
Die Welt dreht sich weiter – doch der Ton wird schriller, düsterer, hoffnungsloser. Müssen wir wirklich immer nur klagen? Ein nachdenklicher Appell für mehr Respekt, Debattenkultur und den Mut, negative Gedankenschleifen zu durchbrechen.
1983 veröffentlichte Paul Watzlawick seine „Anleitung zum Unglücklichsein“. Dieses übersichtliche und humorvolle Werk des österreichisch-amerikanischen Philosophen und Kommunikationswissenschaftlers erklärt jene Grundhaltung ständiger Unzufriedenheit und der daraus resultierenden Larmoyanz, die er in seinem gesellschaftlichen Umfeld erkennt und ironisch kommentiert. Dieses Umfeld ist die in voller Blüte stehende westliche Welt, eine Elitegesellschaft, die sich in einem ständigen Überlebenskampf wähnt.
Die Sowjetunion kämpft in Afghanistan, Grenada wird US-militärisch gemaßregelt. Das Wettrüsten läuft auf Teufel komm raus, und ein unbekannter russischer Oberstleutnant, Petrow, verhindert in letzter Sekunde einen Atomkrieg. Helmut Kohl steuert Westdeutschland durch unruhige Zeiten. Die fröhliche Wiedervereinigung der deutschen Stämme stand, wenn überhaupt, in den Sternen. So war das damals, vor bald 40 Jahren.
… der hängt immer hinten
Seither hat sich die Welt gleichmäßig weitergedreht. Was sich allerdings auf ihrer Oberfläche abspielt, scheint in einem sich ständig beschleunigenden Teufelskreis den Watzlawickschen Vorgaben zu folgen; es dreht und verwickelt sich verzweifelt.
Adalbert von Chamisso beschreibt dieses Verhalten schon im frühen 19. Jahrhundert:
Tragische Geschichte
’s war einer, dem’s zu Herzen ging, / Daß ihm der Zopf so hinten hing, / Er wollt es anders haben. /
So denkt er denn: wie fang ich’s an? / Ich dreh mich um, so ist’s getan – / Der Zopf, der hängt ihm hinten. /
Da hat er flink sich umgedreht, / Und wie es stund, es annoch steht – / Der Zopf, der hängt ihm hinten. /
Da dreht er schnell sich anders ‚rum, / ’s wird aber noch nicht besser drum – / Der Zopf, der hängt ihm hinten. /
Er dreht sich links, er dreht sich rechts, / Es tut nichts Guts, es tut nichts Schlechts – / Der Zopf, der hängt ihm hinten. /
Er dreht sich wie ein Kreisel fort, / Es hilft zu nichts, in einem Wort – / Der Zopf, der hängt ihm hinten. /
Und seht, er dreht sich immer noch, / Und denkt: es hilft am Ende doch – / Der Zopf, der hängt ihm hinten.
Da braucht es keine handwerklich geschickte, intellektuell fundierte oder philosophisch gelehrte Maßnahme; der Zopf bleibt, wo er ist. So komme ich zum Drehzirkus der Meinungen, der unter anderem auch im hochgeschätzten „Overton“ digital ins Haus kommt. Ich bin seit Beginn ein treuer Leser der Plattform und hatte ab und zu das Privileg, inhaltlich etwas beizutragen. Mal mit mehr, heute mit allmählich erlahmendem Interesse verfolge ich auch die Kommentare, die zu den Beiträgen geschrieben werden.
