Offenheit als Vorwurf

Quelle: Pixabay

Rechtsoffen ist auch eines dieser Modewörter, das man heute oft vernimmt. Was heißt es eigentlich? Die, die ihn verwenden, wissen wohl nicht ganz genau, was sie da reden.

Rechtsoffen! Das waren Sie vielleicht auch schon, lieber Leser. Weil Sie falsche Seiten oder kritische Autoren lesen etwa, die mit dem Label »rechtsoffen« versehen werden könnten – oder schon versehen worden sind. Rechtsoffen ist jeder, der die vermeintlich liberalen Agenda nicht inhaliert hat. Als ich vor einiger Zeit einen hessischen Landtagsabgeordneten der Linken fragte, wieso er selbst im Interview gendert und ob er glaube, dass er damit Wähler generieren könne, antwortete er: »Zunächst stelle ich mal fest, dass niemand so oft über das Gendern spricht, wie die extreme Rechte.«

Eine Qualität namens Offenheit

Natürlich! Jede Kritik ist rechts – und jede Weltanschauung, die der eigenen widerspricht oder sie auch nur nicht voll und ganz unterstreicht, muss ein Angriff von rechts sein. Wird der Bürger unbequem … Sie wissen schon. Anders kann es offenbar gar nicht mehr sein. Da steckt vermutlich Verfolgungswahn dahinter. Einen, den man braucht, um die eigene fehlende Kontur besser zu betonen. Hat der linke Abgeordnete nun gesagt, ich gehöre der extremen Rechten an, weil ich das Gendern aufgriff? Aber rechtsoffen muss ich wohl sein, wenn ich das Geschäft der extremen Rechten bestelle. Und was heißt rechtsoffen überhaupt?

Offenheit wird doch gemeinhin als positiv konnotiert. Wer auf der Partnersuche ist, wird nicht selten mit einer Tugend konfrontiert, die man sich für einen neuen Partner wünscht: Offen soll er sein. Für Neues. Für Reisen. Vielleicht auch für neue Genüsse. Offenheit wird nicht nur in diesem Bereich präferiert. Wenn jemand offen spricht, sein Innerstes offen ausschüttet, schätzen wir diese Eigenschaft gemeinhin durchaus: Sie weist nämlich auf Vertrauen hin. Das geht so weit, dass wir ein offenes Wort häufig als erlösend wahrnehmen – und denjenigen, der endlich in aller Offenheit spricht, attestieren wir, dass das für ihn doch nur gesund sein könne.

Bei Bewerbungsgesprächen wird Offenheit nicht nur verlangt – wenngleich sie in fast allen Fällen nur gespielt wird –, der Personaler achtet gleichzeitig auf die Körperhaltung des Bewerbers. Wie es Psychologen auch mit ihren Patienten tun. Sitzt jemand mit verschränkten Armen da? Überkreuzt er eng seine Beine? Krümmt er den Rücken und zieht die Schulter zusammen, sodass der Brustkorb sich wölbt und geradezu einigelt? Ist das der Fall, fragt man nach dem Grund dieser defensiven Haltung, nach dem Ursprung der Verschlossenheit? Wer sich so präsentiert, dem traut man keine Offenheit zu. Und das gilt als negativ.

Offenheit als Toleranz

Offen sollen wir ohnehin ständig für Neues sein: Fürs Gendern. Oder neue Sensibilitäten. Offen für 72 Geschlechter und neue Impftechnologien. Auch dort wird Offenheit als etwas dargestellt, das grundsätzlich dem Guten dienstbar zur Hand ist. Diese Offenheit findet man chic, wird als Gewinn gefeiert.

Und nun soll ein abwertender Begriff, der mit der Offenheit einhergeht, plötzlich als etwas Negatives verstanden werden? Offen zu sein bedeutet ja, dass man in eine Richtung unverstellt ist. Wenn sich jemand in einer Partnerschaftsannonce einen in der Kulinarik offenen Partner wünscht, sagt er ja im Wesentlichen, dass der neuen Partner noch kein großer Gourmet sein muss. Er sollte aber bereit sein, vielleicht einer zu werden. Jemand, der offen sprechen soll, erlangt ja auch nicht gleich die Weisheit und Einsicht, wie er nun zu handeln hat. Die Offenheit soll ihm aber vielleicht lotsen. Ihm Perspektiven eröffnen. Anders gesagt: Wer nun rechtsoffen sein soll, der ist überhaupt nicht rechts. Auch wenn die Nutzung dieses Begriffes zuweilen glauben lässt, dass diejenigen, die ihn als Wertung anderer gebrauchen, genau das glauben.

