
Der Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros legt ein Bekenntnis ab: So überkritisch dürfe man die Politik journalistisch nicht mehr begleiten. Denn das würde Systemfeinden nutzen. So ähnlich rechtfertigen sich Journalisten in allen Totalitarismen.
Sagen, was ist! Das war das Motto von Rudolf Augstein, seinerzeit Gründer des größten deutschen Magazins namens Spiegel. Dass es der Wahrheitsfindung dient, wenn man sagt, was ist, hatte schon vor Augstein und seinem Spiegel Anklang gefunden: denn bereits Rosa Luxemburg empfand es als »revolutionärste Tat«, wenn man sagt, was ist – sie wiederum bediente sich beim SPD-Gründer Ferdinand Lasalle, der »alle große politische Aktion« mit dem Aussprechen, was ist, verband. Ja, mehr noch, für ihn begann »alle politische Kleingeisterei« mit »dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist«.
Wie sehr sich Rudolf Augstein durch diese Koryphäen deutscher Politikgeschichte beeinflussen ließ, als er sein Motto formulierte, ist mindestens umstritten. Doch das Credo stand dem Magazin, ja überhaupt aller journalistischen Arbeit, gut an. Sagen, was ist! ist ein Bekenntnis zur Wahrhaftigkeit. Dem Journalisten steht es nicht an, die Wirklichkeit zu formen, ihr seinen Stempel aufzudrücken – auch wenn er es freilich unbewusst immer tut, schon deswegen, weil seine bloße Existenz die Dynamiken von Ereignissen verändert. Gleichwohl sollte er seine Einflussnahme auf ein Minimum reduzieren. Das ist die Haltung, die Journalismus benötigt – dezidierte Meinungsbeiträge sind hiervon ausgeschlossen. Beim Spiegel sieht man all das heute ganz offenbar anders.
Sagen, was sein soll
Augsteins Magazin hat in den letzten Jahren eine Transformation durchlitten – oder sagen wir lieber: die Leser und Abonnenten, so es noch gelesen und abonniert haben, haben schwere Zeiten durchgemacht. Ihr Magazin hat sich selten damit begnügt, das zu sagen, was auch wirklich ist. Sicher, da war die Episode Claas Relotius – ein Journalist, der sich Geschichten ersann. Und da er wusste, was sein Publikum und seine Kollegen, die deutsche Öffentlichkeit an sich, gerne liest, kam er zu großen Ehren: 2013, 2015, 2016 und 2018 gewann er den Deutschen Reporterpreis für seine Reportagen. Ein beschwingter Wortkünstler war Relotius nie. Aber er traf den Zeitgeist, man lag ihm zu Füßen, er kannte den Spirit – vereinfacht formuliert: Relotius schrieb aus der Warte des anständigen Justemilieu gegen jene an, die man als »kritische Masse« betrachtete – später würde man sie als »Querdenker«, »Schwurbler« oder »rechtsoffen« bezeichnen.
Von Relotius musste sich der Spiegel natürlich trennen, nachdem sich der Anfangsverdacht, angestoßen vom Spiegel-Reporter Juan Moreno, erhärtete. Der Spiegel war aber deswegen noch lange nicht von der Haltung befreit, die man offenbar für notwendig erachtete, um sich von dem, was wirklich ist, gekonnt abzusetzen. Die Wahrheit hatte es schwer in den Jahren nach Relotius – sie fand auch während der Pandemie nur wenige Einträge in jenem Nachrichtenmagazin. Aber schon vor dem Skandalreporter glänzte der Spiegel durch Anbiederung an die politischen Machtverhältnisse. Die breite Kritik der Öffentlichkeit, als die Agenda 2010 etabliert wurde, fand im Spiegel erstaunlich wenig Anklang. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder erklärte in seinem unnachahmlich knorrigen Stil, dass er zum Regieren nur »Bild, BamS und Glotze« brauche – dabei vergaß er den Spiegel zu erwähnen, der ihm auf dem Reformkurs nachhaltig behilflich war. Offenbar ideologisch eingefärbt sprach man sich seinerzeit für Privatisierungen und Sozialstaatsabbau aus. Heute verbindet man den Fall von »Florida-Rolf« mit der Bildzeitung – aber auch der Spiegel stürzte sich auf diese Story und weidete sie aus. Man sprach sogar mit dem psychologischen Gutachter des Sozialhilfeempfängers und freute sich an dessen Aussage, dass jener Rolf auch bestens im polnischen Klima aufgehoben gewesen wäre – dass er »Staatsknete« – so schrieb der Spiegel wirklich – in Florida verprasste, sei nicht Gegenstand des Gutachtens seinerzeit gewesen.