Sowohl in den Beiträgen als auch in den Kommentaren wird ein pessimistisches Klagen ständig lauter und eindringlicher. Eine Jeremiade, die sich aus sich selbst nährt, die kaum eine Sparte des politischen oder gesellschaftlichen Lebens auslässt und den ständigen Niedergang beschwört. Oft sind es gut recherchierte und formulierte Untergangsszenarien von anerkannten Frauen und Männern, die wissen, wovon sie reden. Selten finden sich positive Lösungsansätze. Geradezu gefeiert werden die Abgründe, die sich auftun. Brückenbauer sind nicht in Sicht. Das Höllenfeuer droht, sei es durch Klima oder Wirtschaft, Krieg oder Wissenschaft, Rentenpolitik, Genderfragen oder Ernährung. Auf alles wird zunächst mit Hiobs Botschaft und zeigendem Finger verwiesen; Menetekel um Menetekel erscheint, die Zukunft ist pechschwarz. Gerne fällt die Leserschaft mit ergänzenden Texten in diesen Chor ein: Von „Das wissen wir doch alles bereits“ über knackige Kurzbemerkungen, interne Beleidigungen, Wutschreie bis hin zu ausufernden Buchstabenwüsten aus unüberprüfbaren, irgendwo aufgeschnappten oder selbst gezimmerten Thesen. Nicht selten schert sich der oder die Ergänzende kaum um den Inhalt eines Artikels, sondern grätscht mit eigenen Themen dazwischen. Overton möchte die Debattenkultur fördern? Leider ist das Internet übervoll mit solchen „Debatten“, die keine sind, sondern nur bestätigen, dass der eigene Bauchnabel – auch mit vielen Worten dekoriert – nicht von öffentlichem Interesse ist.
Ihn abschneiden?
Ja, ich bin es leid, diese Ergüsse zu lesen. Ich wünschte mir ein eigenes Bewusstsein der Lesergemeinde. Aufbauende Kritik statt wucherndem Dünkel, positive Ansätze oder Beispiele, die Lösungen entwerfen, offener Austausch von Meinungen statt kleinliche Seitenhiebe auf Autoren oder Mitkommentatoren. Nachfragen statt belehren. Man sollte sich zur Sache äußern. Debattenkultur eben.
Gefragt sind Toleranz und Respekt. Als Kommentarschreiber muss man nicht jedes Wort und jedes Komma überprüfen. Doch ob jemand die Verantwortung für seine Sätze übernimmt, lässt sich unschwer an Stil und Duktus ablesen. Wer schreibt, der bleibt. Auch wenn im Zeitalter der digitalen Wortfluten dieser alte Spruch etwas verblasst ist. Eigene Meinung und konstruktive Vorschläge sind interessant, Hinweise auf andere Inhalte weiten den Horizont. Per se ist Kommentare-Schreiben interaktiv. Das soll es bleiben. Nicht umsonst ist Journalismus ein Beruf, bei dem oft und gerne von Sorgfaltspflicht gesprochen wird. Das muss für Leserbriefschreiber nicht gleichermaßen gelten. Doch nicht von ungefähr werden die Lesermeinungen in den meisten Medien durch die Redaktionen gefiltert. Es ist mir klar: Eine kleine Redaktion wie die von Overton ist rein personell nicht in der Lage, auch noch die Debatten zu moderieren. Es liegt also an uns, den Lesern, hier behutsamer zu denken, bevor wir hastig etwas in die Tasten hauen.
Die selbsterfüllende Prophezeiung als Folge negativer Zukunftsbilder hat Hochkonjunktur. Da füllen sich Hirn und Herz mit angstmachenden Fakten. Wenn es dann passiert, bleibt einem nur noch das verbitterte „Habe ich es nicht gesagt!“, mit dem man im Mainstream steckengeblieben ist. Es ist mehr wert, positive Entwürfe in die Welt zu schicken. Das wäre mein Wunsch zum neuen Jahr.
Der Zopf hängt hinten. Eine Lösung wäre, ihn abzuschneiden. Dann hat die arme Seele Ruhe.
Guten Rutsch.





Wenn man sieht wie dem westlichen Imperialismus langsam die Luft ausgeht, dann ist das in der Tat kein Grund zum Klagen, sondern doch eigentlich eine „Frohe Botschaft“. Es sind die Gläubigen der westlichen Narrative, die klagen, dass ihre Ideale in die Brüche gehen.
Der Untergang der westlichen Kultur wird uns, so wie es ausschaut, nur alle mit in den Abgrund reißen.
Der angelsächsische Imperialismus wird untergehen – vielleicht aber auch nur in eine neue Phase übergehen, noch beherrscht er ja große Teile der Welt. Ohne ihn wären wir auch in Europa besser dran.