Die oben beschriebene Tugend der Offenheit suggeriert noch eine Qualität: Toleranz nämlich. Oder Umsichtigkeit. Wer also, wie der Begriff simuliert, nach rechts offen ist, neigt nicht dazu, jemanden intolerant abzuurteilen. Er hört sich auch andere Positionen an, ohne sich über jene, die sie »die Rechten« nennen – und wer immer damit gemeint ist, konservative Vorstellungen gelten heute ja schon als rechts – moralisch zu erheben.

Unvoreingenommen auseinandersetzen

Man könnte festhalten: Wer rechtsoffen ist, der ist dem dargelegten Wortsinne nach, eigentlich ein recht guter Demokrat. Er macht sich ideologisch nicht gemein, da er ja gerade nicht rechts ist – ich wiederhole: Was immer das gerade ist? –, hört Argumenten anderer zu, bleibt tolerant und umsichtig und kommt im Grunde dem nach, was Demokratie leisten soll: Offenheit gegenüber den besten Argumenten, den schlüssigsten Schlussfolgerungen. Offenheit ist schlicht gesagt eine demokratische Grundtugend. Diese nun gewissen Leuten als Kritik um die Ohren zu hauen, zeugt tatsächlich von einer gewissen Verwegenheit.

Und es sagt auch viel über jene aus, die mit dem Begriff hausieren gehen. Der Duden definiert Offenheit wie folgt: »Aufgeschlossensein, Bereitschaft, sich mit Personen, Fragen, Problemen unvoreingenommen auseinanderzusetzen«. Wie könnte dergleichen eine negative Eigenschaft sein? Wie sollte das für das Gemeinwesen schädlich sein?

Wer mit rechtsoffen als Adjektiv hantiert, der gibt mehr über seine eigene demokratische Konstitution preis, als er mit diesem Etikett anderen anheften will. Denn wer anderen Unvoreingenommenheit zum Vorwurf macht, der bestätigt damit, dass er Vorurteile hat und nicht auf sachlicher Ebene bleiben kann, sondern Diskussionen den eigenen Gefühlen unterordnet. Man kann das machen, Menschen haben schließlich Gefühle. Man sollte diese Haltung allerdings nie mit politischem Bewusstsein verwechseln. Das ist sie nicht. Es ist eine gewisse sachliche Verschlossenheit, die die Erniedrigung anderer benötigt, um sich erheben zu können. Es ist schlicht ein faschistoides Grundgefühl, das Offenheit abkanzelt.

Ähnliche Beiträge:

29 Kommentare

  1. Man sollte sich den Schuh „rechtsoffen“ nicht anziehen. Was das Gendern betrifft, ist ja dann z.B. auch der deutsche Rechtschreibrat „rechtsoffen“. Wer dagegen der Meinung ist, das ein von Gott auserwähltes Volk ein Nachbarvolk ausrotten darf und dies auch ganz offiziell unterstützt, der gilt nicht als „rechtsoffen“, sondern als Demokrat.

    1. Man sollte vor allem verstehen, dass diese Rechtsoffen-Etikettierung eine Kommunikationsstrategie ist. Es ist schlicht eine Kontaktschuld-Variante, die schon alleine aus einer spontan inszenierten Verdachtsdiagnose eine moralisch/politische Niederlage ableitet.

      Wer keine Argumente hat und trotzdem beharren will, ist auf solches Werkzeug zurückgeworfen. Ob das gleich faschistoid ist, weiß ich nicht. Es ist aber sicher eine extrem rechthaberische Kommunikationsmethode ohne den geringsten Anspruch, dem Gegenüber Fairness zu zeigen.

      Wenn solche Methoden von regierungsnahen Medien gegen Bevölkerungsteile angewandt werden, beginnt es faschistoid zu werden. Der Anwender kämpft dann nicht mehr fies für seine eigene Sache, sondern für die einer eh privilegierten Gruppe und nutzt dazu betrügerische Methoden (eristische Dialektik).

      Ich hatte das Gefühl, dass es das Wort überhaupt erst ab 2020 für die Anti-Corona-Maßnahmen-Demos der Corona-„Leugner“ in die Tagesschau geschafft hat.

