Muss der Kapitalismus weg?

Enjoy Capitalism
Openclipart, CC0, via Wikimedia Commons

Der Kapitalismus ist’s: Diese vorschnelle »Einschätzung« zeigt oft einen eklatanten Mangel an Kenntnis.

Was hat dazu geführt, dass der im Westen so gut verborgen gebliebene Bürgerkrieg im Osten der damaligen Ukraine zu einem heißen Krieg werden konnte? War es die NATO-Osterweiterung? Trifft die Schuld eher die an die Ukraine grenzende Europäische Union? Hatte die Ukraine ein Interesse an der Eskalation? Oder sind diese Einschätzungen Holzwege und Wladimir Putin verfolgt tatsächlich den Plan eines großrussischen Reiches? Je nach politischer Couleur gibt es verschiedene Ansätze – aber alle sind sie grundsätzlich irrelevant, weil sie die Wurzel des Übels in keiner Weise berücksichtigen: den Kapitalismus. Dass es diesen Ukrainekrieg geben kann, hat einzig eine Ursache: Es ist eine Systemfrage.

Nein, das ist nicht meine Ansicht. Ich zitiere nur Argumentationsmuster, die mir in den letzten vier Jahren immer wieder begegnen – meist von Seite Altlinker, was immer diese Kategorisierung heute noch bedeuten mag. Und diese vermeintliche Argumentation, wenn ich es recht durchdenke, hörte oder las ich auch schon weit vor diesem leidvollen Konflikt in Osteuropa. Ja, selbst während der Pandemie, die so hart mit den systemischen Tugenden brach – Wettbewerbsfähigkeit und die Berücksichtigung des Erhalts von Arbeitsplätzen zum Beispiel –, war für manchen ein Ausdruck kapitalistischer Logik, immerhin ließ ein Fleischproduzent doch tatsächlich seine Belegschaft weiterarbeiten. Sollten die Kunden im Lockdown doch Kuchen essen! Davor sprach alles über die Flüchtlinge – die damaligen Linken sahen darin Verwertungslogiken, wie sie nur dem kapitalistischen System eigentümlich seien, schließlich wolle man billige Arbeitskräfte importieren. (Der Ehrlichkeit halber sei erwähnt, dass der Autor dieser Zeilen das damals auch recht häufig betonte.) Die Beispiele lassen sich fast beliebig auswechseln, das Erklärungsmuster aber bleibt: Klima, Umweltverschmutzung, Digitalität und immer wieder Mord und Totschlag – ein Hinweis auf die Natur des Kapitalismus reicht, um jede weitere Analyse im Keim zu ersticken.

Neulinker Kapitalismusfatalismus

Selbst Kriminalität steht in dem Ruch, eine logische Konsequenz systemischen Versagens zu sein. Wäre das anders, gäbe es weder Betrug noch Körperverletzung, keinen Mord und keine Unterdrückung. Es gibt also an und für sich nichts, was in dieser Welt nicht längst falsch läuft, weil der Kapitalismus und seine Logiken sich dessen bemächtigt haben. Ich erinnere mich noch daran, dass ich vor einigen Jahren gelegentlich einen Podcast mit einem in der Szene nicht unbekannten Altlinken aufnahm. Das Vorhaben scheiterte nach einigen Versuchen. Denn mit ihm konnte man einfach kein ergiebiges Gespräch führen, jedes Gesellschaftsthema, das wir anschnitten, brach er recht vulgär auf den Kapitalismus herunter. Und wenn er darauf zu sprechen kam, leuchteten seine Augen, dann war er in seinem Element – und er berief sich auf Karl Marx, Antonio Gramsci und Konsorten und das Gespräch bekam sofort den Charme schlecht durchbluteter Füße. Welches Spartenpublikum hat denn heutzutage noch Lust auf so ein theoretisches Geplauder? Sicher, es gibt eine breite Nostalgiewelle in der Gesellschaft, aber erstaunlicherweise scheint es keine Renaissance irgendwelcher Marx-Exegese-Stuhlkreise zu geben. Früher war halt auch nicht alles gut.

Wenn hier von Altlinken die Rede ist, so ist eigentlich genauer gesagt die Neue Linke damit gemeint. Sie hat – im Gegensatz zu den wirklich alten Linken, den Sozialisten und Kommunisten und auch im Gegensatz zum alten Marx – den Kapitalismus zu einer Teufelserscheinung modifiziert, von der man sich dringend fernhalten sollte, ganz so wie es der Teufel mit dem Weihwasser hält. Marx sah im Kapitalismus noch die notwendige Vorstufe zu einer kapitalistischen Gesellschaft, er verteufelte dieses Produktions- und Akkumulationssystem nicht, sondern verstand sie als geschichtliche Voraussetzung – der Philosoph hatte etwas in diesem für seine Zeit noch relativ neuen Phänomen erkannt, was den Neuen Linken später offenbar entging: Der Kapitalismus schafft Grundlagen, die über ihn selbst hinausweisen. So entwickelt er die Produktivkräfte, steigert den gesellschaftlichen Reichtum, treibt die Arbeitsteilung voran und schafft überhaupt erst die materiellen Voraussetzungen, auf denen eine sozialistische Gesellschaft nach Marx denkbar wäre. Wer den Kapitalismus lediglich als moralisch verwerfliches System betrachtet, übersieht geflissentlich diesen dialektischen Charakter. Für Marx war der Kapitalismus deshalb kein historischer Irrtum, sondern eine notwendige Entwicklungsstufe – obgleich dieser Prozess eigene Widersprüche hervorbringt, die Marx wiederum als mögliche Kräfte der Überwindung des Kapitalismus deutete.