Entscheidend ist was mit den großen Mengen an Kapital passiert, die sich in den USA angesammelt haben. Das ist ja die Machtbasis der USA. Der Staat (als Demokratie) wird zunehmend zu einer leeren Hülle, da die Oligarchen Staatsfunktionen übernehmen. Es läuft also in Ihrem Sinne (Motonomer: „der Staat muss weg“).
Rechtzeitig aussteigen wie z.B.:
…
Der arbeitslose Werkzeugmacher bekam zur Geschäftsgründung den
Kredit für einen neuen Bohrhammer
von einer Gelsenkirchner Bankfiliale schnell bewilligt
(schließlich setzt man heute alles auf Innovationskraft
und verlangt weniger Sicherheit).
Das handwerkliche Unternehmen ist heute das erfolgreichste der Stadt
und leuchtendes Vorbild für Deutschland.
Na, eine Eibenstock PLE 450 sollte es schon mindestens sein.😉
Bisschen klein, um einen Eingang durch eine Stahlwand zu schneiden.
Aber dennoch: Chapeau für den Hinweis auf Eibenstock. Ich betreibe ja eher eine Bosch-Flotte, aber einen kleinen Spezialisten habe ich doch im Koffer.
Hmmm. In einem hat der Autor recht: „Jeremiaden“ über die bestehenden Zustände werden deutlich häufiger kommentiert als konstruktive Verbesserungsvorschläge. Das habe ich bei meinen eigenen Beiträgen deutlich gemerkt. Jedoch: Beides ist notwendig. Wenn ein gewesener Finanzminister mit fetter Pension herumnölt, die Schwarzmalerei gehe ihm auf den Keks, dann steigt bei mir der Brechreiz hoch. Fett genährte Berufsopimisten gibt es genug in diesen Tagen . Ja, die guten, alten Zeiten waren bei weitem nicht so gut, wie sie sich in der Retrospektive ausnehmen, aber draußen ist es kalt, die Gasspeicher sind so leer wie schon lange nicht mehr: Ganz ohne Neubefüllung langt der Vorrat für 18 Tage, also bis zum 15. Januar. Das könnte knapp werden. Die Ölkrise habe ich als Kind erlebt. Meine Eltern hatten kein Auto und waren begeistert von den autofreien Sonntagen. Die nächste Energiekrise könnte unangenehmer werden. Es ist kein Fehler, darauf hinzuweisen. Das „Es hot noch emma jut jejan“ ist fehl am Platz, erst recht, wenn es nicht von einem unbekümmerten Kölner, sondern von einem kniepigen Sauerländer kommt.
Mir geht es umgekehrt, mir geht die Schönrederei, die Schönfärberei auf die Nerven. Da nervt es mich weniger wenn auf Overton gemeckert wird.
Gemeckert wurde auch viel in der DDR, in den Mittagspausen, vielleicht sogar in den Gängen auf Parteitagen?
Die Obrigkeit redete die kleine Welt der DDR schön, als es nichts mehr zum schönreden gab.
So kommt mir jetzt die BRD vor. Politiker und die Medien reden die Welt schön, schöner als sie ist. In den staatstragenden Medien sucht man krampfhaft nach positiven Nachrichten, um die Stimmung im Land zu verbessern.
So war es auch in der DDR. Kurz darauf ging sie unter.
Leider wird aber die BRD nicht so schnell untergehen. Zu stark ist ihre Polizei (siehe Polizeigewalt Berlin) und noch zu wirksam ist die Propaganda. Da freut es mich umso mehr wenn gemeckert, denn damit fängt es an
Es wäre schön, aber ich denke nicht, das es so schnell gehen wird.
Hey Naomi,
was soll ich sagen … Schönfärberei? Mir persönlich geht es richtig scheiße – und wenn ich mir die Lage da draußen anschaue, noch beschissener. Kann ich also sagen: Mir geht es trotz Krebs im Endstadium fast besser als der Welt da draußen?