      Google-Ngram meint, hatte das Wort schon 2017 ein Hoch hatte. Könnte sein, dass das für Leute war, die gegen die Nato-Osterweiterung und für nachbarschaftlichere Beziehung zu Russland waren und in Sendungen wie der 3sat-Kulurzeit „besprochen“ – also ausgegrenzt – wurden.

      Sicherlich ein Wort, das sich für medienwissenschaftliche Untersuchungen anbietet.

      1. @Müsli zum Fest
        „Wenn solche Methoden von regierungsnahen Medien gegen Bevölkerungsteile angewandt werden, beginnt es faschistoid zu werden.“

        Dem kann ich zustimmen, allerdings möchte ich noch hinzufügen, es sind ja nicht nur die Hofberichterstatter, sondern auch die Regierenden selbst.

        Man kann Putin mögen oder nicht, solche Kraftausdrücke wie von Biden oder Scholz habe ich von ihm noch nicht vernommen. Er bewahrt zumindest die Contenance.

        Z. B. Biden über Putin: „Hurensohn“

  2. Herr Lapuente, Ihr Artikel gefällt mir sehr. Ich formuliere das so, weil ich merke, dass es mir gut tut, eigene Gedanken darin wieder zu finden, und das ist natürlich sehr subjektiv und hat mit Kategorien wie „richtig“ oder „falsch“ nichts zu tun, deshalb möchte ich die nicht verwenden.
    Offen sein heißt noch lange nicht einverstanden sein. Das scheint mir ungeheuer wahr, ohne Offenheit kann es kein gegenseitiges Verstehen, keine Konfliktlösungen, keine Verhandlungen, keinen Frieden geben. Und: da stehen wir ja gerade außenpolitisch : in Selbstgefälligkeit vernagelt. Wir haben Recht, Schuld nur die anderen, wir vertreten Werte, die wissen nicht mal, was das ist, wir sind die Guten, dort hausen die Ungeheuer, verhandelt wird nicht, mit dem und denen schon gar nicht usw. Und sorgen mit Waffenlieferungen dafür, dass der Krieg -z.B. in der Ukraine – noch ein bisschen länger dauert, als er es müsste, er könnte ja eigentlich schon seit 1 3/4 Jahren zu Ende sein. Wenn man offener gewesen wäre…
    Und im Innern nun ein neuer Feind, der „unsere Demokratie“ bedroht. Deshalb: Schotten dich, abgrenzen, ausgrenzen, Kontakt und Kommunikation verweigern, Zusammenarbeit egal wo: bloß nicht. Ich halte das für dumm. Man muss sich auseinandersetzen, gerade doch mit denen, die anders denken und handeln wollen als man selbst, wenn man ein friedliches Zusammenleben will. Unter Gleichgesinnten ist’s leicht „gemütlich“, da braucht man sich ja auch nicht mehr zu erklären.
    Letztlich, so scheint es auch mir, ist Ausgrenzung/Abgrenzung/ Kontaktverweigerung usw. eine faschistoide Strategie. Es ist kein Weg Gedanken zu verändern, weder bei sich selbst noch bei anderen – und ich meine nicht, dass die Veränderungen nach Art des Fingerhakelns stattzufinden hätten, also zu einer Art des über den Tisch Ziehens oder Gezogen-Werdens führen müssten – , wenn ich die Wahr-Nehmung vom Nicht-Eigenen schlicht verweigere.
    Anstrengender als Abblocken: ist Offenheit sicher. Im möglichen Ergebnis aber vielleicht viel befriedigender.

  3. Mit Rechtsoffenheit versucht eine versagende Regierung ihre Kritiker ins Abseits zu drängen und mundtot zu machen um von ihrem Versagen abzulenken.

    Das ist mir aber sowas von schnurzpiepenegal, denn die Politik der Ampel dient in Wirklichkeit als Wahlturbo für die rechtsextreme AFD.

    Alle die auf die rechtsextreme AFD gehofft haben dürften nun enttäuscht werden!
    https://www.friedenskooperative.de/friedensforum/artikel/afd-mehr-als-2-prozent-des-bip-fuer-die-ruestung

    1. Das ist jetzt aber keine Überraschung auf Seiten der AFD. Laut Wahlprogramm stehen sie zur Nato und zur Bundeswehr schreiben sie dort:

      „4.4 Bundeswehr stärken
      Die deutschen Streitkräfte sind derzeit nur noch bedingt ein-
      satzbereit. Durch politische Fehlentscheidungen und grobes
      Missmanagement wurden sie über nahezu drei Dekaden
      hinweg vernachlässigt. Sie müssen in vollem Umfang wieder
      in die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben wirkungsvoll und
      nachhaltig zu erfüllen. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass
      Nato, EU und internationale Staatengemeinschaft Deutsch-
      land als gleichberechtigten Partner wahrnehmen“

      Da wird sicherlich niemand erwarten, dass das ohne Geld oder?