Das lag vor der Zeit, da Relotius zum prämierten Starreporter aufstieg, beflügelt durch eine Klientel, die es mochte, was der Journalist da zu Papier brachte. Es passte einfach so gut zur eigenen Wahrnehmung – richtete sich gegen den Argwohn, den es in der Bevölkerung gab, auch gegen Donald Trump, der damals schon als Sinnbild für einen globalen Rechtsruck gehandelt wurde. Seine Story, wonach irgendwelche Rednecks an der mexikanischen Grenze auf Menschenjagd gingen, las die Mehrheit unreflektiert – so stellte man sich die Vereinigten Staaten doch vor. Dort werden Mexikaner durch die Wüste gejagt und erschossen – und Relotius bestätigte dies. Moreno wies ihm nach, dass er nie mit den Beteiligten seiner Story gesprochen habe. Die Menschenjagd: erfunden! Man mochte nicht zimperlich mit Mexikanern umgehen, die die Grenze passierten. Aber erschießen wie Wild? Relotius schrieb nicht, was ist – er formulierte, was sein soll. In gewisser Weise stand er damals schon in einer Kontinuität seines Magazins, denn der Spiegel hatte Jahre zuvor – und auch während der Jahre, da Relotius das wichtigste Zugpferd war – schon mehr auf das gesetzt, was sein soll – wie gesagt, wie das Magazin den neoliberalen Reformkurs begleitete, ließ die Frage aufkommen, nach welchen Kriterien man der Wirklichkeit auf die Spur kommen wollte.
»Können wir so weitermachen?«
Man fokussierte sich auf die »Erkenntnisse« der herrschenden Ökonomie und ihrer Thinktanks – man tut das im Grunde bis heute. Diese vom Big Business finanzierten Einrichtungen, so schien man sich beim Spiegel zu beruhigen, sagten ja durchaus, was ist. Benötigte man da noch eine Gegenstimme? Irgendeinen sozialromantischen Gewerkschaftler, dem man nicht abnahm, sagen zu können, was tatsächlich ist? Die Nachfrageökonomie hatte einen schlechten Stand, man hielt die Löhne für zu hoch, die Arbeitslosen für abgrundtief faul und die Reichen für zu sehr belastet – die Chicago Boys galten als Quelle der Wahrheit. Reichte das nicht? Die Rolle des Magazins in jenen Jahren wurde nie aufgearbeitet – täte man dies, müsste man einen wesentlichen Punkt attestieren: Die damaligen Reformjahre haben maßgeblich zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen, sie haben das alte Vertrauensverhältnis vieler Bundesbürger in ihren Staat erodieren lassen – es entstand ein politisches Vakuum, in das letztendlich die AfD vorstieß. Kein Wunder, dass der Spiegel eine solche Nachschau nicht zur Priorität erheben möchte. Auch er hat sein Scherflein zur heutigen Gemengelage der Republik beigetragen.
Dann entschloss man sich, einen aggressiveren Grippevirus mit einer Pandemie zu küren. Gegenstimmen zum Kurs der Bundesregierung im Spiegel? Fehlanzeige! Man verließ sich auf die Expertenriege der Politik, kritische Stimmen am Rande des Regierungsdunstkreises wurden ignoriert – das war noch die rücksichtsvolle Form – oder sie wurden gleich öffentlich vorgeführt und der Lächerlichkeit preisgegeben. Wieder schrieb man gegen jene an, die schon in Relotius‘ Geschichten dumm aussehen sollten: die widerständischen Massen, die nicht für bare Münze nehmen wollen, was Medien und Politik, Politik und Medien, als alternativlose Szenarien zeichneten. Vor Jahren hatte man sie noch spöttisch als »besorgte Bürger« tituliert. Jetzt etikettierte man sie als »Rechte«, als Menschen, die keine Scheu hätten, mit teuflisch agierenden Extremisten zusammenzukommen. Um das abzukürzen: Corona verging, zeitgleich begann der Ukrainekrieg – oder sagen wir: wurde aus dem Bürgerkrieg in der Ostukraine ein russisch-ukrainischer Krieg – und wieder fand sich der Spiegel auf der Seite der politischen Funktionseliten im Lande. Kritiker werden nun seit vier Jahren vorgeführt und zu Agenten des Kremls umgedichtet. Der Spiegel ist Teil einer Kraft im Lande, die es geschafft hat, Angst und Schrecken zu verbreiten: immer weniger im Lande trauen sich noch zu sagen, was ist – oder was sie als gegeben erachten. Meinungsfreiheit nannte man das einst.
