Eine würdige Elf

DFB-Elf
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Deutschland ist bei der WM ausgeschieden. Der Kanzler dankt für begeisternde Spiele. Und das Team war so zuverlässig wie ein ICE im Sommer. Dieser Weltmeisterschaftsauftritt war ein Spiegelbild eines verkorksten Landes. Ein Kommentar.

Titelchancen hat man sich im Vorfeld nicht ausgerechnet. Aber insgeheim, so konnte man es hier und da erahnen, spekulierte man auf einen kleinen Coup. Die Deutschen seien schließlich traditionell eine Wettbewerbsmannschaft – was nur als These funktioniert, wenn man die beiden letzten WM-Turniere 2018 und 2022 ausblendet – und damit immer für eine Überraschung zu haben. Einige Favoriten könnte man sicherlich ärgern, schwadronierte mancher vor dem Turnier. Ja, mit etwas Glück würde man in die Runde der letzten Acht einziehen – und dann sei bekanntlich alles möglich. Deutschland stand schon mehrmals mit Gurkentruppen im WM-Finale, man denke an 1982, 1986 oder 2002: Dreimal Vizeweltmeister mit jeweils einem Team, dass zu so gut wie nur aus Eisenlungen und Panzern bestand.

Der Ball konnte noch so sehr der Feind sein, das bedeutete noch lange nicht, dass mit den Deutschen nicht zu rechnen war. Seit dieser Zeit hat sich einiges verschoben im deutschen Fußball. Die Kicker heute sind technisch versierter als es jene Spieler von einst waren, die sie themengerecht entweder den Kosenamen eines Terriers oder einer Walze verliehen. Gary Lineker wusste schon 1990 (damals spielte die Nationalmannschaft annehmbar, wenn auch nicht begnadet), dass Fußball ein Spiel sei, das am Ende immer die Deutschen gewinnen. Zumal im Elfmeterschießen – kommt es zu diesem Glücksspiel, behalten sie – diese Männer aus Stahl, diese Kicker aus Blut, Tränen und Schweiß – ganz abgebrüht die Oberhand. Gegen Paraguay verlor die DFB-Elf dieses Glücksspiel aber nun. Und das erstmals in der Geschichte der Weltmeisterschaft. Die Nerven aus Stahlbetonträgern sind bei den Deutschen mittlerweile statisch etwa so stabil, wie die Carola-Brücke in Dresden – das Sinnbild deutscher Verfallskultur.

Die deutsche Wahrheit liegt auf dem Rasen

Das Ende der Elf bei der Weltmeisterschaft in Übersee traf die deutsche Öffentlichkeit hart – sie hatte sich mehr ausgerechnet. Das war vermessen, denn längst ist die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes zu einem Abziehbild bundesdeutscher Verhältnisse geworden. Die Nationalmannschaft saugt nun seit vielen Jahren den Zeitgeist mit einer derartigen Wonne auf, dass es nicht sonderlich verwunderlich erscheint, dass dort auf dem Platz Männer auflaufen, die längst den Spirit der BRD 2026 verinnerlicht haben.

Das deutsche Aufbauspiel war in etwa so träge, wie die Deutsche Bahn im Sommer – wenn nicht gerade Winter, Herbst oder Frühling ist. Es erreichte keine Anschlüsse, Flanken kamen so zielgenau wie Züge an deutschen Zielbahnhöfen. Die Deutsche Bahn ließ vor zwei Jahren wissen, dass ihre Fahrpläne geschätzt und weniger berechnet seien. So in etwa flankten die Kicker auch in ihren Spielen in den Vereinigten Staaten. Die Spieler übten sich in einer Taktik nach Vorschrift, in etwa so, wie der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer, der längst kapituliert hat und in die innere Emigration gegangen ist.

Dazu ein Trainer, ein junger Mann, der im Vorfeld die Nominierungen seiner Auserwählten tiktokisierte, eine umfangreiche mediale Show ausspielte, statt sich dieses zeitgeistlosen Unsinns zu widersetzen und seinem Job seriös nachzugehen. Style ist alles, gut aussehen muss man – die Priorisierung dessen, was wirklich wichtig wäre, hat Julian Nagelsmann so sehr verschlafen, wie es der heutigen Bundesrepublik und ihres Hanges, sich ständig an Nonsens hochzuziehen, entspricht.

