
Brauchen wir noch einen Konservatismus? Oder kann er weg?
Hurra, endlich wieder ein Konservativer! Einer, der die Union wieder zu ihren Traditionen zurückführt. So klang das, als Friedrich Merz vom schwarzen Felsen herabstieg, um in den Niederungen deutscher Parteienpolitik erneut Fuß zu fassen. 2018 erfolgte diese Rückkehr dieses konservativen Messias. Er sollte die Zeiten der angeblich sozialdemokratisierten Bundeskanzlerin beenden – was die Frau sicher nie war, sie saß nur allerlei aus, was ihr lästig erschien und so hatte man einfach keine Vorstellung davon, für was sie inhaltlich tatsächlich steht. Dass sie in ihren späten Jahren dann dem Wahrheitskomplex auf dem Leim ging – um Norbert Häring zu zitieren, mit dem morgen übrigens ein Interview an dieser Stelle erscheint –, ist auch nicht als sozialdemokratisch oder gar links zu bewerten, sondern war Ausdruck ihrer Orientierungslosigkeit.
Mit einem hatten die Berichterstatter damals aber tatsächlich recht: Angela Merkel war keine Konservative. Friedrich Merz allerdings auch nicht. Sein Weltbild bestand schon früh aus Reformen, Verändern und Umwälzen; zur Zeit der Agenda 2010 machte er klar, dass die Mobilisierung der trägen Massen nicht weit genug führe: Arbeitslose müssten aktiviert werden, die totale Flexibilität sei nun gefordert – wenn nötig, müsse man verlangen, dass die Betroffenen sich selbst aus ihrem altbekannten Umfeld herausnehmen, um fernab von Heimat, Familien und Freunden berufliches Niedrigjob-Glück zu finden. Tradition, Erhaltenswertes, ein Bekenntnis zu familiären Strukturen: Fehlanzeige bei Merz! Letztlich immer gewesen – auch heute klingt er nicht wie jemand, der bedächtig im Sinne des Erhalts agiert, sondern der mit »raschen Entschlüssen zu Tausenden elend macht«.
Evolution statt Bilderstürmerei
Das ist eine Formulierung des britischen Philosophen Edmund Burke (1729 – 1797). Der verurteilte einst die Französische Revolution, ganz besonders deren Antrieb, die Gesellschaft auf Teufel komm raus zu verändern und neu auszurichten – das ging so weit, dass man kurzzeitig sogar eine neue Woche mit zehn Tagen einführte. Wer sich an den alten Wochentakt hielt, outete sich als Anhänger des Ancien Regime und galt schnell als suspekt – man lebte im Angesicht des Fallbeiles gefährlich. »Wut und Verblendung können in einer Stunde mehr niederreißen«, so schrieb Burke, »als Klugheit, Überlegung und weise Vorsicht in hundert Jahren aufzubauen imstande sind.« Einer konservativen Weltsicht komme daher eine dringliche Rücksichtnahme zu – zumal »wenn die Gegenstände unsrer Zerstörung und unsrer Schöpfung nicht Holz und Stein, sondern empfindsame Wesen sind, die wir durch rasche und unüberlegte Entschlüsse zu Tausenden elend machen können.«
Burke zeichnet hier die Trennlinie zwischen denen, die sich im progressiven Eifer zu schnellstmöglichen Veränderungen hinreißen lassen, die sie zuweilen radikal übers Knie brechen – und zwischen einer Haltung, die nicht völlig verschlossen ist gegenüber Anpassungen, die aber Rücksichten nehmen möchte auf Konventionen, Traditionen, auf Kultur und historisch-universelle Werte, um das Gefüge und die Ordnung nicht völlig ins Chaos zu überführen und zu sprengen. Das kommt uns Zeitgenossen sicherlich an der einen oder anderen Stelle bekannt vor. Der Konservative strebt eine Evolution der Entwicklungen an – der revolutionäre Geist widerstrebt ihm. Friedrich Merz war diesem Sinne nach immer Gegenspieler konservativer Wertvorstellungen – als Wirtschaftsliberaler gab er gerne den Atomisierer der Verhältnisse, dem nichts heilig schien, wenn es nur der Liberalisierung der Arbeitsmärkte diente und den Sozialstaat schadete.
Konservatismus – das ist ein Wort, das in den politischen Debatten unserer Zeit allzu oft missverstanden, verzerrt oder vorschnell verworfen und mittlerweile geradezu pathologisiert wird. Man spricht von ihm mit einem Ton, der zwischen Skepsis und Spott schwankt, als handele es sich um ein Relikt vergangener Tage, um einen müden Reflex aus einer längst verstrichenen Zeit, die doch bitte jetzt keinesfalls zu einer Neuauflage kommen sollte. Denn er hemmt die Debatten, klammert sich an Vorstellungen, die man doch endlich mal ablegen sollte. Konservatismus wird als der Fortschrittsverweigerer schlechthin begriffen – als Blockierer, der an den Wertvorstellungen haftet, die die Großeltern auch schon so ähnlich pflegten. Am Ende sind es gar christliche Werte, die den Konservativen umtreiben und die ihm zu einem Wesen von gestern degradieren. Der Konservative muss daher mindestens ein Rechter sein – was er im politischen Koordinatensystem zwar ist, was als Vorwurf aber was ganz Anderes meint: nämlich eine Stigmatisierung. Doch der Konservatismus ist nicht das Gegenteil des Fortschritts – er ist dessen notwendiger Widerpart.
Man kann Mensch und Gesellschaft nicht auf Null stellen
Es gehört zu den großen Irrtümern unserer Epoche, zu glauben, Geschichte sei ein geradliniger Prozess, der unaufhaltsam auf ein Ziel zustrebt – unserer Aufgabe käme es daher irrtümlicherweise zu, diesen Prozess noch zu beschleunigen. Und dies gegen alle Widerstände, die sich in Form widerspenstiger Zeitgenossen auftun. Diese Vorstellung zeugt von großer Naivität, denn Veränderungen müssen sukzessive akzeptiert werden – man kann sie nicht gegen eine Bevölkerung durchsetzen, die in weiten Teilen konservativ empfindet. Konservativ dem Sinne nach, dass sie nicht wollen, dass sich ihr Leben täglich so sehr verändert, dass sie die Orientierung verlieren – so einen Impuls verspüren selbst die größten Progressiven zuweilen. Der Konservatismus erinnert daran, dass nicht alles, was neu ist, auch gut sein muss – und dass nicht alles, was alt ist, als überholt gilt. Er löst die geschichtlichen Bande nicht auf, die andere Denkrichtungen gerne ausblenden – der Konservative weiß, dass Mensch und Gesellschaft Produkte einer Entwicklung sind. Man kann nicht einfach auf die Tara-Taste drücken und alles auf Null stellen – der Mensch ist, was er ist, er ist nicht ideologisch erziehbar, man muss ihn als Mangelwesen mit teils herausragenden Charaktereigenschaften begreifen und akzeptieren.
Der Konservative ist überhaupt kein Feind der Veränderung. Er ist viel eher ihr kritischer Begleiter. Er fragt: Was gewinnen wir? Und bevor wir das klären: was könnte uns das kosten? Nicht unbedingt finanziell, sondern als Menschen, Familien, als Gesellschaften? Diese zweite Frage wird in einer Welt, die vom »Fortschrittsglauben« – was immer man im Moment als Fortschritt feiert, es sind ja weniger Technologien als Befindlichkeitsideologien – berauscht ist, allzu selten gestellt. Jede Veränderung hat ihren Preis. Wer ihn nicht kennt oder nicht kennen will, handelt verantwortungslos.
Man hat den Konservativen oft vorgeworfen, sie klammerten sich an das Gestern. Doch dieser Vorwurf verkennt das Wesen des Konservatismus. Es geht nicht – oder nicht nur – um Nostalgie, sondern um Verantwortung. Wer bewahren will, tut dies nicht aus sentimentaler Verklärung, sondern aus der Einsicht heraus, dass das Bestehende einen Wert besitzt, der sich nicht immer sofort erschließt – es hat sich so entwickelt, weil es vernünftige Aspekte in sich trägt. Der Konservative ist kein Vergangenheitsagent, sondern ein Anwalt der Kontinuität. Gerade in Zeiten tiefgreifender Umbrüche zeigt sich die Bedeutung konservativen Denkens. Wenn gesellschaftliche Gewissheiten ins Wanken geraten und ganze Gemeinwesen in Orientierungslosigkeit stürzen, wenn politische Systeme deshalb unter Druck kommen, dann braucht es Stimmen, die nicht in die Kakophonie widerspruchsloser Begeisterung untergehen. Stimmen, die warnen und mahnen und darlegen, dass Veränderung kein Wert an sich ist – und wenn sie erfolgt, so schrittweise, verträglich und nachvollziehbar. Der Wandel sollte sich organisch vollziehen – nicht aus Basis eines Bildersturms oder der teils tyrannischen Launen des Zeitgeistes.
Die menschliche Unzulänglichkeit
Der Zeitgeist ist ein launisches und oft übelgelauntes Wesen. Wer, wenn nicht wir Zeitgenossen, wüssten das besser? Was man uns heute als Wahrheit und Wirklichkeit nahelegt, gilt vielleicht schon morgen als überkommen oder – schlimmer noch – als geradezu kriminell. Nun ist der Konservative ja nicht immun gegen solche Irrtümer, da er aber gemeinhin weniger anfällig für Moden und Trends ist, geht er vielleicht nicht so schnell in die Falle, wie Vertreter anderer Denkschulen, die ganz offensichtlich einen Pakt mit der Gegenwart geschlossen haben. So ein Arrangement kennt der Konservative nicht, denn er schämt sich nicht, auch noch ein wenig im Gestern verfangen zu sein – anders als Progressive, denen das Gestern geradezu ein Graus ist. Wir erleben das aktuell: ein Feldzug gegen alles, was einst war, hat weite Teile der Gesellschaft erfasst. Die Gnade der späten Geburt macht diese Zeitgeistkrieger nicht etwa demütig, sondern überheblich.