Nun also legt Christoph Hickmann, Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros, ein Bekenntnis ab. Vollmundig titelt er: »Nach 20 Jahren als Journalist frage ich mich: Können wir so weitermachen?« Fast möchte man vor Verzückung gratulieren – endlich nimmt sich einer der Misere an! Aber weit gefehlt. Hickmann moniert lediglich, dass seine Zunft gerne »negativ über Politik und Politiker« berichte. Man »kritisiere, meckere, prangere an«. Und was das bedeutet, scheint ihm klar zu sein: »Man könnte meinen, damit spielten wir den Systemfeinden in die Hände. Vielleicht sollten wir etwas ändern.«
Mit Pseudojournalismus gegen die Systemfeinde
Von was spricht dieser Mann? Seit Jahr und Tag ist der Spiegel nun als Magazin bekannt, das den Mächtigen in Berlin zur Seite springt, wann immer es notwendig ist – Augsteins Druckerzeugnis formierte sich über viele Jahre als Stimme gegen all jene, die der Bundesregierung Schritt für Schritt weniger über den Weg trauten. Den Kurs der offiziellen Politik zu kritisieren: Für das Magazin war das stets ein Grund, nach der großen Verschwörung zu forschen, die ein – für den Spiegel – so abwegiges Verhalten wie Regierungskritik erklärbar machen sollte. Und nun kommt ausgerechnet ein solches Bekenntnis des Leiters des Spiegel-Hauptstadtbüros, in dem man sich regelrecht dafür entschuldigt, zu hart mit Politik und Politikern umgegangen zu sein! Schlimmer noch: Zu dieser Erkenntnis kommt man lediglich, weil man sich davor zu fürchten scheint, »Systemfeinden in die Hände« zu spielen. Schon diese Wortwahl: Systemfeinde! Das ist vermutlich die hausinterne neue Bezeichnung für »Querdenker« und »Rechte« – nun erklärt man jeden kritischen Menschen, vom Pazifisten bis zum ostdeutschen AfD-Wähler, zum Feind des Systems und damit zum Gefährder.
Um diesen Schergen nicht dienstbar zur Hand zu gehen, scheint es offenbar im Hause Spiegel nun geboten zu sein, die ganze Wahrheit auf den Tisch zu packen. Sie lautet: Lieber nicht sagen, was ist – besser sagen, was sein soll. Damit kennt man sich freilich aus, man hält es schon sehr lange so. Nun aber spricht man es endlich mal ungeniert aus, ganz frei von der Leber weg. Wenn ein Politiker eine rüde Kritik verdient, dann ist es nach Hickmanns Bekenntnis offenbar viel besser für Land und Leute, wenn man sie als Journalist hinunterschluckt und ganz bieder und sehr zurückhaltend einige Fakten – oder das, was man dafür hält – nennt, aber nicht einordnet – Lieblingswort der Zeitgeist-Journaille! – und das Verhalten des betroffenen Politikers thematisiert. Dass sich der Spiegel dann überhaupt noch dazu herablässt, über gewisse Vorfälle zu berichten, soll der Leser und Abonnent dann vermutlich voller Dankbarkeit auffassen.
Nochmal, um es sich auf der Zunge zergehen zu lassen: Zu sagen, was ist, gilt also für den Spiegel der Zeitenwende als ausgemachtes Problem. Denn mit Fakten würde man das System destabilisieren – besser ist es also, dass man nicht sagt, was ist, um systemfeindlichen Subjekten nichts an die Hand zu geben. Mit dieser Einschätzung der eigenen Arbeit befindet sich der Spiegel nun auf dem Kurs der Europäischen Union, die mit ihrer Kampagne gegen sogenannte Desinformation ganz deutlich auf so eine Art von Journalismus setzt. Natürlich muss man sich als Rezipient an dieser Stelle nicht davor fürchten, dass der Spiegel nun nicht mehr sagt, was ist – denn das tut er ohnehin schon lange nicht mehr. Verwegen genug von Hickmann, so zu tun, als käme sein Magazin dieser Aufgabe noch nach. Aber nun gut, jeder auf dieser Welt braucht eine Lebenslüge – besonders in der Berliner Blase. Dass seine Ausführungen aber kaum Beachtung finden, spricht auch Bände. Es scheint mittlerweile angekommen zu sein in der Branche, dass Journalismus so betrieben werden sollte, wie Hickmann es ausformulierte: Systemstabil und nicht zu negativ. Denn Aufgabe der Presse ist es, die Stimmung hochzuhalten und bloß keine kritischen Fragen aufzuwerfen. Man könnte auch sagen: Hickmann hat kurz festgehalten, wie Presse im Ernstfall stattfinden soll. Oder im Totalitarismus.
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Propaganda.
