Nicht mehr sagen, was ist – alles wegen euch, ihr Systemfeinde!

Verlagshaus, Spiegel, Hamburg
User:Wmeinhart – Wolfgang Meinhart, Hamburg, GFDL 1.2, via Wikimedia Commons

Der Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros legt ein Bekenntnis ab: So überkritisch dürfe man die Politik journalistisch nicht mehr begleiten. Denn das würde Systemfeinden nutzen. So ähnlich rechtfertigen sich Journalisten in allen Totalitarismen.

Sagen, was ist! Das war das Motto von Rudolf Augstein, seinerzeit Gründer des größten deutschen Magazins namens Spiegel. Dass es der Wahrheitsfindung dient, wenn man sagt, was ist, hatte schon vor Augstein und seinem Spiegel Anklang gefunden: denn bereits Rosa Luxemburg empfand es als »revolutionärste Tat«, wenn man sagt, was ist – sie wiederum bediente sich beim SPD-Gründer Ferdinand Lasalle, der »alle große politische Aktion« mit dem Aussprechen, was ist, verband. Ja, mehr noch, für ihn begann »alle politische Kleingeisterei« mit »dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist«.

Wie sehr sich Rudolf Augstein durch diese Koryphäen deutscher Politikgeschichte beeinflussen ließ, als er sein Motto formulierte, ist mindestens umstritten. Doch das Credo stand dem Magazin, ja überhaupt aller journalistischen Arbeit, gut an. Sagen, was ist! ist ein Bekenntnis zur Wahrhaftigkeit. Dem Journalisten steht es nicht an, die Wirklichkeit zu formen, ihr seinen Stempel aufzudrücken – auch wenn er es freilich unbewusst immer tut, schon deswegen, weil seine bloße Existenz die Dynamiken von Ereignissen verändert. Gleichwohl sollte er seine Einflussnahme auf ein Minimum reduzieren. Das ist die Haltung, die Journalismus benötigt – dezidierte Meinungsbeiträge sind hiervon ausgeschlossen. Beim Spiegel sieht man all das heute ganz offenbar anders.

Sagen, was sein soll

Augsteins Magazin hat in den letzten Jahren eine Transformation durchlitten – oder sagen wir lieber: die Leser und Abonnenten, so es noch gelesen und abonniert haben, haben schwere Zeiten durchgemacht. Ihr Magazin hat sich selten damit begnügt, das zu sagen, was auch wirklich ist. Sicher, da war die Episode Claas Relotius – ein Journalist, der sich Geschichten ersann. Und da er wusste, was sein Publikum und seine Kollegen, die deutsche Öffentlichkeit an sich, gerne liest, kam er zu großen Ehren: 2013, 2015, 2016 und 2018 gewann er den Deutschen Reporterpreis für seine Reportagen. Ein beschwingter Wortkünstler war Relotius nie. Aber er traf den Zeitgeist, man lag ihm zu Füßen, er kannte den Spirit – vereinfacht formuliert: Relotius schrieb aus der Warte des anständigen Justemilieu gegen jene an, die man als »kritische Masse« betrachtete – später würde man sie als »Querdenker«, »Schwurbler« oder »rechtsoffen« bezeichnen.

Von Relotius musste sich der Spiegel natürlich trennen, nachdem sich der Anfangsverdacht, angestoßen vom Spiegel-Reporter Juan Moreno, erhärtete. Der Spiegel war aber deswegen noch lange nicht von der Haltung befreit, die man offenbar für notwendig erachtete, um sich von dem, was wirklich ist, gekonnt abzusetzen. Die Wahrheit hatte es schwer in den Jahren nach Relotius – sie fand auch während der Pandemie nur wenige Einträge in jenem Nachrichtenmagazin. Aber schon vor dem Skandalreporter glänzte der Spiegel durch Anbiederung an die politischen Machtverhältnisse. Die breite Kritik der Öffentlichkeit, als die Agenda 2010 etabliert wurde, fand im Spiegel erstaunlich wenig Anklang. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder erklärte in seinem unnachahmlich knorrigen Stil, dass er zum Regieren nur »Bild, BamS und Glotze« brauche – dabei vergaß er den Spiegel zu erwähnen, der ihm auf dem Reformkurs nachhaltig behilflich war. Offenbar ideologisch eingefärbt sprach man sich seinerzeit für Privatisierungen und Sozialstaatsabbau aus. Heute verbindet man den Fall von »Florida-Rolf« mit der Bildzeitung – aber auch der Spiegel stürzte sich auf diese Story und weidete sie aus. Man sprach sogar mit dem psychologischen Gutachter des Sozialhilfeempfängers und freute sich an dessen Aussage, dass jener Rolf auch bestens im polnischen Klima aufgehoben gewesen wäre – dass er »Staatsknete« – so schrieb der Spiegel wirklich – in Florida verprasste, sei nicht Gegenstand des Gutachtens seinerzeit gewesen.

Das lag vor der Zeit, da Relotius zum prämierten Starreporter aufstieg, beflügelt durch eine Klientel, die es mochte, was der Journalist da zu Papier brachte. Es passte einfach so gut zur eigenen Wahrnehmung – richtete sich gegen den Argwohn, den es in der Bevölkerung gab, auch gegen Donald Trump, der damals schon als Sinnbild für einen globalen Rechtsruck gehandelt wurde. Seine Story, wonach irgendwelche Rednecks an der mexikanischen Grenze auf Menschenjagd gingen, las die Mehrheit unreflektiert – so stellte man sich die Vereinigten Staaten doch vor. Dort werden Mexikaner durch die Wüste gejagt und erschossen – und Relotius bestätigte dies. Moreno wies ihm nach, dass er nie mit den Beteiligten seiner Story gesprochen habe. Die Menschenjagd: erfunden! Man mochte nicht zimperlich mit Mexikanern umgehen, die die Grenze passierten. Aber erschießen wie Wild? Relotius schrieb nicht, was ist – er formulierte, was sein soll. In gewisser Weise stand er damals schon in einer Kontinuität seines Magazins, denn der Spiegel hatte Jahre zuvor – und auch während der Jahre, da Relotius das wichtigste Zugpferd war – schon mehr auf das gesetzt, was sein soll – wie gesagt, wie das Magazin den neoliberalen Reformkurs begleitete, ließ die Frage aufkommen, nach welchen Kriterien man der Wirklichkeit auf die Spur kommen wollte.

»Können wir so weitermachen?«

Man fokussierte sich auf die »Erkenntnisse« der herrschenden Ökonomie und ihrer Thinktanks – man tut das im Grunde bis heute. Diese vom Big Business finanzierten Einrichtungen, so schien man sich beim Spiegel zu beruhigen, sagten ja durchaus, was ist. Benötigte man da noch eine Gegenstimme? Irgendeinen sozialromantischen Gewerkschaftler, dem man nicht abnahm, sagen zu können, was tatsächlich ist? Die Nachfrageökonomie hatte einen schlechten Stand, man hielt die Löhne für zu hoch, die Arbeitslosen für abgrundtief faul und die Reichen für zu sehr belastet – die Chicago Boys galten als Quelle der Wahrheit. Reichte das nicht? Die Rolle des Magazins in jenen Jahren wurde nie aufgearbeitet – täte man dies, müsste man einen wesentlichen Punkt attestieren: Die damaligen Reformjahre haben maßgeblich zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen, sie haben das alte Vertrauensverhältnis vieler Bundesbürger in ihren Staat erodieren lassen – es entstand ein politisches Vakuum, in das letztendlich die AfD vorstieß. Kein Wunder, dass der Spiegel eine solche Nachschau nicht zur Priorität erheben möchte. Auch er hat sein Scherflein zur heutigen Gemengelage der Republik beigetragen.

Dann entschloss man sich, einen aggressiveren Grippevirus mit einer Pandemie zu küren. Gegenstimmen zum Kurs der Bundesregierung im Spiegel? Fehlanzeige! Man verließ sich auf die Expertenriege der Politik, kritische Stimmen am Rande des Regierungsdunstkreises wurden ignoriert – das war noch die rücksichtsvolle Form – oder sie wurden gleich öffentlich vorgeführt und der Lächerlichkeit preisgegeben. Wieder schrieb man gegen jene an, die schon in Relotius‘ Geschichten dumm aussehen sollten: die widerständischen Massen, die nicht für bare Münze nehmen wollen, was Medien und Politik, Politik und Medien, als alternativlose Szenarien zeichneten. Vor Jahren hatte man sie noch spöttisch als »besorgte Bürger« tituliert. Jetzt etikettierte man sie als »Rechte«, als Menschen, die keine Scheu hätten, mit teuflisch agierenden Extremisten zusammenzukommen. Um das abzukürzen: Corona verging, zeitgleich begann der Ukrainekrieg – oder sagen wir: wurde aus dem Bürgerkrieg in der Ostukraine ein russisch-ukrainischer Krieg – und wieder fand sich der Spiegel auf der Seite der politischen Funktionseliten im Lande. Kritiker werden nun seit vier Jahren vorgeführt und zu Agenten des Kremls umgedichtet. Der Spiegel ist Teil einer Kraft im Lande, die es geschafft hat, Angst und Schrecken zu verbreiten: immer weniger im Lande trauen sich noch zu sagen, was ist – oder was sie als gegeben erachten. Meinungsfreiheit nannte man das einst.

Nun also legt Christoph Hickmann, Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros, ein Bekenntnis ab. Vollmundig titelt er: »Nach 20 Jahren als Journalist frage ich mich: Können wir so weitermachen?« Fast möchte man vor Verzückung gratulieren – endlich nimmt sich einer der Misere an! Aber weit gefehlt. Hickmann moniert lediglich, dass seine Zunft gerne »negativ über Politik und Politiker« berichte. Man »kritisiere, meckere, prangere an«. Und was das bedeutet, scheint ihm klar zu sein: »Man könnte meinen, damit spielten wir den Systemfeinden in die Hände. Vielleicht sollten wir etwas ändern.«

Mit Pseudojournalismus gegen die Systemfeinde

Von was spricht dieser Mann? Seit Jahr und Tag ist der Spiegel nun als Magazin bekannt, das den Mächtigen in Berlin zur Seite springt, wann immer es notwendig ist – Augsteins Druckerzeugnis formierte sich über viele Jahre als Stimme gegen all jene, die der Bundesregierung Schritt für Schritt weniger über den Weg trauten. Den Kurs der offiziellen Politik zu kritisieren: Für das Magazin war das stets ein Grund, nach der großen Verschwörung zu forschen, die ein – für den Spiegel – so abwegiges Verhalten wie Regierungskritik erklärbar machen sollte. Und nun kommt ausgerechnet ein solches Bekenntnis des Leiters des Spiegel-Hauptstadtbüros, in dem man sich regelrecht dafür entschuldigt, zu hart mit Politik und Politikern umgegangen zu sein! Schlimmer noch: Zu dieser Erkenntnis kommt man lediglich, weil man sich davor zu fürchten scheint, »Systemfeinden in die Hände« zu spielen. Schon diese Wortwahl: Systemfeinde! Das ist vermutlich die hausinterne neue Bezeichnung für »Querdenker« und »Rechte« – nun erklärt man jeden kritischen Menschen, vom Pazifisten bis zum ostdeutschen AfD-Wähler, zum Feind des Systems und damit zum Gefährder.

Um diesen Schergen nicht dienstbar zur Hand zu gehen, scheint es offenbar im Hause Spiegel nun geboten zu sein, die ganze Wahrheit auf den Tisch zu packen. Sie lautet: Lieber nicht sagen, was ist – besser sagen, was sein soll. Damit kennt man sich freilich aus, man hält es schon sehr lange so. Nun aber spricht man es endlich mal ungeniert aus, ganz frei von der Leber weg. Wenn ein Politiker eine rüde Kritik verdient, dann ist es nach Hickmanns Bekenntnis offenbar viel besser für Land und Leute, wenn man sie als Journalist hinunterschluckt und ganz bieder und sehr zurückhaltend einige Fakten – oder das, was man dafür hält – nennt, aber nicht einordnet – Lieblingswort der Zeitgeist-Journaille! – und das Verhalten des betroffenen Politikers thematisiert. Dass sich der Spiegel dann überhaupt noch dazu herablässt, über gewisse Vorfälle zu berichten, soll der Leser und Abonnent dann vermutlich voller Dankbarkeit auffassen.

Nochmal, um es sich auf der Zunge zergehen zu lassen: Zu sagen, was ist, gilt also für den Spiegel der Zeitenwende als ausgemachtes Problem. Denn mit Fakten würde man das System destabilisieren – besser ist es also, dass man nicht sagt, was ist, um systemfeindlichen Subjekten nichts an die Hand zu geben. Mit dieser Einschätzung der eigenen Arbeit befindet sich der Spiegel nun auf dem Kurs der Europäischen Union, die mit ihrer Kampagne gegen sogenannte Desinformation ganz deutlich auf so eine Art von Journalismus setzt. Natürlich muss man sich als Rezipient an dieser Stelle nicht davor fürchten, dass der Spiegel nun nicht mehr sagt, was ist – denn das tut er ohnehin schon lange nicht mehr. Verwegen genug von Hickmann, so zu tun, als käme sein Magazin dieser Aufgabe noch nach. Aber nun gut, jeder auf dieser Welt braucht eine Lebenslüge – besonders in der Berliner Blase. Dass seine Ausführungen aber kaum Beachtung finden, spricht auch Bände. Es scheint mittlerweile angekommen zu sein in der Branche, dass Journalismus so betrieben werden sollte, wie Hickmann es ausformulierte: Systemstabil und nicht zu negativ. Denn Aufgabe der Presse ist es, die Stimmung hochzuhalten und bloß keine kritischen Fragen aufzuwerfen. Man könnte auch sagen: Hickmann hat kurz festgehalten, wie Presse im Ernstfall stattfinden soll. Oder im Totalitarismus.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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66 Kommentare

    1. Ich wurde es eher Selbstgleichschaltung det Presse nennen. Damals brauchte Dr. Goebbels noch eine Reichspressekammer. Jetzt macht die Presse das von selbst und trötet die Regierungslinie.

      Aber wozu braucht man dann noch die Presse eigentlich? Kann man doch gleich den Pressesprecherin der Ministerien und der Regierung zuhören und dir Mittelsleute einsparen. Oder von einer KI durchreichen lassen.

      1. Allerdings zeigte schon Goebbels sich in seinen Tagebüchern schwer begeistert, mit welcher Geschwindigkeit und Geschmeidigkeit sich der Großteil der deutschen Presse seinerzeit selbst gleichschaltete, bevor Verordnungen und besagte Reichspressekammer dies erzwangen.

        Insofern sehen wir hier und heute , wie bei der Gesinnungsjustiz ebenfalls, ein historisches Kontinuum.
        Hickmänner gab es schon ’33 reichlich.

  1. wie wäre es anders herum? Wenn die Leute im nicht definierten Totalitarismus gar nichts anderes lesen möchten, der Spiegel also lediglich das schriebe, was seinen Verkaufszahlen diente? So wie ein Eisverkäufer immer Vanilleeis im Angebot haben muss? Ab und zu darf’s auch Mal Schoko sein..
    Wer die Wahrheit sagte, würde totgeschlagen, so wie der Prophet – und mal ehrlich: Wer möchte das schon?
    Das, lieber RdL ist Totalitarismus.

    1. Da ist schon was dran. Die Leute wollen in der überwiegenden Mehrheit gerade so was zu lesen bekommen.
      Nur wirft das die weitere Frage auf, warum das so ist. Das vollständig zu klären, würde hier den Rahmen sprengen.
      Aber das entschuldigt nicht die Journaille. Ganz im Gegenteil: Die durch sie ständig stattfindende Bestärkung – und auch Weiterentwicklung – des falschen Bewusstseins ist der Skandal.

      1. Dazu kommen dann die Meinungsumfragen, prüfen, ob das Erwünschte in den Köpfen auch drin ist, sonst muss man nach justieren. Es geht sogar so weit, dass die Auswirkungen bestimmter Meldungen auf bekannte (d.h. überwachte) Netzwerke erforscht werden können.
        Ähnlich wie an der Börse…hat das System Methode.

      2. Die Obrigkeit heißt so, weil sie „Oben“ ist und das auch bleiben will, und nicht „Unten“ auf dem Boden, wo die große Mehrheit gefälligst auch bleiben soll.
        Was diese große Mehrheit da „Unten“ auch völlig in Ordnung findet. Und mit jeder aktiven Beteiligung an den regelmäßig stattfindenden Akklamationsveranstaltungen („Wahlen“) beweist, dass sie dieses schauerliche Dienstbotenverhältnis will.

  2. Ist doch ganz einfach, berichten was ist:
    Journalismus.
    Alles andere:
    Propaganda.
    Journalisten gibt es kam (noch).
    Wir sollten das auch so benennen, und nicht ständig „Journalismus“ zur allgegenwärtigen Propaganda sagen.
    Mehr gibt es dazu kaum zu sagen.
    [dritter Versuch, Kommentar zu senden]

  3. „Dann entschloss man sich, einen aggressiveren Grippevirus mit einer Pandemie zu küren“.

    Lieber Roberto,
    zum Spiegel ist um Grunde alles gesagt, weshalb ich auch den Antispiegel für seriöser halte. Deshalb wäre mein Wunsch nach wie vor, dass Overton voll (und damit meine ich auch voll) dagegen hält. Dazu gehört, dass man keinen Millimeter in Richtung Killervirus einschwenkt. Ich bemängele also das Wort „aggressiveren“. Wenn sogar in den geleakten RKI-Protokollen steht, man dürfe das Coronavirus nicht mit der Grippe vergleichen, bei der Grippe würden mehr Menschen sterben, empfinde ich das „aggressiver“ als Anbiederung an den Mainstream. Sorry.
    Desgleichen verhält es sich mit den neuen Kommetarregeln.

    1. Ja, das finde ich auch, ganz meine Meinung. Auch Ihre Anmerkung zu den neuen Kommentarregeln könnte ich so unterschreiben.
      Zumal, wenn man die Thematik hier mit der der NDS vergleicht, so ist Overton demgegenüber von der thematischen Vielfalt der NDS meilenweit entfernt.
      Overton lebt(e) auch von den Kommentaren, durch die neuen Regeln empfinde ich eine gewisse Blutleere…schade

    2. @Noch hat er se alle
      Ich stimme Ihnen in beiden Punkten vollständig zu und möchte noch hinzufügen daß, laut meinem Informationsstand der Spiegel unter anderen Problemen ein Bill Gates Verlautbarungsheftchen ist, was sich in besonderem Maße während der politischen Pandemie zeigte.
      Und die neuen Kommentar Regeln hier sind für mich weder durchschau noch nachvollziehbar. Ich finde es einfach nur schade, da es sich klaglos in den allgemeinen Trend einreiht.

  4. Dieses, jetzt folgende, dient der Aufklärung und es ist schade, dass RDL es der Erwähnung nicht Wert fand:
    Die Bill & Melinda Gates Foundation hat den SPIEGEL zwischen 2018 und 2025 mit insgesamt über 5,4 Millionen US-Dollar für das Projekt „Globale Gesellschaft“ gefördert. Die Gelder flossen in zwei Tranchen zur Berichterstattung über Themen wie globale Gesundheit und Entwicklung. „Globale Gesellschaft“ ist eine nette Umschreibung für den Auftrag so zu schreiben, wie es den Eliten zum Vorteil gereicht. Und der „Spiegel“, also die „BILD“ für Leser mit Abitur, wurde sicherlich dazu auserkoren, weil Vorgespräche mit der Chefetage des Blattes, schon zeigten, wie diese, sich Journalisten nennende Spezies, tickt. Da war klar, dass Geld ist sehr gut angelegt. Diese Schreiberlinge werden dem Kapital immer zu Füssen liegen, sichert es doch deren Auskommen. Schreiben was ist, – nein, dazu war der „Spiegel“ nie bereit.

    1. Der Lügel war nicht das einzige Blatt, das Gates auf diese Weise gekauft hat. International und in Deutschland gab es einige. Thomas Röper, der das auch mit aufgedeckt hatte (der Spiegel verschwieg es anfangs) hat mal gezeigt, was das für eine Auswirkung hatte: Vor der „Spende“ stand im Blatt mal ein Artikel, der Gates‘ Machtambitionen stark kritisierte. Sogar von „angestrebter Weltherrschaft“ war die Rede! Nach der Spende dann ein Artikel über dessen vorbildliches und uneigennütziges soziales Engagement. Und das eben nicht nur im selben Blatt, sondern sogar vom selben Autoren!

      Gates kauft sich Einfluß und Publicity. Auch über Einzelpersonen. So finanzierte er auch den „Wissenschaftscomedian“ Eckart von Hirschhausen:

      https://www.infosperber.ch/gesundheit/bekannte-tv-doktoren-nehmen-auch-geld-von-firmen/

      1. Gates war auch sicher nicht der Erste oder Einzige, der sich wohlgefällige „Berichterstattung“, vulgo Propaganda, erkauft hat. Schon etwa 10 Jahre vorher fiel der Spiegel durch äußerst anbiedernde (freundlich formuliert) Stories über den „Philanthropen“ Soros auf, die insbesondere passgenau dieselben Stichworte enthielten, die auch in ähnlichen Artikeln in SZ, ZEIT und etlichen internationalen Postillen in dichter zeitlicher Abfolge veröffentlicht worden waren. Zentraler Punkt all dieser Rührstücke war, das jegliche Kritik an Soros‘ Wirken per se antisemitisch begründet und Kritiker durchweg im rechtsextremen Lager angesiedelt seien.

        Das war seinerzeit sehr offenkundig eine zentral angestoßene PR-Kampagne, die ganz sicher nicht pro bono seitens der beteiligten Medien erfolgte. Sondern wahrscheinlicher weil Soros entweder mittel- oder unmittelbar Anteile an den betreffenden Verlagen hat/hatte, oder „Spenden“ geflossen waren.

    2. Der Spiegel ist nichts anderes als ein Bill Gates Heftchen. Mir graut davor. Besonders schockierend fand ich, daß dort irgendein Kolumnist im Jahr 2020 schrieb, wie toll er das Panikpapier aus dem Innenministerium fand (das in dem Kindern Angst gemacht wurde, daß ihre Angehörigen kläglich zuhause ersticken, weil sie vergessen hatten sich die Hände zu waschen). Dieser Kolumnist meinte damals das sei genau richtig weil die Leute die Erkältung dann ernst nehmen würden….
      Seitdem packt mich jedes Mal der Ekel beim Anblick dieses Heftchens.

  5. Die „Systemfeinde“ sind die lästige Konkurrenz bzw. die Gefahr des Status Quo der „Eliten“.
    Dieses „System“ – die „Eliten“ sagen was gemacht wird, das Volk arbeitet brav zur Mehrung des Reichtums der „Eliten“ und bekommt sogar ein bisschen was davon ab im Zuge der sozialen Errungenschaften der Gewerkschaften – war bis in die 90er noch unangetastet, weil das Internet noch nicht in der Fläche verbreitet und als Informationsquelle etabliert war.
    Als die Sowjetunion und der Warschauer Pakt sich auflöste und die „kommunistische“ Konkurrenz plötzlich nicht mehr da war, vor der man beim Volk glänzen wollte, wurden auch nach und nach die sozialen Errungenschaften aufgekündigt und der Kapitalismus der „Eliten“ konnte endlich sein wahres, kriegerisches Gesicht zeigen. Dauerte ja nicht lange, bis man im Irak und fast gleichzeitig in Ex-Jugoslawien sein völkerrechtswidriges Angriffskriegsgesicht zeigen konnte.
    Das wurde dann noch vom Irakkrieg 2.0 im Jahr 2003 getoppt, als man die Weltöffentlichkeit noch schamloser anlog, als schon bei der Brutkastenstory anno 1991 und einen weiteren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg startete, gefolgt auf 10 Jahren völkermordender Sanktionen gegen die Kinder des Irak auf Geheiß der Menschenrechtsverbrecherin und Kindermörderin Albright.
    Nun wurden langsam kritische Stimmen im Internet laut und diese wurden immer lauter und zahlreicher. Wikileaks kam dann noch dazu, E. Snowndens Enthüllungen usw… ebenso wurde vielen bewusst, dass die Feindschaft der USNATO gegenüber Russland nicht auf Gegenseitigkeit beruhte, sondern einzig durch den MIK und seine Lobbyisten initiiert war und Europa, wie auch die USA mit Putin und Russland hätte gut auskommen können, sogar richtige Partnerschaft wurde von Putin angeboten.
    Also höchste Zeit, die transatlantischen Netzwerke, die man schon nach dem 2. WK aufgebaut und von Jahr zu Jahr stärker ausgebaut hatte, noch weiter zu intensivieren und alle Meinungsmacher – nicht informierende Journalisten, sondern meinungsmachende Journalisten – über die transatlantischen Netzwerke ins Propagandasystem einzubinden.
    So kommt es auch, dass alle großen, überregionalen Zeitungen, TV- Kanäle usw. usf. zu reinen transatlantischen Propaganda-Medien transformierten und selbst ehemals noch kritische Nischen-Satire, wie zum Beispiel die „Anstalt“, deren letzte wirklich kritische Sendung wohl so um 2014 ausgestrahlt wurde, mittlerweile belanglose, harmlos-woke Comedy ist, die sich mit Themen befasst, die keinen Schw…… interessieren.
    Und ja, Kritik an Trump ist keine Kritik am System USNATO, sondern genau das Gegenteil.

    1. Die neuen Spielräume entstanden direkt aus dem Wegfall des konkurrierenden Systems.
      Ich erinnere mich, dass dies durch einen (US)Politiker auch explizit so formuliert wurde. Nur weiß ich dessen Namen nicht mehr – kann meinem Gedächtnis jemand auf die Sprünge helfen?

    2. Ich kann mich genau an die Sendung erinnern, ab der die „Anstalt“ ins regierungskompatible Lager gewechselt ist (wenn ich auch das Datum nicht mehr weiß). Die Sendung bestand aus fast nichts anderem als flachen Putin-Witzchen, die sie mit einem Buzzer absch(l)ossen. Ich war völlig erschrocken und fragte mich, wohin ich hier geraten war.
      Vorher war die „Anstalt“ Pflichtprogramm bei mir – unvergessen die „Tafelnummer“ mit den Verstrickungen der Journalisten in transatlantischen Zirkeln und die Sendung mit dem medialen Kampf gegen kritische Stimmen im ukrainischen Bürger(!)krieg seit 2014, szenisch im Stile eines Kampfstandes im 1. Weltkrieg umgesetzt.
      DAS war Kabarett. Heute liefern die noch nicht mal mehr Comedy ab. Hätte ich von Uthoff und von Wagner auch nicht gedacht, dass die sich noch dafür hergeben. Aber die müssen eben auch ihre Brötchen verdienen.
      Ach wie schmerzlich ich einen Volker Pispers und einen Georg Schramm vermisse!
      Aber die hätten vor der gleichen Entscheidung gestanden und haben den Medienzirkus – wenn man so will – rechtzeitig verlassen.

  6. Der Spiegel steht exemplarisch für die Boulevardisierung und Ökonomisierung des politischen Journalismus. Getrieben von Auflagen, später verstärkt von Klickzahlen, hat man sich voll auf das konzentriert, was die meisten Leser wollen, und das möglichst billig produziert.

    Wenn man schreiben will, „was ist“, muss man zunächst recherchieren, dann möglicherweise komplexe Zusammenhänge erklären, Meinungsartikel sind dagegen schnell heruntergeschrieben. Wenn man nur Twitter und 20 Minuten Arbeitszeit braucht, spart man viel Geld.

    Eine Meinung, die sich mit der Mehrheitsmeinung deckt, sichert wiederum das Publikum, das am liebsten seine eigene Meinung lesen möchte. Das erklärt die Regierungstreue von Schröder über Merkel bis Scholz: Die Regierung stellt nun mal die Mehrheitsmeinung dar, jedenfalls in einer Demokratie, also erreicht man mit der Reproduktion des Regierungsstandpunktes auch die meisten Menschen.

    Der letzte, fatalste Baustein ist die massive Vereinfachung, Personalisierung, Emotionalisierung und Positionierung.

    Alle Sachverhalte werden auf genau zwei Positionen reduziert, weil weder die Leser noch Journalisten es noch ertragen, dass etwas nicht schwarz-weiß ist: Vereinfachung.

    Für beide Positionen werden Protagonisten vorgestellt: Nicht „Haushalt gegen Klimaschutz“, sondern „Lindner gegen Habeck“: Personalisierung.

    Es wird nicht über Argumente berichtet, sondern die Diskussion wird als persönliche Feindschaft zwischen diesen Protagonisten präsentiert. Trump ist sauer auf Putin, Selenski beschimpft Scholz, Merz schreit Klingbeil an: Emotionalisierung.

    Zum Schluss kommt die „Haltung“. Willst Du etwa die Alten umbringen? Die Orks unterstützen? Mit dem Verrückten im Weißen Haus sprechen? Wie im Kinderbuch sind die Rollen klar verteilt – Schatten gegen Licht, dumm gegen klug, Täter gegen Opfer, Lügen gegen Wahrheit: Positionierung.

    Intelligente Leser hat der Spiegel damit längst verloren, wie die anderen Medien auch. Die werden nur noch beschimpft. Dafür hat er das große Reservoir des Boulevard-Niveaus gehoben, das von „Geschichten“ unterhalten werden, mit der Masse schwimmen, keine Widersprüche hören will und mit dieser Erfahrung an der Wahlurne sein Kreuz setzt.

    1. „Alle Sachverhalte werden auf genau zwei Positionen reduziert, weil weder die Leser noch Journalisten es noch ertragen, dass etwas nicht schwarz-weiß ist: Vereinfachung.“

      Da entlarvt sich der Konsument der Springer-Presse.

    2. Das sehe ich ein bisschen anders. Ich denke nicht, dass „Spiegel“ und Co. deshalb zu Regierungs-Hofschranzen mutiert sind, weil die Mehrheit das lesen will – was man ja rein logisch meinen könnte, wenn die Regierungspartei(en) tatsächlich den Willen der Mehrheit ausführen würden. Ist ja bekanntlich nicht der Fall.
      Dass es leider immer noch genug naive zu geben scheint, die Wahlversprechen für bare Münze nehmen ist wohl eher das Übel, denn seit langem interessieren unsere Machthaber sich nicht mehr im geringsten für den Willen der Wähler und deren Interessen. Bestes Beispiel ist Baerbock, die das völlig offen sagte. Und Merz – warum der gewählt wurde, kann man sich nur dadurch erklären, dass zu viele die Schnauze gestrichen voll hatten von „Grün“ und einer SPD, die nicht mal mehr in Spuren für das steht, was sie einmal ausmachte – kann man nur so erklären, dass er für das kleinere Übel angesehen wurde und der Mut für eine wirkliche Alternative – AfD oder BSW – noch nicht da ist, oder die Schmerzgrenze noch nicht erreicht ist. Aber bei der nächsten Wahl wird sie erreicht sein, denn Merz tut alles, um das Land an die Wand zu fahren und dann helfen nur noch Wahlfälschungen, massive Überwachung oder „Notstandsgesetze“, die AfD oder BSW von der Regierung abzuhalten.

  7. Die Goldene Schere im Kopf und der Goldene Maulkorb

    Meine Damen und Herren, verehrte Restöffentlichkeit, liebe noch nicht vollständig betreute Meinungsempfänger,

    willkommen zur Verleihung der Goldenen Schere im Kopf und des Goldenen Maulkorbs.

    Nicht zur ersten. Diese Preise haben Tradition. Sie wurden nur nie ordentlich protokolliert. Jesus, Gandhi, Mandela und Malcolm X standen alle in Konflikt mit bestehenden Ordnungen. Genau deshalb gehört ihr Beispiel hier hinein: Systemfeind ist kein moralisches Urteil, sondern zunächst nur eine Positionsbeschreibung gegenüber einem bestehenden System. Ob diese Gegnerschaft schlecht, destruktiv oder notwendig ist, hängt davon ab, welches System verteidigt wird.

    Wer gegen ein mangelhaftes, verkrustetes oder menschenfeindliches System steht, will nicht automatisch Zerstörung. Er kann Verbesserung wollen. Er kann Erneuerung wollen. Niemand will schlechter leben, nur weil er ein System kritisiert.

    Und damit kommen wir zum traurigen Gewinner des Abends.

    Hauptpreis: Die Goldene Schere im Kopf

    Preisträger: DER SPIEGEL.
    Verantwortungsbereich: Redaktion, Chefredaktion und publizistische Führung.
    Namentliche Einordnung: Chefredakteur ist Dirk Kurbjuweit; zur Chefredaktion gehören Cordula Meyer und Thorsten Dörting als Stellvertreter. Christoph Hickmann bildet seit 2025 gemeinsam mit Roland Nelles die Doppelspitze des Berliner SPIEGEL-Hauptstadtbüros.

    Die Goldene Schere im Kopf wird verliehen für vorauseilende publizistische Selbstbeschneidung im Gewand angeblicher Verantwortung.

    Der Anlass muss nicht wiederholt werden. Der Artikel benennt ihn. Entscheidend ist nicht die einzelne Formulierung, sondern die Leistung dahinter: Ein ohnehin weitgehend unkritischer öffentlicher Medienbetrieb tut so, als sei sein Problem ausgerechnet zu viel Kritik.

    Das ist die Pointe des Abends: Ein Medium, das sich gern kritisch gibt, aber in den entscheidenden Fragen längst Teil jener Ordnung ist, die es angeblich kontrollieren soll, erklärt nun, man müsse weniger kritisch sein.

    Das ist keine Selbstkorrektur. Das ist ein Signal.

    Nicht: Wir waren zu hart zur Macht.
    Sondern: Die verbliebenen kritischen Stimmen sollen endlich diszipliniert werden.

    Die Schere im Kopf setzt dort an, wo Journalismus nicht mehr zuerst fragt:

    Ist es wahr? Ist es begründet? Ist es relevant? Ist es notwendig?

    Sondern:

    Wem nützt es? Wer könnte es verwenden? Welche falschen Leute könnten zustimmen? Könnte es das System beschädigen?

    Damit wird aus Journalismus keine Kontrolle der Macht, sondern innere Grenzkontrolle des Sagbaren.

    Kategorie: Semantikverschiebung des Jahres

    Preis: Goldene Schere im Kopf.
    Preisträger: DER SPIEGEL.
    Leistung: Bedeutungen werden verschoben, ohne dass es auf den ersten Blick auffällt.

    Hier liegt der Kern. Es geht nicht nur um eine Meinung. Es geht um Begriffe.

    Systemfeind bedeutet nüchtern: jemand, der ein bestehendes System ablehnt oder grundsätzlich kritisiert.

    In der neuen, moralisch aufgeladenen Verwendung bedeutet es: gefährlich, destruktiv, demokratiefeindlich, gesellschaftsschädlich.

    Kritik bedeutet eigentlich: Prüfung, Korrektur, Widerspruch, Erneuerung.

    In der neuen Verwendung bedeutet sie: Risiko, Gefährdung, mögliche Unterstützung des Feindes.

    Journalismus bedeutet eigentlich: Kontrolle der Macht.

    In der neuen Verwendung bedeutet er: Schutz des Systems vor Kritik.

    Das ist keine Nuance. Das ist semantische Abriegelung. Begriffe werden nicht offen neu definiert. Sie werden in ihrer Wirkung verschoben.

    Es klingt nach Verantwortung.
    Es wirkt wie Demokratieschutz.
    Es funktioniert als Disziplinierung.

    Hauptpreis: Der Goldene Maulkorb

    Preisträger: DER SPIEGEL.
    Kategorie: Moralische Einhegung legitimer Kritik.

    Der Goldene Maulkorb wird verliehen für den Versuch, Kritik nicht sachlich zu widerlegen, sondern unter Feindverdacht zu stellen.

    Das Verfahren ist simpel: Man nimmt „Systemfeind“, lädt den Begriff negativ auf und stellt Kritik in seine Nähe. Dann muss man sich mit der Kritik selbst nicht mehr ernsthaft beschäftigen. Man fragt nur noch, ob sie den Falschen nützt.

    Damit wird Kritik kontaminiert.

    Wer kritisch ist, wird nicht mehr als notwendiges Korrektiv behandelt, sondern als Risiko. Als Störfaktor. Als jemand, der objektiv den Falschen helfen könnte. Das ist nicht bloß der Hinweis, eine Aussage könne missbraucht werden. Das ist ein Angriff auf das Auditorium.

    Dem Publikum wird unterstellt, es könne Kritik nicht selbst einordnen. Es könne aus Kritik falsche Schlüsse ziehen. Es müsse vor Wirklichkeit geschützt werden, weil es sonst politisch falsch reagieren könnte.

    Das Publikum erscheint nicht als mündige Öffentlichkeit, sondern als betreute Masse.

    Dafür gibt es den Goldenen Maulkorb: für die Botschaft, dass Kritik formal erlaubt bleibt, aber unter Verdacht steht, sobald sie die falschen Empfänger erreicht.

    Kategorie: Kontrolle der Kritik statt Kontrolle der Macht

    Preis: Goldener Maulkorb.
    Preisträger: DER SPIEGEL.
    Leistung: Umkehrung der vierten Gewalt.

    Das ist der Bruch.

    Die Presse soll Macht kontrollieren. Sie soll politische, wirtschaftliche und institutionelle Macht prüfen, nicht schützen. Sie soll Missstände sichtbar machen. Sie soll dort unbequem sein, wo Interessen sich abschirmen.

    Wenn ein Medium aber anfängt, Kritik danach zu bewerten, ob sie dem Vertrauen ins System schadet, dann hat es seine Funktion vertauscht.

    Dann wird nicht mehr die Macht kontrolliert.
    Dann wird die Kritik an der Macht kontrolliert.

    Das ist nicht vierte Gewalt. Das ist vierte-Gewalt-Attrappe.

    Aus Kontrolle der Macht wird Schutz der Macht vor Kritik.

    Kategorie: Idee über Mensch

    Preis: Goldene Schere im Kopf.
    Preisträger: DER SPIEGEL.
    Leistung: Die Erzählung wird wichtiger als die Wirklichkeit.

    Wenn Kritik nicht mehr nach Wahrheit, Begründung und Relevanz beurteilt wird, sondern danach, ob sie dem System schadet, dann steht nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt.

    Nicht mehr die konkrete Wirklichkeit. Nicht mehr die Frage, ob Menschen unter Fehlentwicklungen leiden. Nicht mehr die Frage, ob Institutionen versagen. Nicht mehr die Frage, ob ein System Mängel hat. Nicht mehr die Frage, ob Erneuerung notwendig ist.

    Stattdessen wird eine Idee geschützt. Eine Erzählung. Eine Ordnung. Ein Selbstbild.

    Das System erscheint wichtiger als die Menschen, denen es dienen soll.

    Systeme sind keine heiligen Gebilde. Sie können Mängel haben. Sie können träge werden. Sie können ihre eigenen Ideale verraten. Sie müssen kritisiert und erneuert werden.

    Wenn sie das nicht tun, entsteht genau jene Erstarrung, die jetzt sichtbar wird: Medien halten an ideologischen Vorstellungen fest, bis die Idee wichtiger erscheint als der Mensch.

    Historische Ehrenpreisträger

    Goldener Maulkorb, Kategorie religiös-politische Feindmarkierung:
    an den Hohen Rat, die Hohepriester, die Schriftgelehrten und Ältesten Jerusalems sowie die römische Entscheidungsgewalt unter Pontius Pilatus, für die Behandlung Jesu als Störung einer bestehenden Ordnung.

    Goldene Schere im Kopf, Kategorie koloniale Loyalitätsproduktion:
    an den British Raj, vertreten durch die koloniale Strafjustiz gegen Gandhi, für die Umdeutung von Nichtkooperation und Systemkritik in strafbare Illoyalität.

    Goldener Maulkorb, Kategorie Sicherheitslabel gegen Befreiungsbewegung:
    an das Apartheidregime Südafrikas und die mitwirkenden westlichen Sicherheitskategorien, für die Behandlung Mandelas und des ANC als Gefahr, obwohl es um den Kampf gegen ein Unrechtssystem ging.

    Goldene Schere im Kopf, Kategorie Angst vor radikaler Kritik:
    an die amerikanische Sicherheits- und Medienordnung im Umgang mit Malcolm X, für die Markierung eines radikalen Kritikers als Gefahr, statt die Zustände ernst zu nehmen, die seine Kritik hervorgebracht haben.

    Diese Ehrenliste ist nicht Dekoration. Sie beweist den Punkt.

    Wer von einer bestehenden Ordnung als Systemfeind bezeichnet wird, ist nicht automatisch destruktiv. Er kann derjenige sein, der auf den Mangel zeigt. Derjenige, der Erneuerung verlangt. Derjenige, der ausspricht, dass ein System nicht mehr dem Menschen dient.

    Schlusswort der Jury

    Der heutige Hauptpreisträger ist DER SPIEGEL.

    Nicht, weil dort ein unglücklicher Satz gefallen wäre.

    Sondern weil sichtbar wird, wie ein Medium, das sich selbst als kritisch versteht, Kritik als Gefahr behandelt, sobald sie nicht mehr systemstabilisierend wirkt.

    Der SPIEGEL erhält die Goldene Schere im Kopf für innere Vorzensur im Namen angeblicher Verantwortung.

    Der SPIEGEL erhält den Goldenen Maulkorb für die moralische Markierung legitimer Kritik als Nähe zum Systemfeind.

    Und in der Sonderkategorie Semantikverschiebung des Jahres erhält er beide Preise zugleich: für die Umdeutung von Kritik in Risiko, von Systemkritik in Feindschaft und von Journalismus in Systemschutz.

    Die Diagnose ist schlicht:

    Wer Kritik als Hilfe für Systemfeinde markiert, schützt nicht die Demokratie. Er schützt ein erstarrtes System vor notwendiger Korrektur.

    Und ein Medium, das nicht mehr die Macht kontrolliert, sondern die Kritik an der Macht, ist keine vierte Gewalt mehr. Es ist ihr Nachruf im eigenen Layout.

    1. Danke für den Beitrag, der recht gut „sagt, was ist“. Nur hiermit habe ich Kummer:

      Die Presse soll Macht kontrollieren.

      Welchen Anhaltspunkt gibt es, dass das jemals etwas anderes war als eine faustdicke Lüge (emsig vorauseilend geglaubt natürlich, wie es in dieser Gesellschaft ja Tradition ist), die nötig war, damit die Presse ihren eigentlichen Job machen konnte, nämlich die Macht stabilisieren?
      Welchen Anhaltspunkt gibt es, dass irgendwas, was vielleicht irgendwann mal wie ein Minimum an Kontrolle/Kritik gewirkt haben mag, nicht einfach nur dazu da war, die Glaubwürdigkeit der faustdicken Lüge zu erhöhen?

      1. @foehre
        Die Presse soll Macht kontrollieren. War das jemals so? Diese Frage ist berechtigt.

        Sicherlich nicht, schon 1966 (!), das war ein paar Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Diktatur des Dritten Reiches, schrieb der Spiegel geradezu selbstkritisch in einem Spiegel-Artikel „FREI IST, WER REICH IST“ und zitiert den Historiker und Publizisten Paul Sethe mit den folgenden Worten:

        »Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Frei ist, wer reich ist. Das Verhängnis besteht darin, daß die Besitzer der Zeitungen den Redakteuren immer weniger Freiheit lassen, daß sie ihnen immer mehr ihren Willen aufzwingen.« Das war 1966.

        In den 1990er Jahren gab im ZDF noch das Politmagazin „Frontal“, moderiert von Bodo Hauser und Ulrich Kienzle, das man im Gegensatz zu heute geradezu als demokratisch „ausgewogen“ bezeichnen könnte.

        2026 sitzen vier Leute plus Moderator in einer Talksshow und verbreiten eine Meinung und das ist die Meinung der Regierung oder treffender formuliert: die Meinung der herrschenden Nomenklatura. Wenn Leute wie Frau Wagenknecht mit abweichenden Meinungen eingeladen werden, dann nur um den Publikum vorzugaukeln: Seht her, wir sind demokratisch und pluralistisch und für Meinungsfreiheit, um dann gemeinsam auf Frau Wagenknecht verbal einzuprügeln.

        Und der unkritische zuschauende Untertan denkt sich, das ist schon komisch: Frau Wagenknecht sagt, dass 2+2 immer noch 4 ist, aber wenn die anderen vier, also die Mehrheit, sagen: 2+2 ist jetzt 5, dann werden die schon recht haben. Willkommen im Staat von George Orwell.

        Fazit: Die Presse (das gilt vor allem für die privaten Medienkonzerne) war sicherlich niemals neutral und objektiv, denn auch Journalisten haben eine (persönliche) Meinung. Es macht aber einen großen Unterschied, ob man ganz gezielt andere Meinungen unterdrückt, Andersdenkende diffamiert und ausgrenzt, Cancelculture, Volksverdummung und Propaganda betreibt. In dieser Hinsicht hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten etwas gewaltig verändert im „demokratischen und sozialen Bundesstaat“ Deutschland wie es so schön im Grundgesetz von 1949 heißt.

  8. Es ist schon erschreckend zu sehen, wie sehr es der Äußerung und Haltung von Hickmann an Verständnis mangelt, was eine Demokratie ausmacht. Und dabei sollte es im Grunde doch ganz einfach sein:

    Alle Macht geht vom Volke aus, und vergibt sie an drei unabhängige staatliche Gewalten, die Gesetze beschließen, Recht sprechen und Recht durchsetzen. Und damit die Bevölkerung sieht, was mit seiner Macht getan wird, braucht es als vierte Gewalt die Medien, die genau hinsehen, wie der Auftrag umgesetzt wird und ob die verliehene Macht ggf. missbraucht wird. Es braucht also unabhängige (!) Medien, damit der Bürger so mündig wird, dass er unabhängig von den Äußerungen der Politik selbst in der Lage ist, das politische Geschehen zu bewerten und die Macht ggf. wieder zurückzuziehen.

    Dass das nur alle vier Jahre bei den Wahlen geschehen kann, ist eigentlich schon ein Konstruktionsfehler – aber wenn die Medien Fakten verschweigen, um die Politiker vorsätzlich in ein falsches Licht zu setzen, ist das das ein direkter Angriff auf die Demokratie!

    Setzen, Sechs, Herr Hickmann!

  9. Wenn sich der Unmut und die Wut der Bevölkerung, sei es durch große Demonstrationen oder Wahlen, Bahn bricht werden sie das System mit Waffengewalt aufrechterhalten.
    Das wird anders laufen als in der ehemaligen DDR! Hier wird keine friedliche Revolution zugelassen, das sollte jedem klar sein der die Entwicklung der letzten Jahre aufmerksam verfolgt.

    1. Das ist wohl wahr. Wer weiß, da der Russe ja nicht kommen will (was will er auch mit Westeuropa?) könnte ja die neu erstarkte Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden, um missliebige Systemkritiker mundtot zu machen.? Aber das ist natürlich alles krude Verschwörungstheorie. Genau wie die, dass alle Verordnungen und Gesetze gegen „Hatespeech“ letztlich dazu genutzt werden können, ggfs. alle Menschen mit anderer Meinung zu verdammen.

    2. Ui, das würde ja bedeuten, dass die böse Diktatur DDR ihrem Ende humaner entgegen sah als es die westliche Demokratie bereit wäre, zu tun. Kapitalismus – auch wenn man ihn mit dem Label „soziale Marktwirtschaft“ verbrämt – wird doch nicht etwa doch brutaler und menschenverachtender sein, als das, was man Sozialismus nannte?

  10. Der „Spiegel“ ist längst Teil dessen geworden, worüber er eigentlich kritisch berichten sollte. Insofern ist das, was der „Spiegel“-Fritze da zu Protokoll gab von berückender Ehrlichkeit: Er hätte auch – etwas volkstümlicher – sagen können, dass man die Hand, die einen füttert, besser nicht beißt. Das betrifft jedoch nicht nur den „Spiegel“ sondern bspw. auch den ÖR im Wesentlichen (und andere Etablierte ebenfalls). In Anlehnung an Sibylle Berg („GRM“, „RCE“, „La Bella Vita“ etc.; u.a. aber auch ehem. „Spiegel“-Kolumnistin): Der „Spiegel“ ist eine (analoge) Massenablenkungswaffe.

    1. @Karsten
      Was den ÖRR betrifft so wird er ja von den Zwangs-Beitragszahlern der Gangster-Einzugs-Zentrale finanziert.
      Dabei spielt es keine Rolle ob man den ÖRR benutzt oder nicht.

      Die Systemfeinde die das GG bei jeder Gelegenheit brechen oder sich hinbiegen sitzen an anderer Stelle und es sind nicht die Kritiker.

      Warum hier im Artikel ausgerechnet Werbung für Ulf Poschardt läuft verstehe wer will, ich nicht!
      https://de.wikipedia.org/wiki/Ulf_Poschardt

      1. So ganz habe ich Ihren Kommentar nicht verstanden, vor allem, wer sind die „Kritiker“, wer die „Systemfeinde“ und an welchen Stellen sitzen die? Also die Vergewaltiger des GG sind m.E. vor allem diejenigen, die vorgeben, es zu verteidigen („wehrhafte Demokratie“…). -Meinten Sie das so in etwa dieser Art?

        Warum Overton (als Anhängsel des Westend Verlags) Poschardt bewirbt, ist relativ klar – ohne das es deswegen weniger ärgelich wäre. Aber warum der Verlag solche Autoren in sein Programm nimmt, verstehe ich – abgesehen von betriebswirtschaftlichen Erwägungen, die jedoch meiner Meinung nach von einer gewissen, in Beliebigkeit mündenden Kurzsichtigkeit zeugen – auch nicht wirklich.

  11. „So überkritisch dürfe man die Politik journalistisch nicht mehr begleiten. Denn das würde Systemfeinden nutzen.“

    Aha! Wie nannte man das früher? Richtig – Hofberichterstattung oder Regierungspresse.

    Deutlicher kann man es eigentlich kaum ausdrücken, dass man das System der Dauerherrschaft des eigenen Parteienlagers mit dem politischen System im Großen, also der Verfassung verwechselt. Verwechseln will.

    Wobei man sich übrigens zwischen den Zeilen auch von zwei anderen Grundgedanken der parlamentarischen Demokratie verabschiedet, nämlich dem Prinzip vergleichsweise häufiger und gesitteter Regierungswechsel (-> die Opposition von heute ist die Regierung von morgen) und zweitens auch vom Prinzip der Herrschaftskontrolle. Schließlich will der „Spiegel“ das Regierungshandel ja erklärtermaßen nicht mehr sonderlich kritisch betrachten und kommunizieren.

    Aber halt, könnte es sein, dass so eine Sicht von bestimmten regierungsnahen „Journalisten“ schon als sog. „Verschwörungstheorie“ diffamiert würde?

  12. Als man noch wußte, oder glaubte zu wissen, dass die Personalie Kohl, nach eigenem Bekenntnis, niemals „Der Spiegel“ las, konnte man das Blatt, eben deswegen, getrost lesen! Aber weil die selige Personalie Kohl heute „Der Spiegel“ läse, wäre die Lektüre dieses Blättchens heute eine untragbare Zumutung!

  13. Das real existierende SYSTEM, in dem wir 2026 in Deutschland leben, ist nüchtern und bei Lichte betrachtet eine Plutokratie und eine Fassadendemokratie. Politiker, die diesen „demokratischen und sozialen Bundesstaat“ (siehe Art. 20 Grundgesetz) demolieren und zerstören, darf man also nicht mehr kritisieren, weil es den Leuten, die diese Plutokratie und Fassadendemokratie hinterfragen und kritisieren, nützt. Aber seit wann interessieren sich journalistische „Edelfedern“ für das, was im Grundgesetz von 1949 steht?

    Das ist billige Rabulistik und ein klassischer Zirkelschluss. Leute, die so etwas von sich geben, leben in der Journalisten-Besserverdiener-Blase. Sie haben aber Angst davor, dass sie von ihren reichen und superreichen Herrchen kein Premium-Hundefutter und keine Leckerlis mehr bekommen, weil die reudigen Straßenköter auf der Straße nichts zum Fressen haben, sich um die Abfälle aus dem Mülleimer streiten, ständig rumjaulen und fragen, warum das so ist.

    Eine Ausnahme in dieser Hinsicht ist z. B. der Jurist und Journalist Heribert Prantl. Der Mann ist aber schon über 70 Jahre alt und wie heißt es immer: Ausnahmen bestätigen nur die Regel.

    Willkommen in der Matrix.

  14. @“Sie lautet: Lieber nicht sagen, was ist – besser sagen, was sein soll.“

    Der Spiegel wurde einst als das „Sturmgeschütz der Demokratie“ bezeichnet. Beim letzten Arztbesuch hatte ich das Vergnügen den dort ausligenden Spiegel zu lesen und mußte feststellen was für ein jämmerliches Blatt aus ihm geworden ist, voll mit Werbung, kaum Substanz, das Geld nicht wert!