In diesem Sinne ist der Konservatismus auch eine Form der intellektuellen Bescheidenheit. Er erkennt die Grenzen menschlichen Wissens und der menschlichen Möglichkeiten an. Er weiß, dass wir nicht alles planen, nicht alles kontrollieren können und dass Bertolt Brechts Worte zur menschlichen Unzulänglichkeit zutreffen: »Ja, mach nur einen Plan! / Sei nur ein großes Licht! / Und mach dann noch ’nen zweiten Plan / Gehn tun sie beide nicht.« Konservativ zu sein bedeutet auch, nicht alles umsetzen zu wollen, nur weil man glaubt es umsetzen zu können – der Verzicht gehört ein Stück weit zu dieser Haltung, denn die Unterlassung und Mäßigung kann tugendhafter sein, als der Aktivismus, der Drang etwas zu tun, um etwas getan zu haben – oft geschieht das ja ohne Reflexion, sondern nur aus dem Impuls heraus, »ein Zeichen zu setzen«.
Es wäre falsch, den Konservatismus als rein politische Haltung zu verstehen. Er ist mehr als das. Er ist eine kulturelle, ja eine existenzielle Haltung. Eine Lebensform, die in Theorie – nicht immer in der Praxis, der Mensch ist schließlich fehlbar – demütig ist und die diese Demut als Eigenschaft betrachtet, die die Gesellschaft nicht lähmt, sondern voranbringt und zu einem hoffentlich besseren Ort werden lässt. In einer Zeit, die vom Lärm der Meinungen erfüllt ist, klingt der konservative Ton sehr viel weniger nach Aufbruch in ein gelobtes Land. Dabei hat der Konservatismus nicht immer recht – das hat niemand –, er bietet eine Perspektive an, die leider zu oft fehlt. Natürlich müssen auch Traditionen manchmal korrigiert und angepasst werden – nicht alles Überlieferte ist gerecht. Der zelotische Eifer ist unter konservativen Gesichtspunkten aber kein zielführendes Vorgehen und widerspricht der menschlichen Natur.
Es gibt nur noch Liberalismus überall
Was davon findet sich heute in der politischen Landschaft wieder? Welcher politische Akteur weist auch nur in Ansätzen eine solche Haltung zum Zeitgeschehen auf? Die Union ist längst zu einer schlichten Partei unbeseelter Real- und Machtpolitik geworden – ein Stück weit war sie das freilich schon immer, wenngleich man ihr attestieren muss, in früherer Zeit durchaus noch konservative Denker in ihren Reihen begrüßt zu haben. Der »heutige Konservatismus« hat nichts von diesen Werten im Bestand – schlicht, weil er kein Konservatismus ist, genauso wie die Linke nicht links und die Sozialdemokratie nicht sozialdemokratisch sind. Wir haben es mit einer völligen Aushöhlung aller Denkrichtungen zu tun, die sich das alte Label behalten haben, die aber vollkommen entkernt wurden. Teils auch gekapert.
Die, die sich heute noch als Konservative ansprechen lassen – und es nicht sind –, erklären den Bürgern fortwährend, dass die Menschen umdenken müssen, ein neues Bewusstsein brauchen – dass die Conditio humana allerdings kaum veränderbar ist: Konservative wüssten das und verlangen nicht nach einem neuen Menschentypus. Dass nicht jeder tun und lassen kann, was er will, dass Gemeinwesen nicht liberale Beliebigkeit, sondern Beständigkeit und Verlässlichkeit benötigen, um lebenswert zu bleiben: Konservative sollten das wissen. Und diese ständige Staatsverdrossenheit, wenn es mal wieder heißt, der Staat müsse abspecken: Das passt nicht zu Menschen, die aus konservativer Haltung heraus verstehen, dass der Staat ein Ordnungsinstrument ist und sein muss, um das Zusammenleben zu arrangieren.
Oft liest man, wie sehr eine schlagkräftige und aufrichtige Linke im politischen Diskurs fehle. Und ja, das ist eine Wahrheit, der man nichts entgegensetzen kann. Sie fehlt tatsächlich! Was jedoch auch fehlt: Ein Konservatismus, der den Namen verdient und der versucht, auch politisch Einfluss zu nehmen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten den Liberalen das Feld überlassen – sie sind überall, in allen Parteien und Organisationen, in den Medien und im Kulturbetrieb, sie sind die Vertreter der letzten Denkschule, die überhaupt noch im Diskurs vorkommt. Dass die FDP kein Bein mehr auf den Boden bekommt, liegt einfach auch daran, dass der Liberalismus von Union über Sozialdemokraten bis hin zu den Linken und der AfD, etabliert ist. Er ist überall! Wozu benötigt man da noch eine dezidiert liberale Partei? Wir haben uns so an die liberale Weltanschauung gewöhnt, man vergisst fast, dass innerhalb der Gesellschaft mehr Denkarten vorherrschen, es gibt noch immer Linke wie Konservative – Denkarten, die im politischen Ringen keine Berücksichtigung mehr finden und die doch viele Aspekte böten, die bei den Liberalen kaum Raum einnehmen. Eine Regierungsform, die um Kompromisse ringen muss, braucht den Facettenreichtum komplexer Sachverhalte, um zu haltbaren Entscheidungen zu kommen.
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‚Konservativ‘ und ‚links‘ muss übrigens kein Widerspruch sein. Angesichts eines alles einreißenden Liberalismus sogar ganz im Gegenteil.
Was die google-KI über Liberalismus sagt:
Mit der Meinungsfreiheit sieht es zwar nicht mehr so gut aus, aber ansonsten stimmt es: Der Kern des Liberalismus ist der Bezug auf den Einzelnen und dessen Freiheit. Kollektive gesellschaftliche Interessen werden als Zwänge wahrgenommen und abgelehnt, was auch Anarchisten und Libertäre aufgreifen.
@garno
„Kollektive gesellschaftliche Interessen werden als Zwänge wahrgenommen und abgelehnt“
= Teile und herrsche“
„was auch Anarchisten aufgreifen“
= Quatsch
Anarchisten lehnen doch kollektive Zwänge ab?
…um andere kollektive Zwänge zu begründen. Da werden dann in einer WG sogar die Klotüren ausgehängt, und man muß quasi öffentlich scheißen, damit „nichts privat bleibt“.
😉
Die verschiedenen Spielarten der 68er, aber auch das gemeinsame Scheißen der alten Römer haben natürlich nichts mit Anarchismus zu tun.
Die man so 68er nennt waren auch eher linksliberal, und haben für die nächsten Jahrzehnte gesetzt was so als links gilt im Mainstream. Und fühlen sich dabei auch noch als alternativ, obwohl sie überall im Staat drin sitzen.
Der March durch die Institutionen kam doch erst viel später.
Sie, die heute dort sitzen haben mit der Avantgarde der echten 68er nichts zu tun.
Dacht ich mir schon, das wieder so was kommt.
Nichts kapiert aber einfach drauflos salbadern.
Dieser Minimal-Liberalismus kann nur als spiegelbildlicher Gegenpart zum Absolutismus verstanden werden. Als reine Staatsform ebenso zum Scheitern verurteilt wie der Absolutismus.
@Artikel: Dass die FDP kein Bein mehr auf den Boden bekommt, liegt einfach auch daran, dass der Liberalismus von Union über Sozialdemokraten bis hin zu den Linken und der AfD, etabliert ist. …
Da würde ich noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass die Parteien heute nicht mehr ihre Programme nach inneren Überzeugungen zusammenstellen und dann im innerparteilichen Klärungsprozess ausarbeiten und dann fixieren, sondern, dass sie komplett neoliberal nach äußeren Maßgaben, die hauptsächlich von den Medien vorgegeben werden, funktionieren. Es gibt dann allenfalls noch Geschmacksrichtungen, die sie beisteuern dürfen.
Wenn die SPD sich mal mit sozialdemokratischen Ideen aufs Parkett traut, wird sie entweder sofort, krankenhausreif geschossen, weil sie anders als früher, als auch die Hauptmedien noch diverser waren, keine öffentlichen Verteidiger mehr hat, oder die Konzepte werden ihm andauernden Glattschleifungsprozess der Diskursräume auf unbedeutendes reduziert. Die eristische Dialektik, die dazu benutzt werden darf, demonstriert fast allabendlich Markus Lanz. Wie überall im TV, ergänzt er sie durch zahlenmäßige Überlegenheit und repressive Moderation, wenn ein Kandidat anfängt, widerständig zu sprechen.
Die resultierende Gleichmachung geht von den Hauptmedien aus. Die FDP ist nach der Westerwelle-Kur, wo sie alle höheren liberalen Funktionen, die sie vom Neoliberalismus unterscheidet, verloren hat, im Vergleich zur sie umgebenden Parteien-Atmosphäre ohne inneren Druck und gibt ein gänzlich kraftloses, heißt, nutzloses Bild ab.
@Prilblume
Ich denke, die Medien funktionieren nur als Transmissionsriemen der „Vorgaben“, die jedoch von den Interessen und Bedürfnissen des Kapitals bestimm werden. Schließlich leben wir im Kapitalismus, da drehet sich alles ums mehr oder weniger große Geld.
garno, maximal verkürzt und dann noch KI Agitprop. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Deshalb:
6.2 Demokratie im Liberalismus: Elitenkonkurrenz, Verachtung des Volkes und Zuschauerdemokratie
Indem der Liberalismus einen vorkapitalistischen Freiheitsbegriff auf neuartige kapitalistische Machtverhältnisse übertrug, für deren Begrenzung dieser Freiheitsbegriff gleichsam blind war, konnte er sich zur »liberalen Demokratie« wandeln, also zu einer Form von Demokratie, die dem Bereich der Wirtschaft von demokratischer Kontrolle ausklammert und somit kapitalistische Macht von jeder außerökonomischen Beschränkung befreit. Dabei wird die traditionelle Leitidee von Demokratie als radikale Vergesellschaftung von Herrschaft durch einen neuartigen Begriff von Demokratie ersetzt, der das ursprüngliche Konzept entleert und damit den mit ihm ursprünglich verbundenen Intentionen eines zivilisatorischen Schutzbalkens gegen eine Macht des Stärkeren zuwiderläuft. Mehr noch: »Charakteristisch für den Umgang der liberalen Demokratie mit dieser neuen Machtsphäre ist nicht, sie zu kontrollieren, sondern sie zu befreien.« Liberale Demokratie bedeutet eine höchst eingeschränkte Demokratie, da der Einfluss des Volkes konstitutionell eng begrenzt wird und zentrale Bereiche der Gesellschaft jeder demokratischen Willensbildung und Gestaltung entzogen sind. Durch den Liberalismus wurde die Bedeutung von ›Demokratie‹ neu gefasst als Sicherung »staatsfreier Zonen der Privatautonomie« für Besitzbürger sowie die Bereitstellung freier Wahlen von politischen Interessenvertretern aus einem vorgegebenen Elitenspektrum. Ellen Meiksins Wood stellt fest: »Die Demokratie ist vom Liberalismus übernommen worden.« Diese Verkürzung, Entleerung und Verzerrung des Demokratiebegriffs unter dem Einfluss von Liberalismus und Kapitalismus sind so tief im kollektivern Denken verankert worden, dass heute mit dem Wort ›Demokratie‹ fast nur noch die bürgerlichen Freiheiten – wie Schutz der Privatsphäre und des Privateigentums, Meinungsfreiheit, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie Schutz und Anerkennung gesellschaftlicher, insbesondere diskriminierter Partikulargruppen – verbunden werden. Folglich erscheint heute der Ausdruck »liberale Demokratie« den meisten nahezu als Pleonasmus, während er de facto ein Widerspruch in sich ist.