Dieser Trainer berief dann auch den Methusalem Manuel Neuer, ließ andere Torhüter mit Qualität auf der Bank. Neuer ist ein verdienter Kicker, Weltmeister von 2014, mehrmals deutscher Meister, Pokalsieger, Europapokalsieger. Aber er hat den Zenit längst überschritten. Das sah man auch bei der Weltmeisterschaft, er griff fröhlich daneben. Nagelsmann hielt an ihm fest. Loyalität ist lobenswert. Aber Kritiker hatten dem Trainer eine solche Entwicklung prophezeit, denn Neuer war schon in der abgeschlossenen Bundesliga-Saison häufig ein Risiko für seine Bayern. Auf Alte zu setzen, nur nichts Neues probieren: Weiter so. Deutscher geht es kaum.

Eine genialische Elf für ein Land der Genialitätshasser?

Schlussendlich lief dann auch noch Friedrich Merz auf, teilte via X Mitgefühl aus und hielt fest, dass die Mannschaft das Land begeistert habe. Hat sie das? Hat sie nicht eher viele am TV-Gerät entgeistert zurückgelassen? Sicher, man gewann mit 7 zu 1 gegen eine Fußballmacht aus der Karibik – erzwang sich noch einen Sieg gegen die Elfenbeinküste, die man bitte nur noch Côte d’Ivoire nennen sollte. Schon danach war Essig – ein Essig, der sich schon bei den ersten beiden Siegen abzeichnete. Denn das Team kickte einen Fußball von der Stange, Kreativmomente waren nicht zu sehen – kreative Köpfe mag man im zeitgenössischen Deutschland ohnehin nicht, sie werden schnell verdächtigt, etwas im Schilde zu führen. Also nur nichts wagen, taktisch weitermachen, nach Vorschrift, nach Vorgaben – Individualismus als Untugend, der man nicht auf dem Leim gehen darf. Wenn das der Messi wüsste …

Deutschland ist ein ziemlich verkorkstes, ein dysfunktionales Land. Überall Brachen und Baustellen, überall defekte Rolltreppen, Toiletten und Klimaanlagen. Kaputte Leute obendrauf. Und allerorten Personal, das mit den Achseln zuckt, weil es längst resigniert hat und keine Lust mehr hat, sich die Beschwerden von Kunden oder Fahrgästen anzuhören, die sich einbilden, auf einer längeren Zugfahrt auch mal pinkeln zu müssen. Deutschland ist ein Land im Wartestand, zugewartet wird an Bahngleisen, bei Bestellungen und beim Doktor. Auf bessere Zeiten. Auf geordnete Verhältnisse. Das Land wartet außerdem auf einen Titel bei der Weltmeisterschaft. Oder doch wenigstens mal auf ein Halbfinale. Was kostet der Volkswirtschaft die Warterei? Was kostet es den Bürger, dass er so viel Lebenszeit damit vergeuden muss, sein Dasein an nicht intakter Infrastruktur auszurichten?

Eine geradezu depressive Truppe lief da auf – und sie repräsentierte ein depressives Land, eine Nation voller Schwermut und Antriebslosigkeit. Orientierungslos wirkten die Spieler zumal. Aber wer will ihnen das verdenken, diese jungen Burschen leben in einem Land, in dem der Verlust der Orientierung längst als progressive Lebensart verbrämt wird. Der Einzige, der vielleicht noch ein anderes Land kennt, eines das besser gelaunt war, ist – oder war – der Oldie im Kasten. Die anderen muss man wohl als Produkte eines Landes voller Psychosen und Wahnzustände ansehen.

Und will man denn letztlich überhaupt eine Nationalelf zu großen Ehren bringen, wenn es im eigenen Land schon als Akt nationalsozialistischer Wiedererweckung gilt, die schwarz-rot-goldene Fahne zu schwenken? Nein, dieses Land wirkt auf uns alle ein, die Stimmungen und die Kampagnen, mit denen man die Nation aushöhlt, gehen an keinem spurlos vorbei. Wie würde denn auch eine genialische Nationalmannschaft zu einem Land passen können, in dem Genialität gerne als verwerflich betrachtet wird? Warum sollte eine technisch hochversierte Elf eine Heimat vertreten, in der Technisches immer häufiger verkommt? Nein, eine deutsche Nationalmannschaft hatte sich noch immer an das Klima des Landes zu orientieren. Das ist den Kickern beim aktuellen Turnier grandios gelungen. Man könnte auch sagen: Die DFB-Elf hat Deutschland würdig vertreten.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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27 Kommentare

  1. @“Schlussendlich lief dann auch noch Friedrich Merz auf, teilte via X Mitgefühl aus und hielt fest, dass die Mannschaft das Land begeistert habe“

    Merz auf X, ein Auftritt der peinlicher nicht sein konnte. Vermutlich meinte er die Mannschaft habe das Land so begeistert wie er selbst🥳
    Merz kann nur eins SOZIALRAUB!

