
Nicht zu fassen: Der Bundeskanzler grüßt auf X mit ukrainischem Gruße, als sei das das Normalste von der Welt. Bei anderen historisch belasteten Phrasen gilt das ganz und gar nicht als normal.
Friedrich Merz ist eine gescheiterte Kanzlerexistenz – eine, die offenbar längst jegliche Bodenhaftung verloren hat. Nun hat er – sein Social-Media-Stab in seinem Namen – bei X klargemacht, wie sehr ihm die Ukraine am Herzen liege. Ein kurzes Video zeigt einen Zusammenschnitt deutsch-ukrainischer Freundschaft, darübergelegt: Eine kurze Ansprache des Kanzlers. Darüber zu lesen: »Slawa Ukrajini! Слава Україні!«
Frage: Wie tief kann ein deutscher Bundeskanzler eigentlich sinken? Friedrich Merz‘ Antwort: »Ja!« »Slawa Ukrajini!« – übersetzt: Ruhm der Ukraine! Ist doch nett, dass der Regierungschef eines fremden Landes so viel Ruhmreiches für ein anderes Land erübrigt, könnte man nun einwenden. Aber ist das seine Aufgabe? Wird er dafür vereidigt? Doch wen interessiert schon dieser leidige Amtseid? Nun ist dieser Gruß auf Ukrainisch historisch vorbelastet. Die ukrainischen Faschisten begrüßten sich auf diese Weise. Dazu hoben sie den rechten Arm – man kannte diese Form der Begrüßung auch auf deutschem Boden. Dort wünschte man jedoch nicht dem Land Ruhm – oder Heil –, sondern dem Mann an der Spitze dieses Landes.
Die Geschichte des Grußes reicht weiter zurück
Sicher, nun wenden die Befürworter des ukrainischen Grußes ein, dass der ja mitnichten mit jenem »Heil Hitler!« gleichzusetzen sei, denn anders als der deutsche Gruß, habe der ukrainische Gruß schon vor Bandera und seinen Schergen existiert. Nationalistische Studenten begrüßten sich schon Ende des 19. Jahrhunderts auf diese Weise. Im Ukrainischen Unabhängigkeitskrieg, der von 1917 bis 1921 andauerte, vernahm man ihn ebenfalls. In der ukrainischen Armee war es zu jener Zeit offenbar üblich, dass Soldaten auf Lob durch Vorgesetzte mit »Slawa Ukrajini!« antworteten – das sollte die soldatische Bescheidenheit um Dienste der Nation betonen.
Die 1929 in Wien gegründete Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) übernahm diesen Gruß, den man mit »Herojam slawa!« beantworten sollte – »Ruhm den Helden!« Diesen Teil hat Friedrich Merz unterschlagen. Dennoch erfuhr »Slawa Ukrajini!« eine regelrechte Inflation in der Zeit, als sich der ukrainische Nationalismus sich zersplitterte – in eine OUN-M und eine OUN-B. Zweitere Gruppe wurde von dem mittlerweile wieder sehr präsenten Stepan Bandera angeführt – 1941 führte diese faschistische Gruppierung jenen Gruß offiziell ein. So begrüßte man sich innerhalb der OUN-B, nachdem man politische Morde begangen, Terror gegen Polen, Juden, Sowjetfunktionäre und ukrainische Oppositionelle ausgeübt, sich an Pogromen beteiligt und ethnische Säuberungen – in Wolhynien und Ostgalizien – vollzogen hat.
Aber dennoch haben die heutigen Befürworter des ukrainischen Grußes natürlich recht, wenn sie darlegen, dass man sich im ukrainischen Raum schon vormals auf diese Weise begrüßt habe – wenn auch nicht so häufig wie zu den Zeiten des ukrainischen Faschismus. Erklärt ist damit allerdings noch nicht, warum ein deutscher Bundeskanzler auf diese Weise grüßen muss. Aber wenn er es tut – und er hat es getan! –, so könnte er sich auf die Position zurückziehen, dass die Geschichte dieses Grußes schon etwas weiter zurückreicht.
Jedem das Seine?