(…)
Inhaltliche Unbestimmtheit und innere Widersprüche des Liberalismus
Jenseits des individualistischen Freiheitsbegriffs des Liberalismus und den damit verbundenen Abwehrrechten gegen den Staat haftet dem Liberalismus seit je eine inhaltliche Unbestimmtheit an, da er sich in erster Linie als gegen etwas gerichtet versteht. Diese inhaltliche Unbestimmtheit überträgt sich auch auf die Ideologie der politischen Mitte. »Diese Mitte ist natürlich«, wie Wallerstein zutreffend bemerkt, »eine politische Abstraktion und ein rhetorischer Kunstgriff, denn man kann sich selbst immer in die Mitte rücken, indem man die Extreme entsprechend definiert, und die Liberalen machten dies zu ihrer grundlegenden politischen Strategie.«
(…)
Zugleich erlaubte die inhaltliche Unbestimmtheit des Liberalismus durch eine geeignete Bestimmung der Gruppen, die als Träger von Freiheitsrechten anzusehen seien, mühelos extremste Formen von Freiheitsbeschränkungen zu rechtfertigen.
(…)
Der Ökonom Thomas Piketty weist besonders mit Blick auf den Neoliberalismus noch einmal auf die »tiefe Übereinstimmung« von »sklavenhalterischen, kolonialistischen und rassistischen Ideologien« mit der »proprietaristischen [das heißt auf einer Sakralisierung des Eigentums] und hyper-kapitalistischen Ideologie« hin.
(…)
›Universell‹ an der Logik des Liberalismus ist also lediglich die Rechtfertigung von Herrschaft der Besitzenden über die Besitzlosen. Mithilfe des Konzepts der »repräsentativen Demokratie« ließ sich eine solche Ideologie in wirkungsvoller Weise demokratisch verbrämen.
Durch seine Fokussierung auf Konkurrenz und meritokratische Auslese konnte der Liberalismus auch sozialdarwinistische und sozialrassistische Positionen in sein ideologisches Gerüst ›universeller‹ Rechte integrieren. Reinhard Kühnl bemerkt zu dieser ideologischen Flexibilitätdes Liberalismus:
»Mit dieser Wendung des Liberalismus zum Sozialdarwinismus war Gewalt als Mittel zur Lösung der Probleme menschlichen Zusammenlebens legitimiert, war der imperialistische Krieg ebenso gerechtfertigt wie die wirtschaftliche Ausbeutung und die politische Diktatur. Hier ist der Punkt wo der Faschismus anknüpfen konnte.«
Der mit dem Kapitalismus verflochtene Liberalismus hat also vielfältige Berührungspunkte – ideologische wie auch hinsichtlich seiner politischen Praktiken – zu Positionen im rechten Teil des politischen Spektrums, die man bezogen auf den Referenzpunkt einer egalitären Demokratie als extremistisch anshen muss.
(Rainer Mausfeld, Hybris und Nemesis – Wie uns die Entzivilisierung von Macht in den Abgrund führt – Einsichten aus 5000 Jahren, S. 391/392,400, 401, 402)
Ich zieh dir nochmal raus wo wir jetzt sind:
»Mit dieser Wendung des Liberalismus zum Sozialdarwinismus war Gewalt als Mittel zur Lösung der Probleme menschlichen Zusammenlebens legitimiert, war der imperialistische Krieg ebenso gerechtfertigt wie die wirtschaftliche Ausbeutung und die politische Diktatur. Hier ist der Punkt wo der Faschismus anknüpfen konnte.«
Hannah Arendt unterschied zwischen Diktatur und totalitärer Diktatur und dann sind wir noch näher. ‚Was heißt persönliche Verantwortung in einer Diktatur?‘ Paradebsp. für den Totalitarismus sind Faschismus und Stalinismus.
Individualismus und Kollektivismus sind doch bei euch nur hohle Phrasen, hinter denen ihr eure diktatorischen Konzepte versteckt. Wozu betreibt ihr die Kollekte?
Rhetorik, denn so geheim ist das nämlich nicht.
Phrasendrescherei und Beschäftigungstherapie, ein zwei Sätze in den Äther gerülpst, unter denen sich jeder denken kann was er will. Nach dem Kreuzchen machen, gibt auch Länder da wird überhaupt keins gemacht, interessiert ohnehin nicht mehr was gerülpst wurde.
@Gracchus Babeuf
+++
die Zeilen von Mausfeld wollte ich auch antworten auf so einen Stuss.
Das Problem ist, die allermeisten (siehe garno) haben nicht die geringste Ahnung was Demokratie, Liberalismus, Gewaltenteilung usw. usw. eigentlich überhaupt bedeuten und wie diese Begriffe historisch enstanden sind.
Es ist ja schon ein absolutes Armutszeugnis eine KI nach dem Begriff des „Liberalismus“ zu fragen und dann so einen Schwachsinn auch noch zu posten.
Das Problem ist wie so oft der unterschied zwischen Theorie und Praxis. All diese Freiheitsrechte klingen gut, man muß sich aber leisten können, sie in Anspruch zu nehmen, statt sich anderen anzudienen, um von denen Lohn für defacto Sklavenarbeit zu erhalten, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. So entscheidet allein der Besitz an Geld und Gut über den Stand innerhalb einer „liberalen“ Gesellschaft, nicht der „Wert“ als Mensch an sich.
Der Feudalismus als Erbadel von Familien von Königs Gnaden wurde ersetzt durch den „Geldadel“. Sonst blieb fast alles beim Alten.
Ja. Ergänzend, es ist ein Zwitter. Die haben sich verheiratet.
@Elberadler
Und die Untertanen hatten nun die (theoretische) liberale Freiheit sich ihren Herrn aussuchen zu dürfen.
Was dabei aber oft vergessen wird: Die liberalen Herren waren damit auch ihre (moralischen) Verpflichtungen los sich um die materielle Versorgung ihrer Untergebenen zu kümmern. Das machte den Liberalismus für die Herrschenden erst attraktiv. Das brachte Kosteneinsparungen und setzte Kapital frei, das für die aufkommende Industrialisierung genutzt werden konnte.
Nun garno, wo ist denn das Konzept der verantwortungsbewußten Diktatur der Herren verwirklicht?
Na in der Religion natürlich. Die die Liberalen von den konservativen Fürsten übernommen haben. Lässt jedoch die Religionshörigkeit nach, dann gerät auch der liberale Kapitalismus ins stottern.
Um gesellschaftlich zu funktionieren benötigt offensichtlich auch der materialistische Liberalismus ein kollektives Gemeinschaftsgefühl, das er in der Religion findet.
Danke garno. Deine Antwort ergibt null Sinn. Es ist ziemlich offenkundig, daß du die Frage nicht verstanden hast, bzw. nicht verstehen wolltest und irgendein Kauderwelsch dahinleierst.
@garno: Wir hatten ja hier ff bereits eine ausführliche Diskussion über Liberalismus, Individualismus und Kollektivismus. Zur Lektüre empfohlen.
@renard
„Konservativ‘ und ‚links‘ muss übrigens kein Widerspruch sein.“
Zustimmung!
Da bin ich ganz bei Ihnen. So habe ich es immer gesehen. Für mich war die Linkspartei in ihren frühen Jahren eine durchaus konservative Partei – immerhin wollte sie die Errungenschaft des sozialen Friedens bewahren, sprich: den Sozialstaat erhalten, wo andere dessen Auflösung im Sinn hatten. Letztlich war dieses konservative Portfolio das, was die Linkspartei damals für mich attraktiv machte.
Nu ja. Als Linker würde ich ja den Sozialstaat lieber überflüssig machen, aber auch andere ‚traditionelle Werte‘ – bis hin zur Familie, so man sie denn mag – ließen sich in einem anderen Gesellschafts- und vor allem Wirtschaftssystem besser ‚bewahren‘ als im mittlerweile ultraliberalen Kapitalismus.
Was heißt besser bewahren? Der Kapitalismus zerschlug doch endgültig die Hemmnisse, die die Familie im Verwertungsprozeß darstellt. Die Konservativen betreiben mit ihren „traditionellen Werten“ nur Voodoo.
Was sich heutzutage „Konservativer“ nennt bewahrt gar nichts. Wo bewahrt ein Merz denn etwas? Der verbrennt die Möbel, verschachert das Tafelsilber, macht einen Berg Schulden und will einen Krieg anzetteln. Eine christliche Bescheidenheit oder Nächstenliebe sehe ich bei dem auch nicht. Umweltschutz steht dem Profit im Weg. Obwohl das Gottes Auftrag ist nach Genesis 1,28 oder auch Psalm 6,7.
Die Etiketten sind sowieso alle falsch. Die CDU ist nicht christlich oder demokratisch, die SPD keine Arbeiterpartei, die Grünen keine Umweltschutzpartei usw. Wenn überhaupt sind sie das Gegenteil dessen, was auf dem Etikett steht.
Erstmal ist der sogenannte „Sozialstaat“ noch gar nicht so alt.
Zweitens, scheint es hier doch eine ganz ordentliche Diskrepanz der Deutung von Konservatismus zu bestehen.
Nur, weil eine Errungenschaft des linken Spektrums, der letzten 150 Jahre, fortbestehen sollte, ist es noch lange kein konservatives Anliegen.
Im Übrigen, sollte man ebenfalls darauf achten, das die Linkspartei nicht immer kongruent linke Begrifflichkeiten auch entsprechend vertritt.
Was sind die überhaupt noch? Progressiv vermutlich ebenfalls nicht. Gerade mit Blick auf die kürzlich zurückliegenden Ostermärsche hat man wieder gesehen, wie engagiert von denen und überhaupt dafür „getrommelt“ wurde und „Millionen dabei ein klares Zeichen gesetzt haben“.