Mehr muss man nicht schreiben, um dieses Phänomen zu treffen. Einhundert Zeichen sind viel.
wie wäre es anders herum? Wenn die Leute im nicht definierten Totalitarismus gar nichts anderes lesen möchten, der Spiegel also lediglich das schriebe, was seinen Verkaufszahlen diente? So wie ein Eisverkäufer immer Vanilleeis im Angebot haben muss? Ab und zu darf’s auch Mal Schoko sein..
Wer die Wahrheit sagte, würde totgeschlagen, so wie der Prophet – und mal ehrlich: Wer möchte das schon?
Das, lieber RdL ist Totalitarismus.
Ist doch ganz einfach, berichten was ist:
Journalismus.
Alles andere:
Propaganda.
Journalisten gibt es kam (noch).
Wir sollten das auch so benennen, und nicht ständig „Journalismus“ zur allgegenwärtigen Propaganda sagen.
Mehr gibt es dazu kaum zu sagen.
[dritter Versuch, Kommentar zu senden]
„Dann entschloss man sich, einen aggressiveren Grippevirus mit einer Pandemie zu küren“.
Lieber Roberto,
zum Spiegel ist um Grunde alles gesagt, weshalb ich auch den Antispiegel für seriöser halte. Deshalb wäre mein Wunsch nach wie vor, dass Overton voll (und damit meine ich auch voll) dagegen hält. Dazu gehört, dass man keinen Millimeter in Richtung Killervirus einschwenkt. Ich bemängele also das Wort „aggressiveren“. Wenn sogar in den geleakten RKI-Protokollen steht, man dürfe das Coronavirus nicht mit der Grippe vergleichen, bei der Grippe würden mehr Menschen sterben, empfinde ich das „aggressiver“ als Anbiederung an den Mainstream. Sorry.
Desgleichen verhält es sich mit den neuen Kommetarregeln.
Ja, das finde ich auch, ganz meine Meinung. Auch Ihre Anmerkung zu den neuen Kommentarregeln könnte ich so unterschreiben.
Zumal, wenn man die Thematik hier mit der der NDS vergleicht, so ist Overton demgegenüber von der thematischen Vielfalt der NDS meilenweit entfernt.
Overton lebt(e) auch von den Kommentaren, durch die neuen Regeln empfinde ich eine gewisse Blutleere…schade
Dieses, jetzt folgende, dient der Aufklärung und es ist schade, dass RDL es der Erwähnung nicht Wert fand:
Die Bill & Melinda Gates Foundation hat den SPIEGEL zwischen 2018 und 2025 mit insgesamt über 5,4 Millionen US-Dollar für das Projekt „Globale Gesellschaft“ gefördert. Die Gelder flossen in zwei Tranchen zur Berichterstattung über Themen wie globale Gesundheit und Entwicklung. „Globale Gesellschaft“ ist eine nette Umschreibung für den Auftrag so zu schreiben, wie es den Eliten zum Vorteil gereicht. Und der „Spiegel“, also die „BILD“ für Leser mit Abitur, wurde sicherlich dazu auserkoren, weil Vorgespräche mit der Chefetage des Blattes, schon zeigten, wie diese, sich Journalisten nennende Spezies, tickt. Da war klar, dass Geld ist sehr gut angelegt. Diese Schreiberlinge werden dem Kapital immer zu Füssen liegen, sichert es doch deren Auskommen. Schreiben was ist, – nein, dazu war der „Spiegel“ nie bereit.
Die „Systemfeinde“ sind die lästige Konkurrenz bzw. die Gefahr des Status Quo der „Eliten“.
Dieses „System“ – die „Eliten“ sagen was gemacht wird, das Volk arbeitet brav zur Mehrung des Reichtums der „Eliten“ und bekommt sogar ein bisschen was davon ab im Zuge der sozialen Errungenschaften der Gewerkschaften – war bis in die 90er noch unangetastet, weil das Internet noch nicht in der Fläche verbreitet und als Informationsquelle etabliert war.
Als die Sowjetunion und der Warschauer Pakt sich auflöste und die „kommunistische“ Konkurrenz plötzlich nicht mehr da war, vor der man beim Volk glänzen wollte, wurden auch nach und nach die sozialen Errungenschaften aufgekündigt und der Kapitalismus der „Eliten“ konnte endlich sein wahres, kriegerisches Gesicht zeigen. Dauerte ja nicht lange, bis man im Irak und fast gleichzeitig in Ex-Jugoslawien sein völkerrechtswidriges Angriffskriegsgesicht zeigen konnte.