    Mit dem Stern ging es ja schon seit den gefakten Hitler-Tagebüchern bergab.
    Im Grunde würde der Erwerb einer Zeitung (eines Käseblattes) ausreichen um zu erfahren was in allen anderen Zeitungen oder Magazinen steht.

    Deutsche Käseblätter haben wir ja genug die Meldungen einfach nur ungeprüft abschreiben wie wir auch hier erfahren durften https://overton-magazin.de/top-story/der-signal-hack-ist-peinlich-aber-nicht-fuer-signal/

    Niedergang und Zerstörung der Demokratie ist nicht mehr zu übersehen, Politiker, Parteien, Medien helfen dabei kräftig mit und es stellt sich die Frage ob das nicht im Auftrag des Kapitals genau so gewollt ist?

    Was jammern die Medien weil Trump Friedrich Merz kritisiert und Truppen aus Deutchland abziehen will?
    Was sagt uns eigentlich die Äusserung von Merz „Die USA werden vom Iran gedemütigt“

    Also ich würde die Äusserung so interpretieren:
    „Merz beklagt sich weil Trump mit der Drecksarbeit nicht energisch genug gegen den Iran vorgeht.“
    Merz verurteilt nicht den verbrecherischen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA gegen den Iran.
    Merz sperrt auch nicht Rammstein für Angriffe auf den Iran.

    1. Zitat:
      „Im Grunde würde der Erwerb einer Zeitung (eines Käseblattes) ausreichen um zu erfahren was in allen anderen Zeitungen oder Magazinen steht.“

      Eben. Es wird immer der Rückgang der Zeitungskäufe beklagt. Wozu braucht man x Tageszeitungen, wenn doch in fast allen das gleiche steht. Da reicht doch EIN „Neues Deutschland“.

      Zitat:
      „Was jammern die Medien weil Trump Friedrich Merz kritisiert und Truppen aus Deutchland abziehen will?“

      Wobei ich hier aktuell dagegen wetten würde, dass das passiert. Die Truppen sind und waren noch nie zu unserem Schutz da, sondern allein im Interesse der USA. Welche Bedeutung Ramstein für deren weltweite Kriegsführung hat, ist längst bekannt.
      Aber unsere Transatlantiker werden Trump wieder einen „Deal“ anbieten (wer weiß, wie viele Millliarden uns das wieder kostet), und er bläst den Abzug gnädig ab.

      Zitat:
      „Merz sperrt auch nicht Rammstein für Angriffe auf den Iran.“

      Wenn die keine Konzerte mehr geben dürften, würde das die Angriffe auf den Iran auch nicht verhindern. 😉

  15. Wir sind im Krieg gegen Russland (siehe z.B. den Artikel „Russland im Krieg mit dem kollektiven Westen: Eskalation an allen Fronten und wachsende innere Spannungen“ heute auf TKP) und Journalisten, die Feindpropaganda betreiben – wie Röper, Dogru und Baud – werden quasi nach „journalistischem Kriegsrecht“ sanktioniert. Dazu gab es ein interessantes Gespräch von Milena Preradovic mit Norbert Häring.

  16. Immerhin konsequent, man möchte sich von den Systemfeinden nicht treiben lassen, also schreibt man die Systempolitik schön und … beflügelt damit die Systemfeinde, denn die kommen ja nicht aus dem Nichts.
    Das gleiche passiert übrigens auch in der Ukraine, dort ist es ja angeblich nur Putin, der Krieg will. Jeden Tag neue Propagandamärchen zu bringen, mit dem klaren Unterton, daß die Ukraine ja gar keinen Frieden bräuchte, nützt dann entsprechend Putin.
    Vielleicht sollte man wirklich mal so argumentieren und hoffen, daß der logische Widerspruch darin sie entweder vom weiteren Tun abhält, oder ihre Köpfe zum platzen bringt. Groß wäre diese Hoffnung natürlich nicht, allerdings steht die Gewissheit, daß auch diese Epoche irgendwann enden wird und mit den Erfahrungen vergangener Zeitgeschichte darf man wohl annehmen, daß dieses mal nicht so zuvorkommend mit den Tätern umgegangen wird, sich für ein paar Mark, Euro, wohl eher aber Yuan von ihrer Schuld freikaufen zu können.

  17. Man fragt sich wie konnte das geschehen. Wann begann der Umbruch, von der Aufklärung zur Propaganda. Anscheinend reicht das weiter zurück als gedacht. Man sagt ja Augstein würde im Grab rotieren, wenn er das sehen würde.

    Im aktuellen Interview von {ungeskriptet} mit Holger Friedrich ist auch der Spiegel Thema. Friedrich damals selbst noch der Meinung der Spiegel wäre als einzige der deutschen Zeitschriften noch in der Lage ein Interview mit ihm richtig wiederzugeben, da musste er sich eines besseren belehren lassen. Die Redaktion im Spiegel hat das Interview mit ihm anscheinend komplett verzerrt wiedergegeben. Das Interview mit {ungeskriptet} ist recht interressant, wie die Propagandapresse über ihn hergefallen ist als er die Berliner Zeitung gekauft hatte. Das gleiche pasierte nochmal, als er vor kurzem die Ostdeutsche Allgemeine gründete. Die beiden Zeitungen sind quasi ein Spiegel (kleiner Wortwitz) was aus der deutschen Presselandschaft geworden ist.

  18. Wenn man glauben kann, was Karl Marx und Friedrich Engels sich in ihren Briefen über Ferdinand Lasalle zu sagen hatten, ist es mit der Aufrichtigkeit des Gründers eines Vorläufers der SPD auch nicht so besonders weit her. Das liest sich da mehr wie ein eitler Geck, dessen Hauptansinnen war, als „Arbeiterführer“ bei den Mächtigen mitzumischen, indem er sich mit Versatzstücken der Theorien anderer schmückte, ohne sie wirklich zu verstehen, der als nützlicher Idiot willkommen war solange er nich tzu viel Unsinn produzierte, aber nicht wirklich ernst genommen werden konnte. Passt also erstaunlich gut zum Speigel.

  19. Wenn Kritik an Regierung, Medien oder Institutionen nur noch erlaubt ist, solange sie den „richtigen“ Leuten nützt, dann ist Demokratie nur noch Dekoration. Dann wird nicht mehr aufgeklärt, sondern sortiert: erwünschte Kritik hier, gefährliche Kritik dort. Genau so stirbt demokratische Öffentlichkeit — nicht mit einem Knall, sondern mit dem dauernden Gemurmel von „Demokratie“, während man ihre Grundlagen abräumt.

  20. Während die MSM als schlimmstes Schimpfwort „Putinfreund“ verwenden, ist bei Overton magazin Trump der übelste Feind und die schlimmste Beschimpfung „Trumpfreund“. Wenn man behauptet, dass der Iran unmöglich den Krieg mit den USA gewinnen kann, ist man ein Trumpfreund. Den Irankrieg kann man doch nicht mit dem Vietnamkrieg vergleichen, in dem die USA ein großes Heer einsetzten, das besiegt wurde. Und der Krieg gegen den Iran hat bisher wohl weniger Perser das Leben gekostet, als der Krieg gegen das eigene Volk des zum Terrorregime verkommenen Gottesstaates. Und es besteht die Chance zu einem Regime Change, was ziemlich offensichtlich ist. Aber so etwas zu behaupten, wird nicht als Faktizität aufgefasst, sondern als Feindpropaganda.
    Meine Kommentare werden häufig so lange geprüft, bis ich zum Schluss komme, dass sie nicht veröffentlicht werden, und eine weichgespülte Version einreiche, die prompt veröffentlicht wird, und kurz darauf erscheint auch der Originaltext. Ich erkläre mir das damit, dass manche Autoren ihre Zensurmacht über die Grenzen hinaus missbrauchen, und die Chefredakteure das dann korrigieren. Der Burbach lässt allerdings meine Kommentare ohne Prüfung auf der Stelle verschwinden. „Ich arbeite und trotzdem reicht es nicht mehr 24. April 2026 Günther Burbach“ Dazu hatte ich eine Statistik eingereicht, die Burbachs These unterstützte. Es gibt anscheinend die Möglichkeit, bestimmte Personen direkt zu blockieren.
    Ich glaube, statt den Kommentatoren ihre Grenzen übergenau aufzuzeigen, sollte man den Autoren klar machen, dass Zensur die Ausnahme sein sollte, und dass Kommentatoren dazu da sind, Dinge zu sagen, die die Autoren nicht sagen sollen oder können.

  21. Im Grunde macht er mit dieser Selbstentlarvung ja nur das zum offiziellen Standard was der Spiegel uva. Medien schon seit Jahren so exerzieren. So kann man Glaubwürdigkeit natürlich auch gewinnen.;)Unterschied: Den Spiegel kann man kaufen, muss es aber nicht. Beim ÖRR ist das eben nicht so.

  22. Also was nun? Ich lese

    1) „Bereits Rosa Luxemburg empfand es als »revolutionärste Tat«, wenn man sagt, was ist“

    und gleich darauf

    2)“Dem Journalisten steht es nicht an, die Wirklichkeit zu formen, ihr seinen Stempel aufzudrücken
    – auch wenn er es freilich unbewusst immer tut, schon deswegen, weil seine bloße Existenz
    die Dynamiken von Ereignissen verändert. Gleichwohl sollte er seine Einflussnahme auf ein Minimum
    reduzieren. Das ist die Haltung, die Journalismus benötigt“

    Ist es also das Kennzeichen einer revolutionären Tat, dass sie keinen Einfluss auf die Wirklichkeit nehmen will?

    Durch diesen Widerspruch sind wir auf die Frage verwiesen, was mit „sagen was ist“ eigentlich gemeint ist.
    In der Presse fehlt ja nicht an Berichten über die tagtäglichen Kriegs-Gräuel, sie werden im TV auch noch bildlich präsentiert.
    Es nimmt auch kein Zeitungsschreiber ein Blatt vor den Mund wenn von den Auswirkungen des Sozialabbaus, von der Wohnungsmisere,
    von den Entlassungswellen, den Umweltzerstörungen die Rede ist. Da wird kein Geheimnis gemacht.

    Es geht also um die „Einordnung“ dieser Dinge: Bei alledem nicht zum „Systemfeind“ zu werden, das ist
    die Kunst, in der der Journalismus gekonnt seine Leserschaft einübt.

    Ja, die Quintessenz des Artkels stimmt, nämlich dass der Spielgel, nicht anders als seine Konkurrenz, zunehmend
    staattreu geworden ist. Die interessante Frage wäre allrdings gewesen, die – in ihre Ausgeklügeltheit durchaus erstaunlichen –
    Mittel, mit denen das in einer Weise geschieht, dass das blatt immer noch als kritisch wahrgenommen wird,
    zu analysieren.