Dem Autor ist hier ein kleines Kunststück gelungen: Er kritisiert das allgegenwärtige Liberale (oder was man dafür hält) aus liberaler Sicht, nämlich aus seinen eigenen liberalen Idealen heraus.
Linke streiten sich ja auch dauernd was „echtes links“ sei. Kann man dann auch als Liberaler.
In einer Demokratie braucht es alle Parteien ausser die, die so extrem sind, dass sie die Demokratie bekämpfen. Selbstverständlich gehören die demokratische Linke wie auch die Konservativen dazu.
Anders als der Autor es darstellt, ist der Liberalismus tot. Mausetot. Das Aufzwingen eines Gentechnik-Experiments ist genauso antiliberal wie das Verfolgen von politisch Andersdenkenden mit Hausdurchsuchungen, Debanking und Reichsacht. Auch das Unterwerfen unter Tech-Konzerne oder unter korporativistische internationale Organisationen ist antiliberal. Liberale unterwerfen sich nicht. Sie wollen Citoyen sein und nicht Untertanen.
Die Interpretation von SPD und Grünen als “Linksliberalen” ist dem Trugschluss geschuldet, den diese Betroffenen selbst aus ihrer widersprüchlichen Ideologie ziehen. Sie glauben, linksliberal zu sein, weil sie progressiv sind. Faschismus ist jedoch immer eine progressive Ideologie, und nichts daran ist liberal. Vergleicht man den klassischen Faschismus eines Mussolini mit der Ideologie beispielsweise der Grünen, so stimmen jene Ideologien in den meisten Punkten überein: futuristisch, rücksichtslos, kriegsgeil, korporativistisch, totalitär. Allein beim Führerkult hapert es noch – Robert Heilemachen oder Annalena Baerbock sind zwar in ihrer Partei Säulenheilige (und vom intellektuellen Anspruch her sicher mit vielen Figuren klassisch-faschistischer Bewegung vergleichbar), im Falle Habecks sind sie auch gleich korrupt wie die klassischen Faschisten. Aber nicht einmal Baerbock trägt eine Uniform, wenn sie sich beim syrischen Al-Qaida-Terroristen pixeln lässt oder Russland den Krieg erklärt.
Freuen wir uns darüber. Sobald die Grünen ihre Führer:innen gefunden haben, sind wir im atomkraftwerkslosen Atomkrieg.
SPD und Grüne haben dieses Etikett, weil sie es mal waren, aber sie sind es nicht mehr. Gerade die Grünen mit ihrer einstigen Antikriegshaltung.
Was den Führerglauben angeht… nunja… den gibt es sehr wohl. Das zeigen ja Debanking und Co. Sprich wer dem Führer widerspricht, betreibt Desinformation, ist Antisemit, Verschwörungstheoretiker, „rechts“, schädigt angeblich die Demokratie (deren Wesen ja die Vielfalt ist, nicht die Gleichschaltung, auch wenn man am Ende vll. auf einen gemeinsamen Nenner kommt) etc. pp. Es mag vielleicht nicht die EINE einzige Person geben, auf die man alles projezieren könnte (wobei Frau vdL schon ein guter Anwärter ist in ihrem rechtsextrem Hass auf Russland und beim Thema Völkermord (Gaza) keinerlei Widerspruch zu dulden)… Das Prinzip ist aber das Gleiche.
Hitler war ja auch nur die Person, die im Rampenlicht stand. Diejenigen, die sich das erdacht, ausgeführt und davon profitiert haben, waren ja auch Andere. Mir fallen da vor allem Bänker und Rüstungsindustrielle ein. Aber auch innerhalb des Systems gibt es viele, die so ein faschistisches System toll finden, weil… dann können sie endlich auch mal zuschlagen, Macht ausüben, ihren Sadismus ausleben… Richter zum Beispiel. Man darf mMn nicht den Fehler machen, dass es eine einzige Person sei, die für all das verantwortlich zeichnet, die so ein System trägt. Sie mag wesentliche Züge des Systems vorgeben, aber viel bedeutender sind eigentlich jene, die dieses System am Ende umsetzen, nicht unbedingt weil sie von der vorgegebenen Marschrichtung so überzeugt sind, sondern weil ihnen gefällt, welche Macht ihnen das nun gibt.
Den Grünen fehlt der Führerkult. Ihr Kult geht um Dinge: sie tanzen um das Lastenrad, das in der Praxis praktisch immer ein E-Bike ist. Da muss man nicht treten, sondern kann das Treten simulieren um Körperertüchtigung zu heucheln. Sie tanzen ums E-Auto, angetrieben von Windrädern, das in ihrer Praxis dann doch ein SUV auf kommunaler Ebene oder auf Bundesebene ein Oberklasse-Auto mit Fahrer ist. Allenfalls enthält ihr Kult noch die Islamverehrung, ihrem Wunsch nach einer firmen Religion entsprechend, und voller Lust am Heucheln, weil man doch gleichzeitig für den Buchstabensalat sein will. Kopftuchzwang und Pupplay in einem, das ist echte Diversity – oder das, was in ihrer realitätsablehnenden Ideologie dem gelebten Doppeldenk am nächsten kommt.
Die SPD will das alles auch, verschwindet jetzt jedoch, der FDP nachfolgend.
Der „Führerkult“ wird überbewertet, denn er ist etwa in Form von „Idolen“ in Sport und Kultur allgegenwärtig und scheint von allgemein menschlicher Natur zu sein.
@ Voler Birk
In einer Demokratie braucht es keine Parteien.
Was ich am Konservativismus sch… finde ist nicht der Konservativismus selbst, sondern dass einem diese Leute immer Vorschriften machen wollen. Wenn ich mir die Debatte zwischen den Wokisten und den Altkonservativen so ansehe… das sind BEIDES extremst konservative Positionen. Man glaubt immer nur weil etwas neu ist, sei es nicht konservativ. Das stimmt aber nicht. Konservativ wird es, wenn man das als Regel ausruft, an die sich alle zu halten haben. Dann wird im Grunde nur die eine, die alte konservative Regel durch eine neue ersetzt.
Ein Beispiel: meine ältere Schwester macht gerne Dinge, die man dem Klischee nach als Frauenaktivitäten betrachten kann. Zumindest eine Zeitlang hat sie gerne genäht, gestrickt und so’n Zeug halt. Eine Freundin hat dann mal zu ihr gesagt – so nach dem Motto „man sei doch jetzt emanzipiert“ – „das kannst Du in der heutigen Zeit aber nicht mehr machen. Das geht nicht.
Da frage ich mich: was genau beinhaltet eigentlich das Wort Emanzipation? Was bedeutet es?
Das bedeutet doch nicht, dass man alte Dinge nicht mehr machen darf. Emanzipation bedeutet doch, dass man nun die Freiheit hat auszuwählen, was einem liegt und Spaß macht, ohne dass einem wer Äußeres Vorschriften dazu macht, machen kann. Speziell auf das angesprochene Thema bezogen bedeutet das: als Frau kann ich heute frei auswählen, ob ich in der Autowerkstatt arbeiten oder einem Beruf nachgehen möchte, der dem Klischee nach eher zu Frauen passt.
Genauso mit dem Gendern… die Altkonservativen rasten aus, wenn jemand gendert, die Anderen, die neuen, die woken Konservativen rasten aus, wenn man es nicht macht. Unterm Strich ist Beides das Gleiche. Ich will mir von niemandem vorschreiben lassen zu gendern. Ich will aber auch niemand Anderem vorschreiben es nicht zu tun. Das Einzige, was mir an diesem Gegendere inzwischen nicht mehr gefällt, ist die Aussage, die darin mitschwingt „man sei was Besseres“, man sei quasi moralisch Anderen überlegen. Und das mag ich nicht. Deswegen lehne ich es tendenziell ab. Wenn diese mitschwingende Aussage nicht wäre, hätte ich überhaupt kein Problem damit.
Anderes Beispiel: die 68er Bewegung galt als sehr rebellisch. Man sagt ihr unter anderem die „sexuelle Befreiung“ nach. Dann gab es aber diesen Satz „wer zweimal mit derselben pennt, gehört bereits zum Establishment“… Wie gesagt… die eine Regel nur durch eine andere auszutauschen, das ist für mich keine Befreiung. Das ist unterm Strich exakt das Gleiche, einfach nur in einem neuen Gewandt.
Ich hab von daher nichts gegen eine – wenn man es so nennen mag – konservative Lebenseinstellung, wenn man nicht hingeht und diese anderen einzutrichtern und aufzuzwingen versucht, sagt, dass Andere nach dem gleichen Lebensmodell leben müssen oder man verurteilt sie.
Beispiel: ich hab nichts dagegen, wenn jemand für sich entscheidet „ich möchte nicht vor der Ehe mit meinem Partner intim werden“. Ob ich das für mich genauso sehe, ob das für mich eine Option wäre, das steht auf einem anderen Blatt. Kurz… jemand kann diese Entscheidung treffen, solange er mich nicht dazu zwingt sie für mich zu übernehmen.
@Richard
„Dann gab es aber diesen Satz „wer zweimal mit derselben pennt, gehört bereits zum Establishment“… Wie gesagt… die eine Regel nur durch eine andere auszutauschen, das ist für mich keine Befreiung. Das ist unterm Strich exakt das Gleiche, einfach nur in einem neuen Gewandt.“
„Kind und Kegel kennt die Regel , gevögelt werden ist nicht schwer, selber vögeln aber sehr. Treulich zur Hand das Vaterland, Praktikant Sie sind erkannt“ 🙂
(Guru Guru – https://www.youtube.com/watch?v=DrpWBvIpvmM&list=RDDrpWBvIpvmM&start_radio=1 )
Ich möchte mit meinem Kommentar nicht Lapuente widersprechen. Ich denke das wird aber auch klar… Egal… Er spricht etwas sehr Richtiges und Wichtiges an.
Man muss verstehen, was da betrieben wird. Das ist purer reiner Faschismus. Das zeigt sich in vielen Facetten, aber auch schon seit längerer Zeit. Ein Beispiel: in den 70ern gab es Bücher worin stand, dass man das Kind möglichst früh von der Mutter abnabeln müsse, was soviel bedeutete, dass es bloß nicht mit den Eltern in einem Bett schlafen dürfe und möglichst früh in ein eigenes Bett gehöre. Mit Verlaub. Das ist krank. Dem Kind die menschliche Wärme und Nähe vorzuenthalten, ja zu entziehen, das ist krank, Faschismus.