Ich meckere ganz sicher nicht auf hohem Niveau. Das Letzte, was jetzt noch passieren dürfte, wäre, mir aus Kostengründen ein Medikament zu streichen, das mir zumindest zeitweise das Überleben ermöglicht. Mit wirklich üblen Nebenwirkungen, ja – aber immerhin. Das hätte mir gerade noch gefehlt. Nur zu der Situation in der damaligen DDR kann ich nichts sagen… Vielleicht habe ich dann auch nichts zu sagen. Angesichts der Situation in der Welt, ganz kurz vorm oder nach dem Abgrund, wie auch immer du willst…
Konstruktiv moppert der Autor über moppernde Leser.
Ein Moppermops schlich in die Küche…
und lässt hoffentlich noch ein paar Frühstücksflocken übrig,,,
Was gehn ihn Frühstücksflocken an
Wenn er doch Eier stehlen kann
Vielleicht entsteht – ich mein ja nur –
Kulinarisch Diskussionskultur
Danke für Ihre gut gemeinten Ratschläge (wir gehen zwar schon alleine aufs Töpfchen; – seisdrum), aber mit ‚unseren‘ Trollen kommen ‚wir‘ schon (fast) alleine klar.
Wir werden wohl tatsächlich warten müssen, bis die Generation, die sich eine Welt ohne die gewohnten Bequemlichkeiten nicht vorstellen will oder mag, im Grab liegt, bevor wir uns mit dem überfälligen Kulturwandel weg von der parasitären hemmugslosen Aneignung und Ausbeutung aller verfügbaren Ressourcen, die dem Materialismus westlicher Prägung ausmacht, wirklich widmen können.
Auch, wenn es so aussieht, als würde diese Generation die Welt mit in ihr Grab nehmen wollen.
Das werden dann wohl die Meisten von UNS wohl nicht mehr erleben. 😉
“ der parasitären hemmugslosen Aneignung und Ausbeutung aller verfügbaren Ressourcen, die dem Materialismus westlicher Prägung ausmacht, wirklich widmen können.“
Meinen Sie ALLE Nichtwestler leben in freiwilliger Bescheidenheit und Selbstbeschränkung ? Oder ist es nicht eher Mangel an Gelegenheit ?
Ich meine, dass die überwältigende Mehrheit der vielen tausend Kulturen, die Homo Sapiens in den 300.000 Jahren seiner Existenz hervorgebracht hat, die Leistung erbracht hat, zu einem stabilen Zustand zu finden, in dem die natürlichen Ressourcen nicht übernutzt werden. Das lässt sich schon daran sehen, dass die kulturelle Innenperspektive alle diese fundamental andersartigen Kulturen als „primitiv“ wahrnimmt und die eigene als „fortschrittlich“. So wird eine einmalige Entgleisung zur Norm erhoben und verherrlicht.
Sehr schön formuliert [+++]
Die Analyse bezüglich „einmalig“ krankt daran, daß es am Anfang schon „die die überwältigende Mehrheit der vielen tausend Kulturen“, d.h. nicht alle, steht.
Denkst du, dass es andere Kulturen gab, die vergleichbare Zerstörungen angerichtet haben?
Mag ja alles sein, aber die „Jeremiaden“ haben ja auch etwas damit zu tun, dass unsere Mainstream-Medien von schlechten Nachrichten leben und Mensch leider auf die News angewiesen ist. Frei gesagt es gibt keine „eigene Meinung“ – alles ist über „die Medien“ gesteuert, die im Besitz von 200 (oder mehr) reichen Leuten sind.
Dennoch haben auch Mainstream-Medien manchmal erhellende, aufklärerische und im besten Sinne „gute Nachrichten“ 😉
Hier eine aus der Berliner Zeitung (heute Vormittag noch ohne Bezahlschranke, jetzt leider hinter einer Bezahlschranke:
„[…]Russland und die Nato
Überraschende Einschätzung aus Estland: Keine russischen Angriffspläne gegen die Nato
Der Chef des estnischen Auslandsgeheimdienstes erklärt überraschend, Russland plane derzeit keinen Angriff auf die Nato oder die baltischen Staaten.
