
Deutschland ist bei der WM ausgeschieden. Der Kanzler dankt für begeisternde Spiele. Und das Team war so zuverlässig wie ein ICE im Sommer. Dieser Weltmeisterschaftsauftritt war ein Spiegelbild eines verkorksten Landes. Ein Kommentar.
Titelchancen hat man sich im Vorfeld nicht ausgerechnet. Aber insgeheim, so konnte man es hier und da erahnen, spekulierte man auf einen kleinen Coup. Die Deutschen seien schließlich traditionell eine Wettbewerbsmannschaft – was nur als These funktioniert, wenn man die beiden letzten WM-Turniere 2018 und 2022 ausblendet – und damit immer für eine Überraschung zu haben. Einige Favoriten könnte man sicherlich ärgern, schwadronierte mancher vor dem Turnier. Ja, mit etwas Glück würde man in die Runde der letzten Acht einziehen – und dann sei bekanntlich alles möglich. Deutschland stand schon mehrmals mit Gurkentruppen im WM-Finale, man denke an 1982, 1986 oder 2002: Dreimal Vizeweltmeister mit jeweils einem Team, dass zu so gut wie nur aus Eisenlungen und Panzern bestand.
Der Ball konnte noch so sehr der Feind sein, das bedeutete noch lange nicht, dass mit den Deutschen nicht zu rechnen war. Seit dieser Zeit hat sich einiges verschoben im deutschen Fußball. Die Kicker heute sind technisch versierter als es jene Spieler von einst waren, die sie themengerecht entweder den Kosenamen eines Terriers oder einer Walze verliehen. Gary Lineker wusste schon 1990 (damals spielte die Nationalmannschaft annehmbar, wenn auch nicht begnadet), dass Fußball ein Spiel sei, das am Ende immer die Deutschen gewinnen. Zumal im Elfmeterschießen – kommt es zu diesem Glücksspiel, behalten sie – diese Männer aus Stahl, diese Kicker aus Blut, Tränen und Schweiß – ganz abgebrüht die Oberhand. Gegen Paraguay verlor die DFB-Elf dieses Glücksspiel aber nun. Und das erstmals in der Geschichte der Weltmeisterschaft. Die Nerven aus Stahlbetonträgern sind bei den Deutschen mittlerweile statisch etwa so stabil, wie die Carola-Brücke in Dresden – das Sinnbild deutscher Verfallskultur.
Die deutsche Wahrheit liegt auf dem Rasen
Das Ende der Elf bei der Weltmeisterschaft in Übersee traf die deutsche Öffentlichkeit hart – sie hatte sich mehr ausgerechnet. Das war vermessen, denn längst ist die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes zu einem Abziehbild bundesdeutscher Verhältnisse geworden. Die Nationalmannschaft saugt nun seit vielen Jahren den Zeitgeist mit einer derartigen Wonne auf, dass es nicht sonderlich verwunderlich erscheint, dass dort auf dem Platz Männer auflaufen, die längst den Spirit der BRD 2026 verinnerlicht haben.
Das deutsche Aufbauspiel war in etwa so träge, wie die Deutsche Bahn im Sommer – wenn nicht gerade Winter, Herbst oder Frühling ist. Es erreichte keine Anschlüsse, Flanken kamen so zielgenau wie Züge an deutschen Zielbahnhöfen. Die Deutsche Bahn ließ vor zwei Jahren wissen, dass ihre Fahrpläne geschätzt und weniger berechnet seien. So in etwa flankten die Kicker auch in ihren Spielen in den Vereinigten Staaten. Die Spieler übten sich in einer Taktik nach Vorschrift, in etwa so, wie der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer, der längst kapituliert hat und in die innere Emigration gegangen ist.
Dazu ein Trainer, ein junger Mann, der im Vorfeld die Nominierungen seiner Auserwählten tiktokisierte, eine umfangreiche mediale Show ausspielte, statt sich dieses zeitgeistlosen Unsinns zu widersetzen und seinem Job seriös nachzugehen. Style ist alles, gut aussehen muss man – die Priorisierung dessen, was wirklich wichtig wäre, hat Julian Nagelsmann so sehr verschlafen, wie es der heutigen Bundesrepublik und ihres Hanges, sich ständig an Nonsens hochzuziehen, entspricht.
Dieser Trainer berief dann auch den Methusalem Manuel Neuer, ließ andere Torhüter mit Qualität auf der Bank. Neuer ist ein verdienter Kicker, Weltmeister von 2014, mehrmals deutscher Meister, Pokalsieger, Europapokalsieger. Aber er hat den Zenit längst überschritten. Das sah man auch bei der Weltmeisterschaft, er griff fröhlich daneben. Nagelsmann hielt an ihm fest. Loyalität ist lobenswert. Aber Kritiker hatten dem Trainer eine solche Entwicklung prophezeit, denn Neuer war schon in der abgeschlossenen Bundesliga-Saison häufig ein Risiko für seine Bayern. Auf Alte zu setzen, nur nichts Neues probieren: Weiter so. Deutscher geht es kaum.
Eine genialische Elf für ein Land der Genialitätshasser?
Schlussendlich lief dann auch noch Friedrich Merz auf, teilte via X Mitgefühl aus und hielt fest, dass die Mannschaft das Land begeistert habe. Hat sie das? Hat sie nicht eher viele am TV-Gerät entgeistert zurückgelassen? Sicher, man gewann mit 7 zu 1 gegen eine Fußballmacht aus der Karibik – erzwang sich noch einen Sieg gegen die Elfenbeinküste, die man bitte nur noch Côte d’Ivoire nennen sollte. Schon danach war Essig – ein Essig, der sich schon bei den ersten beiden Siegen abzeichnete. Denn das Team kickte einen Fußball von der Stange, Kreativmomente waren nicht zu sehen – kreative Köpfe mag man im zeitgenössischen Deutschland ohnehin nicht, sie werden schnell verdächtigt, etwas im Schilde zu führen. Also nur nichts wagen, taktisch weitermachen, nach Vorschrift, nach Vorgaben – Individualismus als Untugend, der man nicht auf dem Leim gehen darf. Wenn das der Messi wüsste …
Deutschland ist ein ziemlich verkorkstes, ein dysfunktionales Land. Überall Brachen und Baustellen, überall defekte Rolltreppen, Toiletten und Klimaanlagen. Kaputte Leute obendrauf. Und allerorten Personal, das mit den Achseln zuckt, weil es längst resigniert hat und keine Lust mehr hat, sich die Beschwerden von Kunden oder Fahrgästen anzuhören, die sich einbilden, auf einer längeren Zugfahrt auch mal pinkeln zu müssen. Deutschland ist ein Land im Wartestand, zugewartet wird an Bahngleisen, bei Bestellungen und beim Doktor. Auf bessere Zeiten. Auf geordnete Verhältnisse. Das Land wartet außerdem auf einen Titel bei der Weltmeisterschaft. Oder doch wenigstens mal auf ein Halbfinale. Was kostet der Volkswirtschaft die Warterei? Was kostet es den Bürger, dass er so viel Lebenszeit damit vergeuden muss, sein Dasein an nicht intakter Infrastruktur auszurichten?
Eine geradezu depressive Truppe lief da auf – und sie repräsentierte ein depressives Land, eine Nation voller Schwermut und Antriebslosigkeit. Orientierungslos wirkten die Spieler zumal. Aber wer will ihnen das verdenken, diese jungen Burschen leben in einem Land, in dem der Verlust der Orientierung längst als progressive Lebensart verbrämt wird. Der Einzige, der vielleicht noch ein anderes Land kennt, eines das besser gelaunt war, ist – oder war – der Oldie im Kasten. Die anderen muss man wohl als Produkte eines Landes voller Psychosen und Wahnzustände ansehen.
Und will man denn letztlich überhaupt eine Nationalelf zu großen Ehren bringen, wenn es im eigenen Land schon als Akt nationalsozialistischer Wiedererweckung gilt, die schwarz-rot-goldene Fahne zu schwenken? Nein, dieses Land wirkt auf uns alle ein, die Stimmungen und die Kampagnen, mit denen man die Nation aushöhlt, gehen an keinem spurlos vorbei. Wie würde denn auch eine genialische Nationalmannschaft zu einem Land passen können, in dem Genialität gerne als verwerflich betrachtet wird? Warum sollte eine technisch hochversierte Elf eine Heimat vertreten, in der Technisches immer häufiger verkommt? Nein, eine deutsche Nationalmannschaft hatte sich noch immer an das Klima des Landes zu orientieren. Das ist den Kickern beim aktuellen Turnier grandios gelungen. Man könnte auch sagen: Die DFB-Elf hat Deutschland würdig vertreten.