Anderes Beispiel: die USA zerstören in ihren Kriegen immer wieder alte kulturelle Stätten. So haben die von den USA aufgebauten, bezahlten etc. Taliban in Afghanistan über 1000 Jahre alte in den Berg gemeißelte Skulpturen zerstört. Das passierte nicht nur in Afghanistan auch in anderen Ländern. Das Muster ist immer wieder gleich. Das mag zum Einen daran liegen, dass die USA in dieser Hinsicht selber nichts vorzuweisen haben, also in gewisser Weise eine Art Neid. Es dient aber vor allem einem Zweck: die Menschen zu entwurzeln, ihnen ihre Herkunft zu zerstören.
Nächstes Beispiel: das Thema Gendern hatte ich schon, also mit der Brechstange versuchen Sprache zu verändern, die über Jahrhunderte so gewachsen ist (übrigens sagen Jugendliche „Bro“ oder „Alter“, auch wenn sie weibliche Artgenossen damit meinen; die halten sich an diesen neuen Genderwahnsinn diesbezüglich überhaupt nicht, ganz einfach, weil es Teil ihrer Kultur ist). In die gleiche Kerbe schlägt die Idee von den 12tsd. Geschlechtern. Der Politik geht es sukzessive darum die Menschen völlig kirre zu machen, ihnen alles zu nehmen, was sie ausmacht, worüber sie sich identifizieren, und damit meine ich nicht, dass sie diese Identifikation nutzen, um sich von anderen abzugrenzen, sich als etwas Besseres zu „identifizieren“. Das machen die Anderen, die Woken, die Feminist(inn)en. Die benutzen ihre Ideologie, um anderen Menschen einzureden schlechte Menschen zu sein.
Im Grunde wird versucht zu zerstören, dass die Menschen sich aus sich selber heraus entwickeln, also die Basis von Selbstbewusstein vll. auch Selbstwert. Die Familie ist wesentlicher Bestandteil davon. Sie gibt einem dieses Fundament. Und genau deswegen ist das nicht gewollt. Sie wollen völlig paralysierte Menschen, die nicht mehr wissen, wo vorne und hinten ist, weil es psychisch kranke Sadisten sind, die die Gewalt lieben und so die totale Kontrolle über andere Menschen erlangen wollen, auch wollen, dass sie sich nicht mehr zur Wehr setzen können.
—doppelter Kommentar— von mir (Richard) gelöscht…
Du verwechselst hier konservativ und autoritär.
Sorry – Antwort falsch eingehängt. Kann weg.
„Es gehört zu den großen Irrtümern unserer Epoche, zu glauben, Geschichte sei ein geradliniger Prozess, der unaufhaltsam auf ein Ziel zustrebt –..“
Geschichte ist KEIN irgendwie gearteter und verselbständigter Prozess wie Evolution, Photosynthese oder Karma, sondern sie wird ausschließlich durch Handlungen von Menschen oder durch deren Unterlassungen geschrieben.
Mit genau den sich daraus ergebenden und unumkehrbaren Konsequenzen – im Kleinen wie Großen.
Daran ändert auch die mehr als 30malige und inflationäre Wiederholung von „K(k)onservativ/er/ismus“ nichts.
Geschichte ist ein Prozess, der durch die Handlungen der gesellschaftlichen Subjekte stattfindet.
Das sollte man dann aber nicht mit der Realität verwechseln. Allgemein wird zwischen Geschichte und Vorgeschichte unterschieden. Danach ist Geschichte das, was Menschen über die Handlungen von Menschen aufgeschrieben haben.
„Danach ist Geschichte das, was Menschen über die Handlungen von Menschen aufgeschrieben haben.“
Ja – war meine Aussage.
Archivierte Geschichte wird auch irgendwann das HEUTE sein. Universell gültig für die gesamte „Menschheitsgeschichte“.
Vor- und Geschichte entsprechen diesbezüglich lediglich dem Ursache-/Wirkungsprinzip.
Doch wenn auch Stand JETZT (den Abgrund direkt vor Augen) noch darüber diskutiert werden muss, dass die wahre Ursache „höhere Gewalt“ und/oder unbeeinflussbar ist, statt dass lediglich Handlungen/Unterlassungen Geschichte schreiben, dann sollten WIR* uns jedweden weiteren Gedanken ersparen und stattdessen dem Unausweichlichen demütig, wenn auch schuldlos entgegen sehen.
*Bevor hier wieder über Nebensächlichkeiten diskutiert wird: das WIR bezieht sich auf den Homo sapiens als „friedliebende, freundliche, harmlose, sozial kompetente, zugewandte, vorausschauenden, intelligente etc.“ Spezies (auch außerhalb des permanent angeführten Kapitalismus ) – nicht die Ausnahmen von der Regel.
Mit der „universellen Gültigkeit“ ist das so eine Sache, denn die Geschichte ist immer auch abhängig vom Selbstverständnis der jeweiligen Gesellschaft, von seinem Werte-Kanon, von seiner Ideologie. Was heute positiv wahrgenommen wird, das kann morgen schon negativ oder auch gar nicht mehr wahrgenommen werden.
„Was heute positiv wahrgenommen wird, das kann morgen schon negativ oder auch gar nicht mehr wahrgenommen werden.“
Nun ja – ich kann mich nicht entsinnen, jemals gehört zu haben, dass existenziell Gefährdendes wie Gewalt/Übervorteilung durch andere, Entrechtung, Unfreiheit, K(r)ampf, Krieg, gewaltsamer Tod, Elend, Not, Müll produzieren und konsumieren etc. jemals positiv verklärt worden wären.
Mag aber meinem begrenzten Kenntnisstand geschuldet sein.
Im Übrigen entspringt die umfassend beschränkte Wahrnehmung Vieler der jeweiligen (freiwillig zugelassenen) Konditionierung durch Wenige und der daraus resultierenden und vermittelten Erlebniswelten im Inneren (Keimzelle=Familie).
In Anlehnung an: „Was Hans verlernte (nicht [mehr] kann/oder will), lernt Hänschen nimmermehr.“
Aber – und dies ist keineswegs ein Novum – es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Darum sind •Mensch und Selbsterkenntnis• ein gelebtes Paradox.
Aber die Krone der Schöpfung – oder war es nicht eher der Gipfel? – ficht dies bis zu seinem bitteren Ende nicht an.
Immerhin EINE Konstante und löblich konsequent!
Deshalb müssen auch die Quellen im Original erhalten werden, weil spätere Generationen darauf vielleicht einen anderen Blick haben könnten. Geschichte ist nie statisch.
> Dass sie in ihren späten Jahren dann dem Wahrheitskomplex auf dem Leim ging – um Norbert Häring zu zitieren, mit dem morgen übrigens ein Interview an dieser Stelle erscheint –, ist auch nicht als sozialdemokratisch oder gar links zu bewerten, sondern war Ausdruck ihrer Orientierungslosigkeit.
So würde ichs nicht sagen. Ein Bundeskanzler sollte das machen was das beste fürs Land ist und nicht für seine Partei. Diesem Weg ist sie gefolgt. Das tragische dabei, sie hat sich später von einigen lauten Stimmen leiten lassen. Das zieht sich über ihren Nachfolger leider bis Merz fort. Möglicherweise ein Fall von Hybris.
Schon klar, auf den Leim ist sie gegangen. Oben aus dem Text: “ … sie saß nur allerlei aus, was ihr lästig erschien und so hatte man einfach keine Vorstellung davon, für was sie inhaltlich tatsächlich steht.“
Ich nenne das Sandstreuerei. Madame wußte, wie jeder Kanzler, Präsident, Premierminister und Konsorten wofür sie stehen und wen sie leimen:
Auswahl und Vernetzung des Elitennachwuchses
Anfang der Neunzigerjahre ging es beim Forum schon nicht mehr nur darum, die bestehenden Eliten zu beeinflussen, vielmehr machte man sich systematisch daran, die künftigen Eliten auszuwählen, aufzubauen und zu vernetzen. Beim Treffen von 1992 wurde eine neue Davoser Gemeinschaft aus der Taufe gehoben: die »Global Leaders for Tomorrow«, 200 vielversprechende Personen unter 43 Jahren aus Politik, Kapital, Medien, Kunst und Kultur. Entweder hatte man ein sehr gutes Gespür für Durchsetzungsvermögen oder aber die Unterstützung des Großkapitals hilft erheblich, um im Politbetrieb in die Führungsetagen aufzusteigen. Zur ersten Runde der Global Leaders for Tomorrow gehörten der spätere spanische Ministerpräsident Aznar, der spätere EU-Komissionschef Barroso, die späteren britischen Regierungschefs Blair und Brown sowie Angela Merkel, seinerzeit noch relativ frischgebackene Ministerin für Frauen und Jugend und damit Chefin eines kleinen und unbedeutenden Ministeriums. Auch der spätere französische Regierungschef Sarkozy war 1992 bei der ersten Runde des Elitenauswahl des Forums dabei.
Angela Merkel scheint ein gutes Dutzend Jahre später nicht vergessen zu haben, dass sie als Global Leader von der Vernetzung und Protektion durch das Forum profitieren durfte. Unmittelbar nachdem sie ihre erste Regierung gebildet hatte, empfing sie eine große Delegation des Weltwirtschaftsforums im Kanzleramt, »um ihr Reformprogramm, die anstehende deutsche EU-Ratspräsidentschaft und ihre Prioritäten für den anstehenden G8-Vorsitz zu diskutieren«, wie das Weltwirtschaftsforum schreibt.
Im Jahr 2004 wurden die »Globalen Führer für morgen« in Young Global Leaders umbenannt. Schwab spendierte einer Stiftung der Young Leaders eine Million Dollar aus einem Preisgeld, damit sie die attraktiven Reisen und Veranstaltungen des Programms finanzieren konnten, ohne sich oder ihre Arbeitgeber allzu sehr finaziell zu verausgaben. Die Auserwählten, die zum Zeitpunkt der Nominierung nicht älter als 38 Jahre sein dürfen, absolvieren ein fünfjähriges Ausbildungsprogramm zur Führungskraft.