  23. Ob der geschätzte Autor geschrieben hat „was ist“, kann ich so nicht sagen. Nur, dass ich alles genau so sehe wie er.
    Diese bizarre Aussage des Spiegelmitarbeiters ist nun nicht so neu und einzigartig. „Nicht den Falschen“ Argumente in die Hand zu geben, ist eine seit Jahren wiederkehrende Aussage der offizielle lizenzierten Wahrheitsmedien. Als wenn die, die „Falschen“ also, die noch rezipieren würden und als wenn für die „Falschen“ nicht jede dort vertretene These geradezu als Beweis des Gegenteil gelten würde.
    Wirklich interessant ist auch, dass dieser Spiegel – Lohn – Schreiber ein geradezu leninistisches Verständnis seines Berufes hat. Lenin hat, noch vor der Revolution, im Zusammenhang mit der Parteipublikation ISKRA deren Aufgaben definiert: erziehen, organisieren.

    Na dann, viel Glück…….

    1. Da haben wir’s wieder! Dieser Lenin! Erziehen wollte er, und organisieren! Unglaublich! – und das auch noch vor der Revolution!

  24. Was man beobachten kann ist simple „Selbstgleichschaltung“.
    Wie 1933.
    Nicht die Nazis haben die (klein)bürgerlichen Institutionen zwangsweise gleichgeschaltet, das geschah im Normalfall von Innen heraus. Aus dem Opportunismus, der dem Bürgertum immanent ist.
    Das ist auch belegt: der Wettlauf der universitären Fakultäten, sich nach oben „judenfrei“ zu melden, die Jubelarien der bürgerlichen Presse ob Adolfs Erfolgen gegen die Rechte der Proletarier.

    Was die Nazis natürlich verboten haben, waren deshalb auch die kommunistischen und sozialdemokratischen Zeitungen, die sich naturgemäß dem Naziterror entgegen stellten.
    Das hat im übrigen im stinkenden braunen Adenauerstaat Kontinuität.

  25. Ihr nennt es „Verantwortung“, wenn man die Wirklichkeit so lange glättet, bis sie in keine Schlagzeile mehr passt. Ihr nennt es „Haltung“, wenn man den Mächtigen Samtpfötchen gibt, von ihren Agenden nicht zu laut spricht und die Wahrheit erst dann präsentiert, wenn längst Gras über die Sache gewachsen ist. Ein hübscher Beruf: die Ordnung bewachen und sich dann wundern, dass alles um einen herum morsch wird!

    Wer überall „Systemfeinde“ wittert, sobald jemand eine Sache beim Namen nennt, hat nicht nur den Mut zur Wahrheit verloren, sondern auch sich selbst. Er weniger Angst vor Feinden als vor Spiegeln. Denn Wahrheit ist unbequem. Sie sitzt schief, kratzt und frisst an den Polstern der Macht. Genau deshalb ist sie so nützlich wie notwendig.

    Wer ein bisschen nachdenkt, verachtet nicht länger den Mensch oder die Welt, sondern Schminke und Tünche. Er sucht nicht länger, wie man Kritik erträglicher machen könnte, sondern fragt, warum sie überhaupt erträglich sein soll. Ein Journalismus, der sich vor dem „falschen“ Lager fürchtet, endet als höflicher Lakai des „richtigen“. Und ein Publikum, das nur noch beruhigt werden will, verdient irgendwann wirklich nichts anderes mehr als Beruhigungsmittel.

    Wer die freie Rede zähmt, um den Mächtigen zu gefallen oder bloß nicht aufzufallen, dient nicht dem Gemeinwesen, sondern dessen Sedierung. Den Lärm, der ihm in den Ohren dröhnt, ist aber nicht das Getöse der „Extremisten“, sondern das Pfeifen des eigenen Gehorsams!

  26. Es war so: Vor undenklicher Zeit, ich glaube ungefähr vor 15 Jahren, bekam ich einen Gutschein für ein zweimonatiges kostenloses Spiegel-Abo. Kann man ja versuchen, dachte ich, wenn es doch umsonst ist. Das war der Trugschluss – zwar kostete es kein Geld, aber umsonst war es nicht.
    Für jede Ausgabe die ich las, brachte ich mindestens einen Tag, um den ganzen Schleim, all die Lügen, all die üble Sprachsuppe wieder aus meinem Kopf herauszubekommen. Ich musste wirklich jeden gelesenen Artikel, jede Lügenmelodie geistig abwählen – um nicht zu viel von dem eingelesenen Gift übrig zu behalten. Das Verfahren war auch nicht nützlich – so wie ein Heilungsprozess das Immunsystem stärkt – ich konnte mich immer nur zum Zustand vor der Verschleimung zurück retten. Nach der vierten Nummer gab ich auf und haben nie wieder einen Speiübel gelesen und ich bedaure die Leute, die sich auf ihn berufsmäßig einlassen müssen. Entweder sie sind stark genug – oder sie werden irgend wann einmal untergehen.
    So wie bei Herrn Röper vom Anti-Spiegel: behauptete er doch allen Ernstes in seiner letzten Tacheles Sendung, die Verheiratung von 9 jährigen Mädchen in Afghanistan gehöre dort eben zur Kultur, die wir zu akzeptieren und nicht „besserwessimäßig“ zu kritisieren hätten und behauptete: Die Menschen wollen dort eben so leben.
    Spiegel, Spiegel, ich höre dich trapsen!

  27. Das Problem hat aber nicht nur der Spiegel. Auch ein Bild Mitarbeiter, ich glaube es war Julian Reichelt, der meinte, er wüsste, was die ukrainischen Soldaten mit russischen Kriegsgefangenen machten. Und das sei schlecht. Aber darüber berichte er nicht, weil die Russen es genauso täten. Leider habe ich dazu keine Quellen.

    Aber für die BBC habe ich eine. Hier berichtet Col. Wilkerson über ein Gespräch mit einem BBC-Mitarbeiter, in dem er für eine Dokumentation zu 9/11 befragt werden sollte. Im Verlauf wurde die saudische Komplizenschaft angesprochen und auch die mögliche Beteiligung des saudischen Königshauses. Wilkerson wollte dann auch die israelische Beteiligung ins Spiel bringen. Worauf der BBC-Mensch still wurde und dann kein Interesse signalisierte.

    Darauf Wilkerson, klar ich weiß, dass ihr kein Interesse habt, die BBC gehört ja den Israelis genau wie die NYT.

    Hier zwischen Min. 4:00 und 5:50 im Kanal von Ian Proud

    https://www.youtube.com/watch?v=E3BZupZXz2k

  28. Hickmann sagt doch exakt, was ist. Ich weiß nicht, was Herr de Lapuente hat.

    Das Spieglein ist wie die ZEIT ein Blättchen der pseudolinken Boomer. Und die haben nun wirklich kein Interesse daran, vorgekaut zu bekommen, was ist. Die ZEIT kann das nur wirtschaftlich erfolgreicher.

    Insofern ist es völlig OK, dass das Spieglein sich an die Kundenwünsche anpasst.

  29. Ich habe die putzige Verlautbarung des Spiegels auch gelesen und musste fast lachen, merkte aber noch, dass es eher zum Heulen ist, was sich da herangezüchtet hat und wurde.

    Ich fand heute auf overton aber dann wenigstens schön, dass ich vorher den herrlichen Artikel über das magische Denken hier gelesen hatte, der genau beschreibt, was der Spiegel betreibt: Wahrheiten manifestieren, die man sich wünscht. Immerhin haben sie wohl jetzt verstanden, dass sie nicht mehr als kritisches Medium auftreten sollten. Neues Deutschland, kenne ich noch…

    Siehe https://overton-magazin.de/top-story/die-neue-macht-der-magie/

  30. Was soll denn bitte das hier heißen, verehrte Redaktion: »Ihr Kommentar wirkt wie ein Fülltext oder eine künstlich gestreckte Eingabe. Bitte formulieren Sie ihn inhaltlich aus.«

    1. Einen zivilen Widerstand und Sabotage gegen KI-generierte Kontroll-und Disziplinierungseinsätze gab und gibt es leider nur im Kino.

  31. Teil 1 meines Originalposts:

    Aber die [Die Anstalt] müssen eben auch ihre Brötchen verdienen.
    @Hartmut, 03.05.2026 12:02 Uhr

    Also ich weiß gar nicht, was Sie haben, sie »verdienen« ihre Brötchen doch. Oder präziser gesagt, sie „erdienen“ ihre Brötchen, denn sonst müssten sie sie „erarbeiten“. Das ist anstrengend, pfui, und vielleicht sogar (Karriere) gefährdend, hui, lieber nicht…

    Die neuen Spielräume entstanden direkt aus dem Wegfall des konkurrierenden Systems.
    @Trilex, 03.05.2026 10:45 Uhr

    Das ist fast richtig, der gedehnte Zeitpunkt der Beobachtung einer publizistischen Marktveränderung stimmt jedenfalls. Es war allerdings in erster Linie kein »konkurrierenden System« – der real existierende Sozialismus war keine ernstzunehmende Konkurrenz und Staatskapitalismus ist noch immer Kapitalismus –, sondern das billige Geschenk eines Feindbildes.

    Verleihung der Goldenen Schere im Kopf und des Goldenen Maulkorbs
    @Miri, 03.05.2026 10:06 Uhr

    Das ist süß, aber womit wird gewinnbringend Journalismus gemacht? Gossip, Sex oder Feindbeschwörung. Kritischer Journalismus ist und war sowas wie ein (nicht ernst gemeintes) Glaubensbekenntnis, eine Nebenprodukt wie Sauerstoff bei der Photosynthese, der nützliche Kollateralschaden eines blasierten Business.

  32. Teil 2 meines Originalposts:

    Corona hat oberflächlich einen neuen Feind geschaffen, den „unsichtbaren Feind“, das Virus, doch eigentlich wurde der Fokus der Feinderkennung nur verschoben, von einem äußeren Feind zu einem inneren Feind: SIE! Oder ich oder alle anderen. Das sind natürlich keine Breaking News, die Aufgabe der vierte Säule war schon immer Aufmerksamkeitsökonomie, und das unterschlagen dieser altbekannten Tatsache ist nur eine Folge der medialen Monopolisierung…

    Selbstverständlich soll Systemkritik immer abgeschwächt und versteckt werden, wenn über „herausragende Personen“ (heute Trump, Putin, Xi usw.) gesprochen wird. Den wenigsten ist die beginnende Erosion aufgefallen, im Gegenteil, sie wurde begrüßt und prämiert, als die klare (und leidlich neutrale) Berichterstattung sich dem Gonzo-Journalismus anverwandelte. Als aus berichten erzählen wurde, diese gefühligen Texteinstiege über eine emotionalen Wahrnehmung von Situationen und Orten, als der Mensch als Artefakt in einer Landschaft der Umstände gelesen und beschrieben wurde. Und Journalisten lieber Schriftsteller, sprich Künstler sein wollten (irgendwie verständlich, die Neuen wurden auch immer mieser bezahlt).