Damit wäre das Thema geschlossen? Nun ja, nicht ganz. Denn wieder einmal haben wir es mit einem Doppelstandard zu tun, der ohne Federlesens hingenommen wird. Mag ja sein, dass »Slawa Ukrajini!« eine entlastende Vorgeschichte aufweist, die weit vor Bandera ansetzt. Aber – nur um ein Beispiel zu nennen – »Jedem das Seine« kann auch damit aufwarten. Dieser Spruch wurde von den Nationalsozialisten über dem Tor des Konzentrationslagers Buchenwald angebracht. Daher gilt er heute als nicht mehr salonfähig. Es ist kaum ein Jahr her, da verwendete die Fraktionschefin der Grünen, einer Frau, die so heißt wie sie ist – Katharina Dröge – diesen Ausspruch. Bei Maischberger sollte sie etwas zu Markus Söders Social-Media-Verhalten sagen. Sie sagte daraufhin: »Das finde ich ein bisschen unästhetisch, aber er hat ja seine Fans. Deswegen: Jedem das Seine.«
In der Sendung griff niemand ein – aber in den Netzwerken übte man Kritik an der Grünen, die sich dann nach der Sendung für ihre Aussage entschuldigte. Sie habe nämlich einen Fehler gemacht. Verboten ist der Ausspruch allerdings nicht, was auch daran liegt, dass er viel älter ist als der Nationalsozialismus. Suum cuique, die lateinische Entsprechung, fand sich bereits im römischen Recht. Später fand sich dieses Motto im preußischen Schwarzen Adlerorden wieder, dem höchsten Ritterorden des Landes. »Jedem das Seine« ist stark mit dem Haus Hohenzollern verbunden – wenn es auch nicht der offizielle Hauswahlspruch war.
Der Publizist Sebastian Haffner verband mit dem Wahlspruch »Jedem das Seine« in seinem Buch »Preußen ohne Legende« den Geist und die Entstehung des preußischen Staates. Er beschrieb die Formel als den klassischen Grundsatz der Gerechtigkeit und Pflichterfüllung, der das Fundament der preußischen Verwaltung und des königlichen Schwarzen Adlerordens bilden sollte. Die Nationalsozialisten hätten später die preußischen Tugenden wie Ordnung, Pflichtbewusstsein, Disziplin und – laut Haffner – eben auch die Gerechtigkeit völlig entleert und missbraucht. Sie nahmen die Hülle der preußischen Tradition an und nutzten am Ende gar den Wahlspruch des Schwarzen Adlerordens, um ihn zynisch über dem Tor des KZ Buchenwald zu platzieren.
Merz und der ukrainische Nationalismus
Bei »Jedem das Seine« genügt die nationalsozialistische Kontamination, um eine mehr als zwei Jahrtausende alte Gerechtigkeitsformel aus dem öffentlichen Sprachgebrauch verbannen zu wollen. Bei »Slawa Ukrajini!« dagegen soll die Vorgeschichte den späteren Gebrauch durch Faschisten neutralisieren. Hier löscht die Geschichte die Belastung, dort erzeugt sie eine ewige Schuld, die zur großen sprachlichen Vorsicht nötigt. Der Unterschied liegt offenkundig nicht in der historischen Herkunft beider Wendungen, sondern darin, welche politische Sache gerade als unterstützenswert gilt.
Friedrich Merz belässt es allerdings nicht bei diplomatischer Solidarität mit einem angegriffenen Land. Er kokettiert mit einem Ukrainismus, der die Symbole, Formeln und Heldenbilder des ukrainischen Nationalismus übernimmt, ohne deren Herkunft überhaupt noch problematisch zu finden. Ein deutscher Bundeskanzler könnte – wenn es denn sein muss – der Ukraine Unterstützung zusichern, ohne sich ihren nationalistischen und faschistisch kontaminierten Schlachtruf anzueignen. Stattdessen spricht er, als sei er selbst Teil der ukrainischen Mobilisierungsindustrie. Hätte man sich das vor einem Jahrzehnt vorstellen können, dass der Regierungschef der Bundesrepublik einer fremden Nationalbewegung seine Stimme leiht und das auch noch für einen Ausdruck besonderer moralischer Größe hält? Vieles hat man deutschen Bundeskanzlern zugetraut. Aber so tief war vor diesem Friedrich Merz noch keiner gesunken, nicht mal sein direkter Amtsvorgänger – wie hieß er noch gleich?