(…)
Zu den Auserwählten des Jahres 2020 gehörte Annalena Baerbock, Co-Vorsitzende der Grünen. Schon 2016 war neben dem heutigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron auch der heutige Gesundheitsminister Jens Spahn in das Elite Nachwuchsprogramm aufgenommen worden. Da die Welt groß ist und viele Eliten zu besetzen hat, gibt es entsprechend viele Young Leaders des Forums. Zu den über 1300 Mitgliedern und Absolventen des Programms zählen Vorstandschefs von Unternehmen, Regierungschefs, Minister und leitende Führungskräfte wichtiger gemeinnütziger Organisationen. Auch Gregor Hackmack, Mitbegründer und Geschäftsführer von abgeordnetenwatch.de und Deutschland-Chef von change.org, der weltweit größten Plattform für Online-Petitionen, gehört dazu. Er durchlief das Elite-Nachwuchsprogramm des Forums ab 2010.
Seit 2012 setzt das Forum beim Auskundschaften und dem späteren Aufbau der künftigen Weltelite noch früher an: bei Leuten, die hohes Potential schon in ihren Zwanzigern zeigen. Sie werden zu »Global Shapers« ernannt. Das Forum unterhält ein riesiges Netzwerk von rund 10 000 dieser Global Shapers, das in 428 Städten (sogenannten Hubs) und 148 Ländern aktiv ist. Wenn sich dabei als hinreichend ehrgeizig und lenkbar erweisen, werden ihre Karrieren gefördert. Auch für diesen Nachwuchs des Nachwuchses gibt es eine eigen Trägerstiftung.
(Norbert Häring, Endspiel des Kapitalismus – Wie die Konzerne die Macht übernahmen und wie wir sie zurückholen, S. 63-65)
Oder:
„Daß Angela Merkel zur mächtigsten Frau der Welt gekürt wurde, ist eine Farce. Sie ist noch nicht einmal die mächtigste Frau im eigenen Land. Daß die Zeitungen jetzt schreiben Ursula von der Leyen ist die zweitmächtigste Frau in Deutschland ist eine Vertölpelung, Verdummbeutelung von ihnen und zwar eine Bewußte, der Presse die es schreibt. Die mächtigsten beiden Frauen in diesem Land sind Liz Mohn und Friede Springer. Bertelsmann und Bild-Konzern. Die Bild-Zeitung, die den Analphabetismus bereits im Namen und in die Lande trägt. Bertelsmann und Bild, die lautstarken Herolde eines maroden Systems, das weltweit an den Fäden der Geldverleiher zappelt.
Eine Handbewegung von Friede Springer genügt und die Lohnschreiber werden die Kanzlerin endgültig vom Thron holen und werfen sie ihrer eigenen Partei zum Fraß vor.
Vielleicht erleben wir es schon demnächst. Die wahrhaft Mächtigen sind gewiss, daß sie die Gunst des Volkes schon verloren haben. Das macht die Kanzlerin so wertvoll, denn solange sie die Gunst des Volkes hat, solange wird sie gebraucht. Aber nur solange sie die Gunst der Macht hat, wird sie es tun können.
Eine Symbiose nennt man das in der Biologie. Aber wenn es zu Lasten des Wirtstiers geht nennt man es eine parasitäre Symbiose.
Und das Wirtstier, das sind bedauerlicherweise wir.“
Prix Pantheon 2010 – Georg Schramm Teil 1/2
https://www.youtube.com/watch?v=c1WIJQOaMsI
Prix Pantheon 2010 – Georg Schramm Teil 2/2
https://www.youtube.com/watch?v=MVRauiWsfB0
Natürlich gibts diese Sachen, die sind mir auch bekannt. Und natürlich kann man daraus eine endlose Liste konstruieren. Die helfen aber nicht bei der objektiven Einschätzung. Der Fehler ist Menschen monokausal zu sehen. Wer das macht macht nichts besser als der Mainstream.
Merkel hat die Sachen abgewogen. Und das muss man erstmal als richtige Vorgehensweise anerkennen. Nach Fukushima gabs aber einen Knick und den muss man erklären. Ich denke da hat auch der Angstfaktor überwogen, nebst meinem oben gesagten.
Bitte keine endlosen Aufzählungen von irgendwelchen Internetschnappschüssen, eigene Meinung sagen, dann kann man weiterreden.
Alles klar Diktator. Gut daß wir drüber geschwätzt haben. Wie läuft es so bei der WHO?
„… eigene Meinung sagen, dann kann man weiterreden.“ Das finde ich auch, Kollege Gracchus. Ihnen fällt es offensichtlich schwer zum Kern einer Problematik vorzudringen, weshalb Sie sich mit seitenlangen Zitaten über irgendwelchen äußeren Erscheinungsformen begnügen.
Also Kollege Gracchus: In der Kürze liegt die Würze.
Ja, noch ein Blockwart garno. Diktator ist ja übertrieben. Und ja, ich weiß, euch kann es bei der angestrebten Verblödung überhaupt nicht kurz und vor allem verlogen genug sein.
Nun, einer der Kerne der Problematik ist eure Kriecherei vor den Herren. Und der ist ganz speziell für euch:
China, Deutschland, EU: Wie die WHO gerettet werden soll
26. Mai 2025von Thomas Oysmüller
China tritt die Nachfolge der USA an und wird zum größten Geber der WHO. Eine Finanzspritze von 500 Millionen US-Dollar soll die Pleite-Organisation retten. Auch Deutschland und die EU leisten Unterstützung.
https://tkp.at/2025/05/26/china-deutschland-eu-wie-die-who-gerettet-werden-soll/
Und ja es geht dabei um Konservativismus, nämlich in seinem historischen Ursprung, der Bewahrung der Herrschaft des (Geld)Adels.
@Gracchus
Wer zahlt, der bestimmt (ist im Kapitalismus so üblich), und da anstelle der USA der Oligarch Gates die Zahlungen an die WHO übernommen hatte, bestimmte der auch wie sein Geld verwendet wird. Damit wurde das Handeln der WHO maßgeblich bestimmt. Kurz: Die WHO wurde von Bill Gates für seine Zwecke instrumentalisiert. Wenn China nun eingreift um diese Politik der WHO zu verändern, dann ist das doch positiv.
Die eigentliche Ursache des Übels ist Bil Gates und nicht die WHO, die von ihm als Werkzeug benutzt wurde. Das ist übrigens das selbe Prinzip wie im Falle des Staates, der ebenfalls vom Kapital instrumentalisiert wird.
Ihr flachgeistigen Intelligenzler schüttet das Kind mit dem Bade aus.
Unter der Führung des WHO-Jesus eines echten Verbrechers.
Derartige Institutionen sind genau so wie Staaten der Ursprung allen Übels.
Ach Bill hat euch gezwungen über neunzig Prozent eurer Bevölkerung zu vergiften? Salopp nur formuliert, denn den meisten wurd ja kein Kampfstoff injiziert. Fällt dann doch zu sehr auf.
Nebenbei bemerkt:
Xi Jinping meets Bill Gates in China, calls him ‚an old friend‘
By Reuters
June 16, 2023
BEIJING, June 16 (Reuters) – Chinese President Xi Jinping called Bill Gates „an old friend“ and said he hoped they could cooperate in a way that would benefit both China and the United States, in Xi’s first meeting with a foreign entrepreneur in years.
In a meeting at Beijing’s Diaoyutai state guest house, where China’s leaders have traditionally received senior foreign visitors, Xi said he was very happy to see the Microsoft co-founder and philanthropist after three years, and that Gates was the first American friend he had met this year.
(…)
In a post on his personal blog, Gates said he and Xi had discussed global health and development challenges such as health inequity and climate change.
Xi stopped travelling abroad for nearly three years as China shut its borders during the coronavirus pandemic and his international meetings since the reopening have mostly been with other state leaders.
A number of CEOs have visited China since it reopened early this year, but most have met with government ministers.
Gates stepped down from Microsoft’s board in 2020 to focus on philanthropy in the fields of global health, education and climate change.
(…)
Xi also discussed the global rise of artificial intelligence (AI) with Bill Gates and said he welcomed U.S. firms including Microsoft bringing their AI tech to China, two sources familiar with the talks said.
One of the sources said they also discussed Microsoft’s business development in China.
(…)
Apart from meeting Xi, Gates gave a speech at the Global Health Drug Discovery Institute about the need to use technology to solve global health challenges during his visit.
The Bill & Melinda Gates Foundation and the Beijing municipal government, which founded the institute with Tsinghua University, also pledged to each provide $50 million to bolster the institute’s drug discovery capacity.
https://www.reuters.com/world/china/chinas-president-xi-meet-with-bill-gates-beijing-state-media-2023-06-16/
Sowas aber auch.
@Patient 0
„Natürlich gibts diese Sachen, die sind mir auch bekannt. Und natürlich kann man daraus eine endlose Liste konstruieren. Die helfen aber nicht bei der objektiven Einschätzung.“
Eine objektive Einschätzung ist dem Menschen als Subjekt sowieso nicht möglich, da jeder von uns auf Grund seiner Erfahrung/Erziehung filtert, aber solche Fakten, die vermutlich nicht jeder Leser kennt, helfen zumindest, annähernd zu verstehen, welchen Einflußsphären Politik unterliegt.
Meinungen ohne Einbeziehung solcher Sachverhalte verbleiben auf dem Niveau reiner Behauptungen.
Man kann das Geschriebene des Vor-Kommentators auch als Bereicherung sehen. 😉
Absolut korrekte Darstellung des Gemengelages. 👍💪✌
Es fehlt eine „Linke“ im Sinne von Anti-Autoritarismus, Denkfreiheit, Selbstbestimmung und Demokratie.
Was wir haben ist eine dogmatische, marxistische, denkeinschränkende, spalterische, und großflächig unterwanderte und benutzte „Linke“, die die Drecksarbeit für die Büttel der Finanzoligarchie macht.
Kurz, es gibt Knechte des Geldadels die wahlweise, rechts sind oder links antäuschen und aber in Konsequenz genauso rechts sind. Korrekterweise sollte man das auch so benennen und dabei nicht die Hälfte weglassen.
Was also nicht fehlt ist eine (denkeingeschränkte) Rechte die die „Drecksarbeit“ für die (Finanz)oligarchie macht. Die ist nämlich allgegenwärtig.
28. Pleisweiler Gespräch mit Professor Mausfeld – 22. Oktober 2017
Wie sich die „verwirrte Herde“ auf Kurs halten lässt: Neue Wege der „Stabilitätssicherung“ im autoritären Neoliberalismus
Und dazu gehört ein ganz wichtiges Mittel: „Die Mitte“. Die „Mitte“ ist etwas ganz Tolles, heute sind alle in der Mitte. Das gehört wieder zum neoliberalen Falschwörterbuch, weil hier ein Begriff neu besetzt worden ist, denn „Mitte“ ist für uns alle etwas ganz Tolles.