        1. Würde ich so nicht unterschreiben. Frieden mag man ja noch in Teilen so sehen (wobei sie den Ukraine Krieg ablehnen), aber wo will die AFD denn Demokratie abschaffen? Die wollen ja sogar Volksabstimmungen nach schweizer Vorbild.

  4. Das ist genauso totalitär, jemand als rechtsoffen abzukanzeln, denn es ist eine Unterstellung, die da mitschwingt, wie Gegner von Waffenlieferungen als Antisemiten zu beschimpfen, bei dem auch eine Unterstellung mitschwingt.
    Und Unterstellungen sind somit das Letzte, was man als Demokrat tun darf, denn erstens ist diese nicht zu entkräftigen, weil ja kleine Behauptung vorliegt, dass es so sei, sondern eben nur eine Annahme, es könnte unter Umständen so sein. Was dem Unterstellten eine ganz schlechte Position verschafft, denn er ist in einer ausweglosen Situation. Wehrt er sich, sagt man, sehr doch, ist was dran, wehrt er sich nicht,vsagtnman, da ist was dran, denn er sagt nichts dazu. Wer dieses Mittel im Kampf gegen politische Gegner nutzt, ist in meinen Augen nicht nur rechtsoffen, er ist offen faschistisch. Und ich gendere hier unter keinen Umständen, denn ich lasse mir nicht sagen, ich würde unsere Sprache verhunzen. Somit bin ich in dem Sinne rechtsoffen. Sei’s drum. Wie hieß der Spruch noch: Der Lauscher an der Wand hört bloß seine eigne Schande.
    Ich würde den Spruch heute so sagen: Der Nazijäger im Land sieht nicht den Faschismus im bunten Gewand.

  5. Man kann ja Google Trends einmal befragen, wie oft das Wort vorkommt. Deutlich führend ist das Jahr 2004 (weiter zurück kann Googele nicht). Der Grund ist klar: damals waren die großen Demonstrationen gegen Hartz und da waren Gruppen von Glatzköpfen zu sehen, die damals zurecht noch als rechts eingeordnet wurden. Der Versuch der Presse also, die Demonstrationen zu diskreditieren, weil diese eindeutig von linken Kräften getragen wurden. Auch zu sehen, dass das Wort nicht in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist. Ein Interesse, das Wort zu googeln, besteht offenbar nur in Berlin, dem Regierungssitz. Schau an.
    Kann man verallgemeinern: das Wort wird verwendet, um zu manipulieren. Es tauchte dann wieder bei den Querdenker-Demonstrationen auf. Völlig falsch natürlich. Denn oben auf der Bühne stand das WhoIsWho der deutschen Reichsbürgerszene und erst unten, bei den Zuhörern wurde es dann linksoffen. Das wäre der richtige Begriff gewesen. Sie kopierten die 68-er bis hin zu den Hippies, um dumme Linke einzufangen. Was leider gelang.
    Mit einer Ausnahme: dieser Ballweg war bis dahin unbelastet und der gab der Bewegung ein neutrales Gesicht. Aber sie hatten ihn schnell im Griff: hier mal die Erfahrungen von Telepolis-Autor Christian Kreiß darüber, wo man landet, wenn man einer Einladung Ballwegs gefolgt ist. Bei einem Reichsbürgertreffen nämlich.
    https://www.telepolis.de/features/Meine-Erfahrungen-mit-Querdenken-4964911.html

    Nö Roberto, das ist nicht harmlos. Die Rekrutierer waren die um Prinz Heinrich XIII., die die Querdenker als Jubelperser bei einem gewaltsamen Umsturz vorsahen. Keineswegs nur in Deutschland, ähnliches war auch in anderen Ländern zu beobachten. Alles andere als harmlos.