Das wurde dann noch vom Irakkrieg 2.0 im Jahr 2003 getoppt, als man die Weltöffentlichkeit noch schamloser anlog, als schon bei der Brutkastenstory anno 1991 und einen weiteren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg startete, gefolgt auf 10 Jahren völkermordender Sanktionen gegen die Kinder des Irak auf Geheiß der Menschenrechtsverbrecherin und Kindermörderin Albright.
Nun wurden langsam kritische Stimmen im Internet laut und diese wurden immer lauter und zahlreicher. Wikileaks kam dann noch dazu, E. Snowndens Enthüllungen usw… ebenso wurde vielen bewusst, dass die Feindschaft der USNATO gegenüber Russland nicht auf Gegenseitigkeit beruhte, sondern einzig durch den MIK und seine Lobbyisten initiiert war und Europa, wie auch die USA mit Putin und Russland hätte gut auskommen können, sogar richtige Partnerschaft wurde von Putin angeboten.
Also höchste Zeit, die transatlantischen Netzwerke, die man schon nach dem 2. WK aufgebaut und von Jahr zu Jahr stärker ausgebaut hatte, noch weiter zu intensivieren und alle Meinungsmacher – nicht informierende Journalisten, sondern meinungsmachende Journalisten – über die transatlantischen Netzwerke ins Propagandasystem einzubinden.
So kommt es auch, dass alle großen, überregionalen Zeitungen, TV- Kanäle usw. usf. zu reinen transatlantischen Propaganda-Medien transformierten und selbst ehemals noch kritische Nischen-Satire, wie zum Beispiel die „Anstalt“, deren letzte wirklich kritische Sendung wohl so um 2014 ausgestrahlt wurde, mittlerweile belanglose, harmlos-woke Comedy ist, die sich mit Themen befasst, die keinen Schw…… interessieren.
Und ja, Kritik an Trump ist keine Kritik am System USNATO, sondern genau das Gegenteil.
Der Spiegel steht exemplarisch für die Boulevardisierung und Ökonomisierung des politischen Journalismus. Getrieben von Auflagen, später verstärkt von Klickzahlen, hat man sich voll auf das konzentriert, was die meisten Leser wollen, und das möglichst billig produziert.
Wenn man schreiben will, „was ist“, muss man zunächst recherchieren, dann möglicherweise komplexe Zusammenhänge erklären, Meinungsartikel sind dagegen schnell heruntergeschrieben. Wenn man nur Twitter und 20 Minuten Arbeitszeit braucht, spart man viel Geld.
Eine Meinung, die sich mit der Mehrheitsmeinung deckt, sichert wiederum das Publikum, das am liebsten seine eigene Meinung lesen möchte. Das erklärt die Regierungstreue von Schröder über Merkel bis Scholz: Die Regierung stellt nun mal die Mehrheitsmeinung dar, jedenfalls in einer Demokratie, also erreicht man mit der Reproduktion des Regierungsstandpunktes auch die meisten Menschen.
Der letzte, fatalste Baustein ist die massive Vereinfachung, Personalisierung, Emotionalisierung und Positionierung.
Alle Sachverhalte werden auf genau zwei Positionen reduziert, weil weder die Leser noch Journalisten es noch ertragen, dass etwas nicht schwarz-weiß ist: Vereinfachung.
Für beide Positionen werden Protagonisten vorgestellt: Nicht „Haushalt gegen Klimaschutz“, sondern „Lindner gegen Habeck“: Personalisierung.
Es wird nicht über Argumente berichtet, sondern die Diskussion wird als persönliche Feindschaft zwischen diesen Protagonisten präsentiert. Trump ist sauer auf Putin, Selenski beschimpft Scholz, Merz schreit Klingbeil an: Emotionalisierung.
Zum Schluss kommt die „Haltung“. Willst Du etwa die Alten umbringen? Die Orks unterstützen? Mit dem Verrückten im Weißen Haus sprechen? Wie im Kinderbuch sind die Rollen klar verteilt – Schatten gegen Licht, dumm gegen klug, Täter gegen Opfer, Lügen gegen Wahrheit: Positionierung.
Intelligente Leser hat der Spiegel damit längst verloren, wie die anderen Medien auch. Die werden nur noch beschimpft. Dafür hat er das große Reservoir des Boulevard-Niveaus gehoben, das von „Geschichten“ unterhalten werden, mit der Masse schwimmen, keine Widersprüche hören will und mit dieser Erfahrung an der Wahlurne sein Kreuz setzt.
„Alle Sachverhalte werden auf genau zwei Positionen reduziert, weil weder die Leser noch Journalisten es noch ertragen, dass etwas nicht schwarz-weiß ist: Vereinfachung.“
Da entlarvt sich der Konsument der Springer-Presse.