‚Mitte‘ suggeriert Harmonie, Ausgeglichenheit, vielleicht auch Geborgensein, ‚Mitte‘ ist ein ganz positives Gefühl, weil wir ungerne zu den Extremen gehören wollen. Der Neoliberalismus hat diesen Mittebegriff neu besetzt, indem jetzt eigentlich mit „Mitte“ eine extremistische Position bezeichnet wird. Nämlich die extremistische Position eines Kampfes gegen Demokratie. Und die „Mitte“ ist sogar eine extrem fundamentalistische Position, weil sie einen Ausschließlichkeitsanspruch hat: Es kann keine Alternativen mehr geben. Die „Mitte“ ist eine extrem fundamentalistische Position mit einem Ausschließlichkeitsanspruch, übt aber auf uns eine gewisse Faszination aus. Wir gehen diesem Wort immer wieder auf den
Leim. Und Sie sehen, wie häufig dieses Wort als Attraktionsmittel in der politischen Rhetorik verwandt wird, und zwar immer im Kontext auch des neoliberalen Programmes.
Tony Blair: „a radical centre in which you are able to take decisions for the future of
the country“
Gerhard Schröder 1998: „Es gibt keine linke oder rechte Wirtschaftspolitik, sondern
nur eine gute oder schlechte Wirtschaftspolitik.“
Emmanuel Macron 2017: „ni droite, ni gauche“ (weder rechts, noch links)
Faschismus: „weder links noch rechts“
Die „radikale Mitte“ – auch eine interessante Wortschöpfung. – Es gibt gar keine Interessen-gegensätze mehr. Es gibt keine Interessengegensätze zwischen Unternehmer und Lohnabhängigem mehr. Es geht nur noch um ‚Vernunft‘, es geht nur noch darum, ‚rational‘ die besten Lösungsansätze zu finden. Es hat auch keinen Sinn mehr, gegen irgend etwas zu kämpfen, es geht nur darum, die ‚beste‘ Lösung zu finden, denn letztlich sitzen natürlich Unternehmer und Lohnabhängige im gleichen Boot, haben die gleichen Interessen, nämlich: die ‚besten‘ Lösungen zu finden. ‚Letztlich ziehen wir doch alle am selben Strang‘ – das ist die Ideologie, was ja irgendwie auch richtig ist, nur eben an unterschiedlichen Enden.
Interessanter ist hier noch der Punkt – das finden Sie heute ganz häufig -, dass jemand sagt: „ich bin weder rechts noch links“. „Links“, das heißt ja eigentlich für eine gerechte Verteilung und eine solidarische Gesellschaft – und „rechts“ heißt, nicht für eine gerechte Verteilung. Jemand, der weder rechts noch links ist, kann sich eigentlich nur damit noch retten, dass er sagt: „Naja, ich bin völlig apathisch!“
http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/171022-Mausfeld_Transkript_Landau_NDS.pdf
Aber eigentlich ging es dir doch nur darum wieder ein paar Begriffe einzustreuen, um sie inhaltlich falsch zu besetzen oder mit einem Bann zu belegen.
P.S.: Denkfreiheit, interessanter Begriff. Denken kann jeder was er will. Was aus dem Mund oder in die Tasten fällt hat Einfluß. Ein Jammer daß das meiste davon ziemlich verlogen ist.
Konservatismus ist kein eindimensionaler Raum. Nehmen wir z.B. mal Bildung. Da bin ich hochgradig konservativ. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass Kinder verstehendes Lesen, fliessendes Schreiben und vor allem die Beherrschung der Grundrechenarten von der Pike an auf lernen, üben und solange verfestigten sollten, bis sie es im Schlaf können. Das steht jedoch im Widerspruch zu allem was schon seit Längerem an deutschen Schulen passiert. Die können gar nichts mehr und wenn man dagegen etwas sagt, bekommt man es auch noch mit den sogenannten Lehrern zu tun.
„Bis sie es im Schlaf können,“ ja das klingt sehr konservativ und nach schwarzer Pädagogik.
Unabhängig davon braucht es wohl einen ganz anderen Stellenschlüssel, vor allem in sinnstiftenden Berufen und überhaupt eine ganz andere systemische Basis auf der ein Konzept Schule aufbauen müßte. Aber an grundlegendem, vor allem an unabhängigem und analytischem Denken sind die Herren wohl nicht interessiert.
Lesen, schreiben und rechnen zu beherrschen hat nur überhaupt nichts mit schwarzer Pädagogik zu tun. Das ist die Basis von allem anderen. Wie soll denn jemand ohne diese Dinge zu unabhängigem und analytischem Denken gelangen?
Lesen(!) legolas!
Das war mein Satz:
„„Bis sie es im Schlaf können,“ ja das klingt sehr konservativ und nach schwarzer Pädagogik.“
Ich habe mich nicht auf lesen, schreiben, rechnen bezogen, sondern auf die Methodik. „Bis, sie es im Schlaf können“ klingt sehr nach Tortur. Bis sie es im Schlaf können scheint auch noch darauf hinzuweisen, daß sie davon Alpträume bekommen.
Nein das bedeutet, dass sie in Träumen lesen können, während bei Analphabeten z.B. keine Bilder mit Schriftzeichen auftauchen und wenn dann nur verschwommen.
In einer Zeit, in der sich das globale System den Grenzen des Wachstums überschreitet, verlieren die alten Kategorien von Links und Rechts ihren Sinn. Wenn es immer weniger zu verteilen gibt, und man sich auf eine Kontraktion einstellen muss, die mehrere Generationen dauern wird, wird aus der Linken eine Utopie, die in eine Zukunft projiziert wird, die niemals eintreten kann, und aus der Rechten eine Utopie, die versucht, an einer Vergangenheit festzuhalten, die niemals zurückkehren wird. Und während die beiden Lager sich darin aufreiben, sich gegenseitig ihre Verblendung nachzuweisen, erodieren die Demokratien, und die Zeit verrinnt, die uns bleibt, um uns auf das Unausweichliche vorzubereiten.
Es wird sich nichts ändern. Eigentlich ist der Oberbegriff für alles Konsumismus. Damit werden die sogenannten Staatsbürger und Bürgerinnen ruhig gestellt. Für die reicheren im gehobenen Segment, für die ärmeren in den bekannten Billigläden. Ich war gestern seit längerem mal wieder in der Innenstadt und habe das Treiben beobachtet. Von Krise keine Spur. Es wird Geld in die Läden geschleppt, was das Zeug hält. Raus kommt man mit dem 130. Kleidungsstück.
Man soll schlank, schön und vernünftig sein und gleichzeitig wird man quasi gezwungen die ganzen Müllwaren zu kaufen. Wenn dann alle zu dick sind gibt’s eine „Zuckersteuer.“
Laut „Liberalen“ muß ich natürlich für alles in die „Eigenverantwortung“ gehen, schließlich kann ich mich ja ausreichend anstrengen um zu den Spitzenverdienern zu gehören. Das gilt jedoch nicht bei einer Grippewelle! Da hat es sich ganz schnell mit der Eigenverantwortung. Plötzlich wird „Solidarität“ ganz groß geschrieben.
Ich kann über all das nur noch lachen. Es gibt hier weder echte Linke, noch echte Konservative, die halt auch eine Verantwortung übernehmen oder echte Liberale, die ernsthaft für Freiheit einstehen. Was es gibt sind angepasste kleine Spiesser die ständig um ihre Pfründe bibbern und möglichst die eigenen Kinder in ihre lächerlichen Gut und Spitzenverdiener Positiönchen hieven wollen. Deswegen gibt es auch keine Reformen im Bildungswesen, deswegen wird da kein Geld investiert. Erfüllte, selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger sind nicht gewünscht, sondern armselige, ausgelaugte Konsumenten, die dauernd auf der letzten Rille laufen. So halten sie auch schön die Fr…..
Man male sich nur mal aus, es gäbe hier ernsthaften Widerstand gegen den Kahlschlag. Ich wünsche diesen armseligen Kleinstbürgern im Berliner Regierungsviertel nur mal 2 Wochen lang das französische Volk an den Hals. Die würden sich heulend im Klo einschliessen.
“ Ich wünsche diesen armseligen Kleinstbürgern im Berliner Regierungsviertel nur mal 2 Wochen lang das französische Volk an den Hals.“
das wäre die radikalste aller Lösungen o)))
Das wäre ein super Seminar für diese Armleuchter!
Sehr gut dargelegt.
Vor allem die Einführung des 10 Std. Tages veranschaulicht sehr deutlich, wie irrsinnig und haltlos man sich gegen alles wandte, was irgendwie mit dem alten System zu tun hatte.
Bravo!
Ein wirklich exzellenter Artikel zum Thema.
Und ja, wirkliche Konservative – jenseits des unvollständigen und eindimensionalen Begriffs der Politologen – gibt es heute zumindest in Deutschland fast überhaupt nicht mehr. In keiner Partei. Das heißt, in Nischen gibt es sie natürlich schon, hier und da, doch ist ihr gesellschaftlicher Einfluss wohl so klein wie noch nie in den letzten 500 Jahren. Auch das ist ein Symptom des Niedergangs, in dem wir uns befinden.
Ja klar. Mal so nachgefragt … war Carl Schmitt auch konservativ? Du weißt worauf das abzielt? Also neben dem Umstand, daß ihr lediglich versucht euch wegzubeißen um an Herrchens Napf zu kommen.
Was haben die Parteien noch mit Konservativ und Liberal zu tun. EU Austritt oder nicht, NATO Austritt oder nicht, Zölle oder nicht, repräsentative oder direkte Demokratie, Unterstützung der Ukraine im Krieg mit Russland und demnächst vielleicht Krieg mit dem Iran, das hat alles nichts mit konservativ oder liberal zu tun. Pazifismus war mal links, jetzt ist er rechts. Wie soll man Klimapanik und Spurengasphobie vor CO², Methan, usw. einordnen.
Konservativ und liberal betreffen doch nur noch Randerscheinungen des Lebens, wie Homoehe oder nicht. Rational und juristisch betrachtet, gehört die gesetzliche Ehe sowieso abgeschafft, weil der gesetzliche Ehevertrag im Nachhinein vom Parlament geändert werden kann, und weil niemand beim Heiraten über ihn informiert wird, weil der gesetzliche Ehevertrag auf dem Standesamt nicht vorgelesen wird, wie persönliche Eheverträge vom Notar, (der mir dazu noch beim Hinausgehen ins Ohr flüsterte, jetzt müssen sie nur noch aufpassen, dass sie den Vertrag nicht in die Hände bekommt.)