Im Grunde wittere ich hinter dieser eiligen Kapitalismuskritik, die schon um die Ecke biegt, bevor man sich mit einem gesellschaftlichen Phänomen überhaupt inhaltlich auseinandergesetzt hat, einen eklatanten Mangel an Kenntnis. Bevor das Gegenüber merkt, dass der Gesprächspartner zum Beispiel von Geopolitik und deren fast zwangsläufigen, immer auch unappetitlichen Verwerfungen – oder aber der Fußballweltmeisterschaft oder ganz profan von ökonomischen Abläufen – wenig Ahnung hat, verlagert man den Themenschwerpunkt und kommt lieber vom Tausendsten ins Hundertste. Vielleicht muss man diese Form alt- beziehungsweise neulinken Kapitalismusfatalismus‘ als gewiefte Taktik begreifen, das eigene Gesicht, die eigene Intellektualität, auf die man so mächtig stolz ist, durch Themenverlagerung zu bewahren.

Vor dem Kapitalismus lag das Paradies?

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit in diesem Milieu die vielen Grausamkeiten dieser Welt durch den kurzen Satz »Der Kapitalismus ist schuld« abgetan werden. Erwiesenermaßen bringt die kapitalistische Wirklichkeit auch Armut hervor und sie bedeutet längst noch nicht, dass jedes Individuum seine Chance hat, wenn es sie nur ergreift – das ist die Folklore der Marktradikalen und Libertären. Wer den Kapitalismus als »abschließende Analyse« verdammt, tut jedoch mit kalkulierter Ausblendungsbereitschaft so, als habe es Armut vor dem teuflischen Dammbruch dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gar nicht in diesem Umfang gegeben. Sicher, die Menschen aus der vorkapitalistischen Zeit hatten es durchaus schwer, aber sie ahnten ja auch nicht, dass es dereinst eine Welt geben könnte, in der für sie mehr Annehmlichkeiten herausschauten – insofern waren sie ja wohl, nach Lesart nostalgisch veranlagter Einschätzungen aus dem linken Milieu, glücklicher als der missgünstige homo capitalisticus. Und mehr Gleichheit gab es sicherlich obendrauf. Was aber ist schon bekannt über das Glück jener Jahre? Unhinterfragt fanden sich Eltern damit ab, dass von ihren fünf Kindern nur zwei erwachsen wurden – auf diese Weise drohte zumindest keine Überbevölkerung. Aber richteten sich die Menschen in so einem Umfeld im Glück oder wenigstens in der Zufriedenheit ein? Wie stand es um die psychische Gesundheit derer, die in Zeiten vor dem Kapitalismus darbten? Wir wissen es nicht sicher, denn für Aufzeichnungen fanden die einfachen Leute so gut wie kaum Zeit – wenn sie denn überhaupt schreiben und lesen konnten.

Vertreter der monokausalen Welterklärung von der Teufelei kapitalistischer Produktionsweise arbeitet häufig mit starken Bildern von Gegensätzlichkeit. Die gute alte Zeit davor idealisieren sie zwar nicht explizit, denn so weit ist die Allgemeinbildung dann schon gediehen, dass jeder zumindest erahnen kann, wie schwierig die Zeiten für Otto Normalbauer waren – denn alleine die Ernährungssituation war bis zum Aufkommen industriell – und damit kapitalistisch – produzierter Dünger häufig unsicher. In diesen Zeiten kennzeichnete solche Gesellschaften soziologisch eine sogenannte Alterspyramide – das Idealbild derer, die heute noch erklären wollen, warum die Rente eben nicht sicher sein kann. Denn ein funktionierendes Rentensystem benötige eine solche Altersverteilung, wie sie sich in der Alterspyramide abbildet. Was diese »Experten« nicht kundtun: Klassische Alterspyramiden sind charakteristisch für arme, vorkapitalistische Gesellschaften, dort wo hohe Kindersterblichkeit und Ernährungsengpässe vorherrschen.

In den letzten Jahren – es wurde ja schon angerissen – findet sich unter Anhängern der Neuen Linken, von Frankfurter Schule bis zu den Anarchos, die ziemlich beliebte These, dass der Ukrainekrieg ein kapitalistischer Waffengang sei. Sicher, am Krieg verdienen kapitalistische Unternehmen Milliarden und noch mehr. Und ja, sie beeinflussen Mandatsträger, um das Geschäftsfeld möglichst lange bedienen und sich daran bereichern zu können. Doch schon in vorkapitalistischen Zeiten gab es einen Komplex, der sich gütlich tat am Kriege – ein Blick auf die Aktivitäten der Augsburger Fugger gibt beispielsweise darüber Aufschluss. Selbst der Großkönig Xerxes wurde von persischen Edlen zum Feldzug gegen Athen gedrängt, weil sie sich Profit erhofften. Gab es in Vorzeiten denn keine Kriege? Wahr ist, dass der Kapitalismus kein Deut friedenssicherer ist als alles, was es zuvor gab. Und ja, die Möglichkeiten der Produktion von Waffen und weiterem kriegstauglichen Gerät haben den Krieg sicherlich grausamer und tödlicher werden lassen. Doch den Kapitalismus mal eben nonchalant als ursächlich für die Existenz von Kriegen zu ernennen – das wirft die Frage auf: Warum finden sich vorher nicht viel weniger Kriege in der Geschichte der Menschheit?