Author – Raphael Schmeller […]“
Link:
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/estland-geheimdienstchef-russland-nato-li.10012034
Ergo die an Russland grenzenden Länder sehen ein, dass Russland keine Angriffsabsicht gegenüber der NATO hat – ob sich das bis Brüssel (EU) und Berlin herumspricht? Immerhin ist Estland ja ein direkter Nachbar Russlands 😉
Gruß und allen ein gutes Neues Jahr wünschend Bernie
Gute Nachricht für alle AusMerzer, ErzMerzer, und alle, die es der Kriegsbereitschaft halber werden wollen,
da können „wir“ Russland ja ruhig weiter provozieren, bis es endlich soweit ist und die Raketen wieder fliegen,
aber andere wie morgen.
Nicht vergessen: Kaja Kallas ist Estländerin und gewisse ukrainische Gelder….usw,usw….
Da hat das US-Herrchen den kleinen Kläffer an die Leine genommen, sonst nix.
Hallo Krim, Hallo Luisa,
vielleicht hat die Kehrtwendung Estlands ja auch etwas damit zu tun, dass Weissrussland jetzt über kampfbereite „Haselnüsse“ (Oreschniks) aus Russland verfügt?
Hab da gestern aufgeschnappt, dass Weissrussland jetzt soweit ist 😉
Vielleicht haben die estnischen Kriegstreiber da die sprichwörtlichen „kalten Füße“ bekommen ? 😉
Gruß
Bernie
Ja liebe Kommentatoren immer schön sprechen und brav sein sonst gibts kein fleiß ⭐️chen aussagen wie:
Dieses politisch korrekte „wasch mir den Pelz und mach mich nicht Nass“ könnt Ihr euch einrahmen und runterspülen, aber Obacht könnte die Schüssel überfordern.
Sind natürlich ein absolutes no-no weil Ironie ja keine anständige Debattenkultur ist. (Wer diese Debattenkultur wohl definiert hat und aus welchen gründen wäre natürlich interessant gewesen zu erfahren aber darüber erfährt man leider nix.)
Und jetzt bin ich mal kurz ehrlich, es wird einem in der heutigen zeit an jeder ecke ein denk und sprech gebot/verbot auferlegt somit hab ich es mir zur Aufgabe gemacht selbige nach Kräften zu bekämpfen.
Eigentlich…bin ich ein ganz liebbär…. ♫
👍
Wir werden alle sterben! Ich klage das bitterlich an.
„Der Tag wird kommen“ ,John Wayne.
I´ll be back… 😉
Die Jeremiaden hier sind in der Tat etwas, was auf die Nerven geht, weil es so sinn- und fruchtlos daher kommt. Ein sich selber im Kreis drehendes, sich selbst bestätigendes vor sich hin elenden (neues Verb erfunden 😀 )
Am 100.000sten Kommentar über die bösen Politiker, die perversen Woken, die schlimmen Eliten, den koksenden Elendsky (oder den pösen Putin von den Trollen), klebt irgendwann eine so unangenehm klebrige Rudundanz, dass es einem Übelkeit verursacht und man sich abwenden muss.
Aber für
ist es vielleicht noch zu früh. Denn es gibt eben Zeiten, die so düster sind oder zumindest scheinen, wo mögliche Auswege tausend mal durchdacht auch nur wieder in einer Sackgasse enden, wo also die Ratlosigkeit langsam allumfassend wird… Es gibt solche Zeiten in denen sich der Geist der Menschen selbst so verdunkelt, dass man erst mal nichts „Positives“ sehen kann oder man es höchstens nur krampfig, also künstlich herbei zerren kann, was aber noch blöder ist.
Es wird wohl noch dauern bis die ganze Sache so tief gesackt ist, bis man wieder etwas „Positives“ wird erkennen können.
Bis dahin aber, da stimme ich David Höner zu, könnte man sich mindestens ein wenig mäßigen und nicht immer den gleichen Brei ins Forum kotzen. Psychohygiene hin oder her.