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@“Schlussendlich lief dann auch noch Friedrich Merz auf, teilte via X Mitgefühl aus und hielt fest, dass die Mannschaft das Land begeistert habe“
Merz auf X, ein Auftritt der peinlicher nicht sein konnte. Vermutlich meinte er die Mannschaft habe das Land so begeistert wie er selbst🥳
Merz kann nur eins SOZIALRAUB!
Die Begeisterung für ihn ist in Deutschland einfach grenzenlos. 😅🤣🥳
Grandioser Beitrag zum grandiosen Versagen des deutschen Fußballs. Paraguay hat noch schlechter gespielt, aber gewonnen – das Leben ist eben ungerecht.
Kann ich nur unterstreichen.
Tags, wenn es sowieso hell ist, scheint oft noch zusätzlich die Sonne, und nachts, wenn es dunkel ist, manchmal nicht mal der Mond.
Beschämend ist nicht so sehr, dass ein paar gute Fußballer im Zeichen der deutschen Nationalmannschaft ein wichtiges Spiel nach Elfmeterschießen verloren haben, beschämend ist auch nicht, dass ein verhältnismäßig junger Trainer mit seiner eigenen Art einen Job ausgefüllt und kraft seines Amtes entsprechende Entscheidungen getroffen hat, für die man ihn eingestellt hat, beschämend ist das Ritual derer, die meinen, nach Belieben missliebige Personen an den Pranger stellen und über mutmaßliche ‚Vergehen‘ dieser Personen (falsche Aufstellung, taktische Anweisungen, Einwechslungen usw.) ohne größere Kenntnis der Sachlagen in der Art eines Tribunals richten zu müssen. Das ist beschämend und ein weiterer Ausweis für die charakterliche Verkommenheit der Mediengesellschaft!
Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu. Diese Hasstiraden sind einfach nur erbärmlich. Naja wir kennen das ja seit einigen Jahren gut! Außerdem geht es nur um ein Spiel. Um die wahren Versager dieses Landes kümmern sich die Medienleute nicht. Keine Schlagzeilen zur Tatsache daß die Bahn nur noch nach Belieben fährt, die Kindergärten jeden zweiten Tag schließen, wegen Personalmangel usw…..
Das was Sie da beschreiben, war nie anders. Schauen Sie zurück, wie man Berti Vogts zusetzte – das war völlig überzogen. Selbst Beckenbauer, die Lichtgestalt, hatte in den Achtzigern einen schweren Stand als Teamchef. Das ist keine neue Entwicklung. Und ja, wer sich gerne öffentlich feiern lässt (bei Erfolg), muss auch in Kauf nehmen geschmäht zu werden. Man kann nicht immer die Sonnenseiten genießen und den Schatten meiden wollen.
Jaja, aber Elfmeterschiessen ist hauptsächlich Nerven und Glückssache. Das hat mit dem Trainer nicht mehr soviel zu tun.
Nicht? Er sucht nicht die Schützen aus? Er ist nicht verantwortlich, diese Kategorie zu trainieren? Auch das Elfmeterschießen ist komplexer.
Hätten die Deutschen mit Handgranaten und nicht mit einem Ball gespielt, dann hätte sie wahrscheinlich gewonnen oder auch nicht. Denn auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen nach mehreren Jahren Spielzeit am Ende des Krieges immer dann, wenn es um das entscheidende „Elfmeterschießen“ ging, verloren oder etwa nicht?
Das lief diesmal auch anders.
Kimmich kümmerte sich darum, was gut im TV festgehalten wurde.
Er fragte Leon Goretzka 2x ob er schießen würde. der winkte 2x ab.
Daraufhin meldete sich Jonathan Tah, der in seinen 13 Profijahren im Spiel noch nie einen Elfmeter geschossen hat und seinen Ersten dann in den nordamerikanischen Abendhimmel.
Der Trainer sucht nie die Schützen aus, sondern fragt, wer schießen will. Und trainieren kann man Elfmeter nicht, weil es die Konstellation des ko-Spiels mit 60.000 Zuschauern nicht als Simulation gibt.
Der Trainer sucht nie die Schützen aus, sondern fragt, wer schießen will. Und trainieren kann man Elfmeter nicht, weil es die Konstellation des ko-Spiels mit 60.000 Zuschauern nicht als Simulation gibt.
Nur weil es in der Vergangenheit ähnliche Vorkommnisse gab, v.a. die Niederträchtigkeit im Umgang mit Berti Vogts, bedeutet das nicht, die beschämende Mentalität des Tribunals normalisieren zu müssen. Im Gegenteil wäre es angezeigt, aus schlechten Beispielen zu lernen und davon Abstand zu nehmen. Mithin wird in der aktuellen Stimmungsmache völlig darauf verzichtet, irgendeinen inhaltlichen Gesichtspunkt des fraglichen Sports zu berücksichtigen, der darin besteht, dass ein Fußballspiel zwischen zwei Gruppen ausgetragen wird und nicht zwischen zwei Einzelpersonen. Beurteilt wird ein rein formales Ergebnis und seine Konsequenz (Ausscheiden), zumeist von Leuten, die nicht ansatzweise die Kompetenz haben, über die Sache zu urteilen (wobei auch viele ‚Experten‘ nicht anders auftreten). Die verbreitete Attitüde, sich ein Recht auf Verurteilung zuzugestehen, ist durch keinen stichhaltigen Grund zu rechtfertigen, zumal nicht gegenüber Sportlern, die für das System, in dem sie ihrer Tätigkeit nachgehen, überhaupt keine Verantwortung tragen.
Nur weil es in der Vergangenheit ähnliche Vorkommnisse gab, v.a. die Niederträchtigkeit im Umgang mit Berti Vogts, bedeutet das nicht, die beschämende Mentalität des Tribunals normalisieren zu müssen. Im Gegenteil wäre es angezeigt, aus schlechten Beispielen zu lernen und davon Abstand zu nehmen. Mithin wird in der aktuellen Stimmungsmache völlig darauf verzichtet, irgendeinen inhaltlichen Gesichtspunkt des fraglichen Sports zu berücksichtigen, der darin besteht, dass ein Fußballspiel zwischen zwei Gruppen ausgetragen wird und nicht zwischen zwei Einzelpersonen. Beurteilt wird ein rein formales Ergebnis und seine Konsequenz (Ausscheiden), zumeist von Leuten, die nicht ansatzweise die Kompetenz haben, über die Sache zu urteilen (wobei auch viele ‚Experten‘ nicht anders auftreten).
In meiner bescheidenen Expertise fiehl mir auf, dass seit Jahren im deutschen Fußball Spieler auserwählt wurden, die am nächsten dem Tiki-Taka der südeuropäischen und brasilianischen Spezialisten kamen und damit ein an sich fremdes Spielsystem etabliert wurde.
Man hatte das Gefühl, dass bei diesen Spielen, aber auch schon vorher, versucht wurde, mit dieser Spielweise den Gegner zu beeindrucken. Aber außer selbst interessierte das niemanden.
Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, den gewohnten Rumpelfußball zu perfektionieren, die Südamerikaner exerzierten das eindrucksvoll. Stabilität war und ist wohl gefragt, Tore fallen sowieso vor allem mit viel Glück.
Oh, der Oberst ist ein Nationalist und verkappter kulturalistischer Rassist? Nicht wirllich, oder?
Es klingt allerdings leider fanach.
Die Paraguayianer haben unentwegt gefoult, geschubst, an den Trikots unserer Spieler gerissen, festgehalten u Ä.
Wenn sie selber hinfielen haben sie sich wie die Dramaqueens hingeschmissen. Deutschland hätte normalerweise 2:1 gewonnen, denn die Para…. was auch immer, haben schlecht gespielt. Das Tor ist zu Unrecht aberkannt worden. Der Spieler, der es geschossen hat, hatte null gefoult.