Man stelle sich nur vor, Merz hätte eine Botschaft mit »Jedem das Seine!« beendet und anschließend erklärt, die Formel sei schließlich preußisch und vom Nationalsozialismus lediglich missbraucht worden. Die Empörung wäre zuverlässig hereingebrochen über das Land, seine historische Herleitung würde als Ausflucht diffamiert. Beim ukrainischen Gruß gilt jedoch jede Nachfrage als Ausdruck von Kleinkariertheit. Die Erinnerungskultur der Gegenwart ist kein verbindlicher Maßstab, sondern ein von Doppelmoral durchsetzter Komplex, der nach Opportunität vorsortiert. Dem einen wird jedes belastete Wort nachgetragen, dem anderen selbst der Gruß einer faschistischen Bewegung verziehen. Jedem das Seine, möchte man fast sagen, wenn man es guten Gewissens könnte. Aber reden wir besser nicht von Gewissensfragen, wenn wir von Friedrich Merz sprechen.
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Er ist doch keine Ausnahme! Im Bundestag wurden schon viele Reden mit dem Ruf „Slawa ukraini“ beendet. Meines Wissen auch schon durch den damaligen Kanzler Scholz.
Aber ich wette, wenn man darauf mit „Sieg Heil“ (was ja sinngemäß das Gleiche wäre) antworten würde, bekäme man Probleme, nicht? 😉
Nein.
Wenn man im Bundestag solche Parolen von sich gibt, passiert nix.
Art. 46 GG. Nennt sich Indemnität.
„Nicht normal?“ Für einen wie Merz ist „Slawa ukraini“ Ausdruck seines Normalzustands! Nicht wundern wenn die Ukraine demnächst auch offiziell Teil der deutschen Staatsräson wird
Er unterstützt Selenskij bis zur Selbstaufgabe!
Hat jemand Putin jemals so etwas abscheuliches sagen hören?
Selenskij:
„Unsere Hartnäckigkeit ist für sie eine Nummer zu groß.“ Putin habe Russland groß machen wollen, heute gebe es lange Schlangen an den Tankstellen. Seine Soldaten würden von Kiews Armee auf dem Schlachtfeld „zu Dünger“ gemacht.“
https://www.n-tv.de/politik/Selenskyj-macht-Putin-am-Unabhaengigkeitstag-der-Ukraine-eine-Ansage-id31225546.html
Wadephul sagt: Die Ukraine wird den Krieg gewinnen“ Er wiill der Ukraine weitere 70 bis 140 Milliarden zahlen, den Hauptteil davon trägt Deutschland.
Persönlich wird er sicherlich keinen Cent aus seiner Hosentasche rausrücken
General a.D. Erich Vad bezeichnete Merz zu Recht als „Kanzler der Ukraine“.
Das passt dann schon.
Selenskij und Merz: Faschisten(freunde) unter sich.
Dass sich hierzulande niemand darüber aufregt, zeigt, wie weit die Ukrainisierung Deutschlands fortgeschritten ist.
Also für mich ist Kanzler Merz ein Interessen-Vertreter des transnationalen Kapitals. Und das wünscht sich offensichtlich, dass die Ukraine gegen Russland gewinnt, und möglichst das Putin-Regime zum Einsturz bringt und ein gegenüber westlichem Kapital freundlich gesonnenes Regime an seine Stelle tritt. In diesem Sinne macht die Ukraine „die Drecksarbeit“ – nicht für uns, aber für’s internationale Kapital.
Auch wir in Deutschland haben mit unseren Transatlantikern ein fremdbestimmtes Regime, ein transatlantischen Regime. Vermutlich sind wir als Nächste dran – die Drecksarbeit zu machen, nämlich dann wenn die Ukraine aufgebraucht und verschlissen ist.
Ich wäre mir fast schon sicher, wenn irgendein Politiker rufen Sieg heil der Ukraine! würde das höchstens ein Nasenrümpfen erzeugen mit dem Hinweis, dass es Slawa Ukraini heißen muss. Aber wenn irgendeiner auch nur in einem Aufsatz oder einer Abhandlung ukrainische Nazis mit ihren Wolfsangeln zeigt, um auf deren Gefahren hinzuweisen, dann wird er medial geschlachtet.
Wenn Russland nach der Wahl erwartungsgemäß die Atomtests wieder aufnimmt, dürfte Merz der Ukraine sogar „strahlenden Ruhm“ wünschen und das ganz ohne Ironie. 🤡
War doch der Merz auch schon in der Soli daritätsbewegung für Lateinamerika aktiv Also : No pasaran !