Antikapitalismus-Folklore für den vorschnellen Gebrauch

Wer den Kapitalismus zur Voraussetzung des Krieges erklärt, müsste bitte auch erklären können, weshalb die Menschheitsgeschichte vor dem 18. Jahrhundert kaum weniger blutig verlief. Antike Imperien führten Eroberungskriege, mittelalterliche Fürsten stritten um Territorien, Religionen lieferten jahrhundertelang Rechtfertigungen für Massaker. Die Kreuzritter dienten keinem Aktienmarkt, der Dreißigjährige Krieg keinen Hedgefonds – und Dschingis Khan war kein CEO eines aggressiven asiatischen Konzerns mit multinationalen Ambitionen. Menschen fanden schon immer Gründe, einander umzubringen. Mal religiös motiviert, mal dynastisch begründet, später auch im Namen von Nationen oder Ideologien. Der Kapitalismus hat diese Motive weder erfunden noch ersetzt. Das entlastet ihn selbstverständlich nicht von seinen eigenen Verwerfungen. Rüstungsunternehmen verdienen an Kriegen, Staaten verfolgen oft die Interessen reicher Kapitalkonzerne und Ressourcen spielen regelmäßig eine Rolle. Die Situation heute aber lapidar mit der Ursächlichkeit durch den Kapitalismus erklären zu wollen, kann einem ausgewogenen Intellekt nun wirklich nicht zugemutet werden.

Diese Form der allzu tumben Kapitalismusdebatte erfüllt weniger eine erkenntnistheoretische als eine psychologische Funktion. Wer schnell den Kapitalismus auf eine solche Weise ins Spiel bringt, hat einen Schuldigen gefunden, bevor die eigentliche Betrachtung beginnt. Die Welt wird angenehm übersichtlich, eine Weltverschwörung lindert die verwirrende Komplexität globaler Realitäten ab und erlaubt Übersichtlichkeit. Außenpolitik, Kultur, Demographie, Psychologie, Religion oder technische Entwicklungen müssen dann gar nicht mehr ernsthaft als Sujet betrachtet werden. Sie werden stattdessen als lästige Symptome behandelt. Das macht den Kapitalismusbegriff zu einer modernen Chiffre. Er soll alles erklären, hat aber letztlich nicht das Zeug zur überzeugenden Darlegung, weil er beliebig und gleichzeitig generalisierend angewandt wird. Die vermeintliche Diagnose nährt sich aus einem gut einstudierten Glaubenssatz, dem es zudem massiv an Trennschärfe mangelt.

Dennoch bleibt die Kritik am Kapitalismus zweifelsohne notwendig. Jede Wirtschaftsordnung produziert Machtkonzentrationen, Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten und Interessen, die kontrolliert und zumindest eingehegt werden müssen. Da ist der Kapitalismus nicht weniger anfällig als der Feudalismus und der Merkantilismus – und übrigens auch als der Sozialismus. Der Kapitalismus ist weder Teufel noch Erlöser. Er ist eine historische Wirtschaftsordnung mit Stärken, Schwächen und Widersprüchen – und sicherlich auch mit Perversionen, aus denen sich mehr denn je Menschen an den Profiten der Realwirtschaft mästen, ohne einen konkreten Nutzen für die Gesellschaft zu haben. Gleichwohl ist das Phänomen komplexer. Der eigentliche Fehler liegt nicht in der Kapitalismuskritik an sich, sondern in der Sehnsucht nach der Monokausalität. Eine Theorie, die jede Antwort bereits kennt, bevor die Frage gestellt wurde, ist keine Analyse mehr. Der Kapitalismus mag vieles erklären. Wer jedoch glaubt, er erkläre alles, der hat schon längst damit aufgehört, die Welt verstehen zu wollen.

Dieser Artikel erschien erstmals unter anderem Titel bei Manova.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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32 Kommentare

  1. Ohne Kapitalismus wären die meisten Leser und Kommentarschreiber hier schon tot, weil sie irgendwann mal ein Antibiotikum oder eine komplizierte Krankenhausbehandlung brauchten, ohne die es nicht weitergegangen wäre. Mich eingeschlossen.

    1. Also im Moment sorgt der Kapitalismus dafür, dass praktisch gar keine neuen Antibiotika mehr entwickelt werden. Da muss mal wieder der Staat einspringen.

      Ansonsten. Hier die Stärken des Gesundheitssystems in Kuba, von KI zusammengefasst:

      — Universeller Zugang: Medizinische Versorgung ist für die Bevölkerung grundsätzlich kostenlos.

      — Starke Primärversorgung: Kuba setzt seit Jahrzehnten auf Hausärzte und Prävention. Viele Menschen haben einen festen Arzt in ihrer Nachbarschaft, der regelmäßige Vorsorge betreibt.

      — Gute Gesundheitsindikatoren: Kuba erreicht trotz begrenzter wirtschaftlicher Ressourcen eine hohe Lebenserwartung (rund auf dem Niveau vieler Industrieländer) und eine niedrige Kindersterblichkeit.

      — Hohe Ärztedichte: Kuba bildet viele Ärzte aus und entsendet sie im Rahmen internationaler Programme in andere Länder.