Die Deutschen sind schon ein lustiges Volk. In jeder Gazette lese ich jetzt groß aufgemacht: „Der Bundestrainer muß ausgewechselt werden“…… Meine Güte, das war nur ein Fußballspiel! Währenddessen verschiebt der sogenannte Bundeskanzler unsere Renten und überhaupt alle Errungenschaften der letzten 150 Jahre in schwarze Löcher.
Aber niemand bringt eine Schlagzeile: der Bundeskanzler sollte ausgewechselt werden.
Nun ja, Frankreich wird Paraguay am Samstag belehren. Ich freue mich drauf!
@jasmina
Während Sie sich hier wegen Lapalien aufregen werden gerade ganz andere Schweinereien vorgezogen und durchgezogen.
Hätte, hätte, Fahrradkette🥳🥳🥳🥳🥳
Die Sofafußballer wissen immer alles besser das ist wie bei den Sofakriegern a’la Panzer Toni
@Otto
Das hab ich doch gesagt! Großes Gegeifere wegen einem Fußballspiel. Im Hintergrund werden wir Bürger und Bürgerinnen um alles gebracht.
@jasmina
„Das hab ich doch gesagt! Großes Gegeifere wegen einem Fußballspiel. Im Hintergrund werden wir Bürger und Bürgerinnen um alles gebracht.“
Stimmt !
Die Rentenschmarotzer leben noch zu gut, deshalb muss gekürzt werden damit der Euro wieder in die richtige Richtung läuft.
Merz-Minister sind um 120 Milliarden reicher geworden – Das Millionengeschäft der Volksvertreter
https://www.nachdenkseiten.de/?p=153143
Dieser zunächst auf NDS erschienene Headliner wurde später auf NDS korrigiert!
.“Merz-Minister sind um 120 Milliarden reicher geworden – Das Millionengeschäft der Volksvertreter“
https://www.nachdenkseiten.de/?p=153143
Für die breite Masse ist so ein Turnier aus verschiedenen Gründen schon eine ernste Sache. Viele identifizieren ihre Person mit der Mannschaft. Man(n) hat was zu bequatschen und das mit „stolzgeschwellt Brust“ oder in wie im vorliegendem Falle, eben als Inquisitor. 🤣
Vielleicht wacht jetzt doch nochmal der Ein oder Andere aus seinem Tiefschlaf auf. Dann hätte das Ausscheiden einen positiven Aspekt. Leider wird in den Gazetten noch einige Zeit auf die Tränendrüse gedrückt werden. Wenn´s dann länger so weitergeht, bleibt mein „vielleicht aufwachen“ ein vielleicht.
Da muss ich als aktiver Fussballer etwas widersprechen. Paraguay hat sich zwar nicht zu unrecht für das Turnier qualifiziert, hat also eine gewisse Qualität. Aber diese Mannschaft ist eben deutlich limitiert. Sie haben das gespielt, was sie können und haben Leidenschaft und Kampfgeist auf das Feld gebracht.
Bei der Qualität der deutschen Einzelspieler im Vergleich zu denen aus Paraguay (Nehmen Sie enfach mal die „Marktwerte“!), sollte eine deutsche Mannschaft mit einem entsprechenden Plan in der Lage sein, mit spielerischen Mitteln ein solches Spiel ungefährdet zu entscheiden. Wer sich da auf eine einzelne Fehlentscheidung des Schiedsrichters zurückziehen muss, der hat das nicht verstanden. Nicht der Schiedsrichter hat das Spiel entschieden. Das hatten die deutschen Fussballer selbst in ihren Köpfen und auf den Füssen.
Ich habe keinen vernünftigen Plan dieser deutschen Mannschaft gesehen. Das sah für mich genauso aus wie vor vier oder acht Jahren. Kein Stückchen Fortschritt.
Anders Paraguay: Die haben verdient gewonnen. Sie wollten es mehr und hatten einen (wenn auch eher destruktiven) Plan. Von der deutschen Mannschaft erlebte ich eher eine gewisse Arroganz und Überheblichkeit.
Glückwunsch an Herrn Lapuente: ein schöner, treffender Artikel.
Grammatik-Tipp:
„statt sich dieses zeitgeistlosen Unsinns zu widersetzen“
„wie es der heutigen Bundesrepublik und ihres Hanges, sich ständig an Nonsens hochzuziehen, entspricht“
Ich sag zwar immer „rettet des Genitivs!“, aber bitte nur da wo nicht ein Dativ-Objekt stehen sollte wie bei „sich widersetzen“ oder „entsprechen“.😆
Ich ergänze: „Was kostet der Volkswirtschaft die Warterei? Was kostet es den Bürger […]“ Der Akkusativ „den Bürger“ im zweiten Satz ist richtig, der Dativ „der Volkswirtschaft“ im ersten falsch.
Und umgekehrt sollte in „Nein, eine deutsche Nationalmannschaft hatte sich noch immer an das Klima des Landes zu orientieren“ der Dativ „am Klima“ statt des Akkusativs stehen.
Das Urteil von Herrn De Lapuente, die deutschen WM-Mannschaften von 1982 und 1986 als „Gurkentruppen“ zu qualifizieren, die „nur aus Eisenlungen und Panzern“ bestanden hätten, läßt sich entweder nur mit der Gnade der späten Geburt des Autors erklären oder damit, daß er von dem Sport, über den er schreibt, so viel versteht wie Robert Habeck von Energiepolitik. Nehmen wir beispielsweise die Mannschaft, die 1982 im WM-Halbfinale von Sevilla auf ein brillantes französisches Team mit der glorreichen Mittelfeldachse Platini, Giresse und Tigana traf: Zum einen liefen auf deutscher Seite mit Spielern wie Breitner, Rummenigge, Magath und Littbarski ausgezeichnete Techniker auf, die dem wohlfeilen Klischee des „Panzers“ widersprechen, und zum anderen waren etwa Horst Hrubesch und Hans-Peter Briegel trotz (oder vielleicht auch wegen) ihrer gladiatorenhaften Physis wahre Meister ihres Faches (Mittelstürmer und defensiver Mittelfeldspieler). Eine „Gurkentruppe“ wäre unter gar keinen Umständen in der Lage gewesen, gegen diese überragende französische Mannschaft nicht nur einen Zwei-Tore-Rückstand in der Verlängerung zu egalisieren (De Lapuente möge sich bitte den Fallrückzieher von Fischer zum 3:3 ansehen), sondern auch noch im Elfmeterschießen zu gewinnen.
Ach was, hätte es damals bereits den sog VAR gegeben, T.Schumacher wäre wg des tätlichen Angriffs auf Batiston vorzeitig Duschen gegangen. 😉
Ach was. Deutschland ist in Sachen Fußball raus. Gut so.
Mensch sollte sich auch über die kleinen und belanglosen Dinge im Leben erfreuen.
Lieber Herr De Lapuente, das ist 2026 die „Elite“ des deutschen Fußballs, die Crème de la Crème der deutschen Fußballer, das sind die Besten der Besten auf dem grünen deutschen Rasen, Spitzensportler der hohen deutschen Kickerkunst, High-End-Gamer und High-End-Performer im schwarz-rot-golden Deutschland, dem Land von König Fußball.
Wir hatten in Deutschland auch schon mal einen Fußball-Kaiser, den Franz Beckenbauer, aber der musste 1980 ins Exil nach Österreich und ist leider 2024 in seinem Exil verstorben. Der hat vor seiner Karriere als Spitzen-Fußballer in Deutschland noch ein anständiges und ordentliches Handwerk gelernt, nämlich wie man Becken baut. Warum heißt der sonst Beckenbauer? Man kann froh sein, dass Kaiser Franz dieses Desaster nicht mehr erleben muss. Das wird man ja nochmal sagen und schreiben dürfen.
Denn diese „Elite“, diese deutschen High-End-Performer auf dem grünen Rasen sind 2026 eben so wenig eine Elite wie die politische Elite, die sich „Regierung“ nennt. Aber wo liegt das Problem?
Das Problem liegt an der Bewerberauswahl und der Auslese dieser „Eliten“. Im Fußball kommen nur noch Opportunisten, Konformisten, Statisten und Egoisten nach oben, die sich für die Besten halten, weil sie den Konkurrenten vorher die Ellbogen in den Magen gerammt haben. Aber echte Ballkünstler und Sportler mit Teamgeist und Solidarität findet man dort nicht mehr.