Das Forum hier hat in der Tat einige Schwächen, hier läuft nicht alles optimal. Aber man zeige mir ein besseres?
Es ist trotz allem besser als jedes moderierte Forum, das ich kenne. Hier laufen doch immer noch sehr gute Diskussionen ab, scheißegal ob die gerade zum Artikel passen oder nicht – ist das etwa so wichtig? Die Trolle, Pöbler, Freaks und Selbstdarsteller sind manchmal lästig, doch das Mausrad lässt sie auch schnell wieder in der Versenkung verschwinden, wenn man keinen Bock drauf hat.
@Two Moon
Danke, sehe ich ähnlich. Auch wenn der Autor mit einigem sicherlich recht hat (wie Sie ja schon beschrieben haben), betätigt er sich selbst eben gerade nicht als „Brückenbauer“. Für mich ist das, was er da abliefert, auch wieder nur – vielleicht in etwas verklausulierter Form – eine Art der Beleerung.
„sondern nur bestätigen, dass der eigene Bauchnabel – auch mit vielen Worten dekoriert – nicht von öffentlichem Interesse ist.“
Mal abgesehen davon, daß man diesen Satz 1:1 an den Autor zurückgeben könnte (denn bei dem, was er hier niederschreibt, handelt es sich schließlich um seinen eigenen Bauchnabel), scheint er mir gewisse Dinge nicht zu realisieren/wahrzunehmen. Daß es z.B. bei vielen Kommentaren (abseits der Trolle, Beschimpfungen, bewußten Provokationen, etc.) auch gerade ums „Zuhören“/Reflektieren geht; und ich schätze gerade die Kommentare, bei denen man merkt, daß sich jemand Gedanken gemacht hat oder wo auch mal das Persönliche durchschimmert.
Wo bleibt denn da das „Nachfragen“ des Autors ?
Ich kann mich auch nur vielen anschließen, die seinen ‚Optimismus‘ nicht unbedingt teilen. Und ehrlich gesagt, kotzen mich solche ewig gleichen und völlig platten Aussagen über das ‚Gejammere‘ der Anderen einfach nur an. Noch nie auch nur einen Schritt in meinen Schuhen gelaufen, aber herablassende Urteile über mich (stellvertretend) und mein Leben fällen. Das habe ich besonders gern. Stinkt allerdings einfach nur nach erhöhtem Sendungsbewußtsein.
„Die selbsterfüllende Prophezeiung als Folge negativer Zukunftsbilder hat Hochkonjunktur.“
Ach so, dann bilde ich (auch wieder stellvertretend) mir meine seit Jahren – in vielerlei Hinsicht – anhaltend beschissene Situation nur ein bzw. bin selbst schuld ? Das kann nur jemand schreiben, dem es selbst in jeglicher Hinsicht ziemlich gut geht.
„Ich wünschte mir ein eigenes Bewusstsein der Lesergemeinde.“
Dieser Satz strotzt nur so vor Arroganz. Vielleicht wäre es mal an der Zeit, wenn sich der Autor an die eigene Nase fassen würde. Aber das steht wohl eher nicht zu befürchten. Vielleicht sollten wir ihn auch einfach nur in seinem Elfenbeinturm belassen, keinen Mucks mehr tun, um ihn nicht mit unseren ‚Jeremiaden‘ (schon allein dieser gewählt eloquente Begriff lässt einen verzücken, spricht aus ihm doch ein einzigartiges, hochgebildetes Wissen) zu belästigen.
Mea culpa, mea maxima culpa…
@ Brian
Ja, ich gebe Ihnen recht. Der Autor ist anscheinend wirklich ein wenig zu wohl gebettet und auch nicht gerade so sehr von Selbstkritik zerfressen, als das er bestimmte Frustrationen der Leserschaft hier nachvollziehen könnte.
Offenbar ist es ihm auch irgendwie unverständlich, dass seine Artikel weit weniger positive oder konstruktive Resonanz bekommen, als sie seiner Meinung nach verdient hätten.