Die Goldene Schere im Kopf und der Goldene Maulkorb
Meine Damen und Herren, verehrte Restöffentlichkeit, liebe noch nicht vollständig betreute Meinungsempfänger,
willkommen zur Verleihung der Goldenen Schere im Kopf und des Goldenen Maulkorbs.
Nicht zur ersten. Diese Preise haben Tradition. Sie wurden nur nie ordentlich protokolliert. Jesus, Gandhi, Mandela und Malcolm X standen alle in Konflikt mit bestehenden Ordnungen. Genau deshalb gehört ihr Beispiel hier hinein: Systemfeind ist kein moralisches Urteil, sondern zunächst nur eine Positionsbeschreibung gegenüber einem bestehenden System. Ob diese Gegnerschaft schlecht, destruktiv oder notwendig ist, hängt davon ab, welches System verteidigt wird.
Wer gegen ein mangelhaftes, verkrustetes oder menschenfeindliches System steht, will nicht automatisch Zerstörung. Er kann Verbesserung wollen. Er kann Erneuerung wollen. Niemand will schlechter leben, nur weil er ein System kritisiert.
Und damit kommen wir zum traurigen Gewinner des Abends.
Hauptpreis: Die Goldene Schere im Kopf
Preisträger: DER SPIEGEL.
Verantwortungsbereich: Redaktion, Chefredaktion und publizistische Führung.
Namentliche Einordnung: Chefredakteur ist Dirk Kurbjuweit; zur Chefredaktion gehören Cordula Meyer und Thorsten Dörting als Stellvertreter. Christoph Hickmann bildet seit 2025 gemeinsam mit Roland Nelles die Doppelspitze des Berliner SPIEGEL-Hauptstadtbüros.
Die Goldene Schere im Kopf wird verliehen für vorauseilende publizistische Selbstbeschneidung im Gewand angeblicher Verantwortung.
Der Anlass muss nicht wiederholt werden. Der Artikel benennt ihn. Entscheidend ist nicht die einzelne Formulierung, sondern die Leistung dahinter: Ein ohnehin weitgehend unkritischer öffentlicher Medienbetrieb tut so, als sei sein Problem ausgerechnet zu viel Kritik.
Das ist die Pointe des Abends: Ein Medium, das sich gern kritisch gibt, aber in den entscheidenden Fragen längst Teil jener Ordnung ist, die es angeblich kontrollieren soll, erklärt nun, man müsse weniger kritisch sein.
Das ist keine Selbstkorrektur. Das ist ein Signal.
Nicht: Wir waren zu hart zur Macht.
Sondern: Die verbliebenen kritischen Stimmen sollen endlich diszipliniert werden.
Die Schere im Kopf setzt dort an, wo Journalismus nicht mehr zuerst fragt:
Ist es wahr? Ist es begründet? Ist es relevant? Ist es notwendig?
Sondern:
Wem nützt es? Wer könnte es verwenden? Welche falschen Leute könnten zustimmen? Könnte es das System beschädigen?
Damit wird aus Journalismus keine Kontrolle der Macht, sondern innere Grenzkontrolle des Sagbaren.
Kategorie: Semantikverschiebung des Jahres
Preis: Goldene Schere im Kopf.
Preisträger: DER SPIEGEL.
Leistung: Bedeutungen werden verschoben, ohne dass es auf den ersten Blick auffällt.
Hier liegt der Kern. Es geht nicht nur um eine Meinung. Es geht um Begriffe.
Systemfeind bedeutet nüchtern: jemand, der ein bestehendes System ablehnt oder grundsätzlich kritisiert.
In der neuen, moralisch aufgeladenen Verwendung bedeutet es: gefährlich, destruktiv, demokratiefeindlich, gesellschaftsschädlich.
Kritik bedeutet eigentlich: Prüfung, Korrektur, Widerspruch, Erneuerung.
In der neuen Verwendung bedeutet sie: Risiko, Gefährdung, mögliche Unterstützung des Feindes.
Journalismus bedeutet eigentlich: Kontrolle der Macht.
In der neuen Verwendung bedeutet er: Schutz des Systems vor Kritik.
Das ist keine Nuance. Das ist semantische Abriegelung. Begriffe werden nicht offen neu definiert. Sie werden in ihrer Wirkung verschoben.
Es klingt nach Verantwortung.
Es wirkt wie Demokratieschutz.
Es funktioniert als Disziplinierung.
Hauptpreis: Der Goldene Maulkorb
Preisträger: DER SPIEGEL.
Kategorie: Moralische Einhegung legitimer Kritik.
Der Goldene Maulkorb wird verliehen für den Versuch, Kritik nicht sachlich zu widerlegen, sondern unter Feindverdacht zu stellen.