      Natürlich hat das Gesundheitssystem von Kuba auch Schwächen, aber die haben fast alle mit der Blockade Kubas durch die USA und Andere zu tun.

      1. Es ist immer wieder erfreulich, dass in diesem Forum der Hang zur Satire und zum Humor recht ausgepägt ist.
        In Ihrem Beitrag ist die Satire allerdings gut versteckt, dafür gebührt Ihnen Anerkennung…

        1. @Dr. Klöbner: Tja, die Wahrheit ist ein bitterer Trank, wer sie ausspricht, erntet selten Dank.
          Dafür aber sinnfreie Kommentare von Ihnen.

  2. „Marx sah im Kapitalismus noch die notwendige Vorstufe zu einer kapitalistischen Gesellschaft“

    Da scheint etwas nicht zu stimmen!

    1. Übersicht mit Google KI
      Nach der marxistischen Theorie ist der Kapitalismus nicht nur die ökonomische Vorstufe, sondern die notwendige historische Voraussetzung für eine kommunistische Gesellschaft

      1. Ich kann nur dringend davor warnen KI für die Recherche zu benutzen..

        Manchmal teste Ich KI (aus beruflichem Interesse) so neulich mal wieder weil Ich etwas für einen Artikel Recherchiert hatte. Im Grunde hatte Ich also schon meine Antworten wollte aber mal zum Test sehen was die KI dazu sagt.

        Also fragte Ich die Ki nach einem ganz bestimmten Sachverhalt und bat sie unter anderem einen Artikel als Quelle zu nehmen. Daraufhin erzählte mir die KI im Brustton der Überzeugung völlig falsche Dinge weil der Artikel genau diese Fakten nicht beleuchtet hatte. Danach stellte Ich der KI die gleiche Frage aber mit einem anderen Artikel als Quelle. Und die Ki erzählte mir dann genau das Gegenteil der ersten Antwort aber genauso mit voller Überzeugung..

        Hätte Ich nicht von vorneherein selber gesucht und mir ein korrektes Bild gemacht, dann hätte mir die KI eine völlig falsche Antwort gegeben, und das mit voller Überzeugung..

        Das bringt mich zu der Ansicht, dass Ki für die Wissensbildung absolut Wertlos, ja sogar kontraproduktiv ist.

        Fragen Sie die KI doch mal wie die vormittelaterlichen Dorfgemeinschaften, welche ja grundlegend kommunistisch (oder familiär) organisiert waren, auf diese Antwort passen. Denn damals gab es noch gar keinen Kapitalismus der als Vorstufe hätte dienen können. Wundern Sie sich nicht wenn die KI dann etwas völlig anderes erzählt, das ist kein Fehler sonder per Design..

        Mit KI Antworten macht man sich leider oft ziemlich lächerlich, selber studieren macht hingegen schlau..

        Mfg Makrovir

    2. Marx hat diesen Standpunkt später modifiziert. Siehe seine Briefentwürfe an Vera Sassulitsch. Marx räumte ein, daß auch Gesellschaften ohne kapitalistische Phase durchaus auch eine sozial gerechte Gesellschaft aufbauen können. Das faktisch agrarische Rußland bewies dies.
      Es scheint, daß viele „Experten“ den Kapitalismus auf die Entwicklung von Produktivkräften reduzieren, zeitgleich die mit dem Kapitalismus verbundene Ausbeutung des Menschen durch den Menschen als „schlechte“ Nebenerscheinung abtun, ebenso die Tatsache zu übersehen scheinen, daß mit der Überwindung des Feudalismus durch den Kapitalismus der Krieg nicht (!) abgeschafft, sondern zu einer Existenzbedingung des Kapitalismus wurde.

  3. Autor: “Wer schnell den Kapitalismus auf eine solche Weise ins Spiel bringt, hat einen Schuldigen gefunden, bevor die eigentliche Betrachtung beginnt.“

    Da ist was dran. Es hat vielleicht auch ein wenig damit zu tun, dass das Gut-Böse-Denken (Dichotomie) im christlich-liberalen Westen tief verankert ist. Davon können sich natürlich auch die diversen Linken nicht befreien, sie sind ja Kinder des christlich-liberalen Westens. Und um Marx zu verstehen ist, ist dialektischen Denken vonnöten, was im Westen nicht gelernt wird. Da wird wieder zunehmend auf Moral und Ideologie wert gelegt, also auf feststehende Dogmen. Und da passt natürlich „Kapitalismus gleich Böse“ wie die Faust auf’s Auge.

    1. Klar, Marx hat mit und in seiner Analyse des Kapitalismus nicht moralisiert, sondern nachgewiesen, welches Potenzial er hat, welches später für die Entwicklung des Sozialismus genutzt werden kann.
      Dennoch brachte Marx in seinen ökonomischen Studien viele, sehr viele Beispiele, welches der Preis ist, den Kapitalismus aufzubauen und international durchzusetzen:
      Marx zitierte Dunnings:
      „‚Kapital‘, sagt der Quarterly Reviewer, ‚flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.‘ (T. J. Dunning, I.e. p. 35, 36.)“ (MEW Bd. 23, S. 788, Fußnote 350.)
      Auf derselben Seite oben steht noch:
      „Wenn das Geld, nach Augier, ‚mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt‘, so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend.“

  4. Also Kapitalismus ist gar nicht so schlecht, weil es ja auch früher Kriege gab?

    Ich liebe ja Vereinfachungen, weil die Komplexität wirklich störend ist bzw. deswegen ja auch künstlich von Anwalt-Teams in Kompaniestärke bei jedem Unternehmen aufgebaut wird, um nicht mehr durchzusteigen.

    Aber das ist wirklich unterkomplex gedacht.

    Dann abstrahieren wir hier und konzentrieren uns auf die Besitzverhältnisse. Ob dem Fugger, dem König, dem Müller …
    Wer besitzt, der bestimmt.

    Grundwiderspruch des Kapitalismus:
    Gesamtgesellschaftliche Produktion und privatkapitalistische Aneignung

    Gewinne werde privatisiert, Verluste werden vergesellschaftet.

    Es gibt leider keine einfache Lösung. Am Ende des Buches „Hegemonie oder Untergang“ zeigt Mausfeld auf was passieren muss um etwas zu ändern. (Spoileralarm: Es ist ernüchternd, was an Alternative machbar ist)

    1. Grundwiderspruch des Kapitalismus:
      Gesamtgesellschaftliche Produktion und privatkapitalistische Aneignung
      Gewinne werde privatisiert, Verluste werden vergesellschaftet.

      Diese kapitalistische Realität führt aber zu „freiem“ Kapital (das nicht verkonsumiert wird) in den Händen des Kapitalisten.
      Freies, überschüssiges Kapital war aber überhaupt erst die Voraussetzung um Zivilisationen und damit kulturellen Fortschritt zu ermöglichen. Die Menschen mussten gezwungen werden mehr zu produzieren als für ihre Reproduktion notwendig. Da unterscheiden sich frühere Gesellschaftsformen und der Kapitalismus nicht. Erst das überschüssig erzeugte Kapital machte es möglich daraus Kunst, Kultur, aber vor allem auch die Produktivkräfte (Technologie) zu entwickeln und voranzutreiben, was somit zu einem Potential zu mehr gesellschaftliche und menschliche Freiheit wird.

      Die eigentliche Frage ist, wo die Grenze des Produktivitätsfortschritts im Kapitalismus ist, wann die Produktivkräfte in den vorhandenen kapitalistischen Bedingungen sich nicht mehr weiterentwickeln, bzw. wenn sie beginnen kontraproduktiv zu wirken. Dann ist eine gesellschaftliche Umwälzung fällig.

  5. Danke für diesen tollen Artikel. Richtig, Marx war ein Philosoph und Erklärer, und kein Forderer der Abschaffung des Kapitalismus. Spannend dabei auch die russische Revolution die mit vermeintlich marxiatische Ideologie den Kapitalismus überwinden wollte. Damals gab es in der russischen Gesellschaft etwa 3% klassische Proletarier. Das hatte Marx etwas anders beschrieben, eher ein natürlicher Übergang nach dem das Proltariat die Mehrheit ist und die Produktionsmittel besitzt. Der Artikel kommt auch von der Stimmung her gut rüber, ohne dieses „ich weis alles“.
    Ich hatte mal für mich den Kaptalismus so definiert, dass es die realistischte Abbildung menschlichem Verhaltens ist. Dazu sagte mir ein Freund, das sei Ihm deutlich zu düster, wir Menschen könnten höherwertige Ideal haben und diese Phase überwinden. Das halte ich für möglich, aber ziemlich weit weg. Der Weg dort hin scheint mir klar, wenn im Survival of the Fittest erkannt wird, das der Kooperationsfähige der Fitte ist, und dieser auch entsprechendes Ansehen geniesst, im Gegensatz zu dem Besitzenden.

    1. Nun ja, stelle einfach mal die Bücher „Freiheit statt Kapitalismus“ und „Reichtum ohne Gier“ von Sahra Wagenknecht gegen den Artikel. Auf A…. gibt es sehr viele gute Rezensionen dazu und hier eine Buchbesprechung mit SW aus einer Zeit, als der ÖRR noch halbwegs brauchbar war. Dauert zwar fast eine Stunde, ist aber sehr informativ und auch kurzweilig.

      https://www.sr-mediathek.de/index.php?seite=7&id=924&pnr=&tbl=pf

      Übrigens, wer sich das Wahlprogramm des BSW genau anschaut, findet darin Ansätze unser Wirtschaftssystem in die geschilderte Richtung umzubauen. Das gute an dem System ist, dass es keine Revolution braucht, dass man es evolutionär einführen kann.

      1. Das gute an dem System ist, dass es keine Revolution braucht, dass man es evolutionär einführen kann.

        Dann frag ich mich, warum die gesamte herrschende Clique unisono die „Evolution“ zu verhindern weis. Ich fürchte, ohne Revolution wird’s nicht gehen.

    2. Ich würde eher umgekehrt denken. In Russland waren vielleicht 3 % Besitzende. 97% der Bevölkerung waren verarmt oder Leibeigene oder Soldaten. Die hatten nichts mehr zu verlieren als ihr Leben. Daraus werden Revolutionen gemacht.

      Bevor in D eine Revolution aufkommt, müssen wir erst alles verlieren, darum ist es ausgeschlossen, dass in D was passiert…

      Aber uns geht’s doch NOCH gut …

      … ist die häufigste Antwort auf alle Fragen

  6. Dennoch bleibt die Kritik am Kapitalismus zweifelsohne notwendig. Jede Wirtschaftsordnung produziert Machtkonzentrationen, Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten und Interessen, die kontrolliert und zumindest eingehegt werden müssen.