Das gilt auch für die Politik. Wir haben in Deutschland Berufspolitiker, die das machen, weil ihre Eltern schon Politiker waren und sie den Beruf quasi geerbt haben.
Fast 90 Prozent der Bundestagsabgeordneten sind „Akademiker“. Diese „Akademiker“ halten sich selbst für gebildet, auch wenn sie es nicht sind, weil Einbildung keine Bildung ist. Sie wollen gewählt werden, weil es im Bundestag und in den Landtagen auf Kosten aller Steuerzahler fette Diäten gibt. Diese „Diäten“ betragen derzeit 11.833,47 Euro pro Monat. Hinzukommen monatlich noch 5.467,27 „steuerfreie Aufwandsentschädigung“. Manche Bundestagsabgeordneten (formerly known as „Volksvertreter“) können von diesen Diäten aber nicht leben und brauchen noch einen lukrativen Nebenjob als Lobbyist der Industrie, der Banken oder einem großen Versicherungskonzern. Davon hört man im ÖRR und der Tagesschau aber nichts. Was sagt Caren Miosga dazu?
Aber diese „Volksvertreter“ wollen den Arbeitern, den Arbeitnehmern, den Handwerkern, den Malochern, den Hacklern vorschreiben, wie man arbeitet und dass die Arbeiter und Angestellten bis 70 arbeiten sollen, um dann 1.250 Euro Rente im Monat zu bekommen.
Wenn man vier Jahre, also eine Legislaturperiode lang im Deutschen Bundestag das Volk vertreten hat (oder sollte man besser sagen: getreten hat?), dann erwirbt man damit bereits einen Renten- bzw. Pensionsanspruch, der höher ist als die Rente eines Arbeitnehmers, der 45 Jahre lang den maximalen Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und das, ohne einen Cent in die Rentenkasse einzuzahlen.
Da weiß man, warum so viele „Akademiker“ Politiker und Abgeordnete werden wollen. Spitzenpolitiker bekommen 30.000 Euro im Monat, Davon können Busfahrer, Kassierinnen, Altenpfleger und viele andere Malocher nur träumen. Das wird man ja nochmal sagen und schreiben dürfen. Das interessiert in der „besten Demokratie, die wir in Deutschland jemals hatten“ sowieso fast niemanden mehr. Kritik an der „Elite“ ist nämlich unerwünscht.
Es ist in der Tat ein merkwürdiger Umstand, der auf gewöhnliche Weise nicht erklärbar ist, dass es tatsächlich zwischen den WM-Erfolgen deutscher Mannschaften und dem allgemeinen Zustand bzw. der allgemeinen Stimmung im Lande eine gewisse Art der Korrelation gibt.
1954 (1. WM-Titel):
Zeit des anlaufenden Wirtschaftswunders; Optimismus; absehbare politische Teilsouveränität
—
1966 (Vizeweltmeister), 1970 (dritter Platz), 1974 (2. WM-Titel) sowie 1972 (Europameister):
Westdeutschland befand sich in einer kontinuierlichen Hoch- und Wachstumsphase, bei der es dann ab 1969 auch zu allgemein begrüßten Reformen kam; optimistische Grundstimmung
—
1978 (frühes Ausscheiden gegen u.a. gegen Österreich) aber 1980 Europameister
leichtes Zwischentief, denn Westdeutschland befindet sich nicht mehr im Reformmodus der frühen 1970er, kriselnde Wirtschaft, Probleme bei der inneren Sicherheit (Terrorismus); deutlich gedämpfter Optimismus
—
1982 (Vizeweltmeister), 1986 (Vizeweltmeister), 1990 (3. WM-Titel)
Optimismus (nicht bei Linken, aber in der Mitte der Bevölkerung) nach dem Regierungsantritt von Kohl; ab 1989 dann die Freude über die Wiedervereinigung; Optimismus
—
1994 (frühes Ausscheiden im Viertelfinale), 1998 (erneut frühes Ausscheiden im Viertelfinale) – allerdings 1996 ein weiteres Mal Europameister:
Ein etwas überfordertes Land ohne „blühende Landschaften“, ein Land mit Katzenjammer, Wirtschaftsproblemen und Reformstau; zwiespältiger Optimismus, denn den spezifisch deutschen Problemen zum Trotz gab es den Globalisierungsaufschwung
—
2002 (Vizeweltmeister), 2006 (dritter Platz):
Ein Land im rotgrünen Aufbruch nach dem Ende der zuletzt bleiernen Jahre unter Kohl, Stabilisierung der Wirtschaft dank der erfolgreichen Schröder´schen „Agenda 2010“
—
Lediglich der immerhin noch dritte Platz von 2010 und der Triumph von 2014 (3. WM-Titel) zeigen keine ausgeprägte Korrelation, denn das Land befand sich ja in der Regierungszeit jener Frau keineswegs in einer besonders guten oder gar optmistischen Verfassung.
—
Ab 2018 ist die Korrelation dann aber wieder geradezu überdeutlich gegeben:
2018 und 2022 ganz frühes Ausscheiden in der Gruppenphase, 2026 frühes Ausscheiden direkt nach der Gruppenphase
2010 (dritter Platz).
Über die üblen, ja zunehmend desaströsen Verhältnisse der jüngeren Vergangenheit muss ich hier nicht ausführlicher schreiben. Das weiß jeder.
—
Nun bedeutet eine Korrelation natürlich noch keinen wirklichen Zusammenhang, aber ein des Merkens würdiger Umstand ist es schon.
@Wolfgang Wirth
1. Auch eine Scheinkorrelation ist eine Korrelation.
2. Was den 1. WM-Titel 1954 („Das Wunder von Bern“) angeht, bitte ich allerdings um etwas Präzision, mehr Tradition und weniger Geschichtsklitterung. Wenn man wie die anständigen, ordentlichen, sauberen, fleißigen, pünktlichen, redlichen, aufrechten, ehrlichen, ehrbaren und mehrheitlich „christlichen“ Deutschen 1933 seinen eigenen braunen Diktator wählt und dann 1939 einen blutroten Weltkrieg anfängt, diesen Weltkrieg verliert und Deutschland 1945 in Trümmern liegt, dann hat das nichts „Wirtschaftswunder“ und „Optimismus“ zu tun, sondern mit Realismus und Verdrängung der historischen Ursachen.
Wenn man mit dem braunen Auto gegen die Betonmauer gefahren ist, das Auto einen Totalschaden hat und drei Insassen dabei gestorben sind, dann ist das Realismus und hat nichts mit Optimismus zu tun. Die Insassen sind tot, die muss man beerdigen und einen Totalschaden kann man nicht reparieren. Dann muss man sich ein neues Auto kaufen, sofern man das Geld dafür hat, und da wären wir dann beim „Wirtschaftswunder“ aus dem Hause Joseph Schumpeter, der das die „kreative Kraft der Zerstörung“ nannte.
Wenn das Auto nämlich als Totalschaden kaputt vor der Betonmauer liegt, dann muss man eines neues Auto kaufen und dann wächst die Wirtschaft. Das hat nix mit „Wunder“ zu tun. Tote Menschen kaufen kaufen keine Autos, keine gebrauchten und auch keine neuen.
Das Problem besteht heute darin: Die einen haben kein Geld, um sich ein neues Auto kaufen zu können und müssen mit ihrem 17 Jahre alten Toyota weiterfahren und die anderen sammeln Oldtimer, die ein paar Millionen Euro kosten. Das schafft kein Wirtschaftwunder. Zu derlei Erkenntnissen kommen aber neoliberale Wirtschaftsexperten und die neoliberalen Wirtschaftsweisen nicht, sonst wären sie nicht neoliberal. Das allerdings ist kein Wunder.
Noch Fragen Kienzle? Ja Hauser, wo ist hier beim Autohändler der Notausgang?
Uiuiui, für den Fußball-Kenner geht da aber einiges durcheinander, Wolfgang. Da vermengst du meines Erachtens ziemlich viele Dinge, die nur auf den ersten Blick zusammenpassen. Deine Argumentation trägt leider nicht besonders weit.