    1. Auf der einen Seite analysierst du das Problem korrekt, framest dann aber direkt genau so wie der Rest der linken rechtsoffen Schreier.
      Die Coronamaßnahmen Demos waren keineswegs alles Reichsbürger Veranstaltungen. Ich war auf Dutzenden davon und eine Vielzahl wurde von linken Orgas aufgestellt. Aber das interessiert dich ja nicht, weil du ein paar Köpfe für dich als rechtsextrem erkannt hast und das dann pauschal über die gesamten Kritiker drüberstülpst. Damit betreibst du genau das, was Roberto mit seinem Artikel adressiert.

      1. Also wer soll denn das gewesen sein? Wolfgang Wodarg ist bei der SPD und dürfte famit schon der Linksaußen sein. Aber sonst? Ich sah niemand.

        1. Hat jetzt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

          Bhakdi, Wodarg, Die Achse des Guten generell mit M. Broder, Paul Brandenburg, Nachdenkseiten, Reitschuster, Homburg, Preradovic, Roberto De Lapuente von hier, Dirk Sattelmaier, Clemens Arvay, Gunnar Kaiser, Nikolai Binner, Meyen, Jebsen, Wellbrock, Artur Aschmoneit, Dirk Pohlmann, Bröckers, die Jungs von Basta Berlin, Jasmin Kosubek, Marc Friedlich, das Team von Nuoviso, Tahir Chaudhry,Milosz Matuschek, Martin Sonneborn, Marcus Klöckner, Henning Rosenbusch, Tom Lausen, Aya Velázquez,Nina Malaika, Nena als Beispiel für viele Künstler und hundert andere, die mir gerade wahrscheinlich einfach nicht einfallen, alle die sind für dich Reichsbürger und rechts oder wie?

          Davon ab gab es ohne Ende auf lokaler Ebene Menschen, die sich engagiert haben, deren Namen dir niemals etwas sagen werden, wie meiner oder der von meiner Mutter, die mit Anfang 80 jeden Montag mit auf Demo war und die du einfach nur als dumm oder rechts abtust.

          1. Ich ergänze für die Region hier: Die Demos in Düsseldorf mit 6000 – 15000 Teilnehmern wurden von Mitgliedern der Freien Linken organisiert. Die kann man natürlich auch als Nazis bezeichnen, wenn das seit spätestens 2020 nur „regierungskritisch“ bedeutet.

            In Südwestdeutschland waren meine Eltern mit knapp 80 Jahren zum ersten Mal in ihrem Leben bei einer Demo. Die sind Einwanderer aus Südosteuropa, die weder mit Nazional- noch, nach den Erfahrungen mit der dortigen Diktatur, internationalem Sozialismus irgendwas am Hut haben. Sie merken aber totalitäre Anwandlungen der Herrschenden noch schneller als ich.

            Aber das wird den Vorposter alles nicht erreichen.

            1. Bin ja selbst Düsseldorfer. Es gab hier auch Demos, die von der eher rechten Seite organisiert wurden. Die liefen immer Montags. Ich will die auch nicht pauschal schlecht machen, aber die große Masse an Teilnehmern liefen Samstags, organisiert von der APO Düsseldorf, die sich durchweg schon fast hysterisch darum bemühte sich von allem möglichen zu distanzieren…

  6. „Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein“. Spruch von ….?

    Was bedeutet offen denn? Jeden Standpunkt anzuhören und zu prüfen oder alles mitzumachen?? Eigentlich kann man nur beurteilen, was man nicht mag, wenn man den anderen Standpunkt wirklich verstanden hat – und nicht, indem man die eigene Argumentationsschwäche hinter einem schützenden Tabualtar versteckt.

    Zur Historie und Technik der Tabu- bzw. Altarerrichtung empfehle ich ein Interview von Tucker Carlson – und zwar das mit MIKE BENZ, nicht das mit Putin.
    https://rwmalonemd.substack.com/p/the-end-of-democracy-what-im-describing

    Es geht darin EXAKT um die Errichtung von Mauern und wie man das gesteuert hat. Leider kenne ich davon nur das hier verlinkte englische Transkript.

    Die Hoffnug bleibt, dass sie damit nun derart überdrehen, dass es implodiert eines Tages, und nackte sprachlose einstige Statusträger verdattert vor dem staunenden Volk stehen.