Anstatt das Problem aber vielleicht bei Schwächen in seinen Artikeln zu suchen, bieten sich die vielen schlechten Post und ihre Schreiber hier als Sündenböcke gerne an…
Naja, das ist jetzt wohl auch übermäßig streng und negativ interpretiert. So arg ist es vielleicht gar nicht und auch ein Artikelautor darf mal ein Stück in Richtung solch einer Schwäche ausgreifen. Ich bin es manchmal auch leid allzu strenge Urteile zu fällen.
@Two Moon
Ich finde es nicht unbedingt als „übermäßig streng und negativ interpretiert“.
Ich frage mich viel eher, was man thematisch aus einem solchen Artikel alles hätte machen/herausholen können. Stattdessen eben doch wieder nur das übliche, herablassende Bashing auf dem Niveau eines ‚Simplify-your-life‘- Lebenshilferatgebers. Weil, heissa, das Leben ist doch ach so schön und Du musst nur an deinem Mindset arbeiten, dann wird alles gut.
Ausblenden kann der Autor wohl ziemlich gut, differenzieren eher weniger.
Nochmal : ein paar Punkte im Artikel sind durchaus nachvollziehbar. Warum aber müssen solche Artikel regelmäßig mit einer – wenn auch nur latent durchschimmernden – sein Gegenüber mehr oder weniger völlig ignorierenden Arroganz gewürzt sein ? Warum kann man die Dinge nicht klar benennen, ohne jemanden runterzumachen oder zu bewerten ?
Mir geht es nicht darum, päpstlicher zu sein als der Papst und natürlich darf jeder mal über’s Ziel hinausschießen (tue ich selbst ja auch regelmäßig); was mir nicht gefällt, ist der so häufig anzutreffende (bewertende) Duktus, in dem solche Artikel immer mal wieder geschrieben werden.
Und – wie Sie schon richtig schreiben – dann darf man sich halt auch nicht wundern, wenn man daraufhin Gegenwind bekommt.
Ja, dieser Satz bringt es auf den Punkt!
Auf einem Pult in einem Hörsaal der untergegangenen DDR fand ich vor dem Untergang folgende Definition eingekritzelt:
Der Begriff Optimismus bezeichnet eine Mangel an Information.
@Grottenolm: Ist das nicht sogar ein Zitat von Heiner Müller?
Durchaus möglich, das weis ich nicht, eventuell wusste es der Urheber der Schnitzerei
„… verkündete Heiner Müller das endgültige Urteil: „Optimismus ist Mangel an Information“.“
https://www.philomag.de/artikel/etwas-besseres-als-der-optimismus?amp
.
Deswegen muss es aber nicht sein Kopf erfunden haben o)))
Viele berühmte wären nicht so berühmt, hätten Sie nicht auf das WIssen anderer aufbauen können o(
Sollen wir also dem Kind, das freimütig verkündet, der Kaiser sei nackt, den Mund verbieten? Nein, natürlich nicht. Aber ihn zum Schneider ausbilden, der wieder in der Lage ist, echte Kleider zu nähen. So würde ich das bildlich fassen wollen.
Der Zopf hängt hinten – der Penis vorn. Das gleicht sich aus und ist gut so, denn wer will schon einen Zopf oder Penis im Gesicht oder den Zopf unten und den Penis oben. Naja manche knüpfen sich einen Zopf in den Bart. Also nein. Der Zopf hängt nicht immer hinten.
Aha – „nicht von ungefähr“ – klar Zensur muss einfach, das ist klar wie Kloschüssel oder wie die Armen in der Kirche oder wie Prag und Nacht – wie Natur halt und die Overton Redaktion zensiert bloß nicht, weil sie zu klein ist, nicht weil sie nicht will, weil das das Programm des Magazins ist, was schon am Namen zu erkennen ist. Aber wenn die Overton Redaktion schon „rein personell nicht in der Lage“ ist zu zensieren, dann liegt es doch – beim gottverdammten heiligen St. Brainfuck – an „uns“ Lesern bzw. Kommentatoren uns selbst zu zensieren.