Das beginnt schon bei deiner historischen Einordnung. Die angeblich durchgehend „optimistischen“ Phasen waren keineswegs so eindeutig: 1966/67 gab es die erste Nachkriegsrezession, in den 1960ern bereits massive gesellschaftliche Konflikte (Schwabing, APO, Jubelperser), ab den frühen 1970ern Terrorismus und die Ölkrise 1973. Auch die 1980er waren nicht nur Aufbruch, sondern auch von Arbeitslosigkeit und Zukunftsängsten geprägt. Ohne die Kehre hätte Kohl die Wahlen 1991 wohl verloren. Von einer einheitlichen „Grundstimmung“ kann daher kaum die Rede sein – schon gar nicht ohne zu klären, wessen Stimmung gemeint ist: Die der Arbeitslosen, Studenten, Unternehmer, Rentner oder der Fußballfans?
Hinzu kommt, dass du die sportlichen Ergebnisse ziemlich selektiv bewertest. Möglicherweise liegt das auch daran, dass du einige der älteren Turniere eher aus der Rückschau als aus eigener Erinnerung kennst. Drei der westdeutschen WM-Titel haben auf jeden Fall mehr als nur ein Geschmäckle. Der von 1954 wird von nicht wenigen auf Doping zurückgeführt – das passt freilich zur wirtschaftshistorischen Debatte, weil das „Wirtschaftswunder“ von so einigen ebenfalls nicht einfach als Resultat eigener Leistung, sondern als Folge günstiger äußerer Rahmenbedingungen interpretiert wird. (Dass auch Ungarn möglicherweise gedopt war, würde das westdeutsche Doping übrigens nicht entkräften. Und Italien hatte damals sogar noch höhere Wachstumsraten, scheiterte aber im Entscheidungsspiel an Gastgeber Schweiz. Wie das wohl ausgegangen wäre, wenn es den Flugzeugabsturz von Turin nicht gegeben hätte?)
Die Weltmeisterschaften 1958 und 1962 waren von etlichen umstrittenen Entscheidungen geprägt („Schlacht von Santiago“!). In Westdeutschland blieb die WM in Schweden vor allem wegen der „Schlacht von Göteborg“ in Erinnerung, bei der man sich vom ungarischen Schiri betrogen sah. In anderen Ländern teilte man diese Perspektive nicht. Aber auch heute ist natürlich jedes Mal der Schiedsrichter schuld, ob 2024 mit Cucurella oder jetzt beim Spiel gegen Paraguay. Jedes Mal spricht man von einem „Skandalspiel“ und jedes Mal hält das einer genaueren Überprüfung nicht stand. Es muss als Verliererzipperlein bewertet werden oder schlicht als Unfähigkeit mit Niederlagen erwachsen umzugehen. Wenn man da eine Parallele ziehen will, dann zur Hallstein-Doktrin, die einen ähnlich unreifen Umgang mit der DDR zeitigte.
Auch weitere von dir als Belege herangezogenen Turniere sind keineswegs so eindeutig, wie du suggerierst. Bezüglich der Turniere 1966 und 1974 verwies ich neulich bereits auf Havelange, der seine Indizien präsentierte, warum diese zugunsten der jeweiligen Gastgeber manipuliert worden seien:
„Drei Schiedsrichter und sechs Schiedsrichter-Assistenten haben 1966 die Vorrundenspiele Brasiliens gegen Portugal, Ungarn und Bulgarien geleitet – sieben davon waren Engländer, die beiden restlichen Deutsche. Die Idee war ganz einfach, Brasilien zu eliminieren.“
Brasilien-Bulgarien (2:0) wurde von Tschentscher geleitet, Brasilien-Ungarn (1:3) von Dagnall und Portugal-Brasilien (3:1) von McCabe. Brasilien schied in der Vorrunde „überraschend“ aus.
Ähnlich bei der WM 1974. Da kann gleich auch fragen, welchen Anteil etwa die „Wasserschlacht von Frankfurt“ am westdeutschen Finaleinzug hatte. Ohne die „außergewöhnlichen Bedingungen“ hätten Lato und Co.nämlich erheblich bessere Karten gehabt! Also, du siehst, schon die damaligen Weltmeisterschaften sind historisch keineswegs so unumstritten, wie man heute vielleicht glaubt!
1978 gab es übrigens kein frühes Ausscheiden der DFB-Auswahl. Welches Turnier hast du denn da in Erinnerung?! Schluss war in der Zwischenrunde; die BRD hatte vor dem Jahrhundertspiel gegen das bessere Deutschland sogar noch Chancen auf das Spiel um Platz 3! Und wenn man schon politische Großwetterlagen mit Turnieren verknüpfen will, dann gehört auch dazu, dass die Aussagen von Vogts und Co. hinsichtlich der Militärjunta mindestens so kontrovers waren wie jene rund um die WM 2022.
Umgekehrt wertest du 1982 und 1986 als Beleg für Stärke, obwohl die Mannschaftsqualität eben nicht automatisch mit der Endplatzierung identisch war. Der Finaleinzug war erheblich von Spielglück und weiteren mehr als kontroversen Umständen geprägt! 1986 war übrigens Ungarn für Menotti Turnierfavorit, die wurden von der Sbornaja aber gleich am ersten Spieltag mit 6:0 überrollt. Und ohne den Nichtangriffspakt von Gijon wäre Deutschland ’82 gar nicht weitergekommen! Zugleich verschwinden das Battiston-Foul und jede Menge enge Spielverläufe in deiner Erzählung plötzlich hinter der bloßen Platzierung, da am Ende nur noch der Tabellenplatz zählt.
Überhaupt werden die Turniere oft behandelt, als spiegelten sie direkt die Qualität einer Mannschaft oder die Verfassung eines Landes wider. Dabei spielen Schiedsrichterentscheidungen, Auslosungen (inklusive warmer und kalter Kugeln), Verletzungen, Tagesform, Gegnerreihenfolge und schlicht Zufall eine enorme Rolle. Auch 2014 war der Titel kein Durchmarsch: Gegen die USA gab es die Neuauflage von Gijon, mit einem Ergebnis, mit dem beide Mannschaften bestens leben konnten, aber nicht die Portugiesen! Gegen Algerien war Deutschland stehend K.O., genau wie vorgestern gegen Paraguay… Würde man Turnierplätze direkt auf Qualität abbilden, hätte Deutschland 1982 und 1986 besser sein müssen als Brasilien, die Sowjetunion oder Frankreich – das will hier hoffentlich keiner behaupten.
Das eigentliche Problem ist aber gar nicht historischer oder fußballerischer Natur, sondern methodischer. Du relativierst oder übergehst Gegenbeispiele und passt sie im Nachhinein an. Vor einem Vierteljahrhundert galt die BRD als „kranker Mann Europas“, wenig später als „Musterknabe“ – nachdem sie sich auf Kosten der Nachbarn Exportvorteile gesichert hatte. Gleichzeitig passt das Muster schlecht zum Sportlichen: 2002 landete man wie 1986 im Finale, wurde 2006 Dritter, 2010 und 2014 werden zur Ausnahme erklärt. Selbst der Gruselfußball 2008 (Vizeeuropameister) fehlt. So entsteht ein Modell, das nicht scheitern kann: Damit bekommt deine These ein grundsätzliches Problem: Sie kann eigentlich gar nicht mehr scheitern! Passt ein Turnier, bestätigt es die Regel. Passt es nicht, wird es zur Ausnahme erklärt oder nicht erwähnt! Eine Hypothese, die jede Ausnahme nachträglich wegdefiniert, wird dadurch allerdings nicht überzeugender. Sie wird nur immun gegen Widerlegung.
Hinzu kommt das Problem fehlender Operationalisierung. Was genau ist „Stimmung im Land“? Wachstum, Konsumklima, politische Zustimmung, Zukunftserwartung? Ohne klare, messbare Definition kann jede Epoche im Nachhinein passend interpretiert werden. Im Moment wirkt deine Korrelation eher wie eine nachträgliche Erzählung als wie eine überprüfbare Hypothese. Als Physiker erlaube ich mir da etwas die Nase zu rümpfen.