  7. „Offenheit gegenüber den besten Argumenten, den schlüssigsten Schlussfolgerungen. Offenheit ist schlicht gesagt eine demokratische Grundtugend.“
    Alles richtig Herr De Lapuente: Toleranz, Umsichtigkeit, Offenheit.
    Leider stoße ich mit diesen Ideen immer wieder an meine Grenzen. Z. B. bei der neuen Ausgabe der ZEIT: Headline der Ausgabe: Wozu Putin fähig ist – mit Riesenfoto von Navalny mit geschlossenen Augen. Leitartikel von Di Lorenzo: „Vor aller Augen.“ Die nächste Seite Russlandkorrespondent Michael Thumann: „Bis zum Letzten“ mit Foto der leidenden Witwe und abstoßender Fotomontage von Putin. Manipulation in Wort und Bild.
    Soll ich da offen und tolerant bleiben? Schwierig.

  8. Denn wer anderen Unvoreingenommenheit zum Vorwurf macht, der bestätigt damit, dass er Vorurteile hat und nicht auf sachlicher Ebene bleiben kann, sondern Diskussionen den eigenen Gefühlen unterordnet.

    Wieso den eigenen Gefühlen? Jemand als rechtoffen zu bezeichnen, ist ziemlich offensichtlich, ein sehr bewusst kalkulierter Vorwurf, um jemandes Position argumentlos abzuschmettern. Wer rechtsoffen ist, hat Berührungspunkte mit rechtsextremen Positionen. Es ist derselbe Vorwurf wie der der Kontaktschuld. Wer in den Dreck greift, macht sich dreckig. Der stinkt. Wer rechtsoffen ist, der stinkt nach rechts. Das ist der Vorwurf. Pass auf, sonst wende ich mich angewidert ab, denn du stinkst. Das ist in der Tat dreist, auf eine sachlich Frage zu antworten – du stinkst. Nicht gerade nett.

    »Zunächst stelle ich mal fest, dass niemand so oft über das Gendern spricht, wie die extreme Rechte.«

    Heißt das eigentlich der Befragte gendert, um genehme Gesprächspartner auszufiltern. Wer das gendern seltsam findet, ist schon draußen, ein unsicherer Kantonist, dem man keine Antworten schuldig ist. Wie reagiert man denn da? Ja wissen sie, rechts oder rechtoffen zu sein, ist heutzutage ein inflationär gebrauchter Vorwurf. Seit es die DDR nicht mehr gibt, wird man nicht mehr nach drüben geschickt, sondern wird eben als rechtsextrem gelabelt, wenn eine unliebsame Gegenposition unterstellt wird.
    Man kann ja nicht sagen: Offen zu sein ist doch eine gute Eigenschaft. Denn dann kommt garantiert: Aber nicht gegen rechts. Gegen rechts muss man sich abgrenzen. Brandmauern errichten. Toleranz hat seine Grenzen. Intoleranz gegenüber der Intoleranz.

  9. Der Duden kennt ‚rechtsoffen‘ nicht.
    Meinten Sie ‚rechtschaffen‘, ‚rechtsfrei‘ oder ‚rechts außen‘? fragt er.
    Also worüber wird hier geredet?

  10. Der Begriff „rechtsoffen“ wird in denunziatorischer Absicht verwendet – eine positive Konnotation von „Offenheit“ ist dabei nicht beabsichtigt, eher schon eine Pöbelei in Anlehnung an die Verbalinjurie, jemand habe wohl den „Arsch offen“. Die Haltung dahinter hat Roberto im Schlusssatz treffend charakterisiert: „Es ist schlicht ein faschistoides Grundgefühl, das Offenheit abkanzelt“.

    Dieser Vorwurf der Rechtsoffenheit kommt gerne aus Kreisen, die sich damit gleichzeitig ein „linkes“ Gütesiegel ausstellen wollen – nochmal, zum Mitmeißeln: Nein, das ist faschistoid. Wer im Umkehrschluss die AfD aus ihrer rechten Ecke befreit sieht, betreibt allerdings den selben Etikettenschwindel. Von mir dafür auch noch Toleranz einzufordern (@Krim darf sich gerne angesprochen fühlen) ist eine Unverschämtheit.

    1. Aber du hast schon verstanden, dass ich einen demokratischen Dialog simuliert habe? („Denn dann kommt garantiert:“) Das ist das Argument des virtuellen Demokraten, der Toleranz ganz dufte findet solange sie ihm nützt, aber für ausgemachte Feinde der Demokratie, wie er sie sich vorstellt, keine Toleranz übrig hat. Deshalb würde man bei dem vorgestellten Demokraten auch nicht damit durchkommen, wenn man sagen würde: Offenheit ist doch was gutes. Der Ampeldemokrat würde sagen. Im Allgemeinen schon, aber doch bitte nicht gegen rechts. Gegen rechts muss man sich abgrenzen. Der Ampeldemokrat findet Offenheit an sich auch ganz dufte z.B. gegen andere Kulturen, Religionen, Hautfarbe, Geschlechter usw.