    Die Begeisterung für ihn ist in Deutschland einfach grenzenlos. 😅🤣🥳

  2. Grandioser Beitrag zum grandiosen Versagen des deutschen Fußballs. Paraguay hat noch schlechter gespielt, aber gewonnen – das Leben ist eben ungerecht.

    1. Kann ich nur unterstreichen.
      Tags, wenn es sowieso hell ist, scheint oft noch zusätzlich die Sonne, und nachts, wenn es dunkel ist, manchmal nicht mal der Mond.

  3. Beschämend ist nicht so sehr, dass ein paar gute Fußballer im Zeichen der deutschen Nationalmannschaft ein wichtiges Spiel nach Elfmeterschießen verloren haben, beschämend ist auch nicht, dass ein verhältnismäßig junger Trainer mit seiner eigenen Art einen Job ausgefüllt und kraft seines Amtes entsprechende Entscheidungen getroffen hat, für die man ihn eingestellt hat, beschämend ist das Ritual derer, die meinen, nach Belieben missliebige Personen an den Pranger stellen und über mutmaßliche ‚Vergehen‘ dieser Personen (falsche Aufstellung, taktische Anweisungen, Einwechslungen usw.) ohne größere Kenntnis der Sachlagen in der Art eines Tribunals richten zu müssen. Das ist beschämend und ein weiterer Ausweis für die charakterliche Verkommenheit der Mediengesellschaft!

    1. Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu. Diese Hasstiraden sind einfach nur erbärmlich. Naja wir kennen das ja seit einigen Jahren gut! Außerdem geht es nur um ein Spiel. Um die wahren Versager dieses Landes kümmern sich die Medienleute nicht. Keine Schlagzeilen zur Tatsache daß die Bahn nur noch nach Belieben fährt, die Kindergärten jeden zweiten Tag schließen, wegen Personalmangel usw…..

    2. Das was Sie da beschreiben, war nie anders. Schauen Sie zurück, wie man Berti Vogts zusetzte – das war völlig überzogen. Selbst Beckenbauer, die Lichtgestalt, hatte in den Achtzigern einen schweren Stand als Teamchef. Das ist keine neue Entwicklung. Und ja, wer sich gerne öffentlich feiern lässt (bei Erfolg), muss auch in Kauf nehmen geschmäht zu werden. Man kann nicht immer die Sonnenseiten genießen und den Schatten meiden wollen.

      1. Jaja, aber Elfmeterschiessen ist hauptsächlich Nerven und Glückssache. Das hat mit dem Trainer nicht mehr soviel zu tun.

        1. Nicht? Er sucht nicht die Schützen aus? Er ist nicht verantwortlich, diese Kategorie zu trainieren? Auch das Elfmeterschießen ist komplexer.

          1. Hätten die Deutschen mit Handgranaten und nicht mit einem Ball gespielt, dann hätte sie wahrscheinlich gewonnen oder auch nicht. Denn auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen nach mehreren Jahren Spielzeit am Ende des Krieges immer dann, wenn es um das entscheidende „Elfmeterschießen“ ging, verloren oder etwa nicht?

          2. Das lief diesmal auch anders.
            Kimmich kümmerte sich darum, was gut im TV festgehalten wurde.
            Er fragte Leon Goretzka 2x ob er schießen würde. der winkte 2x ab.
            Daraufhin meldete sich Jonathan Tah, der in seinen 13 Profijahren im Spiel noch nie einen Elfmeter geschossen hat und seinen Ersten dann in den nordamerikanischen Abendhimmel.