    Das ist zweifellos richtig. Nur dass das dem westlichen liberalen Kapitalismus aus seinem Selbstverständnis heraus nicht gelingen kann. Er müsste seine Ideologie ändern und nicht die Freiheit des Kapitals (und des Individuums?) ganz nach vorne stellen. In China scheint die Kontrolle und Einhegung der Kapital-Interessen gelungen, was offensichtlich auch ein Produktivitäts-Fortschritt bedeutet.

    Etwas anderes scheint der Autor aber nicht auf dem Schirm zu haben, was aktuell wieder von außerordentlicher Wichtigkeit ist, nämlich dass liberaler (freier) Kapitalismus zu Imperialismus führt und der wiederum zu Krieg, das haben sowohl Lenin als auch Luxemburg als erste sorgfältig herausgearbeitet – und die Geschichte seitdem immer wieder bewiesen.

  7. Die Zeiten vor dem Kapitalismus waren ja auch durch für Kapitalismus typ. Eigenschaften gezeichnet. Das System, daß grundsätzlich auf Gewaltherrschaft weniger über viele beruht, funktionierte auf ähnliche Weise wie der Kapitalismus.
    Statt Regierungen gab es Könige etc. – statt Lohnarbeiter gab es die Sklaven, Leibeigene usw.
    Es gab Königreiche, Grafschaften usw. – heute ersetzt durch die Nationalstaaten. Es gab und gibt die wenigen „Gewinner“ und die breite Masse an „Verlierern“.

    Kapitalismus und Nationalstaaterei ergeben zusammen den tödlichen Mix, der heutzutage prägend für dass Zeitgeschehen ist. Konkurrenz der Nationalstaaten (früher Königreiche etc.), führt zwangsläufig immer wieder zu tödl. Auseinandersetzungen, profitorientierte Produktion führt zwangsläufig immer zu Ausbeutung und Unterdrückung. Ja -auch die derzeitige „Lohnarbeit“, selbst wenn das dort verdiente Einkommen für ein halbwegs auskömmliches Leben reicht, beruht auf Ausbeutung und Unterdrückung. Früher mussten sich die Herrscher, um die Arbeitsfähigkeit ihrer Untertanen zu erhalten, noch selbst um das leibl. Wohl ihrer Untertanen kümmern. Heutzutage machen das die Untertanen selbst und sorgen damit für noch höhere Gewinne/Vermögen bei den Herrschern.

    Das Gegenmodell ist denkbar einfach und absolut kein Zauberwerk – keine Nationalstaaten, kein Privateigentum von Produktionsmitteln und statt profitorientierter Produktion bedarfsorientierte Produktion. Fertig ist der Lachs.

    Selbstverständlich würde es weiterhin Kriminalität/Straftaten geben. Ob aus Eifersucht, Neid oder anderen persönl. Befindlicheiten. Trotzdem würde es erheblich weniger Kriminalität geben, da etliche Motive ( Sprichwort Armutskriminalität) wegfallen würden.

    Also ich kenne keinen einzigen Linken, der behauptet, vor dem Kapitalismus wäre die Welt besser gewesen. Auch kenne ich keinen Linken der behauptet, kein Kapitalismus=keine Kriminalität. Ich weiß nicht, mit wem Herr Lapuente da angeblich geredet hat, aber sicher nicht mit irgendeiner allgemein unter Linken anerkannten Kapazität/Meinungsführer.

  8. Der Kapitalismus ist über 500 Jahre alt
    und es existierten bereits Vorläufer in der Antike und im späten Mittelalter, womit
    das letzte Drittel des Artikels bereits argumentativ abgeschmiert ist.

    Für die beiden ersten Drittel müssten wir
    zunächst den Neoliberalismus vom Kapitalismus trennen. Eine angebotorientierte Wirtschaftspolitik, aka
    (Neo-)Liberalismus mit Privatisierung, Deregulierung, ( spekulativem Finanz-)Freihandel, Steuersenkungen für Superreiche ist nicht DER Kapitalismus und nicht der „Turbokapitalismus“.
    Das wissen auch die „Verantwortlichen“, sonst würden sie jetzt nicht versuchen
    nachfrageorientiert die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Sie verstehen bloß nicht,
    dass die „Schuldenbremse“ noch immer existiert und nur für Rüstung, Kasernen und Panzerstraßen gen Osten durchlässig ist. So werfen sie eine Milliarde nach der anderen in ein Strohfeuer, statt langfristige in ökonomisch Sinnvolles wie
    Bildung, Dekarbonisierung und soziale Sicherung zu investieren, um hier die sozial-ökologische Kurve zu kriegen.

    Das aber führt jetzt alles zu weit. Der Artikel ist tendentiös und würde zur Widerlegung viel Arbeit und Zeit beanspruchen.

    Was viele „Marxisten“ nicht verstehen möchten, ist die Tatsache, dass man den Übergang von jetzt auf ein System, in dem der Mensch wieder die Hauptrolle spielen soll, im bestehenden System schaffen muss. Es wird keine Schalter von Kapitalismus auf Sozialismus geben, den
    man nur zum besten aller umlegen muss.
    Revolution kommt nicht. Es fehlt das Subjekt der Revolution.