      Offenheit an sich wird keineswegs abgekanzelt, aber Offenheit gegenüber allem was der Regierung nicht passt, ist tendenziell ein Fall für den Verfassungsschutz. Die Grenzen sind nur enger gezogen worden. So faschistoid die Feinde der Demokratie zu bekämpfen, war der bürgerliche Staat schon immer.

      1. Verstehe: der virtuelle Demokrat würde was sagen, der Ampeldemokrat würde was sagen… Kann sein, kann auch nicht sein. Spiegelfechterei mit viel Konjunktiv ist kein Argument. Sie wollen was sagen, ohne es zu sagen. Was Sie allerdings ausdrücklich sagen ist dies: Der bürgerliche Staat ist faschistoid, wenn (oder weil?) er die Feinde der Demokratie bekämpft. Je nachdem wie ich diese Aussage drehe oder wende, ist sie entweder blödsinnig oder grundfalsch.

        1. Bloß warum ist sie grundfalsch oder blödsinnig? Oben meinten sie selbst noch der Vorwurf der Rechtsoffenheit sei faschistoid. Leider labern sie immer bloß rum ohne ein Argument anzuführen. Statt den Inhalt zur Kenntnis zu nehmen, stürzen sie sich auf Schlagworte z.B. „würde“ – aha Konjunktiv – aha Spiegelfechterei. Das ist keine Spiegelfechterei. Das ist die innere Logik des Schlagabtauschs, wenn es um den Vorwurf der Rechtsoffenheit geht. Da kann man sich nicht hinstellen und sagen, Offenheit sei doch was gutes. Weil das der Ampeldemokrat gar nicht bestreitet. Der bestreitet bloß, dass „rechtsoffen“ was gutes sei. Deshalb nein – sie verstehen leider gar nicht.

  11. Der Umstand, dass sich Herr De Lapuente an diesem im Grunde bedeutungslosen politischen Kampfbegriff trotzdem noch so abarbeitet, deutet darauf hin, dass er mit diesen Vorwurf noch nicht so sehr oft bedacht wurde. Anfangsempörung.

    Irgendwann, bald regt einen das nur noch so viel auf, wie ein Fettspritzer auf dem Herd oder Lehmflecken an den Schuhen. Bloß ein Wort, mehr nicht – gebraucht von Schmutzfinken.

    De Lapuentes Gedanken dazu sind natürlich vollkommen zutreffend, z.B. „Wer rechtsoffen ist, der ist dem dargelegten Wortsinne nach, eigentlich ein recht guter Demokrat.“
    Ich würde sogar zuspitzen: Wer heute nicht rechtsoffen ist (gemäß De Lapuentes Begriffsverständnis von „rechts“), der beweist seine intellektuelle Dürftigkeit und gnadenlose Parteilichkeit zugunsten der Mächtigen und vermutlich auch des eigenen Portemonnaies.
    Die Äußerung jenes gendernden Politikers macht ihn doch selbst zur albernen Figur, die intellektuell nicht mehr satisfaktionsfähig ist.

    Das Entscheidende ist doch, dass derartige Nullwörter bzw. Kampfbegriffe, wovon es ja noch mehr gibt, nur schwächere/ängstliche Geister beeindrucken – die anderen Menschen aber im Gegenteil kräftigen und dazu führen, dass sie noch mehr und noch freier selbst denken.
    ___

    P.S.
    Erfahre gerade, dass nun auch schon der gute und sehr menschlich denkende Kinderbuchautor Ottfried Preußler (u.a. „Räuber Hotzenplotz“, Krabat“, Das kleine Gespenst“) auf der schwarzen Liste steht … zur persona non grata geworden ist.
    Alle rechtsoffen!
    https://www.tichyseinblick.de/meinungen/pullach-schule-gymnasium-otfried-preussler/

  12. Rechtsoffen ist ein zentraler Kampfbegriff der Antideutschen (im Sinne von „Arsch offen“, wie Jenseits von Böse richtig sagt) – im Kampf gegen Linke.