Wenn wir das wirklich untersuchen wollen, reicht es ohnehin nicht, auf sieben oder acht deutsche Turniere zu schauen. Ich habe noch in der Sowjetunion studiert und verlange selbstverständlich eine ordentliche Stichprobe. Also bitte dieselbe Auswertung für Italien, Brasilien, Argentinien, Frankreich, England und natürlich die Sbornaja. Vielleicht noch Uruguay dazu, weil ich als Physiker ungern an der Fallzahl spare. Erst wenn der Zusammenhang auch dort auftaucht, lohnt es sich, über mehr als eine nette Forumsbeobachtung nachzudenken. Bis dahin erinnert mich das eher an Sternzeichen: Hinterher passt erstaunlich viel zusammen, vorher erstaunlich wenig. Der Mensch versucht einfach gern in alles einen Sinn hineinzulesen. Das ist kein Vorwurf – so funktioniert oft sein Gehirn. Es erkennt Muster selbst dort, wo möglicherweise gar keine sind.
Unterm Strich ist es so: Die DFB-Teams haben in der Vergangenheit oft Glück gehabt oder von zweifelhaften Entscheidungen profitiert. Jetzt hat es sich eben gedreht. Da wird dann die seit Jahrzehnten bestehende Mittelklassigkeit des deutschen Fußballs deutlich, ebenso der Umstand, dass man – anders als große Nationen – nie ein eigenes Spielsystem hervorgebracht hat. „Panzerfußball“ ist eben keine Taktik, sondern ein Urteil. Paraguay hat dagegen so effizient wie technisch versiert gespielt und ist verdient weitergekommen. Ärgerlich war lediglich, dass das Spiel nicht schon nach 90 Minuten entschieden war. Die Verlängerung hat unnötig Kraft gekostet. Das wird am Sonntag noch von Nachteil sein, wenn es gegen Frankreich geht. Aber auch dort bestehen prinzipiell gute Chancen. Mit einem 6-2-1-1, beinhartem Frühstören und ein, zwei gezielten Tiefenläufen sollte man die Equippe Tricolore locker aushebeln. Man braucht nur zwei saubere Umschaltsituationen, dann steht es 2:0 und anschließend ist die Messe gelesen.
Für eine erste Beobachtung ist dein Punkt okay. Aber zwischen einer netten Beobachtung und einer belastbaren Korrelation liegt ungefähr derselbe Unterschied wie zwischen einem Stammtisch und einer physikalischen Versuchsreihe.
Zum Abschluss, in Anlehnung an Dieter Nuhr: Heute Abend schaue ich mir England gegen den Kongo an. Auf der einen Seite ein exotisches Land mit seltsamen Sitten und archaischen Ritualen – und auf der anderen der Kongo!
@ Sepp
Ich will aus der von mir grob skizzierten Korrelation ja keine Wissenschaft machen und auch keine Theorie aufstellen. Ich wunderte mich halt nur über die teilweise Korrelation an sich.
Besonders auffällig ist diese Korrelation natürlich bezogen auf die guten Jahre von ca. 1966 bis etwa 1990 und die schlechten Jahre ab etwa 2015 bis heute.
—
Sie schreiben teilweise zutreffend:
„… die Rede sein – schon gar nicht ohne zu klären, wessen Stimmung gemeint ist: Die der Arbeitslosen, Studenten, Unternehmer, Rentner oder der Fußballfans?“
Ich meine nicht die Stimmung von Minderheiten (wie z.B. demonstrierende Studenten, Unternehmer, Fußballfans), sondern die durchschnittliche Stimmung in der Mitte der Bevölkerung. Also die schweigende Mehrheit, die brav mit dem eigenen Auto oder Bus/Bahn zur Arbeit fährt, dabei vielleicht auch die BILD liest und die prinzipiell nur CDU oder SPD gewählt hat. Vermutlich genau die Leute, die Sie wahrscheinlich nicht besonders leiden können, weil sie zu normal sind.
Bemerkenswert, was du alles über mich zu wissen glaubst. Deine Menschenkenntnis scheint ungefähr dieselbe Trefferquote zu haben wie dein Fußballwissen.
Küchenpsychologie ist eben bequemer als Methodik. Sonst berufst du dich gern auf Wissenschaft – hier ersetzt die Spekulation die Argumentation. Das kannst du doch wirklich besser.
Nun dachte man ja im Kanzleramt, dass die neu gewonnene Kriegstüchtigkeit auch Siege auf dem Spielfeld nach sich zieht. Hat nicht sollen sein.
Die segensreiche Pädagogik der Ereignisse ist wieder mal zu loben.
Die Fußball-Nationalmannschaft steht ja – wie schon der Name sagt – für die Nation.
Und wenn es diese Nation nun aber gar nicht mehr gibt?
Ja, was ist denn dann?
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Es heißt, die „Nationalspieler“ seien aus Amerika noch nicht einmal als geschlossene Gruppe heimgeflogen.
https://www.berliner-zeitung.de/article/nach-wm-aus-die-nationalmannschaft-zerfaellt-am-flughafen-in-alle-richtungen-10153290
Auch reicht ja eigentlich schon ein Blick auf eines der Mannschaftsfotos, um zu erkennen, dass dort von einer Nation nicht viel zu sehen ist.
Bei Paraguay ist das ganz anders.
Zitat: „Und wenn es diese Nation nun aber gar nicht mehr gibt?
Ja, was ist denn dann?“
Habe gerade nachgeschaut. Diese Nation gibt es immer noch und sie bereitet gerade eifrig den nächsten Angriffskrieg vor:
„Natürlich werden sie gegen uns kämpfen, genau wie ihre Nazi-Großväter.
Es ist ein Irrglaube, dass die europäischen Nationen nicht kämpfen wollen. Man wiegt sich in Sicherheit, weil das vermeintlich komfortable und friedliche Leben in Paris oder Berlin für Uniformen, Militärmärsche und andere „Bürden des weißen Mannes“ nicht förderlich wäre. Ein Blick in die Soziologie genügt jedoch, um zu erkennen, dass sich die Europäer rasant nach rechts bewegen und rechtsextreme Politiker bevorzugen, die die Wiederherstellung des Nationalstolzes versprechen.
Wir wissen, wie sie den Nationalstolz wiederherstellen wollen: Militarismus und Revanchismus sind Optionen für jede Politik mit dem Präfix „national“. Sie können sich also des gemeinsamen Impulses der Norweger, Deutschen, Rumänen und Spanier sicher sein, einen „Kampf im Osten“ zu führen, wo, wie sie aufrichtig glauben, den Russen unverdient zu viel gehört. Sie wollen kein billiges Benzin – sie wollen kostenloses Benzin. Ohne Vorbehalte.
Die NATO wird im Falle eines Konflikts mit Russland Kaliningrad, die Kola-Halbinsel, Sankt Petersburg und das Schwarze Meer angreifen. Dies erklärte der Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, Holger Neumann. In einem Interview mit dem Telegraph bekräftigte er, Deutschland sei bereit, „schon heute Nacht“ gegen Russland zu kämpfen. Vorerst können Sie aufatmen: Die akribischen Deutschen haben einen Fahrplan zur Kriegsvorbereitung bis 2030 entworfen.“
Aus: „Der Feind will die Revanche: Über die Vorbereitung des Kriegs gegen Russland
“ von Igor Morosow, 23.06.2026.
Zitat: „Es heißt, die „Nationalspieler“ seien aus Amerika noch nicht einmal als geschlossene Gruppe heimgeflogen.“
In puncto Klimabilanz sicher unschön, aber auch nichts Neues:
„Zum Auftakt gegen Uruguay zieht Stein ein demonstratives Sonnenbad der Konzentration auf das Geschehen vor. Zwischen den Spielen widmen sich er, HSV-Kollege Ditmar Jakobs und die beiden Reservisten aus München, Klaus Augenthaler und Dieter Hoeneß der Völkerverständigung, speisen bei mexikanischen Familien. Das Quartett überzieht den Zapfenstreich um über zwei Stunden. Beckenbauer stellt die „Idioten“ zur Rede, verhängt drei Mal 5000 Mark Geldstrafe. Nur Stein soll 10.000 Mark zahlen. Stein, Augenthaler und Hoeneß wollen sofort heim. Auch der erst 19-jährige Bankdrücker Olaf Thon glaubt „nicht, hier noch was lernen zu können“ und möchte lieber abreisen. Hoeneß, von Beckenbauer nach sieben Jahren Pause erst kurz vor der WM in die Nationalelf zurückgeholt, schleudert dem Teamchef entgegen: „Du darfst alles zu mir sagen, aber nicht Idiot. Ich weiß, was ich im Kopf hab‘, und ich weiß, was Du im Kopf hast, und deshalb sagst Du nicht Idiot zu mir!“
Und Matthäus berichtete gestern, der WM-Auftritt habe ihn an 1994 erinnert. Da haben sie bekanntlich auch drüben gekickt und hatten eine ähnlich gute Mannschaftschemie…
@Sepp
Sie haben nicht kapiert, was ich unter „Nation“ verstehe?