    Marx und Engels sind noch immer klasse.
    Im Land der ehemaligen Dichter und Denker gehörten sie direkt hinter Goethe und Schiller genannt. Marx verstarb, bevor er einen Entwurf von Gesellschaft abliefern konnte. Was alles sollte er sonst noch geleistet haben ? Über seinem Werk steht als Gesamtüberschrift „FREIHEIT“, sonst nichts.

  9. Der Kapitalismus ist über 500 Jahre alt
    und es existierten bereits Vorläufer in der Antike und im späten Mittelalter, womit
    das letzte Drittel des Artikels bereits argumentativ abgeschmiert ist.

    Für die beiden ersten Drittel müssten wir
    zunächst den Neoliberalismus vom Kapitalismus trennen. Eine angebotorientierte Wirtschaftspolitik, aka
    (Neo-)Liberalismus mit Privatisierung, Deregulierung, ( spekulativem Finanz-)Freihandel, Steuersenkungen für Superreiche ist nicht DER Kapitalismus und nicht der „Turbokapitalismus“.
    Das wissen auch die „Verantwortlichen“, sonst würden sie jetzt nicht versuchen
    nachfrageorientiert die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Sie verstehen bloß nicht,
    dass die „Schuldenbremse“ noch immer existiert und nur für Rüstung, Kasernen und Panzerstraßen gen Osten durchlässig ist. So werfen sie eine Milliarde nach der anderen in ein Strohfeuer, statt langfristige in ökonomisch Sinnvolles wie
    Bildung, Dekarbonisierung und soziale Sicherung zu investieren, um hier die sozial-ökologische Kurve zu kriegen.

    Das aber führt jetzt alles zu weit. Der Artikel ist tendentiös und würde zur Widerlegung viel Arbeit und Zeit beanspruchen.

    Was viele „Marxisten“ nicht verstehen möchten, ist die Tatsache, dass man den Übergang von jetzt auf ein System, in dem der Mensch wieder die Hauptrolle spielen soll, im bestehenden System schaffen muss. Es wird keine Schalter von Kapitalismus auf Sozialismus geben, den
    man nur zum besten aller umlegen muss.
    Revolution kommt nicht. Es fehlt das Subjekt der Revolution.

    Marx und Engels sind noch immer klasse.
    Im Land der ehemaligen Dichter und Denker gehörten sie direkt hinter Goethe und Schiller genannt. Marx verstarb, bevor er einen Entwurf von Gesellschaft abliefern
    konnte. Was alles sollte er sonst noch geleistet haben ? Über seinem Werk steht
    als Gesamtüberschrift „FREIHEIT“, sonst nichts.

  10. Mir ist das alles viel zu theoretisch!
    Die Auswirkungen des Kapitalismus kann man in meiner Heimatstadt Gelsenkirchen ausgiebig bewundern!
    -Ist unsere Parteienoligarchie in ihren politischen Handlungen ein Büttel des Kapitals oder ist sie es nicht?
    -Haben wir einen Drehtüreffekt zwischen Politik und Wirtschaft, oder haben wir ihn nicht?
    -Werden die Menschen, die ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen ausgebeutet, oder werden sie es nicht?
    -Gibt es Superreiche, die sich politischen Einfluss kaufen, oder gibt es sie nicht?
    Mit Rüstung, Finanzmärkten, Kriegen usf. fange ich gar nicht erst an!
    Dieses Theoretisieren, was, wieso, weshalb, der olle Marx oder nicht, interessiert mich nicht die Bohne!
    Mich interessiert die Rentnerin, die ich sehen muss, wie sie den Müll durchsucht!
    Die Auswirkung unseres kapitalistischen Systems live und in Farbe!
    43 Berufsjahre in der Alten- und Krankenpflege haben mich die Auswirkungen unseres Systems zur Genüge kennen lernen lassen, bis zum Knochenkotzen!
    Das ist mir Systemkritik genug

  11. Ich stosse bei meiner Arbeit, der Reparatur von Elektrogeräten, ständig auf die geplante Obsoleszenz, die mich fuchsteufelswild macht: sie ist eine Pervertierung der menschlichen Kreativität und eine wirtschaftliche Schädigung großen Ausmaßes. Geräte aus alter Ostblockproduktion haben das nicht – bei vergleichbarer Leistung. Der kapitalistische Wettbewerbsdruck hat die technische Entwicklung enorm beschleunigt, aber stattgefunden hätte sie gewiss auch ohne ihn: später, aber vllt mit geringeren „Kollateralschäden“ ökologischer/sozialer Art. Werkeln im Osten war mit Frustration über Materialmangel und eine gewisse technische Rückständigkeit verbunden, die teils systemimmanent war, teils vom Westen aufgezwungen. Aber nie hatte ich dabei den Eindruck bösartiger Absicht, der aus der geplanten Obsoleszenz spricht. Mein Firmenmotto, das ich auch den Kunden kommuniziere, ist und bleibt: „Jede Reparatur ist ein Schlag in die Fresse des Kapitalismus.“

  12. Das scheint ein Privatblog zu sein, denn – falls ich mich nicht irre, was ich hiermit teste – blockt der Autor notorische Kritiker nach Nase, ohne Umweg über Moderation

    1. Naja, grob sinngemäß lautete der zurück gewiesene Kommentar:

      Der Kapitalismus ist weder Teufel noch Erlöser. Er ist eine historische Wirtschaftsordnung mit Stärken, Schwächen und Widersprüchen – und sicherlich auch mit Perversionen …

      Wer würde diesem Fazit des Artikels ernstlich widersprechen wollen?
      Eben!