    — „Rechtsoffen“ wird als Totschlag gegen die Friedensbewegung benutzt, ganz besonders gegen den „Aufstand für Frieden“
    https://www.emma.de/thema/aufstand-fuer-frieden-340185 , und von vielen Meinungsmachern nachgeplappert.
    — Mit „rechtsoffen“ ersetzen Antideutsche den Begriff des Antifaschismus, weil es ihnen um Antisemitismus geht, das heißt: um das, was sie im Bündnis mit den USA unter Antisemitismus verstehen. Was das bedeutet, kann jeder im Gaza-Streifen sehen.
    — Antideutsche, die ja auch in Teilen der Antifa aktiv sind, verdrehen auf diese Weise den ‚Schwur von Buchenwald‘ https://liberation.buchenwald.de/otd1945/der-schwur-von-buchenwald – und haben damit auch die Antifa in Verruf gebracht.

    Roberto de Lapuente hat völlig recht, wenn er betont, was OFFENHEIT wirklich bedeutet.

    — „Rechtsoffen“ meint genau das Gegenteil von Offenheit: Rückfall in Stammesdenken, Spaltung, Stämme sollen sich ausgrenzen und bekämpfen, postmodern, verwandt mit den Woken.
    — Rechtsoffen bedeutet, dass Links und Rechts gar nicht mehr zusammenarbeiten sollen.
    Zum Beispiel sei Erich Vad ein ehemaliger General, also rechts, und daher sei es ein Verrat an der Linken, dass er auf bei „Aufstand für Frieden“ geredet habe. Was er dort sagte, ist den Antideutschen ohnehin zu kompliziert. Tatsächlich ist er ein militärischer Experte für Abrüstung und Rüstungskontrollverträge mit Russland – und genau die wollen die Antideutschen mit ihrer „Arsch offen“-Pöbelei verhindern.

    1. — „Rechtsoffen“ meint genau das Gegenteil von Offenheit:

      Rechtsoffen meint nicht das Gegenteil von Offenheit. Es meint Offenheit gegen rechts. Bloß wenn man es als Vorwurf oder Kritik benutzt, dann ist es die Aufforderung die offene rechte Tür zu schließen, damit das Rechte nicht ins Haus kommen kann.

      Roberto de Lapuente hat völlig recht, wenn er betont, was OFFENHEIT wirklich bedeutet.

      Ja, das stimmt schon. Bloß als Gegenargument ist es nicht tauglich. Weil der Kritiker der Rechtsoffenheit ja nichts gegen Offenheit hat, sondern nur was gegen Rechtsoffenheit. Die Kritik des Vorwurfs der Rechtsoffenheit ist doch nicht, dass Offenheit was gutes ist, sondern das es ein politischer Kampfbegriff ist, der alle die eben n i c h t rechts sind, dadurch zu diskreditieren versucht, dass sie zu offen gegen rechts seien, dass sie Berührungspunkte mit rechts hätten. Und wer Berührungspunkte hat, ist rechtsaffin, also „some kind of“ so eine Art von rechts, rechtsfreundlich. Es ist typisches Schlamm schmeißen. Irgendwas wird schon hängen bleiben. Wenn man schon nicht sagen kann, dass jemand rechts ist. Rechtsoffen geht immer – normalerweise muss das noch nicht mal belegt werden, und wenn doch muss man nur was konstruieren. z.B. der Vorwurf jemand würde populistisch argumentieren – genau wie die Rechten – also rechtsoffen. Dabei gehört der Populismus streng genommen zum Handwerkszeug der demokratischen Parteien. Parteien sollen ja nach dem Grundgesetz an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken.

      „Charakteristisch ist eine mit politischen Absichten verbundene, auf Volksstimmungen gerichtete Themenwahl und Rhetorik. Dabei geht es einerseits um die Erzeugung bestimmter Stimmungen, andererseits um die Ausnutzung und Verstärkung vorhandener Stimmungslagen zu eigenen politischen Zwecken. „

      So gesehen sind Parteien institutionalisierter Populismus.

  13. Das grösste Verbrechen der Alliierten an Deutschland ist, dass sie nie erlaubt haben, dass Deutsche eigenständig erforschen und verstehen durften, was die Nazizeit war.

    Statt dessen hat man sie mit ‚Historikerstreit‘ abgebügelt, der nur behandelte, was behandelt werden durfte.

    Man brachte ihnen bei, das Verstehen zu scheuen und Verstehenwollen selbst zu sanktionieren.

    Deshalb erleben wir eine solche Zeit heute weltweit noch einmal.

    Damit wir dieses Mal endlich verstehen.

    Wir und die Völker der Alliierten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert