Der Gentleman und die Ichfizierung

Gentleman hält einer Frau die Tür auf
Quelle: Dieses Bild wurde mittels Grok entwickelt.

Ist der feine Herr und Kavalier, kurz der Gentleman: Ein Auslaufmodell?

Ein Buchauszug.

Es sind nicht die Schlagzeilen, in denen er verschwindet. Keine Eilmeldung informiert uns darüber, dass er nicht mehr ist. Kein Talkshow-Tisch debattiert seinen Abgang. Und doch: Der Gentleman ist fort. Nicht plötzlich, nicht dramatisch, sondern lautlos. Wie eine Zigarette, die bis zum Filter herunterbrennt, während sich niemand mehr fragt, wer sie angezündet hat. Was bleibt, ist ein aschener Geschmack von etwas, das einmal Stil, Rückgrat und Anstand bedeutete.

Der Gentleman war keine Berufsbeschreibung. Auch kein gesellschaftliches Statussymbol. Er war ein kulturelles Versprechen. Und dieses Versprechen lautete: Ich sehe dich. Ich sehe dich als Frau, als Gegenüber, als Mensch. Ich nehme mich zurück, um dich zu achten. Nicht, weil du schwach bist. Sondern weil ich stark genug bin, mich selbst nicht zum Zentrum der Welt zu machen.

Der Gentleman war nie ein Chauvinist

Nicht nur für Gentleman: Markus Langemanns neues Buch! Ab heute im Handel!

Heute ist dieses Versprechen zerbröselt. Wer heute die Tür aufhält, wird nicht selten belächelt. Wer sich erhebt, wenn eine Dame den Raum betritt, wird belächelt. Wer Komplimente verteilt, tut gut daran, vorher juristische Beratung einzuholen. Der Respekt vor dem Anderen ist einer kollektiven Vorsicht gewichen. Es herrscht das Gesetz der Kränkbarkeit. In dieser Welt wird der Gentleman zum Risikofaktor. Nicht weil er falsch handelt, sondern weil sein richtiges Handeln falsch gedeutet werden kann.

Fangen wir mit einem der Symptome an: Instagram. Treffender wäre vielleicht Ichtagram, wie ich es zu nennen pflege. Dort wird nicht beobachtet, sondern dargestellt. Nicht nachgedacht, sondern gepostet. Nicht gefragt, sondern gefiltert. Wer sich selbst im Spiegel der eigenen Kamera inszeniert, hat wenig Raum für den Anderen. Der Gentle­man aber war das Gegenteil davon. Er war keine Projektionsfläche, sondern ein Spiegel. Er machte anderen Platz, nicht sich selbst. Und genau das macht ihn in dieser Zeit so unbrauchbar wie ehrenwert.

Das Digitale ist dabei nur Ausdruck eines tieferliegenden Kulturwandels. Die alte Ordnung der Begegnung, des Blickkontakts, des Austauschs ist ersetzt worden durch eine neue der Selbstbespiegelung. Die Maxime lautet: Sichtbarkeit über Substanz. Der Gentleman jedoch war Substanz – sichtbar oder nicht.

Ein weiterer Brandherd ist die Verwechslung von Gleichwertigkeit mit Gleichartigkeit. Gleichberechtigung – zweifellos ein Fortschritt. Gleichmacherei hingegen – ein Irrtum. Wer Unterschiede nicht mehr zu benennen wagt, macht sich blind für die Besonderheit des Gegenübers. Zwischen Mann und Frau herrschen biologisch wie emotional Unterschiede. Diese zu leugnen heißt, das Menschliche zu entwerten.

Wenn ein Mann einer Frau die Autotür öffnet, sagt er nicht: »Du kannst das nicht.« Er sagt vielmehr: »Ich schätze dich.« Wenn er sich ihr gegenüber zurücknimmt, sagt er nicht: »Du brauchst mich.« Sondern: »Ich respektiere dich.« Der Gentleman war nie ein Chauvinist. Er war ein Zuhörer. Er war kein Lautsprecher. Und er wusste: Macht zeigt sich nicht im Lautsein, sondern im Stillsein-Können.

Mal wieder die Tür aufhalten

Und was ist mit der Lady? Auch sie hat sich zurückgezogen. Einst stand sie für Eleganz, für Haltung, für Anmut, ohne Arroganz. Sie war der Spiegel des Gentleman, nicht sein Schatten. Doch in einer Zeit, die Weiblichkeit oft nur noch in Reiz und Reaktion denkt, ist auch sie marginalisiert worden. Wer heute als Frau Haltung zeigt, wird oft als konservativ belächelt. Wer eine gewisse Form wahrt, wird verdächtigt, sich dem Patriarchat anzubiedern.

Dabei war die Lady nie ein Abziehbild, sondern eine Möglichkeit. Eine Einladung zur stilvollen Gegenseitigkeit. Eine Frau, die sich schätzen ließ, weil sie sich selbst schätzte. Wer das heute sagt, gilt als reaktionär. Doch vielleicht ist Reaktion genau das, was wir brauchen: eine Reaktion auf die Entwürdigung des Gegenübers im Namen einer falsch verstandenen Freiheit.