Aber eine Linke gibt es schon noch. Sie will eine gerechte Gesellschaft in der jeder gleichviel hat. Das ist der Langhaus-Sozialismus in einem Mulitikulti-Vielvölkerstaat, gemäß der Bibel: Wolf und Lamm weiden zusammen / und der Löwe frisst Stroh wie das Rind, / doch der Schlange Nahrung ist der Staub. Man tut nichts Böses / und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg, spricht der HERR. (Jesaja 65,25)
Mit Verlaub, werter Herr „Torwächter“, wie soll man das denn vestehen?
Zitat: „Aber eine Linke gibt es schon noch. Sie will eine gerechte Gesellschaft in der jeder gleichviel hat.“
Das ist nicht gerecht, das ist Gleichmacherei und Gleichschaltung. Wenn man allerdings „links“ so definiert wie Sie, was ist dann rechts bzw. das „gerechte“ Ziel der Rechten: Wollen Rechte dann, dass ein paar superreiche Plutokraten und Oligarchen immer reicher und reicher werden und irgendwann 0,1 Prozent der Gesellschaft genau so viel haben wie die anderen 99,9 Prozent? Das wird nicht ohne gewaltsame Konflikte und ohne Bürgerkrieg bzw. ohne repressiven Polizeistaat und ohne totalitäre Gleichschaltung funktionieren. Dazu muss man sich einfach nur die Entwicklung in den undemokratischen Staaten von Amerika mit ihrem republikanischen Kaiser und Imperator Donald Nero Trump etwas näher anschauen.
PS: In der Bibel steht vieles und viele suchen sich immer (nur) das heraus, das ihnen gerade in den eigenen Kram passt zum Beispiel: „Ist weiterer Schaden entstanden, dann musst du geben: Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmahl für Brandmahl, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“ (2. Mose 21,24). Das wäre dann wörtlich genommen eine biblische Begründung und Rechtfertigung dafür, dass man zum Beispiel ein Messer nimmt und die Frau von Herrn X ermordet, wenn dieser die eigene Frau mit einem Messer ermordet hat. Im Sinne von Jesus „Christus“ wäre das aber sicherlich nicht, denn in der Bibel steht auch: «Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.» (Johannes 8,7, Lutherbibel) als Jesus gefragt wurde, was man mit einer Frau, die Ehebruch begangen hat, tun solle. Was nun?
Nach den „fehlenden Linken“ in den letzten Monaten nun die „fehlenden Konservativen“. In der sonntaglichen Artikelserie des Autors fehlen also noch die „fehlenden Sozialdemokraten“ und die „fehlenden Kommunisten“. In der Tat befindet sich Deutschland heute in der historisch einmaligen Situation, in der deutsche Faschisten niemanden mehr finden, gegen den sie kämpfen könnten und diese Situation befremdlich empfinden -ihren Klassenkampf also zwangsweise durch einen rechtspopulistischen Kuturkampf gegen „Woke“ und „Linksgrünversift-Alles“ ersetzen müssen. Aber Vorsicht: in einem post-democratic, post-truth, post-ideological System wie Deutschland sind auch Faschisten mangels einer kohärenten faschistischen deutschen Staatsideologie -man importiert aus dem Ausland den MAGA-Cult, man verkauft sich als Opposition ohne eine zu sein und man verkündet, den Staat retten zu wollen, ohne irgendetwas vom Staat zu verstehen- nur Fake-Faschisten, also auch nur „fehlende. Faschisten“. So „fehlt“ es letztendlich an allen und allem von dem „von vorgestern“. Das ist aber das Grundcharakteristikum eines post-modernistischen Systems des 21 Jrdt mit einer in allg. Agonie liegenden toten Gesellschaft, in der es nur noch um den individuell gestalteten Konsumismus und Komfortismus als die gegenwärtige Umsetzung des Begriffs „Liberalismus“ und die Reproduktion der Eigentums- und Besitzverhältnisse geht. Natürlich haben die Deutschen eine Zukunft -Zukunft gibt’s immer- aber nur eine auf der Trajektorie des kollektiven Niedergangs. Denn der Niedergang war schon immer die einzige Fprm des auf deutschem Boden realisierbaren nationalen Sozialismus.
Es ist ein recht großer Irrtum, die Kategorie „konservativ“ vorrangig oder sogar ausschließlich als eine politische Einstellung zu begreifen. Das Konservative umfasst zwar auch das politische Feld, geht aber weit darüber hinaus.
Herr De Lapuente hat das in seinem Kommentar ja auch schon angesprochen.
Wer das nicht erkennt, versteht den Begriff und das dahinter stehende Phänomen nur ganz unvollkommen. Diesem Irrtum scheinen hier recht viele Kommentatoren zu unterliegen.
Richtig, das gilt aber für jede politische Richtung. In der Praxis kommt Politik nicht ohne Ökonomie, Medien und Kultur aus. Da gehört immer ein ganzer Rattenschwanz dazu.
Wirth,
Keine Sorge, die meisten verstehen „das dahinter stehende Phänomen“ ganz gut.. und nicht wenige empfinden daher verständliche Abneigung.
Überflüssig zu erwähnen, dass das Primat der Definition eines „wirklichen Konservativen“ wohl allein bei einem (selbsternannten) „echten“ Konservativen wie @Wirth liegt.
So wie der Autor dieses hier in seinem Artikel darlegt, hat er entweder ein falsches Verständnis von Konservatismus, oder er ist selbst einer dieser Adlaten.
Konservativem Denken ist immer dem Glauben an Hierarchien immanent.
Dachte gelesen zu haben das der Mainstream BSW als „konservative “ Linke bezeichnet hatte o)))
Traditionen,Werte, bewährte Ordnungen , ich kenne viele die genau diese Kriterien erfüllen… Nur nicht einer davon im Bereich Macht zu finden..
Je größer der zeitliche Abstand zu den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, umso mehr erstaunt der damalige Zeitgeist, finde ich. Das Pendel, welches nach den Weltkriegen korrigierend weit nach links ausschlagen musste, schlägt nun hoffentlich nicht weit nach rechts zurück, sondern in eine Art Mittelstellung, in welcher das realistischere, konservative Menschenbild beheimatet ist.
Es stimmt schon, sowohl die extreme Linke wie die Rechte – sowie jetzt neu, unsere Technokraten aus Kalifornien – sehen den Menschen eher als Objekt, als ein Problem an welchem man herumdoktern muss, als ein Arbeitstier oder Versuchskaninchen.
Also zu dem Bild: aus Zeiten von Anno dunnemals habe ich gerade einen Haufen Bilder zu sortieren
aus diversen Nachlässen von Großtanten und Onkels, ebenso schöne Sepia-Aufnahmen,
beginnend von den 1880er Jahren bis in die 1960er.
Was nicht darunter ist: eine derartige Gleichförmigkeit wie in diesem KI-generierten Machwerk.
Die hatten alle schon mal ganz unterschiedliche Köpfe, Nasen und Gesichter.
Überhaupt scheint die Bandbreite des Aussehens früher wesentlich größer gewesen zu sein,
gab es doch weder plastische Chirurgie noch ein Einheits-Modediktat.
Wo sind die alle hin: die zu Kleinen, zu Dicken, zu Dünnen? Die Halb-Blinden, Zerfurchten, Tuberkulösen?
Die Buckligen, Lahmen und Schiefen? KI weiß das alles nicht,
von daher: Langweilig. Zeitverschwendung.
Dieser KI Wahn ist bezeichnend auch hier in diesem Theater.
Merz ist nicht konservativ, sondern systemkonservierend für die Oberen und zugleich maximal veränderungsfreudig für die Unteren.
Ein wenig müde, die Debatte… Ich vermisse z. B. einen Gedanken wie den von Peter Hacks zu Voltaire, zu dem „konservativen Umstürzler“:
„Voltaire war, wie alle anderen Klassiker auch, ein konservativer Umstürzler und ein konservativer Fortschrittler. Mich wundert immer wieder, wie schwer es diese Welthaltung hat, sich Gehör zu verschaffen…. Worauf es doch ankommt, ist, beim Lauf nach dem Glück nicht das Gute, das man schon hat oder hatte, aus dem Korb zu verlieren“.
Was ist „liberal“ und was ist „konservativ“? Ich definiere das im Folgenden mit den Begriffen Recht und Ordnung, denn vor allem Konvervative reden gerne von Recht und Ordnung.
Für liberale Demokraten steht das Recht über der Ordnung. Was Recht ist, das bestimmt zwar die Mehrheit der (wählenden) Bürger, der Souverän, aber Minderheiten werden durch das Recht geschützt.
Im Neoliberalismus bestimmen die Unternehmen, die Konzerne, Banken usw. das Recht und die Ordnung. Für Libertäre besteht die Ordnung im Recht des Stärkeren. Für konservative Demokraten stehen Recht und Ordnung immerhin noch auf einer Ebene.
Für die Feinde der Demokratie – egal wie sich selbst nennen, rechts, links, grün, bürgerlich-konservativ, alternativ, christlich, sozialdemokratisch, freiheitlich oder was auch immer – steht die Ordnung über dem Recht und zwar ihre (eigene) Ordnung.
In Deutschland ist das Grundgesetz von 1949 mit seinen Menschen- und Bürgerrechten, der Meinungsfreiheit, der Sozialstaatsklausel, der Sozialverpflichtung des Eigentums usw. das rechtliche Fundament des Staates. Es ist die rechtliche Konsequenz aus der gescheiterten Demokratie der Weimarer Republik und dem gleichgeschalteten Terror-Regime des Dritten Reiches von 1933 bis 1945 inkl. Zweitem Weltkrieg. Dieses Recht bestimmt die Ordnung des Staates oder treffender formuliert: es sollte die Ordnung des Staates bestimmen.
Denn liberale und konservative Demokraten würden dieses Grundgesetz mit allen Kräften verteidigen und es nicht durchlöchern, demolieren und behandeln als ob es weniger wert ist als eine Rolle Klopapier aus dem Supermarkt. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland schon lange keine echten liberalen und konservativen Demokraten mehr in der real existierenden Politik. Das gilt auch für die „alternativen“ Demokraten und die Demokraten, die sich selbst als „sozial“ oder „christlich“ bezeichnen. Das sind Nepper, Scharlatane und Bauernfänger.