Ja klar doch. Als wäre diese kapitalistische, bürgerliche Scheiße verbesserbar, soll man sie auch noch idealistisch mit guten Wünschen und Entwürfen aufhübschen.
Der Zopf soll wohl der Kommentarteil sein, den dieser David gerne abschneiden will. Ich hätte da noch eine andere Lösung: Einfach den Zopf in Ruhe lassen, nicht mehr lesen, wenn er nicht gefällt. Aber den Leuten absichtlich nicht ins Gesicht schauen, sie stattdessen von hinten betrachten, um sich dann zu beklagen, dass das Hinterteil nicht den eigenen ästhetischen Ansprüchen genügt – das ist schon ziemlich dreist und verdreht.
Einen guten Punch ins neue Jahr, das wär mein Wunsch
Und macht kaputt, was euch kaputt macht.
Den letzten Satz habe ich 1974 auch verinnerlicht… 👍
Der Zopf hängt hinten
der Schniedel hängt vorn,
so sind nu mal weiblein
und männlein geborn.
Es ändert sich nix außer …
Der lange Schnurbart ist eigentlich nur
Des Zopfthums neuere Phase:
Der Zopf, der ehmals hinten hing,
Der hängt jetzt unter der Nase.
Da jammert Einer darüber, wie seine Mitforenten jammern…..
Ja Mei, es zwingt den Autor doch Keiner hier zu lesen. Er kann doch auch Tagesschau gucken, sowie die ganzen Talkshows, Politmagazine und was auch immer. Die zeichnen doch so ein wunderbares romantisches Bild der zukünftigen Kriegsfront, daß einem das Herz geradezu aufgeht, und man gleich mitmarschieren möchte. Mehr Positivismus geht nicht mehr! DA wird ihm geholfen !
„Es ist mehr wert, positive Entwürfe in die Welt zu schicken. Das wäre mein Wunsch zum neuen Jahr.“
Tja, ich hätte da schon einen absolut positiven Vorschlag die derzeitigen Probleme zu lösen, darf den allerdings nicht schreiben oder laut aussprechen. Nur soviel sei verraten: Das Ganze hat sehr viel mit stabilen Laternenpfählen zu tun…..
o))))
Das wirklich schlimme an diesen Zeiten, “ Klagen“ damit ist wohl eher das Elend anderer gemeint das immer deutlicher sichtbar wird im Medienzeitalter…
Von daher, als Pessimismus würde ich das nicht sehen wollen, als “ Sorge“ schon eher..
Und als „Sorge um andere “ , macht mir das die ganzen Schreiberlinge sogar sympatisch ..
Artikel gefällt mir, aber die Zielgruppe dürfte wohl eher eine andere sein o(
Wenn ich jemand heut klagen hören, dann kommen diese aus der Politik … und das ist echt schräg ..
Selten so gelacht.
Was soll es bringen, hier positive neue Ideen zu präsentieren? Niemand, der sie umsetzen könnte, liest hier mit. Die, die mitlesen, haben ihre eigenen Ideen und werden die positiven neuen ganz schnell zerlegen.
Das ist hier Zeitvertreib, keine Lösungsfindung.
Wir betreiben hier nur die Analyse, was getan werden muss nichts weiter….
Es bedarf ja schließlich keiner „neuen Ideen“, der Kampf heißt ja schließlich seit Jahrhunderten „Reich gegen Arm“!
Die Revolution müssen die Jungen schon machen, wir alten Herren werden das nicht stemmen können.
Sehe ich auch so.
Abgezeichnet hat sich das ja schon lange, aber das es so schnell zum Schwur kommt…
Ich hatte angenommen, dass ich vorher abkratze.
Genau, ich habe mich auch verkalkuliert, dachte ich werde noch ein paar gute Jahre haben, als es dann 2020 losging.
Darüber nörgeln, dass andere nörgeln. Genau mein Humor..
Herr Watzlawick hätte sicher auch gelacht.
👍
Voltaire: Optimismus ist die Tollheit zu behaupten, alles ist gut, obwohl es einem schlecht geht.
im Original:
Optimisme est la rage de soutenir que tout est bien, quand on est mal