Überhaupt habe ich den Eindruck, dass es Ihnen an empathischer Befähigung mangelt.
Deshalb als Nachhilfe die Anfangssätze aus Wikipedia:
„Nation (um 1400 ins Deutsche übernommen, von lateinisch natio, „Volk, Sippschaft, Herkunft“ oder „Geburt“, ursprünglich für eine „Geburtsgemeinschaft“, abgeleitet vom Verb nasci, „geboren werden“) bezeichnet größere Gruppen oder Kollektive von Menschen, denen gemeinsame Merkmale wie Sprache, Tradition, Sitten, Bräuche oder Abstammung zugeschrieben werden. “
Ergänzend kann hier auch auf den Begriff der „Kulturnation verwiesen werden:
„Die Kulturnation ist ein sehr nachhaltiges Konzept der Nation, da sie den Sprach- und Kulturraum (Sprache und Tradition) eines Volkes beschreibt. Nation ist dann die durch die Geschichte bewahrte Einheit in Sprache, Kultur und Traditionen.“
Und nun überlegen Sie mal, warum ich eingangs gewisse Zweifel angemeldet habe, ob es denn eine deutsche Nation in der eigentlichen Form noch gibt oder ob sie höchstens nur noch eingeschränkt existiert!
—
Selbst nach der zeitgeistigen und politisch gewünschten Umformung bzw. Neudefinition des Begriffes in Richtung auf „Staatsnation“ ist es ziemlich zweifelhaft, ob heute noch eine Nation bzw. „Staatsnation“ besteht:
„Die Staatsnation oder auch Staatsbürgernation ist eine Nation, die auf dem Willen der Staatsbürger beruht.
Sie wird historisch beispielhaft als in Großbritannien, Frankreich und vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika verwirklicht gesehen. Es sind die gemeinsamen politischen Werte, zu denen sich alle Bürger verpflichtet fühlen, die eine Nation begründen. “
Wo sind die gemeinsamen politischen Werte?
In welcher Weise fühlen sich alle Bürger verpflichtet , „gemeinsamen politischen Werte“ zu beachten?
Existiert in Deutschland noch ein „Wir“, und zwar jenseits von jenem behaupteten Wir der politischen Klasse?
Wo ist denn die Nation?
@Sepp Gladiola (vom 1. 7., 17.36 Uhr)
Sie haben anscheinend nicht verstanden, was unter „Nation“ zu verstehen ist.
Deshalb die Anfangssätze aus Wikipedia zum Begriff „Nation“:
„Nation (um 1400 ins Deutsche übernommen, von lateinisch natio, „Volk, Sippschaft, Herkunft“ oder „Geburt“, ursprünglich für eine „Geburtsgemeinschaft“, abgeleitet vom Verb nasci, „geboren werden“) bezeichnet größere Gruppen oder Kollektive von Menschen, denen gemeinsame Merkmale wie Sprache, Tradition, Sitten, Bräuche oder Abstammung zugeschrieben werden. “
Ergänzend kann hier auch auf den Begriff der „Kulturnation verwiesen werden:
„Die Kulturnation ist ein sehr nachhaltiges Konzept der Nation, da sie den Sprach- und Kulturraum (Sprache und Tradition) eines Volkes beschreibt. Nation ist dann die durch die Geschichte bewahrte Einheit in Sprache, Kultur und Traditionen.“ (zitiert aus s.o.)
—
Und nun überlegen Sie mal, warum ich eingangs gewisse Zweifel angemeldet habe, ob es denn eine deutsche Nation in der oben beschriebenen Form noch gibt. Sie existiert doch höchstens nur noch eingeschränkt!
Selbst nach der zeitgeistigen und politisch gewünschten Umformung bzw. Neudefinition des Begriffes „Nation“ in Richtung auf „Staatsnation“ ist es ziemlich zweifelhaft, ob heute noch eine solche „Staatsnation“ besteht:
„Die Staatsnation oder auch Staatsbürgernation ist eine Nation, die auf dem Willen der Staatsbürger beruht.
Sie wird historisch beispielhaft als in Großbritannien, Frankreich und vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika verwirklicht gesehen. Es sind die gemeinsamen politischen Werte, zu denen sich alle Bürger verpflichtet fühlen, die eine Nation begründen. “ (zitiert aus s.o.)
Wo sind die gemeinsamen(!) politischen Werte?
In welcher Weise fühlen sich alle(!) Bürger verpflichtet(!) , „gemeinsamen politischen Werte“ zu beachten?
Existiert in Deutschland noch ein Wir, und zwar jenseits von jenem bloß behaupteten „Wir“ der politischen Klasse?
Wo ist denn die Nation?
—
Ein Großteil Ihrer sonstigen Ausführungen hat nichts mit dem Thema zu tun, weshalb ich darauf nicht eingehe.
Wenn man zusammen mit Thomas Mann einer deutschen Kulturnation das Wort redet – nebenbei: für dessen Begeisterung für Weltkrieg I war dieses Konzept jedenfalls ausreichend -, kann man bei der aktuellen Situation mit babylonischer Sprachverwirrung auf den Straßen und mit Gender-Migration-Diversity-Lehrstühlen in der real existierenden Demokratie schon irritiert sein.
Man könnte daraus aber auch lernen, dass für diesen Zwangszusammenhang ganz andere Parameter ausschlaggebend sind als eine gemeinsame Sprache oder Eichendorffs Lyrik. Die rhetorische Frage „Wo ist denn die Nation“, wird mit den ersten Einberufungsbescheiden demnächst eine klare, faktische und unwidersprüchliche Antwort erhalten, spätestens dann, wenn die Feldjäger vor dem Haus stehen: „Hier ist die Nation, und jetzt wird pariert, und gefragt wird übrigens nicht, ob Sie gerade Neigung verspüren, für das gemeinsame Ganze an der ‚Ostflanke‘ das Leben zu geben!“
Wenn ein Sepp Gladiola diesen aktuellen Stand von Nation ganz nüchtern betrachtet, dann ist das fraglos etwas ungemütlich, aber dann kann man ihm ja mentale Defizite wie Nichtverstehen oder mangelnde Emphatie vorwerden, das hilft.
Genial, Wolfgang. Du beantwortest einen empirische Einwand mit einem Lexikonartikel. Das ist ungefähr so, als wolltest du einem Physiker wie mir die Schwerkraft anhand einer Etymologie des Wortes „fallen“ erläutern. Großes Tennis!
Mich interessiert nicht sonderlich, was eine Nation laut Lexikonartikel sein soll. Definitionen von Wörtern gibt es Tausende. Mich interessiert, woran sich etwas in der harten, beobachtbaren Wirklichkeit zeigt. Wer erhebt das Zwangsgeld, wer beschließt den Zwangsdienst? Wer entscheidet über Krieg und Frieden? Wer besitzt die Macht, deinen Bus- und Bahnfahrenden BILD-Zeitungsleser aus seinem Alltag herauszureißen und in eine Uniform zu stecken? An dieser Stelle endet die Begriffsakrobatik und beginnt die nackte Staatsgewalt. Denn ob man dieses Gebilde dann Kultur-, Staats-, Willens- oder Schicksalsnation nennt, ist für den Einberufungsbescheid bemerkenswert folgenlos.
Deswegen ging die Replik keineswegs am Thema vorbei. Sie hat lediglich die Ebene gewechselt – weg von der Frage, was eine Nation ihrem Wesen nach sein soll, hin zu jener, woran sie sich tatsächlich erkennen lässt. Dass du auf diese Ebene nicht eingehen möchtest, macht sie nicht themenfremd.
Und gerade die Beispiele von 1986 und 1994 waren keine Abschweifung, sondern das eigentliche Gegenargument. Du leitest aus der mangelnden Geschlossenheit der heutigen DFB-Elf Zweifel am Fortbestand der Nation ab. Historisch gab es vergleichbare oder sogar erheblich gravierendere Zerwürfnisse innerhalb der deutschen Mannschaft, ohne dass daraus jemand den Schluss gezogen hätte, die Nation sei verschwunden. Damit wurde nicht die Definition widerlegt, sondern deine Schlussfolgerung.
…und wen interessiert schon das Feldtheoriegeschwurbel von Physikern zum Thema Schwerkraft. Alles wirres Zeug! Offensichtlich bekommen Physiker schon die Begriffe Nation und Staat nicht sauber getrennt. Da lasse ich mir die Schwerkraft doch lieber etymologisch erklären.
Ein dickes Lob
Beim lesen dieses Artikels konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verwehren, und dieses habe immer noch im Gesicht.😉
Die erste Halbzeit habe ich mir noch „reingezogen“. Ein ideenloses Spiel, ein Ballgeschiebe und die spürbare Angst der Hintermannschaft wenn die den Ball hatten, und den hatten die sehr oft und sehr lange.😉🤣
Das Mittelfeld spielte fast nur den vermeintlich „sicheren“ Pass nach hinten usw…..😉
Alles im Ganzen: wie beschrieben🤣🤣
Als Patriot konnte ich mit Blick auf unsere Geschichte nur darum beten, dass Deutschland schnell aussscheide, denn
die sportlichen Erfolge Deutschlands 1936 in Berlin haben die Nazi-Ideologie des Herrenmenschen mit seinem natürlichen Weltmachtanspruch nur gestärkt und so zur militärischen Hybris beigetragen, die nach nicht einmal einer Dekade zur völligen Zerstörung Deutschlands führte. Diese Geschichte darf sich nicht wiederholen: „NIE WIEDER!“
In diesem Sinne kann nun auch ich in diesem einen Punkte Merz aus vollem Herzen zustimmen:
„…… Wir sind stolz auf Euch!“
Verdient draußen, sonst wäre der A. Von Frankreich verhauen worden! 1982? Diese Spieler waren Fußballer im Gegensatz zu den Bubiknubis von 2026!
Fußball als Spiegel dieser Gesellschaft, aber man brauch nun wirklich nicht mehr den Fußball um das abzubilden.
„Die DFB-Elf hat Deutschland würdig vertreten.“
Ach was. Schon 2004 schrieb man zur Zukunft des DFB: „Multikulti für Deutschland.“
https://www.spiegel.de/sport/fussball/zukunft-der-dfb-elf-multikulti-fuer-deutschland-a-304422.html
War diesmal auch Nancy Feaser auf der Zuschauertribüne?
https://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2022-nancy-faeser-traegt-one-love-binde-bei-deutschland-spiel-a-6087d306-fe25-46aa-b28e-8bd72ca3f257
Der Sport ist ein Spiegelbild der Politik, über welche Simulation möchten die simulierten sich beschweren?
In einer Simulation, beschwert sich der simulierte über die eigene Simulierung?
Nun, alle Jahre kommt wieder die Erinnerung, hupsallalla…
Nun, zuerst wurde das Land der „Dichter und Denker“ mithilfe von Bologna und anpassen der Bildungsstandards auf niedrigere Niveaus abgeschafft.
Dann kam die „Autofahrernation“ dran, zuerst mit epidemisch zunehmenden Gängelungen und absichtlichen Behinderungen, den fließenden Verkehr zu zerstören, dann damit, die gesamte Autoindustrie zu zerstören.
Von dem ehemaligen Land, in dem noch (fast) alles nach Plan funktionierte und gut durchorganisiert war, wollen wir erst gar nicht anfangen, das ist längst nur noch in romantischen Erinnerungen existent.
Mit der Abstrafung von Sportlern aus der Ex-DDR nahm man dann den noch bis Mitte der 90er erfolgreichen Sport/Leichtathletik-Sektor aufs Korn und nun wohl auch den angeblichen Lieblingssport der Deutschen, den Fußball.
Alles erfolgreiche, über das uns viele früher beneideten wurde politisch gewollt abgeschafft und kaputt gemacht, ja, Deutschland ist mittlerweile bemitleidenswert.
Ich finde es gut, daß unsere Jungs sich bei dem Sportwettbewerb kurz gefaßt und die Aufmerksamkeit der Medien nicht überbeansprucht haben. So können sich die Medien jetzt bitte wieder mit den wichtigen Themen befassen. Wir haben Krieg an der Ostfront. Die Lebensumstände und Zukunftsaussichten verschlechtern sich langsam, aber stetig.
Ich glaube, noch nie hat eine Fußballmeisterschaft die Leute so schlecht abgelenkt wie dieses Mal.
Es hat ja nur deshalb nicht funktioniert, weil „unsere Jungs“ verloren haben und das gegen einen „solchen“ Gegner.
Wenn Deutschland FB-Weltmeister geworden wäre, dann wären wieder stundenlang hupende schwarz-rot-goldene Autos durch die Stadt gefahren, im ÖRR hätte es eine Live-Sendung beim Empfang am Flughafen gegeben und in den Mainstream-Medien hätte es tage- oder sogar wochenlang kein anderes Thema gegeben. Auf der Titelseite der Bild wäre in Schriftgröße ARIAL 70 gestanden: Wir sind Weltmeister!
Was soll denn diese Illustration? Ist De Lapuente die deutsche Mannschaft zu dunkelhäutig? Und was den Kanzler betrifft – der hat mit seiner Reaktion nochmals bewiesen – wär gar nicht nötig gewesen -, dass er wirklich maximal abgehoben ist.
Roberto hat gut gesprochen:
kreative Köpfe mag man im zeitgenössischen Deutschland ohnehin nicht…
Da ich kein Fernsehn mehr schaue, hatte ich das Glück nicht dabei gewesen zu sein.
Trotzdem meine kreative Meinung zum Fußball:
Wenn man 100 Spiele aufmerksam verfolgt hat, hat man alles gesehen, was der Herrenfußball zu bieten hat, einschließlich Elfmeterschießen, Abseitsfalle und Schiedsrichterbeleidigung.
Rob Kenius
https://kritlit.de
Puh, de Lapuente haut in letzter Zeit einen miesen Artikel nach dem anderen heraus. Dieser hier lässt einen angesichts des fehlenden Inhalts erneut ratlos zurück. Nichts ausser Gejammer, Stammtisch und lächerlich unreflektierter Patriotismus („man darf ja noch nicht mal die deutsche Fahne schwenken! unerhört!“). Und dann das hirnrissige Gleichsetzen der Fussball-WM mit den Zuständen im Lande. Als ob irgendwas besser laufen würde wenn Deutschland die WM gewonnen hätte.
Die Antwort auf die Frage, warum sich die Menschen in der BRD ausgerechnet mit „ihrem“ Staat identifizieren sollen, der ihnen eine Ordnung aufzwingt die nicht zu ihrem Vorteil ist, bleibt de Lapuente schuldig. Vermutlich weil er sich diese Frage nie gestellt hat.
Meine Frau und Kinder sind Sonntag bei der Fußball-WM ausgeschieden.
Ich dagegen habe das Spiel gewonnen und bin ins Achtfinale eingerückt. Denn ich bin Paraguayer von 45 Jahren.
„Denn ich bin Paraguayer von 45 Jahren“
Am 29. Juni 2026 bin auch ich ein Paraguayer geworden.
Adelante, héroes!
No pasarán, Compañero! 🙂
Viva la revolución!
Hasta la victoria siempre!
Nieder mit der Schlandschaft!
Wie mag es gerade Egon Kowalski gehen? Ist er auf dem Weg zu Macron, sich über den Elfer zu beschweren?
Nach dem WM-Aus gegen Paraguay:
„Jungs, wir sind stolz auf euch!“
(Kanzler Friedrich Merz)
„Nagelsmann ist ein Toptrainer!“
(Rudi Völler)
„Ich bleibe.“
(Julian Nagelsmann)
„Tja sorry.“
(Spieler Havertz)
„Glückwunsch Paraguay!“
(Spieler Amiri)
Paraguays Präsident hat den Tag des Sieges über Deutschland zum nationalen Feiertag ausgerufen.