten und planen, wie wir den großen Krieg gewinnen, den Russland sicher beginnen wird – wir wissen schon wann, wir haben ja einen Plan – sollten wir vielleicht noch ein paar Faktoren bedenken, die außerplanmäßig hineinspielen könnten. Zum Beispiel: Wer weiß schon, wie das Wetter wird?
Da sind zunächst einmal die Kosten: So ein großes Projekt kann schon mal unversehens teurer werden als gedacht. Man denke nur an den Bau der Elbphilharmonie. Es kann auch deutlich länger dauern, als man ursprünglich dafür vorgesehen hat. Das kann selbst im fleißigsten und cleversten Ländle beim Bau eines Bahnhofs passieren. Manches lässt sich auch einfach nicht bei jedem Wetter gleich gut bauen.
Wird es schnell genug umzusetzen sein?
Teurer und länger kann jedem passieren, natürlich auch jenen, die in Berlin sich bemühen, zum dritten Mal einen Flughafen zu bauen. Die Planer des dritten großen Krieges sind sicher klüger. Doch wer weiß schon, wie das Wetter wird?
Beim Voranschlag für so ein großes Projekt, das sehr viel und lange Geld kosten könnte, muss neben der Materialbeschaffung die Instandhaltung des bereits Vorhandenen eingepreist werden.
Das fiel jetzt auch bei der Bundeswehr auf. Man freut sich schon über und auf viel neues Gerät, doch was schon im Bestand ist, ist oft nicht instand; zur Wartung fehlt es aber an Kapazitäten.
Gewartet werden müssen nicht nur schwere Geräte, sondern auch Brücken, die sie tragen sollen. Im Brückenbauen und erhalten waren wir in den letzten Jahren nicht so gut. Nun sind sie marode. Geld, das nicht da war für zivile Infrastruktur, erscheint zwar nun wie aus dem Nichts zur Kriegstüchtigkeit. Doch auch wenn es sehr viel ist – wird es schnell genug umzusetzen sein?Können wir unsere bröselnden Brücken rechtzeitig erneuern, um im Rahmen des Zeitplans unsere Panzer den Russen entgegenzurollen? Schließlich leiden zunehmend auch Straßen und Brücken unter Extremwetter wie Hitze und Flut. Und wer weiß schon, wie das Wetter wird?
Konsumgüter, die Konsumenten abschaffen
Zu veranschlagen ist im Haushaltsplan neben dem Material auch das Personal, also die Menschen, die das kosten wird. Die muss man ja auch zunächst anschaffen; und dann muss man nicht nur sie selbst bezahlen, sondern gegebenenfalls auch ihre Hinterbliebenen. Das Geld dafür muss wiederum erst einmal erwirtschaftet werden.
In der zivilen Industrie und Wirtschaft fehlen allerdings die Leute, die stattdessen zum Militär gehen, oder deren Arbeit in den Dienst der Rüstungsindustrie gestellt wird; die aber schafft keine bleibenden Werte. Die Konsumgüter, die die Rüstung bereitstellt, schafft die Konsumenten ab.
So ein geplantes Kriegsprojekt könnte uns also länger und teurer zu stehen kommen, als jeder verkalkulierte Bau. Sollen wir es uns dann vielleicht doch lieber von vornherein sparen?
Ist das etwas auch das Kalkül der jungen Leute, die sich gegen die Wehrpflicht zur Wehr setzen? Jetzt gehen die auf die Straße, gegen den Wehrdienst demonstrierend wie zuvor schon fürs Klima. Statt am Kriegsprojekt mitzubauen – wollen die etwa auf Schlecht-Wetter machen?
Sind die feige oder einfach nur faul? So oder so können wir auf solche Befindlichkeiten beim Menschenmaterial keine Rücksicht nehmen in der Planung. Wer nicht freiwillig kommt, wird halt verpflichtet. Im Projektmanagement des Krieges müssen wir uns ganz sachlich – und das heißt nun mal: rein wirtschaftlich – fragen, welche Investitionen sich mehr für uns lohnen, solche in Kriegsanleihen oder etwa in Klimaschutz?
Aber wer weiß schon, wie das Wetter wird?




Wohltuend kurz und mit dem Verweis aufs „Wetter“ auch mit dem Stilmittel der Verfremdung ausgestattet.