  4. In meiner bescheidenen Expertise fiehl mir auf, dass seit Jahren im deutschen Fußball Spieler auserwählt wurden, die am nächsten dem Tiki-Taka der südeuropäischen und brasilianischen Spezialisten kamen und damit ein an sich fremdes Spielsystem etabliert wurde.
    Man hatte das Gefühl, dass bei diesen Spielen, aber auch schon vorher, versucht wurde, mit dieser Spielweise den Gegner zu beeindrucken. Aber außer selbst interessierte das niemanden.
    Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, den gewohnten Rumpelfußball zu perfektionieren, die Südamerikaner exerzierten das eindrucksvoll. Stabilität war und ist wohl gefragt, Tore fallen sowieso vor allem mit viel Glück.

  5. Die Paraguayianer haben unentwegt gefoult, geschubst, an den Trikots unserer Spieler gerissen, festgehalten u Ä.
    Wenn sie selber hinfielen haben sie sich wie die Dramaqueens hingeschmissen. Deutschland hätte normalerweise 2:1 gewonnen, denn die Para…. was auch immer, haben schlecht gespielt. Das Tor ist zu Unrecht aberkannt worden. Der Spieler, der es geschossen hat, hatte null gefoult.
    Die Deutschen sind schon ein lustiges Volk. In jeder Gazette lese ich jetzt groß aufgemacht: „Der Bundestrainer muß ausgewechselt werden“…… Meine Güte, das war nur ein Fußballspiel! Währenddessen verschiebt der sogenannte Bundeskanzler unsere Renten und überhaupt alle Errungenschaften der letzten 150 Jahre in schwarze Löcher.
    Aber niemand bringt eine Schlagzeile: der Bundeskanzler sollte ausgewechselt werden.
    Nun ja, Frankreich wird Paraguay am Samstag belehren. Ich freue mich drauf!

    1. @jasmina
      Während Sie sich hier wegen Lapalien aufregen werden gerade ganz andere Schweinereien vorgezogen und durchgezogen.

      Hätte, hätte, Fahrradkette🥳🥳🥳🥳🥳

      Die Sofafußballer wissen immer alles besser das ist wie bei den Sofakriegern a’la Panzer Toni

      1. @Otto
        Das hab ich doch gesagt! Großes Gegeifere wegen einem Fußballspiel. Im Hintergrund werden wir Bürger und Bürgerinnen um alles gebracht.

        1. @jasmina
          „Das hab ich doch gesagt! Großes Gegeifere wegen einem Fußballspiel. Im Hintergrund werden wir Bürger und Bürgerinnen um alles gebracht.“

          Stimmt !
          Die Rentenschmarotzer leben noch zu gut, deshalb muss gekürzt werden damit der Euro wieder in die richtige Richtung läuft.

          Merz-Minister sind um 120 Milliarden reicher geworden – Das Millionengeschäft der Volksvertreter
          https://www.nachdenkseiten.de/?p=153143

    2. Für die breite Masse ist so ein Turnier aus verschiedenen Gründen schon eine ernste Sache. Viele identifizieren ihre Person mit der Mannschaft. Man(n) hat was zu bequatschen und das mit „stolzgeschwellt Brust“ oder in wie im vorliegendem Falle, eben als Inquisitor. 🤣
      Vielleicht wacht jetzt doch nochmal der Ein oder Andere aus seinem Tiefschlaf auf. Dann hätte das Ausscheiden einen positiven Aspekt. Leider wird in den Gazetten noch einige Zeit auf die Tränendrüse gedrückt werden. Wenn´s dann länger so weitergeht, bleibt mein „vielleicht aufwachen“ ein vielleicht.

  6. Grammatik-Tipp:

    „statt sich dieses zeitgeistlosen Unsinns zu widersetzen“
    „wie es der heutigen Bundesrepublik und ihres Hanges, sich ständig an Nonsens hochzuziehen, entspricht“

    Ich sag zwar immer „rettet des Genitivs!“, aber bitte nur da wo nicht ein Dativ-Objekt stehen sollte wie bei „sich widersetzen“ oder „entsprechen“.😆

    1. Ich ergänze: „Was kostet der Volkswirtschaft die Warterei? Was kostet es den Bürger […]“ Der Akkusativ „den Bürger“ im zweiten Satz ist richtig, der Dativ „der Volkswirtschaft“ im ersten falsch.

      Und umgekehrt sollte in „Nein, eine deutsche Nationalmannschaft hatte sich noch immer an das Klima des Landes zu orientieren“ der Dativ „am Klima“ statt des Akkusativs stehen.