Das Verfahren ist simpel: Man nimmt „Systemfeind“, lädt den Begriff negativ auf und stellt Kritik in seine Nähe. Dann muss man sich mit der Kritik selbst nicht mehr ernsthaft beschäftigen. Man fragt nur noch, ob sie den Falschen nützt.
Damit wird Kritik kontaminiert.
Wer kritisch ist, wird nicht mehr als notwendiges Korrektiv behandelt, sondern als Risiko. Als Störfaktor. Als jemand, der objektiv den Falschen helfen könnte. Das ist nicht bloß der Hinweis, eine Aussage könne missbraucht werden. Das ist ein Angriff auf das Auditorium.
Dem Publikum wird unterstellt, es könne Kritik nicht selbst einordnen. Es könne aus Kritik falsche Schlüsse ziehen. Es müsse vor Wirklichkeit geschützt werden, weil es sonst politisch falsch reagieren könnte.
Das Publikum erscheint nicht als mündige Öffentlichkeit, sondern als betreute Masse.
Dafür gibt es den Goldenen Maulkorb: für die Botschaft, dass Kritik formal erlaubt bleibt, aber unter Verdacht steht, sobald sie die falschen Empfänger erreicht.
Kategorie: Kontrolle der Kritik statt Kontrolle der Macht
Preis: Goldener Maulkorb.
Preisträger: DER SPIEGEL.
Leistung: Umkehrung der vierten Gewalt.
Das ist der Bruch.
Die Presse soll Macht kontrollieren. Sie soll politische, wirtschaftliche und institutionelle Macht prüfen, nicht schützen. Sie soll Missstände sichtbar machen. Sie soll dort unbequem sein, wo Interessen sich abschirmen.
Wenn ein Medium aber anfängt, Kritik danach zu bewerten, ob sie dem Vertrauen ins System schadet, dann hat es seine Funktion vertauscht.
Dann wird nicht mehr die Macht kontrolliert.
Dann wird die Kritik an der Macht kontrolliert.
Das ist nicht vierte Gewalt. Das ist vierte-Gewalt-Attrappe.
Aus Kontrolle der Macht wird Schutz der Macht vor Kritik.
Kategorie: Idee über Mensch
Preis: Goldene Schere im Kopf.
Preisträger: DER SPIEGEL.
Leistung: Die Erzählung wird wichtiger als die Wirklichkeit.
Wenn Kritik nicht mehr nach Wahrheit, Begründung und Relevanz beurteilt wird, sondern danach, ob sie dem System schadet, dann steht nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt.
Nicht mehr die konkrete Wirklichkeit. Nicht mehr die Frage, ob Menschen unter Fehlentwicklungen leiden. Nicht mehr die Frage, ob Institutionen versagen. Nicht mehr die Frage, ob ein System Mängel hat. Nicht mehr die Frage, ob Erneuerung notwendig ist.
Stattdessen wird eine Idee geschützt. Eine Erzählung. Eine Ordnung. Ein Selbstbild.
Das System erscheint wichtiger als die Menschen, denen es dienen soll.
Systeme sind keine heiligen Gebilde. Sie können Mängel haben. Sie können träge werden. Sie können ihre eigenen Ideale verraten. Sie müssen kritisiert und erneuert werden.
Wenn sie das nicht tun, entsteht genau jene Erstarrung, die jetzt sichtbar wird: Medien halten an ideologischen Vorstellungen fest, bis die Idee wichtiger erscheint als der Mensch.
Historische Ehrenpreisträger
Goldener Maulkorb, Kategorie religiös-politische Feindmarkierung:
an den Hohen Rat, die Hohepriester, die Schriftgelehrten und Ältesten Jerusalems sowie die römische Entscheidungsgewalt unter Pontius Pilatus, für die Behandlung Jesu als Störung einer bestehenden Ordnung.
Goldene Schere im Kopf, Kategorie koloniale Loyalitätsproduktion:
an den British Raj, vertreten durch die koloniale Strafjustiz gegen Gandhi, für die Umdeutung von Nichtkooperation und Systemkritik in strafbare Illoyalität.
Goldener Maulkorb, Kategorie Sicherheitslabel gegen Befreiungsbewegung:
an das Apartheidregime Südafrikas und die mitwirkenden westlichen Sicherheitskategorien, für die Behandlung Mandelas und des ANC als Gefahr, obwohl es um den Kampf gegen ein Unrechtssystem ging.
Goldene Schere im Kopf, Kategorie Angst vor radikaler Kritik:
an die amerikanische Sicherheits- und Medienordnung im Umgang mit Malcolm X, für die Markierung eines radikalen Kritikers als Gefahr, statt die Zustände ernst zu nehmen, die seine Kritik hervorgebracht haben.