  13. Das war notwendig. Aber es wäre vollständiger gewesen, hätte der Autor den „Imperialismus als höchstes ( und letztes?) Stadium des Kapitalismus“ ins Spiel gebracht. Ja, auch Lenin sollte man nicht entsorgen, der lieferte einige brauchbare Analysen des Kapitalismus, trotz der fatalen Rolle des russischen „Sozialismus“, gleich Mao & Gen.
    Das diese Bewegungen objektiv kleinbürgerlich-bäuerliche sein mußten, steht auf einem anderenBlatt.

  14. Der Kommentar ist schon oben bei @Frank als Antwort eingestellt, ist mir „verrutscht“. Weil er Antworten auf viele Kommentare hier geben kann, erlaube ich mir, ihn nochmal „allgemein“ einzustellen:

    Nun ja, stelle einfach mal die Bücher „Freiheit statt Kapitalismus“ und „Reichtum ohne Gier“ von Sahra Wagenknecht gegen den Artikel. Auf A…. gibt es sehr viele gute Rezensionen dazu und hier eine Buchbesprechung mit SW aus einer Zeit, als der ÖRR noch halbwegs brauchbar war. Dauert zwar fast eine Stunde, ist aber sehr informativ und auch kurzweilig.

    https://www.sr-mediathek.de/index.php?seite=7&id=924&pnr=&tbl=pf

    Übrigens, wer sich das Wahlprogramm des BSW genau anschaut, findet darin Ansätze unser Wirtschaftssystem in die geschilderte Richtung umzubauen. Das gute an dem System ist, dass es keine Revolution braucht, dass man es evolutionär einführen kann.

  15. Hat sich Roberto etwas getraut. Lobenswert.
    Hätte denn die Abschaffung des Kapitalismus in der Gesellschaft nennenswerte Reaonanz? Eher nicht. Nicht weil er so beliebt wäre, aber die Alternative schreckt eben ab. Diese sei eine Einparteiendiktatur, welche im Besitz aller Produktionsmittel sei und damit im Vergleich zu anderen Diktaturen ein weiteres Druckmittel habe. Das nun wird geglaubt und nicht zu Unrecht. Wir Linken können nicht glaubhaft versichern, dass es diesmal anders würde.
    Aber die Einsicht, dass es im Kapitalismus nicht gemütlich ist und dass Du um alles kämpfen musst, dieses Bewusstein müsste da sein. Dass Du halbwegs ordentlich bezahlt wirst, dass Du am Arbeitsplatz kein rechtloser Sklave bist, dass Du halbwegs bezahlbaren Wohnraum brauchst, all das haben die Altvorderen für uns erkämpft. Das Wissen, dass das verteidigt werden muss, fehlt in bedauerlicher Weise. Dann probieren sie es eben, ob das weg kann. So wie gerade jetzt. Diese „Reformen“ sind eine Ansammlung von Unverschämtheiten, die nun weitgehend klaglos hingenommen werden. Darauf haben sie lang gewartet.
    Indes ist die Lektüre des Marx immer noch Pflicht. Welcher durch das Scheitern des Ostblocks keineswegs widerlegt ist. Die bürgerliche Volkswirtschaft ist mehr oder weniger Voodoo. Mit Marx ordnen sich die Dinge und es sind Einsichten möglich, die dem Hans Werner Sinn wohl ewig unbeksnntg bleiben werden.

  16. Über Marx reden und selbst keine Ahnung haben.

    Marx hat den Kapitalismus nicht verdammt. Er hielt ihn für eine konsequente Entwicklung der Produktivkräfte einer Gesellschaft, deren Wirtschaft auf Privateigentum an Produktionsmitteln und ebenso privaten Aneignung des erwirtschafteten Mehrwerts basierte. Genau diese Dinge waren in Feudalismus und Sklavenhalterordnung nicht einen Piep anders. Anders waren nur die bestimmenden Produktivkräfte. Aus diesem Grunde geht es bei der Idee des Sozialismus und weiter zum Kommunismus auch nicht darum den Kapitalismus bzw. Kapitalisten, sondern das Privateigentum abzuschaffen.

  17. Des Rätsels Lösung ist folgende. Psychopathen benutzen den Kapitalismus als Vorwand, um Kriege anzuzetteln. Kein vernünftiger Geschäftsmann kann verstehen, dass die EU jährlich 70 Milliarden in einen Krieg pumpt, den sie höchstwahrscheinlich verliert. Und Trump wollte den Ukrainekrieg beenden, und stellte den Russen dieses kuriose Ultimatum, dass sie in 100 Tagen einen Waffenstillstand schließen müssten, so dass sie Zeit hatten, sich den restlichen Donbass noch zu holen, was diese zahnlosen Tiger nicht schafften. Immerhin gelang es ihm doch noch, die Auflagen des Kongress zu erfüllen und dabei ein Geschäft aus dem Ukrainekrieg zu machen, indem die Europäer die Waffen für die Ukraine bezahlen müssen.

  18. „Muss der Kapitalismus weg?“

    WAS FÜR EINE FRAGE?
    SELBSTREDEND MUSS DAS ÜBEL ALLER KRIEGE UND AUSBEUTUNG WEG.
    SIEHE ROSA LUXEMBURG:
    SOZIALISMUS ODER BARBARBEI!

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