Haltung zu zeigen ist heute verdächtig geworden. Wer sich zu geradlinig gibt, gilt als unflexibel. Wer Werte lebt, nicht nur benennt, gilt als moralinsauer. Doch vielleicht liegt genau darin die Kraft des Gentleman: in der stillen Weigerung, sich dem Zeitgeist zu unterwerfen. In der aufrechten Figur in einem Raum voller gebeugter Rücken.

Der Gentleman ist ein Anachronismus. Ja. Und genau das macht ihn nötig. Denn nicht jeder Anachronismus ist ein Überbleibsel. Manche sind Mahnung. Haltung als subversiver Akt.

Was also tun?

Vielleicht dies: den Gentleman nicht verklären, aber erinnern. Ihn nicht kopieren, aber fortführen. In der Art, wie wir sprechen. Wie wir begegnen. Wie wir unterscheiden zwischen der Wucht des Ichs und der Würde des Du. Die Welt braucht keine weitere App. Aber sie braucht Haltung. Sie braucht Menschen, die nicht nur »Respekt« fordern, sondern ihn leben. Nicht nur sich selbst feiern, sondern den Anderen sehen.

Und vielleicht – das wäre ein Anfang – einfach mal wieder die Tür aufhalten.

Markus Langemann

Markus Langemann ist Publizist, Autor und Medienunternehmer. Er gründete Sender, entwarf Formate für Leitmedien und prägte die deutsche Medienlandschaft. Heute zählt er zu den unverwechselbaren Stimmen eines unabhängigen Journalismus. Mit dem „Club der klaren Worte“ schuf er einen Ort für Debatte, Aufklärung und Widerspruch.
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54 Kommentare

  1. Zustimmung. Ich weiß zwar nicht, ob der Gentlemen wirklich verschwunden ist, aber man erkennt ihn vermutlich nicht mehr am Aussehen und er war wahrscheinlich früher auch eher die Ausnahme.

    Aber wirklich geniales Bild von Grok, zwei attraktive Menschen in historisch anmutendem Ambiente (auch wenn der Mann eine Hauttönung hat, die eher untypisch für mitteleuropäische Männer ist).

    1. (auch wenn der Mann eine Hauttönung hat, die eher untypisch für mitteleuropäische Männer ist).

      Wie bitte! Benjamin Franklin ist da ganz anderer Ansicht:

      1754 – Benjamin Franklin gegen die Germanisierung Amerikas

      Warum sollte Pennsylvania, dass die Engländer gegründet haben eine Kolonie von Fremdlingen werden, die bald so zahlreich sind, dass sie uns germanisieren, statt dass wir sie anglisieren? Sie werden unsere Sprache und unsere Sitten niemals erwerben, genauso wenig, wie sie unsere Hautfarbe annehmen können. Was mich zu folgender Bemerkung führt: Der Anteil der reinweißen Menschen auf der Welt ist verhältnismäßig gering. In Europa sind, abgesehen von den Sachsen, nur die Engländer weiß. Spanier, Italiener, Franzosen und Deutsche haben in der Regel einen dunkleren Hautton. Sieht man von den Neuankömmlingen ab, ist Amerika vollständig weiß. Das sollte auch so bleiben.

      😂😂😂

    2. Kann ein Mann mit „einer Hauttönung, die eher untypisch für mitteleuropäische Männer ist“, kein „Gentleman“ sein, in historischem Ambiente? Könnte vielleicht in einer südeuropäischen, mediteranen Metropole sein. Diese Gegend hatte bekanntlich schon früh so etwas wie Kultur. Da saßen die weißen (oder nicht so weißen, weil schmutzig 😁) Mitteleuropäer noch in ihren strohgedeckten Holzhütten und hatten Bärenfelle um…
      Das mit der Hauttönung ist im besten Fall ziemlich überheblich.

      1. Ich habe bei dem Titelbild direkt an Wien gedacht. In Österreich sind die Hautfarben auch dunkler.
        Aber eigentlich ist die gebräunte Hautfarbe des Mannes doch eher ein Zeichen dafür, dass er sich lange in Urlaub und Freizeit bräunen lassen konnte, denn es sieht genau wie Sonnenbräune aus. Und klar, eigentlich kann nur ein Gentleman sich das leisten, weil er genügend Geld hat, das er im Zweifel gar nicht mehr selbst verdienen musste, so wie die ersten Gentlemen in England zu der Zeit als sich der Begriff herausgebildet hat.
        Der übliche Prolet und Arbeiter bekommt solche Sonnenbräune eher nicht. Der Bauer vielleicht schon. Doch weder Diese noch Jene haben ihren Frauen im Alltagsleben wohl die Türen aufgehalten. Für solchen Schmu hatten die bei ihrem ziemlich anstrengenden Leben sicher keinen Sinn.

    3. Ja, das Bild ist fehlerhaft. Der Dame den Vortritt lassen, ok. Aber ihr die Tür auf halten… das geht in der Regel nicht, wenn man ihr den Vortritt läßt, weil die Türen ja meist nach innen aufgehen. So wie auch hier. Im alten Knigge stand außerdem, daß in einem Restaurant das Gegenteil gilt, da „der Herr“ hier mit dem Kellner sprechen und den Tisch aussuchen müsse – um sich als „Macher“ zu inszenieren.

      Also diese „herr-lichen Zeiten“ hatten auch so ihre Tücken….

      1. Nun, abgesehen vom Eigenheim, gehen heute Türen eher nach außen auf: Notausgangssituation.

        Ansonsten werden Türen doch in beide Richtungen passiert, oder bringt Mann Frau rein, aber nicht wieder raus?
        :-))

  2. Zum Thema „Tür aufhalten“ habe ich im September in Russland ganz neue Erfahrungen gemacht. Dort scheint es nämlich noch Gentleman zu geben. Ich bin inzwischen in der 2. Hälfte des 6. Lebensjahrzehnts und diese Sitte trotzdem überhaupt nicht gewohnt. Es setzte mich nachhaltig unter Stress, da ich ständig das Gefühl hatte, alle Leute aufzuhalten, weil sie darauf warten mussten, bis ich endlich durch die Tür trat. Ich fühlte mich bereits völlig abgehetzt. Nachdem ich darum gebeten hatte, mich einfach ganz „normal“ mitlaufen zu lassen, ging es mir besser.

  3. sehr schöner Artikel….und ja ich habe den Gentleman noch kennengelernt, Tür aufhalten, in den Mantel helfen, Stuhl zurechtrücken…..
    nur das Aufstehen, wenn eine Dame den Raum betritt, habe ich nicht erlebt, ist wohl die Zeit von Hercule Poirot gewesen.😉
    Schade, dass der Gentleman und die Dame,
    die Gattin und der Gatte so gar nicht mehr in die heutige Welt passen aber jede Generation hat ihre eigenen Sitten und Gebräuche, das geht auch in Ordnung, nur
    den Respekt voreinander sollte allerdings bewahrt werden.

    1. Ich erinnere mich an eine Szene aus „Der mit dem Wolf tanzt“, wo John Dunbarr, der Soldat Anstalten macht, aufzustehen, als die Frau das Tipi betritt. Da gibt es einen strafenden Blick vom Medizinmann… 😉

  4. Meine Frau ist eine Russin aus der Ukraine.
    Sie liebt es wenn ich ihr die Autotüren aufhalte, den Mantel im Restaurant abnehme und nach dem Speisen ihr in den selbigen wieder hinein helfe oder darauf achte beim Stadtbummel auf der Straßenseite zu laufen.
    Am meisten liebt sie das ich es mit Respekt Ihr gegenüber mache.
    Ich schreibe Ihr Gedichte und kaufe jede Woche einen Blumenstrauß für Sie.
    Bin ich deshalb ein Gentleman?
    Weis ich nicht, habe ich aber in allen Beziehungen gemacht, da ich so erzogen worden bin das man der Frau mit diesen Gesten Respekt zollt.
    Mein Lieblingsspruch Lautet:
    Die Frau dient nicht zur Zierde des Mannes,
    Sondern ist der Schlüssel zu Spiritualität.

    1. Ja, wollte ich auch schon schreiben, dass es solche Leute wahrscheinlich am ehesten noch in den slawischen Ländern gibt. Sieht man bei den Frauen ja schon daran, wie sie sich kleiden und schminken.

      Diese Förmlichkeiten auch im Alltag mit dem Ehepartner zu praktizieren, ist tatsächlich nicht jedermanns Sache. Frauen Blumen zu schenken und Gedichte zu schreiben, wäre bei mir z.B. nicht authentisch, ich bin einfach überhaupt nicht romantisch, müsste mich dabei verstellen und käme mir irgendwie verlogen dabei vor. Aber wenn das bei beiden passt, ist es sicher wunderbar.

      Die Frau dient nicht zur Zierde des Mannes,
      Sondern ist der Schlüssel zu Spiritualität.

      🙂
      Warum nicht beides?
      Meine interessiert sich für Spiritualität allerdings weniger als ich.

      1. Romantik ist für jeden etwas Anderes.

        Ich hatte mal eine Freundin, die fand es romantisch Sonntag morgens mit einem Bier im Bett zusammen Horrorfilme zu gucken…spazieren war sie alleine, um den Kopf frei zu kriegen und als Blumen waren maximal Zimmerpflanzen oder Kräutertöpfe aus dem Supermarkt drin, die waren wenigstens praktisch.

        Kräutertöpfe empfand sie als die ultimative Aufmerksamkeit, weil sie gerne gekocht hat.

  5. „…Schade, dass der Gentleman und die Dame,
    die Gattin und der Gatte so gar nicht mehr in die heutige Welt passen aber jede Generation hat ihre eigenen Sitten und Gebräuche, …“
    Tatsächlich stimme ich zu. Was sollen sie auch in einer Welt, in der die Menschen es schick finden, sich wie Penner zu kleiden, das Wort „vulgär“ ohne KI nicht einmal mehr schreiben können und von „elegant“ so viel Ahnung haben wie mein Kühlschrank von Quantenphysik?

  6. Der Gentleman ist eine klassische Geschichte vom Imperium.
    Welched geschichtliches Imperium hatte keine Gentleman oder Ladies?
    Alle Staaten, Kommunen oder sonstigen Bereiche, hatten Gentleman oder Ladies. Alle diese superioren Persönlichkeiten, hatten immer das Kapital hinter sich, um auch dort zu sitzen

    Sehr wahrscheinlich war weder XYZ noch eine Person, einer kaiserlichen Herkunft entsprungen.
    Hitler ist in Österreich geboren und als deutscher Naziverbrecher in die Bücher gewandert…

    1. @PRO1

      Das „Kapital“ kann man wohl für so einiges verantwortlich machen, aber sicher nicht für bauernhaftes Verhalten, nur weil man gerade Ebbe in der Kasse hat.

      1. Stimmt. Es scheint auf diesem Blog viele zu geben, die ein ernsthaftes Problem
        mit Geld, bzw. der Erschaffung von diesem, zu haben und das dann immer wieder auf den ach so bösen „Kapitalismus“ schieben.

        1. Es geht hier um das Versprechen des Kapitalismus, das er nie einlösen kann.
          So verspricht er auf diese Art ein besseres Leben und legitimiert in der Manifestation eines Gentlemans in dem er sich dadurch gleichzeitig von der Masse abhebt.

        2. Das ist eine pure Phrase ohne jegliche geistige Substanz.
          Wenn die zauberfee Ihr Geld in Anlagen investiert und daraus eventuell einen Gewinn erzielt, ist das eine Zockerei und hat nichts mit einer realen Produktionslinie gemein.
          Diese Menschen, die am Zocken sind, sind die gleichen die sich hier über Politik ergötzen. Das bezeichnet man als die klassische praktizierte Doppelmoral. Ihr Damen und Herren seid eben genau das, was der Artikel versuchte zu erklären.

      2. Lieber Theo Noestonto, warum wählen Menschen ihre Bauer?
        Der Beruf des Bauern sollte eigentlich nicht negativ dargestellt werden, da die Bauern, für das Wohl der Menschheit arbeiten.
        So ist das Kapital, das Kapital zerstört, geschichtlich bewiesen, seit dem römischen Reich.
        Das Problem mit dem Kapital ist, das die ursprüngliche Idee vom Tauschhandel ein Kapital zu verwenden, sich zu einem System der gesamten Kontrolle über jegliches Dasein entwickelt hat.
        Wird deshalb die SMO geführt?

  7. Sich als Gentleman zu verhalten, ist eine völlig normale Angelegenheit. Keiner weiteren Erwähnung wert. Anderenfalls kann man sich zur Gruppe der dummen Rotzlöffel zählen, die von ebensolchen sozialisiert wurde; oder eher wohl gar nicht!

  8. Zustimmung von links. Mädels, wo kommen denn die Rechte her, die ihr habt? Erkämpft in der Zeit der Arbeiterbewegung, Männer und Frauen gemeinsam. Das hatte Schlagkraft. Die Emanzipation war die Spaltung per se. Und was habt ihr seither erreicht? Es gibt Frauenbeauftragte. Bezahlt vom Unternehmer und natürlich macht sie Unternehmerpolitik. Gratulation! Ein Riesenerfolg.
    Jetzt kriegen die Emanzen auch noch von den Transen Gegenwind. Das hat keinerlei Durchschlagskraft mehr. Da seid ihr nun gelandet.
    Alice Schwarzers Biografie wurde verfilmt und sie hat sehr darauf geachtet, dass Männer immer doof und einfältig erscheinen. Ein asoziales Verhalten, das sich aber durchgesetzt hat. Auch Gesten der gegenseitigen Achtung, wie das Türaufhalten, sind verschwunden. Es muss Krieg sein, immer und überall. Wogegen ich nach Kräften ankämpfe. Ich halte Damen die Tür auf, weil es mir ein Bedürfnis ist. Wofür ich fast immer ein Lächeln ernte. Ha, das wärmt.

  9. Gentleman
    Dachte, das sei ein Rapper, schunkelnd zwischen Raggae und Schnulze.

    Aber es ist wohl ein aristokratisches Gespenst mit dem Herr Langemann seine konservative Ichfizierung beduftet oder vielleicht die Missachtung seines ausgebeulten Habitus beklagt?

    Und er wusste: Macht zeigt sich nicht im Lautsein, sondern im Stillsein-Können.

    Ah, Macht soll also perform werden. Nun, vielleicht gelingt ihm das irgendwann … mit dem »Stillsein-Können«.
    Und vielleicht reicht es, einfach neugierig, höflich und zuvorkommend zu sein.

    1. @El-G

      Dank dieser Duftmarke, weiss ich dich jetzt einzuschätzen. Mehr muss ich von dir gar nicht wissen, armer Tropf! Für dieses „stolz auf seine Defizite sein“… Gibt es dafür bereits einen eigenen Begriff? Würde ja eigendlich höchste Zeit, weil sich diese Spezies ja rasant zu vermehren scheint, oder?

      „Ich bin so stolz und von mir selbst überwältigt, solch ein Depp zu sein – bitte Applaus!“ Ideal vorqualifiziert für das Global Young Leaders Programm – die nehmen dich sofort! Kein Witz!