  7. Das Urteil von Herrn De Lapuente, die deutschen WM-Mannschaften von 1982 und 1986 als „Gurkentruppen“ zu qualifizieren, die „nur aus Eisenlungen und Panzern“ bestanden hätten, läßt sich entweder nur mit der Gnade der späten Geburt des Autors erklären oder damit, daß er von dem Sport, über den er schreibt, so viel versteht wie Robert Habeck von Energiepolitik. Nehmen wir beispielsweise die Mannschaft, die 1982 im WM-Halbfinale von Sevilla auf ein brillantes französisches Team mit der glorreichen Mittelfeldachse Platini, Giresse und Tigana traf: Zum einen liefen auf deutscher Seite mit Spielern wie Breitner, Rummenigge, Magath und Littbarski ausgezeichnete Techniker auf, die dem wohlfeilen Klischee des „Panzers“ widersprechen, und zum anderen waren etwa Horst Hrubesch und Hans-Peter Briegel trotz (oder vielleicht auch wegen) ihrer gladiatorenhaften Physis wahre Meister ihres Faches (Mittelstürmer und defensiver Mittelfeldspieler). Eine „Gurkentruppe“ wäre unter gar keinen Umständen in der Lage gewesen, gegen diese überragende französische Mannschaft nicht nur einen Zwei-Tore-Rückstand in der Verlängerung zu egalisieren (De Lapuente möge sich bitte den Fallrückzieher von Fischer zum 3:3 ansehen), sondern auch noch im Elfmeterschießen zu gewinnen.

    1. Ach was, hätte es damals bereits den sog VAR gegeben, T.Schumacher wäre wg des tätlichen Angriffs auf Batiston vorzeitig Duschen gegangen. 😉

  8. Ach was. Deutschland ist in Sachen Fußball raus. Gut so.
    Mensch sollte sich auch über die kleinen und belanglosen Dinge im Leben erfreuen.

  9. Lieber Herr De Lapuente, das ist 2026 die „Elite“ des deutschen Fußballs, die Crème de la Crème der deutschen Fußballer, das sind die Besten der Besten auf dem grünen deutschen Rasen, Spitzensportler der hohen deutschen Kickerkunst, High-End-Gamer und High-End-Performer im schwarz-rot-golden Deutschland, dem Land von König Fußball.

    Wir hatten in Deutschland auch schon mal einen Fußball-Kaiser, den Franz Beckenbauer, aber der musste 1980 ins Exil nach Österreich und ist leider 2024 in seinem Exil verstorben. Der hat vor seiner Karriere als Spitzen-Fußballer in Deutschland noch ein anständiges und ordentliches Handwerk gelernt, nämlich wie man Becken baut. Warum heißt der sonst Beckenbauer? Man kann froh sein, dass Kaiser Franz dieses Desaster nicht mehr erleben muss. Das wird man ja nochmal sagen und schreiben dürfen.

    Denn diese „Elite“, diese deutschen High-End-Performer auf dem grünen Rasen sind 2026 eben so wenig eine Elite wie die politische Elite, die sich „Regierung“ nennt. Aber wo liegt das Problem?

    Das Problem liegt an der Bewerberauswahl und der Auslese dieser „Eliten“. Im Fußball kommen nur noch Opportunisten, Konformisten, Statisten und Egoisten nach oben, die sich für die Besten halten, weil sie den Konkurrenten vorher die Ellbogen in den Magen gerammt haben. Aber echte Ballkünstler und Sportler mit Teamgeist und Solidarität findet man dort nicht mehr.

    Das gilt auch für die Politik. Wir haben in Deutschland Berufspolitiker, die das machen, weil ihre Eltern schon Politiker waren und sie den Beruf quasi geerbt haben.

    Fast 90 Prozent der Bundestagsabgeordneten sind „Akademiker“. Diese „Akademiker“ halten sich selbst für gebildet, auch wenn sie es nicht sind, weil Einbildung keine Bildung ist. Sie wollen gewählt werden, weil es im Bundestag und in den Landtagen auf Kosten aller Steuerzahler fette Diäten gibt. Diese „Diäten“ betragen derzeit 11.833,47 Euro pro Monat. Hinzukommen monatlich noch 5.467,27 „steuerfreie Aufwandsentschädigung“. Manche Bundestagsabgeordneten (formerly known as „Volksvertreter“) können von diesen Diäten aber nicht leben und brauchen noch einen lukrativen Nebenjob als Lobbyist der Industrie, der Banken oder einem großen Versicherungskonzern. Davon hört man im ÖRR und der Tagesschau aber nichts. Was sagt Caren Miosga dazu?