    Gegen Gonzo-Journalismus oder künstlerische Texte ist prinzipiell nichts einzuwenden, denke aber, sie gehören nicht in die Nachrichten.

  33. Der Spiegel dient, wie fast alle Medien dazu, die Ansagen des 1%, aktuell auch als Epstein-Kartell benannt, an die Leibeigenen zu übermitteln.
    Wer das mit Journalismus verwechselt, hat das wertewestlich-kapitalistische Feudalsystem immer noch nicht verstanden.

  34. Der Spiegel, Dr. Spiggl,

    seit Aust ging es ab in die Richtung der Richtungen, also „der richtigen“. Spätestens mit 11.9.2001 war der Spiegel angekettet. Sein, davor, damaliger Euro-Hype, dann agenda 20xx, die Rechtschreibreformjodelei lobhudelei (um dann 6 Monate wieder zu der alten(!) zurück zukehren, genau wie das(!) FAZ)

    der spiegel hat fertig. titanic sollte mal wieder die alte Aktion auflegen…. 50 DM (damals) Belohnung für die Kündigung des Spiegelabos.

  35. Die journalistische Recherche, insbesondere in großen Medien und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie ARD und ZDF, wird in vielen politischen Themenfeldern zunehmend durch standardisierte Narrative ersetzt. Was als Einordnung verkauft wird, wirkt oft wie vorgefertigte Deutung. Kritik findet nur noch innerhalb enger Grenzen statt.

    Der Kurs, den Roberto De Lapuente beim Der Spiegel beschreibt, bringt dieses Problem auf den Punkt. Wenn führende Journalisten ernsthaft erwägen, Kritik an Politik zurückzufahren, weil sie den Falschen nützen könnte, dann ist das kein Ausrutscher, sondern ein Offenbarungseid. Dann wird nicht mehr gefragt, ob etwas wahr ist, sondern wem es nützt.

    Genau an diesem Punkt kippt Journalismus. Wer beginnt, Wirklichkeit nach politischer Verwertbarkeit zu filtern, verabschiedet sich von seinem eigenen Anspruch. Aus Kontrolle der Macht wird Rücksicht auf die Macht. Aus kritischer Distanz wird anschlussfähige Begleitung.

    Das Problem ist nicht ein einzelnes Medium, sondern ein Muster, das sich quer durch die Landschaft zieht, vom Der Spiegel bis in die öffentlich-rechtlichen Formate. Unterschiedliche Logos, ähnliche Deutungsrahmen. Unterschiedliche Redaktionen, aber oft derselbe Korridor dessen, was gesagt wird und was besser nicht.

    Gerade öffentlich finanzierter Journalismus trägt eine besondere Verantwortung. Er soll nicht stabilisieren, sondern hinterfragen. Nicht einordnen im Sinne von einpassen, sondern aufklären. Wenn stattdessen kritische Perspektiven vorsortiert oder diskreditiert werden, entsteht kein Vertrauen, sondern ein wachsender Abstand zwischen Publikum und Medien.

    Wer Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will, muss genau hier ansetzen. Weniger Angst vor unbequemen Fragen. Weniger Rücksicht auf politische Wirkung. Mehr Bereitschaft, tatsächlich das zu tun, was Journalismus einmal ausgemacht hat, sagen, was ist.

    1. „Wer Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will …“? Wer will das schon? Hat OT Glaubwürdigkeit gewonnen mit seinen neuen Forumsregeln? Und sie machen es dennoch und hauen auch noch völlig willkürlich Kommentare in den Orkus wenn einer der Geheimdienst-ki nicht passt.

  36. Sehr sinnvoll von RDL, das Thema in den Raum dreier Jahrzehnte zu stellen, mit Schröders Agenda 2010 fing die Selbstbemaulkorbung an. Damals holte man sich am Zeitungskiosk noch eine ordentliche Seitenzahl/Papiermenge ab inklusive ganzseitiger Werbung jeder Menge zahlungswilliger Firmen, die es damals im Lande noch gegeben haben muss. Über die Jahrzehnte hörte das langsam auf, genauso wie das reine Informationsangebot im Netz zusammengeschrumpelt ist. Heute guckt man da hin, um zu beobachten, für welche Online-Schlagzeile sie sich Zahlungsbereitschaft ausrechnen – und lächelt leicht: Netter Versuch!
    Sic transit gloria mundi.

  37. Hat Roberto de Lapuente denn den Spiegel-Artikel komplett gelesen? Oder nur die Überschrift und den Teaser? Das finde ich ein bisschen peinlich – der Artikel schreibt doch genau das, was Lapuente auch beschreibt: Hickmann beginnt sich zwar wirklich zu fragen, ob insbesondere ätzende und spöttische journalistische Kritik nicht den falschen nützt (erster Teil, den Lapuente auch benennt), aber er kommt zu dem Schluss, dass man wenn man nicht mehr kritisieren würde, in einem totalitären System wäre (zweiter Teil, den Lapuente nicht benennt).
    Nun kann man natürlich für falsch halten, dass Hickmann überhaupt diese Frage stellt, aber man sollte auch erwähnen, dass er ja zu demselben Schluss kommt, zu dem Lapuente auch kommt. Das nicht zu erwähnen, ist in meinen Augen journalistisch sehr fragwürdig und ziemlich schade, weil der Artikel von Lapuente ja die vorausgegangenen Entwicklungen beim Spiegel grundsätzlich richtig beschreibt.
    Dass die Leser hier den Spiegel alle blöd finden, führt natürlich zu sehr viel Bestätigung in den Kommentaren. Daher hat keiner den originalen Artikel gelesen. Hier aber mal die entscheidende Stelle:

    „…Bestätige ich nicht mit jedem Kommentar, in dem ich die Konzeptlosigkeit der Regierung kritisiere, all jene in ihrer Haltung, die meinen, autoritäre Systeme seien uns eh überlegen?

    Ja, tue ich. Und trotzdem werde ich damit weitermachen.

    Denn was wäre die Alternative?

    Missstände nicht mehr zu benennen, obwohl wir sie sehen? Skandale zu verschweigen oder harmloser darzustellen, als sie sind? Kritik abzuschwächen oder gar nicht mehr zu üben, auch wenn Dinge schieflaufen?
    All das tun Medien in autoritären, in totalitären Systemen. Wir werden die Demokratie und ihre Freiheiten, vor allem die Meinungsfreiheit, nicht retten, indem wir zu unseren eigenen Zensoren werden, weil wir die Auswirkungen dessen fürchten, was wir richtigerweise tun. Das wären dann tatsächlich: Fake News.“

  38. Die Grundsätzliche Frage fehlt auch hier. Kann Journalismus stattfinden unter kapitalistischen Bedingungen? Die Herstellung einer Zeitung kostet extrem viel Geld und dieses Geld wird durch die Anzeigen/ Werbung verdient. Das ist die erste Schere im Kopf.

    Die zweite Schere im Kopf besteht darin das man-von ganz wenigen Nischen Publikationen abgesehen- Systemerhaltend agiert. Ich erinnere mich noch wie damals Augstein meinte „Wir misten den Saustall aus“ Wer Ausmistet lässt aber den Saustall als solchen weiterbestehen. Es war der Spiegel der mit der Unsitte anfing Politikern Interview Anfragen mit den Fragen des Interviews zukommen zu lassen. Das hat sich inzwischen durchgesetzt. Wer davon abweicht oder zusätzliche Fragen stellt wird Interview Anfragen künftig abschlägig beantwortet bekommen.
    Als der Focus in der Nullnummer erschien habe ich für den Spiegel eine Expertise geschrieben in der es darum ging ob der Focus eine Konkurrenz für den Spiegel ist.

    Das Ergebnis war das der Focus ein Konkurenz Objekt für den Stern ist, aber keins für den Spiegel, wenn der Spiegel nicht zur Illustrierten verkommt
    Inzwischen ist der Spiegel eine Illustrierte, viele Bilder zwischen vielen Anzeigen.
    Nebenbei besteht wie eingangs erwähnt in der Frage kann es unter kapitalistischen Bedingungen Journalismus geben der sich in seinem Kern der Aufklärung verschrieben hat?
    Wenn ich mich erinnere war es Becker beim Spiegel der Eifersüchtig darauf geachtet hat das der Spiegel seine Käufer im akademischen Bürgertum generiert. Das hatte den Vorteil das vor allem hochpreisige Anzeigen geschaltert wurden, da die werbenden im Spiegel Leser ihre Kunden sahen.
    Die Krönung der Geschichte fand aber in der Süddeutschen statt.

    Eine Journalistin brachte einen kritischen Artikel über Aldi ins Blatt. Darauf hin hat Aldi verlangt das die Journalistin rausgeworfen wird. Sonst Schalter Aldi keine Werbung mehr in der Münchner Ausgabe. Die Journalistin wurde rausgeworfen und musste wieder eingestellt werden weil VER.DI sie dank Unterstützung und dem erfolgreichen Prozess vor dem Arbeitsgericht wieder beschäftigen musste.
    Es ist also nicht nur der Spiegel. Eigentlich ist er nur ein Beispiel von vielen.
    Es gibt online Projekte die gute Arbeit versuchen zu leisten aber auch die sind von einem oder mehreren Finanzierern abhängig und auch die Wissen wo die Grenzen liegen was geschrieben werden kann.

    1. @otmars „Kann Journalismus stattfinden unter kapitalistischen Bedingungen? Die Herstellung einer Zeitung kostet extrem viel Geld und dieses Geld wird durch die Anzeigen/ Werbung verdient.“

      Das gilt für die privaten Konzernmedien, aber nicht für den ÖRR. Das war auch einmal der Grund für die Schaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der von allen Bürgern finanziert wird. Das Problem des ÖRR besteht allerdings darin, dass er sich inzwischen selbst gleichgeschaltet hat und tief im Dickdarm der Regierung steckt.

      Es gibt auch Drehtüreffekte in die andere Richtung. Die ARD-Journalistin Sarah Frühauf, das ist die Dame mit dem herzlichen Dankeschön in der Corona-Zeit:

      „Na, herzlichen Dank an alle Ungeimpften – dank Euch droht der nächste Winter im Lockdown“,

      ist 2025 die Karriereleiter ganz steil nach oben gefallen und nun Sprecherin von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Leiterin des Pressereferats im Bundesinnenministerium.

      Man sieht, dass sich Hetze im woken, regenbogenfarbenen und veganen öffentlich-rechtlichen Gender-Fernsehen auszahlt. Man muss allerdings gegen die Richtigen hetzen und wer die Richtigen sind, das bestimmt die herrschende Nomenklatura. Wenn man das gut macht, dann gehört man irgendwann selbst zu dieser Nomenklatura.

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