  10. Gut geschrieben!

    Vielleicht ist es aber auch so, dass Deutschland in dieser Hinsicht einen besonderen Niedergang erlebt hat. Die Zahl jener, die wie Herr Langemann den Verlust beklagen, scheint mir hier noch geringer als im angelsächsischen Bereich.

    Weiterführend dieser Artikel von Thilo Schneider zum Thema „Prole Drift“:
    https://www.achgut.com/artikel/prole_drift_proleten_kultur_fuer_die_oberschicht

    Am Rande bemerkt:
    Nach dem Tode von Christiane Hörbiger ist Senta Berger wahrscheinlich die letzte prominente Schauspielerin, die man wirklich noch als „Dame“ bezeichnen muss. Oder fällt jemandem noch eine andere ein … ? Eine Frau ist ja längst nicht automatisch eine Dame, auch wenn es heißt „Meine Damen und Herren…“
    Und wie ist es mit Herren bzw. Gentleman? Herr Langemann hat es skizziert. Selbst mit echten Männern sieht es ja schon etwas mau aus.

  11. Gentleman

    … einfach mal wieder die Tür aufhalten.

    Für Frauen.
    Warum nicht für Männer? Warum nicht für gebrechliche alte Männer? Oder Kinder? Oder behinderte Menschen? Oder Obdachlosen?

    Für Frauen.
    Für Frau Baerbock, Frau Reichinnek oder Frau Strack-Zimmermann?

    Für Uschi?

    Die Tür aufhalten?

    Marla Svenja Liebich?

    🥳

    Wikipedia schreibt:
    „Der Begriff Gentleman bezeichnet historisch einen aufgrund seiner Geburt, seines Charakters, seiner Bildung und seines Anstands sozial herausgehobenen Mann. Der Ausdruck wurde in England geprägt und war in höheren Kreisen meist eng verbunden mit dem britischen Nationalcharakter.“

    aufgrund seiner Geburt, seines Charakters, seiner Bildung und seines Anstands sozial herausgehobenen Mann.

    Worauf der Autor abzielt, ist das Gentlemanlike und reduziert sich seltsamerweise aufs ‚Türen aufhalten‘.
    Das hat mit dem Begriff des historischen Gentlemans, auf dessen Plantage in Übersee selbstverständlich auch Sklavinnen zu Tode gepeitscht wurden, herzlich wenig zu tun. Ein Gentleman zollt nur der Dame seines Standes Respekt, nicht den Frauen. Schon gar nicht der Putz- oder Klofrau. Die sind für Gentleman unsichtbar.

    1. schön wärs….
      aber nee, so`n schnösel hebt dann den zeigefinger und raunt der empfangsgesellschaft
      „obacht, meine lieben, die chefin kommt!“ zu, in einer lautstärke, daß die putze das auch grad noch so mitkriegt, wennse an den lächelnden herr-/frauschaften vorbei zum putzraum eilt ….

    2. @Dan
      Jep, gute Klarstellung.

      Was in diesem Buchauszug auch nicht vorkommt, ist die mit dem heutigen Klischee des Gentleman verbundene Würde. Der Autor beklagt die Vaporisation des Gentleman, fehlende Manieren, die fehlende Lady, er jammert bisweilen in Platituden: » … weil sein richtiges Handeln falsch gedeutet werden kann […] Wer eine gewisse Form wahrt, wird verdächtigt […] Die Welt braucht keine weitere App.« usf.

      Ein Gentleman beklagt sich nicht und er jammert schon mal gar nicht. Ein Gentleman wundert sich.

      1. grins….stimmt!
        der wundert sich tatsächlich den halben tag, jeden tag……hab immer gegrübelt, ob das ne gewissermaßen immunisierende dümmlichkeit is oder halt n irgendwie „exquisiter gewinn“ (sich wundern is ja schon n genuß im dasein)….naja und manchmal funzt das aber irgendwie nicht (mehr) und der herr gentleman flippt brüllend, schwadronierend, irrer-general-mäßig aus…….
        nuja….
        leider „stehn“ so einige putzen auf „herr und knecht“ 🙄 ,
        deshalb warn diese anfangswochen zusammen mit meiner „haushaltshilfe-chefin“ eben 5 abgerechnete stunden bei 10 unterwegssein , neben hannover-rein-hannover-raus-gurkerei halt „kaffeekränzchen mit der herrin“ bzw „auf teufel komm raus“ irgendwie mit so nem herrchen oder seinem frauchen ZEIT verbringen 🙄 – nich putzend 🙄 und nicht „mitgezählt“ 🙄

        ja, das mit dem wundern is schon …….. witzig 🙄

        (ich bin auch so`ne olle türsteherin 😉 , aber naja, da mußte auch vorsichtig sein, dem bspw wackligen alten herrn nicht…….naja…..ka, …also so aufhalten, als wär man eh grad dabei, diese tür aufzuhalten, da kanner doch mit durchhuschen, nich? 😉 ……nuja….. )

        1. Hey j.

          Danke für den Post, ich bin mir sicher, ihn noch nicht ganz enträtselt zu haben, deswegen werde ich gelegentlich noch einmal dasein und mich heiter wundern. Auch dafür Danke.