    Aber diese „Volksvertreter“ wollen den Arbeitern, den Arbeitnehmern, den Handwerkern, den Malochern, den Hacklern vorschreiben, wie man arbeitet und dass die Arbeiter und Angestellten bis 70 arbeiten sollen, um dann 1.250 Euro Rente im Monat zu bekommen.

    Wenn man vier Jahre, also eine Legislaturperiode lang im Deutschen Bundestag das Volk vertreten hat (oder sollte man besser sagen: getreten hat?), dann erwirbt man damit bereits einen Renten- bzw. Pensionsanspruch, der höher ist als die Rente eines Arbeitnehmers, der 45 Jahre lang den maximalen Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und das, ohne einen Cent in die Rentenkasse einzuzahlen.

    Da weiß man, warum so viele „Akademiker“ Politiker und Abgeordnete werden wollen. Spitzenpolitiker bekommen 30.000 Euro im Monat, Davon können Busfahrer, Kassierinnen, Altenpfleger und viele andere Malocher nur träumen. Das wird man ja nochmal sagen und schreiben dürfen. Das interessiert in der „besten Demokratie, die wir in Deutschland jemals hatten“ sowieso fast niemanden mehr. Kritik an der „Elite“ ist nämlich unerwünscht.

  10. Es ist in der Tat ein merkwürdiger Umstand, der auf gewöhnliche Weise nicht erklärbar ist, dass es tatsächlich zwischen den WM-Erfolgen deutscher Mannschaften und dem allgemeinen Zustand bzw. der allgemeinen Stimmung im Lande eine gewisse Art der Korrelation gibt.

    1954 (1. WM-Titel):
    Zeit des anlaufenden Wirtschaftswunders; Optimismus; absehbare politische Teilsouveränität

    1966 (Vizeweltmeister), 1970 (dritter Platz), 1974 (2. WM-Titel) sowie 1972 (Europameister):
    Westdeutschland befand sich in einer kontinuierlichen Hoch- und Wachstumsphase, bei der es dann ab 1969 auch zu allgemein begrüßten Reformen kam; optimistische Grundstimmung

    1978 (frühes Ausscheiden gegen u.a. gegen Österreich) aber 1980 Europameister
    leichtes Zwischentief, denn Westdeutschland befindet sich nicht mehr im Reformmodus der frühen 1970er, kriselnde Wirtschaft, Probleme bei der inneren Sicherheit (Terrorismus); deutlich gedämpfter Optimismus

    1982 (Vizeweltmeister), 1986 (Vizeweltmeister), 1990 (3. WM-Titel)
    Optimismus (nicht bei Linken, aber in der Mitte der Bevölkerung) nach dem Regierungsantritt von Kohl; ab 1989 dann die Freude über die Wiedervereinigung; Optimismus

    1994 (frühes Ausscheiden im Viertelfinale), 1998 (erneut frühes Ausscheiden im Viertelfinale) – allerdings 1996 ein weiteres Mal Europameister:
    Ein etwas überfordertes Land ohne „blühende Landschaften“, ein Land mit Katzenjammer, Wirtschaftsproblemen und Reformstau; zwiespältiger Optimismus, denn den spezifisch deutschen Problemen zum Trotz gab es den Globalisierungsaufschwung

    2002 (Vizeweltmeister), 2006 (dritter Platz):
    Ein Land im rotgrünen Aufbruch nach dem Ende der zuletzt bleiernen Jahre unter Kohl, Stabilisierung der Wirtschaft dank der erfolgreichen Schröder´schen „Agenda 2010“

    Lediglich der immerhin noch dritte Platz von 2010 und der Triumph von 2014 (3. WM-Titel) zeigen keine ausgeprägte Korrelation, denn das Land befand sich ja in der Regierungszeit jener Frau keineswegs in einer besonders guten oder gar optmistischen Verfassung.

    Ab 2018 ist die Korrelation dann aber wieder geradezu überdeutlich gegeben:
    2018 und 2022 ganz frühes Ausscheiden in der Gruppenphase, 2026 frühes Ausscheiden direkt nach der Gruppenphase
    2010 (dritter Platz).
    Über die üblen, ja zunehmend desaströsen Verhältnisse der jüngeren Vergangenheit muss ich hier nicht ausführlicher schreiben. Das weiß jeder.