Diese Ehrenliste ist nicht Dekoration. Sie beweist den Punkt.
Wer von einer bestehenden Ordnung als Systemfeind bezeichnet wird, ist nicht automatisch destruktiv. Er kann derjenige sein, der auf den Mangel zeigt. Derjenige, der Erneuerung verlangt. Derjenige, der ausspricht, dass ein System nicht mehr dem Menschen dient.
Schlusswort der Jury
Der heutige Hauptpreisträger ist DER SPIEGEL.
Nicht, weil dort ein unglücklicher Satz gefallen wäre.
Sondern weil sichtbar wird, wie ein Medium, das sich selbst als kritisch versteht, Kritik als Gefahr behandelt, sobald sie nicht mehr systemstabilisierend wirkt.
Der SPIEGEL erhält die Goldene Schere im Kopf für innere Vorzensur im Namen angeblicher Verantwortung.
Der SPIEGEL erhält den Goldenen Maulkorb für die moralische Markierung legitimer Kritik als Nähe zum Systemfeind.
Und in der Sonderkategorie Semantikverschiebung des Jahres erhält er beide Preise zugleich: für die Umdeutung von Kritik in Risiko, von Systemkritik in Feindschaft und von Journalismus in Systemschutz.
Die Diagnose ist schlicht:
Wer Kritik als Hilfe für Systemfeinde markiert, schützt nicht die Demokratie. Er schützt ein erstarrtes System vor notwendiger Korrektur.
Und ein Medium, das nicht mehr die Macht kontrolliert, sondern die Kritik an der Macht, ist keine vierte Gewalt mehr. Es ist ihr Nachruf im eigenen Layout.
Es ist schon erschreckend zu sehen, wie sehr es der Äußerung und Haltung von Hickmann an Verständnis mangelt, was eine Demokratie ausmacht. Und dabei sollte es im Grunde doch ganz einfach sein:
Alle Macht geht vom Volke aus, und vergibt sie an drei unabhängige staatliche Gewalten, die Gesetze beschließen, Recht sprechen und Recht durchsetzen. Und damit die Bevölkerung sieht, was mit seiner Macht getan wird, braucht es als vierte Gewalt die Medien, die genau hinsehen, wie der Auftrag umgesetzt wird und ob die verliehene Macht ggf. missbraucht wird. Es braucht also unabhängige (!) Medien, damit der Bürger so mündig wird, dass er unabhängig von den Äußerungen der Politik selbst in der Lage ist, das politische Geschehen zu bewerten und die Macht ggf. wieder zurückzuziehen.
Dass das nur alle vier Jahre bei den Wahlen geschehen kann, ist eigentlich schon ein Konstruktionsfehler – aber wenn die Medien Fakten verschweigen, um die Politiker vorsätzlich in ein falsches Licht zu setzen, ist das das ein direkter Angriff auf die Demokratie!
Setzen, Sechs, Herr Hickmann!
Wenn sich der Unmut und die Wut der Bevölkerung, sei es durch große Demonstrationen oder Wahlen, Bahn bricht werden sie das System mit Waffengewalt aufrechterhalten.
Das wird anders laufen als in der ehemaligen DDR! Hier wird keine friedliche Revolution zugelassen, das sollte jedem klar sein der die Entwicklung der letzten Jahre aufmerksam verfolgt.
Der „Spiegel“ ist längst Teil dessen geworden, worüber er eigentlich kritisch berichten sollte. Insofern ist das, was der „Spiegel“-Fritze da zu Protokoll gab von berückender Ehrlichkeit: Er hätte auch – etwas volkstümlicher – sagen können, dass man die Hand, die einen füttert, besser nicht beißt. Das betrifft jedoch nicht nur den „Spiegel“ sondern bspw. auch den ÖR im Wesentlichen (und andere Etablierte ebenfalls). In Anlehnung an Sibylle Berg („GRM“, „RCE“, „La Bella Vita“ etc.; u.a. aber auch ehem. „Spiegel“-Kolumnistin): Der „Spiegel“ ist eine (analoge) Massenablenkungswaffe.
@Karsten
Was den ÖRR betrifft so wird er ja von den Zwangs-Beitragszahlern der Gangster-Einzugs-Zentrale finanziert.
Dabei spielt es keine Rolle ob man den ÖRR benutzt oder nicht.
Die Systemfeinde die das GG bei jeder Gelegenheit brechen oder sich hinbiegen sitzen an anderer Stelle und es sind nicht die Kritiker.
Warum hier im Artikel ausgerechnet Werbung für Ulf Poschardt läuft verstehe wer will, ich nicht!
https://de.wikipedia.org/wiki/Ulf_Poschardt