          Und weiter viel Glück mit dem Temper an der Tür!

          1. Temper : ??? mag nich googlen….

            ja, s is wohl beides….

            mich habn karl und friedrich heut „erheitert“:

            „…
            Die Teilung der Arbeit wird erst wirklich Teilung von dem Augenblicke an, wo eine Teilung der materiellen und geistigen Arbeit eintritt. Von Diesem Augenblicke an kann sich das Bewußtsein wirklich einbilden, etwas andres als das Bewußtsein der bestehenden Praxis zu sein, wirklich etwas vorstellen, ohne etwas Wirkliches vorzustellen – von diesem Augenblicke an ist das Bewußtsein imstande, sich von der Welt zu emanzipieren und zur Bildung der „reinen“ Theorie, Theologie, Philosophie, Moral etc. überzugehen. Aber selbst wenn diese Theorie, Theologie, Philosophie, Moral etc. in Widerspruch mit den bestehenden Verhältnissen treten, so kann dies nur dadurch geschehen, daß die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse mit der bestehenden Produktivkraft in Widerspruch getreten sind – was übrigens in einem bestimmten nationalen Kreise von Verhältnissen auch dadurch geschehen kann, daß der Widerspruch nicht in diesem nationalen Umkreis, sondern zwischen diesem nationalen Bewußtsein und der Praxis der anderen Nationen, d.h. zwischen dem nationalen und dem allgemeinen Bewußtsein einer Nation (wie jetzt in Deutschland) sich einstellt – wo dieser Nation dann, weil dieser Widerspruch scheinbar nur als ein Widerspruch innerhalb des nationalen Bewußtseins erscheint, auch der Kampf sich auf diese nationale Scheiße zu beschränken scheint, eben weil diese Nation die Scheiße an und für sich ist. Übrigens is es ganz einerlei, was das Bewußtsein alleene anfängt, wir erhalten aus diesem ganzen Dreck nur das eine Resultat, daß diese drei Momente, die Produktivkraft, der gesellschaftliche Zustand und das Bewußtsein, in Widerspruch untereinander geraten können und müssen, weil mit der Teilung der Arbeit die Möglichkeit, ja die Wirklichkeit gegeben ist, daß die geistige und materielle Tätigkeit, daß der Genuß und die Arbeit, Produktion und Konsumtion, verschiedenen Individuen zufallen, und die Möglichkeit, daß sie nicht in Widerspruch geraten, nur darin liegt, daß die Teilung der Arbeit wieder aufgehoben wird.
            …“

            so, mein heutiger schenkelklopfer und ja, da steht „alleene“……und weil niemand mitklatschen wollt, also auf die eigenen schenkel natürlich, hier rein schmeiß….
            ach und mich nochmal wegschmeiß…
            😆 😆 😆 ….usw herrje, ja, hab ich nötig….
            also, dank fürs hier abladen dürfen….
            😆

            gutnacht

    3. „Ein Gentleman zollt nur der Dame seines Standes Respekt, nicht den Frauen. Schon gar nicht der Putz- oder Klofrau. Die sind für Gentleman unsichtbar.“

      Deine Meinung.

      Ich lebe es so, und halte es für notwendig, gerade heutzutage, wenn einige Menschen nur die eigene Selbstdarstellung leben, demjenigen/derjenigen, auf die Ladentür zukommend, z.B. an der Tankstelle, die Tür aufzuhalten (unabhängig von Geschlecht, Alter oder Schönheit), weil das moderne Leben kompliziert und anstrengend genug ist, so dass wir uns gegenseitig so weit es uns möglich ist das Miteinander erleichtern sollten. Ganz ohne Absichten, und ganz, ohne hinter freundlichem Benehmen eine „Anmache“ oder einen Annäherungsversuch zu vermuten.

      Eben in gegenseitiger gelebter Achtung.

      Die Konzerne mit ihren automatisierten Hotlines und die Ämter mit ihren Formularen sind genau das, was wir im real life einander NICHT zumuten sollten.

      My 2 ¢

    4. Ich glaube auch, dass der Begriff „Gentlemen“ nicht wirklich passt, wo es um Höflichkeit und Entgegenkommen geht. Ich vermag jetzt keine Kulturgeschichte des „Gentleman“ abzuliefern, bin mir aber überaus sicher, geradezu felsenfest überzeugt, dass „dessen “ – also ich denke mir hier kein einzelnenes Subjekt – edles Benehmen den „Damen“ vorbehalten war, was eben nicht die Malocherin am Band, die Tippse im Büro und so waren. Noch im 19. Jahrhundert aber waren Duelle zwischen gekränkten „Gentleman“ üblich – die kamen da zum Teil schon aus dem Bürgertum – und provozierten das auch gern mal. Bei uns vor allem aus dem ekelhaften Offizierschor.

      Aber ich habe eigentlich auch keinen besseren Begriff und der Diagnose, dass gutes Benehmen und Höflichkeit, dass ein Blick zum Nebenmenschen auf dem Rückzug sind, ist nicht zu widersprechen. Das kommt auch nicht wieder zurück. Man mag das in Berliner Verkehrsmitteln überprüfen.

  12. „Zwischen Mann und Frau herrschen biologisch wie emotional Unterschiede. Diese zu leugnen heißt, das Menschliche zu entwerten.“ – absolut d’accord.

  13. Guter Artikel, aber bitte auch Vorsicht vor Formalitäten. Dahinter haben sich imer auch fiese Typen versteckt die nur ihr fragwürdiges Verhalten kaschieren wollen. Heute haben wir das massenhaft, nur in anderer Form, Stichwort Gutmenschentum, Wokismus oder „gute“ Netzwirtschaft.
    Besserer Umgang miteinander ja, aber in der Substanz, der Gentleman, und sein weibliches Pendant, zeigen sich meist erst in schwierigen Situationen.
    Wer übrigens Gentleman-Gangster mag, dem sei die Doku über den Van-Gogh-Raub in Amsterdam von 2002 emphohlen, in der Reihe „Art Crimes“ (nicht zu verwechseln mit „Art of Crime“).

    1. „… Doku über den Van-Gogh-Raub in Amsterdam von 2002 emphohlen…“

      Ja, diese Empfehlung habe ich dankend angeommen (übrigens auf arte für die anderen).

  14. hätte nie gedacht, daß ich mal mit Langemann im Schützengraben liege!
    Vor meinen Augen sehr ich George Orwell im Lager der Anarchisten, auf das Gefecht gegen die Faschisten wartend, seine Liebe seines Lebens in der Sonne Kataloniens stehend. Mir ihr in den Kampf ziehend. Vor seinem inneren Auge wird er jede Tür geöffnet, jeden Mantel gereicht haben. Sie wird keine seiner Bemühungen als Übergriffig erlebt und gefühlt haben, wissend, das es das letzte Erleben und Fühlen sein könnte.
    welch stärkere Emotion kann es geben, als das Sehnen deines Überlebens zu spüren?

    Ich würde mein Exemplar von Orwells “ mein Katalonien“ dem Herrn Langemann gern schenken für diesen schönen Text.
    Ist aber durch häufiges Verleihen schon ein bißchen unansehnlich.

  15. Mit Türeaufhalten bekomme ich eigentlich immer ein positives Feedback, auch ist das „wird nicht selten belächelt“ ja nun nicht sooo schlimm. Immerhin macht der Autor nicht das Fass „…. DARF man ja aber heute nicht mehr sagen/machen“ auf, das ödet° nämlich ganz gehörig°° (°… einen °°… an).
    Anachronistisch sein… – ja, manchmal durchaus, warum auch nicht? Ich ziele dabei aber weniger auf die Gefahr der „Gleichmacherei“ ab (finanziell/wirtschaftlich gesehen kann davon eh nicht die Rede sein!), sondern ich glaube einfach nicht, dass man jeder Mode hinterherrennen muss. Auch ist es durchaus ein Erlebnis, für (fast schon altväterlich anmuten könnende) Höflichkeit oder sich Zeit nehmendes Zuvorkommen eine nette Antwort zu bekommen. Davon abgesehen ist es auch lustig, ein wenig altmodisch-verschroben zu sein.
    Eine Kritik möchte ich aber auch noch loswerden, gegenüber dem, äh, Konservativen an sich, als Haltung oder Person: Also…, räusper, räusper, eine Weile wunderte ich mich, dass gerade sich so bezeichnende Leute immer besonders eifrig mit dabei sind, wenn es mal wieder ein (vermeintliches) verbales ‚Tabu‘ zu schleifen galt/gilt – zumeist hatten sie sich ohnehin nie was sagen lassen und waren folglich auch nie die Sklaven, als die sie sich halluzinierten.
    Warum aber gerade dieses „Hier bin ich Schweinchen, hier darf ich‘s sein(chen)“ bei Leuten, die sonst doch offenbar so viel Wert legten auf Respekt, Höflichkeit usw?
    Ganz einfach: Den schönen Diener machten sie halt immer nur vor ranghöheren Leuten, z.B. wenn sie unvermutet zum Fünfuhrtee von Frau Gräfin eingeladen waren. Oder, wie es Kurt Tucholsky mal meinte: „Nach unten: selber Adel“ (aus dem Text „Gesicht“). Und an dieser dosierten Freundlichkeit je nach Einfluss/Status/Kohle des Gegenübers krankt halt auch das ganze Konzept von Lady und Gentleman. Bzw.: Würde man auch Leute aus ‚einfacheren Verhältnissen‘ oder niedrigeren Einkommensklassen an derlei teilhaben lassen?

  16. Der Text ist nett, aber das Bild?
    Er grient Instagram like in ein imaginäre Kamera. Von Achtung oder Beachtung des anderen (Geschlechts) ist wenig zu sehen. Die Tür aufhalten, geht schon mal gar nicht, denn dazu steht er auf der falschen Seite.
    Und Sie grinst eigentlich auch nur selbstgefällig vor sich hin.