    Nun bedeutet eine Korrelation natürlich noch keinen wirklichen Zusammenhang, aber ein des Merkens würdiger Umstand ist es schon.

    1. @Wolfgang Wirth
      1. Auch eine Scheinkorrelation ist eine Korrelation.

      2. Was den 1. WM-Titel 1954 („Das Wunder von Bern“) angeht, bitte ich allerdings um etwas Präzision, mehr Tradition und weniger Geschichtsklitterung. Wenn man wie die anständigen, ordentlichen, sauberen, fleißigen, pünktlichen, redlichen, aufrechten, ehrlichen, ehrbaren und mehrheitlich „christlichen“ Deutschen 1933 seinen eigenen braunen Diktator wählt und dann 1939 einen blutroten Weltkrieg anfängt, diesen Weltkrieg verliert und Deutschland 1945 in Trümmern liegt, dann hat das nichts „Wirtschaftswunder“ und „Optimismus“ zu tun, sondern mit Realismus und Verdrängung der historischen Ursachen.

      Wenn man mit dem braunen Auto gegen die Betonmauer gefahren ist, das Auto einen Totalschaden hat und drei Insassen dabei gestorben sind, dann ist das Realismus und hat nichts mit Optimismus zu tun. Die Insassen sind tot, die muss man beerdigen und einen Totalschaden kann man nicht reparieren. Dann muss man sich ein neues Auto kaufen, sofern man das Geld dafür hat, und da wären wir dann beim „Wirtschaftswunder“ aus dem Hause Joseph Schumpeter, der das die „kreative Kraft der Zerstörung“ nannte.

      Wenn das Auto nämlich als Totalschaden kaputt vor der Betonmauer liegt, dann muss man eines neues Auto kaufen und dann wächst die Wirtschaft. Das hat nix mit „Wunder“ zu tun. Tote Menschen kaufen kaufen keine Autos, keine gebrauchten und auch keine neuen.

      Das Problem besteht heute darin: Die einen haben kein Geld, um sich ein neues Auto kaufen zu können und müssen mit ihrem 17 Jahre alten Toyota weiterfahren und die anderen sammeln Oldtimer, die ein paar Millionen Euro kosten. Das schafft kein Wirtschaftwunder. Zu derlei Erkenntnissen kommen aber neoliberale Wirtschaftsexperten und die neoliberalen Wirtschaftsweisen nicht, sonst wären sie nicht neoliberal. Das allerdings ist kein Wunder.

      Noch Fragen Kienzle? Ja Hauser, wo ist hier beim Autohändler der Notausgang?

  11. Nun dachte man ja im Kanzleramt, dass die neu gewonnene Kriegstüchtigkeit auch Siege auf dem Spielfeld nach sich zieht. Hat nicht sollen sein.
    Die segensreiche Pädagogik der Ereignisse ist wieder mal zu loben.

  12. Die Fußball-Nationalmannschaft steht ja – wie schon der Name sagt – für die Nation.

    Und wenn es diese Nation nun aber gar nicht mehr gibt?
    Ja, was ist denn dann?

    Es heißt, die „Nationalspieler“ seien aus Amerika noch nicht einmal als geschlossene Gruppe heimgeflogen.
    https://www.berliner-zeitung.de/article/nach-wm-aus-die-nationalmannschaft-zerfaellt-am-flughafen-in-alle-richtungen-10153290

    Auch reicht ja eigentlich schon ein Blick auf eines der Mannschaftsfotos, um zu erkennen, dass dort von einer Nation nicht viel zu sehen ist.
    Bei Paraguay ist das ganz anders.

  13. Ein dickes Lob
    Beim lesen dieses Artikels konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verwehren, und dieses habe immer noch im Gesicht.😉
    Die erste Halbzeit habe ich mir noch „reingezogen“. Ein ideenloses Spiel, ein Ballgeschiebe und die spürbare Angst der Hintermannschaft wenn die den Ball hatten, und den hatten die sehr oft und sehr lange.😉🤣
    Das Mittelfeld spielte fast nur den vermeintlich „sicheren“ Pass nach hinten usw…..😉
    Alles im Ganzen: wie beschrieben🤣🤣

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