  17. Schräges Bild:
    Er ist eher ein Jagdaufseher oder ein sportlich moderner Stutzer, während sie aussieht, als bewege sie sich im Pausenfoyer einer Oper.
    Aber wirklich witzig beim Bild ist, dass das scheinbare KI-Paar von einer sehr gebrauchten Fassade umrahmt ist und in die Dunkelheit verschwinden will.

  18. Es ist schon bizarr, wenn ich – grad erst gestern- als Rentner in der Straßenbahn, umgeben von Teenagern, meinen Platz für eine Schwangere freimache. Da ist grundlegendes Benehmen verloren gegangen und das kommt auch nie wieder.
    Aber ich bin sicher kein „Gentleman“. Das ist ein Phantasiebild des Autoren, eine Metapher für Anstand, die dort, wo er sie mit diesem Begriff verortet, nur für die eigenen Leute, für „richtige“ Damen, für den eigenen Stand vorbehalten war. Grad auch dort, wo das Wort seinen Ursprung hat und wo Klassendünkel, ungebremste Arroganz nie einen Dämpfer erhielten, weil man es versäumte, sie so zu behandeln, wie es die französischen Nachbarn vormachten.
    Von diesen Gentleman aber darf man bis heute sicher sein, dass sie keine Verhaltensregeln verletzen, so wie man sicher sein kann, dass sie (in der Mehrheit, einzelne Ausnahmen gibt es immer) weder willens noch in der Lage sind, mit Schwächeren solidarisch zu sein.

    Ungeachtet all dessen bekommt man immer häufiger merkwürdige Reaktionen, wenn man sich so verhält, wie es einem als Kind anerzogen wurde. Und ich komme aus einer Berliner Arbeiterfamilie. Nichts mit Gentleman oder Dame. Es ist natürlich eine Minderheit, die dich anschnauzt, wenn du die Tür öffnest. Aber man merkt es sich. Wer mag sowas schon?

  19. Ich werde 66 Jahre alt und bin so erzogen worden! Ich habe gewisse Dinge verinnerlicht und mache diese automatisch, ohne nachzudenken. Frauen Türen öffnen, wobei im Beruf egal war ob Vorgesetzte oder Putzfrau, helfe in und aus dem Mantel, stehe auf, wenn die Dame zum Tisch kommt, betrete das Lokal als erster, verlasse es als zweiter, nur auf der Treppe gehe ich als erster; gerade Treppauf sollte Mann das aus naheliegenden Gründen tun!
    Ich bin und werde niemals belächelt, die Damen haben noch nie negativ reagiert.
    Auch bin ich immer vollständig angezogen, keine meiner Frauen hat mich je schlunzig herum laufen sehen, so etwas wie einen „Jogger“ habe ich nie besessen. DAS hat was mit Respekt zu tun! Auch lege ich wert auf Tischmanieren, höre anderen zu und in Situationen, wo es um ernsthafte Angelegenheiten geht, rede ich als letzter ( Das ist allerdings ein Trick, dadurch bleibt das eigene Argument besser haften, mein Sohn hat mir dankbar gesagt, das dies bei seiner politischen Arbeit hilfreich sei)
    Ich trete allen Menschen höflich gegenüber auf, nicht unbedingt freundlich, aber eben höflich!
    Das ist in vielen Situationen ausgesprochen nützlich, da Höflichkeit auch Distanz schafft, wo nötig! Bei Behördengängen trage ich Anzug und Krawatte, das verhindert von vornherein Pampigkeit. Man geht einfach anders mit mir um.
    Ich habe das verinnerlicht und mich anders zu verhalten, ist mir gar nicht möglich.
    Bin ich ein Anachronismus?
    Vielleicht, aber das interessiert mich auch nicht, als „Gentleman“ sehe ich mich deshalb aber noch lange nicht, das würde ich mir auch verbitten, da der Begriff für mich negativ besetzt ist. Da denke ich sofort an Empire und Kolonialismus.
    Ich lege einfach nur Wert auf gute Umgangsformen und bin damit immer gut gefahren und tue das bis heute !

  20. Wenn man Beitrag und viele Kommentare hier so liest scheint die Zeit ja stehen geblieben zu sein.
    Das selbe Lamento „der Alten“ wie vor 50 Jahren und auch die selben vorgetragenen Unverschämtheiten.
    Nämlich Höflichkeit, Manieren und Benimmregeln, mit Freundlichkeit und wahrhaftiger Wertschätzung gleichzusetzen.

    1. Der „Gentleman“ ist ein angelsächsisches Modell, dass in der Kolonialzeit seine Hochblüte hatte. Auch die, die die Opiumkriege gegen China veranstaltet hatten oder in Indien das Kolonialregime der Briten organisiert hatten, waren alles „Gentlemen“.

      Der „Gentleman“ zeichnet sich dadurch aus, dass er Seinesgleichen gegenüber als vermeintlicher Ehrenmann auftritt, allen andere gegenüber aber sich im Recht sieht, jedes Mittel anzuwenden, Lüge, Betrug, ja Mord, um sich durchzusetzen.

      Die „Gentlemen“ sind eine Klasse, eine Klasse von Wohlhabenden, Bessergestellten und Aufstrebern, die auf alle anderen hinuntersehen – und hinunterspucken.

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